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J12. 2D1 Znsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg. MittWüäi 25. Oktober 1905. Reclamcn: die Zeile 25 Psg.
Neueste Telegramme.
Berlin, 24. Okt. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß vom 12. Oktober betreffend die Anrechnung deS Jahres 1905 als KriegSjahr für die 1905 an der Niederwerfung des noch andauernden Herero- vufstandes in Südwestafrika beteiligten Deutschen.
Berlin, 24. Okt. Der Kaiser bewilligte dem Botschafter Grafen v. Alvensleben in Petersburg die aus Gesundheitsrücksichten von ihm nachgesuchte Pensionierung unter Verleihung des Schwarzen Adlerordens und ernannte zu feinem Nachfolger den bisherigen Gesandten in Kopenhagen v. Schön.
Halle a. S., 23. Okt. In glanzvoller Feier im Prunksaal des Rathauses wurde in Anwesenheit des Kultusministers, des Vertreters des Landwirtschaftsministers und zahlreicher Mitglieder der Behörden heute mittag der 80. Geburtstag des bekannten Agronomen Professors Kühn begangen. Der Kaiser verlieh Professor Kühn den Stern zum Kronenorden II. Klasse.
Pose«, 23. Okt. Zwölf adlige polnische Rittergutsbesitzer erließen eine Verrufserklärung gegen die Verkäufer polnischer Güter an Deutsche. Diese Erklärung wird sämtlichen Besitzern polnischer Güter zugesandt mit der Bitte, ihren Anschauungen sich anzuschließen. (Warum wird gegen die deutschen Gutsverkäufer nicht in der gleichen Weise von deutscher Seite vorgegangen?)
Budapest, 24. Okt. Wie verlautet, wird die Koalition anläßlich der Wiederernennung des Kabinetts Fejervary eine Erklärung veröffentlichen, in welcher darauf hingewiesen wird, daß dem Kabinett im Reichstage das Mißtrauen votiert und daß im Abgeordnetenhause rin Anklageantrag gegen das Kabinett vorbereitet worden sei. Diese beiden Tatsachen, würden für die Stellungnahme der Koalition gegenüber dem Kabinett maßgebend sein.
Madrid, 23. Okt. Präsident Loubet kam auf feiner Reise an den Madrider Hof um 12 Uhr 7 Minuten im Eskorial an, besuchte dort das Schloß, das Kloster, legte Kränze am Erabmahl Alphons XIl. nieder und besuchte die Prinzessin von Asturien. Dann reiste er nach Madrid ab. An allen Orten, die der Zug durchfuhr, wurde der Präsident mit Hochrufen begrüßt. Um 3 Uhr traf der Präsident in Madrid ein. Die Stadt ist reich geschmückt.
Tokio, 23. Okt. Admiral Togo hielt gestern feierlichen Einzug, um dem Kaiser die Meldung von der Rückkehr der Flotte aus dem Kriege zu machen. Er wurde empfangen von den Ministern, den Generalen, Admiralen und Mitgliedern des diplomatischen Korps. Togo, in kessen Begleitung sich die Admirale Kataoka, Dewa und Kamimura mit ihren Stäben befanden, fuhr mit diesen in einem kaiserlichen .Wagen zum kaiserlichen Palast, wo der Kaiser
"Nachdruck Verbote»-!
Pflicht und Liede.
Roman von C. W i l d.
< Fortsetzung.)
■ „Soeben hat sich meine Tochter mit Herrn von Buchfeld verlobt," rief er mir entgegen.
Ich sah ihn so betroffen an, daß er unwillkürlich vor mir zurücktrat.
Mühsam stammelte ich einen Glückwunsch hervor, ich ließ mich in den Salon schleppen und stand nun dem Brautpaare gegenüber.
Meline war noch immer furchtbar bleich; allein sie hatte ihre Fassung wiedergewonnen.
Auch Bnchfeld sah nicht glücklich aus; seine Augen ruhten mit einem eigentümlichen Ausdruck auf der schönen Braut, und um seinen Mund Zuckte es bisweilen schmerzlich.
Wußte er, was vorgefallen, und wer hatte ihm davon Mitteilung gemacht?
, Als wir eine Stunde später miteinander heim- Lmgen, erzählte er mir alles.
Er war am Donnittage bei Lottnms gewesen und hatte um Melinens Hand angehalten; die Eltern hotten ihm sofort ihre Einwilligung gegeben und ihn gebeten, sich am Abend das Ja- wort der Tochter zu holen. Meline war für ihn unsichtbar geblieben.
. Als er des Abends im Begriffe stand, sich wieder zu Lottums zu begeben, sei ihm Meline auf her Straße begegnet. Bei seinem Anblicke sel iie^ heftig zusammengezuckt, dann aber hätte sie rasch entschlossen seinen Ami ergriffen und ibn gefragt, ob er sie auch dann noch zum Weibe begehre, wenn sie ihm sage, daß sie ihn nicht liebe und niemals lieben werde.
Der durch seine Leidenschaft verblendete Mann hatte „Ja" geantwortet und damit sein Unglück Gesiegelt.
Togos Meldung entgegennahm und in warmen Worten die Dienste pries, welche die Admirale, Offiziere und Mannschaften geleistet haben. Die ganze Bevölkerung Tokios erfüllte die Straßen, Salutschüsse wurden abgegeben, Musikbanden zogen umher.
Schiffbau - Streitfragen.
In einem Teil der Presse wird die Forderung nach erstklassigen Linienschiffen so dargestellt, als wenn mit dieser Forderung nur Schiffe von größerem Deplacement gemeint seien.
Wenn man auf einem Schiff von kleinem Deplacement alle Eigenschaften , eines erstklassigen Linienschiffes — das sind genügende Anzahl von Geschützen schwersten Kalibers, starker Panzer, große Geschwindigkeit und großer Aktionsradius — Vereingen könnte, so wäre die Forderung, statt dieser kleinen, verhältnismäßig billigen Schiffe große und viel kostspiligere zu bauen, einfach Torheit. Leider ist ober zur Erreichung höchster Gefechtskraft eine Erhöhung des Deplacements Vorbedingung.
Als Beweis, daß Schiffe von kleinerem Deplacement mehr Gefechtswert haben können als viel größere Schiffe, wird in jenen Artikeln, die in ihrer Tendenz ganz dem im „Secolo" von Lorenzo d'Adda entsprechen, das italienische Panzerschiff „Vittorio Emanuele" von 12 625 t angeführt.
Daß der „Vittorio Emanuele" ein ausgezeichnetes Schiff von sehr hohem rclativenGefechtswert ist — oder vielmehr sicher wird, denn es ist noch nicht fertig —, soll gar nicht Beitritten werden. Der absolute Gefechtswert fit jedoch nicht größer wie der des anierikanischen Schiffes „Virginia" — wie in dem erwähnten Artikel gesagt wird —, sondern nur halb so groß. Der geringere Ge- sechtswert kommt in erster Linie daher, daß auf dem Schiff von 12 600 t nur 2 Geschütze von 30,5 cm Kaliber aufgestellt werden konnten, während die „Virginia" 4 solcher Geschütze trägt.
In der Schlacht bei Tsuschima zeigte sich die Geschwindigkeit der japanischen Schiffe der der russischen überlegen. Gerade deshalb gelang es, die gleichfalls überlegene japanische Artillerie voll auszunutzen und den Erfolg herbeizuführen.
Je größer das Schiff ist, um so mehr schwere Geschütze kann es tragen und ein um so besseres Schießen wird ermöglicht, weil das größere Schiff im Seegang ruhiger liegt.
Im Schlußsatz jener Artikel wird gesagt, wir brauchen keine größeren Deplacements, die für uns bei den Schiffahrtsverhältnissen, besonders bei der geringen Wasseriiefe des Kaiser-Wilhelm- Kanals, nur große Unkosten ec. mit sich bringen würden, wir brauchten aber erfahrenere Chef- konstruktcure für unseren Kriegsschiffbau.
s Die so sehr gelobte Vittorio-Emanuele-KIasse hat bei 12 600 t Deplacement einen Tiefgang von 8,3 m, unsere Braunschweig-Klasse hat bei 13 200 t nur 7,6 m Tiefgang, ein Beweis für unsere oft aufgestellte Behauptung, daß der Tief- gang nicht notwendig mit dem Deplacement zu wachsen braucht.
So jung ich auch damals noch war, so sah ich doch ein, daß eine solche Verbindung nimmermehr zum Guten führen könne. Doch meine Vorstellungen, meine Warnungen waren vergebens.
Meline wurde Buchfelds Gattin und diese Ehe gestaltete sich zu einer der unseligsten, die es je gegeben.
Wie von einem rasenden Taumel erfaßt, flog die junge Frau von Fest zu Fest, sich wenig oder gar nicht um den Gatten kümmernd.
Wie ein Schatten folgte ihr Buchfvld überall hin, mit eifersüchtigen Blicken sie bewachend, aber zu schwach, um durch einen Machtspruch Meline zu ihrer Pflicht zurückzuführen.
Als sie Mutter wurde, hoffte er, sie würde sich ändern — vergebens!
Sie kümmerte sich nicht um ihr Kind und überließ es der Obhut Fremder.
Melinens Eltern starben, auch dieses traurige Ereignis brachte keine Aenderung in ihrer Sinnesart hervor. Diese Frau schien nur für das Vergnügen zu leben und nichts anderes zu kennen als Bälle, Festlichkeiten und schöne Toiletten. Und doch war sie dabei nicht glücklich, das sah man ihr an. Mitten in dem heitersten Gespräche konnte sie oft bitter und schmerzlich anflachen, daß es einem tief in die Seele schnitt, und ihre Augen hatten dann solch einen Ausdruck herben Schmerzes, daß man Mitleid mit diesem schönen, glänzenden und dach so armen Weibe haben mußte.
Jahre gingen so dahin; ein unglücklicher Sturz vom Pferde machte Buchfelds Leben ein rasches Ende.
Auf seinem Totenbette vertraute er mir noch an, daß Meline ihn am Vorabende seines Hochzeitstages kniefällig gebeten hätte, sie frei zu geben, es sei ihr beiderseitiges Unglück, wenn sie seine Gattin würde.
Er hatte sich nicht dazu entschließen können, ihre Bitte zu erfüllen, und so war denn diese
Einrichtungen und Schutzmaßregeln gegen unterseeische Explosionen (Minen und Torpedos) können auf einem großen Schiffe viel besser sein, als auf einem kleinen. Daß man an eine Sicherung der Linienschiffe gegen die unterseeischen Waffen nicht mehr recht glaube, soll die Behauptung erhärten, das schlagfertige englische Geschwader hätte die „längst geächteten altert Torpedoschutznetze faute de mieux wieder hervorge- holt." Die „marinetechnischen Mitarbeiter", wie sie in jenen Artikeln genannt werden, müßten eigentlich wissen, daß die Engländer die Torpedo- schutznetze nicht hervorzuholen brauchten, da sie die Netze niemals abgeschafft haben. Wenn man also das Linienschiff beibehalten will — und das wird wohl auch trotz der „erschütterten Daseins- berechtigung des Panzerschiffes,, geschehen —, dann wird man auch bei uns zu größeren Depla- cements übergehen müssen, zumal alle anderen Nationen mit gutem Beispiel borangegangen sind.
Die Unruhen in Rußland.
Petersburg, 23. Okt. (W. B.) Der Betrieb auf der Nikolai-Bahn ist eingestellt. Der 5-Uhr-Zug von Moskau nach Petersburg konnte nicht abfahren. In Charkow hat der Ausstand fast alte Werkstätten und Fabriken erfaßt. Der Verkehr stockt. Die Volksmenge hält die Straßenbahnen an. Ueberall sind Truppen verteilt. Für den Abend ist eine große Volksmenge am Bahn- Hof angekündigt. In Balaschow sind seit gestern sämtliche Eisenbahnangestellten im Ausstand. Der Zugverkehr ist eingestellt. Heute wurde der Aus. stand in sämtlichen Mühlen und Werkstätten und in der staatlichen Branntweinniederlage erklärt. Bis jetzt ist alles ruhig. In Kirsanow ist gleichfalls vollständiger Ausstand. Die Passagiere der angehaltenen Züge sind in Verzweiflung; manche von ihnen erhalten Unterstützungen, um sich ernähren zu können. Der Verkehr auf den Linien Moskau-Brjansk-Wiasania-Njäsan-Ural ruht vollkommen.
Moskau, 23. Okt. (Petersb. Tel.-Ag.) In einer geftrigen Versammlung wurde beschlossen, den Ausstand der Bahnarbeiter fortzusetzen, bis alle Forderungen erfüllt hxiren und die verhafteten Mitglieder des Eisenbahnverbandes wieder freigegeben seien. Heute traf hier das Eisenbahnbataillon zur Ausübung des Lokomotivdien- stes auf der Bahnlinie Moskau-Kasan ein. Verkehrsminister Fürst Chilkow versuchte gestern zwei Stunden lang die Maschinisten zur Arbeitsaufnahme zu bewegen. Nur einer ließ sich überreden und fuhr mit dem Minister auf der Maschine eines nach Rjäsan abgehenden Zuges.
Moskau, 23. Okt. (W. B.) Auf der Eisenbahnstrecke Moskau-Windau wurde der Betrieb eingestellt. Die Eisenbahnverbindung von Moskau mit den anderen Städten des Reiches ist vollkommen unterbrochen.
Saratow, 23. Okt. (W. B.) Die Eisenbahnangestellten legten auch heute hier die Arbeit nieder. Gemeinsam mit den Arbeitern wurde eine von 3000 Personen besuchte Versammlung veranstaltet, in der eine gesetzgebende Körperschaft auf Grund des liberalen Programms ver-
unfelige Verbindung geschlossen worden, die zwei Menschen so grenzenlos elend machen sollte. Mlch- feld starb, nachdem er mich zum Vormunde über seine Tochter Viola eingesetzt, und sein Tod gab Melinen ihre Freiheit wieder.
Die kleine Viola wurde in eine Pension gegeben, und die Baronin begann ein wahres Nomadenleben zu führen. Sie war überall und nirgends. Bald tauchte sie in Paris auf, bald tvar sie in London, Berlin oder Nizza.
Immer gefeiert, immer von Bewunderern umschwärmt, lebte sie nur für die Welt und ihre Freuden, bis der Tod sie mit raschem Griff die. fern so glänzenden und doch so elenden Dasein entriß."
Des Freiherrn Stimme war schwächer und schwächer geworden, bis sie in einem leisen, schmerzlichen Hauche erstarb.
Magda saß mit gefalteten Händen schweigend da, ihr gutes, ehrliches Gesicht war um eine Nuance blässer geworden, und in den großen blauen Augen glänzte es feucht.
„Meline war eine sehr unglückliche Frau," sprach endlich der Freiherr nach einer langen Pause, „gehe daher nicht zu streng mit ihr ins Gericht, Magda, wenn ich Dir sage, daß sie ihr Vermögen verschwendet hat, so daß für Viola nur die Summe bleibt, welche ihr der Baron in feinem Testament ausgesetzt hat."
„Nicht möglich!" rief Magda. „Wie kann eine Mutter so ihres Kindes vergessen!"
„Meline war der armen Viola nie eine gute Mutter," sagte Gerhard von Linden, „ihrem Herzen ist die Tochter des ungeliebten Mannes stets fern geblieben; wenn —"
„Nein, nein, ich kann mir das denken, was Du sagen willst," unterbrach ihn Magda ungestüm. „Etwas von Unverstandensein, und wenn ihr das Geschick einen anderen Mann gegeben haben würde — das sind so die schönen Floskeln,
langt wurde. Heute Abend wurde eine zweite von annähernd 5000 Personen besuchte Versammlung abgehalten. Die Angestellten der industrielle Betriebe schlossen sich der Bewegung an.
Charkow, 23. Okt. (Petersb. Tel.-Ag.) Seit heute Morgen ist auf den hiesigen Bahnen der allgemeine Ausstand ausgebrochen. Auch in den Eisenbahnbureaus wurde die Arbeit eingestellt.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Oktober.
*— Seine Majestät der Kaiser hörte am gestrigen Montag Vormittag die Vorträge bei Chefs des Zivilkabinetts und des Eisenbahnmini, sters. Am vorgestrigen Sonntag, dem Geburts- tage der Kaiserin, fand morgens gemeinsamer Gottesdienst in den Communs statt. Es nahmen daran Teil die ganze Kaiserliche Familie, die prinzlich Heinrichschen und die grotzherzoglich oldenburgischen Herrschaften. Um 11 Uhr vor. mittags nahm die Kaiserin die Gratulationen des engeren Hofes entgegen. Später unternahmen beide Majestäten einen Spaziergang. Um 1 Uhr sand bei Ihren Majestäten Familientafel statt, an der die hohen Gäste teilnahmen: für die Umgebung und Gefolge war Marschalltafel. Nachmittags machte der Kaiser mit dem Prinzen Hein- rich einen längeren Spaziergang und arbeitete hierauf allein. Abends um 7 Uhr fand im Theatersaal des Neuere Palais bei Ihren Majestäten eine Theatervorstellung statt, an welche sich ein Souper in der Jaspisgalerie anschloß. Zn dem Fest waren zahlreiche Einladungen ergangen; es nahmen u. a. Teil der Kronprinz und He Kronprinzessin, die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert, August Wilhelm, Oskar und Joachim, ( die Prinzessin Viktoria Luise, Prinz und Priir-, zessin Heinrich, Großherzog und Großherzogm von Oldenburg, Herzogin Sophie Charlotte boit Oldenburg und die in Potsdam und Berlin wer- lenden Prinzen des Königlichen Hauses, fernen auch Oberpräsident v. Trott zu Solz. Gespielt wurde Wilh. Jordans drciaktiges Lustspiel „Durch's Ohr". j
— Der Kronprinz ist am Geburtstag« der Kaiserin d la suite des Kürassier-Regiments Königin (Pommersches) Nr. 2 gestellt worden.
— Die Hochzeit des Prinzen Eitel Friedrich und der Herzogin Sophie Charlotte ist, wie dem „B. B.-C." aus Hofkreisen gemeldet wird, auf den 26. Februar, also einen Tag vor der Silberhochzeit des Kaiserpaares, festgesetzt worden. .
— Der hessische Landwirts chafts- rat hat in seiner am 21. Oktober aboebaltenen Gesamtsitzung eine Resolution bezüglich der Fleischteuerung gefaßt, welche besagt, daß der gegenwärttge hoheStand der Fleischpreise, dec sich besonders in den größeren Städten fühlbar macht, nicht als die Folge einer allgememen Fleischnot betrachtet werden kann. Der Land- Wirtschaftsrat bedauere diese Preissteigerung umsomehr, als sie in erster Linie zu agitatorischen Zwecken zum Schaden der Konsumenten und der Landwirtschaft ausgenützt werde und tatsächlich
mit denen leichtsinnige Frauenzimmer ihre Pflichtvergessenheit beschönigen wollen. Aber das ist schlecht, das ist erbärmlich, sage ich Dir. Ob sie den Mann, dessen Frau sie geworden ist, beste» Namen sie tragt, nun liebt oder nicht, sie mutz ihn ehren und schätzen und ihre Pflichten ihm gegenüber sich stets vor Augen halten. Ich kenn« kein verächtlicheres Geschöpf als die Frau, bte mit ihrem Unglück kokettiert und das selbst oft herausbeschworene häusliche Elend den Blicke» anderer preisgibt. Eine echte Frau wird ihr eheliches Leid immer in sich verschlossen tragen, wenn sie es nicht ändern kann, und besser, biet besser ist es, sie wandelt allein ihre Bahn, als daß sie der Menge das Schauspiel eines verfehlten Lebens bietet."
„Aber, Schwester," rief der Freiherr, ob tbrefl Heftigkeit überrascht.
Magda sah ihn mit blitzenden Augen an.
„Wenn Du an Buchfelds Stelle gewesett wärest, würdest Du dann auch so gesprochen haben?" fragte sie langsam und nicht ohne Nach« druck. . „ . , „
Heber das Gesicht Gerhards flog eine hell« Röte? War er sich seiner Parteilichkeit bewußt?
„Lassen wir die Vergangenheit ruhen," sprach er endlich mit fast unsicherer Stimme, „der Tod sühnt und gleicht alles aus."
„Nicht immer," versetzte Magda, ihren 99rubefl fest ansehend. „Der Eltern Sünde fällt oft schwer auf die Kinder zurück."
„Magda!" Der Freiherr legte seine Hwid bittend auf ihren Arm. „Erschwere nur nicht meine Aufgabe. Ich habe der Sterbenden gelobt, ihrem Kinde bei mir eine Heimat zu bieten unä ich werde dieses Versprechen erfüllen."
Fräulein von Linden war totenblaß g« worden.
(Forffrßnng folgt). : ‘ ...... .