mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustvirtes Sonntagsblatt.
Jti 242
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Marburg
Sonnabend. 14. Oktober 1905.
Erscheint wöchentlich siebe« mal.
Druck tmb Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerel 40. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon a5.
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Neueste Telegramme.
Köl«, 18. Okt. Die .Köln. Volkszeitung" versichert, der Wechsel im Kolonialamt werde sich verzögern, wobei in Frage gestellt fei, ob Gras Götzen Kolonialdirektor werde, da daS Ende deS ostafrikanischen Aufstandes sich gar nicht absehen laste. Abgeordneter Dr. Paasche, der an hoher Stelle wohlgelitten sei, habe als Kandidat für die Stelle deS Kolonialdirektors gute Aussichten. Als zweiter Kandidat wird der Generalkonsul von Genua, Dr. Inner, genannt.
Friedrichshase«, 12. Okt. Der Gouver- neur von Südwestafrika, v. Lindequist, traf heute hier ein und wurde vom König von Württemberg in Audienz empfangen. Von hier begibt sich der Gouverneur nach Neapel, um sich von dort nach Südwestafrika einzuschiffen.
Madrid, 12. Okt. Der Minister des Neußeren Sanchez Roman bestätigt, daß er den König von Spanien auf seiner Reise nach Deutschland begleiten werde; der König werde auf seiner Rückkehr von Berlin zwei Tage in München Aufenthalt nehmen.
Chriftieuia, 12. Okt. Bei Eröffnung des Storthings verlas der Minister Michelfen im Namen des norwegischen Ministeriums die Eröffnungsrede, worin er als Hauptaufgabe des yeu zusammentretenden StorthingS die Er- richkung und Konsolidierung des neuen Norwegens bezeichnete. Norwegen trete jetzt offiziell in die Reihe der völlig unabhängigen Staaten ein und müsse die diplomatischen und konsularischen Vertretungen ordnen. Darüber werde ein Gesetzentwurf vorgelegt, ferner ein Steuergesetz, ein Handelsgesetz und ein Gesetz betreffend die neue Heeresorganisation.
, Konstantinopel, 12. Okt. Gestern ist im Jildiz ein außerordentlicher Ministerrat über die Kollektivnote der Botschafter, betreffend die internationale Finanzkontrolle in Mazedonien, verhalten worden. Es verlautet, die Antwort der Pforte werde nachgiebig lauten.
, New-York, 12. Okt. Der .Frkf. Ztg.' wird von hier gemeldet, China sammle Material, um Schadenersatz für die Ausweisung von Chinesen aus den Vereinigten Staaten zu erlangen, und wolle eventuell das Haager Schiedsgericht anrufen.
Eine Ehrenschuld des deutschen Volkes.
* Nicht viel Kunde dringt zu uns aus dem fernen Südwestafrika über die heldenmütigen Kämpfe unserer tapferen Truppen, in der Hauptsache nur kurze amtliche Mitteilungen, traurige Verlustlisten und hin und wieder Briefe von Mitkämpfern an die Lieben in der Heimat oder die Hinterbliebenen eines gefallenen Kameraden. Aber auch sie sprechen keine laute Sprache; denn alle, die drüben in dem heißen Sand« und zwischen den glühenden Klippen Südwestafrikas für Deutschlands Ehre fechten, haben keine Zeit, ihre Leistungen mit der Feder ins rechte Licht zu setzen und wohl noch weniger Neigung zu einer Selbstberäucherung. Sie tun einfach ihre Pflicht und schweigen. Ge- rade, daß es an solchen Schilderungen fehlt und daß nur kurze, knappe Kunde von den Geschehnissen zu uns dringt, ist ein Beweis dafür, wie hart die Pflicht ist, die unsere Truppen drüben zu erfüllen haben und wie sie darin aufgehen. U m so unrechter ist es, daß das deutsche Volkin der Heimat so wenig seiner SöhneinderFernegedenkt, die doch allen Anspruch darauf haben, bei der harten Krftgsarbeft unter schwierigen äußeren Bedingungen einem grausamen, hinterlistigen Feinde gegenüber von ber Liebe und der Dankbarkeit ihrer Volksgenossen getragen zu werden. Die Mühen und Kämpfe, bei denen sie zu Ehren Deutschlands ihr Leben in die Schanze schlagen, würden ihnen leichter sein, wenn sie wüßten, daß man in der Heimat ihrer Taten Anerkennung zollt, auch wenn ihnen glänzende äußere Erfolge versagt sind. Oder sind, um nur eins herauszugreifen, die tagelangen Kämpfe der Abteilung Meister gegen einen weit überlegenen Feind in fast unangreifbarer Stellung, unter der glühenden Sonne Afrikas und bei einem Wassermangel, daß , die Mannschaften vor Durst fast wahnsinnig werden, keine .Heldentaten? Gerade in solchen schweren Zeiten braucht die Truppe das Bewußtsein, daß wenigstens mit dem Herzen das ganze Volk bei ihr weilt. Nicht eitle Ruhmsucht treibt den Deutschen in den Kampf, aber auf das Gedenken und die Dankbarkeit des Volkes hat jeder Anspruch, der zu des deutschen Namens Ehre sein Blut verspritzt. , Statt dessen gefallen sich, leider Gottes, viele in den blöden und abgeschnmckten Späßen des Simplizifsimus und ähnlicher Blät- tet, in, denen unser Heer, Mannschaften wie Offiziere, in den Schmutz gezogen werden. Würden unsere Truppen wohl so schlicht zu dulden, zu kämpfen und — zu sterben wissen, wenn auch nur der hundertste Teil von dem wahr wäre, was jene satten, Lästerer vom sicheren Redakfionsttsch aus über sie in die Welt Posaunen? Mitschuldig an diesem vaterlandslosen Treiben aber macht sich jeder, der seinen Gefallen daran findet und nicht vielmehr dazu beiträgt, daß durch einen Ausbruch des allgemeinen, Unwillens dieser Schmutz samt seinen widerwärfigen Verfertigern weggeschwemmt
"o 'Nachdruck verboten.)
Das neue Fräulein.
Original>Roma« von Fr. 8eh«r.
(Fortsetzung.)
_ Diskret blieb der Onkel zurück, während die Beiden gingen. Unten in dem.Hausflur blieben sie Netzen. „Lebe Wohl, meine liebe Trude," sagte er beweg: Sie schluchzte leise. „Weine doch nicht, mem Liebling, ich komme wieder, bald! Dann wit mir. Du bist doch mein starkes Mädchen—" tröstete er, während ihm selbst die Tranen über die Wangen liefen. Wortlos hing Her an seinem Halft — „ich schreibe Dir gleich. Bleibe mir nur gut, meine Trude, hörst Du?"
Noch ein letzter heißer Kuß, dann ließ fie ihn. ^n der sich öffnenden Tür zeigte sich plötzfich Hauptmann von der Heyden.
^.Was sehe ich? Warburg?" rief dieser in yochirem Erstaunen. „Sie wollen gehen, wohin?" „Es war meine Absicht, Sie amzusucken, ehe ich heut Abend fahre."
„Wollen wir nicht ein paar Minuten hier bleiben? — Ah —" er tat, als ob er Gertrud erfi jetzt bemerkte, „ah !vas sehe ich, das schöne p-raulein Gertrud! Lockt Sie das nicht. War- bürg. Sie sind doch wirklich ein Glückspilz, War- burg, in , so reizender Gesellschaft —" und unge- niert fixierte er das Mädchen.
„Ta haben Sie in der Tat Recht, Herr Haupt- wann", sagte Warburg ruhig, „gratufieren Sie wir, denn soeben bat mir Fräulein Gertrud versprochen,, mein Weib zu werden. Ich bitte aber um vollständige Diskretion, da wft das Verlöb. Nls^noch nicht veröffentlichen."
sprachlos starrte ihn der Hauptmann an.
rn der Tat, höchst überraschend! Meinen Gluckwunich, sifber Warburg, und Ihnen ebenfalls, mem gnädiges Fräulein," fand er endlich Dort»
Es war merkwürdig, wie schnell er vom dreisten Bewunderer zum tadellosen Kavalier wurde.
Unbefangen nahm Gertrud die Hand, die er ihr zum . Gratulieren entgegenstreckte und begegnete groß und ruhig seinen Augen, die sie ver- wirrt anblickten.
„Wenn Sie keine Zeit mehr haben, gehe ich mit Ihnen, Warburg; Sie müssen mir erzählen, was Sie Vorhaben---"
Noch einen innigen Händedruck und einen letzten Blick tauschten die Liebenden — dann war Gertrud allein. In ihr jubelte alles; sie war so glücklich, daß sie es kaum fassen konnte.
„Er kommt wieder — er kommt wieder — er ist Dein!"
Achtes Kapitel.
Und 'er kam wieder! Beinahe drei Jahre waren vergangen voller ernster Arbeit und mancherlei Enttäuschungen. Aber unentwegt war er auf dem einmal begonnenen Wege fortgeschrft- ten; sein Glück war ihm doch hold geblieben und hatte ihm Erfolg verschafft. Wie er ganz richtig geahnt und gefühlt hatte, hätte er als Maler nur das Durchschnittsmaß erreicht. So hatte er das Farbenmischen ganz gelassen und sein Hauptaugenmerk auf die gründliche Ausblldung seines wirklich bedeutenden Zeichnertalentes gelegt, wie ihm von maßgebender Seite geraten worden war. So hatte er schließlich, gestützt auf eine warme Empfehlung seines Lehrers, der in der Kunftweü einen geachteten Namen trug, an einem ersten kunstgelverblichen Etablissement eine sehr gut bezahlte, Stellung angenommen, die ihm ermöglichte, seiner Gertrud eine nicht nur auskömnlliche, sondern auch sehr behagliche Existenz zu bieten.
In seinen Mußestunden Pflegte er aber noch seiner Lftblingsneigung nachzugehen, Karrikatu- ren zu zeichnen, dft ein bekanntes Witzblatt sehr gern annahm, besonders wenn er sie gleich mit
wird. Mitten in Europa gelegen, von allen Seiten von fremden Völkern umgeben, muß das deutsche Volk, mehr als jedes andere, den Helden- sinn seiner Väter wach erhalten. Wie aber soll ein Volk Helden erzeugen, wenn es in seinen breiten Massen zu genußsüchtig, zu verfault und zu gleichgültig ist, um auch nur im Geiste bei den Vorkämpfern seiner nationalen Ehre zu verweilen? Freilich gibt es auch Ausnahmen, seltene Ausnahmen. Eine solche ist der Kriegertag auf dem Kyfshäuser am 17. und 18. September ge- wesen, dessen Teilnehmer im Namen von 2% Millionen alten Soldaten den Kameraden in Afrika, „welche trotz unsagbarer Strapazen und Entbehrungen aller Art in dem schweren Kampfe gegen einen tückischen und wilden Feind nicht erlahmen, sondern neuen Ruhm an die deutschen Fahnen heften," in Form einer allseftig begeistert aufgenommenen Resolufion die Bewunderung und Anerkennung ausdrückten. Aber es ist traurig, daß das eine Ausnahme ist und daß die Taten unserer Truppen in Afrika anscheinend nur in den Herzen unserer eiten Soldaten einen Widerhall finden, nicht aber in den Herzen des ganzen Volkes.
Das kann und darf nicht fein. Die nahende Weihnachtszeit soll die Herzen aller Deutschen mahnen, Einkehr zu halten und sich auf die nationalen Wichten zu besinnen, die vielfach gleichzeifig vernachlässigt worden sind. Für dft Tage vor Weihnachten gelte daher überall die Parole:
Gedenket unserer Tapferen in Südwestafrika!
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Oktober.
— Seine Majestät der Kaiser unternahm gestern Donnerstag Vormittag mit dem Prinzen Adalbert und dem Gefolge, wie aus Glücksburg gemeldet wird, von ^10 bis 12 Uhr eine Fahrt auf dem Turbft«':^.^ " der Hamburg-Amerika-Linie ^Ter Mer äußerte sich über den Verlauf der Fi^Hrt ußerordenllich $u- frieden gegenüber Direktor^p. Grumme, Direktor Rathenau und dem Konstrukteur der Turbinen Ingenieur Lasche, Direktor der Turbinen-Abtei- lung der A. E. G. Die Kaiserin machte vormittags einen Besuch im Schlosse zu Glücksburg. Zur Frühstückstafel auf der „Hohenzollern" waren geladen die Großherzoglich oldenburgischen Herrschaften, Prinz und Prinzessin Heinrich, sowie Direktor v. Grumme und Direktor Rathenau. Nachmittags begab sich das Kaserpaar an Land und nach Schloß Glücksburg, wo es aus Anlaß des Geburtstages des Herzogs Friedrich Ferdi- nand den Tee einnahm. Der Kaiser geben ft sich heute Freitag früh 6 Uhr 30 Minuten an Bord der „Hohenzollern" nach Kiel zu begeben.
— Wie aus Oldenburg gemeldet wird, soll die Vermählung des Prinzen Eitel Friedrich und der Herzogin Sophie Charlotte nicht vor dem Frühjahr des nächsten Jahres stattfinden.
— Der Bundesrat versammelte sich gestern zu einer Plenarsitzung. Er überwies den
Text versah, den ihm fein gesunder Humor lieferte. So strahlte ihm die Zukunft im rosigsten Lichte, und seine Briefe an Gertrud spftgüten dasselbe Gefühl wieder.
Die Beiden waren sich durch einen sehr regen Briefwechsel geisttg näher getreten, und einer hatte sich am anderen gebildet. Die Sehnsucht nach Gertrud hatte ihn manchmal überwältigt, aber er war seinem Vorsatz treu geblieben, fie erst nach Erreichung seines Zieles wiederzusehen.
, Gertrud hatte ihrer Mutter ihre Verlobung mitgeteilt, war aber auf besonderen Wunsch des Onkels bei Teichmanns geblieben. Ihr Verhall- nis zur Tank war ein ziemlich kühles, da ihr diese nicht verzeihen konnte, daß sie Frau von Warburg werden sollte. Sft kümmerte sich aber wenig darum, sie tat ihre Pflicht, leitete nach wft vor den Haushall und arbeitete in ihrer freien Zeit an ihrer Aussteuer — überglücklich in ihrer Liebe.
Und nun war er gekommen, voll jubelnder Freude begrüßt. Gertrud stand in vollerblühter Schönheit vor ihm, und fein Künstlerauge konnte sich nicht satt sehen an der herrlichen Gestalt, an dem klugen schönen Gesicht ferner Braut. Es war etwas Fremdes an ihr, das sie doppelt anziehend machte — die bräutliche Liebe hatte sie verklärt und die herbe Sprödigkeit, die ihr sonst eigen war, gemildert. Glückselig schaute er sie an und küßte sie — „ich muß Dich malen, mein Lieb! O, was werden sie für Augen machen, wenn ich ihnen mein schönes Weib vorstelle — o meine Gertrud!"
Albrecht war innerlich und äußerlich ein fertiger Mensch. Die drei .Jahre, mitten im Leben stehend, nicht abgeschlossen von den Fragen desselben, hatten seinen Geist und seine Urteilskraft gereift, ihm das Einseitige, Vorurteilsvolle seines früheren Staiwes genommen, ohne—daß sein Wesen dabei das Liebenswürdige, Sonnig- Heitere verloren hatte, was ihn überall, wo et
Gesetzentwurf wegen Aufhebung des Gesetzes über die eingeschriebenen Hülfskaffen den zuständige« Ausschüssen. Vorher hielten der Ausschuß füe Handel und Verkehr und der Ausschuß für Justiz wesen Sitzungen ab.
— Nach der amtlichen Zusammenfftllung erhielten bei der gestrigen Reichstagsersatz« w a h l in Kattowitz Korfanty (rad. Pole) 23 208, Kapitza (Zentrum) 8100, Voltz (lib.) 7682 und Morawski (Soz.) 4780 Stimmen. Korsanty ist somit gewählt. Man hatte eigentlich eine Sttch- wahl erwartet. Doraussichllich wird die Wahl wieder angefochten.
— lieber die Aufdeckung des vom Patts« „Mattn" mitgeteilten Planes zur Bekrie« gung Deutschlands durch Frankreich und England erhält die „Köln. Ztg." aus Berlin eine unzweifelhaft offiziöse Darlegung, in der es heißt: Die Enthüllungen, deren Urheberschaft in der ganzen Welt übereinstimmend auf Herrn Delcassö zurückgeführt wird, haben sowohl in Frankreich wie in England starkes Unbehagen hervorgerufen, und namentlich in England wird vielfach der Versuch gemacht, die Angaben über das Angebot kttegettscher Hilfe Englands als völlig unbegründet und somit belanglos hinzustellen. So leicht wird es allerdings nicht möglich fein, die Delcassö« scheu Enthüllungen abzuschütteln. Ob und was an ihnen wahr ist, kann man nur in England und Frankreich wissen, und, diese beiden Länder haben auch in erster Linie ein Interesse daran, daß die Angelegenheft in unan- fechtkmrer Weise klargestellt werde. In jedem Falle muß aber angenommen werden, daß Del- cass6 an das Versprechen englischer Kriegshilfe geglaubt und danach seine Polittk eingettchtet hat« Dattn aber liegt die große Bedeutung, und dadurch wird es unmöglich gemacht, sie einfach als belanglos hinzustellen. Durch die Tatsche, daß Delcass6 an btc englische Hilfe geglaubt, wurde die französische Polittk in einer überaus gefährlichen Weise beeinflußt und für die praktische Wirkung bleibt es ziemlich gleichgültig; oh DÄ- casft wirkliäs^srauf rechnen konnte, oder ob er sich in einer Täuschung befand. Die Täuschmg konnte in der Polittk ebenso gefährlich werden wie leidenschaftliche Gefühlspolittk. Und gerade in diesem Falle sieht man, daß die vielen Selbsttäuschungen Declass6 — wenn es solche waren — sich in ihren Wirkungen genau so äußerten, wie nur eine von leidenschaftlichen Gefühlen getragene Revanchepolitik es hätte tun können. D i e Enthüllungen sind also durchaus; ernst zu nehmen und man kann sie nicht aßl lächerliche Phantastereien abtun. Hätte doch toe-1 nig gefehlt, daß diese Ueberzeugungen des Herr»! Delcassch die offenbar eine der Grundlagen feiner' Politik bildeten, Europa in einen Krieg stürzten, wie er furchtbarer nichts gedacht werden konnte. Die Frage, wft, es möglich war, daß Herr Delcasss zu einer' Ueberzeugung kam, die jetzt vom größten Teile der englischen Presse als ganz unhaltbar bezeich, net wird, vermögen wir nicht zu lösen, wie wir uns auch keine SBorfteKung darüber machen fön* neu, welche verantwortlichen oder unbetont»
hinkam, so unwiderstehlich und beliebt machte^ in ihm vereinigten sich in glücklichster Mischung der Ernst des Mannes, gepaatt mit wahrer? Herzensgute, und lebhaftem Sinn und Gefühl für alles Schöne und Gute ftn Leben.
Frau Teichmann begrüßte ihn mit ettoat sauersüßer Miene; sie war ja ganz empört, daß er Gertrud zu feiner Frau machen wollte; förmlich eifersüchtig war sie auf die Nichte — aber merken ließ sie sich nichts. Sft iibettchütteft ihn mit ihrer Liebenswürdigkeit und pries Gertruds gute Eigenschaften in allen Tonarten. Sie schien ganz vergessen zu haben, wie absprechend ful sich früher gerade gegen ihn über die Nichte geäußert. Ihn ließ es sehr falt; er hörte gar nicht darauf — es drängte ihn, mit seiner Braut eine Stunde allein zu fein. •
„Also, meine Trude, Du hast Deine Mutt« und Schwester auf unser Kommen vorbereitet?^ fragte er, sie zärtlich ftn Arm haltend. „Dann tf§ ja alles in Ordnung; hoffentlich werden sft mich dott ein bischen lieb haben! Ich liebe Dein« Mutter schon jetzt, meine süße Gettrudk ®cti( sage ich aber gleich, mit dem Heiraten 'warft« wir nicht länger, höchstens sechs Wochen; wie haben uns genug entbehrt. Unser neues Heftq sehnt sich nach seiner Herrin — o Trude, Dq toirft staunen; ich freue mich schon auf Dein Ge4 ficht! Und weißt Du, wohin wir unsere Hochzeftsj reise machen? Rate einmal! — Zu meinen^ Onkel Warburg — bann will ich ihm noch di- mündliche Antwort auf seinen Brief bringen, de« er nach so langer Zeit geruht hat, an mich zq schreiben. Da lies"! , 1
Er entnahm seiner Brieftasche einen Btt^t den er Gertrud gab. Ihr Gesicht wurde beim Lesen desselben sehr ernst; sie gab ihn zurüch ohne ein Wort zu sagen. J
„Nun?" fragte er gespannt, „Du sagst jg nichts dazu?"
.(Fortsetzung folgt)«.