mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Illu striktes Sonntagsblatt.
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Marburg
Dienstag. 24. Oktober 1905.
Erscheint wöchentlich Reben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, ttmvcrPtätS-Buchdruckerck Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jabra.
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Englands deutschfeindliche Politik wird vielfach und wohl nicht mit Unrecht König Eduard zugeschrieben, der trotz der verfassungsrechtlich beschränkten Stellung des englischen Königstums einen größeren Einfluß auf den Gang der Politik auszuüben in der Lage ist und tatsächlich auch ausübt, als gewöhnlich arv genommen wird, liebet die deutschfeindliche Politik König Eduards, dessen Beziehungen zu Kaiser Wilhelm innerlich ziemlich gespannt sein sollen, besteht kein Zweifel mehr, denn die Kriegsgefahr, der wir mit knapper Not entgangen sind, ist, wenn man genauer hinsieht und sich der einzelnen Vorgänge erinnert, erst fett dem Regierungsantritt Eduard's VII. auf« getaucht. Sehr bestimmt wird in der „Augsb. Abendztg." gesagt, König Eduard, der gegen alle englische Tradition die hohe Politik persönlich und — wie der Fall Delcaffü zeigt — durchaus nicht immer in Uebereinstimmung mit dem vor dem Parlament verantwortlichen Mi-
Neueße Telegramme.
Berlin, 21. Okt. Der Kommandant des Schiffes „Thetis" meldet aus Dar-es-Salaam tootn 19. Oktober: Dem Major Johannes ist da8 Detachement Schlichting zur Verfügung gestellt worden. Es soll Etappen.besetzen für den Marsch nach Songea. Oberleutnant Sommerfeldt vom „Seeadler" hatte ein Scharmützel mit den Aufständischen. Der Verlust deS Feindes betrug 22 Tote; unsere Truppen find ohne irgend welchen Verlust.
Paris, 21. Okt. Präsident ßoubet hat dem oeutschen Kaiser anläßlich der Verlobung des Prinzen Eitel Friedrich seine und der französischen Regierung Glückwünsche durch den französischen Geschäftsträger aussprechen kaffen.
Christiania, 21. Okt. Ein Antrag von zehn Storthing-Abgeordneten, welcher eine Volk«, abstimmung fordert, gelangt Montag Vormittag zur Beratung. Die Reaierung führt in dem Staatsbudget die Zivillifie mit 750 000 Kronen auf. Der französische Text des Karlstader Abkommens wurde von der Regierung angenommen und soll morgen nach Stockholm gesandt werden.
Konstantinopel, 21. Okt. Der maro- aitische Patriarch überreichte dem Sultan ein Handschreiben des Papstes, in dem dieser für die den Katholiken gewährte Toleranz und und Protektion dankt und Fortdauer erbittet.
Tokio, 21. Okt. Hier geht das Gerücht, die Negierung wolle bei dem Parlament um die Genehmigung nachsuchen, die Armee von 13 auf 20 Divisionen zu erhöhen, damit Japan bester im Stande sei, den Bündnispflichten gerecht zu werden. — Baron Oshima, der Kommandeur der Truppen, auf der Liaotung-Halb- intel, soll zum Dizekönig von Kwantung ernannt werden.
9?mfibru(f verboten.)
Pflicht und Liede.
Roma« vo« C. Wild.
i Fortsetzung.)
Der Baron zählte einige Jahre mehr als ich »md fuyrte trotz seines Reichtums ein ziemlich einge^ogenes Leben. Ich >var damals meiner Skudien^wegen in der Residenz und brachte einen Lrotzen ^eil meiner freien Zeit bei Buchfcld zu. Bei einem Ball fest lernte er Meline von Lottum kennen; sie war zu dieser Zeit kaum sechszehn ^ahre alt, ichön wie eine Fee und bewundert und gefeiert, wo sie sich nur zeigte.
- verliebte sich sterblich in das rei
sende Mädchen und warb eifrig um sie.
ein übermütiges, etwas erzentri- Me-, Mädchen, das, von den eigenen Eltern an- gebetet, von aller Welt vergöttert, nichts anderes kannte als seinen Willen.
.Herr von Lottum war nicht reich; durch einige verfehlte Spekulationen hatte er einen großen Sed lemes Vermögens eingebüßt ,und Buchield
reicher Schwiegersohn war ihm daher äußerst willkommen.
Buchfelds, tvegen war auch ich eingeladen, und so kam ich häufig in das Lottumfche Haus.
Em , ständiger Gast desselben war auch ein allgemein beliebter Schauspieler, namens Thal, yeim. der in den angesehensten Kreisen der Resi- den; Zutritt hatte.
«'jä0-/5’"1. .war ein Mann reiferen Alters, nichtsdeftoweimger aber ein bevorzugter Damen- iebling; denn nicht allein, daß er wirklich ein -^m.tter war, er besaß auch im persönlichen Nm- Mvg eine so außerordentliche Liebenswürdigkeit, vian , sich unmöglich diesem fesselnden Eindruck entziehe» konnte. .
nisterpräsidenten leitet, stehe an der Spitze der Kriegspartei. Mit dieser Tatsache muß Deutschland rechnen. Tatsache ist auch, daß König Eduard ein anderer ist, als der Prinz von Wales war. Die Parallele mit Heinrich V. erscheint nicht übel. Der König erweist sich als ein weitblickender, bestimmteZiele inS Auge fastender Monarch. In den wenigen Jahren, da er regiert, ist die englische Politik so großzügig aber auch so gefährlich für die mit England rivalisierenden Reiche geworden, wie seit langem nicht. Täuschen wir unS doch nicht! Nächst Rußland sind wir es, die England am meisten im Wege stehen. Rußland bedroht Indien, dessen Besitz England erst zur Weltmacht gemacht hat. Deutschland aber ist der englischen Industrie, der Wurzel der englischen Größe, gefährlich geworden. Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, ist der logische Zusammenhang aller Schachzüge, die die englische Politik in den letzten Jahren getan hat, ganz klar. Während England in Tibet, Afghanistan und Persien einen Wall um Indien zu ziehen suchte, entfachte e8 den japanisch- russischen Krieg und die russische Revolution, um Rußland zu lähmen. Rußlands Lähmung sollte aber auch die politische Konjunktur schaffen, welche die Vorbedingung für einen Krieg gegen Deutschland sein mußte. Wenn von Rußland England nichts zu fürchten, Deutschland nichts zu hoffen hat, wenn Oesterreich dadurch des Druckes ledig ist, der es 1870 abhielt, mit Frankreich zu gehen, und wenn Frankreich, von aller Rücksicht auf Rußland entbunden, mit England ein Kriegsbündnis eingeht, bann — rechnet die englische Politik ist die Stunde gekommen, das „Geimaniam e se delendam" wahr zu machen. Darum war die englische Politik mit einer ihr ganz fremden Opferwilligkeit so lange schon darauf gerichtet, Frankreich zu England herüberzuziehen. Rußland und Frankreich sind die Staaten, die für England bei einem Kriege gegen Deutschland in erster Linie in Betracht kommen. Rußland, der nie zu gewinnende Widersacher Englands mußte von vornherein unschädlich gemacht, Frankreich, das revanchelüsterne, auf Deutschland gehetzt werden. Das ist der rote Faden, der die eng-, lische Politik seit Beendigung des Burenkrieges durchzieht. Rußlands Lähmung, so wertvoll für England schon an und für sich, erscheint doch nur als Mittel zum größer« Zwecke, als Vorbereitung des Vernichtungskrieges gegen Deutschland.
Die Unruhen in Rußland.
Moskau, 21. Oktober. Der Ausstand der Eisenbahn - Angestellten dehnt sich in beträchtlichem Maße weiter aus. Fast alle Linien, ausgenommen die Linie Petersburg, sind davon
Der Zufall hatte mich zu dem Wohnugsnach- bar Thalheims, welcher Junggeselle war,, gemacht.
Von den Gesellschaften bei Lottums gingen wir meist zusammen nach Hause, und Thalheim pries bann stets in beredten Worten die Schönheit Melinens, die ihn mit der ganzen Launenhaftigkeit eines verwöhnten Kindes vor allen anderen Gästen sichtlich bevorzugte.
Buchfeld schien dies nicht zu bemerken, oder wollte es nicht bemerken; genug eines Tages machte er mir die Mitteilung, daß er entschlossen sei, bei Melinens Eltern um ihre Hand anzu- halten, und daß er begründete Hoffnung Habs, nicht abgewiesen zu werden.
„Das glaube ich wohl," versetzte ich, „allein Meline ist zu launenhaft, daß —"
Er unterbrach mich.
„Laß das," sagte er rauh, „ich hoffe auf kein Glück an ihrer Seite; aber ich kann ohne sie nicht leben. Mag es nun kommen wie es will, sie muß die meine werden." —
Am Abend desselben Tages faß ich ruhig bei meinen Büchern, als Thalheim bleich und ver- stört bei mir eintrat.
„Raten Sie, helfen Sie," rief er mir entgegen. „Sie sind ein Freund des Lottumschen Hauses — dieses exzentrische Mädchen hat mich da in eine furchtbare Verlegenheit gestürzt."
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl finken.
Nie war mir der berühmte Heldenspieler so abgelebt und gealtert vorgekommen, als in diesem Augenblicke, da er bleich und bebend vor mir saß, „Stellen Sie sich nur vor," fuhr er hastig fort, „Meline von Lottum ist vor einigen Minuten zu mir gekommen. Sie sagte, ihre Eltern wollten sie zu einer Heirat mit dem Baron Buchfeld zwingen, und sie hasse, sie verabscheue ihn, sie liebe nur mich und wolle meine Frau werden."
betroffen. Auf bet Linie Jaroslow - Atchangel ist der Betrieb eingestellt. Aus bet Linie Moskau-Rjaesan verließen die Maschinisten die Lokomotiven. Gerüchtweise verlautet, aus bet Linie Moskau - KurSk fei bet heute Vormittag 11 Vs Uhr von hier abgegangene Schnellzug liegen geblieben.
Kozlow (Gouvernement Tambow), 21. Okt. Die Angestellten bet Rjaesan - Ural Eisenbahn sind in den Ausstand getreten. Der Verkehr ist eingestellt. Die Ausständigen verlangen Preffe- und Redefreiheit und achtstündige Arbeitszeit.
Warschau, 21. Okt. Eine Proklamation der sozialdemokratischen Partei fordert zum allgemeinen Ausstand für Dienstag den 24. Okt. als Sympathiekundgebung für die Unruhen in Moskau und Petersburg Gefallenen auf. In Wlochh bei Warschau erschossen Arbeiter einen Meister.
Moskau, 21. Oktbr. Die Verwaltungsbeamten der Eisenbahn Moskau-Kursk und Mos- kau-Nischnh - Nowgorod, mit Abzweigung nach Murom, sind in den Ausstand getreten.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Okt.
■— Seine Majestät der Kaiser hörte vorgestern Samstag die Vorträge des Staatssekretärs des Reichs-Marine-Amtes Admirals von Tirpitz und des Generalleutnants von Moltke, Stellvertreter des Chefs des Generalftabes, und empfing den chinesischen Gefandten Nintchang. Zur Frühstückstafel war Slottsminister a. D. v. Möller geladen. Aus Anlaß des Geburtstages der Kaiserin trafen am Samstag bereits in Berlin ein Prinz Adalbert von Preußen, ferner am Nachmittage Prinz und Prinzessin Heinri-^ die von der Kaisettn und den Prinzen Adalbert und Oskar am Bahnhof Wildpark empfangen wurden. Dort trafen abends 9% Uhr der Großherzog und die Großherzogin sowie Prinzessin Sophie Charlotte von Oldenburg ein und wurden am Bahnhof vom Kaiser, der Kaiserin, dem Kronprinzen und der Kronprinzessin sowie den übri. gen kaiserlichen Prinzen, der Prinzessin Viktoria Luise und von dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich emvfangen. Die «pefWaften begaben sich alsdann nach dem Neuen Palais.
— Wie angeblich aus Bundesratskreisen verlautet, ist die Einberufung des Reichstages endgiltig für das letzte Drittel des Monats November vorgesehen. Die Session dürfte am Freitag, den 24. November eröffnet werden; die erste Lesung des Etats soll am 28. n. M. ihren Anfang nehmen. Es bleibt abzuwarten, ob die Disposition wirklich schon fest getroffen sind. Ferner heißt es, daß Kolonialdirektor Dr. Stübel feinen Etat nicht mehr vor dem Plenum vertreten wird. Trotz der Aufstandsbewegung in Ostafrika komme als fein Nachfolger wohl allein Graf Götzen, der Gouverneur Deutsch- Ostafrikas in Betracht.
, — Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner trat am Samstag der V o r st a n b des
Ich stieß einen Ruf der Ueberraschung aus.
„Unerhört, nicht wahr?" setzte Thalheim eifrig hinzu. „Sie können sich meine keineswegs angenehme Ueberaschung denken. Ich und heiraten! Das ist mir gar nie eingefallen! Und noch dazu ein so junges, launenhaftes Geschöpf, das den Kopf voll der romantischsten Ideen hat — das träumt von einem Idyll: eine Hütte und ein Herz — nun, ich habe genug davon. Ich werde mich wohl hüten, einem so kindischen Geschöpfe jemals wieder einige Schmeicheleien zu sagen. Das fällt über einen her wie der Sturmwind, wirft sich mir um den Hals und schreit: „Schutze mich, schütze mich! Meine Eltern wollen mich einem ungeliebten Manne verkaufen, fei Du mein Netter; denn ich liebe Dich!"
„So schön nun Fräulein Meline auch ist!" fuhr Thalheim fort, „so muß ich auf ihre Hand doch Verzicht leisten, so ist sie zu viel an Luxus gewöhnt, und sie selbst ein armes Mädchen; denn gestern ist die letzte Spekulation ihres Papas total mißlungen."
Thalheim machte eine Pause.
Ein kurzer, scharfer Schrei war von drüben hörbar geworden, jetzt war alles füll.
Mit Staunen und Unwissen hatte ich diesen, in halb zynischen, halb klagendem Tone hervor- gesprudelten Wortschwall augehött. Ehe ich jedoch noch antroorten konnte, Ivurbe die Tür meines Zimmers aufgerissen, und Meline erschien auf der Schwelle.
Hoch aufgerichtet, mit totblassen Wangen und zuckenden Lippen stand sie da.
„Ich habe alles gehört, Herr Thalheim," sagte sie mit blitzenden Augen, „beruhigen Sie sich, vor mir sind Sie sicher! Ich werde Ihre heißen Schwüre, .Ihre süßen Reden vom Traume des Glückes vergessen, aber Ihre erbärmliche Feig- beit nie!" .j . •
-1 deutschen Städtetages im Berliner Rathaus zusammen. Der Vorstand hat na<f längerer Beratung folgendes beschlossen: 1. de» Beschluß, beim Reichskanzler Fürsten Bülow ein» Audienz von sieben Mitgliedern des Vorstands nachzusuchen, wird aufrecht erhalten. 2. Ei« deutscher Städtetag soll im November mit sob gender Tagesordnung stattfinden: a) Konstituts rung des deutschen Städtetages auf Grund det vom Vorstand voraelegten Entwurfes der Fassungen. b) Fleischversorgung ber deutschen Städte und Schädigung ihrer Bevölkerung durch die andauernde Fleischteuerung. Anwesend waren außer dem Oberbürgermeister Kirschner bi» Oberbürgermeister von München, Frankfurt a. M., Chemnitz, Nürnberg, Breslau, Köln, Dres- ben, Kiel, Karlsruhe, Stettin, ^’ttMart, Königsberg, Danzig, Hilbesheim, Hannover.
— In ber neuesten Nummer des „Bank- Archiv" veröffentlicht der bekannte Swatsrechts- llhrer, ^Professor Labanb, einen bedeutsame« Artikel über bie rechtliche Stellung ber Reichs- bank im Kriegsfalls. Es ist nicht ohm Interesse, baß sich Labanb in diesem Artikel auch zugunsten des Gesetzentwurfs betr. Ausgabe kleiner Banknoten ausspricht; er hält es für erwünscht, in ruhigen und friedlichen Zeiten bas Publikum an bie kleinen Banknoten zu gewöhnen, weil anderenfalls die Ausgabe beS ersten Betrages kleiner Noten wie ein kriegverkündender Alarmschuß wirken würde; andererseits erachtet es Labanb jedoch für erforderlich, daß bie Reichsbank in Friebenszeiten von be» Ausgabe kleiner Noten nur einen sparsamen Gs brauch mache, ba es gerade vermieden werde« müsse, daß das Geld in großem Maße aus den Verkehr gedrängt werde.
Ausland.
Oesterreich. Deutschland erinnert sich in diesen Tagen daran, daß ihm vor Hundeick Jahren (am 23. Oktober 1805) einer seiner feinsinnigsten Natur- und Seelenschilderer geboren wurde. Gewiß: Adalbert Stifte» ist uns heute nicht mehr, was er unseren Elter« war. Seine Gestalten sind unS zu blaß, z« wenig von Fleisch und Blut, zu ideal im romantischen Sinne. Auch seine Landschafter find Jdealthven von sanften und edlen Linier und einem Kolorit, deffen gleichmäßiger Glaru die individuellen Züge, die starken Lichter un« die tiefen Schatten zudeckt. Aber in diese« zarten Dichter ist eine Kraft lebendig, die ih« befähigt, auch noch zu einem so ganz ändert gearteten Geschlecht zu reden. Wenn er noch heute eine Gemeinde hat und fie eher im Zunehmen als im Abnehmen begriffen ist, so dank er das der köstlichen Innigkeit seines reine« Gemütes. Auch an ihm bewährt es sich, daß sittliche Impulse doch immer die tiefsten uni dauerndsten find. Es ist das Heimweh nach dem Guten und Reinen, das er ouslöst.
Adalbert Stifter ist ein Sohn des Böhmerwaldes. Die heimatliche Landschaft hat ih« die jugendliche Phantafie befruchtet, seine Schi!« ■l-l- _______im.-...
Die Tür fiel ins Schloß. Meline war bet- schwunden.
Ich wandte mich an Thalheim.
„Sie werden nun meine Vermittlung nicht mehr nötig haben," sagte ich kalt, „Fräulein vo« Lottum wirb den richtigen Weg zu finde« wissen."
Der Freiherr machte tief aufatmenb eine Panse. Mag da hatte ihre Arbeit weggelegt uni sah gedankenvoll vor sich hin.
„Welch ein leidenschaftliches Geschöpf!" flüsterte sie leise.
Der Freiherr nickte, bann setzte er feine Erzählung fort: „Thalheim hatte sich 'wieder gefaßt und sagte in ruhigem Tone zu mir: „Ich hatte Sie bitten wollen, sofort bie Mutter MelinenS herbeizuholen, damit sie ihre Tochter nach Hause führe. Jeder Eklat muß natürlich sorgfältig vormieden werden. Was das Fräulein da von Liebesschwüren gesprochen, werden Sie wohl nicht ernst nehmen — ein exaltiertes Kind, wecheS das Leben noch nicht kennt!"
Ich sah ihn finster an.
„Was Sie Melinen auch je gesagt haben mögen," versetzte ich kalt, „seien Sie überzeugt, sie wird so viel Selbstbewußtsein besitzen, um vergessen zu lernen. Und nun entschuldigen Sie mich, ich muß zu Lottums."
Er verstand den Wink und empfahl sich sogleich.
Ich nahm meinen Hut und stürzte fort. MS ich zu Lottums fain, war meine erste Frage nach dem Fräulein.
Sie war kurz vor mir in Buchfelds Begleitung nach Hause gekommen.
Ich zögerte einzutteten. '
Da trat Herr von Lottum mit freudestrahlender Miene aus dem Zimmer. Als er mich erblickte, trat er eilig auf mich zu. (Forts, folgt.)