Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
! JVs. 225
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JnsertionZgebühr: die gespaltene ZeUe über deren Raum 10 Pfg.
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Marburg
Sonntag, 24. September 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck unb Verlag/ Iah. Aug. Koch, UniberfitätS-Buchdrucker« Marburg, Markt 21. — Telephon öd.
40. Jahkg.
Zweites Blatt.
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Neueste Telegramme.
r Berlin, 22. Sept. Ein Telegramm aus Buea '(Kamerun) meldet: Oberleutnant Martin Sandirock, geb. am 2. Januar 1870 zu Neumarkt, früher im Infanterie-Regiment Nr. 154, wurde am 21. August in einem Gefechte schwerverwun- dct und ist am 6. September in Massanga der Verwundung erlegen.
Berlin, 23. Sept. Für die Wiederbesetzung -es durch Ableben des Wirkl. Gch. Rats Loh. mann verwaisten Postens eines Unterstaatssekretärs im Ministerium für Handel und Gewerbe kommen in erster Linie zwei verdiente Beamte dieses Ressorts in Betracht, die Wirkl. Geh. Ober- ^egierungsräte v. d. Hagen und Neuhaus. In sonst unterrichteten Kreisen glaubt man, letzteren als Nachfolger des Herrn Lohmann bezeichnen zu können.
Darmstadt, 23. Sept. Wie es heißt, will Staatsminister Rothe demissionieren. Sein Nach- folger wird voraussichtlich Justizrat Gutfleisch, Landtagsabgeordneter für Gießen, werden.
; Jena, 22. Sept. Der sozialdemokratische Parteitag nahm heute nach sehr langer und hef. tiger Debatte mit allen gegen zehn Stimmen den Antrag Bebels an, gegebenenfalls einen politi- scheu .Massenstreik vorzunehmen.
Wien, 23. Sept. Die für heute zur Audienz berufenen Führer der ungarischen Koalitions- Parteien sind hier eingetroffen und zu einer Kon- serenz zusammengetreten, welche eine vollständige Uebereinstimmnng der Anschauungen der Parteiführer ergab.
Riga, 22. Sept. Die Mordtaten in Riga und Umgebung nehmen einen bedenklichen Umfang an. Gestern wurden auf zwei Direktoren der Anilinfabrik mehrere Schüsse abgegeben. Der Kutscher der beiden Direktoren wurde getötet, die Direktoren selbst blieben unverletzt. Die Attentäter sind entflohen. In der Umgebung von Riga wurde gestern ein Ehepaar ermordet und ein russischer Priester erschossen.
Konstantinopel, 21. Sept. Täglich finden überaus zahlreiche Verhaftungen und Haussuchungen statt, bei denen eine große Anzahl Druckschriften und Korrespondenzen gefunden wurden. Dieselben sollen das Bestehen einer weitverzweigten Verschwörung erweisen.
Zur Fkeischteuernng
wird itns von einem Frankfurter Leser in einem dritten Briefe geschrieben: Ein Mangel an Fleisch oder Fleischwaren aller Art ist auch bis setzt hier nicht zu verspüren, überall in allen Stadtteilen kann man seinen Bedarf erhalten und nach jeder Richtung hin nach Wunsch in Bezug auf Güte wie auf Menge. Von einer Fleisch- n o t kann also auch jetzt nicht geredet werden, wer von einer fold^en spricht oder schreibt, der übertreibt unter allen Umständen.
Auch die Erregung der städtischen Bevölkerung über die angebliche Fleischnot ist in der Hauptsache eine künstliche, eine gemachte und durchaus nicht eine durch die Sache selbst hervorgerufene. Die Blätter, und vorzugsweise die der äußersten
Zur Schulgeschichte in Hessen.
Diehl, D. Dr. Wilhelm, ev. Pfarrer zu Hirschhorn am Neckar. Die Schulordnungen des Großherzogtums Hessen. 3 Bände. Berlin.
' A. Hofmann & Comp. 1903. 1905 (Monu- menta Germaniae Paedagoglca 27. 28. 33).
Wilhelm Diehls groß angelegtes Werk über >Die Lchulordnungen des Großherzogtums Hessen" hat mit dem dritten Bande nunmehr seinen Abschluß erreicht. Boten die beiden ersten Wände „die höheren Schulen", so behandelt der eben erschietrene dritte Band „das Volksschul- wesen" im selben Gebiet und im gleichen Zett- tonnte. Denn der Generaltitel könnte irre führen. Nicht mit dem Großherzotum Hessen im eigentlichen Sinne des Wortes hat es Diehl zu tun, sondern mit der diesem voraufgehenden Landgraffchaft Hessen-Darmskadt, die mit Phi- lipps des Großmütigen jüngstem Sohne Georg I. 1507 ihren Anfang nimmt und sich 1806 in das heutige Großberzogtum Hessen verwatrdelt hat. Die Anlage des Werkes ist überaus klar und diirchsichrig; Diehl gibt beidemäle zunächst die wichtigsten llrknnden zur hessischen Schulgeschichte; sodann Texterläuterungen zu diesen Urkunden, die ihr Studium auch dem minder kundigen Leser erleichtern, und endlich eine flüssige und flott ge- Phriebene Darstellung der Schulentwicklung selbst. Diese letztere will zwar nur eine Skizze sein, scheut sich aber gleichwohl nicht, in Anbetracht, daß es
Linken haben sie durch die tägliche und ununter, brochene Bearbeitung der Bevölkerung hervorge- rufen. Vielfach war dies ja auch der Zweck der ganzen Bewegung, Stimmung gegen den Grenzschutz zu machen. Leider glaubten auch Blätter, von denen man cs ihrer ganzen Haltung nach nicht erwartete, die Sache mit Rücksicht auf ihre städtischen Leser mitmaöben zu müssen. Fragt man nun aber den Einzelnen den Bürger, den Einwohner, auch dcit Arbeiter der Großstadt unter sich etwa, was verspüren Sie von der Fletsch not? Haben Sie unter der Fleisch not zu leiden? Lassen Sie bis jetzt eine Einschränkung int Fleischverbrauch Ihrer Familie eintreten und inwieweit? so erhält man in der Regel mir/ein Lächeln zur Antwort und höchstens noch eine Bemerkung, die das Lächeln dahin erläutert, daß er der Fleisch n o terregung, die in einem Teil der Blätter tagtäglich behandelt und aufgebauscht wird, durchaus keine Bedeutung beilegt. Das ist überhaupt die Ansicht des weitaus größten Teils der einsichtigen Bürger der Stadt. Von einer Unterernährung, von einem Rückgang des Ernährungszustandes der Bevölkerung kann gar keine Rede sein. Auch die Bo schlösse in den Stadtverordnetenversammlungen wiegen durchaus nicht so schwer, wie manche glauben. Mait muß nur mit den Herren im Einzelnen reden. Das Zustandekommen der Mehrheiten muß von einer anderen Seite betrachtet werden.
Zur Zeit ist das Ochsen- und Rindfleisch hier etwa um 5 P f e n n i g höher im Preis wie sonst und das Schweinefleisch um 15 Pfennig das Pfund. In den Orten der Umgebung von Frankfurt, wie Vilbel, Hofheim und anderen, kostet das Schweinefleis auch jetzt 7 5 P f g., also 20 Pfg. weniger wie in Frankfurt, trotzdem die Metzger dieser Orte ihren Bedarf an Mastschweinen zumeist auf dem Viehmarkte in Frankfurt a. M. decken bezw. ankaufen. Sie haben also zum Einkaufspreis noch die Beiörde- rungskosten auf der Achse oder Bahn nach dem Wohnorte und unter Umständen auch An- und Abfuhrkostetr zuzuschlaggcn. Diese dürsten den Schlachthausgebühren der Großstadt annähernd gleichkommen, und dennoch verkaufen die Metzger in der Umgebung um 20 Pfg. billiger! Ein Schweine-Großhändler bemerkte hier vor wenigen Tagen auf dse Frage, tvie es mit der Fleisch- n o t stehe „Ach was, Fleischnot, es sind Schweine genug tkv, sie sind nur teuer; sie waren ja auch schon billig, warum sollen sie nicht auch einmal teuer werden, gönnt doch den Bauen: auch einmal etwas". Der Mann hatte recht. — Uebrigens fangen die Preise für Fettschweine bereits an mehreren Stellen und Gegenden an, etwas nachzulassen, der Preisrückgang wird bald ein allgemeiner sein und auf diese letzten monatlichen hohen Preise werden mit Sicherheit wieder sehr niedrige Schweinepreise folgen und längere Zeit anhalten. Der LanAvirt wird baild wieder zu so niedrigen Preisen verkaufen müssen, daß Futter, Mühe und Arbeit kaum belohnt werden und von einem Verdienst nicht die Rede sein kann, trotz Arbeit von früh bis spät. Solche Zeiten müßten die größten Schreier und Hetzer in der so anfgebauschtcn Fleischnotsache einmal auf dem Lande und auf eigene Rechnung und Verantwortung mit durchmachen. Erst dann Knuten sie in der Sache urteilen und das Urteil würde dann sicher ganz anders, aber auch viel ruhiger ausfallen. —
sonst kein brauchbares Buch über den gleichen Gegenstand gibt, zuweilen breitere Formen anzu- nehmen.
Ueber die grundlegende Bedeutung und den allgemeinen wissenschaftlichen Wert des Werkes wird sich die historische und pädagogische Fachpresse mit gebührender Anerkenuug aussprechen. Hier kommt es mir nur darauf an, ähnlich wie bei der Besprechung des ersten Bandes (vgl. Oberhess. Zeitung 1903 Nr. 284), nachzuweisen, wie stark auch das Marburger Lokalinteresse bei diesem dem darmstädtischen Bruderstaafe gewidmeten Werke beteiligt ist. Die Entwickelung des hessischen-darmstädfischen Schulwesens fällt näm- lich gerade in jene Jahrzehnte, da das Gebiet Ludwigs IV., d. h. Marburg rmd Gießen, von Gaffel und Darmstadt aus heiß umstritten wurde und speziell Marburg rasch hintereinander bald dieser bald jener Linie zugehörte und sich dementsprechend einen raschen Wechsel in seinen kirchlichen und wissenschaftlichen Verhältnissen gefallen lassen mußte. Tie von Landgraf Moritz samt dem Pädagogium vor kurzem erst kalvinifierte Universität wurde damals lutheranisiert und die neuen Marburger Universitätsstatuten übten auch in pädagogischer Hinsicht einen solchen Einfluß aus, daß man seit diesem Jahre von einer plan- mäßigen Reform des gesamten höheren Schul- wesens in Hessen - Darmstadt sprechen kann. Diese enge Berührung mit den annektierten ober- hessischen Landestcilen und die Rücksichtnahme auf die in ihnen obwaltenden Verhältnisse hat in das darmstädtische Schulwesen eine Betvegung
Tie Unruhen in Rußland.
Warschau, 22. Sept. Heute mittag schleuderte im sächsischen Garten ein unbekannter junger Mann eine Bombe. Durch die Explosion wurden eine Anzahl Gebäude leicht beschädigt und viele Scheiben zertrümmert. Der Täter wurde durch Bembenbruchstücke schwer am Kopfe verletzt. — Ein anderes Bombenattentat wurde gegen das Bankgeschäft Scheneschewski auSgeübt, dessen Besitzer es ablehnte, eine Beisteuer _ für soziale Zwecke zu zahlen. Die Bombe erreichte nur den Balkon des Geschäfts.
Warschau, 22. Sept. Der Urheber des heutigen Bombenanschlages im sächsischen Garten hat selbst Verwundungen davongetragen und ist festaenommen worden.
Helsingfors, 22. Sept. Gestern Abend 9y2 Uhr fand in Wasa im Marienpark eine heftige Bombencxplosion statt, die in der Stadt und Umgebung gehört wurde. In dem in der Nahe befindlichen Gouvernementsgebäude wurden 55 Fensterscheiben zertrümmert. Die Bombe war anscheinend mit Dynamit gefüllt. Menschen sind nicht verletzt. Der Täter ist unbekannt.
Baku, 22. Sept. Rach Angaben des persischen Konsuls wurden 15000 persische Arbeiter aus Baku ausgewiesen. Die Ausweisung einer gleichen Anzahl steht noch bevor. Auch russische und rumänische Arbeiter reisen in großer Anzahl ab. Wiederaufnahme der Arbeiten in den Naphta- werken wird wahrscheinlich durch Mangel an Arbeitern sehr erschwert werden.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Sept.
— Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind mit der Prinzessin-Tochter Viktoria Luise gestern Freitag Vormittag zum alljährlichen Aufenthalt in Rominten eingetroffen. Zum Empfang war der Landrat des Amts Goldap, v. Bey, erschienen. Zwei Mädchen überreichten der Kaiserin unb der Prinzessin Blumensträuße. Unter dem Jubel des aus der ganzen Umgegend zusammengeströmten Publi- kums fuhren sodann die Majestäten und die Prin. zessin durch die reichgefchmückte Dorfstraße, an der die Schule von Groß-Rominten Spalier bildete nach dem Jagdschloß Rominten. Der Kaiser wird nach Beendigung seines Romintener Aufenthaltes zu einem kurzen Besuch bei der Leib» husarenbrigade in Danzig-Langfuhr erwartet.
— In Essen wurde vom 17.—19. September bet 9. christlich, soziale Parteitag abgehalten, lieber 140 Delegierte aus allen Gauen des Vaterlandes waren erschienen. Sonntag Vormittag 11 Uhr eröffnete Parteisekretär Dr. Burkhardt die Tagung mit einem Vortrage über das Thema: Liberalismus, Sozialdemokratie und christlicher Sozialismus. Abends 8 Uhr fand großer Begrüßungsabend statt, der von über 2000 Personen besucht war. Mit stürmischem Jubel wurde D. Stöcker begrüßt, der die Hauptrede hielt. Nach ihm sprachen Pfarrer Hasse (Essen), Liz. Weber (M.-Gladbach) und noch mehrere Deelgierte aus Hessen, Pfarrer Bernbeck (Okarben) für Hessen-Darmstadt, Buch- Händler Sonnenschein von Marburg für Kur- Hessen und Redakteur Schmidt von Herborn für Nassau. Bei gemeinsamen Gesängen, Vorträgen
gebracht, die erst allmählich wieder in ein ruhigeres Tempo überging.
Das gilt nicht am wenigsten auch von den darmstäbtischen Volksschulen. Unter Georg I. hatte bereits der Superintendent Joh. AngeluS das Heine Land, das nur aus der oberen Grafschaft Katzenellenbogcn bestand, mit einem Netz von Volksschulen überzogen. Im Zusammen- hange mit der damals sich fest einbürgernden Konfirmation gelang es, den Schulzwang durchzu- führen. Ter Volksschullehrer, ein junger Theologe, dem später das Pfarramt winkte, war finanziell so gestellt, daß er keine Nebenbeschäftigung zu haben brauchte. Meßner- und Glöcknerdienst waren von der Schulmeisterei streng getrennt, wohl aber wurde der Lehrer angehalten, in feinem eigentlichen Berufe um so treuer seinen Pflichten nachzukommen. Bei den kleinen Verhältnissen war es dem Landgrafen möglich, aus eigenen Mitteln die Schulstellen hinreichend zu subventionieren.
Weit größer hingegen waren die Schwierigkeiten gewesen, mit denen die Landgrafen von Marburg und Cassel zu kämpfen hatten. Sollte die Volksschule zur allgemeinen Regel und festen Einrichtung werden, so mußte man vielfach ein Auge zudrücken. Es ging nicht an, den Lehrer durchweg so zu stellen, daß er von seinem Lehr- beruf leben konnte. Die Vereinigung von Glöcknerdienst und Lehramt bürgerte sich vielfach ein; viele Orte begnügten sich mit einer Winterschule; die schwächsten Individuen mußten herangezogen werden, um den Lehrerbedarf zu decken.
eines Männerchors und eines PosaunenchorD nahm der Abend einen sehr schönen Verlauf- Montag, den 18. eröffnete D. Stöcker morgen- 9 Uhr die geschäftlichen Verhandlungen. Zunächst erstattete Dr. Burckhardt den Jahres- uni Kassenbericht, hieran schloß sich die Besprechung verschiedener Anträge feilens der Ortsgruppe» Nachmittags 3 Uhr referierte Hauptmann a. D. Kluge (Köln) über Gemeindepolitik. Nach lebhafter Besprechung einigte man sich zu folgend« Resolution: Der Parteitag empfiehtt allen cbrist« lich-sozialen Ortsgruppen außerhalb der Wahlzeit der Kommunalpolitik gebührende Rücksicht zuzuwenden. Ohne daß Parteipolitik in die örtlichen Verhältnisfe hineingetragen werden, empfiehlt sich eine erhöhte Beachtung sozialer Grund» fätze. Zur Aufstellung eines Kommunalprogramms wählte der Parteitag eine Kommission von 7 Mitglieder. Hierauf sprach Stadtverordneter Kaufmann Jansen (Barmen) über Mittel« standspolitik. Nach gründlicher Aussprache über das Thema kam man zu einer längeren Resolution: Die christlich-soziale Partei erstrebt auf dem Grunde des Christenfilms und der Vaterlandsliebe die Sammlung ter von christlich-sozialem Geist beseelten Volkskreise aller Schichten uni Stände. Zu einer gefunden Schichtung deß Volkslebens ist ein starker Mittelstand unerläh- li.ch Die christlich-soziale Partei fordert daher; weitere Ausgestalfimg der Innungen und Handwerkskammern, Sicherung der Forderungen t« Bauhandwerker, weitere Einschränkung der Gefängnisarbeit, wirksame Erweiterung des Go- fetzes gegen unlauteren Wettbewerb, progressivst Umsatzsteuer, keine steuerliche Bevorzugung bee Konsumvereine. Von der Verwaltung keine Bevorzugung der großen Unternehmer vor den kleinen Handwerkern und Gewerbetreibenden. Vom Publikum Fernhaltung von den kapitalistisch ein, gerichteten Warenhäusern und pünktliche Zahlung der Forderungen der Handwerker und Laden» inhaber. Dienstag Abend 8 Uhr war die Schluß- Versammlung. in der nach Besprechung ein« Reihe PaPteiangelggenheiten D. Stöcker gegen 11 Uhr in längerer Rede Gegenwart und Zukunft von hoher Warte ans belellchtete nut dem Schlüsse: nicht große Mengen geben den Ausschlag, sondern Persönlichkeiten und christtiche Persönlichkeiten sind es, die unser Volk braucht.
— Ueber das Ansiedlungswerk in der Ostmark veröffentlicht der stellvertretends Vorsitzende des Bundes der Landwirte Lucke im „Tag" einen Artikel, bei ohne Zweifel viel Beachtung finden wirb. Seine Ausführungen! gipfeln in folgenden Schlußsätzen: „Darum ist es wünschenswert, daß die Gutswirtschasten auf ein Maß von höchstens 300 bis 400 Hektar verkleinert und diese Wirtschaften als Domänen verpachtet werden oder der Besitzer darauf verbleibt, nunmehr durch Verkauf eines Teiles seines B», sitzes mit ausreichendem Betriebskapital berieten. Der Großgrundbesitz umfaßt etwa 28 Millionen Morgen landwirtschaftlich benutzten Bodens in etwa 25 000 Betrieben. Ziehen toh) die fibeikommissarisch gebundenen Betriebe ab, die ja zum größten Teil verpachtet sind und daher auch der möglichst intensive Betrieb durch bte Pächter meistenteils wohl gegeben ist, so würden im Osten immerhin fünf Millionen Morgen land, wirtschaftlich benutzten Bodens zur Austeilung kommen müssen. Nehmen wir für den Morgen 250 Mark als Durchschnittspreis, jo braucht das Ansiedlungswerk mindestens zuzüglich der Einrichtungen öffentlich-rechtlicher Natur ein Kapital von 13—14 Millionen, welche meines Erachtens
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Die landgräfliche Privatkasse konnte nur unzureichend den zahlreichen Ansprüchen gerecht werden. Die vielen den Verbesserungspunkten gewichenen lutherischen Exulanten wollten versorgt fein unb versperrten den theologisch gebildete» Volksschullehrern die Karriere. Um dies« Schwierigkeiten in den neuen Provinzen Gießest unb Marburg einigermaßen Herr zu werden, ordnete Georg II. 1628 die große Visitation an. Sie hatte zur Folge, daß neue Schulen gegründet, unzureichende Nebenschulen beseitigt, die Gehätts- verhältnisse der Lehrer nach Möglichkeit gebeff erf; die Gemeinden zum Unterhalte der Schule» herangezogen, endlich neue Schulbauten aufgeführt wurden. Der Abschluß der Bewegung liegt in den Volksschulgesetzen von 1629 unb 1634 vor, die bis an das Ende des 18. Jahrhunderts normattv geblieben sind.
Soviel über den speziell uns Kurhessen interessierenden Abschnitt des bis weit über die Tage des Piettsmus hinausgreifenden Werkes. Freilich soll es nur ein „Ueberblick" über die Entwickelung des Schulwesens in Hessen-Darmstadt fein, was der Verfasser uns bietet, eine Grundlage zu einer noch zu schreibenden Geschichte. Aber er selbst hat jedenfalls die, Haupffache schon geleistet, indem er die Materialien zusammentrug und berrichtete und die Grundlinien zog.; Auf einem wenig gepflegten Terrain können wir uns nunmehr frei unb sicher bewegen und das leicht einarbeiten, was an Einzelheiten ungelegentlich entgegentritt. F, W.