mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Freitag, 27. Oktober 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Mag. Koch, UmverfitStS-Buchdruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon so.
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lN-nHdrnck verboten.)^
an die Dame,
verlieren. Er und sprach die in ihrer neuen
reichte seinem Mündel die Hand Hoffnung aus, daß sie sich bald Heimat heimisch fühlen werde.
Einige höfliche Phrasen noch
roten Lippen war leicht aufge-worfcn und ließ zwei Reiben der schönsten Zähne dnrchschimmern.
Als Viola jetzt die Lippen öffnete, um den Freiherrn zu begrüßen, schlug eine volle, weiche Altstimme von bezauberndem Klang an sein Ohr.
Indessen war Gerhard von Linden nicht der
Mann, um beim Anblick eines schönen Gesichtes vollkonunen seine Fassung zu
die bisher Violas Erziehung geleitet hatte, und eine Viertelstunde später stieg Gerhard mit seinem Mündel in den Wagen, der sie zur nächsten Bahnstation bringen sollte.
„Sie werden Wohl Ihre Pensionsfreundinnen sehr vermissen?" fragte Gerhard das junge Mäd- chen betrachtend, das ruhig und teilnahmslos neben ihm saß.
„Vermissen?" — ein spöttisches Lächeln kräuselte eine Sekunde lang die roten Lippen — nein, Herr von Linden, ich werde keine der- missen."
„Aber in Ihrem Alter pflegt man doch für seine Freundinnen zu schwärmen.^
Das junge Mädchen warf ihm einen stolzen Mick zu.
„Wenn mau deren hat," versetzte sie ruhig; „ich hatte bloß Genossinnen, ein tiefes, inniges Freundschaftsgefühl konnte keine von ihnen in mir erwecken."
Ueber die Stirn des Freiherrn flog eine trübe Wolke.
Wie altklug, wie gereift sprach dieses junge, kaum den Kinderschuhen enllvachsene Geschöpft Und das sollte ein Umgang für seine einfache, natürliche Schwester werden?
, »Sie haben sich in Ihrer Umgebung nicht wohl befunden?" fragte er nach einer Pause.
Aus harter, entsagungsvoller Jugend hat Moltke durch weise Sparsamkeit und Genügsamkeit von Anbeginn seiner Offizierslaufbahn an jene persönliche Unabhängigkeit erworben, die im Verein mit seinen einfachen, edlen Sitten und mit seiner nie ermüdenden Pflichttreue eine weitab von ehrgeizigen Bestrebungen liegende innere Harmonie schufen, wie sie selten in dem Charakterbild eines großen Feldherrn sich findet. Ueber den Zauber seiner Persönlichkeit inmitten der stürmischsten und aufregendsten Kriegsereignisse, wo mancher Kriegsheld und Diplomat das seelische Gleichgewicht einen Augenblick verlor, entwirft General v. Blume u. a. folgende Schilderung: „Die Ueberlegenheit seines Geistes ließ für Rivalitäten keinen Platz. Seine Pflichttreue, seine strenge Sachlichkeit, seine Anspruchs- und Selbstlosigkeit, die würdevolle, vornehme Ruhe, die ihn auch unter den schwierigsten Verhältnissen keinen Augenblick verließ, die Güte, die nie auch nur ein ungeduldiges Wort über seine Lippen kommen ließ, diese vorbildlichen, durch weltgeschichtliche Erfolge in das hellste Licht gestellten Eigenschaften wirkten mächtig auf seine Um- gebung."
Moltke, „der große Schweiger"--über
diesen Ehrentitel lächelt man vielleicht auf den Höhen unserer heufigen Zeitgenossen. Moltke aber haßte nur das leere, ruhmredige Geschwätz, dem entweder keine Taten nachfolgen oder das Pläne vorzeitig enthüllt, — Pläne, die dann wie Seifenblasen zerplatzen. Trotz seiner Güte und Nachsicht konnte Moltke gegenüber unnützem Gerede ungeduldig werden und er übte dann auch scharfe Kritik. Sein Grundsatz war: „Das Unnütze ist zugleich auch das Schädliche". Manches Unheil und manche Verwirrung wären der äußeren und inneren Polifik Deutschlands erspart geblieben, wenn dieser Grundsatz des „Schweigers" Moltke getreuere Anwendung gefunden hätte.
~ In Anknüpfung an heute für Deutschland ins Schwergewicht fallende Fragen zur Erhaltung der Wehrfähigkeit zu Lande und zu Wasser sei ein Bericht aus Moltkes Selbstbiographie hervor- gezogen. Es war im Fahre 1860, als er den Vorsitz der Küstenbefestigungs-Kommission über- nahm. Er schreibt darüber u. a. „Von manchen interessanten Aufträgen, die mir als Chef des Generalstabes der Armee zufielen, kann ich eine Bereisung der ganzen norddeutschen Küste hervor- heben, welche den Zweck hat, ein gemeinsames Verteidigiingssvstem für alle deutschen Küsten zu ermitteln. Die durch die Marine- und Ingenieur- Offiziere bis ins Detail aus gearbeiteten Ent- würfe wurden dein Bundestage wegen der Dring- lichkeit der Sache zur schleunigen Erledigung überwiesen. Nach drei Jahren (!) trat denn auch in Hamburg eine Bundeskommission zusammen, mit welcher ich nochmals die außervreußische Küste bereiste, die aber, wie Vorauszusehen, in ihrer Majorität gegen fast alle preußischen Vorschläge sümmte, insbesondere gegen die beabsichfiate gemeinsame Flotte unter Preußens Führung. So blieb alles beim alten; und welcher Art speziell die hannoverschen Befesfigungen waren, hat die
Neueste Telegramme.
Berlin, 25. Oktbr. Der „Reichsanzeiger" meldet: Dem Präsidenten des Kaiserlichen ®e* fundheitsamtes, Wirkl. Geheimen Oberregierungsrat Koehler wurde bei seiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen. Der Geheime OberregierungSrat und Vortragende Rat im Reichsamt deS Innern Dumm wurde zum Präsidenten des Kaiserlichen Gesundheitsamts ernannt.
Paris, 26. Oktbr. Die Nachricht, wonach der Sultan von Marokko die Konferenz annahm, wird offiziell bestätigt. Der französische und deutsche Gesandte werden Fez in den nächsten Tagen verlaffen.
Rom, 25. Oktober. Dem „Echo de Paris" wird aus Mailand gemeldet, daß zwischen der italienischen mb russischen Regierung Pourparlers stattfioden behufs einer Reise deS Zaren nach Italien; als Zeit hierfür ist daS kommende Frühjahr in Aussicht genommen. Zar Nikolaus wird die Reise zur See machen, in Neapel landen und im Ouirinal zu Rom wohnen.
Christiana, 25. Oktbr. Der von der Regierung in der heutigen geheimen Storlhing» fitzung angekündigte Vorschlag wird darauf hinausgehen, daß die Ermächtigung des StorthingS für die Regierung gefordert wird, die Verhand- ungen mit dem Prinzen von Dänemark darüber aufzunehmen, daß er die Wahl als König von Norwegen unter der Voraussetzung annimmt, daß das norwegische Volk durch Volksabstimmung, ähnlich der Abstimmung vom 13. September, seine Zustimmung zum Beschlüsse deS Srorlhing und der Regierung gibt.
Moltke.
Heule, am 26. Oktober, dem 105. Geburtstage des Generalfeldmarschalls Hellmuth Graf v. Moltke, wird in Berlin auf dem Königsplatze gegenüber dem Bismarckschen Standbild das Moflkedenkmal enthüllt. Die Feier trägt einen vorwiegend militärischen Charakter. Es soll an diesem Tage der Erinnerung an einen der besten Männer aus Deutschlands großer Zeit nicht unsere Aufgabe sein, einzig und allein die militärischen Verdienste des Strategen Moltke rühmend zu beleuchten. In einer Zeit, in der prunkhafte Vielrednerei und eitle Reklamesucht so manche Gestalt und Tat, so manches nichfige oder tagesflüchtige Ereignis mit einem theatralischen Schein von Größe umgibt, möge das deutsche Volk vor allem sich der schlichten, erprobten und jeder verlockenden Umschmeichlung abholden Bürtugendeu Moltkes erinnern, die ihn für alle Zeit zum Vorbild und zum Erzieher aller Volksschichten machen.
Pflicht imb Liebe.
Roma« vo» C. W i l d.
(zvortfcijung.)
Sinnend ruhten oft feine Blicke auf der flüch- tigen, eleganten Schrift, die alles Schülerhafte längst abgestreift zu haben schien; der Ton der Briefe flang kühl und gemessen, die Schreiberin beschrankte sich darauf, das Allernotwendigste zu sagen und dem Vormund für seine Güte in tadel, lofem Stile den Dank auszusprechen; mehr als einmal flog über Gerhards Stirn eine Wolke des Verdrusses, wenn er diese zierlich gesetzten Dank- lugitngen las, die eben nichts als Worte waren.
Glich die Schreiberin ihren Briesen, dann war «us einem scheuen Backfisch eine vollendete Weltdame geworden; aber wäre es dann nicht besser gewesen, sie wäre das erstere geblieben?
. Wie paßte eine solche feinmodellierte Dame zu ferner ichfichten einfachen Schwester?
_ "84 werde trachten, für Viola so bald als woglich einen braven Mann zu finden," dachte Gerhard bei sich, als er am festgesetzten Tage in Der Pmnonsanstalt erschien, um sein Mündel abzuholen.
Er, ließ sich bei der Vorsteherin melden und war nicht, toemg erstaunt, als ihm die würdige Tarne em hohes schlankes Mädchen mit den Rotten zufuhrte: „Sier ist meine Pflegebefohlene, Vwla von Buch selb."
ihd5^ hatte sich dieses Mädchen in den ffi”rA:^,rc‘Viera.nbert! Aus einem unreifen toÄ. CInc cd)fc Märchenschönheit ge- freänL, Q„Zinem eigentümlichen Goldbraun i «rata uzen de ^oaat umgaben das etwas bmlle I
«- «"Een. von dunk- EÄ?*" schatteten Augen hatten eine un- Mummte Farbe, der kleine Mund mit den rirbin- I
Wegnahme von Stade und Geestemünde im Jahre 1866 gezeigt."
Jene Zeiten, wo ein deutscher Bundestag dem Schutze der deutschen Küste hindernd in den Weg treten konnte, sind Gott sei Tank vorüber. WaS zur Wehrhaftigkeit und Verteidigung Deutschlands von nöten ist, weiß jeder, der sich gegenüber den Vorgängen in Frankreich und England nicht taub und blind stellt. Zur Vorbeugung und Begegnung solcher Gefahren handle Deutschland nach Moltkeschen Grundsätzen: S chw e i g e n , aber Arbeiten und: Auf der Wacht s e in !
Die Unruhen in Rußland.
Petersburg, 25. Okt. (W. B.) Die telegraphische Verbindung zwischen Petersburg und Charkow ist unterbrochen. — Der Verkehr auf sämtlichen Eisen- bahneu Polens ist eingestellt, ebenso auch der Eisenbahnverkehr auf der Linie Peter?» bürg - Wilna - Wffballen und der Linie PeterS» burg-Wilna-Warschau. Die Kolonne deS deutschen Roten KreuzeS, die mittags die Rückfahrt nach Deutschland antreten wollte, konnte deshalb nicht abreisen. Auch der Postverkehr ist unterbrochen. Für einfache Briefe aus Deutschland wird der Weg Stockholm - Abo empfohlen, die Beförderung von Wertbriefen, einaeschriebenen Briefen und Paketen wird abgelehnt. — Aus Kiew wird gemeldet, daß der Verkehr auf den Südwestbahnen ebenfalls eingestellt ist. Auch von den baltischen Bahnen (Peter8burg-Riga, PeterSburg-Reval und Mitau- Win^au) wird berichtet, daß dort der Betrieb eingestellt ist.
W a r s ch a u, 25. Okt. (W. B.) Die Arbeiter der Warschau - Wiener Bahn find heute dem allgemeinen Ausstand der Bahnarbeiter beigetreten. Der Betrieb wird heute Abend eingestellt.
P u l t a w a, 25. Oktbr. (PeterSb. Tel.-Ag.) Hier herrscht allgemeiner Ausstand. Auch der Unterricht in den Mittelschulen ist eingestellt. Zeitungen werden morgen nicht erscheinen.
M o 8 k a u, 25. Oktbr. (PeterSb. Tel.-Ag.) Ein von der Vereinigung der Ingenieure abge- hfltener Kongreß entschied, daß eS Pflicht aller Ingenieure fei, in allen Unternehmungen, Werken, Fabriken, KonstruktionsbureauS usw. in den AuSstand zu treten. Der Ausstand nimmt heute seinen Anfang.
Petersburg, 25. Okt. Auf der Warschauer Bahn wurde der Betrieb eingestellt. Der MittagSzug, mit dem der englische Botschafter in? Ausland abreisen wollte wurde nicht mehr abgelassen.
Petersburg, 25. Okt. Der Eisenbahnverkehr zwischen Petersburg, Peterhof und Oranienbaum ist eingestellt. Der Justiz-
„Nein, denn es hat mich niemand verstanden."
„Sie haben sich dennoch nicht mit einer Silbe in Ihren Briefen beklagt," sagte Gerhard in vorwurfsvollem Tone.
„Wozu?"
Der Freiherr sah, wie ihre Lippen schmerzlich erzitterten. Etwas wie Mitleid schlich durch seine Seele, wenn er daran dachte; -daß dieses junge Mädchen von seiner frühesten Kindheit an stets nur unter Fremden gelebt.
Er vergaß die versteckte Anklage, die in ihrer Antwort lag und sagte freundlich, ihre Hand ergreifen b: „Es war nicht recht von Ihnen, daß Sie mir verschwiegen, wie wenig heimisch Sie sich dort fühlten. Ich würde Mittel und Wege gesunden haben, um Ihnen einen angenehmen Aufenthalt zu verschaffen. Doch das ist jetzt über, standen; hoffentlich wird es Ihnen bei uns besser gefallen."
Ihre Hand lag kalt und ruhig in der seinen, als sie mit ihrer vollen, weichen Stimme erwiderte: „Ich will mein Möglichstes tun, um Ihnen keinen Anlaß zur Unzufriedenheit zu geben."
„Nein, nein, so habe ich es nicht gemeint. Ich will, daß Sie Ihre Jugend genießen, daß. Sie heiter ins Leben blicken. Sie sind noch jung, Viola, ich möchte Sie gerne heiter und zufrieden sehen."
In den Augen Violas leuchtete es seltsam auf, aber nur für einen Augenblick, in der nach, ften Sekunde schon legten sich die dunklen Wimpern dicht über die strahlenden Sterne.
„Sie sind sehr gütig, Herr von Linden," flüsterte sie leise.
Der Wagen hielt beim Bahnhofe, und der Freiherr hob sein Mündel aus dem Gefährt. Es war die höchste Zeit, wollten sie nicht den heoan- brausenden Zug versäumen. ___t
Minister, der heute in Peterhof zum Vortrag« beim Kaiser weilte, mußte deshalb zu Wag« zurückkehren.
Petersburg, 25. Okt. Bei den gestrige« Unruhen in JekoterinoSlaw wurden 15 Personen getötet und 26 verwundet. Die ausständige« Arbeiter deS Hüttenwerks in BrjanSk habe« Barrikaden von Eisenteilen errichtet. B« einem Kampf mit Truppen gab eS auf beide» Seiten Tote und Verwundete. Heute haben in Brjansk da? Gericht, die Banken und die Nota« ihre BureauS geschloffen.
Odessa, 25. Okt. Für den 26. Oktober erwartet man den allgemeinen AuSstand auf den S üdwestbahnen. Der Zugverkehr hier und auf der Strecke Odessa-Kiew ist beschränkt.
Moskau, 25. Okt. Fürst Chilkows Der- such, in Moskau den Streik beizulegen, ist völlig gescheitert. Seine Rede a« die Maschinisten, in der er unter anderem sagte; „Ich bin als alter Maschinist bereit, selbst auf die Lokomotive zu steigen und sie zu führen!" wurde mit Hohngelächter und den Worten begrüßt: „Wenn Du spazieren fahren willst, fahr allein I" Von Moskau bis Klin mußte Chilkow in Begleitung weniger Beamten auf einer Lokomotive selbststeuernd fahren, um nach Petersburg zu gelangen.
Moskau, 25. Okt. Gestern abend um 5 Uhr wurde das Hauptpostamt vo» Streikenden gestürmt. Sämtliche Postbeamte» haben die Arbeit eingestellt. Im Telegraphen- amt ist Militär postiert, daher ist die Absendung von Depeschen noch möglich. Morgen streikt wahrscheinlich auch der Telegraph, baim ist Moskau gänzlich von aller Welt abgeschnitte».
Moskau, 25. Okt. Gleichzeitig mit der gewaltsamen Unterbrechung der Arbeiten im Hauptpostamt durch Streikende wurden auch die Wasserwerke verdorben; die Leitung funktioniert nicht mehr. Moskau ist völlig ohne Wasser. Am Post- und Telegraphenamt wird die Menge durch Kosaken und berittene Gendarmen mit Nagaiken zerstreut. Die Lage ist furchtbar ernst.
Warschau, 25. Okt. Um Mitternacht wurde heute auf den Weichselbahnen der Stteik proklamiert. In der Richtung nach Mlawa, Kowel, Brest und Dombrowa ist kein Zug abgegangen. DaS Schicksal der Züge, die sich aus dem Wege nach Warschau befinden, ist unbekannt, bis jetzt sind sie hier nicht angekommen. Man fürchtet hier, daß Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der sich von Petersburg unterwegs nach Biela zum Besuche seines dortigen Regiments befindet, in Brest mit seinem Zug« angehalten werden wird.
Im Eisenbahickoupee waren sie nicht mehr allein, Gerbard beanügte sich daher, mit Viola von gleichgiltigen Dingen zu sprechen. DaS junge Mädchen antroortete in ziemlich reserviertem Tone und es war im ganzen ein sehr unerquickliches Zusammensein.
Gerhard atmete erleichtert auf, als sie den Waggon verließen, um in feine bereitstehend« Equipage zu steigen, die sie nach kurzer Zeit auf Schloß Lindenhain brachte.
Das ruhige, selbstbewußte Benehmen des jungen Mädchens wirkte erkältend aus ihn, und ei berührte ihn peinlich, daß sie seine gutgemeinte« Worte so kühl und gleichgfltig auf genommen.
„Nun sind wir daheim," sagte er, als bet Wagen in den Schloßhof fuhr, „ich biete Ihne» nochmals herzliches Willkommen. Meine Schwester und ich, wir wollen Ihnen, stets freu znt Seite stehen, damit Sie hier eine echte Heimat finden."
Viola legte ihre Hand in feine bargebotene Rechte unb sah zu ihm auf. Etwas wie Rührung überflog ihr bleiches Antlitz.
Sie sagte kein Wort; aber in ihren Augen lof er einen Ausdruck von Dankbarkeit, so warm, s» beredt, baß er darüber ihre frühere Gleichgiltigkeit vergaß.
Jetzt war Magdas stattliche Gestalt sichtbar.
„Meine Schwester," sagte der Freiherr, Violas Aufmerksamkeit auf sie lenkend.
Eine leise Röte erschien auf den blassen Wangen des jungen Mädchens; allein sie bemeifterti rasch diesen kleinen Anflug von Verlegenheit, und hastig aus dem nun haltenden Wagen springend, ging sie festen Schrittes der Schwester ihres Vormundes entgegen.
Mag da betrachtete mit sprachlosem. Erstaune» diese elegante Erscheinung, die in ihrem zierlichen Reiseanzug so stolz und selbstbewußt txx ihr stand. V.
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