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"V Sonntagsbeilage: Allnstrirtes Sonntagsblatt

J2 214

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Dnick und Verlag- Joh. Ang. Koch, UmvrrfitStS-Buchdruckerek 40. JlMg» Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei ver Expedition 2 Mk., ber allen Postämtcm 2,25 Mk. (e$cL Bestellgeld). A MlVVUVy

Dienstag, 12. September 1905.

Neueste Telegramme.

- Tropen, 9. Sept. Der Minister der öffettt- lichen Arbeiten, Ferraris, ist auf der Führt durch sdas von den Erdbeben betroffene Gebiet hier ein- betroffen. Der Minister hinterließ an berschte- denen Orten die mit ihm eingetroffenen Aerzte And das Krankenpflegepersonal und gab Geld- sunterstützungen. Es stellt sich heraus, daß die ^Berichte über die Zahl der Opfer des Erdbebens Übertrieben sind. Der Sachenschaden ist überall außerordentlich groß.

> Raeonigi, 10. Sept. Der König ist vergan­gene Nacht inittelst Sonderzuges nach Kalabrien abgereist, um die durch das Erdbeben heimge- ssuchten Orte zu besuchen.

Petersburg, 10. Sept. Die Sonderkommis- jfion unter dem Vorsitz dcks Grafen Solsky be­endete die Prüfung der auf die R e i ch s d u m a bezüglichen Reglements, sowie der Wahlordnung Md stimmte dem Entwürfe des Ministers des Innern zu betreffend die Awendung der gesetz- gebettschen Bestimnnmgen vom 19. August auf jbie Polen.

Petersburg, 10. Sept. Durch kaiserlichen -Ilkas vom 27. August werden provisorische neue Reglements für die Verwaltung der höheren sUnterrichtsanstalten eingeführt. Danach wird 'künftig der Rektor von den Dekanen, der Fakul- stätssekretär von der Fakultät gewählt. Die Wahlen haben vor Beginn des Schuljahres' statt- -Zufinden. Die Aufrechterhaltung der Ordnung und des regelmäßigen Ganges des Unterrichts fliegt dem Rate der Dekane ob.

Moskaus. Sept. Kulowski, der Mörder des Moskauer Stadthaupmanns Schuwalow, wurde zu lebenslänglicher Zwangsarbeit begnadigt.

Sewastopol, 9. Sept. Nach zehntägiger Der- chandlung gegen 75 Matrosen des Panzerschiffes Georgi Pobjedonoszew" wurden vom Militär- Mariuegericht 3 Angeklagte zum Tode, 19 zu ^Zwangsarbeit, 33 zur Einreihung in die Arre- Wantenkompagnie Verurteilt und 20 freige- fprochen.

" Tiflis, 9. Sept. In Baku ist die Lage Hoss. Mngslos. Man vernimmt wieder Artillerie- und Eiewehrserrer. Die Brandstiftungen dauern an. Er herrscht Mangel an Wasser und Brot; idie Arbeiterbevölkerung hungert. Der General­gouverneur in Baku beauftragte den Polizeichef Schirinkin, die energischsten Maßregeln zum Schutze, der Banken zu ergreifen.

Tokio, 10. Sept. Die Bevölkerung verhält sich weiter ruhig. Die Erregung hat bedeutend Nachgelassen, aber die politische Agitation HW noch an. Es werden keine weiteren Ausschreitung jgen erwartet. Eine Schätzung der bei dm Tu- stnulten getöteten und verwundeten Personen ist sunmöglich, da viele Verwundete heimlich in ihre Wohnungen geschafft wurden. Seitdem der Be­lagerungszustand erklärt worden ist, ist keine Ausschreitung vorgekonrmen, welche ein Eingrei­lfen der bewaffneten Macht notwendig gemacht hätte. Die Straßenbahnen haben ihre:: Betrieb wieder aufgenommen.

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'(Nachdruck verboten.)'

Dos »tue FMlcin.

Original -Noma» von Fr. Lehne.

i.. lFortsetzung.)-

P -Dann auf ein ander Mal, mein gnädiges Aränlein! Sehen Sie mich nicht so verwundert ian ich komme wieder! Also auf Wiedersehen! iBckomme ich kein Händchen?" Und treuherzig bittend, streckte er ihr seine Rechte entgegen.

.sie verlangen viel! Nach so kurzer Be- kanntschast pflege ich nicht fo vertraulich zu sein!" ;Bitte, dann machen Sie mit mir eine Aus- -nabme!" Sie konnte seinem bittenden Blicke picht gut widerstehen; zögernd legte sie in seine Hand ihre Fingerspitzen, die er kräftig drückte 'ja, ja, wenn man dem Teufel den kleinen Finger gibt, so nimmt er gleich die ganze Hand," rächte er, als sie hastig ihre Hand aus der seinen befreite.

Nochmals auf Wiedersehen," sagte er innig, fächelte freundlich und begab sich dftnn ins Gast- Zimmer.

Na, wo, waren Sie denn so lange, War­burg ?", rief ihm Assessor von Römer entgegen, -Jinfc ja ganz das Mädchen aus der Fremde! Naben wohl Süßholz geraspelt da draußen, wie? wmdrvck gemacht?"

Warburg achtete nicht darauf, sondern wandte pch an Teichmann.

... --Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer Fräulein .'uchte sie ist ein wirklich schönes Mädchen!"

aber 'n bischen kurz scheint sie.zu sein," rief der Assessor dazwischen,müßten ihr das ibgQvöhnen, lieber Teichmann, macht keinen stuten Eindruck"

Lassen wir die Gertrud, wie sie ist, meine ^ren," sagte der Angeredete ernst,ich bin ihr Pank schuldig, daß sie gekommen ist, meine Fmu ,u unterstützen, und ich würde es sehr bedauern, venn ihr der Aufenthalt bei unH nW gefiele

Das Kaiserpaar in Homburg v. d. H.

In Gegenwart des Kaiserpaares^und zahl­reicher fürstlicher Manövergäste fand Sonnabend vormittag die feierliche Enthüllung des von Professor Gerth geschaffenen Denkmals Kaiser Wilhelms I. in Homburg v. d. H. statt. Die Enthüllung des Denkmals vollzog sich in dem für derartige Gelegenheiten gewohnten Rahmen. Das Denkmal zeigt den greifen Kaiser in großer Generalsuniform, aber schlicht in Haltung und Ausdruck. Nachdem unter dem Hurra der Truppen die Hülle gefallen war, ließ der Kaiser zwei Vertreter Homburgs und den Schöpfer des Denkmals, Professor Gerth, zu sich bitten und sprach längere Zeit sehr aufgeräumt mit den Herren. Dann begab sich das Kaiserpaar, von der Menge enthusiastisch begrüßt, im Wagen nach dem Schloß zurück, wo bei der Kaiserin ein Damenempfang stattfand. Auch der Kronprinzessin, deren sympathische Erschei­nung warme Sympathien erzeugt, wurden leb­hafte Ovationen bereitet. Der Kaiser hatte nach dem gestrigen Diner eine längere, ein­gehende Unterredung mit dem zur Zeit in Hom­burg weilenden englischen Botschafter am Ber­liner Hofe, Sir Fr. Lascelles. Dem hessischen Infanterieregiment Nr. 116, dessen Chef der Kaiser ist, schenkte der Monarch seine Büste, dem Infanterie - Regiment Nr. 25 von Lützow eine Büste des Freikorpsführers, dessen Namen das Regiment führt.

Das Kaiserpaar gab am Samstag der Pro­vinz Hessen-Nassau im Kurhause 311 Homburg eine Galatafel. In deren Verlaufe erhob sich Se. Majestät zu längerer Rede, in der er schil­derte, was Homburgs Boden der Geschichte des Reichs und seinem eigenen Leben bedeute. Wört­lich sagte der Kaiser:

Die Ermnerungen ans früher Kindheit füh­ren mich in diese Provinz hin, und es war mir hier bergönni, in der Zeit der großen Eindrücke, die ich erlebte, die Nachrichten von dem großen Einigungskampfe zu empfangen; zu gleicher Zett hatte ich die Gelegenheit, die barmherzige und mildtätige Hilfe meiner verstorbenen Frau Mut- ter bewundernd zu beobachten, wenn ich sie an das Krankenbett der Krieger begleiten durfte, welche von ihren Wunden hier genasen. Dabei möchte ich aber auch den tiefen Eindruck nicht vergessen, den mir das Weh und Leid, da? der Krieg in ein Land hereinführt, und das, tvas die Menschen ausgestaiiden und ausgehalten haben, damals gemacht hat. Hieraus läßt sich erklären, daß ich es als Regent meine Hauptsorge sein lasse, daß meinem Lande dec Frieden erhalten bleibt. Der gestrige Tag hat mir die große Freude gemacht, viele Tausende alter Kriegs­kameraden meines Großvaters und Vaters dem aktiven Korps gegenüberfteijen zu sehen mit den Ehrenzeichen aus großer Zeit an der Brust. Sie haben ihren Fahneneid gehalten, ihre Pflicht ge»

und sie fort von hier ginge übrigens ist sie so gut wie verlobt."

Mtt Absicht bemerkte er dies letztere; Gertrud toürbe- über diesen Vertrauensbruch nicht böse fein; war es doch das beste Mittel, sie vor allzu dreisten Huldigungen zu bÄvahren. Und er hatte auch Recht mit dieser Annahme.

Jeder der Herren fühlte das Unausgesprochene, das in Teichmanns Worten lag, und begegnete ihr, wenn es die Gelegenheit gab, mit der Ehr­erbietung und Achtting, die ihr als gebildetem Mädchen und Verwandten des Hauses zukam. Es dauerte auch nicht mehr lange, dann nahm Fran Anna ihren Platz wieder ein, und Gertrud hatte wieder mehr oben zu tun, wenn es.auch nicht ansblieb, daß sie der Tante zur Hand sein mußte, da deren Fuß noch sehr empfindlich war und jede Iteberanftrengung Schmerzen verursachte.

Auf Warburg hatte die Mitteilung, daß Ger­trud verlobt sei, einen eigentümlichen Eindruck gemacht, den er sich kaum erklären konnte er fühlte etwas wie Bedauern, daß das schöne Mädchen nicht mehr frei war. Doch' was ging ihn das eigentlich an es konnte ihm doch ganz gleich fein! Aber es interessierte ihn, und er suchte Unterhaltung mit ihr, wo es möglich war. Wenn er sie nur schon sch en konnte! Oft mußte sie ihm etwas Aufschnitt zurechtmachen, den er sich zum Abendbrot mit nach Hause nahm, nur, damit er Gelegenheit hatte, einige Worte mit ihr zu wechseln. Aber sie begegnete ihm mit merk­licher Zurückhaltung und ließ deutlich durch­blicken, daß ihr jede Privatunterhaltung unan­genehm war, sodaß er sich wie die anderen Herren auf einen höflichen Gruß beschränkte. Sobiüd aber Frau Teichmann wieder in ihrem Bereich herrschte, suchte er diese jeden Tag auf, um mit ihr zu plaudern in der Hoffnung, daß Mich Gertrud da wäre.

Jimner war das nun nicht der Fall' Sann war aber seine Freude nachher 'doppelt groß," wenn er ein paar Worte mit ihr. weMln kannte.

tan und leben jetzt als Vorbilder der Pflege von Treue und Patriotismus für die jüngere Ge­neration. Besonders dankbar gedenken möchte ich aber der schönen, weihevollen Stunde des heutigen Morgens. Das schöne Standbild, das die Stadt dem großen Einiger unseres Vaterlandes gesetzt hat, ist ein beredter Ausdruck ihrer Gefühle, ebenso die schlichten Worte, die übet ihn und sein Hans gefallen sind. Man kann wohl sagen, wenn man von dem Standbild Kaiser Wilhelms des Großen im Park zu Homburg hinaufblickt in den Taumis, zur Saalburg, wo der römische Imperator in der Allocutio vor der Porta de- cumana steht: Es ist hier alter Kulturboden, der stets eine große Rolle in der Geschichte gespielt hat. Roms Heere haben ihn besetzt, um ihr Reich zu wahren. Die Fürsten von Nassau-Oranien, meine hohen Vorfahren, haben die Glaubens­freiheit erkämpfen helfen, und das erloschene Ge­schlecht der Homburger hat hier gelebt, deren einem unsere deutsche Dichtung eine der schönsten Figuren verdankt, die je einer unserer deutschen Dichter gesckiaffen hat. Und so geht es herunter bis auf die jetzige Zei. Freilich sind es auch weh- mütige Erinnerungen, die uns mit Homburg ver­knüpfen. In seine Umgebung zog sich meine ver­blichene Frau Mutter zurück, um von schwerem Weh und Kummer sich zu erholen, der hohen Kunst sich widmend und ringsum Mtur, brin­gend und befruchtend wirkend. So hat sie ge­lebt, geliebt und geachtet von Ser Bevölkerung der Umgegend, bis Gott sie abrief. So sind die Beziehungen von meiner Jugend auf bis zum heutigen Tage innige und mannigfaltige, die mich mit diesem Landesteile verbinden, und ich kann mir wohl das Zeugnis aüsstellen, daß ich redlich bemüht bin, ihm aufzuhelfen, und zu sei, iter Fortentwicklung das Meinige beitragen. Jedenfalls kann ich nur versichern, daß mich jede Stunde meines Lebens freut, die ich in diesem Teil der Provinz Hessen-Nassau zubringen kann. Ich trinke auf das Wohl der Provinz. Hurra, Hurra, Hurra!"

Nach dem Triukspruch des Kaisers erhob sich Oberpräsident von Windheim zu dankender Er­widerung: 1

Se. Erzellenz betonte die besondere Vorliebe des Kaisers für die Verhältnisse und Aufgaben unserer Provinz, für ihre Schönheit und land­schaftlichen Reize, wies hin auf die festgewurzelte, monarchische Gesinnung der Provinz und bekun­dete in ihrem Namen die Freude darüber, das kronprinzliche Paar hier zum ersten Male be­grüben zu können. Mit einem Hoch auf das Kaiserpaar schloß dec Oberpräsident.

Der Kaiser unternahm, wie aus Honchurg v. d. H. weiter gemeldet wird, Sonnabend nach­mittag eine längere Automobilfahrt. Die Kai- ferm empfing um 3 Uhr eine größere Anzahl von Damen des Adels, der Spitzen der Zivilbe­hörden der Provinz Hessen-Nassau, sowie die Damen des 18. Armeekorps, um 4y2 Uhr die Damen aus fürstlichen Häusern. Der Kronprinz und Sie Kronprinzessin unternahmen gleichfalls eine Automobilfahrt.

Mit großer Gewandtheit verstand er sie im Ge­spräch festzuhalten, Frau Anna scheinbar als Hauptperson betrachtend, so daß diese in ihrer geschmeichelten Eitelkeit äußerst liebenswürdig gegen Gertrud war.So lauf' doch nicht im­mer fort, wenn der Herr Leutnant Dich anrebet," sagte sie einmal, als das junge Mädchen sich ent­fernen wollte Gertrud sollte sehen, wie War- bürg sich um sie, die verheiratete Fmu, bemühte in allen Ehren natürlich Gott, so junge Leute schwärmen oftmals für reifere Frauen, da Ivar ja nichts dabei und ein Triumph war es für sie, daß er dieschöne" Gertrud so en baga- telle behandelte, da konnten ruhig ein paar Bro- samen seiner Liebenswürdigkeit für das junge Mädchen abfallen gerade denn sie war viel­leicht nur deshalb so kurz, weil sie sich ärgerte, daß sich der junge Offizier so wenig um sie küm­merte. Alle hatten ihr in begeisterten Worten von der schönen Nichte gesprochen nur er nicht! Ganz beiläufig hatte er bemerkthüb­sches Mädel". Für ihn war jedes junge Mädchen ein hübsches MädÄ sie aber warschöirv, garschönste Frau"> -»liebste, beste Fmu Anna" usw. 1

Ihre kleinliche Seele war von Stolz und Ettel- keit geschwellt, daß sie gar nicht bemerkte, wie sie als, Mittel zum Zweck betrachtet wurde! Denn er in seiner natürlichen Klugheit hatte wohl be­merkt, wie sie auf die schöne blühende Jugend Gertruds eifersüchtig und neidisch war, und hütete sich Wohl, ein mehr als unnützes Wort zu deren Lobe zu sagen. So kam es, daß er be­sonders wenn keine Gäste im Gastzimmer waren : die meiste Zeit mit Frau Anna verplauderte. Gertrud war Samt mit Staubwischen usw. be­schäftigt, aber er zog sie mit ins Gespräch und lernte bald ihren lebhaften klugen Geist kennen. Es'verging kein Tag, an dem er nicht wenigstens einmal bei Teichmann vorgesprochen hatte er war Wohl der beste Kunde geworden, wie dieser scherZenN zu. ihm bemerkte, .Geduldig hörte ec

Zum Friedensschluß.

Der Aufstand in Tokio. ' 1-

Die revolutionäre Bewegung scheint nW von Tokio auf die anderen großen Städte übe» gesprungen zu sein. Wenigstens wird nur von nicht sehr bedeutungsvollen Zusammenrottungen an anderen Orten berichtet. Tokio, der Schon« platz der schlimm« Tumulte, hat nach der Volks« Zählung von 1903 1 818 655 Einwohner. Di« Ausschreitungen fanden im Distrikt KodjimatsÄ statt, in dem außer dem kaiserlichen Palast bi| Parlaments-, Gerichts-, die hauptfächlichsten Re- gierungsgebäude und außerdem mehrere Ge« sandtschaften. Dieser Teil der Stadt ist bott von einem Graben umgeben, der an einigen Stellen überbrückt ist. Der Palast des Mikado, ein modernes, 1889 errichtetes Gebäude, liegt fast im Mittelpunkt dieses Distriktes. Die öffent­lichen Bauten Tokios sind Stein- oder Ziegel« stein-Bauten, aber die Masse der Häuser ist an- Holz erbaut und die Gefahren der Brandstiftung sind deshalb furchtbar. Die Feuerwehr ist gut Trotzdem brannten 1899 im Zentrum Tokios nicht weniger als 1441 Häuser ab. Die Polizei ist 4000 Köpfe stark. Die Mitglieder der Polizei« truppe retrutieren sich zumeist aus der besseren Volksklasse. Viele der Polizisten entstammen bett Klasse der Samurai. Die Polizei ist mit Sabel« bewaffnet und sieht für gewöhnlich bei dem Volke in hoher Achtung. Tokio hat in Friedenszeit« eine starke Garnison. Wieweit die (Starte bett« selben in Kriegszeiten beeinflußt wurde, läßt sich nicht feststellen. !

Tokio, 8. Sept. Die ZeitungAsahi* macht die Regierung wegen des Starrsinns, d« sie gezeigt habe und für die Angriffe auf d» christlichen Kirchen verantwortlich. Hätte die Re« gierung, so schreibt das Blatt, der Stimme btil Volkes'ihr Ohr geliehen und das Volk nicht durch ihre Verstecktheit aufgebracht, wäre Tokio btt, Schande und Demütigung eines PöbelaufstandeH erspart geblieben, der zur Zerstörung von Mfl« sionseigeittum führte und dadurch die Empfind« lichkeit des Auslandes getroffen habe. Wir be­dauern das Vorkommnis in hohem Grade. DK Asahi" tadelt sodann besonders den Minister des Innern und den Polizeichef und erklärt, beide sollten zurücktreten.Jiji Shimpe" spricht, sich mißbilligend über die Erniedrigung aus, die ttt der Verhängung des Standrechts liege und fotx dort den Rücktritt des Kabinetts, l

Tokio, 9. Sept. Ministerpräsident Gmf Katsura gab heute in eintet wichtigen, politisch« Zusammenkunft eine Darlegung über den Frie­densschluß, wobei er, wie verlautet, sagte, Japan habe sich damit einverstanden erklärt, daß die La« Perousestraße eine freie Straße sein solle, sich aber nicht verpflichtet, sie nicht zu befestigen. Mau nimmt an, daß diese Erklärung zusammen mit der Versicherung, daß Japan völlig freie HanL in Korea genießen wird, dazu beitragen werde, die öffentliche Erregung zu dämpfen.

auf Frau Annas langatmige Erzählungen, ohne müde und überdrüssig zu werden. Beharrlichkest führt zum Ziel was er eigentlich wollte und beabsichtigte, war ihm wohl selbst kaum klar ihm genügte es, wenigstens befriedigte es ihn, wenn er in Gertruds schöne Augen blicken formte, die ihn so rätselhaft anzogen wenn er ihrer dunklen tönenden Stimme lauschen konnte, die ihn so seltsanr umschmeichelte. Es reizte ihn, sie aus ihrer immer gleichen, etwas zurückhaltenden Freundlichkeit zu bringen, und er gab sich ordent­lich Mühe aber sie verstand sich zu beherrsch«, und kein Blick gab ihm zu verstehen, daß sie ihn gerne sah. Das war ihm noch nie widerfahren wo er sich sonst zeigte, erkoren die jungen Dam« ihn zum Mittelpunkt es war überhaupt kein Vergnügen ohne ihn denkbar; er hätte überall anklopfen können, keine hätte ihm die Hand bec« weigert hier mußte er einer, wie es ihm schien, sogar etwas spöttischen überlegenen Ruhe begeg­nen. - Das Mädchen war kalt 'ein Bild ohne Gnade, tote Assessor Römer sie nannte; fast war er gewillt, dieser Ansicht zuzusfimmen aber es war etwas in ihren Augen, was ihn doch daran hinderte nun wohl er wollte schon dieses schöne Rätsel ergründen fein Sieg ohne Kampf! Und je schwieriger letzterer, desto ehrenvoller der Gewinn! Er hatte ganz ver­gessen, daß sie verlobt war ah bah was tat das! Er hatte ja nichts Unrechtes im Sinn; er wollte ja nur sehen, was sich in dieser schön« Hülle barg das Studium einer Frau ist im­mer interessant. Und die Waffen, die er führte, waren erlaubt feine Liebenswürdigkeit; uni» seine Geduld. Daß er vielleicht selbst in diese« Kampfe unterliegen, daß er Schaden nehm« könnte, kam ihm gar nicht in den Sinn. Er ahnte gar nicht, daß 'es schon geschehen war; et legte das Gefühl, das ihn für Gertrud erfüllte, lediglich für Interesse aus, das er für ihre außer« 'gewöhniliche Schönheit hegte, die fein Künstler« äuge begeisterte. h (Fortsetzung folgt.), I