mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
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Vierteljährlicher Bezugspreis, bei ver Expidition 2 AL, bet allen Postämtern 2,25 Mk. kcjcl. Bestellgeld).
JnserttonSgcbühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Reclamen: die "steile 25 Pfa.
Marburg
Donnerstag. 26. Oktober 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdrucker« 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt
I mußte uns zu einer anderen Wertung des I Lebens und seines Inhalts führen." Und dann I kam die praktische Arbeit, die den jugendlichen I Helferinnen die ganze Hoffnungslosigkeit der I Armut offenbarte, es kam der Kampf, für die I neue Welt, di e sie damit betraten, I auch eine neue Weltanschauung zu I finden — aber schließlich doch das Gefühl I eines vollen, reichen Lebens eben durch diese I Arbeit und das Bewußtsein, eine Dankes- I schuld abgetragen, nach dem Goctheschen Wort: I „Und was man ist, das blieb nian Andern I schuldig." Man muß diese schlichten, tiefernsten I Worte selber lesen. — Freudig stimmt es, die I vielen ehrenden Zeugnisse führender Männer I über die Arbeit der Frau auf dem Boden sozialer I Arbeit zu lesen.
I In einem Bilche über die Frauenbewegung I kann es natürlich nicht an ernsten Forderungen I der Frau an den Mann fehlen. Die Verfasserin I spricht sie mutig und unerschrocken aus und scheut I sich nicht, die Dinge beim rechten Nainen zu nen- I neu. Ihr Appell richtet sich an die Einsicht und I das sittliche Gefühl der Männer: sie sagt, was sie I zu sagen hat ohne Bitterkeit, wenn sie auch den I einschneidenden Ernst der Wahrheit walten lassen I muß. Denn: „Wer das Leben kennt, dem wird I es verständlich erscheinen, daß es zur Zeit viele I Frauen gibt, die hart werden, wenn sie auf die I jetzige Stellung von Mann und Weib zu sprechen I kommen." Wie dringend nötig ist es, daß unsere I wohlsituierten Frauen und Mädchen über die I Sittlichkeitsfrage, Alkoholnot, die Stellung der I Frau im Familienrecht zu einer eigenen, gegrün- I beten llcberzcugung kommen, die „jenseits" der I bin- und herwogcüden Meinungen die Rüstung I des Willens auf ein als notwendig erkanntes Ziel I unerschütterlich festhält. Dies Ziel wird nicht I dadurch verwirklicht, daß man allen Formen un- I serer heutigen Gesellschaftsordnung unbedingte I „ewige" Gültigkeit zuschreibt. Gewiß ist die I Monogamie die sittlich edelste Form der Gc- I schlechtsgemeinsclMft. Aber ist sie es für die Frau I allein? Die sittlichen Werte der Familie I sind es, die von der Frauenbewegung ins rechte I Licht gerückt werden, wenn sie ihre Stimme er- I hebt gegen „doppelte Moral", wenn sie mitarbei- I ten will an deut Problem, wie durch Ermöglichung I frühzeitiger Eheschließung in den höheren Stän- I den, durch Verurteilung der Geldheiraten, der I Einheit und Reinheit des ehelichen und Familien- I lebens eine bessere Grundlage gegeben werden I könne? Gewiß soll der Beruf der Hausfrau und I Mutter der höchste und edelste bleiben und die I Frau soll ihn ganz u. ungeteilt erfüllen. Gilt das I nicht aber auch für die Fabrikarbeiterin, für die I aus „Not" zum Erwerben gezwungene Frait? I Und sollte nicht der Benis der Hausfrau in an- I gemessener Weise ökonomisch bewertet werden I können? Soll die Frait der höheren Stände dtirch I unser gesetzliches und eheliches Güterrecht abhän- I lsig und rechtlos bleiben, al ich wo es sich um ihr I eigenes Vermögen handelt?
I Der Abschnitt „Mann und Wcib" behandelt I das, wa? recht eigentlich eine „Lebensfrage" für I Beide genannt werden kamt. Hier kommt die I Eigenart der Verfasserin besonders schön zur I Geltung.
I Sie betont, daß die Frauenbewegung nicht I das Ideal hat an die Stelle der Männerherrschaft I die Weiberherrfchast zu sehen. Die Mehrzahl der ovauen ersehnt Gemeinschaftsleben, gemeinsames Arbeiten beider Geschlechter. Es muß aber allerdings auf einem anderen Grunde aufgebaut werden, als das jetzt meist der Fall ist. Der Mann schuldet dem Weibe Dank. Als Mittler, Schwester, Gatttn, Geliebte verdankt er ihm Großes. Trotzdem wertet er die Frau im Allgemeinen, (wie | oft auch im Einzelnen!) gering — „f ein Dank ist die Unmündigkeitserklärung der Frau." Mögen wir das auch hart empfinden, so giebt es der Frau keinen Grund sich zu über Heber,. Wer Jahrhunderte lang an unbeschränkte Herrschaft gewöhnt war, kommt leichter in Gefahr sie zu mißbrauchen als der, dem nur ein Minimum von Rechten zur Verfügung steht. Herrschaft der Frau würde darum noch nicht gleichbedeutend sein mit der Vorherrschaft- des Seinen, Guten. Edlen. Gleichmäßig verteilt ruht in Mann und Weib das, was den Menschen aufwärts entwickelt. Das Göttlichste im Menschen ist nicht tn Mann und Weib verschieden. Solange aber nicht dieses, sondern rohe Instinkte in ihnen herrschen, hadern und ftreiten die Menschen miteinander. Und wo es sich um Mann und Weib handelt (auch in der Liebe) — da nimmt der rohe Mensch rücksichtslos fein Recht, gleichviel ob der andere darunter leidet, oder gar vernichtet wird.
„Nicht davon sollte immer und immer wieder zwischen Mann und Weib die Rede fein, daß der eine unbedingt herrschen, der andere ein für allemal gehorchen müsse. Nicht um Herrschaft über- einander sollten die Geschlechter ftreiten. Sondern das, was den Menschen veredelt, sollten beide in einander suchen und anerkennen und stärken." m Auf eine reinere, unbefangenere, natürlichere Baus für den Verkehr der Geschlechter, nament-
Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung*).
Unter diesem Titel hat Frau E. Krickenberg, die auch in Marburg nicht unbekannt ist, in der Reihe der, von H. Weinei herausgegebenen „Lebensfragen" ein Buch erscheinen lassen, das nach Form und Inhalt sowie durch feinen billigen Preis geeignet ist, in weitere Kreise zu bringen, der Frauenbewegung neue Freunde zuzuführen und das Verständnis dafür zu vermehren. In dem von Helene Lange und Gertrud Bäumer herausgegebenen „Handbuch" besitzen wir zwar eine ausgezeichnete Darstellung der gesamten Frauenbewegung, allein schon wegen ihres Umfanges ist sie nur Wenigen zugänglich: Spezial- darftellungen aber setzen meist ein besonderes Interesse für ein bestimmtes Gebiet und Vorkenntnisse voraus. So begegnet das Buch einem wirk, lichen Bedürfnis. Es wendet sich hauptsächlich an die Männer und Frauen der gebildeten Kreise, ihr so oft noch schlummerndes oder irre geleitetes Interesse sucht es zu wecken. Wer seine Kenntnis der Frauenbewegung zumeist durch die Tages- presse erhält, bekommt leicht den Eiirdruck der Zerfahrenheit. Das Buch aber zeigt, daß ungeachtet immer neu auftauchender Probleme, neuer Erkenntnisse, die kaum ins Bewußtsein getretene Zu verdrängen scheinen, der Frauenbewegung doch ein einheitlicher Gedanke innewohitt. '©o' kann mau Fragende und Zweifler darauf verweisen. Es gibt Auskunft über die praktischen Ziele und über die idealen Bestrebungen der im vollen Flusse sich befindenden Bewegung, und daß es sich dabei in der Tat um „Lebensfragen" handelt, Weiß die Verfasserin ihren Lesern zum Verständnis zu bringen.
Aber das Buch bietet noch mehr als Zu- fammenfasiung und Orientierung über Frauen- keweaungsfragen. In sesselnder Form, schöner edler Sprache, gibt die Verfasserin Miterlebtes und Miterkämpftes: sie gibt es so, wie s i e es erlebte und wie es in ihr zu lebendig wirkender Ueberzeugung geworden ist. Man fühlt sich unter dem Einflüsse einer ausgereiften, maßvollen und mit Sachkenntnis und klarer Durchdringung ihres,Gegenstandes ausgerüsteten Per- sönlichkett., Sie ist niemals doktrinär und gebraucht keine Schlagworte: nirgends ist nach der Schablone gearbeitet, immer fühlt man eigenen kräftigen Lebenspuls. Natürlich kann man nicht I f d e s Gebiet mit gleicher Kenntnis umfassen, nicht überall kann man mit derselben Intensität mitschaffend fein. Zuweilen gibt sie aber das Dwrt an Solche, die. in ganz besonderem Maße ous eigener Lebenserfahrung sprechen können, ^ch finde, daß das für das Ganze keinen Nachtell bedeutet.
Der Stofs ist in mehr ober weniger lose an- cinandergereihte Kapitel eingeteilt. In den ersten fünf bespricht sie hauptsächlich Bildungs-, Er- zlehungs- und Berufsfragen. Das sind Gebiete, die die Meisten zu kennen glauben, über die sie sich eine Meinung gebildet haben, menn sie auch manchmal „durch Sachkenntnis nicht getrübt" sein mag. Doch auch der wirklich kundige wird diese Ausführungen nicht ohne Nutzen lesen und grö- Bere Klarheit dadurch gewinnen. Allein es bandelt sich nicht nur um Befreiungskampf allein, »senn auch der Frau alle BildungswegL zugäng- I lich gemacht, alle Berufe eröffnet würden, — da- ttP*, isi.E Aufgabe der Frauenbewegung noch I nicht erfüllt. Schulter an Schulter mit den I »eiten unter den Männern gilt es für die Frauen öen Kamvf aufzunehmen gegen Alles, „was I niedrig ist und gemein, den Kampf gegen Lüge, I Skrbredjen und Schuld, gegen Armut, Krankheit I uno Not. I
Es ist ungemein interessant, in dem Kapitel I GrftVjV 6 § a r 6 o i t zu lesen, wie gründ- I in der Ausbildung der Frauen- und Mädchen- I gruppen für „soziale Hülfsarbeit" in Berlin I & rr b’e’e Bestrebungen vorbildlich ge- I ^' ’frr’ I rOr9e!1Qn9cn wird. Ergreifend ist es, die jetzige Leiterin, die Ein- I 7?ucke schildert, die auf sie und ihre Gefährtinnen eingesturmt leien,- als sie die ersten Blicke getan I tn ba§ furchtbare soziale Elend, wie ihre ganze Psyche dadurch, umgewandelt sei. So sagt sie I
^r tbeorett!d)en Einführung durch die Vor- I trage des Pros. Weber S. 137 u. a.: „Wir hatten unseren engen Lebenskreis als ein Ganzes M das^Ganze des Lebens unb bet Welt betrachtet I • • vn jenen Stunden wurde der Vorhang fort. I gezogen und unserem Blick eröffnete sich die Welt I
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lich in der Jugend kommt es an. Darum fordert die Frauenbewegung „die gemeinsame Erziehung von Knaben und Mädchen, Gemeinsamkeit der Arbeit und gemeinsame Erholung, deren Mittelpunkt aber nicht der Ballsaal sein soll, sondern die freie Natur, auf Wanderungen, bei fröhlichem Spiel. Die Jugend in sich selbst widerstandsfähig zu machen, sie in sich selbst den richtigen Maßstab finden zu lehren ist das, ivas allein sie wahrhaft zu behüten vermag. Bei solcher Gewöhnung kann man sie ruhig dem freieren Verkehr untereinander überlassen. Auch in der Lektüre lasse man ihr Freiheit. Bewahren soll man sie vor dem Schliivfrigen, Deeadenten, vor dem Unechten und Unwirklichen. Aber bas Lesen unserer großen Dichter schadet auch den Mädchen nicht, selbst wenn sie dadurch Einblicke in die natürlichen Beziehungen der Geschlechter tun und vor der Ehe etwas erfahren von dem Glück der Hingabe zwischen Mann und Weib. Auch ein Einblick in die Nachtseiten des Daseins wird gesunde'Jugend nur fester und zielbewußter dem Lichte zustreben lassen. Dabei aber kann die Fran dem Manne viel helfen.
Die Mädchen unserer gebildeten Kreise sind oft dem jungen Manne gegenüber im Vorteil. „Man hat ihnen reine, schöne Eindrücke zu vermitteln gesucht, sie nach Kräften vor dem Gemeinen behütet. Wer aber fragt danach, wenn ein junger Mann hinausging in das Leben, wie und wo er Verführungen widerstand? Wer bot ihm draußen die Hand, wer ging mit ihm? wer hielt den Glauben in ihm fest, daß es nicht nur Frauen niederster Art, die für Geld sich an jeden Mann wegzuwerfen bereit sind, gibt, nicht nur Frauen, die in jedem jungen Mann einen Heiratskandidaten wittern, sondern auch Frauen, die der Freundschaft, der Kameradschaft fähig sind, warmherzige, rein empfindende Frauen — auch unter den jungen Mädchen der gebildeten Kreise."
Alles was die Verfasserin im Namen der Frauenbewegung über das Problem der Liebe und Ebe zu sagen hat, ist rein und tief empfunden. Mütter sollten da? leien, sollten es ihre Söhne unb Töchter lesen lassen unb mit ihnen darüber reden. Dann können sie sie getrost heiraten lassen. — Auch bas Verhältnis von Mutter und Tochter gegenüber der des Sohnes findet eingehende Würdigung, besonders auch für die Stellung der Haustochter, d. h. der im Hause bleibenden, den Eltern dienende Tochter, giebt sie beherzigenswerte Winke, damit auch deren Persönlichkeit bie, Möglichkeit gegeben werde. sich frei und nach ihrer Eigenart zu entwickeln. Sehr fein werden Hausfrauen- unb Mutterpflichten gegeneinander abgewogen. Mutterschaft und Benis nach allen Seiten beleuchtet. Die Resultate, zu denen sie dabei gelangt, könnten dazu dienen, manches änastliche Mißtrauen gegenüber der Frauenbewegung zu beseitigen.
In dem Kapitel „Stählung der Fran für die Berufsarbeit" redet sie mit warmen Worten unb tiefem Verständnis von den vielen einsamen Frauen, unserer Zeit und über die Mittel und Wege, ihnen .Haus und Familie wenigstens einigermaßen zu ersetzen, von dem Segen der-Not. Wendigkeit der Heime und Klubs in größeren Städten. Auch in dem Vereinsleben der Frauen sielst sie — neben den praktischen Zielen — ein Mittel zu diesem Zwecke. Durch die anregenden Vereinsabende mit ihren geistigen Darbietunaen aus dem Kreise der Mitglieder ihren Diskussio- nen usw. soll ein Band zwischen den Frauen und den Einsamen unter ihnen ein Anhalt geschaffen werden; Gleichgesinnte sollen sich kennen und sich bewußt werden lernen, daß eine Jede in ihrer Art etwas Wertvolles für das Ganze be- deuten kann. Sie geben zugleich Gelegenheit die StandieSunterschieds zu verwischen, Frauen der verschiedenartigsten Berufe und Gesellschaftsklassen zusammenzubringen. Es ist ein erfreu- siches Zeichen von der Reinheit der Motive der m. der Frauenbewegung arbeitenben Frauen, daß bei ihnen das Liebäugeln mit Rang und Titeln, das Sich-Beugien vor Namen unb Stand so gut wie gar feine Rolle spielt. Die Persönlich, feit, der Mensch allein hat Bedeutung." — Sie Einsenderin freut sich, sagen zu dürfen, daß auch in den Versammlungen der Marburger Abteilung des Vereins Frauenbildung-Frauen, stubium solche Gedanken und Anschauungen gepflegt werden.
In bet Verfasserin lebt die frohe Zuversicht. Etz die „Frauenbewegung Mittel und Werkzeug bedeutet unser Volk aufwärts zu neuer Kraft und zur V e r e d l u n g z u f u h r e n," Vollzieht sich auch der Fortschritt langsam, erringt nur langsam eine Bevölkerungsklasie nach der anderen das Recht, das auch wir Frauen ersehnen, mifzuarbvi- ten an den die Gestaltung des Zusammenlebens der Menschen regelnden Gesetzen, Einfluß zu üben auf einen auch die bisher Rechtlosen und Abhängigen, schützenden Ausbau des Staatsrvesens — auf die Dauer wird man es uns nicht wehren jonnem „„Denn wir erstreben es nicht aus egoistt- schen Gnmben. Was wir fördern helfen wollen, sind Werke des Friedens, der Volkswohlfahrt, der sozialen Versöhnung. Die Wett, in die wir
hinaustreten, in die wir unser Teuerstes, untere Kinder hinausschicken müssen, wollen wir mit« Helsen, reiner, gerechter zu gestalten. In solchem Ziel, in solchem Streben liegt das Recht und bi« Kraft unserer Bewegung." „Mögen die Frauen, gleichviel auf welchem Boden sie stehen,einmütig daran denkeii, immer fähiger unb würdiger zm; Erreichung solchen Zieles zu werden.
Der Raum verbietet ein weiteres Eingehen auf den reichen Inhalt und so müssen diese, ihm nur wenig gerecht werdenden Andeutungen gS- nügen. Möchten viele das Buch selbst zur Han8 nehmen und Klärung, Vertiefung ihrer Anschau« ungen von der Frauenbewegung sls einer Le« benssrage daraus gewinnen.
Anna Westerkamp.
Hessen-Nassau und Nachbarsiebiete.
Lichtenfels, 22. Okt. Ein Ehepaar aus dem benachbarten Burgberg brachte dieser Tag« seine beiden Kinder im Alter von 3 Jahre« resp. 6 Monaten in ein gemeinsames Bett und begab, sich dann sorglos zur fröhlichen Tanz» belnstigung. In später Nachtstunde nach Haus» zurückgekehrt,, fanden die Leute ihr jüngstes Kind als Leiche im Bette. DaS ältere Kind hatte das jüngere im Schlafe erdrückt. („H. Anz.*)
Aus der Rdön, 22. Okt. Gestern morgen gegen 4 Uhr wurden die Einwohner deS Dorfes Niederlauer durch Feuerlärm aus dem Schlaf» aufgeschreckt. In dem Anwesen des verwitweten Schmiedemeisters Michael Wolf war ein Zimmer» brand ausgebrochen, wobei der Genannte den Erstickungstod fand. Die Entstehungsursache des Brandes ist unaufgeklärt, doch liegt di» Vermutung nahe, daß der 85jährige Greis, der allein in dem Zimmer schlief, sich ein Licht an» zünden wollte und dabei dem Bette zu nah» kam. Durch das rasche Eingreifen der Ortö» feuerwehr wurde eine weitere Ausbreitung be* Feuers verhindert. („C. A. Ztg.")
Gersfeld (Rhön), 22. Okt. Das diesjährige frühe Schneewetter rief hier die Erinnerung wach an den 12. Oktober vor etlichen 50 Jahren. An dem genannten Tage begab sich ein junges Paar über die hohe Rhön, um die zum Kuchen» backen für die,bevorstehende Hochzeitsfeier nötige Hefe in Ostheim (Rhön) zu holen. Unterwegs wurde das Paar bei großer Kälte von einem Schneegestöber überrascht, kam vom Wege ab und erfror. Kurz darauf stellte sich wieder gutes Wetter ein. Alles Suchen nach den Ver» mißten blieb erfolglos. Zu Pfingsten de» folgenden Jahres fanden Hirten auf der hohen Rhön an einer Stelle, wo sich ein Schwarm Raben tummelte, die zusammengekauerten Leichen der beiden. — Auf dem Kreuzberg liegt der Schnee 30 Zentimeter hoch, am Fuße des Berges 10 Zentimeter hoch. Es ist oben eine prächtige Aussicht auf die herrliche Winterlandschaft. Alle Rhönberge find mit dichtem Schnee bedeckt. Die ältesten Leute erzählen, daß fi» fich noch nie. eines so baldigen großen Schneefalls wie heuer erinnern könnten.
Darmstadt, 24. Okt. Im Sommer wurde, wie erinnerlich, am hellen Tage und auf offener Straße ein Brautpaar von drei Burschen über» fallen, das Mädchen von jedem der drei berge» waltigt und der Bräutigam in die Flucht geschlagen. Zwei von den Burschen wurden kürz» lich vom Schwurgericht mit vier Jahren Zucht» haus bestraft. Jetzt ist endlich in der Person des schon öfters vorbestraften Tagelöhners Adam Fischer aus Eberstadt auch der dritte Täter ermittelt worden. Er war nach der Tat von hier flüchtig gegangen, konnte aber gestern Abend in einer Wirtschaft der Altstadt festgenommen werden.
Hamm i. W., 24. Okt. In die hochgehen» den Fluten deS Lippefluffes, der in der letzten Woche schon zwei Opfer gefordert hat, stürzt» vorgestern ein auf der Nordenbrücke spielende» vierjähriges Kind. Auf daS Rufen der Vorübergehenden, die des Schwimmens nicht kundig waren, eilte der stuck, jur. Th. Isenbeck herbei, sprang ohne fich zu befinnen in daS reißende Wasser, konnte jedoch daS weit abgetriebene Kind nicht mehr erreichen. Zum Ufer zurückkehrend, lief er mehrere hundert Meter flußabwärts und stürzte sich nochmals in den Strom. Jetzt gelang ihm das schwierige Rettungswerk. Nach einstündigem Bemühen, an dem der Brave sich noch beteiligte, wurde der Kleine inS Leben zurückgerufen.__
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Verantwortlich für bie Redaktion: F Dr. Doerkss-BoPPard in Marburg. '