mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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Bierteljährlicher Bezugspreise bei ver Expedition 2 Mk, bei allen Postämtern 2,25 Mk. <c$cL Bestellgeld).
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Marburg
Freitag, 15. September 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlage Joh. Ang. Koch, UuiversitätS-Buchbruckerel Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Iahrg.
Neueste Telegramme.
r Berlin, 14. Sept. Se. Maj. dec Kaiser wird nach den bisherigen Bestimmungen in der letzten Septemberwoche zu einem etwa achttägigen Jagd- aufenüialt in Rominten eintreffen.
Berlin, 14. Sept. Das Reichs-Militärgericht hob dos Urteil des Oberkriegsgerichts Münster vom 23. Mai d. I., wodurch Divisionspfarrer Bachstein in Minden von der Anttage, Einrichtungen dec katholischen Kirche beschimpft zu haben, freigesprochen wurde, auf, und verwies die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an die Berufungsinstanz zurück.
Berlin, 13. Sept. Gouverneur v. Lindequist beabsichtigt, wie die „T. R." vernimmt, mtt dem am 30. September abgehenden Dampfer der Ostafrika-Linie „Admiral" von Hamburg nach Deutsch-Südwestafrika abzureisen. Der Dampfer soll Planmäßig am 22. Oktober in Swakopmund eintreffen. Herr v. Lindequist will jedoch zunächst noch nach Kapstadt Weiterreisen. Am 5. November wird er dann mit dem Dampfer „Eduard Bohlen" der Woermann-Linie von Kapstadt nach Swakop- nmnd zurückkehren, wosebst die Ankunft am 12. November erfolgen dürfte. Von Swakopmund begibt sich Herr v. Lindequist mtt der Eisenbahn nach Windhuk, um sein Amt als Gouverneur an- zutrete».
Rom, 13. Sept. Der „Osservatore Romano" veröffentlicht folgende offizielle Note: Man hat behauptet, daß der Papst schon jetzt geneigt sei, das französische Gesetz betreffend Trennung von Kirche und Staat, wie es von der französischen Dcputiertenkammer beschlossen worden ist, anzu- nehmen,, vorausgesetzt, daß es vom Senat nicht verschärft werde. Wir sind ermächtigt, zu erklären, daß der Heilige Stuhl noch keine Ent- fchließuug über diesen Gegenstand getroffen habe.
Rom, 13. Sept. Reichskanzler Fürst Bülow hat dem Minister Tittoni in einem Telegramm aus Baden-Baden in warmen Worten seine tiefe Trauer über die Erdbebenkatastrophe in Kalabrien ausgesprochen. Er teile bewegten Herzens den Schmerz Italiens, mit dem er sich durch so viele Bande verknüpft fühle.
Catanzaro, 13. Sept. Der König traf nachmittags hier ein und begab sich unter dent Jubel der Menge nach der Präfektur. Hier empfing er 'die Spitzen der Behörden, denen er seine Aner- kennung für die Hilfe, die den durch das Erd- beben Betroffenen geleistet wurde aussprach. Nach dem Empfange der Behörden in der Präfektur begab sich , der König nach Catanzaro Marina, wo er mit dem Minister Ferrari zu- sammentraf. |
Warschau, 13. Sept. Wie der „Kuryer Waszawski" meldet, wurden in der Sternwarte und der Sosnowastraße große Waffenlager ent- deckt. Mehrere Personen sind verhaftet worden. Cs handelt sich hier vermutlich um eine ganze Organisation.
Newhork, 13. Sept. Komura ist heute weniger I wohl, sodaß die Aerzte ihm rieten,' seine Heim- I reise aufzuschieben. I
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9 Machtruck verboten.) I
Das neue Fräulein.
Original»Roma» von Fr. Lehne. I
(Fortsetzung.) I
- , »Papa pflegte zu sagen, das Beste, was man I seinen Kindern mitgeben kann, ist eine gute Er- I ziehung. Uebrigens habe ich mir gerade durch I Malen manche Mark verdient, Tante! Und I Papa war so gut und glücklich, wenn er Jeman- I dem helfen konnte, daß wir um dieser seiner I Freude willen auf manches verzichteten. Arm I an Freude ist unser Leben nicht gewesen, wenn I vir auch keine großen Ansprüche machen konnten! I Nicht allein Ihr, sondern auch Andere haben mei- I nem guten Papa öfter den Vorwurf gemacht, I daß er zu wenig an seine Familie denke und I seine Praxis so ausschließlich auf die Armut be- I schränke, wie er es tat. Vom praktischen Stand- I punkte aus hattet Ihr recht — aber trotzdem, I oder vielleicht gerade deshalb war Papa geehrt I und geliebt, wie kein Zweiter. Sein Wahlspruch war eben „edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" I
„Ueberspannt, liebe Gertrud, zum Mindesten I überspannt sind in unseremZeitalter derartige An- I sichten! Hätte er mehr an Euch gedacht —" I
„Bitte, liebe Tante, Papa hat uns gedacht! I Ware Mütterchen im vorigen Jahre nicht so lange und schwer krank gewesen, wäre es auch I dndcrs! Aber der Badeaufenthalt und die'Kur I haben sehr viel gekostet, daß wir Mädchen uns nun ein wenig mehr einschränken und selbst ver- I dienen müssen — um Mütterchens willen, und I Arbeit schändet nicht, so sagte Papa immer, o, I vag er so früh dahin mußte!" Eine Träne j hlänzte in ihren Augen. I
„Gertrud, langweile doch mit diesen Erin- j gerungen Herrn von Warburg nicht," bemerkte Zrau Anna. I
Das junge Mädchen wurde dunkelrot. I -Ach ja, Verzeihung, ich vergaß —■ _ ■ •
Das Kaiserpaar in den Rheinlanden.
Seine Majestät der Kaiser hat in Koblenz beim Paradediner eine Rede gehalten, die als eine hochwichtige, persönliche Kundgebung em Progmmm des Monarchen bedeutet. Als Idealist auch auf dem Gebiets der Polittk zeigt sich der Kaiser stets aufs Neue, und es drängt ihn, seine Ideale pathetisch und historisch zu begründen. Unverbrüchlich strebt er ihnen nach. Und aus der Koblenzer Rede, in der sich ein Zug ins Romantische mit durchaus modernen Anschauungen in fesselndster Weise verbindet, aus dieser Ansprache mit ihrer Fülle von Gedanken und Bildern klinge das Kaiserwort fortwirkend besonders hervor: „Nach innen geschlossen, nach außen entschlossen!" Wir geben die Rede des Kaisers im Wortlaut wieder.
Bei der am Dienstag in Koblenz statt- gefundenen Tafel für die Rheinprovinz hielt der Kaiser eine Rede, welche lautet: „Wiederum im schönen Rheinland eingetroffen, umbrandet von dem begeisterten Jubel der patriotischen Volksmengen, der aus leuchtenden Augen und durch begeisterten Zuruf uns entgegengetragen ist, empfanden Ihre Majestät und ich den ganzen Zauber des hiesigen Landes, den es auf jeden ausübt, sei er nun Deutscher oder herbeigereist aus fremden Landen. Welch mächtiges Leben pulsiert doch hier in der Rheinprovinz in Handel, Wandel! Wissenschaft und Technik, und selbst die alten Ruinen, die noch zu meiner Studienzeit öde und tot dalagen, ein Zeugnis der Schmach und Erniedrigung unseres Vaterlandes, als fremde Eroberer in dasselbe eingedrungen waren, werden jetzt ausgebaut und bewohnt von fröhlichen Menschen. Wem haben wir das zu verdanken? Durch Gottes Gnade Sr. Maj. Kaiser Wilhelm dem Großen, dem großen Einiger unseres Vaterlandes und Volkes und demnächst seinem Sohne und seinen treuen Paladinen! Fürwahr, in unserem Deutschen Reiche hinterließ uns der hohe Herr ein herrlich prächtiges Gebäude, ein stattlich Haus, und da erinnert eS mich im Blldc gleichsam an die hochragende Burg meiner Ahnen, die ich jüngst besuchen konnte, als ich heimkehrte vom Sarge des mir so nahe stehenden, dahingeschiedenen Fürsten von Hohen- zollern. Hoch und hehr, mächtig und fest, so steht das deutsche Haus, und ebenso, wie auf unserer Stammburg eingeteilt in kleine Gemächer und Kemenaten und große Säle, je nach Bedarf, je nach Ueberlieferung in verschiedenen Farben: grün-weiß, schwarz-rot, blau-weiß, schlvarz-weiß, und in diesem Hause sind gleich wie in unserer Stammburg zwei Kapellen, eine für Protestanten, die andere für Katholiken, auf daß beide in Eintracht Gottesdienst nebeneinander verrichten mögen. Und über dem bestumwehrten, zinnen- gekrönten Dach weht in den Lüsten das Reichsbanner, der alte deutsche Adler, zu dem alle Deutschen stolz hinaufschauen, und in diesem Hause das schaffensfreudige, frischaufblühende, deutsche Volk, welches treu zu seinen angestammten Fürsten hält, darunter nicht zum geringsten meine
„Fräulein Gertrud, ich beneide sie um diesen Vater," sagte Warburg innig, „wohl Ihnen um diese Erinnerung, die Ihnen Niemand rauben kann!. Meine Jugend ivar anders."
Sie warf ihm einen dankbaren Blick zu.
„Bei allem, was ich denke und was ich tue, frage ich mich, würde Papa es wohl gut heißen? Das ist mir ein untrügliches Mittel, mich davor zu bewahren, etwas Unrechtes zu tun! Wir haben ein so inniges Familienleben gefiihrt, wie es selten eines gibt, daher können wir seinen Verlust niemals verschmerzen! Wenn er des Abends am Klavier saß und spielte — Beethoven war sein LieblingSmeister — da beneideten wir Niemand, nicht die Freundinnen, die vielleicht im Ballsaal sich amüsierten oder in Gesellschaften, nein! Das waren unsere schönsten Stunden, wenn Papa bei uns war und auch bleiben konnte, ach, es war selten, daß er nicht verlangt wurde! Dann musizierte er mit Mütterchen, oder auch mit mir."
„Ah, Sie sind musikalisch?" fragte' Warburg lebhaft, „zwar, das hätte ich mir denken können. Sie fehen ja aus wie —", er brach kurz ab, da er das Zucken in Frau Annas Gesicht und einen höchst ungnädigen Blick, der Gertrud galt, bemerkte. Sie fühlte , sich also vernachlässigt, und um dem jungen Mädchen keine Ungelegenheiten durch seine Liebenswürdigkeit zu bereiten, wid- mete er die nächsten Minuten ausschließlich der „alten Schachtel", wie er Frau Anna bei sich nannte. Gertrud gefiel ihm immer mehr; sie war so jungendfrisch und schön, daß er sie immer hätte ansehen mögen. Sein Künstlerauge weidete sich an der schönen Figur, an dem lieblichen Oval des schönen Kopfes, an dem lebhaften klugen Gesichtsausdruck, an den sicheren, anmutigen Bewegungen — alles an ihr entzückte ihn, und mit Wohlbehagen hörte sein Ohr die süßen Laute des schönen, schwingenden Organs Gertruds.
„Sie haben sicher eine Altstimme," wandte er sich wieder an bas junge Mädchen. .
Rheinländer, für deren katholische Glieder neulich in so herrlicher Weise der Erzbischof von Köln das Treugelübde erneuert hat, das ich mit Herz- lichem Dank entgegengenommen habe. Und diesem Volk, dem wünsche ich von Herzen, daß es in frischer Eintracht miteinander in diesem Hanse leben möge, vor allen Dingen in Achtung der Persönlichkeit und Würdigung derselben in jedem Menschen emporblickend zum Firmament da droben, welches über unserem Hause sich wölbt, aufschauend zum gemeinsamen Erlöser und Heiland, von dem wir hoffen und erwarten, daß er uns von unseren Sünden erlöst, und zu unserem allerhöchsten Gott und Vater, vor dem wir in Ehrfurcht das Knie beugen. Wenn so das deutsche Volk in sich gefesttgt und Gott vertrauend in die Welt hinaustritt, dann wird es auch befähigt sein, die großen Kulturaufgaben zu lösen, die ihm die Vorsehung in der Welt besttmmt hat. Nach innen geschlossen, nach außen entschlossen! Und daß diese Anschauung in meinem Volke sich verbreiten und Verständnis und Würdigung finden, imd daß es ihm beschiedeu sein möge, unter Gottes Schutz in friedlicher Schaffensfretide seine Arbeit zu fördern — dieser Wunsch wird vor allen Dingen in der hiesigen Provinz Ver- ständnis und Würdigung finden. Ich erwarte von meinen Rheinländern, daß sie bei bieser Ar- beit mir treu zur Seite stehen. So erhebe ich mein Glas auf das Wohl und Gedeihen der schönen Provinz. Die Rheinländer Hurra! Hurra! Hurra!"
Koblenz, 13. Sept. Der Kaiser fuhr heute früh um 3 Uhr im Automobil in daZ Manövergelände. Die Kaiserin folgte dorthin um 4% Uhr mittels Sonderzuges.
Koblenz, 13. Sept. Das 8. Armeekorps rückte gestern mtt der 41. Division und der Kavallerie-Division A auf dec rechten Rheinseite gegen Südosten vor und ging nachts mit der 15. uni) 16. Division bei Boppard und St. Goar über den Rhein. Diese Divisionen rücken gegen Osten vor. Das 18. Korps ivar gestern nordwestlich bis Nastätten vorgegangen. In der Nähe von Nastätten kam es heute zum heftigen Kampfe. Das blaue Korps griff an, wurde von dem roten zurückgedrängt, konnte jedoch zuletzt wieder vorgehen. Der Kaiser beobachtete den Uebergang der 15. Division über den Rhein bei Boppard, stieg bei Bogel, unweit Nastätten, zu Pferde und wohnte dem Gefechte bei. Dem Manöver wohnten ferner bei die Kaiserin, welche vorher an der Einweihung des Wilhelmsheims in Nastätten teilgenommen hatte, der Kronprinz, sowie die Prinzessinnen Adolf von Schaumburg und Friedrich Karl von Hessen und die übrigen Fürstlichkeiten. Das Wetter ist schön. Nach Beendigung des Gefechtes nahm das Kaiserpaar das Frühstück auf dem Manövergelände bei Ruppertshofen. Um 2 Uhr trafen der Kaiser, der Kronprinz, fotoie die Prinzen Heinrich, Eitel-Friedrich und Adalbert nebst Gefolge im Automobil aus den, Manövergelände in Ems ein, fuhren lang- fam durch den Kurhof, wo sie von dem Badekommissar Oberst v. Dresky und einer jubelnden
Menge begeistert begrüßt wurden, und setzt« hieraus die Weiterfcchrt nach Koblenz fort. Di« Ankunst erfolgte gegen 3 Uhr, während die Kaiserin um 12i/2 Uhr eintraf. — Die Kaiserin besuchte nachmittags wohltättge Anstalten. Am Abend sand bei den Majestäten Tafel im Schloss« statt.
Zum Friedensschluß.
Die Vorgänge in Tokio.
Tokio, 13. Sept. Eine Anzahl Deputierte» beantragte die Einsetzung eines Ausschusses welcher eine Untersuchung über die jüngstat Unruhen einleiten soll. Mehrere Bürgermeister trafen in Tokio ein, um dem Mikado ein» Petition gegen den Friedensvertrag zu überreichen. Bei ihrer Ankunft wurde ihnen jedoch durch Gendarmen der Befehl überreicht, sofort in ihre Heimat zurückzukehren. Sie fügte« sich widerstandslos.
Zum Untergang des Schlachtschiffes „Mikasa".
Der unerwartete Verlust des Schlachtschiffes „Mikasa", das als Flaggschiff des Admiral« Togo überaus populär war, verursacht überall große Bewegung. Das Feuer brach in des Nacht vom 10. zum 11. September um Mittevl nacht am Fuße des Großmastes aus; es verbreitete sich mit blitzartiger Geschwindigkeit und sprang binnen einer Stunde nach bet Pulverkammer über. Da das Schiff in ziemlich seichtem Wasser sank, glaubt man, daß es wieder gehoben werden kann. Die Schiff« „Schikischima", „Asahi" und eine Anzahl ander» sandten Mannschaften zu Hilfe, von denen viel» umgekommen find. Man führt die Feuersbrunst auf eine elektrische Ueberladung zurück.
Mukden, 13. Sept. Der russische und der japanische Bevollmächtigte für die Waffen« stillstandsverhandlungen find heute vormittag um 10 Uhr aus der Station Schakhedza zu- sammengetrvffen.
Newhork, 13. Sept. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß Baron Komura an Unterleibstyphus leidet.
Deutsches Reich,
Berlin, 14. September.
— Eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren steht in Aussicht. Wie der „Post" aus Petersburg gemeldet wird« verlaute in dortigen Hoskreisen mit Bessimmt« beit, daß der Zar sich mit seiner Familie noch i« diesem Monat zu mehrwöchigem Aufenthalt nach Darmstadt begeben werde. (S. Telegramm ii gestriger Nummer. Red.) Bei dieser Gelegenheit soll dann eine Begegnung des Zaren mit ben( Kaiser stattfinden.
— Herr v. Podbielski soll wegen feine» Haltung in der Feischfrage fast täglich anonym«
Von der unvermittelten Frage überrascht, hob sie den Kops und sah ihn verwundert an.
„Nein, doch nicht, Herr von Warburg, Mezzo- sopran," erwiderte sie.
Wie von einem Plötzlichen Gedanken erfaßt, sagte da der Onkel:
„Weißt Du, Trudchen, Du könntest etivas fingen, hab' Dich lange nicht gehört."
„Onkel!" wehrte sie erschreckt ab.
„Aber, Franz, meinte feine Frau ärgerlich, „Du iveißt doch nicht, ob Herr von Warburg ein- verstanden ist."
„Aber gewiß, meine Gnädigste, es wäre herrlich, wenn Fräulein Gertrud uns die Freude machen wollte, für Begleitung wäre gesorgt."
Warburg sprang auf, öffnete das Klavier und ließ seine Hände einigemal über die Taften gleiten."
„Das Instrument hat einen wundervollen Ton, — Sie spielen auch, meine Gnädige?"
Frau Anna hätte, wer weiß, was drum ge- geben, wenn sie hätte diese Frage bejahen können. Sie begnügte sich daher mit einem Kopfschütteln und der kurzen Bemerkung: „Teichmann spielt."
„Pardon!" — Warburg sprang auf, „Pardon, wenn ich Ihnen Vorgriff."
„Nein, nein, Herr Leutnant, spielen Sie nur! Gertrud ist so wie so mit meiner Begleitung nicht zufrieden! — Mach kein Gesicht, Trudchen, ziere Dich nicht! Tue mir den Gefallen, Du weiß doch, wie gern ich Dich höre! Du genierst Dich? Ach was!,, drängte Teichmann die Widerstrebende.
„Bitte, Fräulein Gertrud!"
. „Lasse Dich doch nicht so nötigen und ziere Dich nicht," sagte die Tante scharf, „wenn es Herr Leutnant wünscht."
„Von einem „Wünschen" kann durchaus keine Rede fein, aber unendlich freuen würde ich mich. Sie einmal zu hören. Sie brauchen keine Angst vor mir zu haben; ich bin durchaus Laie, Fräu- lein Gertrud; ich kann kaum nach Noten spielen, und gebe fast alles nur nach dem Gehör wieder. Cello ist meine Leidenfchaft, das spiele ich aller
dings ganz gut, wie mir versichert wird! Also, was wollen Sie fingen?"
Und fragend sah er sie an. Seine AngÄ suchten die ihrigen — und es war, als ob er fie mit magischer Gewalt zwingen konnte — eine» Augenblick ruhten ihre Blicke ineinander; Gertrud sühlte, wie sie unter seinem Blick zitterte; verwirrt wandte sie sich um und suchte in bett Noten. . 1
„Sie scheinen sehr vielseitig zu sein, Herr bos Warburg," sagte Frau Teichmann, die Wiede« bequem in ihrem Schaukelstuhl lehnte.
„Ja, allerdings," rief er fröhlich, „ich pfusch« in alle schönen Künste, bin Universalgenie."
Es klopfte an die Tür. Das Mädchen trat ein, ein Telegramm in der Hand: , 1
„Für Fräulein Gertrud!" ' i
Mit zitternder Hand erbrach sie es: „Du ept lau bst, doch, Tante?" I
Zustimmend nickte diese und blickte gespannt in Gertruds Gesicht, — „doch nichts Schlimmes zu Hause passiert?" — Sie bekam eine» Schrecken. — Gertrud verlieren, wäre ihr höchst unangenehm gewesen; sie war viel zu viel durch sie verwöhnt, als daß ihr deren Fehlen lieb seitt konnte.
Das junge Mädchen schüttelte verneinend mit dem Kopf, „nein Tante, nichts!" : ij-’-rrf
„Nun, was ist es denn? Woher?"
's ist von ihm!" Gertrud hatte die NeugieiHl der Tante in Bezug auf ihr Verlöbnis befriedigst müssen, da sie zu sehr mit Fragen darnach von ihr gequält worden war. , ; ,. d
„Ach so, — was will er denn?.*
„Nichts, bitte, lies!" Und sie reichte ihp bft| Telegramm. Abwehrend erhob Frau TeichrmMS dis Hand. i
„Aber Kind, ich bin doch nicht neugierig! Wist mich doch nicht in Deine Angelegenheit drängen!" . >> '
- ;-z ^Fortsetzung foIgLJJ.