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Sonntagsbeilage: Allustrirtes Sonntagsblatt. — - -
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JnserttonZgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
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Marburg
Donnerstag, 14. September 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerci
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
40. Jahrg.
Neueste Telegramme.
Darmstadt, 12. Sept. Von mehreren Seiten wird gemeldet, daß die von der früheren Prinzessin Alice, der jetzigen Zarin, bewohnten Zimmer des großherzoglichen Schlosses für den Besuch der Zarin in aller Eile neu eingerichtet werden. Man schließt hieraus, daß da§ Zarenpaar in Kürze hier eintreffen wird. (Eine Bestätigung steht noch aus. D. Red.)
Rom, 12. Sept. Kurz nach' der Abreise des Königs von Monteleone fanden neue Erd» ftöße statt. Ein großer Erdriß entstand südlich der Stadt. 15 Kilometer von Monteleone entkernt hat sich ein neuer Vulkan gebildet. Die Unterstützungsgelder übersteigen bereits eine Million, dagegen ist die Verproviantierung und Herstellung von Baracken für die Bevölkerung überaus schwierig. Der König wird im ganzen sechs Tage in den vom Erdbeben heimgesuchten Gegenden verweilen.
Mailand, 12. Septbr. Allenthalben in Italien regt sich die Mildtätigkeit für die vom Erdbeben so grausam Getroffenen. Die Stadt Mailand votierte 50000 Lire, die Sparkasse 100000 Lire. Die Sammlungen der Tagesblätter haben reichen Erfolg.
Kopenhagen, 12. Sept. Das englische Geschwader ist heute vormittag 10 Uhr nordwärts steuernd in See gegangen.
Petersburg, 12. Sept. Die furchtbaren Ereignisse in Baku scheinen nunmehr beendet zu sein, da das Militär endlich energisch ein- schreitet. Die Naphtha-Industriellen zögern jedoch noch mit dem Wiederausbau der Betriebe. Sie wollen damit nur beginnen, falls die Regierung vollste Garantie bietet für die Unantastbarkeit des Eigentums wie der persönlichen Sicherheit. Außerdem sollen sofort ausreichend; Geldmittel zum Wiederaufbau zur Verfügung gestellt werden. Am 13. d. M. findet ein Kongreß der Naphtha-Industriellen statt, der zwei Wochen andauern wird.
Peking, 12. Sept. Mit einem Sonderzuge ist Miß Alice Roosevelt mit ihrer Begleitung angekommen und von den chinesischen Ministern empfangen worden. Miß Roosevelt ist in der amerikanischen Gesandtschaft abgestiegen, Senator Nellouds und General Corbin mit ihren Damen beim deutschen Gesandten. Donnerstagmorgen findet Audienz im Sommerpalast statt. Die Abreise der Gesellschaft wird voraussichtlich am Freitag erfolgen.
Tokio, 12. Sept. (Reuter-Meldung.) Das Panzerschiff „Mikasa" fing Feuer und sank gestern morgen um 2.30 Uhr. Wie das Marine- departement bekannt gibt, war da8 Feuer am 10. d. M. um Mitternacht ausgebrochen. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Bevor die Besatzung gerettet werden konnte, erreichte das Feuer die Pulverkammer. Es erfolgte eine Explosion, die an Backbord auf der Wasserlinie ein Loch riß. An Bord befanden sich 599
8 lNcuÄdruck verboten.))
Das neue Fräulein.
Original -Roman von Fr. Lehn».
(Forrsehung.)
r" „Na, Trude, heute zum Sonntag könntest Du auch die alte Stichelei sein lassen und Dir eine Stunde Ruhe gönnen!" bemerkte Teichmann gut. wütig, „übrigens, was ich Dich gestern schon «fragen wollte — was machst Du denn die halben Nächte noch auf? Gestern tmd vorgestern, als ich nach eins noch ’rauf kam, war noch Licht in Deiner Stube! Du stichelst doch nicht etwa gar au dem Tings da? Schlaf doch lieber!"
t „Ach laß nur, Onkel —" ' ; '■
„Ja, eben, Tu tust gerade, als ob Du es noch bezahlt kriegst; es treibt Dich doch wirklich keiner," bemerkte Frau Anna, doch ettvas ver- legen werdend unter dem unbeschreiblichen Blick, den ihr Gertrud jetzt zuwarf.
Warburg beobachtete die beiden, „aha, da stimmt etwas nicht, deshalb der kolossale Eifer," dachte er, „das Mädel hat am Tage keine Zeil und nimmt deshalb die Nacht zur Hilfe." > Frau Teichmann flüsterte Gertrud etwas zu, worauf diese hinausging. Die Blicke des jungen Offiziers folgten ihr bewundernd.
„Ein prächtiges Mädchen, Ihre Nichte," be- tuerfte er, „sie scheint sehr tüchtig und zuverlässig zu fein."
Herr Teichmann stimmte begeistert mit ein und lobte Gertrud sehr, bis feine Frau, die das nicht hören konnte, sagte:
„Nun ja — es hat auch Mühe gekostet, ehe sie so wurde, wie ich sie haben wollte. Sie ist sehr emgebildet auf ihr Aeußeres wie auf ihre Kenntnisse, sowie von einem Hochmut, der sich für ein
Menschen, einschl. der Seeleute von anderen Schiffen, die zur Hilfeleistung herbeigeeilt waren, lieber die Ursache des Feuers ist die Untersuchung eingeleitet.
Das Kaiserpaar in den Nheinlanden.
Aus Koblenz wird unter dem 12. September berichtet: Der Zapfenstreich der Kapellen des 8. Korps unter Leitung des Armee- Musikinspizienten Professors Roßberg verlief großartig. Die Rede des Kaisers beim Parade- essen, so kurz sie war, wurde in der Bevölkerung bald bekannt und rief lebhafte Erörterungen itnb helle Freude über die Anerkennung der Tückstig- keit des rheinischen Armeekorps hervor. Als die Kapellen zum großen Zapfenstreich unter Begleitung von Magnesiumfackeln anmarschierten, erstrahlten die alten Bäume des Schloßrondells und die Front des Stosses in magischer Be- leuchtung. Das Kaisertzaar wurde auf dem Balkon sichtbar, umgebest von den fürstlichen Gästen. Unter den zahlreichen, tadellos vorgetragenen Musikstücken gefiel ganz besonders das äußerst wirkungsvoll vorgetragene Mosellied „Im weiten deutschen Lande" von G. Schmidt. Ebenso gefiel das Rheinlied. Mit großem Interesse ver- folgte das Kaiserpaar die schönen Darbietungen des Massenorchesters. Tausende von Menschen füllten die Schloßstraße und das Rondell, soweit die Straßen nicht abgesperrt waren. Das Kaiser- paar verweilte bis zum Schluß der Vorträge auf dem Balkon und zog sich unter den begeisterten Hochrufen der Menge dann zurück.
Koblenz, 12. Sept. S. M. der Kaiser erschien im Manövergelände in der Gegend Von Nastätten, wo voraussichtlich die Kavalleriedivision des 8. Armeekorps (blau) mit der Kavallerie des von Südosten heranrückenden Korps (rot) Fühlung gewinnt. Auf dem Rückwege besuchte der Kaiser die Marksburg, freudigst begrüßt von den Bewohnern der reichgeschmückten Stadt. Nach ein- stündigem Verweilen auf der Burg begab sich der Kaiser nach Koblenz, nahm das Frühstück bei dem kommandierenden General und kehrte um Wa Uhr ins hiesige Schloß zurück. Ihre Mas. die Kaiserin empfang am Nachmittage im Schlosse die Damen des Adels, die Spitzelt der Zivilbe- Hörden der Provinz und das Offizierkorps des 8. Armeekorps.
Braubach, 12. Sept. Se. Maj. besichtigte beim Besuch der Marksburg die im Museum dec Burg ausgestellten kiinstlerisch vollendeten Zeichnungen der Feste Coburg und ließ sich von deut Konservator der Kunstdenkmäler Thüringens Professor Voß Bericht erstatten über die vom Landtage des Herzogtums Coburg geplante Wiederherstellung der Burgkapelle der Feste Coburg. Der Kaiser sprach lebhaft seine Freude über die geplante Wiederherstellung aus.
Koblenz, 12. Sept. Heute abend fand beim Kaiserpaar im Schlosse große Tafel für die Provinz statt. Zu Seiten der Majestäten saßen wiederum der Kronprinz, Prinzessin Adolf zu Schaumburg-Lippe, sowie die hier anwesenden Fürstlichkeiten. Den Majestäten gegenüber saß der Oberprüsident Frhr. v. Schorlemer.
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Mädchen aus ihren Verhältnissen durchaus nicht schickt."
„Fräulein Gertrud ist doch Ihre Nichte —"
„Ja, die Tochter meines Mannes Schwester, die mit einem Arzt verheiratet war, der vor zwei Jahren starb, ohne etwas zu hinterlassen. Doktor Neurath war ein wunderlicher Mann, der meist Armenpraxis hatte — na, und der Verdienst!" sie brach ab und zuckte viesagend die vollen Schultern. *
Teichmann nahm da das Wort:
„Ein bischen unpraktisch war mein Schwager — von seltenen Kenntnissen — mehr zum Gelehrten geeignet,— und dabei von einer Herzensgüte —■ von seiner Tür ging Niemand unge- tröstet hinweg, er gab noch drauf, seine-Pätienten ehrten ihn wie einen Heiligen —", aber seine Frau unterbrach ihn:
„Was hat aber seine Familie davon gehabt? Die hat sich doch nichts gönnen können! Mit allem gelehrten Krimskrams hat et seine beiden Töchter erzogen, Griechisch, Lateinisch, alles hat Gertrud lernen müssen! Und nachher hat sie für ein Geschäft gearbeitet, als er tot war, damit sie ihre Mutter unterstützen konnte. Mir tat das leid, deshalb nahm ich sie zu mir."
„Wirst auch wissen, weshalb," dachte War- bürg, und laut sagte er: „Fräulein Gertrud ist doch ein hübsches Mädchen, die sich auch ’tnal verheiraten wird" — es interessierte ihn, näheres über sie zu erfahren.
„Nun ja, zum Beifpiel uns gegenüber wohnt Herr Wolf, der das große Konfektionsgeschäft lmt, der möchte sie gern heiraten. — Sie machte eine gute Partie! Aber nein, sie ■ will nicht! Als halbes Kind hat sie sich mit einem jungen Mann, der noch nichts ist, verlobt, doch zu lächerlich —* . ... , . . .
Zum Friedensschluß.
Newyork, 11. Sept. Der russische Minister v. Witte pflanzte an Washingtons Grabe eine Friedensesche, deren Ableger später nach Ruß- land gesandt werden sollen.
London, 11. Sept. Dem „Dailrs Telegraph" wird aus Tokio gemeldet: Marschall Aamagata sagte, das Kabinett sei einstimmig für den Frieden gewesen. Die Fortdauer des Krieges würde die Lage nicht geändert haben, Japan hätte niemals Rußland zwingen können, eine Entschädigung zu bezahlen. Japans Mittel würden erschöpft worden sein, auch die Mittel für die Entwicklung Koreas und der Mandschurei. Das Kabinett zog die tatsächliche finanzielle Lage Japans in Betracht; die entscheidenden Faktoren waren die Prosperität Japans, die gairz feste Haltung Rußlands und die friedlichen Ratschlage der Mächte. Aamagata gestand zu, daß Japans militärische Erfolge seine Erwartungen übertroffen haben.
Tokio, 12. Sept. Der Waffenstillstand in der Mandschurei wird morgen in Kraft treten. — Den in Korea befindlichen russischen Truppen ist noch immer nichts von dem Friedensschluß be- kamst.
Tokio, 12. Sept. Eine Massenversammlung, bie gestern in Osaka stattfand, nahm eine Resolution an, in der verlangt wird, daß der Friedensvertrag gebrochen werde, und das Kabinett zurücktrete. Bei einer Ruhestörung, die sich gelegentlich dieser Versammlung ereignete, wurden 40 Personen leicht und eine schwer verletzt. — Es bestätigt sich, daß die Demission des Ministers des Innern nicht angenommen worden ist. Dem Brauche gemäß haben sämtliche Minister dem Kaiser ein Schriftstück überreicht, in dem sie offiziell ihre Unzulänglichkeit anerkennen und um feine Entscheidung bitten, ob sie im Amte bleiben oder zurüütreten sollen. Sie haben aber gleich, zestig die Notwendigkeit des Belagerungszustandes hervorgehoben. Der Kaiser erteilte heute die Anstvort, daß die Minister auf ihren Posten verbleiben sollen.
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Deutsches Reich.
^ £3 ; Berlin, 13. September.
-— Der Urlaub des Prinzen Adalbert von Preußen, den dieser nach der Rückkehr aus Osiasien und zweijähriger Abwesenheit von der Heimat antrat, geht seinem Ende entgegen. Nach Schluß der Herbstmanöver erhält Prinz Adalbert ein Kommando als Wachoffizier an Bord des neuen Linienschiffes „Preußen".
— Prinzessin Viktoria Luise, die Tochter unseres Kaiserpaares, vollendete heute ihr 13. Lebensjahr.
— Wie die „Danziger Ztg." berichtet, über- - sandte Admiral Wilson dem englischen Konsul in Danzig folgendes Schreiben: „Ich ersuche Sie, den militärischen, Marine- und Zivil- behörden zu Danzig meinen Dank sowohl wie den Dank meiner Offiziere und der Mannschaften der Flotte für das herzliche Willkommen zu übermitteln, welches uns in Danzig zuteil wurde, unb für die Bemühungen, unseren Aufenthalt in Neufahrwasser zu einem angenehmen zu machen.
_Frau Anna verstummte plötzlich, da die Tür geöffnet wurde und Gertrud wieder hereinkam. Diese merkte an dem plötzlichen Schweigen, daß von ihr gesprochen war; es berührte sie unangenehm, aber sie ließ sich nichts merken, sondern begann den Teetisch herzurichten, indem sie dem Büffet Tassen, einige Liqueurgläschen und Flaschen entnahm und diese, sowie Gebäck, Zucker und Sahne auf den Tisch stellte, über den sie vorher ein lveißes Damasttuch gedeckt hatte.
„Was tun Sie?" fragte Warburg, „ich möchte nicht —"
„Bitte, Herr Leutnant," lächelte Frau Teichmann liebenswürdig; „es ist fünf Uhr und unsere Teestunde, die wir uns Sonntags, wenn möglich, gönnen. Hoffentlich verschmähen Sie nicht, auch einmal hier oben unser Gast zu sein. Sie sehen doch, es ist ganz einfach."
„Darf ich bitten?"
In ruhiger Weise servierte ©crtnib den Tee. Schweigend hatte Warburg beobachtet, wie sie ihn bereitet hatte und dabei so gar hausfräulich anmutig mit dem weißen Schürzchen aus- sah, und es wurde ihm warm ums Herz, wie er sie in ihrer stillen, vornehmen Art hantieren sah. Gemütlich plaudernd saßen die Vier bei- jammen. Allmählig verlor Gertrud ihre Zurück- Haltung und wurde lebhaft und gesprächig; sie hatte das Bedürfnis, sich auch einmal zu unter- halten und nicht nur auf die bissigen und klein- lichen Bemerkungen der Tante angewiesen zu fein. Ohne daß sie es wußte, war sie bald zum Mittelpunkt geworden, und ihr fröhliches Lachen tönte mehr als einmal im Verein mit demjenigen Albrechts durch das Zimmer.
„Das Muster, das Sie da arbeiten, finde ich t sehr geschmackvoll und apart," bemerkte da Warburg, einen aufmerksamen Blick auf Gertrud
Wir werden die wenigen Tage, die wir in bee Nähe Danzigs zugebracht haben, stets in anfltt nehmem Andenken behalten."
— Wie bereits mstgeteitt, ist dem Fürsten Bülow der Charakter als Generalmajor unten Stellung ä la suite der 7. Husaren verliehen worden. Fürst Bülow ist am 8. März 1871! Leutnant der Reserve geworden, er hat fast IQ Jahre warten müssen, ehe er Oberleutnant wurde, und wieder vergingen mehr als 10 Jahre, ehe Bernhard v. Bülow Rittmeister wurde. Major und Oberslleutnant ist unser Reichskanzler bekanntlich nicht gewesen, am 17. Juni 1902 er» nannte ihn der Kaiser zum Obersten.
— Zur parlamentarischen Stu» dienreise wird gemeldet: Der Dampfer „Eleonore Woermann" mit den auf der Ausreise nach Togo und Kamerun begriffenen Reichstags- Abgeordneten an Bord ist wohlbehaüen in Lagos! eingetroffen.
— Der Berliner Korrespondent des „Aston» bladet" bestätigt nach Erkundigungen im Aus- wärtigen Amt, daß eine deutsche Spezial» Mission unter Direktor v. Körner nach Stockholm gehen wird, um über einen Handelsvertrag zu verhandeln. Ein schwedischer Vorschlag liegt bereits vor, dem man einen deutschen Vorschlag entgegenstellen wird.
— Einem auffälligen Straf antrag hat die Beschwerdekammer des Berliner Landge» richts I gegen die Redakteure einer Berliner Zeitung stattgegeben. Die Vorgeschichte dieses Affäre verdient besonders beleuchtet zu werden, weil, falls andere Gerichte bei der Eröffnung von Strafverfahren von gleichen Gesichtspunkten aus» gehen würden, die Redakteure sämtlicher deutsches Zeitungen fast tagtäglich vor dem SchöfsengeriöU wegen Beleidigung erscheinen müßten. Im Sommer versuchte ein Wüstling in Spandau ein neunjähriges Kind eines dortigen Einwohners zu unsittlichen Zwecken an sich zu locken. Er wurde aus diesem Grunde von dem Vater des Kindes gebührend gezüchtigt, stellte aber gegen ihq Strafantrag und erreichte auch, daß der Vater des. Kindes zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Die» ser merkwürdige Urteilsspruch erregte damals in der ganzen Presse berechtigte Entrüstung, un8 das genannte Berliner Blatt hatte den Burschen als das bezeichnet, was er war, nämlich als einett Wüstling- und vielbestraften Menschen. Dem Burschen schien nun durch seinen Erfolg bei seiner Strafanzeige, die er gegen den Vater des Kindes stellte, der Kamm geschwollen zu sein, und er erhob gegen die in Betracht kommenden Redakteure Beleidigungsklage (!), die aber, wie natürlich, vom Amtsgericht äbgelehnt wurde« Später ordnete bann auf die Beschwerde des Zuchthäuslers hin das Landgericht I Berlin ohne Angabe von Gründen die Eröffnung des Haupt- Verfahrens an. Wenn nun auch in diesem Hauptverfahren die Freisprechung der verklagten Redakteure erfolgt ist, so verdient dieser Vorgang doch, aus den eingangs erwähnten Gründen itt die Oeffeutlichkeit gebracht zu werden.
— Der Kassenbericht des sozialdemokratischen Parteivorstandes weist für das vom 1. August 1904 bis 31. Juli 1906 reichende Geschäftsjahr eine Gesamteinnahme von; rund 746 000 Mk. auf. Bei einer Ausgabe von rund 500 000 Mk. konnten 224 587 Mk. zin§-
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Arbeit heftend, an der sie eifrig beschäftigt war, „ich liebe das Großzügige, genial Hingeworfene!"- „Wirklich? Das freut mich aber," versetzte das junge Mädchen, „ich habe es selbst entworfen und aufgezeichnet."
„Alle Achtung, Fräulein Trude, alle Achtung! Ich habe nämlich etwas Verständnis für derartige Sachen, da ich mich in meinen Mußestunden mit Malerei aber vielmehr mit Zeichnen beschäftige."-
„Ja, ich habe auch einige ihrer Zeichnungen gesehen, ganz wunderhübsch," sagte Herr Teich» mann.
„Bitte, nicht aus der Schule plaudern," unterbrach ihn der junge Offizier, „was war eS weiter, — kleine Augenblicksbilder, Karrikaturen, nicht des Erwähnens wert. Es macht mir aber Spaß, und ist mir ein wohltuender Gegensatz zu dem langweiligen Drill! — Da Ihre Zeichnung hier so stilgerecht hingeworfen ist, nehme ich an, daß Sie ebenfalls malen, Fräulein Gertrud?* wandte er sich wieder direkt an das junge Mädchen.
„Ich hatte einige Jahre Malunterricht, bet ebenso wie der Musikunterricht nach Papas Tobe aufhören mußte."
Eine leise Wehmut durchzitterte ihre Stimme, und sie senkte, das Köpfchen tiefer auf die Stickerei.
„Das war auch ganz in der Ordnung," bemerkte Frau Teichmann scharf, der es Unbehagen verursachte, zu sehen, wie in der letzten halben Stunde Warburgs Aufmerksamkeit fast ausschließlich der Nichte gehörte. „Wohin batte bas führen sollen? Ihr feib überhaupt viel zu großartig und unpraktisch erzogen. Zuerst kommt das Notwendige in Betracht." ’ \-<j‘
JTü ^Fortsetzung folgt.;