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Meraner Manta
Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. Doerkes-Boppard in Marburg.
Dttr-eV-GalS«, 16. Okt. Von Kondutetä 20 km nördlich von hier, werden Unruhen ge» meldet. Truppen find dorthin unterwegs.
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Wetterdienst der LanvMirtfÄaftsfchulifi z« Weilburg a. d Lahn.
Voraussichtliche Witterung für
Donnerstag, 12. Oktober 1905: Zeitweise windig, vorwiegend heiter, Tempi, ratur wenig verändert.
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Für die Truppen in Südwestasrika gingen b«i u»8 ein: Ungenannt 5 Mk., W. T. 5 Mk., Hahne» Heide 1 Mk.
Weitere Gaben nimmt entgegen
die Exped. der .Oberh. Atg."
sende Herr erst gegen HM Sechs wieder. .Wenn es nicht sehr Pressiert, kommen Sie doch lieber erst morgen so um 9 Uhr herum," fügte er zu. Am nächsten Morgen war ich wieder zur Stelle und legte, meine beiden Schriftstücke (Original und Abschrift) dem Beamten vor. Dieser sah sie durch,, erklärte mir jedoch, die Abschrift nicht beglaubigen zu können, denn er wisse ja nicht, ob das Zeugnis Original sei, er Feime die Unterschrift nicht und diese müsse erst von der betreffenden Ortsbehörde amtlich beglaubigt werden. Jetzt hatte ich die Beglaubigung meiner Zeugnisabschrift schon beinahe als hoffnungslos aufgegeben, da endlich kam mir ein rettender Gedanke: ich ging zum nächsten Notar und in fünf Minuten hatte ich meine beglaubigte Abschttft in der Tasche. O, du heiliger Bureaukratismus!
Die Gans als Säugetier. In einem Main- ort hegte die Frau eines biederen Wagnermeisters' 13 junge Gänschen. Sie verreiste auf einige Tage und legte ihrem Mann das junge Gänse- volk ans Herz: „Philipp, ich sag dersch, gib acht auf,die Gänsercher! Daß mer ka Unaeriefer an se kimmt!" Der Mann schaute auch fleißig nach und hatte seine Freude daran. Am dritten Tage aber lagen alle dreizehn tot da. Er fragte seinen Nachbarn uni Rat. Sie bettachteten auf- merksam jedes Tierchen. Keins batte eine Ver. letzung.^Der Nachbar sagte schließlich: „Es muß etwas Schädliches im Futter gewesen sein. Womit hast Du sie denn gefüttert?" Der Meister riß die Augen auf und erwiderte: „Ja was, gefüttert? Saufe dann die net an der Alte?"
Aus nberspanntcm Ehrpefuhl. Aus Köthen wird berichtet: Einen furchtbaren Entschluß hat der 13jährige Schüler Otto Fritze aus Großpaschleben zur Ausführung gebracht. Er legte sich auf der Strecke Köthen—Biendorf auf die Eisenbahnschienen und ließ sich von einem Personenzuge überfahren. Entsetzlich verstümmelt wurde der jugendliche Selbstmörder aufgefunden. Ein Ztttel, den man in seiner Tasche fand, gab Aufschluß über den Grund zu der Tat. Darauf stand nämlich vermerkt; „Ich habe mir das Leben genommen, weil ich von meiner Muttter geschlagen wurde."
Amtsstil. Im Wartesaal der Statton Herrlingen ist nach der „Ulmer Zeitung" seit einigen Tagen folgende Bekanntmachung zu lesen: „Am Mittwoch, den 13. September 1905, verkehrt ein Viehsonderzug von Ulm-Mengen, Herrlingen ab usw. Die Benützung des Sonderzuges ist auch anderen Personen gegen Lösung gewöhnlicher Fahrkarten freigestellt. Herrlingen, 10. 9. 05. K. Bahnstation."
Leipzig, 10. Ott. Eine bittere Enttäu- schung erlebten, wie den „Leipz. R. Nachr." «vS einer thüringischen Stadt geschrieben wird, ein dortiger Lehrer und Postasfistent. Sie hatten die Töchter eines Mannes geheiratet, der str reich und für einen Witwer galt. Als der Schwiegervater dieser Tage starb, stellte sich jedoch heraus, daß nicht mehr als 40 000 Mk. vorhanden sind. Das ginge noch an. a'-er da? Geld ist testamentarisch der — Wstwe vermacht worden, denn der Schwiegervater haiw in aller Heimlichkeit, selbst seine Töchter wusste' nichts davon, eine zweite Ehe geschloffen. Die Frau lebte in Erfurt, und jetzt weiß man, warum der Papa dieser Stadt so häufige Besuche machte.
Budapest, 9. Okt. Um Mitternacht stieb auf der Donau unterhalb der Kettenbrncke ein Schleppdampfer mit einem Boote zusammen, in welchem ungefähr 20 Personen, meist Obst Händlerinnen, sich befanden. Das Boot wurde zertrümmert. Drei Personen ertranken, mehrere sind schwer verwundet. Unter den geborgenen Obstfrauen sind zwei schwerverletzt, acht, die noch vermißt werden, find wahrscheinlich ebenfalls ettrunken. Der Kapitän und zwei Steuerleute deS Schleppdampfers wurden verhaftet, da sie nach Aussage von Zeugen die von dem Obstschiff gegebenen Laternensignale nicht beachtet haben sollen.
Boni heiligen Bureaukratismus. liebet die Frage: Wie bekommt man die Abschrift rineä Zeugnisses beglaubigt?, wird der „Franks. Ltg." aus einer benachbarten Stadt geschrieben: Auf dem Polizeirevier II begann ich die Reise, glücklicherweise, per Rad, sonst wäre ich wohl vor Dunkelheit nicht nach Hause gekommen. „Im Nebenzimmer beim Herrn Kommissär bekommen Sie es beglaubigt!" Der Herr Kommissär zuckt aber auf mein Anliegen bedauernd die Achseln «nd verweist mich auf das Ortsgericht. Hier auch wieder bedauerndes Achselzucken und die Auskunft: „Da müssen Sie auf das Amtsgericht I." Beim Amtsgericht I anqelangt, befrage ich 'einen Portier, wo ich mir die Abschrift beglaubigen lassen könne. Der biedere Staats- biener äußert die Meinung, daß die Beglaubigung einer Abschrift hier nicht möglich sei, wird «cher von einem Kollegen belehrt, daß der schwierige Akt doch vielleicht auf Zimmer 21 vollzogen werden könne. Hinter einem Tisch, auf dem ein halbes Dutzend Stempel herumliegen, sitzt ein fchwarzberockter Herr mit Zwicker Und wichtiger Amtsmiene. Endlich schien ich am Ziel zu sein! Mh trete vor und sage wieder mein Sprüchlein: -Kann ich hier die Abschrift eines Zeugnisses be- ßlaubigt bekommen?" Der Gestrenge hinter dem unordentlichen Tisch sprichst langsam mit Überlegener Miene: „Ja — heute gehts nicht, morgen — gehts auch nicht, kommen Sie am Montag in das neue Amtsgerichtsgebäude, Zwirner Nr. 204, 2. Stock, zwischen 10 und 12." Stuf mein Befragen, ob mein Anliegen denn nicht sofort durch Ausdrücken eines der vielen Stempel zu erledigen sei, bekam ich einen strafenden Blick «nd die Anwort: „Nein, das geht nicht so schnell, das ist nicht so einfach!" Jetzt beschloß ich, aus eigene Faust noch einen Versuch bei dem Polizeirevier I zu machen. Hier erklärte mir ein älterer Diener des Gesetzes, daß ich mir die Abschrift hier beglaubigen lassen könne, nur käme der betref-
Letzte Nachrichten.
Berlin, 10. Okt. Unter zahlreicher Beteiligung von höheren Beamten, Berufsgenossen und Freun- den ist Professor Dr. Ferdinand v. Richchofen heute auf dem Matthaeikirchhof in der Groß- görschenstraße bestattet worden. In der Wohnung des verstorbenen Gelehrten war die Trauerfeier. Hofprediger Dryander aab ein Charakter- bild des Heimgegangenen, der, obwohl nicht der evangelischen Kirche angehörig, ihr aber innerlich verwandt, wünschte, daß das Wort des evange- lffchen Bekenntnisses an seinem Sarge gesprochen werde.
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Berlin, 11. Ott. Der.Dentsch-TgSztg." wirb »mitgeteilt", daß nicht Graf Götzen, sondern der Vizepräsident deS Reichstags, Abg. Paasche, zum Nachfolger StübelS auSerfehen sei. DaS Gerücht war schon früher aufgetaucht.
Bern«, 11. Ott. Die Morgenblätter geben die Meldung einer Korrespondenz wieder, nach welcher dem Preußischen Landtage eine WahlkreiSnovelle zugehen werde, die eine geringe Vermehrung der Berliner Abgeordnetenzahl und einige Derbefferungen in der Abgrenzung einer Anzahl Wahlkreise vorsehe.
Darmstadt, 11. Okt. Wie ein Privattelegramm meldet, soll Reichsgerichtsrat Ewald, Mitglied des Ersten Strafsenats, vom Großherzog von Heflen zum Justizminister ernannt worden sein.
Stuttgart, 11. Ott. Dem „Schw. Merk." zufolge ist heute nacht Geh. Kommerz'enrat Dr. v. Siegle, von 1887 bis 1898 nationalliberaler Reichstagsabgeordneter für Stuttgart, nach langem Leiden im Alter von 65 Jahren gestorben.
Monte Earlo, 10. Ott. Die Teilnehmer am Tuberkulosekongreß in Paris besichtigten das hiesige Hospital und nahmen bann an einem Bankett teil, das der Gouverneur für sie veranstaltete. Der Gouverneur begrüßte die Gäste im Namen des Fürsten Albert. Dr. Pettt brachte 'einen Trinkspruch auf den Fürsten Albert aus.
. Paris, 11. Okt. Professor v. Behring wies das 50 000 Dollar-Anerbieten zurück und sagte, es sei nicht (Mehrtenart, unter den Augen einer Kontrollkommission zu arbeiten, wie jener Newyorker es wünsche.
Bukarest, 11. Okt. Die Zeitungsmeldung, daß vorgestern gegen den Zug, in welchem sich der König zu den Manöver« begab, ein Attentat verübt worden sei, ist unbegründet.
Stockholm, 11. Ott. Wie berlautet, beabsichtigt die Marinebehörde die Verstärkung der Flotte um 1 Panzerkreuzer, 4 Torpedojäger, 8 TorpÄo- boote erster und 7 zweiter Klasse und 1 Unterseeboot.
London, 11. Okt. Die Presse wefft jetzt schärfer die „Matin".Enthüllung als keiner Beachtung wert zurück. Obgleich die Zeitungen nicht in deutsch-freundlichem Tone schreiben, tadeln sie die Enthüllungen Delcassbs doch einftimmia als unheilstiftend. Andererseits könnte nach ihrer Meinung die enalische Regierung solche Behauptungen unmöglich offiziell dementieren.
Newtzork, 10. Okt. Die Enthüllimgen über die politische Korruption der Versicherungsgesellschaften werden immer bebenflirber. Die „Mutual Life" hatte laut Meldung der „Frkf. Ztg." einen geheimen Fond, nach dem jährlich 100 000 Doll, zur Bestechung von Politikern und als Wahlbeiträge bestimmt waren, baninter 40 000 Doll, bei der letzten Präsidentenwahl.
Kapstadt, 10. Okt. Ein Telegramm aus Upington berietet, daß bei der Schuft Drift drei Transvaaler mit 200 Stück Vieh, das sie von den Deutschen gestohlen hatten, festgenommen worden seien. Die Leute waren bewaffnet, obwohl sie angeben, Nichtkombattanten zu fein. Das Vieh wurde den Deutschen ausgehändigt; die Leute wurden in dem Gefängnis von Kenhart untergebracht.
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