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Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck intb Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdmckerei 40. Jahr».
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Marvnrg
Sonntag, 15. Oktober 1905.
mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt.
Zweites Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Neueste Telegramme.
Berlin, 14. Okt. Hand elsminister Möller hat gestern dem Geheimrat v. Lncanus sein Ministerportefeuille 'aur Verfügung gestellt. — Der Ober- prästdent von Westpreußen Dr. Delbrück ist zum Nachfolger ausersehen.
Berlin, 13. Okt. In seiner gestrigen Plenarsitzung erteilte der Bundesrat u. a. den Äusschußanträgen, betreffend Anerkennung der Reifezeugnisse des Mädchenghmnasiums zu Karlsruhe als Nachweis der in der ärztlichen Prüfungsordnung geforderten wissenschaftlichen Vorbildung und wegen Vorschläge für die Wiederbesetzung erledigter Ratsstellen beim Reichsgericht seine Zustimmung.
Wie», 14. Okt. Ministerpräsident Fejrrvary wurde gestern nachmittag abermals in einstündiger Audienz vom Kaiser empfangen, doch ist noch immer keine Entscheidung gefallen.
Stockholm, 13. Okt. (W. B.) Beide Kammern des Reichstages hielten heute abend Sitzungen ab, in denen die Regierung zwei Gesetzentwürfe einbrachte betreffend die Aufhebung der Reichsakte von Seiten Schwedens nach der Richtung, daß die Regierung Norwegen als einen von Schweden getrennten Staat unter der Bedingung anerkennt, daß dem sogenannten Karlstader llebereinkommen die Form eines regelrechten Abkommens verliehen und es nach dem allgemeinen internationalen Brauch unterzeichnet werde, sowie betreffend die Aufhebung der geltenden Bestimmungen über das Unionszeichen in der schwedischen Flagge.
Newyork, 14. Okt. Die Ratifikationen des russisch-japanischen Friedensvertrages werden heute ausgetauscht.
Rio de Janeiro, 13. Okt. Telegramme aus Bahia melden von einem Attentat auf den Gouverneur, der schwere Schußwunden am Kopf erhielt. Ueber die Gründe des Attentats ist vis jetzt nichts bekannt.
Nagasaki, 13. Okt. Der Altonaer Danipfer «Hans Wagner" ist von den Japanern beschlag. । nahmt und hier ausgebracht worden.
Handelspolitisches.
Bildeten int letzten Reichstagstagungsabschnitte ",e Handelsverträge den hauptsächlichsten Gegen, jtand aer Beratungen, so werden auch in der bevorstehenden Tagung handelsvolitische Vorlagen keine, untergeordnete Rolle spielen. Der neue Tanwertrag mit Bulgarien ist bekanntlich von Den Vertretern der beiden Regierungen schon vor
Wissenschaft, Kunst und Leben.
.Das älteste Schriftstück von Kaiser Wilhelm L, , das überhaupt erhalten sein durfte, kommt in diesem Monat in der großen Versteigerung der Autographen-Sammlung von Aleranüer Meyer-Cohn bei I. A. Stargardt in Berlin unter den Sammer. Das Briefchen des xungen Wilhelm ist datiert „Memel, den 6. Ja. nuar 1806" und gerichtet: „An meinen Bruder Karl m Königsberg". Der Anfang des kind- llchen schreibens, dessen orthographische Fehler unt roter ^.inte, wahrscheinlich von dem Lehrer des Prinzen, verbessert sind, lautet: „Wir sind Gestern hier recht gut angekommen; ich wünsche, das du die Reis- mit gemacht hättest, den die Ost- see zuiehen ist so schön, das wir uns garnicht babeit trennen wollen. Den ersten Tag ging uns sehr fchlun. In derselben Sammlung befindet sich auch cm kleines Oktavheftchen, auf dessen erster Seite, von des Prinzen Hand die Worte -stehen: „Dieses kleine Buch soll zum Zeichenen
^reiben sein. Wilhelm. Den 17. Martz Darunter befindet sich die höchst kindliche Zeichnung einer Landschaft mit Bäumen, Saus und Brücke, und aus der zweiten Buchseite steht folgender Text: „Draußen waren sehr viel Lteute. Unterander auch Mama und Papa, der Vrinz und Prinzessin Raziwill, Karl und ßllexander auch und Lotte." Höchst interessant ist krn Schreibe,! des Prinzen Wilhelm, ebenfalls an ^blnen Bruder Karl, datiert „Chaumont 2. März 11814", mit eingehendem militärischen Bericht, in »em es u. a. heißt: „Um ss>7 Uhr tranken wir Mstfee in Bar für Aube, den ganzen Tag hatte ich .nchts als 2 Butterbrode gegessen, mich hungerte »der auch fast gar nicht. Denn in der Spannung,
einiger Zeit unterzeichnet. Er wird demnächst an den Bundesrat gelangen und von diesem, da es sich hierbei mehr um Formalitäten handelt, in kürzester Frist erledigt werden. Der deutsch-bulgarische Tarifvertrag könnte demgemäß zu den ersten Vorlagen gehören, die dem Reichstage zu- gestellt werden sollen. Da anzunehmen ist, daß als Jnkraftsetzungstermin in ihm der 1. März 1906, wie bei den übrigen Tarifverträgen in Aussicht genommen ist, so dürfte sich auch eine baldige Ratifikation im beiderseitigen geschäftlichen Interesse empfehlen. Eine zweite handelspolitische Vorlage, die dem Reichstage noch vor Weinachtcn zugehen dürste, betrisst die Bezieh, ungen zu Großbritannien und den meisten seiner Kolonien . Bekanntlich läuft das Gesetz, das dem Bundesrat die Ermächtigung erteilt, die Provenienzen Großbritanniens und seiner Kolonien auf dem Fuße der Meistbegünstigung zu behan- deln, am 31. Dezember 1905 ab. Man hat nicht gehörst, daß es in der Absicht liegt, in der Rege- hing des Verkehrsverhältnisses, wie sie gegenwärtig zwischen den beiden großen Interessengebieten besteht, eine Aenderung eintreten zu lassen. Hieraus aber würde folgen, daß das bisherige, die Bundesratsvollmacht ausstellende Gesetz erneuert wird. @in darauf bezüglicher Gesetzentwurf dürste schon in naher Zeit den Bundesrat beschäftigen. Im Reichstage haben ähnliche frühere Gesetze zu ausgedehnten Debatten Anlaß nicht gegeben. Man kann demgemäß annehmen, daß auch im laufenden Fahre keine allzulange Zeit darauf verwendet werden wird. Höchstens über die Frist, auf die die Bundesratsvollmacht bemessen werden könnte, hat man Meinungsver- schiedenheiren äußern hören. Des weiteren ist Aussicht vorhanden, daß sich der Reichstag noch mit anderen Handelsverträgen beschäftigen wird. Die Vorbereitungen für den Abschluß solcher Verträge mit Spanien, Portugal und Schweden sind ja, wie bekannt, schon seit einiger Zeit im Gange. Man wird jedoch gut tun, anzunehmen, daß die Verhandlungen selbst im laufenden Kalenderjahre schwerlich so werden gefördert wer- den können, daß der Reichstag auf die Vorlegung eines der in Vorbereitung befindlichen Verträge noch vor Weihnachten zu rechnen in der Lage sein wird, ganz abgesehen davon, daß es überhaupt noch nicht gewiß ist, ob diese Verträge zustande kommen. Die deutsch-argentinischen Der- Handlungen haben durch den Tod des argeistini- fchen Unterhändlers einen Aufschub erlitten. Ob schließlich die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika Anlaß zu gesetzgeberischen Schritten in der nächsten Reichstagstagung bieten werden, hängt von dem Ausfall der demnüchstigen Be- ratungen zwischen den Regierungen beider Staaten ab. Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind, da das letzte Abkommen auf Grund der am 1. März 1906 in Fortfall kommenden alten, im Anfänge der neunziger Fahre des vorigen Jahr- hunderts abgeschlossenen Tarifverträge getroffen ist, nur bis zu diesem Zeitpunkte geregelt. Man nimmt deshalb allgemein an, daß, da in dem Abkommen eine dreimonatige Kündigungsfrist vorgesehen ist, seine Kündigung am 1. Dezember d. I. erfolgen wird. Was aber an die Stelle des alten Abkommens treten soll, darüber kann vorläufig noch niemand eine Auskuitft geben.
in welcher man während des Gefechts ist, vergißt man alles übrige. , Bei dieser Astaire hab ich zum Erstenmahl die Bekanntschaft der kleinen Kugeln gemacht. Wir erhielten eine Ladung voll auf 80 Schritt." Solcher Schlachtenberichte des Prinzen Wilhelm aus den Freiheitskriegen befinden sich ein volles Dutzend in der kostbaren Sammlung. Als eine besonders wertvolle Reli- guie derselben gilt eine Haarlocke der Königin Luise von Preußen, deren Echtheit verbürgt ist.
Von einer Teilnehmerin aus Marburg am Friedenskongreß in Luzern erhalten wir folgendes Stimmungsbild, daß wir noch nachträglich veröffentlichen, ohne uns mit dem politischen Inhalt zu identifizieren, der gerade jetzt nach der Enthüllung des englisch-französischen Kriegsplanes eines gewissen Beigeschmackes nicht entbehrt.
„Die Leser der „Oberhessischen Zeitung" haben schon zur Zeit der Tagung des Friedenskongresses in Luzern in den letzten Tagen des September das Wichtigste gehört. Es traten dort die größten Gegensätze hervor. Einmal wurden die Haupt- sitzungen in einem Lokal gehalten, daß am Abend für ein Varietetheater diente, wo ein lärmendes und trinkendes Publikum Hundedressuren und Akrobatenkünste beiwohntett. Auf der anderen Seite hatte die Direktion des Kursaales dem Leiter eines Spielkasinos zwei große Säle vermietet, in denen „traute et quarante" oder „roulette" gespielt wurde. Während der Verhandlungen des Kongresses, kam es öfters vor, daß durch die geöffneten Türen die scharfe Stimme des Croupiers, wie sie „Faites votre jeu, messieurs" rief, oder das klirren des Geldes vernehmbar wurde. Die- selben unangenhmen Kontraste machten sich häufig
Wird es durch ein neues Abkomtnen ersetzt, so muß dieses nastirlich auch dem Reichstage vorgelegt werden. Soll es aber am 1. März 1906 in Kraft treten, so werden die darüber zu pflegenden Verhandlungen schon beschleunigt werden müssen.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Oktober.
— Seine Majestät der Ka i s e r verließ gestern Freitag Morgen, wie schon gemeldet, Glücksburg an Bord der „Hohenzollern", die von dem Kreuzer „Hamburg" und dem „Sleipner" begleitet wurde. Um 9 Uhr vormittags trafen die Schiffe in Kiel ein. Die im Hafen liegenden Schiffe sa- lutierten die Kaiserstandarte. Abends verließen der Kaiser und die Kaiserin die „Hohenzollern" und reisten um 11 Uhr mit Sonderzug nach Potsdam ab.
— Die Betriebsmittelkonferenz, die am 10. d. M. in Berlin tagte, hat zu dem erfreulichen Ergebnis geführt, daß man über den einzuschlagenden Weg, insbesondere bezüglich der organisatorischen Einrichtungen zu einer vollständigen Einigung gelangte. Die Grundlage der künftigen Verhandlungen, die in Ausschußberatungen sofort ihren Fortgang nehmen werden, wird der baierische Vorschlag bilden, der sich als eine Abänderung des ursprünglichen Heidelberger Programms darstellt, aber unter Ausrechterhaltung dieses Programmes in seinen Grundzugen den nationalen Gedanken eines einheitlich deutschen Betriebes volle Rechnung trägt. Tie jetzigen Hauptprogrammpunkte sind: 1( einheitliche Handhabung auf nationaler deutscher Grundlage, aber Beeinträchtigung der Hoheit und der Besitzrechte der Einzelstaaten; 2) größtmöglichste Beseitigung der wirtschastlich schädlichen Leerläufer; 3) unbeschränkte gegenseitige Benutzung des Güterwagenparkes. Da Württemberg und Baden, wie bekannt, ihre Zustimmung zu der Personentarifreform von der Einigung über die Betriebsgemeinschast abhängig gemacht haben, so ist der jetzige erfreuliche Stand der Verhandlungen von günstiger und ausschlaggebender Bcdewung.
— Ans dem Umstände, daß die meisten der bundesstaatlichen Finanzstiinister Berlin wieder verlassen haben, wird wohl mit Recht geschlossen, daß in der Hauptsache nun ein Einverständ- nis über die Finanzreform erzielt ist und daß es sich um die Ausarbeitung im einzelnen handelt. Wenn auch noch nicht bekannt ist, in welcher Form die höheren Steuererträge aus dem Tabak, dem Bier, der Erbschaftssteuer und der Stempelsteuer gewonnen werden sollen, so geht nach einer Mitteilung der „Franks. Ztg." doch ans Aeußerungen der an der Beratung Beteiligten hervor, „daß diesmal ganze Arbeit gemacht werden soll, d. h. daß der Gesamtbetrag der neuen Steuern und Steuererhöhungen so hoch sein soll, daß er den Finanzbedürfnissen des Reiches auf lange Zeit hinaus genügen kamt." .Man werde wahrscheinlich die verschiedenen Steuerprojekte als ein Ganzes zu behandeln suchen, aus dem einzelne Teile nicht herausge- nommen werden können, ohne daß für gleichzeitigen Ersatz gesorgt wird.
Deutsche Kolonien.
Südwestafriks. Ans Berlin wird amtlich gemeldet: Durch Erkundung wurden stärkere feindliche Kräfte anscheinend unter Hendrik
gelten i) bei den festlichen Veranstaltungen. Auf dem großartigen Bankett, das am Tage der Eröffnung im „Hotel National" gegeben wurde, sprach Frödckric Passy voll Feuer uird Eifer über die Schweiz und deren Verfassung, indem er sie als Muster für den großen Bund hinstellte, der einst aus den vereinigten Staaten der ganzen Welt gebildet würde.
Der Wahrheit gemäß müsse bekannt werden, daß besonders die weiblichen Repräsentanten sich durch Heftigkeit und Uebertreibung bemerkbar machten.
Am Mittwoch, 20. September, wurde die armenisch-mazedonische Frage behandelt. Ein Franzose, Herr Guillard, schilderte drastisch die Grausamkeiten der Russen und Türken gegen die Armenier und Mazedonier und erklärte die russische Regierung für diese Metzeleien verantwortlich. Die Beschlüsse, die angenommen wurden, machten aus die Versammlung einen tiefen Eindruck und die Teilnahme wuchs noch, als der russische Delegierte, Professor Nowikoff aus Odessa, auf der Rednerbühne erschien und in feinem Namen und im Namen des russischen Volkes sprechend, diese Grausamkeiten aus tiefstem Herzen bedauerte.
Dann sprach in heftigen Angriffen Frau Chckliga aus Paris, aber die Erregung erreichte ihren Höhepunkt, als die Frau des armenischen Professors und Pastors Thoumaian, eine geborene Französin, das Wort ergriff. Da ihr Mann von den Türken in Ketten geworfen worden war, den Kopf in einem „Karkan", eine schwere Kugel am Fuße und dies wochenlang aushalten mußte, so konnte Frau Thoumalan aus Erfahrung über die Leiden der Armenier sprechen. Sie bat die anwesenden Damert, von ihrem Luxus zu opfern.
Witbooi und Simon Köpper, östlich von AubeS festgestellt. Major v. Estorfs versammelte am 7: Oktober die 1., 2., 6., 7., 8. Kompanie be# Regiments Nr. 2 und die 7, Kompanie des Re» gimentS a, die V,5. und 7. und die 8. Batteri» in der Linie Perfip-Amadab-HaruchaS gegen fU zum Angriff. Morenga und Morris find aus den Gr. Karrasbergen nach dem Süden abgezogen. Ersterer hatte früher verschiedentlich Verhandlungen wegen seiner Unterwerfung angeknüpft. Jetzt soll er aber erklärt haben, daß er bis zum letztenMann kämpfen werde. Weiber und Kinder will er auf ein englisches Gebiet nach Pella, etwa 75 Kilometer südöstlich von Warmbad, bringen. Zum Angriff gegen Morenga und Morris ist Oberstleutnant v. Semmern im Vormarsch begriffen und hat mit der 2. Kompanie des Regiments Nr. 1, der 9., 10., 11. und 12. Kompanie des Regts. Nr. 2, der 7a3. Ersatzkompanie, der Zweiten Batterie und mit Maschinengewehren die Linie Amas'Hudab-Dawignab erreicht. Cornelius hat sich von Morenga und Morris getrennt und ist aus den Großen Karrasbergen in nordwest» kicher Richtung an Keetmannshoop vorbei abgezogen. Er hatte angeblich die Absicht, sich mit Hendrik Witboi zu vereinigen, über dessen Flucht nach Osten er nicht unterrichtet war. Er wird durch eine Abteilung von 70 Mann und einem Geschütz unter Hauptmann v. Lettow von Keetmanshoop auS verfolgt, während die Linie Bethanien Berseba durch einzelne Posten gesperrt wird.
Ostafrika. Generalleutnant v. Siebert, bet frühere Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, hat sich einem Mitarbeiter der „91. G. C." gegenüber solgenderniaßen über die Ursachen und den Cha, ruf ter des Aufstandes in unseren ostafrikanischen Schutzgebieten ausgesprochen:
„Es liegt nicht der geringste Grund zn tieferer Besorgnis über die Bedeutung und den Umfang der Rebellion vor. Denn es handelt sich bet ihr nur um sozusagen kleine lokale Putsche ohne Zusammenhang, obne Führer, ohne Waffen und noch dazu in der Nähe der Küste, fast unmittelbar in dem Bereiche des Mittelpunktes der deutschen Macht." Wie der eben zurückgekehrte Graf Pfeil, ein Vetter des Grafen Götzen, erzähle, habe der Gouverneur denn auch volles Vertrauen, daß der Aufstand in Kürze bewältigt sein und sich nicht so bald wiederholen werde. Daß Graf Götzen sich selbst an die Spitze einer Expe- dition stelle, sei nicht notwendig, das seien Ausgaben, die jeder Schutztruppenleutnant lösen könne. Als die einzige zurückbleibende Folge des Aufstandes, die ja allerdings bedauerlich sei, werde sich wohl im nächsten Budget für Deutsch- Ostafrika eine vorübergehende Minderung der Einnahmen ergeben. Etwas anderes wäre es, >venn sich die schon ihren körperlichen Eigenschaften nach viel gefährlicheren und unter mächtigen Sultanen stehenden Stämme in den Hinterländern Ostafrikas aufgelehnt hätten. Aber die halten sich ja glücklicheNveise vollständig ruhig." Eine letzte Frage, ob zwischen den verschiedenen Stämmen Afrikas eine Art von Solidaritätsgefühl der Rasse der Weißen gegenüber vorhanden
um den Unglücklichen in ihrer Not zu Helsen. In ihrer äußerst einfachen Kleidung, ohne den geringsten Schmuck, mit ihrer sanften Stimme und ihrem fließenden Vortrag machte die Red- nerin mit ihren Schilderungen einen großen Eindruck auf den weiblichen Teil der Zuhörer. Nachdem sie zu Ende war, verlangte eine so große Anzahl Damen und Herren das Wort, daß der Vorsitzende, Elie Ducommun, unter allgemeiner Der- Wirrung der Versammlung die Mtteilung machte, daß von nun an das Wort nur noch schriftlich ver- langt werden sollte.
Ein Punkt, dem der Kongreß lebhafte Teil- nähme widmete, war die sogenannte französisch- deutsche Annäherung, oder richtiger _bie alte „elsaß-lothringische Frage". Zuerst, äußerte sich ein Belgier, Herr Houneau de Lehaie, dann der Professor Ludwig Ouidde aus München., Letzterer versicherte in seiner einfachen, offenherzigen Art, die den aufrichtigsten Beifall erregte, daß in Wirklichkeit fein Haß zwischen den Franzosen und den Deutschen bestehe. Eine Versöhnung in poli. tischer Hinsicht sollte zustande, gebracht werden, ja ein ehrliches Bündnis zwischen beiden Nationen würde eine Sicherheit für den Weltfrieden bieten. Diese Worte sanden einen großen Beifall, und die Stinunung wurde noch lebhafter, als der alte ehrwürdige Fr6d6ric Passy die Tribüne bestieg und unter allgemeinem Jubel Professor Ouidde bat, ihm die Bruderhand zu reichen, in der Hoffnung, daß biete Handlung ein Vorspiel sein sollte für die Verbrüderung der zwei grofsen Nationen. Am Abend feierten die sranzösitcheq und deutschen Delegierten ein besondere? Ver briidernngssest." —n. ,