Einzelbild herunterladen
 

L-.

231

mit dem KreisdLatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Aüustriries Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet oer ExpÄition 2 LU, bet oUett Postämtern 2,25 Mk. <c$cL Bestellgeld).

Insertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder veren Raum 10 Psg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 1. Oktober 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Drittes Blatt.

Neueste Telegramme.

Berlin, 30. Sept. Der.Staatsanzeiger' Meldet: Der Generalinfpekteur der Marine, Großadmiral von Koester, wurde auS kaiser­lichem Vertrauen als Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen.

Wie die .Nordd. Allg. Ztg.' hört, er­suchte der Reichstagsabgeordnete Graf Udo Stolberg den Reichskanzler in einer Eingabe, pur Herabminderung der Fleischnot in den großen Städten und Industriezentren eine Er- dräßigung der Eisenbahntarife für lebendes Vieh herbeizuführen.

Dem Generalsekretär bei der Zentral- Direktion des Archäologischen Instituts in Berlin, Professor Conze, wurde die nachgesuchte Ver­setzung in den Ruhestand bewilligt. An Conzes Stelle wurde der Professor der Universität Freiburg. Buchstein, ernannt.

Wilhelmshaven, 29. Sept. Die Tauf­rede bei dem heutigen Stapellauf des »Linien­schiffesHannover' hielt Oberpräsident Wentzel- Hannover. Den Taufakt vollzog die Fürstin zu In- und Knhphausen.

Hamburg, 30. Sept. Der neue Gouverneur von Südwestafrika v. Lindequist hat seine Aus­reise, welche heute mit dem DampferAdmiral' erfolgen sollte, auf den 15. Oktober verschoben. Er wird dann den DampferErna Wörmann' benutzen.

DüUZig, 30. Sept. Zu der Meldung ver­schiedener Zeitungen, Danzig zu einem Kriegs­hafen zu machen, versichern dieDanziger Neuesten Nachrichten' auf Grund von ihnen an maßgebender Stelle eingezogenen Erkundigungen, daß nirgends die leiseste Absicht bestehe, mit dieser Frage sich irgendwie zu beschäftigen.

Southampton, 29. Sept. Der Dampfer Eleonore Woermann' mit den von der Studien­reise nach Togo und Kamerun zurückkehrenden Reichstagsabgeordneten an Bord ist heute vor­mittag von hier abgegangen und trifft voraus­sichtlich Sonntag früh auf der Elbe ein. An Bord ist alles wohl.

Petersburg, 29. Sept. (Petersb. Telegr.- llgentur.) Der französisch-russische Handels­vertrag wurde heute nachmittag unterzeichnet.

Petersburg, 30. Sept. Der Spezialbericht­erstatter derNationalzeitung" Herr Eugen Zabel wurde gestern hier von Witte empfangen. Witte äußerte sich begeistert über seinen Emp- sang in Rammten und erzählte, Kaiser Wilhelm habe wörtlich zu ihm gesagt:Ich erweise Ihnen dieselben Ehren wie gekrönten Häuptern, Sie haben Außerordentliches geleistet. Ich gratuliere

Wissenschaft, Kunst und Leben.

"Ein Fegfeuer-Museum in Rom ist, wie dieKöln. Volksztg." berichtet, das Neueste auf dem Gebiete katholischen Glaubens- eifers. Das Musem wurde von dem französischen Geistlichen Tauet gegründet und enthält eine vollständige Sammlung von Hand- und Finger- abdrücken aus der Geisterwelt.Inspiriert" wurde P. Tauet zu diesem musäe doutre-tombe durch einen Blutfleck auf der Mauer einer von ihm erbauten Kapelle am Lunga Trevere Prati, der die Abbfldung zweier armen Seelen sein soll. Zunächst erblickt man an der Eingangswand eine Unmenge eingerahmter photographischer Abbil- düngen vonhistorischen" Schriftstücken, sowie von Handdbdrücken, die in allen Größen ausge­nommen worden sind. U. a. gewahrt man da fünfzehn aus einem vergilbten deutschen Gebet­buchs herausgetrennte Blätter, die, von einer armen Seele berührt,Fingerabzeichen" in Ge­stalt rundlicher Brandflecken darstellen. Mitten im Saal steht unter Glas und Rahmen ein Ge­genstand, den ein roter Vorhang dm profanen Blicken verhüllt. Rachdein dieser feierlich durch eine Drchvorrichtung aufgerollt ist, erblickt man hinter der Glasplatte eine Schürze aus grobem, ungebleichtem Sackleinen, die an ihrer linken un- teren Seite dieBrandmale" von fünf Fingern einer Hand zeigt. Aus den Urkunden ist erficht-! lich, daß'eine Fünfter Clara Schölers, die in die peste zu Warendorff anno 1637 gestorben, einer Junge Layschwester erschienen ist", der sie dann ein sichtbares Zeichen hinterließ,welches in die Archive aufbehalten wirtt, neben umbsten- diggen Bericht, was die seele begehrt zu ihre Er- ljsssunge". Darunter heißt es:Hierbei eine halbe graue Schürze gewesen (nämlich die eine Hälfte von oben bis unten), worin die Male (einer brennenden Hand zu sehen waren, unmerk- lich war diele mitten etwas durckaebrannt). Die

Ihrem Kasser zum Besitz eines solchen Mannes. Wenn die Monarchen viele solche treue Diener hätten, würde man besser über die Monarchie tenken."

Mombaza, 29. Sept. (Reuter.) Es wurde die Erlaubnis erteilt, daß 30 Mann deutscher Marinetruppen auf der Uganda-Bahn nach dem Innern tranportiert werden, um sich zum Schutze des Handels nach Muansain in Deutsch-Ostafrika zu begeben.

33 Kongreß für innere Mission.

(Eigenbericht derOberhess. Zeitung".)

2. Tag.

Leipzig, 26. September.

Von %9 Uhr an tagte im Evang. Vereins­haus eine Fachkonferenz zur Beratung über die Organisation der Flußschiffermis- s i o n. Als Referent führte Seemannspastor Münchmeyer-Stettin u. a. aus, daß die kirchliche Versorgung der Flußschiffer in kleineren und mittleren Ortschaften stets in erster Linie die Pflicht der betreffenden Ortspfarrer sein müsse, denen je nach Bedürfnis im Interesse der Fluß­schiffermission seitens der Provinzial- und Lan­desvereine für Innere Mifsion Anragmrgen und Unterstützungen zuteil werden müßten. JedenfaW feien diese Vereine die verantwortlichen Organe für die Flußschiffermission. Sie hätten gegebe­nenfalls einen Pfarrer im Haupt- oder Neben­amt für dieses Arbeitsgebiet zu berufen, der rege Beziehungen zu allen Pfarrern feines Bezirkes zu unterhalten habe, in deren Gemeinden sich Flußschiffer aufhielten. Wegen des Umfanges und der Eigenart der Flußschifsersürsorge in einigen Großstädten empfehle sich dort die Er­richtung eigener Lokalausfchüsse. In allen .Hafen- städten aber, wo neben der Flußschiffermission eine organisierte SeemannsrS ,wn bestehe, sei jene mit dieser in der Weise zu verbinden, daß in den kleineren Häfen der Berufsarbeiter der Seemannsmission beide Arbeitszweige erledige, während in den größeren Plätzen Seemannsmss» sion und Flußschiffermission der Verantwortung eines Leiters unterstehen müsse. Im Interesse einer einheitlichen gesamten Flußschiffermission in Deutschland sei vom Zentralausschuß für Inne« Mission eine befände« Kommission zu bilden, zu der die Berufsarbeiter aus den verschiedenartigen Bezirken zu wählen seien.

Zu gleicher Zeit fand eine öffentliche Abend­versammlung desDeutschen Bundes 2 v.» kirchlicher Blau-Kreuz-Verbände" statt, der eine aus allen Teilen Deutschlands gut besuchte Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Sup. Klar-Belgrad vorhergegangen war. P. Fiesel-Kästorf berichtete aus seinen Erfahrungen von den gewaltigen Schädigungen, welche der Alkohol dem Leibe und der Seele des einzelnen Gliedes und der Gesamtheit rtnseres Volkes zu- sügt, und P. Wöhrmann-Herford erzählte von der rettenden Macht des Heilandes an den vom Trünke Geknechtetett und berichtete, daß die kirch­liche Blaukreuzarbeit zurzeit von 100 Vereinen,

Schürze nebst einem weißen . . . tuch ist in mei­nem Besitz. Oktober 1845 H. Distelkamp." Man würde die Leser ermüden, wollte man alle die im Musem aufbewahrten,von Geisterhänden hin­terlassenen" Abdrücke auf Hemden, Gebetbuch, deckeln, Holztüren usw. auch nur annähernd be­schreiben. Beim Verlassen des Museums erhält der Besucher ein Heftchen, in dem man ersucht wird, auf;er' Banknoten, Kerzen, Del altes Gold, Schmucksachen, altes Silber, alte Brieftnar- ken usw. fürdas gottgefällige Werk" beizu­steuern, wofür denndie hervorragendsten Gunst- Bezeugungen seitens der armen Seelen" nicht ausbleiben würden. Für 50 Franken wird man zttm Wohltäter und für 100 Franken gar zu einem Gründer des Werkes. Das rheinische Zentrumsblatt ist verständig genug, diesen Un­fug entschieden zu verurteilen.

Industrie und Geisteskrankheit. Neuerdings haben verschiedene Nervenärzte einen Zusammenhang zwischen der Anhäufung großer Menschenmassen in den Industriestädten und dem Wachstum der Zahl der Geisteskranken konstatie­ren wollen. Diese Ansicht wird aber, wie der Bericht der Jnsanity-Kommission für das Jahr 1904 erkennen läßt, durch die tatsächlichen Ver­hältnisse nicht bestätigt. Wiederholt wurden in den am schwächsten bevölkerten Teilen des Ver­einigten Königreiches die meisten Geisteskranken gezählt. Und das gilt nicht nur vom flachen Land, sondern auch von den Städten, wobei allein London eine Ausnahme macht. Beispiels- iveise kommen in Bath, das eine Bevölkerungs- dichtigkeit von 2,5 Acre hat, 4,74 Geisteskranke auf je 1000 Einwohner, in Croydon mit eiltet mehr als doppelt so großen Bevölkerungsdichtig- feit dagegen nur 1,9 auf 1000 Einwohner. In Exeter mit 9,9 Personen auf 1 Acre kommen 5,13, in Brighton dagegen mit 62,7 Personen auf 1 Acre nur 4,64 Geisteskranke auf 1000 Einwohner. Unter den großen Industriezentren

4000 Blau-Kreuzlern, 2000 ^--nnden des Bundes" und 12 dem Bunde angeschlossene Trin- kerherlstätten getrieben wird.

3. Tag.

Der heutige dritte Verhandlungstag vollzog sich nach einem sehr umfangreichen Programm. Der Vormittag war ausgefüllt durch vier Sitzun­gen. Von 8 Uhr an tagte eine Fachkonferenz mit der TagesordnungDie Eidesnot in der Gegenwart" unter dem Vorsitze das Juftizrats Dr. Gensel-Leipzig im Auditorium 40 der Universität. Der Referent, Justizrat Dr. E. Lucius-Mainz, verlangte grundsätzliche Beibchal- tung des religiösen Eides als Bekräftigungs­mittel zur Erforschung der Wahrheit, da die für feine gänzliche Abschaffung geltend gemachten re­ligiösen und sittlichen Bedenken zwar schwer- wiegend seien, aber als durchschlagend nicht an­gesehen werden könnten. Der Redner empfahl eine möglichst weitgehende Verminderung der Eide und zwar durch völlige Beseitigung aller promissorsschen Eide (Huldigungseide, Diensteide usw.) und der Parteieide in der Ueberzeugungs- fornt, d. h. der Eide über eine Tatsache, die nicht in der Handlung des Schwurpflichtigen besteht oder Gegenstand seiner Wahrnehmung gewesen ist; ferner durch möglichste Beschränkung der Verpflichtung zur Leistung von Editions- und Offenbarungseiden, durch umfangreiche Ein­schränkung nicht nur der Zeugenbeeidigung, son­dern auch der Zeugenvernehmung selbst sowohl im Zivil, tote auch im Strafprozesse, wobei der Voreid durch den Nacheid zu ersetzen sei; endlich durch Herauffetzung der Altersgrenze für die Eidesmündigkeit.

Gleichzeitig tagte im Städtischen Kaufhause unter dem Vorsitz des Pfarrers D. Kaiser eine Spezialkonferenz mit der TagesordnungD i e Gewinnung weiblicher Kräfte für die Innere Mission". Das Referat er­stattete Direktor Pfarrer Burckhardt aus Berlin. Er rühmte die von freien und beruflichen Kräften besonders von den evangelischen Diakonissen- häufern geleistete Liebesarbeit und trat für eine weitere Gewinnung von Kräften ans allen Schichten des Volkes ein. Zu diesem Zwecke emp­fahl er enffprechende Aufforderungen zu erlassen und praktische Anleitung zu geben. Dabei fall» eine große Aufgabe der Schule und Kirche zu und das christliche Dereinstoesen biete die beste Handhabe. Jungsrauenvereine, Bibelkränzchen ufw. seien heranzuziehen. Die Ausbildung müsse, wie der Redner weiter aüsführte, theoretisch und praktisch die eigentliche Berufs- und ebenso die allgemeine christliche Charakterbildung umfassen (Vorträge, Anschauung durch Besuche und Mit­arbeit). Für die praktische Ausbildung seien die Diakonissenanstalten hervorragend geeignet, aber auch andere Anstalten und Einrichtungen der Innern Mffsion, sowie die Gemeinden selbst 65- ien hierzu reichlich Gelegenheit.

Von %11 Uhr an beriet man in der Univer­sität über das ThemaGemeindeorgani- sation und Innere Mission". Den

blieben Leeds, Sheffield, Bradford, Hüll und die Londoner Vorstadt West Ham unter dem Durch­schnitt des sonst beobachteten Bestandes an Geisteskranken. Selbst Liverpool, die zweit- größte Stadt Großbritanniens, bleibt mit einer Quote von 4,13 auf 1000 hinter der Durch­schnittszahl der Geisteskranken in Exeter, Bath, Brighton^ Norwich, Nottingham, Bristol und anderen Städten zurück.

Mit der fortlaufenden Zunahme und Zahl der Geisteskranken hat also die Bevölkerungsdichtig- feit in den Großstädten, die allerdings ante« Nachteile genug in sich birgt, nichts zu schaffen. Man wird vielmehr dabei bleiben müssen, daß es die klimatifchen, vor allem die Luftdruck-Ver- hältnifse find, welche tes Entstehen' von Geistes­krankheiten bedingen. Auch Existenzsorgen wird man als einen positiven Faktor in dieser Richtung einstellen müssen, wenn man hört, daß über 90 Proz. aller Geisteskranken in England den ärmsten Volksschichten angehören. Uebrigens hat in England die Gesamtzahl der Geisteskranken gegen das Vorjahr um 2,2 Proz., von 117 199 auf 119 829 zugenommen, sodaß am 1. Januar 1905 in England auf 10 000 Einwohner 35,09 Geisteskranke kamen.

Der Sport im Vatikan. Aus Rom berichtet ein englischer Korrespondent: In auf­fallendem Gegenfatz zu seinem Vorgänger Leo XIII., der Sport und Athletik für eine ge­fährliche Neuerung hielt, will Pius X. den Va­tikan einer sporllichen Veranstaltung der jungen karholifchen athletischen Vereine im Oktober öff­nen. Es ist zu diesem Zwecke eine Kommission ernannt worden. Schon haben sich 300 Vereine für die Wettkämpfe gewettet. Die Reitschule der Nobelgarde wird in eine große Arena für gymnastische Spiele verwandelt werden, im Bel- vederehof werden die Bauspiele siattfinden, und in den vatikanischen Gärten werden Rad- und Fußrennen abgehalten. In jeder Abteilung wird

Vorsitz führte Pfarrer D. Hölscher, Pfarrer Ä. Cortes aus Hamburg referierte. Der Redner verstand unter Gemeindeorganisation die Um­bildung der Kirchengemeindm zu lebenskräftig« Organismen nach dem urchriftlichen Kanon de- allgemeinen Priestertums und ter Bruderliebe, die er für um so nötiger hielt, je mehr die Ge­meinden in der Auslösung begriffen sind und damit ih« einzelnen Glieder und die ganze evan­gelische Kirche lähmen. Der wachsende Ruf nach Gemeindeorganisation erschien ihm demnach als ein erfreulicher Beweis von gesunder Reaktion, Er warnte aber vor dem Enthusiasmus, ter txm äußerlicher Organisation alles Heil erwartet, tote auch vor dem Schematismus, der nur einerlei Organisation für alle Gemeinten kennt. Der an der Gemeinteorganisafton lebhaft interessier» ten Inneren Mission schulte die erstere Dank, weil sie ihr kräftig vorgearbeftet habe. Aber auch die Innere Mission müsse der Gemeindeorgani­sation dankbar sein, weil sie in dieser keine über­flüssige Konkurrenz zu befürchten habe, fontent eine nötige Entlastung begrüßen dürfe, wodurch sie freier werde für wichtige, schon von Wicher» ihr gewiesene, aber noch kaum in Angriff genom­mene Aufgaben.

Um dieselbe Zeit tourte im Saale des städti* ' schen Kaufhauses imter dem Vorsitze des Präsi­denten der Leipziger Handelskammer, Geh. Kom- nierzienrat Ztoeiniger, die Frage erörtert:93 i e ist dem Mißbrauch der gesetzlichen Sonntagsruhe zu steuern?" Sup. Schuster aus Oschersleben erblickte ht seinem Referate ten Mißbrauch ter gefetzlichen Sonn­tagsruhe, die in möglichst allen Lebensstellungen den vorzeitigen Kräfteverbrciuch hindern und der Entwickelung der sittlichen Persönlichkeit Raum schaffen soll, einerseits in einer falschen Benutzung der gewährten Ruhe seitens der RuheberechtigteN (Steigerung ter Genußsucht), andererseits ir einer Hinderung ter rechten Benutzung seiten! vieler Arbeitgeber und toeiter Kreise der Gesell schäft. Er empfahl zur Steuer des Mißbrauch! der Sonntagsruhe energischere Vertiefung in tef Quelle aller Kraft ter Persönlichkeit durch man- nigfaltigere Darbietung von Gottes Wort. Weh ter bedürfe es ter Pflege Leib und Seele er» qu ident er Volkserholungen und des Familien« sinns; ter Einführung einer gewissen Sonntags­ruhe auch im Schankbetriebe; der Kürzung bat Machtvollkommenheit ter ortspolizeilichen Ver­waltungsorgane in ihrer Befugnis, die Som» tagsgesetzgebung nicht nur für unvorhergesehem Momente, sondern auf längere Zeit außer Kraft zu setzen; ter furchtlosen Benutzung ter Press» zur Aufdeckung vorhandener Mißstände da, to- alle persönlichen Bemühungen um Abstellung vergebens waren, und zur Läuterung der An­schauungen über die Bedeutung der Sonntags-' ruhe überhaupt durch Klarlegung des<mgdi< schen Standpunktes; endlich ter Verlegung be£ Lohntages von Sonnabend auf einen andere« Tag ter Woche und der Beschaffung leicht zu be< nutzender Spargelegenheiten. . 4

- . V"

ein großer Preis ausgesetzt. Leo XIII. sagt« einmal zu einem Kardinal, der auf die Notwen­digkeit von Leibesübungen und Sport für junge Leute hiutoies:Es ist alles Unsinn. Unsere Vorfahren haben gut und lange ohne gym-» naslifche Ueoungen gelebt, und wir selbst haben« Gott sei Dank, keine Ursache, uns zu beklage». Wenn man die Kinder lehrt, Purzelbäume zu schlagen, so trägt man auch die Verantwortung, wenn sie sich den Hals brechen." Aber der jetzige Papst hat :,ii<er den sportliebenden Veneticmeru gelebt, zu einer Zeit, als die österreichische Re­gierung Leibesübungen zur Ausbildung ter Fu­gend für wesentlich hielt, und so sagt er:Die jungen Leute sollten den Sport lieben, er tut ihrem Körper und ihrer Seele gut. Man fühlt sich selber jung, wenn man sie laufen, springe» und sich belustigen sieht." So werden also di» großen Höfe und stattlichen Gärten ter prächtig­sten Residenz für die großen Wettkämpfe berge*' richtet und der Papst selbst wird ihnen beiwohn^ und den Gewinnern die Preise reichen. Er bot* zu der Gelegenheit 200 Gold- und Silbermedail­len prägen lassen und auch die verschiedenen fa-j tholischen Vereine werten viele wertvolle Preis» stiften. t

W i e der Kaiser französisch spricht.: Eine besondere Sorgfalt wird in unserem Kaiser-' Hause auf die Ausbildung der Prinzen in betil beiden Fremdsprachen Französisch und Englisch- gelegt, die sie schon vom fünften ober sechsteit- Jahre an von guten Lehrern aus den beireffenbeit' Ländern erlernen und später im Verkehr nut fremden Diplomaten und Fürftlichkeiten beständig üben. In einem Artikel derMonde Modernes über das deutsche Kaiserhaus, in dem im üfcri-, gen ziemlich viel Dienstbotenklatsch breiigctrete»? ist, sindet sich, lautNational-Zeitiing", folgen- des Geschichteten über die Gewandtheit, mit der der Kaiser heute das Französische spricht: Der französische Philosoph Jules Simon, ter sich im'