Einzelbild herunterladen
 

nur aufrichtig wünschen, daß sie willige Hörer und fleißige Täter finden. Solange die Deut­schen in Oesterreich in pessimistischer Fronde seit- ab stehen, vergraben sie mutwillig ihr Pfund und besorgen die Geschäfte der andern. Fruchtbare nationale Politik können sie nur treiben, wenn sie aus ihrem Schmollwinkel heraustreten und den Willen finden zu freudiger Hingabe an den Staat, den sie selbst einst gegründÄ. B.

Nachklänge zum russisch-japanischen Kriege.

Wladiwostok, 16. Sept. Der japanische Admiral Katoga hat mit den SchiffenJd- zumi" undSuwa" am 12. September P e. troPawlowsk beschossen. Die Gebäude am Leuchtturm und andere wurden zerstört. Der Feind plünderte die Pulvermagazine, tötete das Vieh und nahm der Bevölkerung die Feuerwaffen fort. Der Bezirkschef flüchtete mit Frauen, Kin­dern und der Staatskasse in das Innere. Das amerikanische SchiffAustralien", gechartert von der Handels- und Jndustriegefellschast Kamt- schatka, wurde von den Japanern im Hafen ge­nommen. Getötet und verwundet wurde nie­mand. Die Häfen Ajan und Ochotsk wurden ebenfalls zerstört.

Petersburg, 18. Sept. Gegenüber der aus Washington eingegangenen Nachricht,, Präsident Roosevelt habe die Absicht, eine zweite Frie­denskonferenz im Haag einzuberufen, erfährt diePetersb. Tel.-Ag." aus guter Quell«, daß die russische Regierung sich mst der Absicht trägt, sich an die fremden Mächte zu demselben Zweck zu wenden, und daß Präsident RoosevÄt diesem Schritt sehr sympathisch gegenübersteht, da er einsehe, daß die Anregung hierzu dem Kaiser von Rußland als Veranstalter der Frie­denskonferenz im Haag zu stehe.

Tokio, 17. Setzt. Es sind Unterschlagung«« von 330 000 Pen (gegen 700 000 Mark) durch drei Marinezahlmeister entdeckt worden. Ditz Nachricht wurde zunächst mit Ruhe ausgenommen^ nachdem jedoch bekannt wurde, daß. sich die Un* terschlagungen über ein Jahr hin erstreckten, ohne daß sie gemerkt wurden, hat ein Gefühl des Miß« trauens und der Beunruhigung gegen die Ma« rine-Verwaltung Platz gegriffen., Die Ang» legenheit wird wahrscheinlich Angriffe auf ditz Regierung Hervorrufen. i

Tokio, 18. Setzt. Die Demission des M»> nisters des Innern wird in den besseren Kreise« der Bevölkerung günsfig ausgenommen. Ditz Lage ist jedoch noch immer etwas kritisch, Wemb« gleich die Ruhe nicht wieder gestört wurde. Ditz Eingänge zu den Regierungsgebäuden werde« noch immer militärisch bewacht. . (

Iokohama, 18. Sept. Der amerikanische Kriegssekretär Tast ist nach San Francisco ri&i gesegelt. Einem Interviewer gegenüber erklärt« er, er halte die Tokioter Kundgebungen gegen de«' Frieden für stark übertrieben; er habe dort keintz fremdenfeindliche Sffmmung gefunden. Bezug« sich des Boykotts der armenischen Waren durch die Chinesen erklärte Tast, er habe diese Fragtz genau studiert. Die Chinesen brauchten die ome« rikanischen Waren und würden, nachdem sie durch den Boykott 15 Millionen Dollars verloren Ijäit len, einfehen, daß sie nur sich selbst schädigen. i

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Sept.

Seine Majestät der Kaiser ist gestern im Jagdschloß Hubertusstock etngetroffen. Die Kaiseritz kam gestern vormittag in Plön zum Besuche bet Prinzen-Söhne Oskar und Joachim am

Prinz Nikolaus von Nassau, em Halbbruder des Großherzogs von Luxemburg, bei letzten Herzogs von Nassau, ist gestern abend in

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

------------- Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sormtagsblatt. *

AN UNSERE LESER Mit d°m 1. DM,« b-giM bas $«bftqua,tat. Sie Tage weiden la-,«; die Seit, die im S°mm« manchem lehlte, erlaubt wieder der innerea und Mete» AN UNSERE LESER EreiwiHen in Stadt und Land eine gröbere «merllamleit ,n widmen. Ohne Ze,tun« tarn heutzutage niemand mehr au-Imnmen wen» er a»! dem

- MARBURG ÄIÄÄ*

- Oberhessen

vielen Familien zum gern gesehenen Hausfreund geworden, als zuverlässiger Nachrichtenbote und treuer Berater allgemein geschätzt. Eine wettere Empfehlung halten toir für überflüssig. Me, welche ^ 056X^7 fennen, Buffen zur Genüge, was sie an reichhaltigem Lesestoffe bietet, welche streng nationale, im heften ©inne be$ §Qttun8 fie emmnimt

Mit Recht dürfen wir daher an alle, die den von derOberhessischen Zeitung" vertretenen politischen Grundsätzen irgendwie nah-stehen, die Bitte richten, die Bestrebungen des Blattes freundlich unterstützen zu wollen. In die Familie eines jeden aufrichtig monarchisch gesinnten Hessen, königs- und vaterlandstreuen Preußen gehörtnurcineZeitungwelche diese patriotische Gesinnung hegt und ernstlich betätigt, nicht aber ein Blatt, das wie eine Wetterfahne mit jede, von demokratischer, national-glerchgülttger Seite kommenden Luftzugssich OberbekMcke

Belauntmachungm, Anzeigen aller Art finden durch dieOdertzessische Zeitung", wie allgemein feststeht, he weiteste und wirksamste Verbreitung, da heOberhesfische

Zeitung" nachweisbar das an Abonnentenzahl bedeutendere und meistgelesenste Blatt in Marburg und den angrenzenden Kreisen ist. kommenden Herbst- und Wintermonaten

Vierteljährlicher Bezugspreise btt der ExpÄtion 2 3RL, t Sffchemt wöchentsich sieben mal.

> TR/2 991 bei allen Postämtern 2,25 Mk. <e$cl. Bestellgeld). ****** ö Druck und Verlage Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 40. JahkA

Ääl JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 1V Pfg. tüDCf) 20. 1905. Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Oesterreich.

Als Bisniarck Ende der siebziger Jahre vor dem Abschluß des Bündnisses mit. Oesterreich stand, da war eins der Momente, die für ihn, wie er selbst in seinenGedanken und Erinne­rungen" (II 235) erzählt, gegen den Abschluß sprachen, ein politischer Defekt auf feiten der Deutsch-Oesterreicher:der Mangel an Augen­maß für politische Möglichkeiten, infolgedessen das deutsche Element in Oesterreich die Fühlung mit der Dynastie rind die Leitung verloren hat, die ihm in der geschichtlichen Entwicklung zuge­fallen war." Ein Vierteljahrhundert ist seitdem verflossen und noch heilte paßt das Bismarcksche Wort auf unsere Landsleute im Habsburger Reich ganz genau so gut wie damals, ja man möchte sagen: besser als je. Sie treiben noch immer eine ideologe Politik, die der prakfischen Ziele entbehrt. Sündigten damals die Liberalen in ihrem versteiften Doktrinarismus gegen den Staat, so sündigen heute die Alldeutschen und ihre radikalen Mitläufer in den anderen deut­schen Parteien doppelt und dreifach. Ihnen ist Oesterreich, seine Großmachtstellung, ja sein Be­stand nicht mehr bloß gleichgiltig, sie arbeiten vielmehr die einen bewußter als die andern geradezu auf den Zerfall des Reiches hin. Die Trennung von Ungarn verlangen sie alle, den Heimsall Oesterreichs an das preußische Deutschland wenigstens jene unentwegten Fana» tiker, die gleichzeitig am liebsten den altgermani- scheu Wodankult an die Stelle des Christenttims setzten. Und traurig genug ist es wie damals so heute um ihre Stellung zu ihrer Dynasfie be- stellt. Freilich das Volk, vor allem das Volk der Alpeiiläuder ist kaisertreu bis in die Knochen, aber die Politiker und ihre Preßgesellen haben jede Scham abgelegt und werfen Kot selbst auf den ehrwürdigen Kaiser. Vergeblich hat ihnen

der greise Bismarck außer dem Amte, der treue Berater so mancher national bedrängten Herzen, wiederholt die Mahnung zugerufen, sie sollten ein enges Verhältnis zu ihrem Kaiser suchen. Seine Worte waren in den Wind gesprochen. Und gar erst, wie sie sich zur Regierung stellen, das kann man nur noch als pathologische Er­scheinung verstehen. Gewiß, Taaffe hat sie nicht als verzogene Lieblingskinder behandelt und Va- deui ihnen die Knute zu fühlen gegeben. Aber sie sind nicht beide los und hat es Sinn unter ganz veränderten Verhältnissen sich in mißtraui- scher Verbitterung und knabenhaftem Trotz zu verhärten? Indem die Deutschen Herrn von Koerber stürzten, schnitten sie sich ins eigne Fleisch. Zu seinem Nachfolger haben sie-sich bis­her besser gestellt, aber schon mehren sich die Zeichen, daß diese kurze Episode sich wieder ihrem Ende nähert und das alte Spiel der Verdächtig­ungen und Anwürfe von neuem beginnen wird.

Soll es wirklich so weiter gehen? Wir stellen mit Befriedigung fest, daß einsichtige Politiker unter den Deutschen selbst die Unhaltbarkeit ihrer bisherigen Politik, insbesondere ihres. Verhält­nisses zur Regierung einsehen. Julius Gierschick, einer der Veteranen der deutsch-böhmischen Jour- nalistik, Mitglied des deutschen Volksrats für Böhmen, ein Mann von anerkannt nationaler Gesinnung, aber zugleich von nüdjtemeni politi­schen Blick, mahnt seine Landsleute in seiner Lettineritzer Zeitung" Realpolitik zu treiben und ihr Verhältnis zur Regierung einer Aenderung zu unterwerfen.Wir deutschen Oesterreicher müssen neue politische Bahnen wandeln . . . . Wir wollen und müssen wieder die Rechte und die Stellung des Erstgeborenen in Oesterreich einnehmen. Das wird uns aber nur dann ge­lingen, wenn wir auch die Pflichten des Erstge- borenen dem Staate gegenüber übernehmen." Das sind gute und kluge Wotte. Wir können

13 "Nachdruck verboten.)

Das neue Fräulein.

Original'Noma» von Fr. Lehae.

Am liebsten wäre sie ja in die Welt ge­gangen zur Bühne, wozu sie einen inneren Berus fühlte da hätte sie sich ausleben können und war nicht durch die enggezogenen Schranken gebannt, die Beschränktheit und Kleinstädterei gezogen. Jedoch ihre Mutter war ganz entsetzt über jenen Gedanken gewesen, daß sie ihn hatte aufgeben müssen mit Ferdinand wäre sie schon fertig geworden! Aber es kamen doch Stunden, wo sie sich hinaussehnte aus dieser Enge zur freieren Betätigung ihrer Kräfte und Fähigkeiten.

Ta war Gnta, die stille, sanfte Schwester, viel mehr für das Haus geschaffen! Das Auer- bieten des Onkels war ihr deshalb zu willkom- men gewesen, als daß sie es nicht angenommen hätte. Und sie konnte ganz gut abkommen: die Schwester blieb ja bei der Mutter es gefiel Gertrud ganz gut bei den Verwandten; beson­ders war ihr der Onkel sympathisch; die Tante freilich weniger; sie war ja eine launenhafte, wenig gebildete Frau; der Onkel hatte sich durch ihr hübsches Gesicht betören lassen. Me Ger- truds Mutter erzählt, war die Familie sehr gegen diese Heirat gewesen, was die Taute nach den achtzehn Jahren ihrer Ehe noch mit Groll er- füllte.

Aber Gertrud arbeitete mit Lust und Liebe und war ihres Schassens froh. Kein Grübeln hatte bisher ihren gesunden Schlaf gestört, aber merkwürdiger Weise auch keine Sehnsucht nach dem fernen Verlobten, dessen sie wie eines guten Freundes und Kameraden gedachte. Sie hatte sich niemals Rechenschaft über das Gefühl abge-

legt, das sie für ihn beseelte. Sie war ihm herzlich gut, aber Leidenschaft empfand sie nicht für ihn.

Ueberhaupt schien ihr das etwas sehr lieber, flüssiges in ihrem strengen herben Denken, und gar harte verurteilende Worte hatte ihr rosiger Mund gefunden, wenn es sich um die Verirrung eines Mitmenschen in diesem Punkte handelte. Ihr Herz würde niemals über ihre Vernunft siegen sie wollte es nicht vielleicht, weil sie ihr Temperament imb ihr im Grunde heiß empfindendes Herz ahnte, beherrschte sie sich. Und nun? Sie lag da und weinte heiße Tränen in ihr Kissen.

In dieser Stunde war ihr klar geworden, daß der junge Offizier einen Platz in ihrem Her- zen hatte, der ihm nicht zukam. Sie ries sich das Bild des Verlobten ins Gedächtnis um­sonst es wurde verdrängt von dem des an­deren ihr Auge sah ihn vor sich, den blonden eleganten Mann mit seinen kecken heißen Augen und seinen fast mädchenhaft anmutigen Beweg­ungen in ihrem Ohr tönte seine weiche wohl­lautende Stimme nach, wie er ihr mit so eigener Betonung jene Worte aus dem Rattenfängerliede vorsprach.

Was war es nur, was sie so unbezwinglich zu ihm zog? War es das Gleiche oder das Ver­schiedene in ihren Naturen? Er war das gerade Gegenteil zu ihrem im Grunde ernsten, schtver- blütigen Wesen aber das eben war es, was ihn ihr so unwiderstehlich machte seine sonnige Heiterkeit, das sorglos Fröhliche in ihm riß sie hin, trotzdem sie sich sonst doch nicht so leicht blenden ließ. Ferdinands Nüchternheit hatte ihr manchmal nicht gefallen; aber sie batte dar­über hinweggesehen, weil er so gut und treu war!

Daß sein Bild allmählich in ihr verblaßte, lag vielleicht daran, daß sie sich so selten sahen.

Deshalb wollte sie ihn bitten, es einzurichten, einmal an einem Sonntag nach hier zu kommen. Ja, das war das Richtige und morgen gleich krollte sie ihm schreiben. Wurde dann der Zwie­spalt in ihr nicht gelöst, dann wollte sie fort von hier, wollte Albrechts Nähe fliehen. Noch war es Zeit.

Liebte sie denn 'eigentlich den jungen Offi­zier? Nein, nein, schrie es in ihrer Seele, nein --aber hatte sie jene süße Verwirrung, die sie beim Druck feiner Hand und beim Blick seines Auges spürte, jemals in der Nähe ihres $ er­lebten gefühlt? Nein, noch nächt einmal bei seinem Kuß. Ruhig hatte sie ihm den Mund bargeboten, unbefangen seine Küsse geduldet und auch erwidert, ohne daß ihr,Blut in Wallung ge­kommen war. Und jetzt bei dem bloßen Gedan­ken an einen anderen Mann, mit dem sie nur gleichgiltige Worte gewechselt der sie gar nichts anging, fühlte sie es heiß zu ihrem Her- zen strömen! Wenn das die Liebe war, so hatte sie ihren Verlobten niemals geliebt, nicht mit der Liebe, die das Weib zum Manne zieht^ dann war es nur Freundschaft und geschwister- liche Liebe gewesen.

Das wurde ihr in dieser lllacht klar und er- füllte sie mit tiefer Bekümmernis und mit San­gen vor der Zukunft. Wie sollte das enden?

Drittes Kapitel.

Hier, Fräulein Neuroth, ein Brief für Siel" Mit diesen Worten überreichte am anderen Mor­gen der Briefträger Gertnid einen Brief, den sie schnell öffnete und las. Die Tante kam ge­rade dazu.

Nun, siehst Du, er ist nicht gestorben," be- merkte diese.Wie gehts ihm denn?"

O, er hatte sehr viel zu tun, Tante, es war Felddienstütmng; er hatte deshalb keine Zett zum Schreiben." entgegnete das junge Mädchen,

zum Schluß bemertt er, es wäre möglich, daß « zum nächsten Sonntag Urlaub bekäme ob e$ Euch angenehm wäre, wenn er dann nach hier kommt?" ;

Aber gewiß! Schreib nur, daß er uns will« kommen ist. Ich bin wirklich neugierig. Deine» Zukünftigen kennen zu lernen!"

Gegen Mittag kam Albrecht von Warburg zum Frühschoppen. Gertrud war gerade noch im Laden.Morgen, Fräulein Trude," rief er fröhlich,gut geschlafen? Ja? Das freut mich! Ich nicht! Und wissen Sie, warum? Nein, ich sag' es doch lieber nicht, sonst würde mir am Ende eine gewisse junge Dame ihren Anblick ent« ziehen." . i

Tief sah er ihr dabei in die Augen und be« merkte einen abgespannten, müden Ausdruck itz ihrem Gesicht.

Wie blaß Sie aussehen! Haben wohl doch nicht geschlafen?" er.verstummte vor dem kühlen abweisenden Blick, mit dem sie ihn ftreifte.

Sie verzeihen, Herr von Warburg, ich hab, zu tun," damit verließ sie den Laden. Er folgte ihr auf dem Fuße, und draußen auf dem HmÄ- flur erfaßte er ihre Hand. .

Nein, Gertrud, so begegnet man mir nicht! Was habe ich Ihnen getan, daß Sie so so» sind. Ich weiß selbst nicht wie; ich finde fein« Ausdruck dafür." >

Sie suchte ihre Hand frei zu machen: es ge< lang ihr nicht fest hielt er dieselbe unw klammert. .

Antworten Sie," sagte er herrisch,Laune» haben Sie nicht, dazu sind Sie zu vernünftig! Iflso liegt ein anderer Grund vor was habe» Sie?" t J

Nichts, gar nichts! So lassen Sie mich doch los!" '

Nein, erst sagen! Gertrud, ich hatte mich so auf gestern Nachmittag gefreut, Sie zu. seh-qtz