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Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Zoh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchdruckerei 40. Jahrg.

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Marburg

Sonnabend, 30. September 1905.

mit dem Kreisblatt für die Krerse Marburg und Kirchhain

Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonnlagsblatt.

D Der Aufenthalt, den der russische Minister Witte in Berlin genommen hat und seine Reise Zum Kaiser nach Roniinten stellen sich zweifellos als ein. dankenswertes Anzeichen verstärkter Su­ter Beziehungen zwischen Deutschland und dem russischen Reiche dar. Mag auch vielleicht das russische Geldbedürfnis einen der wesentlichsten Beweggründe für die Reise des Herrn Witte bilden, wie die Konferenzen mit Herrn v. Men­delssohn erkennen lassen, so ist dies doch ganz ge­wiß nicht die einzige Aufgabe- des erfolgreidjen russischen Staatsmannes gewesen. Er gehört zu den Männern, die am schärfsten Russlands wah­ren Gegner in aller Welt, nämlich: EnglaÄ», durchschaut haben, er ist besser als irgend ein anderer über die Ränke und Treibereien unter­richtet, die England nicht nur in Persien, sondern auch in Europa gegen Rußland angezettelt hat. Das. englische Abkommen mit Frankreich stellt sich jedenfalls in Wahrhest als das genaue Ge­genteil der russischen Pläne dar, wie Witte sie vertrat; und die englischen Versuche, Rußland in ein euglisch-französisches-russisches Bündnis hin­einzuziehen, sind in ihrer vollen Gsfährlichkeit

Daß diese Aussprache vielleicht zum Unglück führen konnte, bedachte er nicht, auch nicht, daß es besser sei, alles beim Alten zu lassen. Fast wie Fieber hatte es ihn gepackt; er konnte di« Zeit kaum erwarten, bis sie endlich herunter kam. Er sah, wie sie ängstlich juchend um sich blickt^ da trat er vor ... ,..,

deutliche Sprache, es doch wahr kämpfte mit ihrem ändertes Wesen! auf jeden Fall! ihnen ©eiben!

Ihre Augen redeten eine zu Ihn schwindelte so war dies schöne, stolze Mädchen Herzen; daher auch ihr ver- Jatzt mußte er sie sprechen

Es mußte klar sein zwischen

schwerlich von jemand besser verstanden als von Herrn v. Witte. Zugleich aber verkörpert Lieser auch für uns die Gegnerschaft gegen jene russische Politik, die es in früherer Zeit fertiggebracht hatte, zwischen Rußland und Deutschland 'einen Gegensatz zu schaffen, der oft genug das Schick­sal beider Reiche bis zur Messerscheide verschärft hatte.

Man wird dies in seinem vollen Werte erst bann recht würdigen können, wenn man versteht, daß in, Rußland die Gegner einer vernünftigen Heranziehung des Volkes zur Mitbestimmung an seinen politischen Geschicken, d. h. also die Ver­teidiger der alten verrotteten absolutistischen Beamtewvirtschaft, zugleich die leidenschaftlichsten Vertreter des Panslavismus und Anhänger Kat­kows oder mindestens Aksakows sind. Während aber das russische Reich noch in den Zuckungen des letzten Krieges liegt, empfinden diese Kreise bereits wieder das Bedürfnis, Rußland in neue Abenteuer am Balkan zu stürzen und dort ein russisch-slavisches Bündnis ins Leben zu rufen, welches die durch das russisch-österreichische Ein­vernehmen, ins Werk gesetzte Reformpolitik tote­rer vollkommen in Frage stellte, denn sie fordern nichts geringeres als die Loslösung Rußlands von der seiner Zeit in Mürzsteg zwischen Oester- reich und Rußland getroffenen Vereinbarung und eine auf eigene Faust durchzuführende russische Balkanpolitik. Zum Glück finden diese allen innerpolitischen Anforderungen schnurstracks zu­widerlaufenden Bestrebungen an der maßgeben­den Stelle nicht die geringste Beachtung; denn selbst Wittes Gegenfüßler Lamsdorff erscheint fest entschlossen, die Politik zu verfolgen, die er in Mürzsteg mit dem Kaiser Von Oesterreich und in Uebereinstimmung mit den europäischen Mäch­ten festgelegt hat. Rußland hat hierzu wahrlich umsomehr Grund als eine selbständige russische Balkanpolitik es in die Lage brachte, gegen mehrere europäische Mächte gleichzeitig kämpfen zu müssen. Aber eben hier liegt das Geheimnis zu jenen panflavisfischeu Torheiten. Die Spatzen pfeifen es in Petersburg wie in Paris und Ber­lin von den Dächern, daß englische Ränkestister auch hierbei insofern die Hand im Spiele haben, als man Rußland englischerseits Aussichten auf Konstantinopel eröffnet hat. England braucht einen europäischen Weltbrand und Europa braucht diesen eben ganz gewißlich nicht. Das ist. Tag für Tag, der letzte Schlüssel zu allen hochernsten außerpolitischen Fragen.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. September.

i1 Same Majestät der Kaiser hat bisher im Forstrevier Rominten acht Hirsche erlegt. Voraussichtlich wird der Kaiser am 7. Oktober von Rominten aus feinem Grenadier-Regiment Nr. 3 in Königsberg einen Besuch abstatten.

Der Reichstag wird, wie jetzt end- giltig bestimmt fein soll, etwa Mitte No­vember einberufen werden. Dem Bundes-

zu betören nicht wahr, es ist so? Deine letzten Briefe waren fo seltsam zerstreut und gezwungen, daß mir dieser Verdacht kommen mußte. Nun bitte ich Dich, Gertrud, mein stolzes Mädchen, gieb mir Wahrheit was es auch fei nur nicht diese quälende llnge- wißheit länger ertragen! Liebst Du mich noch? Gertrud, sei offen und ehrlich, tote Du es bis­her warst! Du bist mir das Liebste aus der Welt, mein alles! Das weißt Du ja, darum habe Mitleid mit mir! Bist Du mir treu auch in Gedanken treu geblieben? Und wenn ich Unrecht mit meinen Befürchtungen habe, fo bergieb mir, Gertrud, daß ich Dich gekränkt! Bedenke, daß ich Dich über alles liebe, daß ich aus der Oual meines Herzens heraus geschrie­ben habe, daß ich ben Gedanken nicht ausden­ken kann, ich sollte Dich verlieren. Du wärest nicht mehr mein--

Erlöse mich aus diesem Zwiespalt, mein geliebtes Mädchen und schreibe!

In heißer, unveränderter Liebe '

Neueße Telegramme.

' . Berlin, 29. Sept. Aus Anlaß der diesjäh- jrtgenGroßen Berliner Kunstausstellung" ist die goldene Medaille für Kunst dem Bildhauer Ar­thur Lewin-Funcke in Charlottenbnrg, dem Bild­hauer Eduard Beyrer in München, dem Maler Professor Hermann Schaper in Hannover, dem Maler Moritz Roebbecke in Berlin, dem Maler Ferdinand Schmutzer in Wien und Professor Skarbina in Berlin verliehen worden.

Baden-Baden, 28. Sept. Der italienische Mi- riister des Auswärtigen Tittoni hat heute dem Reichskanzler Fürsten Bülow einen Besuch abge­leitet. Es handelt sich dabei nicht um die Er- Lrieruitg einer besonderen Frage, sondern um allgemeine Aussprache, wie sie schon öfter zwischen den befreundeten Staatsmännern stattgefunben hat.

Wien, 29. Sept. Gras Goluchowski und Fejervary wurden gestern mittags 1 Uhr in ge- meinsamer Audienz vom Kaiser empfangen, welche bis 3^2 Uhr dauerte; nach derselben erlflärte Feicrvary, daß er heute abreisen und andere außerhalb der Koalition stehende Politiker zum Kaiser Berufen werde. Man glaubt, daß Feser- bart) die gewünschten Vollmachten ttichi erhalten und nunmehr Gras Khuen oder Szell zur Kabi­nettsbildung berufen werden.

Paris, 28. Sept. Die Verhandlungen zwi- fchen Dr. Rosen und Rovoil sind heute Nachmittag endlich zum Abschluß gekommen und dos auf das ^Programm der internationalen Marokkokonferenz bezügliche deutsch-französische Abkommen yt fo» eben vom Ministerpräsidenten und dem deutschen Botschafter unterzeichnet worden.

Dein Ferdinand.

In fliegender Bast faltete Albrecht das ©rief- blatt zusammen; wie Schuppen fiel es von seinen Augen was er geahnt, vermutet, gefühlt hatte hier las er es deutlich schwarz auf weiß! Gertrud liebte ihren Verlobten nicht mehr; sie liebte einen anderen, und dieser andere war er mußte er fein.

W 'Nachdruck verboten.js

Das neue Fräulein.

Original»Noma« von Fr. Lehne.

< Fortsetzung.)

' Zwei Tage später bekam sie mit der Abend« post einen Brief von Ferdinand. Beim Lesen desselben erblaßte sie und steckte ihn eilig in die Tasche, als sie Jemand kommen horte. Es war Frau Teichmann, die sie mit einem Auftrag nach oben schickte. Sie war im Gespräch mit War- bürg begriffen, der gerade gekommen war. Freundlich grüßte er sie und blickte ihr nach. Da sah er ein Blatt Papier aus ihrer Tasche fliegen, als sie das Taschentuch herausnahm. Glücklicher- weise war Frau Teichmann in diesem Augenblick im Laden beschäftigt, und er konnte das ©rief« blatt, ohne daß sie es sah, aufnehmen. Nachdem er einen Blick darauf geworfen, konnte er es sich xicht versagen, zu lesen, was da in charakteristi­schen Zügen geschrieben war. Er las:

Meine geliebte Gertrud!

Länger kann ich nicht schweigen ich muß sie aussprechen, die Befürchtung, daß Du mich nicht mehr liebst. Längst schon las ich aus Deinen Zeilen, daß etwas Fremdes, Trennen­des zwilchen uns getreten ist. Ich kann in Deiner Seele nicht mehr tote sonst lesen Tu verbirgst mir etwas! Bei meinem Besuche jüngst habe ich gesehen, wie Deine Stellung es mit sich bringt, daß Du mit vielen Herren in Berührung kommst und gerade mit solchen, die es verstehen, jungen Mädchen ben Kopf zu verdrehen. Mit schwerem Herzen reiste ich ab, Winter den Gedanken mit mir herumtragend, ob meine Gertrud doch nicht ganz gefeit gegen .Versuchungen ist! Kind, Du keimst das Leben itcht so, tote ich es kenne! Du bist zu rein und unerfahren, um zu verstehen zu schön, um unbeachtet zu bleiben.--Und sicher hat es

da Einer berftanben, Dein leichtgläubiges Herz *

tat, dessen Zusammentritt in der nächsten Woche bestätigt wird, soll die Vorlage des Reichsschatz, amts über die Reichsfinanzreform in den nächsten Tagen bereits zugehen.

Trotz der wachsenden Mehreinnahmen aus der Branntwein-, Zucker- und Stempelsteuer wird der Voranschlag für den Reichsetat von 19 0 6, tote demTag" mitgeteilt wird, mit einem starken Defizit bezto. mit einer starken Vermehrung ungedeckter Matrikularbei- träge abschlichen.

Bei der gestern im Stadt- und Landkreise Essen erfolgten Reichstags st ich- wähl wurden insgesamt 80 105 Stimmen abge­geben. Von diesen entfielen auf Arbeitersekretär Johann Giesberts (Ztr.) 42 047, auf Redakteur Wilhelm Gewehr (Sozdem.) 38 085 Stimmen. Giesberts ist also, wie zu erwarten war, gewählt worden.

Während das gesetzgeberische Pensum, das der Reichstag irr seiner nächsten Tagung zu er- ledigen haben wird, im großen und ganzen feft- steht, wenngleich die endgültigen Beschlüsse über die Einzelheiten auch noch ausstehen, ist die Reche der Gesetzesvorlagen, die in der nächsten Session dem preußischen Landtage unter br eitet werden sol­len, nicht genau zu übersehen. Jedoch wird man wohl, wie schon mitgeteiü, in der Annahme nicht fehl gehen, daß auf diesem Gebiete demnächst die Entsck-eidung gefällt werden wird, auch weil sich eine Rücksichtnahme der gesetzgeberischen Disposi- tiouen für das Reich und für Preußen aufein« ander aus beiderseitigem Interesse Mivfiehü. Die nächste Entscheidung in dieser Hinsicht wird das Schulunterhaltungsgesetz betreffen, über dessen Vorbereitungen das Notige bereits früher er- wähnt ist. Zu den größeren Entwürfen, die ferner schon seit einiger Zeit in Vorbereitung sind, zählen die Novelle zum Einkommensteuergesetz, die Novelle zum Berggesetz und der Wohuungsgesetzentwurs. Was die elftere Novelle betrifft, fo sind ihre Grundzüge vom Finanzminister im Abgeordneten- Hause so eingehend bargelegt worden, daß bei ihrer Einbringung im Parlamente eine Ueberraschung kaum herauskominen dürfte. In der Novelle zum Berggesetz werden die verschiedensten, in neuester wie älterer Zeit aufgetauchten berechtig­ten Wünsche ihre Berücksichtigung finden. Heber manche Einzelheiten hat sich der Handelsminifter bereits geäußert. Der Wobnungsgesetzentwurf schließlich war vor geraumer Zeit imStaatsan­zeiger" im Wortlaut mit ausführlicher Begrün­dung veröffentlicht ivorden. Auf Grund der Be­gutachtung, die er von den zuständigen behörd­lichen Stellen und in der Oesfentlichkeit erfahren hat, ist er einer nochmaligen Umarbeitung unter­zogen. Auch verschiedene Heinere Entwürfe sind in Vorbereitung begriffen, fo Gesetzentwürfe über die von Preußen mit anderen Staaten ge- schlossenen Lotterieverträge, eine Novelle zum Polizeikostengesetz, ein Entwurf, durch welchen die Beschädigung der Fißberei durch Strom»

ich habe gefunden, was Sie suchen, Ger- trüb," sagte er hastig.

Sie erblaßte.O, geben Sie mir," bot sie, bie Hand ausjtreckenb.

Er ergriff bieselbe und drückte sie.Nicht jetzt, Gertrud, nachher in einer Stunde!"

Warum? O das ist das ist" sie bebte vor Erregung.

Nein, Gertrud, ich muß Sie erst sprechen, machen Sie es möglich; ich erwarte Sie!"

Und in ihrer Herzensangst machte sie es mög­lich; sie war früher da als er und stand wie auf Kohlen in dem kleinen dunklen Hof. Hatte er den Brief gelesen? O, es schien so, seinem for- schenden Blick nach zu urteilen. Das Herz schlug ihr bis an ben Hals was sollte sie tun? Sie schämte sich in ihre stolze Seele hinein, daß sie wie ein Dienstmädchen, das auf den Schatz wartet, hier stand. Und doch tat sie es weil er es ver- langte wenn auch ihr Stolz aus tausend Wun- den blutete.

Ich ließ Sie warten, Gertrud," schlug es da mft gedämpfter Stimme an ihr Ohr, seien Sie mir nicht böse darum."

Geben Sie mir schnell den Brief," flehte sie.

Ja, aber nicht, ehe Sie mir 'ein paar Fragen beantwortet haben!"

Sie richtete sich hoch auf und maß ihn mft stolzem ©lick.Ich gehe sofort, wenn Sie mir nicht auf der Stelle den Brief geben! Was er­lauben Sie sich?"

Gertrud, nicht so," bat er,hören Sie mich an! Ich will Ihnen gestehen, daß ich den Brief gelesen habe"

Sie zuckte zusammeno, das ist infam," ffieß sie da erregt hervor.

Mädchen!" er faßte sie so fest um dos feine Handgelenk, daß es sie schmerzteGertrud, Sie vergessen sich! Jedem anderen hätte ich einen gefundenen Brief sofort zurückgegeben ungelesen! Doch einen ©rief mit bir lieber- fdjriftGeliebte Gertrud!" nicht," sagt« er streng; bann fügte er in ganz anderem weichen.

Regulierungen verhindert und fiicLjereitoiffcn* schastliche Stationen errichtet werden sollen u. a. Sie alle könnten wohl vorgelegt werden. In» dessen wird zunächst die Frage des Beginns bet nächsten Landtagstagung zur Entscheidung ge» bracht werden müssen, ehe an eine Beschlußfassung über den Umfang beS Kreises der vorzulegende« gesetzgeberischen Arbeiten gedacht werben kann.

s,. ---- . .

Deutsche Kolonien.

Ostafrika. Nach einer Meldung des Gou­verneurs Graf Götzen aus Dar-es-Salaam liegen Nachrichten über eine weitere AuSbreitug des Aufstandes nickt vor. Das Bezirksamt Lindi meldet ein Abflauen der Bewegung. Ja den Matumbi-Bergen dauert der Kleinkrieg noch an, dagegen liefern im Bezirke Mohoro unterworfene Ausständige zahlreiche Gewehre ab. Langenburg erscheint nicht unmittelbar ge­fährdet, da Leutnant Klinghardt von dort mit 50 Mann auf Songea marschiert ist. Die Marinedetachements besetzten Liwale, das Hinterland von Lindi, die Matumbiberge, Mohora und Morogoro. Dem in Dar-es-Salaam von Ostafien eingetroffenen KreuzerThetis" wird am 2. Oktober derSeeadler" folgen. Der Befehl über die ostafrikanischen Seestreit­kräfte ist jetzt an den Fregattenkapitän Glatzck übergegangen.

Ausland.

Rußland. Während Witte überall im Auslande gefeiert worden ist, worüber die rufst- schen Zeitungen mit peinlicher Ausführlichkeit berichteten, machte Petersburg gar keine An­stalten» Witte einen ihm gebührenden Empfang zu bereiten. Im Gegenteil: vor einigen Tage« unterbreitete der bekannte Fürst Meschtscherskij der Petersburger Duma ein Gesuch, worin auf die Notwendigkeit eines festlichen Empfanges für Witte hingewiesen wird, dies Projekt wurdo aber glatt abgelehnt. Auch sonst verspürt man in den höchsten russischen Kreisen eine gewisse Abneigung gegen Witte, die allerdings zum Teil seiner Gemahlin, die geborene Jüdin ist, gilt, und in der Umgebung des Zaren wird fleißig daran gearbeitet, daß Witte nicht mehr bekommt, als unumgänglich ist. So wurde dagegen heftig protestiett, daß Witte in de» Erafenstand erhoben werden soll, selbst gegen die Verleihung des höchsten russischen OrdenS Andrej Perwoswannhj mit Brillanten werden Stimmen laut. Die Stockruffen sind besonders schlecht auf Witte zu sprechen, da er versprochen hat, seinen ganzen Einfluß dazu zu verwende«, das Los der russischen Juden zu mildern bezw. die jüdische Frage in Rußland in günstigem Sinne zu lösen. Aber eS gibt momentan noch

unwiderstehlichen Tone hinzu, während er seine Augen fest auf ihr blasses Gesicht heftete, das so deutlich ihre inneren Kämpfe zeigteGer­trud, nun frage ich Sie: hat Ihr Verlobter em Recht zu diesem Briefe?"

In stiller Verzweiflung blickte sie, ohne yt antworten, vor sich nieder.

Nun, Gertrud, warum antworten Sie ntfaj nicht?" fragte er eindringlich.

Sie hob den Kopf; als ihr Auge dem feinige« begegnete, das heiß auf ihr ruhte, rang sich ei» tiefer Seufzer von ihren Lippen.Was frage» Sie!" entgegnete sie mft halb erstickter (stimme.

Da legte er feinen Arm um ihre Schulter unö zog sie fest an sich. Dicht an ihrem Ohre flüsterte er:Warum ich frage? Mädchen, ahnst Du denn nicht, baß ich Dich liebe, daß nur Eifer­sucht, nur der blanke Neid mich so taktlos werbe« ließen? Ich mußte sehen, was Ihr Euch yt sagen habt! Unb nun ich seinen ©rief gelefen* weiß ich auch, wie es in Dir aussieht weiß idx daß Du gegen bie Liebe zu mir ankämpfst mir Deinem stolzen, trotzigen Herzen, leugne e3 doch! sag nein, Du liebst mich nicht, bann lasse ich Dich!" r, c

Willenlos, tote in einem Bann befangen, stand, sie da sie rührte sich nicht.

Du sagst nichts? Gertrud, liebes süßes Mädchen, sieh mich doch an!"

Er hob ihr Kinn in die Hohe und zwang sie, ihn anzusehen.Trude, Mädchen, hast Du mich lieb?" Ein langer, selbstvergessender Blick gab ihm bie Antwort; sie ließ ihren Kopf an feilt? Schulter sinken, unb aus dieser einen Bewegung sah er, daß sie sein war. Mit einem halb unter­drückten Jubelruf preßte er sie da an sich und be­deckte ihr Gesicht mit einer Flut von Küssen. Mädckten, süßes, Traum meiner Nächte, hab' ich Dich endlich? Hab' ich endlich. Dein stolzes Herz bezwungen o Du, Du Einzige!" flüsterte er leidenschaftlich dazwischen.

------ - (Fortsetzung folgt.)