mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. **
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Dienstag, 19. September 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
r Dresden, 18. Sept. Das Resultat der Land- tagswahlen ist noch nicht zu übersehen. Sicher ist die bisherige Mehrheft der Konservativen unerschüttert, obwohl einige Mandate verloren gehen.
Königsberg i. Pr., 17. Sept. Zum Regierungspräsidenten in Gumbinnen wurde der bisherige königliche Konsisiorialpräsident Dr. Stockmann in Münster ernannt. Er tritt sein neues Amt in Gumbinnen am 1. Oktober on.
Budapest, 17. Sept. Gestern Nachmittag fand die Schlußsitzung des zehnten internationalen Kongresses gegen den Alkoholismus statt. Zum Ort des nächsten Kongreßes wurde Stockholm be- ssimmt.
Bukarest, 17. Sept. Der Finaitzminister ist ermächtigt worden, das Maisausfuhrverbot über den 15._ Oktober hinaus zu verlängern.
Konstantinopel, 16. Sept. Nach dein gestrigen Selamlik empfing der Sultan den russischen Botschafter Sinowjew mit beglückwünschte ihn MM Friedensschluß.
Kanra (Kreta), 16. Sept. Die Kaimner nahitt mehrere von der Fortschrittspartei geforderte Re- formsrt an und beschloß die Einberufung Liner Nationalversammlung, um die Reformen, die sich auf die Verfassung beziehen, zu Prüfen. Hierauf wurde die Tagung geschlossen.
Tanger, 16. Sept. Reuter tneldet: Die deutschen, englischen und französischen Kuriere sind quf dein Wege nach Fez am 8. d. M. in der Nähe von Burian beraubt worden.
Tokio, 16. Sept. Das von dem Minister des Innern Vicomte Joshikowa eingereichte Entlassungsgesuch wurde angenommen. Sein Nachfolger wird der Minister für Ackerbau und Handel Baron Kiyonra, der gleichzeitig sein bisheriges Ressort beibehält.
Der schwedisch-norwegische Konflikt.
Den norwegischen Demokraten, die auf die Lösung des Unionverhältnisses mit Schweden hingearbeitet haben und denen es auch durch jahrelange Agitation gelungen ist, die Masse des Volkes für ihre Pläne zu gewinnen, scheint ob des bisherigen glücklichen Verlaufes der Ereignisse der Kamm gar mächtig geschwollen zu sein, -statt der bisherigen Ruhe und Zurückhaltung, die schließlich noaj geeignet waren, Norwegen die Sympathien der übrigen Welt zu erhalten, scheint bei den Führern der „Los von Schweden"-Be- tvegung seit einiger Zeit eine Stimmung Platz gegriffen zu haben, die zum Ausdruck bringen will, daß Norwegen gegebenenfalls zum Aeußer- sten entschlossen sei, die Trennung von Schweden äH erzwingen. Innerhalb der norwegischen Truppenteile sind unfangreiche Mobilisierungen angeordnet worden, vernmtlich
12 lNachdruck verboten.)
Das neue Fräulein.
Origiua!>Roma« vo» Fr. Lehar.
(Fortsetzung.)
•' „Liebe Tante, Du gestattest mir bitte, mich nach meinem Geschmack zu frisieren und zu kleiden, wenn ich dadurch meine Psiichteit nicht Versäume!"
Fest und bestinunt kamen diese Worte von ihren Lippen, daß es Frau Teichmann für besser hielt, nicht weiter darauf einzugehen. Nach einigen undenklich gemurmelten Worten fuhr sie in ihren Ausstellungen an Gertrud fort —
-- komisch fand ich es auch, wie Du immerfort von Deinem Vater sprachst, als ob Herr von Warburg daran Jnteveffe hat! Geradezu lächer. sich aber hast Du Dich gemacht, als Du Dich mit Deinem bischen Zeichnen und Singen hervortun wolltest. Wenn inan nichts Ordentliches leisten kann, soll man lieber gar nichts sagen, hast's ja auch gehabt, daß Du stecken geblieben bist und Dich blamiert hast!"
Hastig erhob Gertrud den Kopf. „Stecken ge- blieben — ich?"
„Ja, lächeZe die Tante höhnisch, „willst Du das etwa noch leugnM? Ich hätte mich zu Tode geschämt, wenn mir das passiert wäre vor einem so vornehmen Herrn! Und wie taktvoll er dar- tiber hinwegging!"
Gertrud preßte die Lippen Msammen und phwteg. Lteber dte ungerechtesten Vorwürfe er- dulaen als ecngestehen, daß sie jenes Lied — etnes ihrer Lieblingslieder — nicht hatte weiter singen können angesichts dieser kecken grauen Augen, die so beharrlich in ihrem Gesicht suchten. Da war es ihr unmöglich gewesen, auch nur ein Wort jenes leidenschaftlichen Liedes noch über die Lippen zu bringen. Und was sie am meisten aufregte, war das Bewußtsein, r^ß er den inneren Grund ihrer Weigerung erraten hatte — in dem triumphierenden Blick seiner Augen hatte sie es L*fen können. |
um den Forderungen der norwegischen Vertreter bei den Beratungen in Karlstad mehr Nachdruck zu verleihen. Trotzdem die Mobilisierung bereits zur Ausführung gelangt ist, wird sie von Christiania aus abgeleugnet, während sich der Schweden begreiflicherweise eine starke Aufregung bemächttgt hat, die sich in der Forderung nach Gegenwehr-Maßregeln Luft macht.
Aus Stockholm wird hierüber gemeldet:
Von durchaus zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß Norwegen eine allmählich steigende Mobilisierung vornehme, die damit begonnen habe, daß das Jägerkorps Anfang dieses Monats auf volle Kriegsstärke ge- bracht worden sei. In den letzten Tagen seien die letzten nock fehlenden Mannschaften und Ausrüstungsteile der Flotte und Festungsartillerie in Südnorwegen und für den Landsturm eines Teiles der Grenzbezirke eingetroffen. Bei verschiedenen Jnfanterie-R eg im entern scheine die Mobilmachung entweder noch i m Gange oder beendigt zu sein. Diesen ergriffenen Maßregeln könne jedoch der Charakter einer allgemeinen Mobilisierung noch nicht abgesprochen werden.
Die norwegische Regierung verlegt sich, wie schon gesagt, aufs Ableugnen, weil sie aber nicht in Abrede stellen kann, daß bei den Truppenteilen, die an der schwedischen Grenze stehen etwas vorgeht, sucht sie diesen Vorgängen eine harmlose Deutung zu geben und bestreitet durch das „Norwegische Telegraphenbureau", daß es sich um eine Mobilisierung des Heeres handle, es seren nur Truppen einberufen Mr Ablösung der Besatzungen in Festungen und Lagern.
In Schweden hat man diesen Beschwichtigungsversuchen (oder Täuschungsversuchen?) natürlich keinen Glarrben beigemessen. Das Schwc- dische Telegrophen-Bureau hielt seine Meldung als mit den wirklichen Verhältnissen übereinstimmend aufrecht. Die schwedische Regierung hat über die von ihr angeblich angeordnete Trup. penzusammenzichung nichts verlauten lassen, dagegen wußten schwedische und englische Blätter verschiedene Taffachen M melden, welche die Lage als gefahrdroheird erscheinen ließen.
Dem norwegischen Blatt „Aftenposten" wird aus Karlstad gemeldet, zwei schwedische Regimenter, im ganzen über 4000 Mann, seien am 13. von Asvala abmarschiert und befänden sich gegenwärtig bei Aamaal in der Nähe des Dernern- sees. Eine schwedische Telegraphenabteilung sei von Stockholm nach Charlottenberg abgesandt worden.
Aus Karlstad wird dem „Standard" gemeldet, daß zahlreiche Militärzüge dort einlaufen. Die schwedische Flotte ist in drei Divisionen geteilt worden, von denen zwei nicht west von der norwegischen Küste sich aufhalten. Alle Kriegsschiffe sind klar zum Gefecht. Norwegen setzt mit größ-
„Soll ich mit Dir hinuntergehen, Tante?" fragte sie, um dem Gespräch eine andere Wendung zu geben.
„Nein, es ist nicht notig; es wird wohl nicht zu viel zu tun sein. Du kannst heute Abend für Dich bleiben — sticke, schreib oder lies — tue, was Du tvillst! Ich toerbe gleich unten essen: Du brauchst also für mich nidjt zu decken. Nimm Dir genug — es ist doch wohl noch ein Stück Roastbeef von gestern da? — gieb auch Guste: sie geht ja halb acht fort!--Weißt Du, ich
finde es lächerlich und verschwenderisch voit Dei- trem Schatz, daß^ er depeschiert! Hab' Dich nur nicht fo I Hättest auch bis morgen ganz ruhig warten können! Mir war es ordentlich peinlich vor Herr von Warburg!"
Frau Anna atmete ordentlich erleichtert auf: ehe nicht alles vom Herzen runter war, hatte sic keine Ruhe, und das mit dem Telegramm mutzte sie der Nichte noch Vorhalten.
„Gut, Tante, ich werde alles besorgen," sagte Gertrud gelassen, die letzten Worte gänzlich rgnorierend, „solltest Du meiner bedürfen, dann klingele bitte. Vor allem will ich den Läufer serttg ssicketr, damit ich ihn morgen fxiih gleich plätten und auslegen kann."
. Frau Anna ging endlich, geärgert durch der Nichte ruhiges Wesen. Sie konnte ihr auch gar nichts anhaben — alles prallte an ihr ab. Teichmann verwöhnte sie zu sehr: da scl-adete es gar nichts, wenn immer mal ein Gegendruck kam, sonst iourde die Prinzessin gar zu übermütig — sie steckte so wie so immer, einen so herausfordern- den hochmütigen Ausdruck auf.---
Gertrud konnte in dieser Nacht keinen Schlaf finden. Sie hatte an ihren Verlobten schreiben wollen, doch war es ihr unmöglich gewesen, auch nur einen zusammenhängenden, herzlich klingenden Gedanken zu fassen — schließlich warf sie die Feder fort — es ging nicht. Immer gairfeite vor ihren Augen das Mld des Andern, und sie firhlte dessen Augen mit einem so siegesgewissen Blick auf sich ruhen.
. Was ging er sie an? Sie hatte doch nichts mit ihm zu schassen! Ruhig und gleichmäßig
ter Beschleunigung die Hafenstadt Horten am Christtania-Fjord, wo die norwegischen Kriegsschiffe liegen, in Kriegszustand. Das Gerücht, mehrere Mächte hätten direkt interveniert, ist, wie der „Daily Mail" aus Chrisstania gemeldet wird, unwahr. Deutschland, Frankreich, England und Rußland machten nur freundschaftliche Vor- stellungen. Daß England als Schiedsrichter auftreten werde, fei nicht wahrfcheinlich, doch werde vielleicht England seine freundschaftlichen Dienste zur Verfügung stellen, falls die Lage sich entsprechend gestalte.
Die neuesten Meldungen aus Karlstad und Stockholm lauten etwas bertchigender, obwohl auch das „Berliner Tageblatt" noch vorgestern (Samstag) die norwegische Mobilisierung als Tatsache meldete. Der letzte Sitzungsbericht aus Karlstad lautete:
Karlstad, 16. Sept. Die heuttge Sitzung der Deputierten begann um 11 Uhr: bei ihr waren die norwegischen Delegierten zum ersten Male von den militärischen Ratgebern begleitet. Um 1 Uhr 30 Minuten wurde die Sitzung unter- brachen und um 3 Uhr wieder aufgenommen und bis 7 Uhr fortgesetzt, worauf die Delegierten den Sitzungssaal verließen. Nach einer Pause wurde um 8% Uhr die Verhandlungen wieder fortgesetzt.
Laut spät abends ausgegebener offizieller Mittellung fft Grund zu der Hoffnung vorhanden, daß die Verhandlungen binnen kurzem zu einem positiven Resultat führen werden.
-Diese Nachrichten haben wieder eine besser« Auffassung der Lage und erneute Hoffnung auf Verständigung aufkommen lassen, obwohl man in Stockholm immer noch eine Beeinflussung der norwegischen Unterhändler durch die Kriegspartei in Christiania für möglich hält.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Sept.
— Seine Majestät der Kaiser empfing vorgestern Samstag, wie aus Homburg v. d. H. gemeldet wird vormittags den amerikani- schen Botschafter in Petersburg v. Lengerke- Meyer, sowie zur Meldung den Prinzen Friedrich Karl von Hessen aus Anlaß seiner Beförderung zum Oberstleutnant und den Prinzen Andreas von Griechenland. Ferner besichtigten der Kai- ser und die Kaiserin vormittags den Neubau der Erlöserkirche. Nach der Besichtigung machten sie einen Spaziergang im Kurpark. Um 1 Uhr fand im königlichen Schlosse Frühstückstafel statt, zu der unter anderen auch Prinz Friedrich Karl von Hessen geladen war. Nachmittags unternahm der Kaffer eine Automobilfahrt in den Taunus. Am gestrigen Sonntag wohnte das Kaiserpaar dem Gottesdienste in 6er Schloßkapelle bei. Der Kronprinz von Griechenland hat um 10y2 Uhr d irmittags mit seiner Familie die Heimreise nach Athen angetreten. Im Laufe des nachmittags
war sie, ihren Weg gegangen; sie hatte in herz, kicher Liebe dessen gedacht, dem sie ihr Wort gegeben — und nun war ein Anderer gekommen, der eine seltsame, nie gekannte Unruhe über sie gebracht. Gertrud stand auf, ging an ihre Kam- mode und entnahm ihr ein Kästchen, das sie aufschloß. Vor ihr lagen einige Bilder ihres Erlabten — eins ans seiner Studienzeit, zwei als Soldat. Das letzte Bild von ihm, das ihn als Unteroffizier darstellte, hatte sie erst vor acht Tagen bekommen.
Lange und aufmerfjam betrachtete sie ihn. Er konnte gar wohl den Vergleich mit Warburg aushalten. Sein Gesicht war feiner, durchgeistigter — das schönste darin ist die hohe edle Sfirn und ein kluges dunkles Auge. Aber ihm fehlt das Liebenswürdige, Sonnige — ein fester energischer Zug liegt um den schmalen bartlosen Mund, und ein ungewöhnlicher Ernst ist das hauptsächlichste Gepräge seines Gesichts.
Sie greift nach seinem letzten Brief und lieft ihn nochmals durch. Wie lieb er schrieb, ohne viel Ueberschwänglichkeit und doch in jeder Zeile seine Liebe durchblicken lassend. In feiner fla- ren leserlichen Schrift versicherte er ihr, daß all sein Streben nur ihr gelte, daß er der Zeit Flügel wünschte, um endlich mit ihr vereint zu sein! Mit welcher Befriedigung hätte sie dies noch vor toeitigcn Wochen gelesen — und jetzt? Sie seufzte tief auf und gedachte der Zeit, da sie sich kennen gelernt.
In der Tanzstunde hatte sie ihn zum ersten Male gesehen und gesprochen, und von da an war er ihr geduldiger Anbeter. Er studierte damals gerade in ihrer Heimatstadt, und so sahen sie sich den ganzen Winter. Und eines Nachts, als er sie von einem Ball nach Hause begleitete — die Eltern gingen voran — sagte er ihr, wie lieb er sie habe, ob sie auf ihn warten wollte — sie wären ja Beide jung und hätten das Leben noch vor sich. Er sprach fo herzlich und eindringlich, und da sagte sie ohne sich zu bedenken „Ja", und sie küßten sich hinter dem Regenschirm, den er aufgespamft trug.
unternahm das Kaiserpaar in Begleitung btt kronprinzlichen Paares und des Prinzen Adal- bert eine längere Automobilfahrt. Um 7 Uhu abends reiste der Kaiser M zweitägigem Aufent« halt nach dem Jagdschloß Hubertusswck.
Nach Beendigung der Kaiserma» notier hat Seine Majestät außer dem (an anderer Stelle heule mftgeteilten) Dankerlatz an die Provinz Hessen-Nassau unter dem 15. Sept, aus Koblenz folgendes §anb* schreiben an den Großherzog Hessen gerichtet:
„Durchlauchtigster Fürst! Freundlichst geliebt« Vetter und Bruder! Am Schluß der vor mit abgehaftenen Manöver empfinde ich es als angenehme Pflicht, Ew. Königlichen Hoheit meine hohe Befriedigung über die vortreffliche Haltung und den ausgezeichneten Zustand der Truppenteile der hessischen Division zum Ausdruck zu bringen. Auch war es mir eine ganz besondere Freude, bei der Parade am 8. September zahlreiche Vertreter der Kriegervereine des Groh, Herzogtums Hessen begrüßen zu können. Ew. Königlichen Hoheit würde ich zu besonderem Danke verpflichtet sein, wenn Sie selbst allen Beteiligten von meiner lebhaften Genugtuung übest diesen Beweis treuer patriotischer Gesinnung? Kenntnis geben möchten. Empfangen Ew. König, liche Hoheit die Versicherung meiner wahr« Hochachtung und Freundschaft, womit ich tiec bleibe Ew. Königlichen Hoheit freunbhnCig« Vetter und Bruder Wilhelm."
Die „Darrnst. Ztg." fügt hinzu: Den Dank für dieses Schreiben sprach der Großherzog dem Kaiser auf dem Manöverfelde aus.
— Die Kolonialpolitik des Denk» scheu Reiches hatte sich stets einer besonderen Aufmerksamkeit der Zentrumspartei zu erfreuen, lange Jahre allerdings meist nur nach der negativen Seite hin. In der lebtet Zeit ist hierin jedoch ein 'erfreulicher Wandel zn bemerken gewesen, von dem man allerdings noch nicht weiß, ob er stetig bleiben wird. So ist u. a. darauf hinzuweisen, daß aus der Feder des Zentrumsabgeordneten Schwärze-Lippstadt demnächst in der kolonialen Fachpresse eine Abhandlung erscheint, die mit Entschiedenheit die Notwendigkeit der Bereitstellung größe« r.er Mittel zur Durchführung einet gesunden Kolonialpolitik betont. —- Abgeordneter Schwarze hat sich schon bei d« Beratung der letzten kolonialen Eisenbahnvor- lagen als „weißer Rabe" erwiesen und auch sonst sehr großes Verständnis für unsere überseeische» Aufgaben gezeigt. Wird in Zukunft die ganz? Zentrumspartei hinter ihm stehen? Das wäre ein besonderer Vorteil, natürlich nur, wenn bist Unterstützung der Regierung „voraussetzungslos"^ gewährt wird. Zur Zeit beschäftigt sich eines bet' Hailptorgane der Zentrumspartei, die „Köln.,' Volksztg.", mit den Verhältnissen rn der Kolonialabteilung, wobei daz
O so deutlich trat jener Abend vor ihr Auge! Es regnete, und sie hatte unter dem einfachen Abendmantel das weiße Kleid ängstlich hochgenommen, daß es nicht beschmutzt wurde. Eine» Ueberschuh hatte sie auch dabei verloren! Wie gräßlich prosaisch war das doch alles — und in welch' himmlischer Beleuchtung erschien es ihr damals! Dann das heimliche Sichsehen, wenn sie Besorgungen hatte! Er begleitete sie ein Stück dees Weges — ein Händedruck und dann auch einmal, aber selten, ein verstohlenen Kuß.
Solche Heimlichkeiten waren ihr im Grunde zuwider; aber er wollte' erst etwas fein, bevor er sie von ihren Eltern erbat. Dann hatte er auf ihren Wunsch die Universität gewechselt —• sie wollte keinen Anlaß zum Gerede geben! Fm vorigen Herbst war er in das Heer cingetreten, nachdem er fein Examen gut bestanden und feinen Doktor gemacht hatte.
Sie hatten sich selten gesehen; ihr Verkehr blieb auf den eifrigen Briefwechsel beschränkt. —- Bis jetzt hatte sie fein höheres Glück gekannt, als ihre Pflicht M tun und dadurch das Loos ihrer Mutter zu erleichtern, die durch den Tod des inniggeliebten Mannes aufs Tiesite gebeugt war. Die Mutter war sehr zart und auch sehr verwöhnt, sodaß sie an dem Umschwung der Verhältnisse schwer zu tragen hatte.
Ihr edler Mann hatte sich, mit einer ziemlich beträchtlichen Summe für einen Freund verbürgt — und hatte sie auch entrichten muffen, da jener gewissenlose Mensch ins Ausland ge- flüchtet war. Und dieser Betrag mar der größte Teil feiner Lebensversicherung gewesen, mit bereit Hilfe sie nach seinem Tode bei wenig An- sprächen ganz bequem hätte leben können. So mußten die Töchter mit dazu beitragen, de» Lebensunterhalt zu begreifen, und Gertruds energisches Wesen betätigte sich da miss Glück»- lichste. Sie nahm drei jüngere Mädchen i» Pension, die die höhere Mädchenschule besuchten, leitete mit Mutter und Schwester deren Erziehung und besorgte den Haushalt. In ihrer freien Zeit arbeitete sie für ein Sttckereigeschäst.
(Fortsetzung folgt.) i