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Erstes Blatt
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"Nachdruck verboten.)
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194 975 800
Ostasien Südwestafrika
für das deutsche Landheer „ die deutsche Marine
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdmckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21* — Telephon 55.
Jnsertionsgebühr: die gespalteneZeUe oder vcrcu Raum 10 Pfg, Reclamcn: die Zeile 25 Psa.
— Gertnid —" voller Bewegimg faßte er ihre .Hand, während Tränen in seine Augen traten — „Gertnid, ich schwöre Dir zu, daß es mir Ernst um meiito Liebe zu Dir ist — wer Dich liebt, kann Dich niemals vergessen! Ich
Marburg
Sonntag, 1. Oktober 1905
Das neue Fräulein.
Original. Noma« von Fr. Lehne.
(stmisehung.)
' - Eine trunkene Freude war über ihn gekom. men, daß sein heißer Wunsch, dies schöne, stolze Mädchen sein zu nennen, in Erfüllung gegangen war. — Wie es enden sollte, daran dachte er nicht.
Da kam sie zur Besinnung: sie entwand sich seinen Armen, und, bitterlich aufschluchzend, schlug sie die Hände vor das Gesicht.
„Trude, was hast Du?" fragte er erschrocken.
zz'C was hab' ich getan?" klagte sie und rang die Hände — Avas hab' ich getan!"
„Gertritd, ich beschwöre Dich — nichts Unrechtes!"
Sie lachte bitter.
„Nichts Unrechtes? Wie stehe ich vor meinem Verlobten, vor mir selbst da? Jetzt hat Jeder das Recht, mit Fingern auf mich zu zeigen. O wie bin ich schlecht, mich so zu vergessen!"
„Gertrud!" beschwörend faßte er ihre Hände *— „Gertrud, klage Dich nicht an — ich trage alle Schuld, armes Mädchen, — was können wir dafür?"
, »In, Albrecht, was kann ich dafür, daß ich Dich so unbeschreiblich liebe — so über die Maßen? O Albrecht, wie hab' ich gekämpft und gelitten um Dich — doch es ging über meine Kraft!"
. _ . -eit 2 Mh,
bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ejci. Bestiezclo).
Er strich über ihr weiches schönes Haar und blickte zärtlich in ihre tränenfeuchten Augen — Putzes, süßes Mädchen! Ich ahnte es!"
Sie war wie verwandelt: ihr heißes stürmisches Blut siegte über ihre kühle Ueberlegung und stolze Zuruckhaltung, sie war ganz der Gegenwart entrückt. Ein Geräusch ließ sie plötzlich anflahren. '
-Ich muß gehen, Albrecht!"
möchte Dich zu meinem Weibe machen wenn ich Sein verwachsen war, ohne daß er es in seinem i
nur wußte, tote — :cb bin zu abhängig, ich mußte leichten tändelnden Sinn selbst gewußt hatte. Es
Cn an " I war ihm bitter weh zu Mute, daß er sie lasten
„^.as^sollst Du nicht, Jtbredbtl Tu, der Du I sollte — aber nur für jetzt, gelobte er sich, ec io gern eolbat.btit! — O ich kenne die Misere wollte schon Mittel und Wege finden.
mT=n?Aer60en9JU 9U T ldL fann ™fr, ^deutlich Sie riß sich los — „lebe wohl, Geliebter!" i mwmalen, wie es uns gehen wurde! Du sollst Und leise, ungeseheit, flüchtete sie in ihr Stich, ^.^^^"Etwegen nicht mit Demen Verwandten I chen, dessen Tür sie hinter sich verschloß. . ; entzweien — nein! Du wirft mich doch der- I geffeit —" I Fünftes Kapitel. J
. -Willst Du es nochmals hören? Nein, Ger- I „Main Gott, Gertrud, tote siehst Du denn' trud! Du btsi es wert, daß ich um Dich den heute aus?" fragte am nächsten Morgen Frau Kampf aufnehme.' I Deichmann mehr ärgerlich als besorgt die Nichte,
. A^ch will es aber nicht, Albrecht! ^ch will I die zum Erschrecken bleich aussah und wie mecha«
Nicht, daß Du Dich memetwegen vom Augenblick nisch die Arbeit verrichtete, sie befürchtete eine i bentinmen laßt, was Dir nachher vielleicht leid Krankheit bei Gertrud, so daß sie selbst hätte'
t 'n?' nun toich gehen, ich werde I toieber arbeiten müssen, was ihr doch gor nicht
°n t, r t m . I sikpaßt hätte — „Du bist doch gestern Abend,
, "Gertrud, ich muß bald fort von hier. Wol- I schon um neun Uhr in Dein Zimmer gegangen,
Icn wir uns nicht wenigstens ^reiben?" da kannst Du doch ausges-blafen haben: die paar
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, Albrecht, I Tage, ehe der Bräutigam kommt, wirst Du wohl too;u? Vor allem will ich Klarheit zwischen Dr. I noch aushalten können."
Wehner und mir schaffen: ich schreibe, daß er I »Ich habe nervöses Kopfweh, Tante!" ! kommen fall! Vielleicht sehen wir uns doch mal I »Ach was, nervöses Kopfweh, Du mit Deine?' toieber — aber jetzt schone mich. Ich bedarf I robusten Gesundheit — was soll ich denn da i meiner ganzen Kraft zu dem, was ich vorhabe; I sagen? Aber da wird feine Rücksicht genommen!
mir tut es so leid, ihm Schmerz bereitem zu ~ von früh bis spät muß ich da sein!" ti
müssen". Dunkel fühlte sie wohl, daß Ferdi- I „Wollen wir heute Vormittag gleich die Essig-' uands Liebe vielleicht reiner und uneigennütziger I pflaumen einleqen, Tante? Dann will ich mitf
toor als die Albrechts — aber was tat das ihr? I gleich daran machen," ignorierte Gertrud die'
Nur nicht darüber Nachdenken! Sie war Albrecht I Ausfälle der Tante, die behaglich in unverwüst- mit ihrer ganzen Seele verfallen — und darüber I sicher Ruhe noch am Kaffeetisck saß, die Zeitung kam sie Nickst hinweg. Sie reichte chm dte .Hand. I lesend
„Sebiit Dich Gott, mein Geliebter!" Ihre „Meinetwegen, mache was Du willst!"
Sttnime zitterte doch bei diesen Worten. Er riß Gegen Mittag meldete bas Dienstmädchen
A nochmals an sich und erstickte sie fast unter Herrn von Warburg. Vor Aufregung ließ Frau, i <. I Teichmann beinahe den Teller fallen, den sie in,
„®ertrub, ich lasse Dich nicht. Werde mein I der Hand hielt — sie war mit Gertrud gerade in :
Wew! Es muß nur gelingen, „etne Existenz zu der Küche. Schnell band sie die große Schürze ab ‘
gründen! Habe Geduld mit nur!" I und eilte, ihr liebenswürdigstes Lächeln auf-
Ter Augenblick des Scheidens zeigte ihm, wie I steckend, in den Salon.
oas schöne stolz» Mädchen mit seinem ganzen l (Fortsetzung folgt)'. ■
. Sanft, aber entschieden befreite sie sich aus seiner Umarmung. Sie strich sich das Haar ans dem Gesicht.
„Nein, Albrecht, ich gehe, halte mich nicht länger!"
„Was willst Du tun, Gertrud?"
Ernst und groß sah sie ihn an, während c5 um ihren Mund zuckte.
„Diese Stunde ganz zu vergessen suchen, Albrecht!"
„Warum? Wir können uns doch noch öfter sehen —"
. Sie ließ ihn nicht ausreden. „Dann Albrecht, will ich jenen Brief der Wahrheit gemäß beantworten — ich will ihm sein Wort zurückgeben."
„Und dann, Gertrud, bedenke —" er nagte an seinem Bart; es toar ihm offenbar iinbehag- "ch, aus seinem Rausch erweckt zu sein. .
»Ich weiß alles, was Sie sagen wollen," entgegnete sie ruhig, ihm mit einer Handhewegung das Wort abschneidend. „Seien Sie unbesorgt
" dabei klang aber doch eine leise Bitterkeit aus ihrer Stimme, „feien Sie unbesorgt, — ich bin zu vernünftig, um an Ihre Liebe zu mir weitere Folgerungen zu knüpfen! Ich habe mich hinreißen lassen von der Macht des Augenblickes, und muß dies nun mit mir felbst abmachen! — Ich hätte meinen Verlobten auch ohne die letzten Minuten sein Wort zurückgegeben, weil ich ihn nicht genug liebe, weil mein Herz einem anderen gehört und ich ihn doch zu hoch achte, ihn nur als Versorgung zu betrachten." Bis hierher hatte sie ruhig gesprochen; jetzt aber drohte ihre Stimme zu brechen, als sie fort fuhr — „es wird ja alles überwunden. Sie gehen in ein paar Tagen für immer fort und werden das törichte Mädchen bald vergessen —"
worden seien., Der Kommissar bezifferte danach den Durchschnittsbetrag der staatlichen Unter, stützung bei diesen Lehrerrelikten auf durchschnittlich 393 M Darauf machte die Zentralstelle der Pesta- I lozzivereine u. a. folgende Ausführungen: Hat XJvflvUUHlJvH I die Staatsregierung zur Befriedigung der Be-
für da« vierte n u r t n I I dürfnisse aus dem Fonds in Titel 42, der im für das vierte Quartal wesentlichen für andere Zwecke bestimmt ist, ent-
aus die I nehmen müssen, so ist damll bewiesen, daß die
„Oberhhffifchk Zeitung" nebst ihren I 300 000 dl des Titels 41 a zur Unterstützung SHeirnnon inerhen hn« I ber vor dem 1. April 1900 verwitweten Lehrer-
Klagen werden von unserer Expedition frQuen nicht gereicht haben. Der Titel hätte (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch- I also erhöht werden müssen. Ferner: Wenn Hain, Neustadt und Wetter, sowie von ^8 Widvendurchschnittlich ausTitel 41 a 93 m .. ,, . o ' . „ . Mark Unterstützung zu ihrer 250 dl betragen-
allen Postanstalten und Landbriesträgern den Pension erhalten haben, so hat jede dieser entgeaenaenommen. I Witwen 343 M bezogen. Hat außerdem von
I 1087 Witwen jede 50 dl aus Titel 42 erhalten I und ist die Zahl 1087 in der vorhin genannten m □ri’ i r < I Sabl 3028 nicht enthalten, so sind im ganzen
Berechtigte Lehrerforderungen. I 4115 Witwen unterstützt worden, und es haben erv o </ m I dann bezogen von 3028 Witwen jede durchschnitt.
Die Lehrerwitwen m Preußen, deren Manner lich 250 + 93 = 343 M und von 1087 Witwen
vor dem 1. April 1900 gestorben sind, beziehen jebe 250 + 50 = 300 dl Ist aber die Zahl
natb dem. Reliktengesetz vom 4. Dezember 1899 1087 in der Zahl 3028 mit enthalten — und
E layrlich 250 M Witwenpension ohne Ruck- das muß nach der Rechnung des Kommissars
"Ä-^'onstzelt und letztes Gehalt des Man. I angenommen werden — so stellt sich das Bild so ve • Tie traurige soziale Lage dieser Witwen I dar: Jede der 3028 Witwen bezog neben der A^rbessern, hat sich ine Vereinigung der Preu- Pension 93 dl. das sind im ganzen 281 604 M
% Pestalozzwereme zur besonderen Aufgabe (Der Unterschied zwischen '300 000 dl und
Stellt. Sie bat deshalb am 6. November 1904 281604 M fiel den Waisen zu.) Haben dann
preußlsche Kultusmimstermm um Erhöhung „och 1807 von diesen 3028 je 50 dl aus Titel
Titels 41a Kapitel 121 des Kultusetats 42 erhalten, so macht das 54 350 dl, das sind
(Unteritutzungen von Witwen und Wag en von für die 3028 Witwen in Summa 335 954 M
dem 1. April 1900 gestorbenen Volks chul- und für eine Witwe 110 dl (runb). Rechnet
N^ern). Da tn dem Ewt für das Jahr 1905 man diese 110 M zur Pension von 250 M, so .
dieser Titel keine Erhöhung sondern wiederum erhielt jede Witwe im Durchschnitt nur 360 M Mit dieser Zahl wollte das genannte Blatt
die alte -summe von 300 000 M aufwies, sandte I und nicht 393 dl Wenn alle Witwen wenig- I das deutsche Volk graulich machen. Der „Vor- dre Vereinigung an das Abgeordnetenhaus die I swns 360 'M erhielten, so wäre die drückendste I wärts" half noch nach, indem er ausrechnete, tote- -Vnte, dre m Titel 41 a eingelegte Summe der Not beseitigt ■ mid die Bitte der Vereinigung viel Prozent davon auf die Zeit der Regierung
unter den Lehrertottwen vorhandenen Not ent- wäre erfüllt. Aber es sind nicht 3028, auch nicht des Kaisers Wilhelm TI. entfallen. Die große
sprechend zu erhöhen. Am 2^. März 1905 be- I 4115, sondern Wohl über 7000 Witwen vorhan- I Zahl ist in runb 30 Jahren von 50 Millionen
rtet die UnternchtLkommlssion die Petttion, und I den, deren Männer vor dem 1. April 1900 ge- I Deutschen aufgebracht, es bat also jeder Deutscher sw empfahl, sie der Regierung zur Berücksichtig. ftorben sind. Leider kann die Zahl nur sck)ätz- pro Jahr 1 3U Mk. oder pro Tag 3y2 Pfg. für
uug Zu überweisen. Das Abgeordnetenhaus trat I ungsweise angegeben werden; die Vereinigung I Seer und Marine zusammen bezahlt. Da nun
aur 30. \$unt dem Antrag seiner Kommission I rechnet so: Da in Schlesien 1904 über 1000 sol- I aber nur diejenigen, welche ein Mindesteinkommen ohne Widenpruch bet. Es hat dadurch den Not- I djer Witwen gezählt wurden, die Provinz aber I bon 900 Mk. haben, zu den direkten Steuern stand der Lehrertottwen anerkannt. Wird nun I etwa ein Siebentel der Bevölkerung Preußens I herangezogen werden, so haben auch nur die mit c Regierung für den Etat 1906 dem einstimmig I ausmacht, so ist anzunehmen, daß in ganz Preu. I 6 Mk. und höher Besteuerten die Summe cmfge- gefagten Beschluß Fol<w geben? Die Ausfuhr- ßen über 7000 Lehrerwitwen vorhanden sind die bracht. Es waren z. B. im Jahre 1895 nur 2y2 ungen des Regierungskonmnssars m der Unter- nur 250 M Pension beziehen und einer laufen- I Millionen Erwerbstätige, die Steuern zahlten, rich..ckonuntssion bet der Beratung der Petttwn I den Unterstützung bedürfen. Von diesen 7000 I während 11% Millionen Erwerbstätige über. losten dies noch zweifelhaft erscheinen. Der Kom- I erhielten nur 4115 ober gar nur 3028 Witwen I Haupt keine Steuern zu leisten hatten.
missar wies u. a darauf hin, daß die Unter. I eine Unterstützung, rund 3000 oder 4000 erhiel. I Hiergegen wird mm die K V -Z " und der 19Oin0aSm 300 000 'mnrS? M ? "Ä Würde jeder Witwe täglich I M für „Vorwärts" ohne Zweifel den Einwand erheben,
rTv.;„„oQrI- • E, dt .spracht worden sei. I ihren Lebenshalt zugeftanden, so mußte Tit 41 a, I daß es nicht so sehr die direkten Steuern sind
?oQrClo°^feieL-!n ^028 Dehrerwltwen und I da die Pension 250 dl beträgt und das Jahr 365 I unter denen das deutsche Volk zu seufzen bat'
-7^" durchschnittlich 93 M I Tage bat, 7000 X 115 = 805 000 M und nicht I als die indirekten aus dm Zöllen und Verbrauchs-
unterstutzt worden. Dazu komme noch der Fonds I 300000 dl betragen. Jedoch die Vereinigung I steuern. So betrugen z. B. im Jabre 1895 diese
^rur Unterstützung von Süßittoen und I tft schon zufrieden, wenn tvenigstens jeder Witwe, I Steuern im ganzen 881 Millionm auf dm Kopf
Ä1-®; ®ÄrO8lsoi .«? 8#» «*. Jfc d-n e» 1 .11 g» »er MlXU U7 »k d-L NW noch 1087 Witwen rmd 31 W^ifm ' sn&rten befonderer Not mußte auf Alkohol und Tabak. Um diese Steuer auf-
ittn? Ä-.Wasten zur werteren I freilich diesen und allen jüngeren Witwen etne I zubringen, mußte jeder Deutsche für 75 Mk Al- Crbobm.g ihrer Uiiterstutzungsbezuge bedacht höhere Summe gegeben werden können. Wie kohol und Tabak zu sich nehnwn '
mit dem Krersvlan für die Krerse Marburg und Kirchhain
Sonntagsbeilage: Jllttftrirtes Sonntagsblatt.
nötig diese Bitte ist, beweism folgmde dem I Währmd also Deutschland 1872—1906 Ministerium eingesandte Zahlen: Im Jahre 1904 I 20 Milliarden für Heer und Flotte ausgab, vei> erhielten in Brandenburg 292, in Hessen 81, in I zehrte es in derselben Seit 135 Milliarden <m
Sachsen 546, in Schlesien 212, in Ostpreußen I Schnaps, Bier, Wein und Tabak, das ist fast
53 über 60 Jahre alte Witwen nur 250 dl jähr- I siebenmal so viel.
liche Pension und sonst keine Unterstützungen. I Wenn man sich klar macht, daß die Ausgabe»,
Der Kommissar des Finanzministers zeigte sich in | für Heer und Flotte — welche außerdem int'
der Sitzung der Unterrichtskommission dm I Lande bleiben — in erster Linie, wenn nicht au»- Wünschen der Bittsteller toenig entgegenkommend I schließlich, dazu bienen, Deutschland den Friedeq und wies die Witwm mit ihren Unterstützungs- I zu erhalten, die siebenmal so großen Ausgabegesuchen in erster Linie an die Schulunterhal. I für Alkolhol und Tabak dagegen die Volksgesundi tungspflichttgen. Hoffentlich hat sich inzwischen I beit, Moral und Tüchtigkeit teilweise untergrabet ein Wandel vollzogen in dem von dem Abgs- I helfen, dann kann man fugen, Zahlen beweisen, ordnetenhause und der Vereinigung der Pesta. I ---------
l?.^idMeine gewünschten Sinne,,daß in den Etat Staats- und Rechtskunde im Schvl. für 1906 die notigen Mittel eingestellt werden, I unterricht.
I Einm recht beherzigenswerten Vorschlag ent«
^000 verwitweten Lehrerfrauen lastet, be- | Mt ein vom Landgerichtsrat Dr. Glock in Karls« feihgt werden kann. I x^hg in der „Deutschen Juristmztg." beröffent«
■ =...... ..... ~=----z I lichter Aufsatz, in dem es u. a. heißt: Kenntnisse,
I zu denen die Schule nicht wenigstens den Grund Umschau. I gelegt hat, werden erfahrungsgemäß im Lebe«
o.tr.. . I entweder gar nicht oder nur lückenhaft erworben.
Zahlen beweise«. I Nur unsere in diesem Punkte so unvollkommen«!
Die „Köln. Volkszeitung" brachte vor 'einiger I Schulbildung läßt daher die geradezu bet« Zeit eine Zusammenstellung der Ausgaben für I blüffende Unkenntnis verstehen, welch« Armee, Marine und Kolonien, nach der bon 1872 I bezüglich unserer staatlichen Der« bis 1905 folgende Summen ausgegeben wqrden I foffung und der Grundlagen unse« sind: IresRechtsbisindiegebildetste^
16475685350 Mk. I Stände hinein herrscht. Man kann je« n I den Tag die Erfahrung machen, daß selbst aka« die Kolonien (1890-1905) 193 844 079 „ I demisch gebildete Männer zum Beispiel keine« w I oder nur einen ganz unftaren Begriff habe» n I bon dem Unterschied zwischen der Zivil- und beb in Summa 20 Milliarden 172 Millionen 241 838 I Strafrechtspflege, oder bon der Notwendigkeit, Mark. I bei der Beurteilung eines Straffalles die Schuld
frage bon der Straffrage zu trennen. Es ist daher leicht begreiflich, daß die derzeitige SOtit- wirkung unserer Schöffen an der Strafrechts, pflege (so, wenig unsere Berufsrichter derselbe« jemals wieder entbehren möchten) sich bisher int ganzen nicht so „furchtbar gestaltet hat, wie es. Wohl möglich wäre, und daß die Geschworene« in bertoi(feiten Fällen nur zu häufig eine willenlose Beute der Redekunst des Verteidigers obre: des Staatsanwalts werden. Kann es fernes- Wundernehmen, wenn das Volk in seiner große« Masse, mehr und mehr das Verständnis berlierf für die mit der Steigerung des Verkehrs und mit der Vielgestaltigkeit unseres modernen Wirt« schaftslebens naturgemäß immer kompliziertes werdende Rechtsprechung und Verwaltung, dsf doch nichts geschieht, sein Verständnis hierfür zik heben? Unsere Gesetzgebung wächst fast ins U.1< übersehbare, so daß selbst der Berufsjurist darauf verzichten muß, sie in allen ihren Teilen zu beherrschen, und sich zufrieden geben muß, toenrt ihm wenigstens die Fähigkeit bleibt, sich in jedem einzelnen Fall zu orientieren. Gleichwohl gilt für das Publikum nach wie bor die alte, manchmal fast wie bittrer Hohn klingende Rechts- Vermutung. daß alle bestehenden Gesetzesborschriften als jedermann bekannt gelten. Nur all;« häufig muß daher das Publikum seine unberschul- dete Unkenntnis der Grundlagen unseres Rechts