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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: AUustrirtes S-nntagMatt.

JVi. 247

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der ExpÄition 2 Mk., ba allen Postämtern 2,25 M. <txcl. Bestellgeld).

InserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum Iv Pfg. Neclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Freitag. 20. Ollober 1905.

Erscheint wöchentlich neben mal.

Druck unb Verlag- Joh. Aug. Koch, Universitätr-Buchdruckerei 40.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Neueste Telegramme.

Berlin, 18. Okt. Der Bundesrat berät demnächst eine einheitliche Verordnung zur Regelung des KrastwagenverkehrS und des Fahrradverkehrs.

Köln, 19. Okt. Der Korrespondent der 'Köln. 3tg.* telegraphiert auS Tanger dom 18. Oktober: Me ich höre, wird der Sultan daS Programm der Konferenz, nachdem eS ihm amtlich vorgelegt ist, ohne weiteres annehmen, so daß die Konferenz nach Beendigung des Fastenmonats würde zusa- -entreten können.

Hamburg, 19. Okt. Mit dem Dampfer Hans Woermann' trafen gestern Abend von Swakopmund 13 Offiziere und Militärbeamte, sowie ein aus 95 Mann bestehender Transport verwundeter und kranker Krieger ein. Die Heimkehrenden wurden in der üblichen Weise empfangen und treten einen längeren Urlaub zur Erholung an.

Rom, 19. Okt. DieTribuna' wendet fich gegen gewisse Blätter in Oesterreich-Ungarn, die tendenziöse Nachrichten über Montenegro und Italien bringen, um gegen letzteres aufzu­hetzen. Sie dementieren dabei die Meldung, daß Montenegro mit Italien eine Militär- lonvention geschloffen und letzteres Montenegro 10 Kanonen geschenkt habe.

Kopenhagen, 19. Okt. In politischen Kreisen wird die Wahl deS Prinzen Karl von Dänemark zum König von Norwegen als sicher betrachtet. Wahrscheinlich wi"d noch in dieser Woche die Abstimmung darüber vom Storthing vorgenommen werden. Der Chef der KriegS- werft hat Order bekommen, das Königsschiff Dansbrog" und den KreuzerHeimdal Gejsir" zur Abfahrt bereitzuhalten, was ohne Zweifel als Vorbereitung für di« Fahrt des Prinzen nach Norwegen aufzufaffen ist.

Paris, 19. Okt. Im Staatsooranschlag für 1906 waren 150000 Frank zur Subvention der französischen Schulen und anderer fran­zösischer Anstalten in Marokko eingestellt. Die Budgetkommission lehnte aber diese Position im Hinblick auf die Unklarheit der dortigen Der» hältniffe ab.

Petersburg, 18. Okt.Rußkij Invalid' meldet: General Lenewitsch wurde unter Be» laffung auf seinem Posten zum General- adiutanten ernannt. In einem Reskript vom heutigen Tage verlieh der Zar dem Minister des Auswärtigen Grafen Lamsdorf in Aner» rennung seiner hervorragenden Verdienste wäh­rend des Krieges und bei den FriedenSver» Handlungen den Wladimirorden erster Klaffe. . NkUryork, 18. Okt. Der Generaldirektor derAffocrirten Prefle', Stone, erklärte gelegent- lich emes Banketts, daß, als alle Friedens- auSsi^ten in Portsmouth geschwunden waren, der deutsche Kaiser angerufen worden sei, der

dann erfolgreich eingegriffen habe, während Großbritannien keine Hand rührte, um den Frieden zu bewerkstelligen.

Tokio, 18. Okt. Einer Mitteilung deS MarineministeriumS zufolge, ist daS gesunkene russische PanzerschiffPobjeda' gestern in Port Arthur erfolgreich slottgemacht worden.

Ungarn und Kaiser Franz Josef.

Die Reaktivierung des Kabinetts Fejervary ist, wie schon gemeldet, erfolgt. Die Krone hat die Kriegserklärung, die Graf Andrassy jüngst im Auftrag der Koalition im Pester Reichstag verlas, mit einem Schritt beantwortet, der fast schon bett Beginn der Feindseligkeiten bedeutet. Drei volle Vierteljahre hat der Zustand zwischen Hangen und Bangen, das aufreibende Hin und Her der Verhandlungen und beiderseitigen Erklärungen gewährt. Beide Teile haben bis zuletzt gehofft, den Gegner durch weiteres Zuwarten zu ermüden und noch vor vier Wochen etwa schienen der Friede und die Versöhnung unmittelbar bevorzu­stehen. Kein Zweifel, daß der plötzliche Sturz Fejervarys damals erfolgte, weil man in Wien annahm und vielleicht auch einigen Grund hatte anzunehmen, daß die Koalition jetzt mürbe sei und das Fallenlassen der gefürchteten Wahl­reform mit einer Preisgabe ihrer Lieblingsforde­rung beantworten werde. Die Rechnung war falsch. Wenn innerhalb der Koalition einen Augenblick die Neigung zu einem Umfall bestan- den hatte, so ging diese Anwandlung zur Schwäche überraschend schnell vorüber. Es folgte die denk- würdige Audienz vom 23. v. M. Sie brachte das Niemals" des Kaisers in feierlicher Form aber mit einer Nuance von Bitterkeit zum Ausdruck, in der noch der Schmerz der jüngsten Enttäu­schung nachzitterte. An diesem Tage ward aller Welt kund, daß Krone und Koalition zu fei. nein Frieden gelangen könnten und daß man sich nach so vielen vergeblichen Versuchen, zu einer Verständigung zu kommen, nur um so ferner gerückt sei. Wie fern, das enthüllte aber erst in vollem Umfange die Erklärung Andrassys vom 10. d. M., die über das Verlangen nach der ungarischen, Armeesprache weit hinausgriff und Sätze aussprach, die den ungarischen König staatsrechtlich depossedieren und ihn zum ausführenden Werkzeug desnationalen Willens" d. h. der jeweiligen parlamenta- rischen Mehrheit machen.

In den Grundlagen ihrer Macht angegriffen und ernsthaft bedroht hat sich die Krone zur Wehr gesetzt. Dor die Wahl: Kampf oder Nachgiebig­keit gestellt, hat sie den Kampf gewählt. Und was für einen Kampf! Wenn die Wieder­berufung des Ministeriums Fejervary-Kristoffy überhaupt ettoas heißt, fo heißt sie Kampf auf Leben und Tod, Kampf nicht bloß um diese oder jene Forderung der Koalition, sondern Kampf gegen den kossuthischen Geist von 1849, der sich heute wieder drohend in Ungarn erhebt, Kampf sagen wir ohne Umschweife um den Besitz der ungarischen Krone und den Bestand der Ge­samtmonarchie. Kaiser Franz Josef, der das

® r9?re rtoruä verboten.^

Wicht und Liede.

Roma« vo« 6. Wild.

(Fortsetzung.)

r -Sie Verurteilen mich, Gerhard," sagte endlich Ste Baronin da der Freiherr sie noch immer stumm betrachtete; ich gebe mein Unrecht zu

T°$ ~ ®ie kennen nicht die Leidenschaft des fort- das macht die Puste rascher schlagen und alle Fibern des Her- zens beben, das laßt für Stunden alles Leid ver. Öe^en, das stillt die brennende Sehnsucht der toMiir Ä to?renb to- Aufregung ist man 101 tut alles andere tot, tot!"

Äte sich hastig im Bette auf, watz ine dichten Wellen des Haares sie wie ehr Janger dunkler Schleier überfluteten.

schmerzlichen Ausdrucke jag sie zu dem Freiherrn empor.

st.,"stlemand, niemand hat mich verstanden"

S brach wh ab, eine dunkle Blutwelle ncfete thre konvul,wrsch zuckenden Lippen und mrt einem legen Aufschrei sank sie i» Me Kiffen y U*I4u< 11

Gerhard rief erschrocken die Zofe herbei und

V doch ehe dieser noch kam, !^oar schon der Todeskampf «nngetreten.

?^Er sckpvächer wurden die sckjweren Atem-

^r Leidenden, starr und unbeweglich lag ein &en «roßen Augen glänzt» noch

^*l,^rorerr^3 entfliehenden Lebens. Da mit tmem Male schien sie von einer qualvollen Er- jTt nrnng erfa6i zu werden, ein Ausdruck von $ren Bügen, mit sichender rl6re ^ugen auf Gerhard.

N'sisi. stammelte sie mühsam hervor, Mem fis konnte nicht mehr vollenden.

Die Worte:Geben Sie den Brief meiner Tochter," erstorben auf ihren Lippen zu einem unartikulierten Laust der Tod hinderte sie daran, ihre Mtte auszusprechen und das namenlose Leid zurückzuhalten, das sie selbst über ihr Kind herauf- beschworen hatte.

Die schwache Lebensflamme war erloschen und die einst so schöne und glänzende Baronin lag als blasse, still« Tote auf der Bahre.

Der Freiherr trug Sorge für ein anständiges Begräbnis und ordnete die Hinterlassenschaft MelinenS, die nur aus einigen Schmuckstücken und eleganten Roben bestand; alles was sie an Geld und Wertpapieren besaß, hafte sie dem grü­nen Tisch geopfert.

Nachdem er sodann die sterblichen Reste seiner Koufine zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet hafte, kehrte er in seine deutsche Heimat zurück.

Doch zuvor begab er sich noch in das Pen- sionat, in welchem die Baronin ihre Tochter unter- gebracht hatte, um Viola selbst die Nachricht von dem Tode der Mutter zu überbringen.

Gin Gc;uhl trefen Mitleids beschlich sein Herz, als hochaufgeschossene, schmächtige Mädchen vor ihm stand, in dessen unreifen kindlichen Zügen feine Spur von der märchenhaften Schönheit der Mutter zu sehen war.

So schonend als möglich' teilte er ihr die Trauerbotschaft mit; Viola blieb eine Weile uube- weglich stehen, dann brach sie in ein krankhaftes Schluchzen aus.

Gerhard wollte tröstend ihre Hand erfassen; aber Jie wich scheu vor ihm zurück.

ich nun ganz allein und verlassen."

4__»Nichi. doch, Viola, nicht doch," sagte er weich;

Jste sollen bei mir immer eine Heimat finden. Meine Schwester tst gut, und Sie werden sie ge- wiß auch iiefien lernen. Den Bemühungen Ihrer Mutter gemäß müssen Sie bis zu Ihrem sieb­zehnten Jahre hier bleiben=-

heldenmütige Pflichtbewusstsein besitzt, diesem schweren Kampf nicht auszuweichen, wird dessen Ende nicht erleben. Ein hartes Geschick hat diesen Mann während eines langen Lebens verfolgt, aber nicht gebrochen. Schon einmal hat es ihn in den gleichen Kampf hineingestellt. Nach ztvanzigjährigem Ringen konnte er glauben, die­sen Kampf im Ausgleich des Jahres 1867 mit Shren beendet und Zustände geschaffen zu haben, die die Gewähr der Dauer in sich trügen. Und jetzt muß er es sehen, wie sein Lebenswerf ins Wanfen gerät und einzustiirzm droht. Aber er selbst wankt nicht. Er tritt in den neuen Kamps ein. Er opfert ihm die Ruhe seiner letzten Jahre. Vielleicht wird die Geschichte urteilen, daß Kaiser Franz Josef niemals größer war als in diesem Moment. B.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Oft.

* Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, die Prinzen Osfar und Joachim sowie Prinzessin Viktoria Luise besuchten gestern Morgen 8y2 Uhr aus Anlaß des Geburtstages weiland Kaiser Friedrichs III. das Mausoleum bei der Friedenskirche, wo der Begassche Sarko­phag für Kaiser Friedrich ausgestellt ist. Die Majestäten legten am Sarkophage Kaiser Fried­richs einen großen Lorbeerkranz mit Veilchen und Marschall-Niel-Rosen und mit einer Weißen Atlasschleife mit den Initialen des Kaisers und der Kaiserin nieder und verblieben dann noch kurze Zeit in ftiffer Andacht. Dann kehrten sie nach dem Neuen Palais zurück. Später horte der Kaiser die Vorträge des Hausministers, des Ministers des Innern und des Chefs des Zivil- kabinetts, empsing in Audienz den neuen olden- burgischen Gesandten Eucken-Addenhausen und in Abschiedsaudienz den niederländischen Gesandten van Tets van Goudrian in Gegenwart deS Staatssekretärs Frhr. v. Richhofen. Die beiden letzteren Herren waren zur Frühstückstafel ge­laden.

Weber das SchulunterhaltungS- gesetz äußert sich dieN. P. K.": Wenn es nicht gelingen sollte, die Vorlage, woran übrigens jetzt noch festgehalten wird, rechtzeitig für den Landtag spruchreif zu machen, fo würde ein ausreichender Anlaß zu einer Einberufung des Landtages vor Weihnachten nicht vorliegen. Es wird dann wei­ter auf die Schwierigkeiten, die der Ausarbeitung des Gesetzentwurfes erwachsen, hingewiesen und gesagt, daß diese nicht in den Bestimmungen über die Konfefsionalität der Volksschule zu suchen feien, sondern in der Materie der Schulunter­haltung selbst, voran in der Beantwortung der Frage, wer der Trager der Schullasten, nament­lich der, Ausgaben für Schulbauten fein sollte. Hier müßten Mittel und Wege gefunden werden, die Schnlbaulasten einigermaßen gleichmäßig auf alle Jahre zu verteilen, ohne drückende Erhöhung der sonstigen dauernden Ausgaben.

Der Deutsche Städte tag soll zu einer dauernden Einrichtung werden. Wie den Blättern mitgeteilt wird, hat bet Vorstand alle die deutschen Städte, die dem Deutschen Städtetag

Noch zivei lange Jahre!" unterbrach sie ihn schmerzlich.

Die Zett wird rasch vorübergehen,'' tröstete der Freiherr;lernen Sie unterdessen fleißig, Viola, das wird Ihnen über die schweren Stunden hinweghelfen."

Viola gab keine Antwort, sondern starrte schweigend vor sich hin.

Gerhard bemühte sich vergebens, ihr ein sreundliches Wort zu entlocken.

Mit einem Seufzer gab er endlich jede Be­mühung auf und verabschiedete sich von seinem Mündel, die nun, finster und verschlossen, kaum ein Wort des Abschiedes für ihn hatte.

Wie wenig gleicht sie doch ihrer schönen, leb- haften Mutter," dachte Gerhard bei sich, als er dos Pensionsgebäude hinter sich hatte.Wollte Gott, daß sie nur in anderen Dingen ungleich wäre; das exzentrische Wesen dieser Frau hat viel Unglück über ihren armen Gatten gebracht.'

Nun ging es rasch heimwärts nach seinem Schlosse; er sehnte sich, wieder daheim in der ge­wohnten Umgebung zu sein und in das klare Aug« seiner treuen Schwester zu blicken, die mit inniger Zärtlichkeit an dein geliebten Bruder hing.

Gut Lindenhain war ein stattlicher Besitz in einer schönen, sruckubaren Gegend.

Das Schloß war wobl mehr beauem als im- posant gebarit, allein der daran schtießende Park mit feinen zahlreichen Gruvven mächtiger Linden- bäume, welcher dem Gute bat Namen Lindenhain eingebracht, war von sehenswerter Schönheit und von jeher der Stoz der Freiherren von Linden gewesen.

Don der Rückseite be§ Schlosses führte eine breite steinerne Freitreppe in das geschmackvoll arrangieptg Blumenparterre hinab, das, von

noch rlicht beigetreten waren, zum Beitritt efr sucht. Zum Beitritt sind alle deutschen Stadt, berechtigt, die eine Einwohnerzahl von 25 000 erreicht haben und solche Gemeindeverbände, bi, eine städtische Bevölkerung von mehr als 25 00Q Köpfen zu vertreten haben. Es wird beabsichtigt, , eine Zentralstelle mit einem juristischen oder volkswirtschaftlichen Direktor als Leiter zu schaf­fen. Diese der Ort für ihre Errichtung ist noch nicht bestimmt wird mit einer Bücherei verbunden werden und soll Auskunft über aHt städtischen Einrichtungen erteilen. Man auch durch sie Gelegenheit schassen, Studien übe« deutsches Stadtverwaltungs- und Stadtver- fassungsrecht, ferner über Städtewesen, Städte- entwickelung und Stadtgeschichte an der Hand eines vollständigen gesicherten Materials zu be­treiben. Man rechnet auf eine jährliche Ausgab« von 20 000 Mk. Alle Einrichtungen der Kanzlet und der Schriftverkehr sollen mustergilttg und vorbildlich gestattet werden. Es soll ein Führe-« beitrag von 1,50 Mk. für je 1000 Einwohner er­hoben werden. Die Städte bis herab auf 25 000 Einwohner vertreten eine Einwohner­schaft von 13 519 648 Köpfen.

Die besonderen sozialdemokrati« scheu Sammlungen haben in dem laufen­den Jahre 1905 bis jetzt zusammen einen Ertrag von über 437 000 Mark geliefert. Dazu kommen noch die Beiträge für die Partei- und Eewerkschaftskaffen, die jene Summe ganz erheb« sich übersteigM. Für die streikenden Ruhrberg­leute sind rund 280 000 Mark, für die braven polnisch-jüdischen Revolutionäre in Rußland 116 390 Mark, für die streikenden Elektrizität-« arbeiter 40 656 Mark zusammengekommen. Au- jeder derartigen Sammlung ergeben sich bekannt­lich noch Ueberschüsse, die irgend einem sozial­demokratischen Fonds überwiesen werden, so dast das Umherschicken von Sammellisten für Part« und Gewerkschaften ein recht profitables Geschäft ist. Man muß aber doch darüber staunen, daß die Arbeiter, für allerlei Sainmlungszwecke noch soviel Geld übrig haben. Die sozialdemokratische Presse klagt jahraus jahrein darüber, wie schlecht die Arbeiter gestellt seien, wie sie darben müßten- wie, schwer ein Arbeiter den Bedarf feiner Fa­milie ohneUnterbilanz" decken könne. Gleich« Wohl ist die Sozialdemokratie unausgesetzt be* müht, den Beutel der Arbeiter noch zu schmälern. Der Widerspruch dieses Verhaltens sollte doch auch in Arbeiterkreisen einleuchten und sollte ihnen nahelegen, gegenüber den fortwährenden Geld­forderungen der sozialdemokratischen Parteilei­tung die Taschen zuzuhalten.

Deutsche Kolonien.

Südweftafrika. Von dem Komplott in Windhuk liegen jetzt wieder neue Nachrichten vor. DieWindhuker Nachrichten' melden nämlich: Bi? jetzt find feftgenommen: Mülles Lilienfeld, Gildenhuis, Waterson, de la Rey, Brink und Botha. Der Gefangene Waterson wurde inzwischen wegen EseldiebstahlS zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. DieSüdwest- afrikanische Zeitung' schreibt, als das Wahr­

mächtigen Lindenbäumen umgrenzt, einen reizen« den Anblick bot.

Unter einem rot und weiß gestreiften ZÄt knapp beim Eingang« in den Park stand ein ge­deckter Tisch, eine hohe Frauengeftalt war damit beschäftigt, die Flaschen und Gläser auf dem« selben zierlich zu ordnen und einen Strauß buf« tenber Rosen zwischen bisse zu plazieren.

Jetzt war sie fertig; noch ein prüfenber Blich, und die Dam« trat befriedigt zurück.

Langsam schritt sie nun zwischen ben Blumen-, beeten hin unb her, zuweilen einen Blick der Ungeduld auf ihre kleine goldene Uhr werfend« deren Zeiger heute nicht von der Stelle zu kommen schienen.

Die Abendsonne warf ihre leuchtenden Strich­le» noch einmal über das Blumenparterre un$ küßte mit ihrem zitternden Schimmer die Wipfel der hohen Lindenbäume, ehe sie langsam ml Westen nntersank.

Die Dam- war Magda von Linden, Schwester des Freiherrn, des Besitzers von Lindenhain.

Magda von Linden mochte ungefähr achtunL« zwanzig Fahr« zählen.

Groß unb mehr kräftig als schön gebaut, re« präsentierte sie mit ihrer geraden strammen Haltung unb bem blühenden vollen Gesicht beK echten Tvpus eine? LandedelfräuleinS..

Die klare», hellblauen Augen verriete» md)t! Gutmütigkeit als Geist, unb hinter der etwa- niederen, vo» dichten, natürlichen Wellen licht­blonden Haares umsäumten Stirn bargen sich wohl vernünftige, aber immer auf das Praktisch« gerichtete <^?b<nFen, denen der kübne Flug Phantasie stets ein fremdes Feld geblieben.

"(Fortsetzung folgt.)7