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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Jls. 237

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt btt Erudition 2 Mb, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cl. Bestellgeld).

ZnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 10 Pfg, Neclamen: die Zeile 25 Pfa.

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Marburg

Sonntag, 8. Oktober 1905,

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck Md Verlag- Job. Ang. Koch, UmversitätS-Bnchbruckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Erstes Blatt.

schwerfällige Bauernschaft eindringen wird. Lei­der fehlt dein Schwaben der Beistand der Kirche, an der die Sachsen einen so festen Halt haben, denn sie sind fast alle katholisch nnd die katholische

Kirche ist, wie in Ungarn überhaupt, sp auch im

Bestellungen für das vierte Quartal auf die Oberhtffifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expeditton (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch-

Banat die eifrigste Förderin des Madjarentums. Aber diese selbstbewußten und steifnackigen Schwa- beit unterliegen dem kirchlichen Einfluß nicht so, wie dies etwa von einer wirtschaflich schwächeren und sozial tiefer stehenden Bevölkerung zu er­warten wäre. So wenig man heute schon von einem bewußten Nationalgesiihl bei ihnen spre­chen kann, ihr starkes Solidaritätsgefühl, ihren schwäbischen Lokalpatriottsmüs werden ihnen

Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.

Ungarn.

lieber die Zukunft der Banater Schwaben er­hält die von Universitäts-Professor Dr. Buchholz in Leipzig redigierteOstd. Korr." von einem -jungen Landwirt, der im letzten Sommer das Banat bereiste, folgende beachtenswerte Zuschrift:

Die Vorfahren der heutigen Banater Schwa­ben sind vor 100 und mehr Jahren als Kolonisten ins Land gerufen, ihrer harrte die Urbarmachung weiter, öder Sumpfländereim. Zwei Genera, tionen haben in schwerer und unverdrossener Ar­beit eine der größten Kulturaufgaben gelöst, die Enkel bebauenjetzt eine fruchtbare Ebene und fitzen auf behäbigen Höfen, denn ihren Ahnen ist einst von dem Oedlande reichlich zugemessen worden. Fast durchweg find es Großbauern, denen der jungfräuliche Boden bei höchst inten- siver Wirtschaft die schönsten Erträge bietet. Das rastlose, vorwärtsstrebende Arbeiten liegt dem Schwaben noch im Kolo nisten blute. Wie alle neuen Ansiedler erfreut sich auch der Schwabe einer großen Kinderschor, und in dm: Bestrebm, jedem Sohne einen schönen Hof zu geben, sucht er durch Ankauf von den bmachbartm Rumänm nnd Serben sein Besitztum ständig zu vermehrm. Nur da, wo Deutsche an Deutsche grenzen und dem Trieb der Ausbreitung natürliche Hemm­nisse gesetzt sind, zeigt sich in schwäbischen Ge­meinden auch schon jene Neigung zum Zwei- kmdersystem, die den Siebenbürger Sachsen so Verhängnisvoll zu tverden droht. Ihre wirt- fchaftliche liebermacht hat bei den Schwaben einen mächtigen ^Bauernstolz herausgebildet. Aber bei dem rastlosen Arbeiten haben sie keine Zeit ge- tunden, sich um die Politik zu flimmern. Die Vorfahren sind von der Regierung so gefördert worden, daß der Schwabe sich gewöhnt hat, die Regierung als eine ihm wohlwollende Macht zu betrachten. Und die ungeschulten Blicke dieses Bauernvolkes haben die allmählichen Verän- derungen nicht bemerkt, ihre gesamte studierende äugend wird ohne Widerstand madfarisiert, der städtische Mittelstands ist in Gefahr, und erst heute sehen wir die Anfänge einer Protestbewegung .unter den Gebildeten, die allmählich auch in die

Nachdruck verboten.)

Das neue Fräulein.

Origmal. Roma« von Fr. Leh«».

(F.-rfletzung.) .

... Seine Augen tauchten in heißer Bitte Hef m die ihren.

«sie schlug vor seinem Blick die ihrm nieder. Nein, sie durste ihn nicht fehm, durfte seine Liebesworte nicht hören, lieber verzichten.

Nein, ich kann nicht, Albrecht."

Du willst nur nicht. Du hast mich nicht lieh, Trude." Er drückte ihr die Hand, daß ei ihr hiebe tat.Mädchen, ich habe ja solche imsinnige Sehnsucht nach Dir, und Du bist so grausam."

Eben darum," antwortete sie leise,quäle mich nicht, ich darf nicht, Albrecht."

Und warum nicht, Geliebte? Nur ein paar Minium gönne mir doch! Sei doch nick so kalt! Tu bist so schön, ich möchte Dich immer aniehen! Trude" bat er eindringlich,fei doa, gut."

. Ihre Hand zitterte unter dem Druck der sei- nigen, und ihr Körper bebte unter seinem Blick,

Awrecht, ich kann nicht, habe doch Mrleid mit mir!" murmelte sie halb ersttckt Gertrud. Du hast mich nicht lieb!" ' ' Ta hob sie den Blick und in ihren leuchtenden Augen las er ihre Liebe und ihr Bangen sah, h>a§ in ihr verging, und da ließ er ab von fernem Drangen.

Süßes Weib," flüsterte er ihr zu,Du ent- öenit nur nicht, ich komme wieder! Du mußt mein Weib werden."

Er war wie berauscht von der Nähe der Ge­klebten.

.Mrecht! Als Offizier kannst Du mich rlicht heiraten. Warum wollen wir uns so Hnalen?"------ - 1'

weder Staat noch Kirche so leicht austreiben. In Summa: die Banater Schwaben verlieren zwar heute noch die Mehrzahl ihrer Intelligenz an die Madjaren, breiten sich dafür aber in ihrem bäuerlichen Grundstock noch fortwährend gegen die umwohnendm Serben und Wallachen aus, indem sie an Zahl wie an Boden gewinnen. Und eben deswegen können sie getrost in die Zukunft blicken.

Umschau.

Aus einet großen Republik.

Der schlagende Unterpräfekt oder seine poli­tische Schwiegermutter", so kann man folgende, für die Zustände in derfreiheitlichen" Republik Frankreich bezeichnende Anekdote überschreiben, die derD. Tagesztg." aus Paris berichtet wird.

Eine außerordentlich amüsante Schwieger­mutter-Geschichte macht gegenwärtig in politischen und gesellschaftlichen Kreisen die Runde und sie erregt allgemeines Staunen und Hetterkeit. Da die Jntriguen einer politisch sehr mächtigen Schwiegermuttter auf der Kammertribüne zur Sprache kommen werden, so kann die Sache nicht verschwiegen bleiben. Sie zeigt ein im offiziellen Frankreich waltendes Weiberregiment, das an die Epoche des Sonnenkönigs erinnert. Die Ange­legenheit ist, in kurzem wiedergegeben, folgende:

In der kleinen Kreisstadt Joigny im De­partement Aonne gab es bis gestern einen Unter­st räfekten namens Franco. Wie die meisten feiner Kollegen, war auch er ein Protektionskind, was ihn jedoch nicht hinderte, sich in seiner Stadt einer großen Beliebtheit zu erfreuen. Seit fünf Jahren glüÄich verheiratet, Vater zweier Kinder, genoß er den Ruf, ein äußerst sanftmütiger Mann zu sein.

Dor einigen Wochen unterlag aber seine Sanftmut einer häuslichen Krise. Der Herr Unterpräfett ließ sich hinreißen, feiner Gattin eine Ohrfeige zu geben. Warum diese ge­geben wurde, ist Nebenfaches aber die Tatsache stand fest, daß Madame la Sous-Präföte zum ersten und wahrscheinlich auch zum letzten Male die Hand ihres Gatten zu fühlen bekommen hatte. Mit dieser unsanften Berührung seiner Frau hatte Franco für sich eine Katastrophe heraufbe- schworen. Die Frau klagte ihr Leid der Mutter, diese, die Schwiegermutter des armen Franco, ist die Gattin des Senatoren Rivet. Ihr Ent-

.Ich will und werde Rat schaffen! Ich komme wieder, schreibe es Dir vorher, und Du mußt mir dann eine Stunde Zeit widmen."

Abwehrend hob sie die Hand.Es geht doch nicht, Albrecht!"

Warum nur widerstrebst Tu mir? Oder ist etwa der Andere noch"

Nein, Albrecht, vollends gar nicht! Softer Wehner hat mir meine Freiheit wiedergegeben."

Ihre Stimme bebte doch em wenig bei diesen Worten, daß er betroffen auffah.

Es ist Dir wohl sehr nahe gegangen? We- nigstens scheint es mir so!"

Ja, es ging mir nahe, weil ich ihm so wehe getan habe ihm, der so selbstlos und gut war, wie selten Jemand."

Dann hättest Du besser getan, ihm anzuge­hören," sagte er eiferfüchti-g,Du hast ihn noch lieb"

O Albrecht, nicht doch, tu mir nicht weh, Du weißt's am besten," bat sie.

Verzeih', sagte er,aber ich fann es nicht vettragen, wenn Du noch an ihn denkst!"

Albrecht, gehe jetzt, bitte, Du wirst sonst der- mißt."

Willst Du von meiner Gegenwart bestell sein?" sagte er vorwurfsvoll,ich hatte mich so aus diese Viertelstunde gestellt"

, Statt aller Antwort nahm sie seinen Kopf in feine Hände und drückte einen heißen Kuß auf seine Lippen.

Gertrud," fam es bebend von feinen Lippen, indem er ihre Hand festhielt, er wußte ja, was ihrer stolzen Seele , dieser Kuß gekostet hatte tote mußte sie ihn lieben, wenn sie das tat! Ihn schwrndelle es; am liebsten hätte er sie an seine Brust gerissen und sie aller West als seine Braut vorgestellt.Gertrud, ich will jetzt gehen, weil Du es sagst. Jetzt weiß ich genau, daß Du mich liebst! Auf Wiedersehen!" Und zum Abschied druckte er einen Kuß auf ihre weiße Hand«

setzen bei der Kunde von der gefallenen Ohrfeige soll grenzenlos gewesen fein. Jedenfalls beschloß sie, eine furchtbare Rache an dem Schuldigen zu nehmen. Wenn auch der radikale Senator Rivet stets Angriffe zu bestehen hat, weil man ihm vor- wirft, die Wünsche feiner Wähler unbeachtet zu lassen, so zeigte er, wie er aus einen leisen Wink seiner Frau zu gehorchen versteht. Auf ihr Ge­heiß begab er sich zu Herrn Etienne, Minister des Innern, dem Vorgesetzten des Franco, um dessen Entlassung ans dem Amte durchzusetzen. Und auch Etienne zeigte sich folgsam. Der Itnter- präsekt wurde abgesetzt und mit einem geringen Gehalt als Armeeinspektor in ein kleines Nest versetzt. Nun darf man nicht glauben, daß der Mnister des Innern seinen Untergebenen seines Postens enthob, weil er noch andere Strasgründo gegen Franco hatte. Der Deputterte von Joigny, Herr Loup, ersucht nämlich brieflich den Mnister, die sonderbare Maßregelung des beliebten Unter- Präfekten zurückzunehmen. Darauf erwiderte Etienne kategorisch:Franco schlug feine Frau, jetzt schlage ich den Franco." Damit ist der Vor­fall, an den sich selbstverständlich ein Entschei- dungsverfahren anreiht, noch nicht beendigt. An Stelle des entlassenen Unterpräfekten war ein neuer, Herr Manpoil, ernannt worden, und sollte dieser gestern sein Amt antreten. Franco hatte jedoch erklärt, die Entlastung nicht anzunehmen und seine Amtswohnung nicht verlassen zu wollen. In Begleitung des Präfekten erschien Manpoil im Amtsgebäude. Der gestrafte Schwiegersohn der Senatorsfrau wurde aufge­fordert, es, zu räumen.Ich weiche nur der Ge­walt," meinte Franco, und richtig mußte ein Gendarm requiriert werden, der gegen feinen einstigen Vorgesetzten die gesetzlich vorgeschriebene Aufforderung zumRäumen des Platzes" rich­tete. Fetzt gab der frühere Unterpräfett nach. Mit feinem gestrigen Verhalten fiel er in der ministeriellen Ungnade noch tiefer. Man nahm ihm auch die Stelle eines Armeeinspektors.Die Schwiegennutter hat sich gründlich gerächt!" Der radikale Deputterte Loup wird über diesen Vorfall, den er als eine Einmischung der Regie­rung in das Cheleben ihrer Beamten kennzeichn^, interpellieren. Die Debatte in der Kammer kann luftig werden. Der neue Unterpräfekt von Joignv ist zufälligerweise der künftige Schwieger- sohn des Senatoren Valle, wird also auch eine Senators-Gattin als Schwiegermutter haben. Hoffentlich zieht er aus dem Schicksal seines Ämtsvorgängers eine ihn im Amte erhaltende Lehre."

Fortbildung sschule und Herr.

, Feldmarschall Graf Häseler, der sich in letzter Zeit öfter über Schulfragen geäußert hat, nahm kürzlich auch zur Bedeutung der Fortbildungs­schule das Wort. Herr P. Matzdorf-Köthen hatte in der Pädagogischen Zeitung einen Auffatz ver- öffentlicht, in dem er nachzuweisen versuchte, daß ein Körper und Geist harmonisch ausgestaltender, staatlicher, obligatorischer Fortbildungsschulunter­richt wohl eine Verkürzung der militärischen Dienstzeit und damit eine Dernnnderung der

Noch eins, hüte Dich vor dem Hauptmann! Ich habe keine ruhige Stunde! Lebe Wohl!"

Zum Glück hatten sie Abschied genommen, denn im selben Augenblick kam der Hauptmann mis dem Gastzimmer und blickte sich suchend nach Albrecht um.Eben wollte ich Sie holen! Wo bleiben Sie?" tief er ihm entgegen.Ach ja, ich vergaß wie ich Sie beneide um jedes Wort, das Sie mit ihr sprechen! Weiß Gott, wenn ich das Mädel sebe, ist's mir, als ob ich Sekt getrun­ken hätte!"

Einige Wochen später war Warburg wieder auf einen Sonntag in X. Trotzdem er es Ger­trud vorher geschrieben, war sie nicht an der Bahn, er traf sie auch nicht im Geschäft, sondern nur Frau Anna, die es lebhaft bedauette, ihn bei seiner letzten Anwesenheit nicht gesprochen zu haben.Sie fehlen mir zu sehr," sagte sie mit einem koketten Augenausschlag. Schließlich fragte er direkt nach dem jungen Mädchen.

__Gertrud? Ach, der geht es gut! Ich bitte Sie, was hat sie hier auch auszustehen. Wenn ich es fo gut hätte! Augenblicklich ist sie im Auftrage meines Mannes ausgegangen. Mein Geburtstag ist nämlich bald; da hat er mir eine große Ueberraschung zugedacht. Bin neugierig! Uebrigens, denken Sie, Gertruds Verlobung ist zurückgegangen. Bitte, aber darüber nicht zu sprechen! Warum, weiß ich nicht. Sie hat mir überhaupt nichts gesagt, wahrscheinlich schämt sie sich ich weiß es nur von meinem Manne. Der sagt zwar, es wäre von Gertrud ausgegangen; das glaube ich aber nicht! Denn so verrückt ist sie bei ihrem berechnenden Charakter nicht. Wer weiß, was Dr. Wehner dazu veranlaßt hat; jeden­falls ist sie zu kokett. Sie hat es sich aber gar nicht zu Herzen genommen; sie sieht so srstch und gefunb aus- ich glaube, sie hat überhaupt kein Herz. Ich möchte blos wissen, was sich die eitle Person denkt und emblldet."

drückenden Mlitärlasten herbeiführen könnte. Graf Häseler, der den Artikel zugeschickt bekam, antwortete darauf, wie dieBerl. Reuest. Nachr." meiben, mit folgender bedeutsamer Auslassung:

Harnekop, 3. Sept. 1905. Sehr verehrwr Herr Matzdorf! Meinen besten Dank sage ich für den freundlichst mir zugesandten ArtikelDie Fortbildungsschule und das Heer". Was Sie darin über die Notwendigkeit der Fortbildungs­schulen, über den notwendigen staatlichen Zwang und über Leitung derselben sagen, entspricht fast an allen Punkten meinen Ansichten. Zustimmen kann ich aber nicht den Folgerungen, die Sie ziehen; denn auch die bestgeleitete Fortbildungs- schule kann die Erziehung und Schulung in bet Armee nicht ersetzen; sie kann nur Vorbevoiten und der Verdummung und der Verrohung ent- gegentreten, denen die jungen Leute in den sechs Jahren, die zwischen Volksschule und Armee liegen, preisgegeben find. Alle Versuche ohne staatlichen Zwang werden Stück­werk bleiben; immerhin wollen wir nicht scheuen, den Anfang zu machen. Meine Bedenken gegen Ihre die Armee betreffenden Schlußfolge­rungen habe ich in der Anlage näher ausgeführt« Mit bestem Gruß bin ich Ihr sehr ergebener Graf Häseler.

Die Einwendungen des Feldmarschalls sind:

Ich kann nicht der Ansicht beitreten,, daß die stehenden Heere in beängstigender Weise die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung hem, men. Die wirtschaftliche Entwicklung ist ohne Armee überhaupt nicht möglich. Nur unter dem Schutze einer starken Armee können Jndusttis und Landwirtschaft gedeihen. Beide sind dem Feinde preisgegeben, wenn der Wächter fehlt. Und auch die kulturelle Entwicklung wird durch die Armee nicht gehemmt. Der durch die Armee gegangene Mann steht auf weit höherer Bil­dungsstufe als der zur Truppe abgehende Rekrut« Ohne den Schutz der Armee ist eine Kultur über« Haupt nicht denkbar. Denn daß Kriege bestehen -werden, so lange als Menschen die Erdenbewoh­ner find, ist meines Erachtens nicht in Zweifel zu ziehen. Wer das stehende Heer beseitigt, ist die Beute des Nachbarn. Durch das Institut bet Einjährigen ist noch nicht die Möglichkeit zuge­geben, den militärischen Dienst für alle in einem, Jahre zu bewältigen, lieber das Institut der Einjährigen läßt sich viel sagen; ich beschränke mich, den Zweifel auszusprechen, ob unsere gro­ßen Bildner der Armee den Einjährigen heuti­gentags beibehalten würden, wenn sie jetzt zu entscheiden hätten. Die Fortbildung s- schule ist ein notwendiges Mittel zur Erziehung unserer Jugend, sie wird den Rekruten an Geist und Körper besser, als dies jetzt der Fall, der Armee übergeben und damit für die Armee wirken, aber das zwette Dienstjahr kann sie nicht ersetzen. Die Erziehung und Schulung in der Armee kann nicht verkürzt werden; sie kann ober unterstützt werden durch vorangegangene, wohlüberlegte Anleitung und unterrichtende Einwirkung auf Geist und Körper in den sechs Jahren, die jetzt nach beiden Rich­tungen hin zu wenig fördern und vielfach Still­stand und Rückschritt bringen.

Geduldig ließ Albrecht diesen Redesttom über sich ergehen. Die kleinliche Seele Frau Annas kam da unverhüllt zum Vorschein; es war doch weiter nichts als Neid auf das schöne, junge Mäd­chen, was sie so gehässig reden ließ. Er kannte feine Gertrud besser als irgend ein Anderer> mochten sie immerhin reden.

Heute mußte er abreisen, ohne sie gesehen zu haben,, was ihn sehr schmerzte. Frau Anna hatte ihm nicht die Wahrheit gesagt; sie hatte Gertrud zu einer Bekannten geschickt, die Besuch bekom­men hatte, damit das junge Mädchen ein feineS Mittagsmahl herrichtete natürlich in liebens­würdigster Weise es ihrem Belieben anheimge- stellt, daß Gertrud gar nichts anders konnte zusagen außerdem waren Doktor Krügers, bei, denen sie war, sehr gute Kunden.

Albrecht schrieb Gertrud einen vorwurfsvollen Brief, warum sie sich ihm entzogen hätte, er wäre doch nur wegen ihr gekommen. Sie schrieb ihm den Grund zurück, weshalb sie sich nicht hatten sehen können, so daß er beruhigt war. Zu Weih« nachten fcknckte er ihr ein wundervolles Bouquet, sowie ein kleines Buch, das lauter von ihm selbst gezeichnete Skizzen enthielt. Frau Anna war sehr neugierig auf den Inhalt des Paketes, bekam ober nur die Blumen zu sehen als Absender war auf dem Postabschnitt nur der Name eines bekannten Gärtners in Erfurt zu lesen. So konnte leider Frau Annas Neugierde nicht befrie­digt werden, weshalb es an bissigen Bemerkungen nicht fehlte, die Gertrud aber gelafsen einsreckte. Zu Neujahr bekam sie sein Bild, ebenfalls in einer Blumensendung. Voll tiefer Rührung preßte sie es an ihre Lippen, während eine heiße Träne darauf fiel.Du mein Einziger!" flüsterte sir, während sie es sorgsam veribloß. Dann erfüllte, sie ihm endlich einen längst gehegten Wunsch; sie schickte ihm eine Vhotographie von sich, um die äi, immer schon gebeten und schrieb dahinter eine herzliche Widmung. (Fortsetzung folgt.)',