mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg un- Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrtrtes Sonntagsblatt.
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vierteljährlicher Bezugspreis bet ver ExPÄiüon 2 M, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ercL Bestellgeld).
JnsertionSgebühr: die gespaltene Zcile oder deren Raum 10 Pfg.
Neclamen: die steile 25 Pfa.
Marburg
Sonnabend, 21. Oktober 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdruckerek 40.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Neueste Telegramme.
Berlin, 20. Oft. An dem baldigen Rücktritt des Justizministers Schönstedt ist nun kein stweifel mehr möglich. Dieser hat auf den 1. Januar 190G in Cassel, wo er acht Jahre lang 1884—1892 J.-alS Landgerichtspräsident tätig joar, die Fürstlich Wiltgenstein'sche Villa in der Kaiserstraße gemietet.
Paris, 19. Okt. Der Fürst von Bulgarien machte heute Morgen dem Präsidenten Loubet [einen Abschiedsbesuch und sprach von neuem feinen Dank für den ihm bereiteten herzlichen Empfang aus. Um IV/2 Uhr reifte der Fürst nach Creasot ab.
Paris, 20. Olt. Kolonialminister Clemente! erhielt ein Telegramm des interimistischen Gouverneurs von West-Afrika, nach welchem die Arbeiten der Kommission für die Festsetzung der Ererbe zwischen Französisch-Guinea und Por» lugiesisch-Guinea Anlaß zu einem GebietsauS- tausch gegeben, dem die Kommiffare beider Länder zugestimmt haben.
TtüÄhslrr», 20. Oft. Rach einer Meldung don dem „Stockholm Dagblad" werden die (chwedisch - deutschen Handelsvertrags - Berhand» ungen am 30. Oktober in Stockholm beginnen.
London, 19. Oft. Der Prinz und die Prinzessin von Wales traten gestern die Reise nach Indien an. Zur Verabschiedung auf dem Bahnhofe waren der König und die Königin, sowie die übrigen Mitglieder der Königsfamilie ierschienen.
Petersburg, 20. Okt. Der Kaiser verlieh den vom Kriegsschauplätze hier ein getroffenen deutschen Offizieren, die den Operationen der Mandschurei - Armee beiwohnten, dem Major Frhr. v. Tettau, dem Oberstleutnant Lauenstein Und dem Chefarzt de? evangelischen Feldlazaretts, Stabsarzt Schäfer, Ordensauszeichnungen.
Ostmarken.
Die Wahl in Kattowitz-Zabrze hat zu gm» unerwarteten Ergebnissen geführt: Korfanty ist iin ersten Wahlgange mit einer absoluten Ma- jorität von 1646 Stimmen gewählt worden. Obwohl der Sieg Korfantys in der Stichvahl von vornherein nicht unwahrscheinlich war, so war dies Resultat in keiner Weise Vorauszusehen. ES ist deshalb im deutschen Interesse um so mehr geboten die tatsächlichen Vorgänge der Wahl ge. nau und vorurteilsfrei zu betrachten. Bei ungefähr gleicher Zahl der abgegebenen Stimmen (44 860 gegen 44 789 — 1908) ist ein geradezu ungeheures Anschwellen der für Korfanty abge-
* 'Nachdruck verboten.)^
Pflicht und Liebe.
Noma« von C. Wild.
triorlse-eung.)
Mazda war eine durch und durch nüchtern« Natur: schon frühzeitig darauf hingewiesen, die kränkelnde Mutter als Hausfrau zu ersetzen, hatte sie nie einen anderen Ehrgeiz gekannt, als das besteingerichtete Hauswesen'zu besitzen, die hohen, altertümlichen Wäscheschränke voll des feinsten Linnens zu haben und, was Güte und Solidität in Küche und Keller anbelangt, als »in Muster für alle Hausfrauen der ganzen Gegend dazustehen.
Magda war auch tätig von früh bis spät, und nichts entging dem scharfen Blick ihrer blauen Augen, mit denen sie sofort den kleinsten Fehler erkannte.
Magda war von allen ihren Dienstleuten mchr gelieot als gestirchtet: denn so energisch sie auch
so hatte sie doch eine eigene Gabe, Befehle und Rügen nie in einem verletzenden Tone zu erteilen. Dazu war sie mild und gutherzig und V^ls, wo sie nur konnte. Nur in einem blieb sir unerbittlich: wenn sie jernand auf einer Lüge ertappte, der wurde ohne Gnade aus dem ^ause getagt. '
Ihrer offenen Natur war jede Heuchelei und Verstellung zuwider, so daß sie lieber ein derbes Ehrlich gemeintes Wort mit in den Kauf nahm' als eine kriechende Schmeichelei.
Magda war kaum zwanzig Jahre alt gewesen, ■r u ■lr'2 ®tcrn kurz hintereinander starben, sie batte ihren um sieben Jahre öfteren Bruder Ger-
™r Örtlich geliebt, und nach dem Tode der Eltern schlossen sich die Geschwister noch in- ^^or an emander, obschon sie in ihrem Denken Md F„hlen himmelweit verschieden waren.
Magda sorgte für die Bedürfnisse ihres $ru- 66X5 'nit mütterlicher Zärtlich test und es machte 1
g-ebenen Stimmen (von 11 670 auf 23 208) zu verzeichnen. Wie war daS möglich? Leider bleibt nichts anderes übrig, als klipp und klar die Tatsache auszusprechen, daß Korfantys Persönlichkeit und Gedankenwelt in Oberschlesien entscheidenden Einfluß erlangt hat. Die Erkennt- nis ist hart für uns, aber allein die richtige Erkenntnis ist heilsam, wird Ansporn zur Tätigkeit und bewahrt vor Illusionen und Enttäuschungen. Im einzelnen zeigt sich Vordringen und Grad deS Korfantyschen Einflusses in den Wahlziffern sehr deutlich. Nur in Kattowitz selbst bleibt Korfanty mit 593 Stimmen hinter sämtlichen übrigen Kandidaten (Morawski 1008, Kapitza 1212 uni Dr. Voltz 1599 Stimmen) zurück und sicht der deutsche Kandidat mit respektabler Stimmenzahl an erster Stelle. Dagegen sind Bogutschütz, Siemianowitz, Laurahütte Domänen Korfantys, trotzdem sich der Zentrumskandidat Pfarrer, Ka. pitza in einem Briest an „Seine lieben Siemiano- witzer" gerade um die ihm entfremdete Bevölke- rung dieser Orte alle erdenkliche Mühe gab. Und auch in Zabrze z. B. hat Korfanty mchr Stimmen als alle drei Gegenkandidaten zusammen (3274 gegen 3201: 1328 Kapitza, 1001 Voltz, 872 Morawski).
Auf tvessen Kosten ist das WachLlupc deS Korfantyschen Einflusses erfolgt? Den Deutschen bleibt der allerdings in Anbetracht der Sachlage geringe Trost, daß ihre Stimmenzahl erheblich und zwar prozentual in demselben Maße wie die der polnischen gestiegen ist (von 3033 auf 7682). Der beutiefje Kandidat hat sogar den Sozialdemokraten überholt und nimmt diesmal die dritte Stelle ein. Nicht auf deutsche Kosten, sondern auf Kosten des Zentrums und der Sozialdemo- kraten hat Korfanty gesiegt. Diese beiden Par- teien sind in ganz überraschender Weise zurück- gegangen (das Zentrum von 19 992 auf 9100, die Polnischs Sozialdemokratie von 10 044 auf 4780 Stimmen). Das heißt von beiden Parteien sind gewaltige Wählermassen zu dem radikalen Polentum — ein Teil der deutschen Zentrums- Wähler hat offenbar für Dr. Voltz gestimmt — abgeschwenkt. D i e Nationalität, nicht mehr die Konfessionalität ist in Oberfchlesien ausschlaggebend. Trotz oder vielmehr gerade wegen, des Beuthener Prozesses, trotz aller sozialpolitischen Kritik haben Zentrum und Sozialdemokratie die national bewußten Polen nicht zu halten vermocht. Auch der vom Zentrums- standpunkte aus sehr kluge Einigungsplan zwischen Zentrum und Polenünn muß gerade in diesem wichtigsten oberschlesischen Wahlkreise am radikalen Polentum scheitern.
Mehr als der Ausgang von 1908 zeigt daS Resultat von 1905: Es gibt ein« Polen fra g« in Oberschlesien, in dem gleichen Maße wie in den bedrohtefteir Gebieten von Posen und Westpreußen.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Oft.
— Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Donnerstag Morgen in Begleitung der
ihr große Freude, wenn man ihr die Versicherung gab, ihr Bruder sei einer der besten Landwirte und sein Gut eine Art von Musterwirtschaft, wie weit und breit desgleichen nicht zu finden sei.
Es hatte in früheren Jahren wohl nicht an Bewerbern gefehlt: denn Magda war im Gnmde genommen keine so schlechte Partie, das ihr zu- kommende Erbteil bestand aus einem ziemlich großen Feldkomplexe und einer ansehnlichen Summe Geldes, imb ihre vorzüglichen Hausfraueneigenschaften machten sie so manchem Prak- tisch denkendm Gutsbesitzer zu einer begchrens- werten Frau.
Allein Magda schlug fonfeguent jeden noch so vorteilhaften Antrag aus; in ihrer ruhigen und bestimmten Weise 'erklärte sie, sich nicht von ihrem Bruder trennen zu wollen, wenigstens so lange nicht, bis er eine Frau ins Haus gebracht, und hn stillen gab sie sich der Hoffnung hin, daß dies nie geschehen würde; denn sie wußte ja doch, keine andere konnte so gut für Gerhard sorgen als eben sie nur allein.
Mit einer Art von Eifersucht beobachtete sie daher alle jungen Damen, mit welchen Gerhard zu verkehren Pflegte; allein zu ihrer großen Be- friedigung bemerkte sie, daß ihm alle vollkommen gleichgiltig blieben.
Artig und zuvorkommend war er immer; aber ein besonderes Interesse hatte er nock) nie für irgend ein weibliches Wesen gezeigt.
Wenn er solch ein geschniegeltes, gebügeltes, zierliches Dämchen ins Haus gebracht hätte, wel- ches sich stets nach der neuesten Mode kleidete und keine Joee davon frattc, wie man eine kräftige Suppe bereitet und das Linnenzeug am besten verwahrt, welch' Unglück wäre daS fiir Magda gewesen; einer jener Geschöpfe, das vis spät am Morgen im Bette lag, französische Romane las und zur Not allenfalls eine 'Tcu-iffettearbeit in die Hand nahm.
. Rein, nein, so etwas war für ihren Gerhard nichts, und heutzutage hatten leider Gottes alle
Kaiserin einen Ausritt. Von zehn Uhr ab hörte der Monarch die Dorttäge des Kriegsministers Gen.-Lts. v. Einem, des Gen.-Lts. v. Werne- burg, Inspekteurs der Verkehrstruppen, und des Stellvertteters des Chefs des Militärkabinetts Obersten v. Oertzen und empfing den neu ernannten Militär-Attachee in Washington Major Körner.
— Das Kronprinzenpaar ist gestern von München kommend, in Potsdam eingettoffen und hat sich nach dem Neuen Valais begeben. Die Beförderung deS Kronprinzen zum Major wird am 26. d. M. anläßlich der Enthüllung de- MoltkedenkmalS stattfinden.
— Die Vermählung des Prinzen Eitel- Friedrich mit der Großherzogin Sophie Charlotte von Oldenburg wird dem Der- nehmen nach im Februar statt finden.
— Der von uns schon gemeldete Wechsel in der Leitung be6 Handelsministeriums wird jetzt amtlich bekannt gegeben durch folgende Meldung des „StaatsanzeigerS": Di« von dem Handelsminister Möller ro^^esuchte Entlassung aus seinem Amte ist ihm unter Belassung deS Titels und Ranges 'eines Staats- Ministers und unter Verleihung des erblichen Adels erteilt worden. Der Ober Präsident der Provinz West-Vreußen, Delbrück, ist zum Staats- und Handelsminister und der Regierungspräsident v. I a g 0 w - Marienwerder zum Oberpräsidenten der Provinz West-Preußen ernannt worden. — „Die Ernennung deS Herrn v. Jagow zum Oberpräsidenten wird den Agrariern besonders genehm fein", bemerkt die „Frkf. Ztg." mit schlecht verhehltem STerger, denn „von Jagow gehört zu den wegen der Oppositton gegen die frühere Kanalvorlage unter dem Minister v. d. Recke gemaßreaelten Landräten. Er kam aber bald wieder zu Gnaden und wurde um so schneller zum Regienmgsvräsidenten befördert. Jetzt ist er schon Oberpräsident. Einen schnelleren Wechsel kann man sich nicht gut denken." Daß Herr v. Jagow seine Uebergeugung damals so fest vertreten hat, gereicht ihm nur zum Lobe und die Regierung tat gut daran., einen solchen politischen Charakter wiederzugewinnen.
— Gestern haben in Baden die Öanb- tag's Wahlen stattgefunden, bei denen zum ersten Mal die direkte Stimmabcmbe in Wirksamkeit trat. Bisher liegen die Ergebnisse auS 56 von insgesamt 78 Wahlkreisen vor. Definitiv gewählt sind 41 Abgeordnete und zwar 17 Zentrum, 15 Nationalliberale, 8 Demokraten, 5 Sozialdemokraten und 1 konservativer Bündler. An den 15 Stichwahlen sind beteiligt: das Rantrum in 14 Fällen, Nationalliberale in 10, Demokraten in 4, Sozialdemokraten in 13, Freisinnige in 1, konservative Bündler in 4 und sonstige in 2 Fällen.
— Von gut orientierter Seite wird der „D. W." mitgeteitt, daß die Fortsetzung der Beratungen über die Betriebsmittelgemeinschaft der deutschen Staats- bahnen Voraussiwtlich in München stattfinden wird. Da der wiirttembergische und badische
Mädckjen solch eine verschrobene Erziehung erhalten, die nur darauf berechnet war, in der Gesellschaft Furore zu machen und den Männern Sand in die Augen zu streuen.
Wenn so ein junges Mädchen mit gelehrten Brocken um sich warf, sich die Finger beim Klavier verrenkte und mit dünner Stimme einige Arien fang, dann sagte man allgemein, das fei eine gebildete junge Dame; ob sie eS auch verstand, ein Hauswesen zu leiten und überall nach dem Rechten zu sehen, darum kümmerte sich niemand.
Da war es denn auch kein Wimder, wenn eS so viele unglückliche Ehen gab, und der Mann außer dem Hanse die Behaglichkeit suchte, die er daheim nicht sand.
Von solch einem Schicksale sollte der Bruder bewahrt bleiben und Magda dankte täglich dem Himmel, daß er Gerhard ein so kaltes Herz gegeben, das ihn ruhig an all den hübschen jungen Mädchen Vorbeigehen ließ, deren eS in ßinben- hains Nähe, nach Magdas Ermessen, in viel $u großer Menge ab.
So standen die Dinge auf dem Schloß des Freiherrn, als ihn Melinens Telegramm eiligst an ihr Sterbebett rief.
Der Gatte der Baronin war ein Verwandter des Freiherrn gewesen und dieser auch der einzige, mit dem Meline nach dem Tode des Barons in Verkehr geblieben ivar.
Magda hatte die Baronin Buchfeld nie ge- sehen; sie wußte nur von ihr, daß sie schön und sehr gefallsüchtig war, und daß ihre Ehe mit dem Baron eine sehr unglückliche gewesen.
So wenig sympathisch ihr diese Frau auch sonst war, so fühlte sie doch Mitleid, als chr Gerhard von Monte Carlo aus den Tod der einst so gefeierten Schönheit meldete.
So einsam und verlassen zu sterben, das mußte doch schrecklich sein.
Und selbst jetzt, da Magda mit freudiger Er- toartung der Ankunft ihres Binders entgegensah, dachte sie mit einem Gefühle der Wehmut
Ü^vollmächtigte auf der Konferenz sich zum TeU gegen die bayerischen Vorschläge ausgesprochen haben, so sind also die Schwiettgkeiten, die sich einer Einigung entgegenstellen, noch nicht behoben. Der Plan des bayerischen Verkehrsmst^- steriums basiert darauf, die Selbständigkeit der einzelnen Verwaltungen mehr zu wahren, als bisher vorgeschlagen wurde. Man will auf die Einrichtung eines Gemeinschaftsamtes in Bettmr verzichten und nicht die gesamten Ausgaben zu- fammenlegen und verteilen, sondern nur die entstandenen .unberechtigten und Unverhältnis- mäßigen Differenzen zwischen den einzelnen Ver- Waltungen nach einem bestimmten Verfahren ausgleichen. Hierbei handelt cs sich um wesend« lich kleinere Summen, als wenn die gesamten Ausgaben in Betracht kämen. Die Beschaffung des Wagen- und Lokomofivmaterials soll ferner dem Ermessen der Eisenbahnverwaltungen überlassen bleiben, und nur in bezug auf Güterwagen soll ein eigentlicher Typ bestimmt werden. Die preußisch-wütttembergischen Vorschläge, , auf die man sich vorher nicht einigen konnte, gingen dahin, ein Gemeinschaftsamt unter Leitung deS preußischen Eisenbahnministers zu errichten. Von dieser Behörde aus sollte der Bau und die V«- Wendung deS gesamten Wagenparks reguliert werden, außerdem sollte auch die Beschaffung deS Heizmaterials und aller übrigen Betriebsgegen« stände nach einem einheitlichen Plan besorgt werden. Um dies durchfiihren zu können, wäre eS notwendig, alle Ausgaben hierfür zunächst W« sammenzuwerfen, um sie bann nach einem bestimmten Verfahren auf die einzelnen Verwaltungen zu verteilen. Die Schwierigkeiten, di« sich diesem Plan entgegenstellten, bestanden ht den Meinungsverschiedenheiten über dies Verfahren, da eine jede Verwaltung einen anderen Vert estungsschlüssel vorschlug, der sich besonders günftig für sie stellte.
Deutsche Kolonien.
lieber die unzureichende Besoldung der in den ausländischen Kolonien kämpfenden fDlarineteile wird in der „Kolonialen Zeitschrift lebhaft geklagt.. Sowohl die Marinetruppen in Ostafrika wie früher du in Südwestafrika erhalten nur FriedenZlöhnung, während die Schutztruvpen KriegSlöhnung. erhalten. So erhält der Unteroffizier der Marineinfanterie täglich 1,07 Mk., für Verpflegung mit Löhnung also nur 47 Mk. pro Monat, der Unteroffizier der Schutztruppe dagegen täglich 7—10 Mk. Berpflegungsgelder, 1 33 Mk. Teuerungszulage, an Marschtagen 4 Mark Marschaelder, er steht sich also pro Monat auf 230—420 Mk. Mindestgehalt des Schutz- truppenunteroffizierS also 230 Mk., des Marinein fanteriennteroffizierS nur 47 Mark. Dabei kämpfen beide unter Umständen Schulter an Schulter. — Abhilfe tut hier dringend nötig. — Ein weiterer Mißstand ist folgender: Zahlreiche Vizefeldwebel der Reserve, die in Süd-
an die junge Frau, die sie in fremder Erde fern von der deutschen Heimat eingeschart hatten, ohne daß sie nur ihr einziges Kind wiedergesehen.
Das Rollen eines Wagens entriß Magda ihren Betrachtungen.
Eine Helle Röte flog über ihre Wangen, und ihre blauen Augen blickten freudig auf. Raschen Schrittes ging sie die Freitreppe hinauf den langen breiten Korridor entlang, und als der Wagen vorfuhr, trat sie gerade aus dem Pottale bei Schlosses, um den Bruder zu empfangen.
Gerhard sprang auS dem Wagen und eilte z« seiner ScÄvester.
Es konnte keinen größeren Gegensatz geben als dstfes Geschwisterpaar, das jetzt, zärtlich aneinander gelchnt, sich mit einem kräftigen Händedruck begttißte.
Magda war nur um einiges kleiner als ihr Bruder; wie sie sich an ihn schmiegte, mischten sich ihre blonden Haarwellen mH dem dicken Gelock Gerhards, der ihr lächelnd in die treuen blauen Augen sah.
Ein echtes Bild von Kraft und Männlichkeit stand er da. Die hohe, scharf gemeißelte Stirn zeigte von Geist und fBerftanb, aus den ebnet tiefliegenden schwarzen Augen sprühte ek wie von unterdrückter Leidenschaftlichkeit. Der weiche, halblange Vollbart umgab gebräunte, ebelge* schnittene Büge, und um den männlich schönen Mund spielte jetzt ein herzgewinnendes Lächeln, als er mit seiner tiefen, wohlklingenden Stimme sagte: , ,
„Nun bin wieder daheftn, Schwester. Ar Dir die Zeit lang geworden?" *
„Ich konnte Deine Ankunft kaum erwarten,* erwiderte Magda, „dem Himmel fei Dank, daß Du wieder da bist! Auch Rotteck wird sich freuen« daß nun wieder alles ins alte Geleise kommt.*
(Fortsetzung folgt). •