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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Allustrirtes Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt ver ExpÄitton 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mr. <ejcl. Bestellgeld).

JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Psg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 3. Oktober 1905.

Erscheint wöchentlich neben mal.

Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, UnivcrsitätS-Buchdruckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes BlKtt.

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Neueste Telegramme.

Berlin, 30. Sept. Der Kaiser hat dem Minister Witte die Kette zum Großkreuz deS "roten AdlerordenS verliehen und in Rominten persönlich übergeben.

Darmstadt, 30. Sept. Der Finanzaus­schuß der Ersten Kammer hat mit großer Mehr­heit beschlossen, die Gesetzesvorlage über die Kommunalsteuerreform abzulehnen und an die Regierung zurückzuverweisen. Damit ist die hessische Steuerreform als gescheitert anzusehen.

Lüttich. 30. Sept. Heute wurde hier der internationale Anwaltskongreß unter zahlreicher Beteiligung des Auslandes durch Justizminister van der Heuvel eröffnet. Es waren Vertreter von Deutschland, Frankreich, Rußland, England, Dänemark, Holland und der Schweiz erschienen. Für den Berliner Anwaltsverein begrüßte Justiz­rat Dr. Edwin Katz den Kongreß, für den Kölner Anwaltsverein und den deutschen An- "waltstag Justizrat Dr. Heiliger.

Paris, 1. Okt. In einem gestern unter dem Vorsitze des Präsidenten Loubet abge­haltenen Ministerrate wurde der Zusammen­tritt der Kammern auf Montag, 30. Oktober, festgesetzt. Ministerpräsident Rouvier gab einen ll-berblick über die Verhandlungen wegen Marokko und über das deutsch - französische Abkommen. Weiter teilte er mit, daß die russische Regie­rung Frankreich zu einer neuen Konferenz im Haag eingeladen habe. Frankreich habe die Einladung angenommen.

Petersburg, 1. Okt. Wie dieP. T.A." erfährt, hat die russische Regierung bei Japan durch Vermittelung Frankreichs Vorstellungen erhoben über die Lage der russischen Gefangenen, die wegen Fluchtversuchs von den japanischen Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, während in Rußland solche Vergehen nur mit Disziplinarstrafen geahndet werden.

Petersburg, 30. Sept. Von hier wird denBerl. Reuest. Nachr." gemeldet, daß der gemaßregelte Admiral Nebogatow den russischen Marineminister Vizeadmiral Birilew tele­graphisch gebeten hat, ihm doch Gelegenheit zu geben, in Rußland und vor russischen Richtern Rede und Antwort zu stehen.Setzen Sie über mich das strengste Gericht ein, aber lassen Sie mich in Rußland zu Worte kommen." So schließt Nebogatows Bitte.

Petersburg, 30. Sept. Minister v. Witte wurde zum Grasen ernannt.

Loudon, 1. Okt. Zu der bevorstehenden Bildung eines anglo-japanischen Schiffahrtstrusts

22 Rachdruck verboten.)

Das neue Fräulein.

Original »Roma« vo« Fr. 8eh«e.

< ,;-;r tict U4TQ.)

| *Ah, Herr von Warburg, sehr erfreutI"

Er wollte sich von den Damen verabschieden, da er am anderen Tage einen achttägigen Urlaub cmtreten würde, ehe er in die neue Garnison übersiedelte. Sein Aussehen war ernster als ge­wöhnlich und öfter blickte er nach der Tür, als erwarte er Jemand. Schließlich fragte er nach Gertrud, die nicht kam und der er doch ebenfalls Lebewohl sagen wollte. Sofort stand Frau Teichmann auf, die Nichte von diesem Wunsche in Kenntnis zu setzen.

Entschuldige mich, bitte, Tante, ich kann jetzt nicht abkommen," sagte sie äußerlich ruhig, wäh­rend ihr doch das Herz schlug. Aber wozu sich nochmals sehen wozu sich unnütz quälen? Sie hätte ihm doch nicht ruhig in die Augen blicken können: dazu war die Erinnerung an gestern tzu mächtig.

Wie Du willst," und Frau Teicknnann rauschte wieder zur Tür hinaus,Du bist ja auch Sicht angezogen." Innerlich war sie froh, daß »ertrud nicht mitkam.

Meine Nichte beedauert, Herr von War- Lurg--"

Das tut mir leid, dann bitte ich um eine Empfehlung," sagte er förmlich. Er konnte kaum seine Enttäuschung verbergen wie gern hätte er es noch einmal gesehen das süße Gesicht. Vielleicht konnte er es doch noch einrichten. Ger­trud war sicher in der Kirche und die Tür dazu ganz in der Nähe. Albrecht erhob sich nach ein Paar Minuten und verabschiedete sich in sehr liebenswürdiger Weise von Frau Teichmann, die ibm das Geleit gab. Es traf sich günstig gerade als er das Zimmer verlassen wollte, wurde die Küchentür vom Mädchen weit geöffnet.

wird gemeldet: Außer 40 Dampfern von 20 800 Tonnen Inhalt die von Japan gestellt werden, wird auch England zahlreiche Dampfer von 10000 bis 20 000 Tonnen Inhalt stellen. Dieser Schiffahrtstrust beabsichtigt die gesamte Schiffahrt nach dem fernen Orient unter seine Hände zu bringen. Auch beabsichtigt man, chinesische Rheder für den Trust zu gewinnen.

Konstantinopel, 30. Sept. Bei der polizei­lichen Durchsuchung des österreichischen Hospitals, welche gestern in Gegenwart des zweiten Dragomans der österreichisch-ungarischen Bot­schaft und des österreichisch-ungarischen Konsuls stattfand, wurden über 40 Kilogramm Melinit und eine große Menge mit Dynamit und Pulver gefüllter Bomben, sowie zahlreiche In­strumente und Chemikalien zur Bombenan­fertigung gefunden. Alle diese Gegenstände find vom armenischen Portier des Hospitals und von seiner Tochter in das Haus eingeschmuggelt worden.

Tanger, 30. Sept. (Havas.) Das deutsch- französische Uebereinkommen rief hier, wo man seit einigen Tagen mit Besorgnis den Nachrichten hierüber entgegensah, guten Eindruck hervor. Die Wahl von Algeciras als Konferenzort wurde wegen der Nähe cn Marokko sehr gut ausgenommen. Die Nachricht von dem Abschlüsse der Anleihe ließ das Mißbehagen der Finanz- und Handelskreise schwinden, wo man infolge des hohen Wechselkurses eine Krise befürchtete.

33 Kongreß für innere Mission.

(Eigenbericht derOberhess. Zeitung".) Leipzig, 27. Sept.

Einen Glanzpunkt des Kongresses bildett die zweite Abenbverfammlung. Den Vorsitz sirhrte Neichsgerichtssenatspräsident Trchllin, der die Versammlung herzlich begrüßte, in kurzer An- spräche den Dienst im praktischen Christentum als eine starke Notwendigkeit gerade in der gegenwärtigen Zeit bezeichnete und betonte, daß die beiden Themata des Abends, Trunksucht und Unzucht, in hohem Maße das größte Interesse der Oeffentlichkeit im allgemeinen und jedes einzeln im besonderen beanspruchten.

Pastor Jofephson-Kleinoschersleben hielt '6m Vortrag über das ThemaDer Kampf der Innern Mission gegen die Trunk- f u ch t". Er bezeichnete die Trunksucht als den schlimmsten Erbfeind des deutschen Volkes, der ihm mehr Wunden schlage als alle Seuchen und Kriege zusammen. Die meisten Miß- und Not­stände seien auf die Trunksucht oder die Unzucht zurückzuführen. Erfreulicherweise sei der Kampf gegen diesen Erbfeind auf der ganzen Linie ent­brannt. In kurzen Zügen besprach der Redner sodann den Kampf der Inneren Mission gegen die Trunksucht und die Trinkersitten. Bereits im Jahre 1845 feien 1072 Enthalsamkeitsver-

Ah, Sie haben aber eine große, schöne Küche, Verehrteste", sagte er,darf man wohl in dies Heiligtum einen Blick werfen? Also hier wer­den alle die schönen Sachen fabriziert, die wir unten zu essen bekommen? Wie interessant!"

Auf der Schwelle stehend, durchflogen seine Augen den Raum und blieben an Gertrud haften, die am Anrichtetisch stand, damit beschäftigt, ein Stück Lende zu spicken. Bei feinem Anblick flog eine glühende Röte über ihr Gesicht. Wie bild­hübsch sie wieder aussah und so hausfraulich.

Sieh da Fräulein Gertrud, so fleißig?" rief er,warum wollten Sie mir nicht Lebüvohl sagen?"

In diesem Anzuge konnte ich mich unmöglich präsentieren," antwortete sie und bemühte sich, die Kleidecärmel herunterzustreifen.

Ich bitte Sie, Fräulein Gertrud, als ob ich darnach sehe! Mir ist eine junge Dame am Koch­herde lieber als auf dem Rade! Nun, soll ich keine Hand zum Abschied bekommen?"

Er trat einen Schritt näher und seine Augen ruhten mit einem seltsamen Ausdruck auf ihr. Wie sie ihm gefiel und wie gut ihr das Geschäftige stand. O, mit solcher Frau mußte man glücklich lverden schön, gut, klug und häuslich. Er wollte schon Mittel und Wege finden er hatte mit dem Trotzkopf auch noch nicht das letzte Wort gesprochen, er kam wieder und dann wollte er sehen.

Gertrud reinigte sich die Hände und kam ihm zögernd entgegen.Leben Sie wohl," sagte sie leise mit gesenktem Auge. Sie fürchtete, sich vor der Tante, welche sie beobachtete, zu verraten, wenn sie ihn anblickte. Aus dem Zittern ihrer Händc merkte er ihre mühsam bekämpfte Er­regung.

Aber Auguste, was machst Du denn da schon wieder?"

Frau Teichmanns Aufmerksamkeit wurde durch ein zu lautes Hantieren des MädchenS abgelenkt. Da hob Gertrud ihre Augen zu Al-

eine in Norddeutschland vorhanden gewesen mit über 400 000 Mitgliedern, zu denen später noch 600 000 im übrigen Deutschland gekommen feiern Die Bewegung sei bald erloschen, aber die Innere Mission, Wichern voran, habe rastlos weibsvge- arbeitet mittelbar und unmittelbar. Mittelbar durch die Ärbeiterkolonien, die Herbergen zur Heimat usw., unmittelbar besonders nach vier Seiten hin: durch Förderung der Mäßigkeits­und Enthaltsamsbesttebungen, durch regelmäßige Besprechungen der Angelegenheit auf Kongressen und Versammlungen, durch Eingaben an Behör- den usw. und durch die Errichtung von Trinker- asylen. Im weiteren berichtet der Redner über Wesen, Ziele und Erfolge des Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, der Trinkerhell­stätten und des Blauen Kreuzes, das den Grund­satz vertritt, daß der Trinker nur gerettet werden könne durch Abstinenz und Evangelium. Zum Schluß rief der Redner der Versammlung die dreifache Mahnung pu, die Bestrebungen gegen den Alkoholismus nicht zu hindern, sondern zu fördern, die Kinder vor dem Alllohol zu hüten und im persönlichen Leben den allerentschieden­sten Ernst mit der Mäßigkett zu machen.

Dann bestieg mit stürmischem Beifall begrüßt Hofprediger a. D. D. Strecker aus Berlin die Rednertribüne zu einemVortrage über das Thema Der Kampf der Inneren Mission gegen die Unzucht". Gerade jetzt bestäniden in Deutschland sehr traurige und gefährliche Zu­stände. Die offene Unzucht werde auf %, die heimliche auf 1% Millionen geschätzt. Leib, Seele, Sitte, Glauben, Gesellschaft, Familie gingen an ihr zugrunde. Die oberen Schichten seien schuldi­ger als die unteren und begingen durch die Un­zucht ein Verbrechen an den Töchtern der Armen. Der Staat habe schon vieles getan (Fürsorgege- setz, Bekämpfung des Mädchenhandels usw.). Aber mit der behördlichen Sittenkontrolle könne ein wahrer Christ und Volksfreund nicht emver- standen fein. Alle gewerbliche Unzucht müsse bei Mann und Weib bestraft und das Schutzalter für die weibliche Jugend von 16 auf 18 Jahre er­höht werden. Die Innere Mission habe nie auf­gehört, hier zu arbeiten, der Zentralausschuß gebe mit rühmenswertem Eifer voran. Zuerst habe die Berliner Stadtmission im Jahre 1884 den Kampf gegen das Laster und die Wüstlinge in die Oeffentlichkeit getragen und Versammlungen veranstaltet, aus denen die Vereine zur Bekämp­fung der öffentlichen Unsittlichkeit, zum Kampf gegen den Schmutz in Wort und Blld, der Freundinnen junger Mädchen, des weißen Kreu­zes und der Verein fürstlicher Frauen zur Pflege der Sitte und zum Kampfe gegen die Unsittlich, feit entstanden feien. Neben den Vereinen feien verschiedenartige Anstalten segensreich tättg: Magdalenenstifte, Vorafyle, Zufluchtsstätten, Krippen usw. Außerdem arbefte die Innere Mission noch durch andere Einrichtungen, Nacht- miffion und durch Flugblätter. In den Asylen würden ein Drtttel der Gefallenen gerettet, ein Drittel werde schwankend und ein Drittel gehe doch verloren, immerhin schon ein Erfolg. Mit

brecht empor und ein unverhüllter Strahl inni­ger Liebe brach ihm daraus entgegen. Zärtlich erwiderte er den Blick wie gern hätte er sie in feine Arme gezogen so mußte er sich mit einem Händedruck begnügen.

Lebe wohl, mein Süßes auf Wieder­sehen!" hauchte er fast nur, dann trat er zurück. Zu Frau Teichmann gewandt, sagte er:

Meinen Dank für Ihre Liebenswürdigkeit, mir einen Blick in Ihr Heiligtum gegönnt zu haben, sehr verchrte Frau! Nun Adieu auf Wiedersehen!" Und säbelklirrend ging er die Treppe hinab.

Doch ein reizeirder Mensch, dieser Warburg, schade, daß er geht!" seufzte Frau Anna beim Nachmittagskaffee,er war immer fo gemütlich und nett!"

Das wohl," gab Herr Teichmann zu,aber sonst, viel haben wir nicht an ihm verdient ja es stehen vom Frühjahr her noch einige grö­ßere Posten, die er ganz vergessen zu haben scheint."

Du wirst ihn doch nicht daran mahnen?" fragte sie erschreckt,nein, das geht nicht l"

Ich werde es nicht tun, sonst hätte ich es längst tun können! Er war ja die Geselligkeit immer selbst, infolgedessen ist mehr getrunken worden, wenn er da war. Uebrigens habe ich ihn sehr gern. Aber wohin sollte es führen, wenn ich jedem Leutnant um feiner hübschen Augen willen die Zeche schenken wollte? Da könnte ich gleich die Bude zumachen! Uebri­gens läßt er Dich noch grüßen, Trudchen," wandte er sich zu Gertrud, die kein Wort zu der ganzen Unterhaltung sagte.

Frau Teichmann schien dieser Extragruß zu ärgern.Na, Du hast Dich mal wieder wie ein Backfisch benommen gegen Herrn von Warburg. Sonst bist Du doch nicht fo; da beißt Du doch immer die große Dame heraus! Aber gerade, als ob Du mich ärgern willst. Durch Dein Be­nehmen wirst Du uns noch die ganzen Gäste weg-

einem zündenden Appell und einem kraftvolle« Aufruf an alle ehrlichen Christen, Männer und' Frauen, zur Mithllfe im Kampfe gegen die Un­zucht durch Tat und Rat und Gebet schloß der Redner seine eindringlichen Worte.

4. Tag (Schluß).

In der zweiten Hauptversammlung am 28. September folgte der zweite Hauptvortrag des Kongresses, den Geh. Kirchenrat Prof. Dr. Lemme aus Heidelberg über das Thema:Dir Verantwortung der gebildeten und besitzenden Stände für das sittlich« und religiöse Leben unseres Dol- k e s" hielt. Der Redner ging in seinen geist, vollen Ausführungen davon aus, daß vermöge dersozialen Frage" das Interesse an der äuße­ren Notlage die Aufmerksamkeit auf sittliche und religiöse Notstände beeinträchtigt habe. Die be­sitzenden und gebildeten Stände unseres Volkes, die dem Volksganzen gegenüber deshalb eine be­sondere Verantwortlichkeit hätten, weil ihre Le­bensanschauung und Lebensführung die Physiog­nomie des Volkslebens bestimme, dürften sich demgemäß nicht darauf beschränken, den Volks­massen nur äußere Fürsorge für ihr materielles Fortkommen zuzuwenden, sondern müßten sich in erster Linie verantwortlich fühlen für das sittliche und religiöse Leben des Volkes. Unsere Gegen­wart leide an besonderen, ihr eigentümlichen Schäden. Der Kapitalismus habe den praktischen Materialismus hervorgebracht, der Konstittttio.- nalismus hemme vielfach die moralische Kraft der Staatsleitung und Staatsverwaltung und der Journalismus arbefte zum größten, Telle in tot- 'derchristlicher Richtung. Diesen niederreißenden Mächten gegenüber müßten die Besitzenden und Gebildeten es als ihre Aufgabe ansehen, das Christenttrm, in dembite Gesundheit des reli­giösen und sittlichen Lebens eines Volkes wurzele, zu stärken und alle erhaltenden «imb bauende« Organisationen zu begünstigen und zu Pflegen. Am Schlüsse der Debatte ging der Referent inj großen Zügen auf die einzelnen Ausführungen der Debatteredner ein. Dann folgte ein zusam­menfassendes Schlußwort des Vorsitzenden, Prä­sident Gaebel, worauf der Kongreß mit einem Gebet des Oberhofpredigers D. Dryander und ge­meinsamem GesangNun danket alle Gott* gegen 2 Uhr fein Ende fand. Im Schluß, gottesdienst in der Matthäikirche hielt Konsisto- rialrat Superintendent Jacobi aus Schöneberg bei Berlin die Festpredrgt über Matth. 5, 1 bis 9Selig find, die da geistlich arm sind" usw. Der Geiflliche Predigte auf Grund dieses Schrift- Wortes über die Seligpreisungen und wandte sie in feinsinnigen Ausführungen auf die verschiede­nen Arbeiten der Inneren Mission an. Liturgie und der ChoralEiner ist König, Immanuel siegt!" beendete den Gottesdienst und den Kon­greß, dessen anregenber und inhältteicher Ver­lauf für unsere Kirche und unser Volk segensreich^ Früchte bringen möge. j

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jagen. Assessor Römer zum Beispiel kommt gas nicht mehr,"

gestern Abend erst war er da, ich hall« sogar eine Semmel für ihn zurecht zu machst," bemerkte Gertrud gelassen. I

Nun, ich meine, viel seltener als sonst! (Sfl hat sich sogar über Dich beklagt* '

Dazu hätte ich mehr Ursache er belästigt mich mit seinen faden Redensarten !j

die Du durch Dein apartes Wesen erfl hervorrufst! Wer so kokett ist wie Du* .jj

Du gestattest wohl, Tante, daß ich daß Kaffegeschirr wegnehme," unterbrach Gettrud bi« sich ereifernde Tante damit kam sie am Wei­testen; längst hatte sie es auf gegeben, sich toegeN derartiger Vorwürfe zu verteidigen, wenn es si<! innerlich auch empörte. Sie stand auf und trug das Tablett mit den Kaffeetassen nach der Küche« Dann nahm sie eine Arbeit zur Hand und nahm im Wohnzimmer ihren Fensterplatz wieder ein, während Frau Anna ein Weilchen ruhen wollte« Gertrud seufzte tief auf. Wäre nur erst die Aus, spräche mit Ferdinand vorüber! Sie hatte ihm nur kurz geschrieben, ohne näher auf den Inhalt seines Briefes einzugehen, daß sie seinem Kon* men nach dem ersten Oktober entgegensähe unü ihm mündlich Antwort geben wollte. Sie fürch­tete sich davor; tote stand sie vor seiner strenge« Ehrenhaftigkeit da? Vielleicht konnte als Ent«, fchuldigungsgrund ihres Treubruches dienen, daß sie ihn nie wirklich geliebt, daß sie sich getäuscht in ihren Gefühlen für ihn!

Sie war ganz elend geworden durch die seeli-. scheu Kämpfe; schlaflos lag sie des Nachts i« ihrem Bett; ihre Gedanken schweiften von Einem zum Anderen. Das stand bei ihr fest sie wollte ihm nichts verhehlen, wollte wahr gegen ihn fein und wenn er sie trotz'-.""- mr Fran begehrte, wollte sie seinem Will:.: -? ihr war ja doch alles gleich!