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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

- Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt. -------

Bierteljährlichcr Bezugspreis- brr der Expedition 2 Mk, . taÄA,xrix

bn allen Postämtern 2,25 Mk. ^excl. Bestellgeld). MttpPUVg ^ctn wöchentlich sieben

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Zweites Blatt.

Wlflenschast, Kunst und Leben.

Tie Walküre im Frankfurter Opernhaus.

Wer hat wohl einmal bei beginnender Abend­dämmerung im Waldesschatten unter hohen Bäumen gelegen und dem unermüdlichen Ge­summe der Maikäfer gelauscht? Es wird bald stärker, bald schwächer, aber schließlich ist man der einförmigen Tone müde. Die Erinnerung daran stellte sich bei mir ein, als ich der Ouvertüre lauschte, die unsere Gedanken durch den Wald zu Hundings Heim begleiten sollte. Großer, be­wunderter Meister, vergieb mir! ich härte aber anfangs nichts als Maikäfer. Unterdrücktes Ge­kicher drang an mein Ohr, ich konnte aber nicht feststelleii, ob die Maikäferides vielleicht auch bei meiner Nachbarschaft Einkehr gehalten habe. Endlich ertönten geisterhafte Anklänge an die Leitmotive, die lauschende Seele entledigte sich der zoologischen Gedanken und begann langsam die Flügel zu entfalten.

Der Vorhang rauschte auseinander und wirk, kicher Kohlenduft kam aus Hundings eigentlich mit Holz versehenem, flackernden Herdfeuer das einzige Licht im weiten düsteren Raume, den man eilt nach langsamer Gewöhnung des Auges übersehen konnte.

Im Hintergrund erhob sich die alte Eiche, mit chrem Blätterdache Haus, Hof, Herd und Ehren­sitz des Geimianen beschattend. Links führte eine hölzerne Treppe hinauf zu den Jnnenränmen, während man rechts die großen Torflügel, welche den Hof vom Walde trennten, erst bemerkte, als sich die dort eingelassene kleine Pforte öffnete und der zu Tode erschöpfte Siegmund herein­flüchtete. Herr Forchhammer als Siegmund hatte wirklich nichts Bestrickendes in seiner äußeren Erscheinung und demjenigen der ohne Kenntnis des Tertbuches verständnislos die Vorgänge auf der Bühne betrachtete, mußte es wunderlich dün­ken, daß sich Sieglinde so rasch zu dem Fremdling Ungezogen fühlte. Frau, Hensel-Schweitzer, als kteglinde, zeigte auch dieÄnal wieder ihre herr- kche, allen Stimmlagen gerechtwerdende Kunst,

Marburg und Umgegend.

gRachdrack aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Ouellenangabe

»Oberheff. Ztg." gestattet.)'

Marburg, 20. Sept.

* Khffhnnserbund der Deutsche« Landrskritgtr- prrdände. Die sechste Vertreterversammlung des Khffhäuserbundes der Deutschen Landeskrieger- berbände wurde am Sonntag vom Vorsitzenden, General der Infanterie Exzellenz v. Spitz, er­öffnet. Die Finanzen des Bundes find trotz der Bautätigkeit in den beiden letzten Jahren in erfreulichem Aufsteigen begriffen. In zwei bis Drei Jahren werden auch die Schulden der Wirtschaft gedeckt sein und der Bund wird dann pn die Ansammlung des in den Satzungen vor- zeschriebenen Reservefonds von 100 000 Mark stehen können. Der jetzige 2-Psennig-Beitrag f)ird daher nach einigen Jahren ermäßigt werden können. DieKhffhäuser-Korrespondenz" wird ,n 2625 Exemplaren regelmäßig verschickt. Der bisherige Vorstand wurde wiedergewählt; an sStelle des verstorbenen Schatzmeisters Stengel wurde D. Simons zum Schatzmeister

gewählt. Der Antrag derHassia", daß sog. landsmannschaftliche Kriegervereine, voraus­gesetzt, daß sie Mitglieder ihres territorialen Landesverbandes sind, auch Mitglieder des Ver­standes ihres engeren Vaterlandes werden können, wurde zurückgezogen; der Anrechnung gegen- stber, daß der Kyffhäuserbund die Normen der Organisation und die Stellung der KreiSver- l'ände zu den Landesverbänden regelt, verhält sich der Vertretertag ablehnend. Der Vorsitzende, Exzellenz v. Spitz, teilte zum Schluß der Sitzung noch mit, daß ein Kamerad 1000 Mk. zur Aus­schmückung des Saales der Denkmalswirtschaft illuf dem Khffhäuser gestiftet habe. Das Be- Krüßungs-Telegramm an den Kaiser hat folgen­den Wortlaut:

Eure Kaiserliche Majestät wollen die aller- untertänigste und ehrfurchtsvollste Huldigung peS sechsten Vertretertages des Khffhäuserbundes huldvollst entgegennehmen. Die gnädigen, den alten Kriegern und Soldaten in Homburg ge- «idweten Worts Eurer Majestät haben in deren Herzen freudigen Widerhall gefunden. Es wird i>as ernste Bestreben der 26 000 Kriegervereine -es Khffhäuserbundes sein, daß ihre 2% Mill. Mitglieder in der Tat als Vorbilder der Treue pt Kaiser und Reich und zum angestammten Herrscherhause des engeren Vaterlandes und als Vorbilder der Vaterlandsliebe sich bewähren.

Die deutschen Landeskriegerverbände wollen unter der Führung ihrer erlauchten Protektoren, dem erhabenen Ausspruche Eurer Majestät ent­sprechend:Nach innen geschlossen, nach außen entschlossen" dazu beitragen, daß unser deut­sches Volk furchtlos und treu bei äußeren ,und inneren Gefahren, allezeit seiner großen Zeiten, seiner Väter und seines Namens würdig bleibt. In tiefster Ehrfurcht verharrt Euer Majestät alleruntertänigster Vertretertag deS Kyffhäuser- bundes. v. Spitz, General der Infanterie z. D., Vorsitzender."

* Einen ungewöhnlich strengen Winter stellt der Gothaer Wetterkundige Habenicht in Aus- sicht. Er stützt sich dabei auf die Berichte über die Eisverhältnisse im hohen Norden. Von an­derer Seite wird dagegen gesagt, daß wir am Beginn einer Reihe von äußergewöhnlich milden Wintern stehen. Herr Habenicht will, wenn er unrecht hat, seine Eis- und Wetterberichte ein­stellen. Wir aber, müssen abwarten, N>as uns die Zukunft bringen wird, und das Wetter neh­men, wie es ist.

* Postsendungen der Truppen in Deutsch- Ostafrika. Es bestehen vielfach Zweifel darüber, in welchem Verhältnis die kürzlich zur Teilnahme an der Unterdrückung des Aufstandes in Deutsch- Ostafrika nach dem Schutzgebiet entsandten Ma- rinestreitkräftc stehen. Mit Bezug hierauf ist es von Interesse, daß in den letzten Tagen von ein­zelnen Tagesblättern ganz zutreffend auf die er­gangene Allerhöchste Kabinettsorder hingewiesen worden ist wonach die Truppen (ein Detachement Marineinfanterie von 150 Mann mit Chargen und vier Dcaschinengewebreii mit doppelten Be­dienungsmannschaften) als überetatsmäßige Be­satzungsteile der Seestreitkräfte der ostafrikani­schen Station hinausgesandt worden sind. Hier­nach hat weder eine Mobilmachung der Marine- feldkompagnie stattgefunden noch gilt sie als im Kriegszustand befindlich. Auch S. M. S.Bus­sard" befindet sich nicht im Kriegszustand, ebenso­wenig wie die anderen nach dem Aufstandsgebiet beorderten Kriegsschiffe. Mit dieser Lage der Verhältnisse stimmt es iiberein, daß für die an der Unterdrückung des Aufstandes " beteiligten Truppen fein Feldpostverkehr eingerichtet worden ist, so daß die für Feldpostsenduiig>en mobiler Truppen zugestandenen Portovergünstigungen demnach auf die Postsendungen der Truppen in Deutsch-Ostafrika keine Anwendung finden.

* Gerichtsentscheidung. Drei Monate Ge­fängnis für zwei Exemplare einer Zeitung, die er aus dem Vorgarten eines Hauses wo sie von der Austrägerin hingelegt wurden, entwendete, erhielt in Bremen ein Arbeiter au? Göttingen von der Strafkammer zuerkannt. Derselbe ist allerdings bereits einmal vorbestraft gewesen. Das mögen sich alle ZeitungSmarder merken, welche auf Kosten der Abonnenten gernMil-

leser" sind. Die Fortnahme eines Zeitungs­blattes von der Treppe, vom Flurfenster oder wo sie sonst der Zeitungsbote hingelegt hat, durch einen nickt dazu Berechtigten, wird auf Anzeige vom Gericht als Diebstahl behandelt und bestraft.

Hessen-Nassau und Nachbargcbiete.

Cassel, 19. Sept. Auf der westfälischen Bahn (Strecke Cassel-Warburg) wurde gestern Nach­mittag bei dem Dorfe Eberschütz der kleine. Junge des Bahnwärters Arnold, welcher angeblich auf dem Bahngeleise gespielt haben soll, in einem unbewachten Augenblick von dem nach Cassel gehenden Personenzuge überfahren und buch­stäblich zermalmt.

Dietzenbach, 18. Sept. Gestern Abend ent­stand hier in der Schäfergasse Feuer. In kurzer Zett brannten drei Scheunen mit den sämtlichen eingeernteten Erträgen nieder. Der Schaden ist beträchtlich, doch durch Versicherung gedeckt.

Göttingen, 18. Sept. In Mainzholzen brannte das Anwesen eines Bahnwärters nie­der, nachdem dieser die Vorbereitungen zur Hoch- zeit seiner Tochter getroffen hatte. Aus Ver­zweiflung darüber ertränkte sich die Frau des Wärters.

Vom Main, 19. Sept. Erstaunliche Naivetät verrät der Inhalt eines Geschästsschreibens, das sich in einem Blatt als Kuriosität abgedruckt findet. Als nämlich der Käufer einer landwirt­schaftlichen Maschine auch nach einem halben Jahre noch keine Zahlung geleistet hatte, erhielt er von der Fabrik eine höfliche Mahnung. Mit bewunderswerter Kaltblütigkeit schrieb hieraus der Käufer zurück:Ich wüßte nicht, daß ich Ihnen etwas schulde. Ihr Vertreter hat mir ja sowohl vor der Bestellung wie bei der Liefe­rung wiederholt nachdrücklich versichert, daß sich die Maschine binnen Jahresfrist von selbst bezahlt mache".

Tie Cholera.

Berlin, 18. Sept. DerReichsanzeiger" mel­det: Vom 16. September bis zum 17. September wurden im preuß. Staate 10 choleraverdächtige Erkrankungen und 5 Todesfälle, vom 17. bis zum 18. September mittags wurden weitere drei choleraverdächtige Erkrankungen und ein Todes­fall an Cholera amtlich gemeldet. Von den früher gemeldeten choleraverdächtigen Erkrankun­gen wurde eine durch die bakteriologische Unter­suchung nicht als Cholera festgestellt. Die Ge­samtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 202 Erkrankungen, von denen 75 tödlich endigten. Von den vom 16. bis zum 18. September ge- meldeten Neuerkrankungen entfallen auf die Kreise Rastenburg 1, Marienburg 3, Graudenz 2, Lebus 1, Stettin 2, Posen 1, Schubin 1, Czar- nikau 1 und Breslau 1.

die höchsten Kopftöne, wie die tiefften ihr zu Ge­bote stehenden Brusttöne toaren von wundervoller Klangfarbe. Aber nicht nur als Meisterin des Gesanges «zeigte sie sich, sondern auch als dra- matische Künstlerin: keine Bawegung, die nicht plastisch schön, kein Mienenspiel, das nicht die deutlichste Seelenregung kundgab. Hunding- Greeff markierte den grobklötzigen Germanen auch etwas zu sehr in der Stimme, die machtvolle Erscheinung paßte ausgezeichnet, sein Gesang hätte indessen etwas reiner und fixerer fein dür­fen. Die wundervolle Liebesszene zwischen Sieg­mund Ulld.SiegZpde wieder hinauf auf ueh Gipfel der Kunst, das Orchester schattierte mit besonderer Feinheit, und die sehnsuchtsvollen Harfentöne glitten wie blinkende Mondstrahlen durch den atemlos lauschenden Raum. Die Len- zesmondnacht, die durch das plötzlich weit auf- springende Tor hineinleuchtete, hatte indessen viel zu viel vom rosigen Morgenlichte, man vermißte den bläulichen Effekt. Man vergaß jedoch bald diesen kleinen Beleuchtungsfehler über dein ju­belnden Gesänge des Liebespaares, das am Ende des ersten Auszuges mit reichem Beifall über­schüttet wurde. «

Der zweite Auszug führte uns in wild zer­klüftetes Felsland, wo Wotan, auf dem Pro­gramm Herr Leydsström, in Wirklichkeit aber Herr Schütz au5 Leipzig, und Bnindhilde-Frau GreefstAndriessen, zwei großartige Erscheimmgen den Blick sofort fesselten. Frau Greeff-Andries- fen ist hinlänglich als eine der ersten Gesangs- künstleriniwn bekannt, die herrliche, besonders in der Höhe von gewaltiger Kraft zeugende Stimme wird unterstützt durch eine imposante Walküren- erscheinung, sodaß für diese Stolle kaum jemand geeigneter fein dürfte. Der Walkürenruf stieg schmetternd in die Lüfte und übertönte siegreich die Wucht des Orchesters. Wotan-Schütz hielt künstlerisch nicht immer gleiche:: Schritt mit Brunhilde; eine gewisse Unfreiheit des Spiels war wohl damit zu entschuldigen, daß .Herr Schütz im letzten Moment für den erkrankten Herrn Leydftröm, und ^toar ohne vorherige Probe, cinsprang. Also ein Unternehme^ wie

es nur ein vollwertiger Künstler wagt. Eine Szene von ermüdender Länge war, wenn ich mich eines nicht stilgeinäßen Ausdrucks bedienen darf, die Gardinenpredigt der Frau Fricke-Frl. Weber. Obgleich letztere ihr schönes, klangvolles Organ voll und ganz zur Geltung brachte, so störte doch eine etwas undeutliche Aussprache und eine zu dämonische Auffassung der ehrlich empörten, streng und rechtlich denkenden Beschützerin der Ehe. Das treue Roß-Graue betrug sich in der folgenden Szene sehr bühnenfrsglm llttb wirkte üüßstkft immerhin war es ein bedenk­

licher Augenblick, wenn das Orchester etwas lauter wurde und das Pferd ängstlich die Ohren spitzte. Die lange Auseinandersetzung Wotans mit Brunhilds, in der er ihr befiehlt, Siegmund in dem Kampfe mit Hunding, dem betrogenen Gat- len, nicht zu schützen, weist große Schönheiten auf, aber das Fehlen dramatischer Handlung spannt die Nerven etwas auf die Folterbank der Lange­weile. Ergreifend wirkte aber wieder der Schnwr- zenausbruch des geflüchteten Liebes-Geschwister- paares, besonders Fran Hensel-Schweitzer fand Töne, die tief,ans Herz gingen. Siegmuirds trostlose Zärtlichkeit war im Spiel des Herrn Forchhammer meisterhaft dargestellt, und das Erscheinen Brunhildens als todverkündende,Wal­küre von so weihevoller Witckung, ebenso die ge­heimnisvoll verschleierte, tiefe Klangfärbung der Stimme, daß diese Szene wohl als Höhepunkt der Aufführung gelten darf. Auch was Regie anbetrisst, wurde in dieser Abteilung das beste gegeben, Wolken, Blitz und Donner gehorchten aufs Wort; nur der Kamps zwischen Hunding und Siegmund hätte etwas echter wirken dürfen, Siegmund hemmte so sanft die Kraft seines Armes, als wüßte er, daß seine Hand nur Pappe führte und auf Pappe schlug, und Hunding schwang seinen Speer so lahm, als hätte er die Absicht nur zu kitzeln; auch Brunhilds wehrte nicht sichtbar genug von Siegmund ab, stand aber, ebenso wie Wotan, geisterhaft schön in den Wol­ken und verschwand zauberhaft bei Wotans Zorn, um dann mit der vor Schmerz besinnungs­losen Sieglinde zu entfliehen., -

Rolationsk

Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Doerkes-Bovvard in Marburg.

Vom Büchermarkt.

♦♦ Der Weidmann. Erste illustrierte deutsche Jagdzeitung für Jäger und Jigd- freunde. 36. Jahrgang. Erscheint jeden Freitags Abonnement 2 M für ein Vierteljahr durch jede' Postanstalt. Probenummer,, versendet Albeetz Limbach, G. m. b. H., Braunschweig, auf langen unentgeltlich.

Berlin, 19. Sept. DerStaatsanzeiger* meldet: Vom 18. bis fytm 19. September mittag! wurden im preußischen Staate 7 choleravev* dächtige Erkrankungen amtlich gemeldet, davon je 2 in den Kreisen Marienburg und Filehne, je 1 in den Kreisen Flatow, Friedeberg in der Neu« mark und Randow. Von den früher gemeldeten choleraverdächtigen Erkrankungen wurde eine m Margonin, Kreis Kolmar, nicht als Cholera fest- gestellt. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt bis jetzt 208 Erkrankungen, von denen 75 töd­lich endigten.

Pofen, 19. Sept. In Obornik ist ein Ar-, beiter an der Cholera gestorben. Der Befund wurde amtlich festgestellt. Der Landrat warnt vor dem Gebrauch des Warthewassers zum Genuß oder anderen Zwecken.

Bromberg, 18. Sept. DerOstdeutsche« Presse" zufolge wurde ein neuer cholevaverdächti- ger Fall aus Putzig (Kreis Filehne) bei einet Frau gemeldet.

Marienwerder, 18. Sept. Bei dem bereits in Beobachtung gewesenen Schneider Brzczewski- Graudenz sowie bei dessen 2jährigem Sohne Felix wurde denNeuen Westpreuß. Mitteilung gen" zufolge durch bakteriologische Untersuchung Cholera festgestellt. Meldungen über cholerave» dächtige Neueickrankungen im Regierungsbezirk Marienwerder sind in den letzten 48 Stunden nicht eingegangen.

Stettin, 18.° Sept. In Güstow sind, wie die Stettiner Neuesten Nachrichten" melden, zwei Personen unter choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben. Untersuchung wurde sofort eingebettet. Infolgedessen sind auf Anordnun - des General« arztes bet» 2. Armeekorps die in Güstow ein* quartiert gewesenen Mannschaften vom Drago« nerregiment Nr. 12 sofort aus dem Truppende» bande ausgeschieden und in den Krekotver Ba­racken isoliert worden.

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Die drifte Abteilung brachte wieder einige szenische Kunststücke, die tadellos ausgeführt wur­den. Die Walküren ritten programmmäßig in jagender Eile durch die Luft, die Wolken begleite­ten sie in rasender Flucht und die verschiedenen Beleuchtungen versagten nicht. Der Chor der Walküren klang frisch und glockenrein, nur die einzelnen Stimmen in den kleinen Solopartien fielen gegen die früher gehörten ab indessen darf ßM Bayreuther Maßstab an­

legen, denn dort werden selbst diese kleinen G» sangs'-Rollen von Künstlerinnen 1. Ranges aus-

Dieser letzte Aufzug ist voll lebendiger Han»- lnng, Brunhildens Ängst ihres Ungehorsams we­gen und die Sorge um Sieglindes Wohl und Wehe, wußte Frau Greeff-Andriesien machtvoll zu gestalten, während Frau Hensel-Schweitzer in Sieglindes jubelnder Freude, daß sie Siegmund in ihrem dereinssigen Sohne wieder auferstehen feben soll, eine Kraft utib einen Zauber dec Stimme entfaltete, wie beides vereint nicht er­schütternder an das Menschenherz schlagen kann- Auch Wotan-Schütz fand in seinem Abschied von Brunhilde und im Feuerzauber eckten Wagneri­schen leidenschastdurchglühlen und doch maa-woll beherrschten Geist; erschütternder schmerz, sprühender Zorn und bebende Trauer wogten und wallten auf und ab, das Herz des HörerS tausendfach durchzitternd. Prasselnd ftammte die Waberlohe auf, das OrckMer verwob seine Töne in das rauschende und sprühende Feuer­meer, sie zerschmolzen und erloschen. . -

Betäubt und doch erhoben verläßt man die Stätte, wo eben ein übermenschlicher Geist zu uns gesprochen, die wenigen gesehenen und ge­hörten kleinen Fehler und Schwächen sind ber-, gessen über dem großartigen Totaleindruck.

Am 18. und 22. September öffnet das Frank­furter Opernhaus noch einmal seine Pforten den­jenigen, die sich an den beiden letzten Tagen des Nibelungenringes vom Geiste des Meisters er­heben lassen wollen; möge noch manchem aus un­terer Stadt die Freude zu teil werden.

- E. v. Dl.