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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllrrstrirtes Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (epi. Bestellgeld).

Inserttonsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 10 Pfg.

Neclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 10. September 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Ioh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerä 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Metier die geistige und materielle Kultur Japans.

Ter blutige Krieg, der nun seit länger als Jahresfrist in Ostasien zwischen Rußland und Japan tobt, hat aller Welt Augen nach jenen Gegenden gelenkt. Japan war bis vor einem Jahrzehnt für unser großes Publikum kaum mehr als ein Gebiet ästhetisierender Neugier. Der japanisch-chinesische Krieg war dann zivar ein Weckruf für uns, die japanische KulturentwiKung zu verfolgen, aber erst der siegreiche Kampf gegen eine europäische Großmacht hat uns zum Bewußt- feilt gebracht, daß ein ganz neuer Rollenträger auf das theatrum mundi, die Schaubühne der Welt, getreten ist. Der Krieg ist zwiar nicht, trotz der altklassischen Auffassung, der Vater alles Großen, aber er zeigt jedenfalls, ob ein Volk groß oder klein ist, ob seine Seele des helden­haften Aufschwunges fähig ist, ob ihm eine Zu­kunft blüht, oder ob es seine Größe in der Ver. gangenheit zu suchen hat. So wie das Ringen zwischen Persern und Griechen endgültig den Sieg deS hellenischen Geistes, das Völkerringen von 1870/71 auf unabsehbare Zeit die politisch- kulturelle Stellung des neuen Deutschen Reiches entschied, so drückte jetzt der .Krieg an den Ufern des japanischen Meeres daS Siegel auf die Vor­herrschaft, Japans in Ostasien. Nicht der blinde Zufall wirft das Los über Völkergeschicke, son­dern die oft fast stille, fast unsichtbare Arbeit von Jahrhunderten erntet auf den Schlachtfeldern ihren Lohn, istun hat es einen eigenen Reiz, dem Fühlen nnd Trachten eines fremdartigen Volkes bis zu , seinen Quellen nachzuspüren. Heber Japan ist ja in der letzten Zeit vieles und Gediegenes geschrieben worden. Seine geogra- plüschen, ethnographischen und religiösen Verhält­nisse., besonders sein altes Kunstgewerbe sind durchforscht, aber merkwiirdigertveise ein Gebiet blieb bisher, fast unbeachtet, ein Gebiet, das, so recht eigentlich den Spiegel der Volksseele darstellt, die Literatur. Zw'ar schon vor 10 Jah­ren hat.Tr. K. Florenz einzelne schöne Dich- tnngen ins Deutsche übertragen, aber eine syste- malisch durchgeführte Literaturgeschichte Japans ist erst jetzt den deutschen Lesern vorgelegt wor­den. Otto Hauser hat es unternommen, in einem anmutigen, mit japanischen Faksimilebildern ans- gestatteten Bändchen einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der japanischen Dichtung im Laufe von zwölf Jahrhunderten bis auf die Gegenwart zu geben und den Charakter der ein­zelnen Tichtungsarten sowie der hervorragenden Dichter^ so gut es sich bei dem beschränkten Raum tun ließ, mit Beispielen zu illustrieren. Da nun Weltanschauung, Lebensauffassung und Staats- entwicklnng unwillkürlich in der Literatur ihren Ausdruck suchen, so erhalten wir durch das Biich- lein einen recht guten Eindruck in das innere Getriebe Altjapans und sehen, wie dann die arische Kultur eindringt, mit dein Alten ringt und schließlich beginnt, sich mit dem Echtnatio- nälen zu einem harmonischen Neuen zu ver-

5 iNachdruck verboten.)

Das neue Fräulein.

Original »Roma« vsu Fr. Lehne.

(pometznng.-)

Sie wünschen, mein Herr?" fragte sie etwas abwenend.

Ich möchte ein illustriertes Bemmchen, recht niannigfaltig belegt. Fran Teichmann versteht es so gut. Ich will Sie nun orientieren, da Sic es noch 'nie für mich getan haben!"

Ich werde bemüht sein, Sie zufrieden zu stellen."

.Davon bin ich überzeugt. Schenken Sie mir aber, bitte, vor allem einen freundlichen Blick aus Ihren schönen Augen," sagte er ein­dringlich.

Sie beachtete seinen letzten Ausspruch gar nicht, sondern führte nur seinen Auftrag aus.

Bitte, aber die Pikanten Zutaten nicht ver- gessen sehen Sie, es ist wirklich nötig, daß ich hier bin. Ihnen dies zu sagen! Ich liebe das Pikante, Sie nicht auch?"

Durchaus nicht! Ich ziehe das Reelle, Solide vor," lautete ihre kurze Antwort.

Jeder nach seinem Geschmack!" Er zuckte die Achseln nnd fixierte sie mit einem unbeschreib­lichen Lächeln:eigentlich machen Sie nicht den .Eindruck! O, was haben Sie für entzückende Hände, Hände zum Küssen! Ueberhanpt, mein schönes Fräulein"

In Gertrud kochte es: sie konnte sich nicht länger beherrschen. Hastig schloß sie das Fenster- chen. zog die Gardine davor nnd ließ den Assessor mit einem nichts weniger als geistreichen Gesicht stehen. Tann klingelte sie.

:,Hier, Onkel, ist das bestellte Bemmchen für Den.^ierru" laute sie au dem berbeiLeeilken

schmelzen eine Periode, die eben angebrochen ist, aber erst in ferner Zukunft ihren Abschluß finden kann. Freilich, das heroische, transzenden­tale Element, das unsere Dichtung auszeichnet, ist der Japans ziemlich fremd. Statt dessen treten die sinnige Naturbetrachtung und der buddhi- stische Weltschmerz in den Vordergrund. Die Liebe zum anderen Geschlecht, wie sie unser Minnelied schon besingt, wird verdunkelt von der Verehrung und Aufopferung für die Elterm: doch fehlt es auch an anmutigen altert Liebesliedern nicht. Neben der Kindesliebe ist es die Vasallen- trene, die begeisterte Dichter findet und die im altjapanischen Drama, das fast gleichzeitig mit unserer Klassik sich entfaltete, die schönste Ver­herrlichung findet. Die todesverachtende Hecres- folge, die sich bei dem äußerlich friedlichen Ver­lauf der japanischen Geschichte nur in inneren Kämpfen betätigen konnte, ist die Wurzel . der Vaterlandsliebe Jungjapans geworden, dieser mächtigen Triebfeder, die alle Japaner zu einer Nation zusammengefchweißt hat, die die Kasten­unterschiede aufgehoben und die bei jedem Ein­zelnen das Streben wachgerufen hat, Japan den kaukasischen Kulturmationen ebenbürtig zu machen.

Sitten nnd Lebensanschauung der breiten Massen ändern sich natürlich langsamer, als Ein­richtungen und Gesetze von der herrschenden Schicht geschaffen werden können. Der mächtige Einstuß dieser Neuerungen macht sich aber auf einem Gebiet mit unwiderstehlicher Gewalt gel- tend: auf dem der Volks- und Staatswirtschaft: durch diese zwingt er allmählich auch die schwer­fälligeren Volksmassen der Bauern und Hand- Werker in neue Gedankengänge. Die Wand­lungen, welche Japan in dieser Hinsicht im Laufe der letzten vier Jahrzehnte durchgemacht hat, schildert Professor Dr. Rathgen, der während jahrelangen Aufenthalts die Verhältnisse in Ja- van genau kennen gelernt hat, in einemDie Japaner und ihre wirtschaftliche Entwicklung" betitelten Werkchen. Die Umwandlung des abge- schlossenen agrikolen Feudalstaates zu einem modernen Weltmarktstaat ist seit der rein Poli­tischen Revolution von 1868, die das alte Kaiser- tum wieder zu Ehren brachte, mit fast unglaub­licher Schnelligkeit vor sich gegangen. Der An­stoß zur Verflechtung des Jnselreichs in den Welthandel kam freilich von außen, von der nordamerikanischen Union durch den Vertrag von 1854, dem dann eine Reihe ähnlicher Handels- abmachungen bis zum Jahre 1899 folgte, in dem der Eintritt Japans als gleichberechtigten Staats ins Völkerkonzert stattfand. Die erstaunlichen Leistungen auf staatswirtschaftlichem Gebiet, dir Neuordnung der Währungsverhältnisse, die Be­seitigung der später einreißenden Papiergeldwirt, schast, die Einführung des Bank- und Kredit­wesens und die darauf erreichte Konsölidierung der Goldwährung, der Ausbau des Steuerwesens auf der Grundlage der Grundsteuer mit Er­gänzung durch indirekte Steuern, die Etablierung des Staatskredits und der Ausbau der Neuzeit- kicksen Verkehrs- und Verteidigungsmittel mit Hilfe des herangezogenen Geldes, die staatliche Förderung der auskeimenden Großindustrie und des auswärtigen Handels durch eine neue Zoll­gesetzgebung setzt Professor Rathgen sehr an­schaulich unter Zuhilfenahme reichen statistischen

Onkel, nachdem sie das Fensterchen wieder geöff­net und das Bestellte hinansgereicht hatte.

Was denn, Trudchen?" fragte dieser er- staunt,davon weiß ich ja gar nichts! Ah, es ist für Sie, Herr Assessor?"

Allerdings," entgegnete dieser, etwas ver­legen an dem blonden Bärtchen zupfend,ich hatte mir die Freiheit genommen, Fräulein Nichte von meinen speziellen Wünschen in Kenntnis zu setzen, denen Ihre Frau Gemahlin in so reizender Weise Rechnung zu tragen versteht!"

Gewiß bei der Trude anzubandeln versucht und abgeblitzt Dich kennen wir ", dachte Teichmann und laut sagte er:Außerordentlich liebenswürdig, Herr Assessor, daß Sie sich selbst bemüht haben! Ich danke Ihnen!"

Auch meinen Dank," Gertrud neigte den Kopf,hoffentlich ist es zur Zufriedenheit aus- gxfallen!" Dann icanbie sie sich um, und der Assessor zog vor, zu verschwinden.

Das konnte ja nett werden, toemt es so weiter ging! Die Erregung batte ihre Wangen höher gefärbt: sie hatte sich wirklich über diesen blasier­ten Menschen geärgert: was siel ihm nur ein? In ihre Gedanken vertieft, hatte sie ganz das Oeffuen der Ladentüre überhört und schreckte zusammen, als sie hinter sich eine sriscke Stimme sagen hörte:

'Morgen, schöne Frau! Gut geschlafen!"

.Hastig und verwundert ob dieser Anrede drehte sie sich um und blickte in ein ebenso ver- wundert anssebendes Männergesicht.

Pardon, ich glaubte Frau Teichmann zu sehen! Ah, Sie sind gewiß die Nichte, von der sie mir sprach."

Allerdings. Tante ist leider krank, und so muß ich sie hier vertreten."

Das tut mir aufrichtig reib ~ das heißt, üaß Frau. Deichmann Frank, ist, picht r nicht

Materials auseinander. Der Leser staunt über die gewaltige Summe geistiger Arbeit, Einsicht, Energie, Unterordnungs- und Organisations­fähigkeit, ivelche die japanische Nation im Laufe der letzten Jahrzehnte hervorgebracht hat. Alle die Kräfte warm natürlich schon in Altjapan lebendig, wie die Literatur sie auch deutlich wiederspieglt, nur lagen sie im Schlummer: denn es fehlte ihnen das hohe Ziel, die freie Bewegung und die moderne Technik im weiteren Sinn des Wortes. Hmte hat Japans neue Kultur die Feuerprobe bestandm, indem es im Land- und Seekrieg den Beweis geliefert hat, daß es sich auf nationalen Großbetrieb versteht. Die Kultur­welt ist um eine verjüngte Nation reicher. Daraus wird eine regere gegenseitige Befruchtung des geistigen und wirtschaftlichen Lebens hervor- gehm. Auch handelspolitisch ist nach Professor Rathgen ein industrielles Japan als erstarkender Konsument ein begehrenswerter Kunde.

Stächst Belgien, den Niederlanden und Groß­britannien ist Japan das am dichtesten bevölkerte Land der Erde. Seine Bevölkerung belief sich im Jahre 1899 auf 44,5 Millionen Seelen. Auf den Quadratkilometer entfielen 111 Bewohner. Die jährliche Vermehrung beträgt rund eine halbe Million. Wie ein japanischer Volkswirt, Dr. Kumao Takaoka, in einer Abhandlung, die unter dem TitelDie innere Kolonisation Ja­pans" erschien, bemerkt, gibt es fast keinen Platz mehr im altm Teile Japans, um den Bevölker­ungsüberschuß zu ernähren. Seit Jähren ist daher die japanische Regierung bestrebt, die große Insel im Norden, von den Europäern Jesso, von den Japanern Hokkaido genannt, die gegenwärtig nur eine halbe Million Einwohner hat und noch drei Millionen mehr fassm kann, zu kolonisieren. Dr. Takaoka schildert in seiner Schrift die planmäßige innere Kolonisation der Japaner auf Hokkaido und würdigt dann die Er­gebnisse dieser großen staatlichen Aktion. Aber diese Insel kamt eben nicht mehr als drei Milli­onen, also nur dm lieberschuß der japanischen Bevölkerung innerhalb sechs Jahren noch auf. nehmen. Für die weitere Zukunft entsteht die Frage, wie Jasiau sich seinem Bevölkerungszu­wachs anzupassen hat. Nach der Ansicht des japanischen Volkswirts gibt es nur zwei Mittel, nämlich Förderung der Industrie einerseits und Begünstigung der Auswanderung andererseits. Japan hat bereits seine Industrie nach Kräften gefördert. Auch die Auswanderung hat schon eine ansehnliche Höhe erreicht. In den chinesischen VertragIhäfen sollen über 5000, in Korea gegen 20 000 Japaner ansässig seien. Die Zahl der Japaner in der Mandschurei wurde auf 3000 angegeben. In der Tat sind China, Korea und die Mandschurei die nächsten und geeignetsten Ziele japanischer Kolonial- und Auswanderungs- Politik. In Betracht gezogen werden ferner die Philippinen, wo die Japaner zahlreicher hervor- treten, und Hawai, wo sie mit 55 000 Köpfen mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung bilden. Außerdem finden sich einige Tausend Japaner in Kanada und in Australien. Auch dieser letztgenannte Erdteil mit seiner dünnen Be- völkerung wird als ein geeignetes Ziel ihrer Kolonial- und Auswandernngspolitik von den Japanern ins Auge gefaßt.

etwa Ihre Stellvertretung," fügte Leutnant von Warburg hiitzu, denn dieser war es als ec ein Lächeln um Gertruds Mund sahdoch nicht ernstlich krank?"

Nein Tante hat sich nur den Fuß ver­treten."

Das ist ja bedauerlich!" Augenblicklich ivußte er nichts weiter zu sagen, sondern begnügte sich damit, seinen blonden Schnurrbart, den er keck nach oben gewirbelt trug, zu drehen und Gertrud verstohlen dabei zu mustern. Die Pause wurde drückend: er fühlte, daß er überflüssig war und wollte doch nicht gern geben, bis sie bemerkte:

,-Herr Leutnant, Sie werden jedenfalls drüben schon ernxirtet; vor einer Weile sind ver­schiedene Herren gekommen."

Olt, ich danke Ihnen," er verneigte sich darf ich Sie gleich um eine Portion Mayon­naise bitten?"

Bedauere, Herr Leutnant, direkte Bestellun- gen kann ich nicht annehmen."

Und wieder huschte das Lächeln über ihr Ge­sicht, das ihr so reizend stand und die Grübchen in den Mundwinkeln vertiefte. Endlich ging er, nicht ohne einen langen Blick in ihr schönes Ge­sicht geworfen zu haben. Das schien also Mode Zit sein, daß die Tante von den Gästen hier auf- gesucht wurde. Sie schien auch auf ziemlich ver- trautem Fuße mit ihnen zu stehen, wie aus der Anrede des jungen Offiziers zu schließen war. llebrigenS war das ein ganz netter Mensch, ganz anders als der blasterie Assessor. Wie treuherzig und harmlos seine Augen blickten, während doch der Schelm ans ihnen lachte. Der Onkel kam.

-Schnell, Trudchen, eine Portion Huimner- Mayonnaisel".... . .. _

Umschau.

Internationale Kriminalistisch« Vereinigung.

Das Programm des vom 11. bis 15. Sep« tember in Hamburg tagenden ersten Kongresse der Internationalen Kriminalistischen Vereinigung umfaßt folgende Referate; Vortrag des Präsidenten der Vereinigung Pro» fessor Dr. Prins-Brüssel über dieSchwierigkeit des Strafproblems in 'der Gegenwart". Be­ratung der Frage:Das internationale Ver- brechertum und seine Bekämpfung"; Referentr Dr. Lindemann-Berlin, Korreferent: Dr. Hopf- Hamburg. Das Referat über das Thema:Wir kann für bestimmte Kategorien von Rückfälligen der Begriff der Gemeingefährlichkeit des Täter- an die Stelle des heute zu ausschließlich ange­wandten Begriffs der verbrecherischen Tat gesetzt werden?" wird ebenfalls Professor Dr. Prins» Brüssel übernehmen: Korreferenten sind die Brüsseler Advokaten Jasper und Dupont. Da- Referat über:Die Behandlung der vermindert Zurechnungsfähigen" bat Professor v. Liszt über« nommen. lieberDie Rehabilitation" wird den Pariser Untersuchungsrichter Poitterin sprechen, Korreferent ist Dr. Delagnis-Berlin. Das Re« ferat über:Die Konzentration der vergleichen« den Internationalen Kriminalstatistik" liegt i« den Händen des Professors von .Hamel-Amste» dam. Das Schlutzreferat wird Professor Fot« nitzky über:Die Aufhebung der strafrechtliche« Folgen des Rückfalles infolge von Zeitablauf, tätiger Reue und ähnlicher Ursachen" halten.

Der gegenwärtige Stand des Protestantismus

auf der Erde ist ersichtlich aus einer Zusammen­stellung des Göttinger Dogmenhistorikers Dr. F, Kattenbusch in dem eben erschienenen 16. Band« der Realenzyklopädie für protestantische Theo­logie und Kirche. Die meisten Anhänger zählt der Protestantismus in den Vereinigten Staate« von Nordamerika, wo bei einer Gesamtbevokke» rung von 79 Millionen seine Bekenner auf 65 bis 66 Millionen zu schätzen sind. Dann fonu men Großbritannien mit etwa 37 Millionen Protestanten und das Deutsche Reich mit gegen 40 Millionen Protestanten, die sich auf nicht weniger als 37Landeskirchen" verteilen. Dazu: Schtve« den und Norwegen TV-z Millionen Protestanten, Dänemark 2% Mill., Rußland 6 Mill., Schweiz 2 Mill., Frankreich % Mill., Oesterreich % Mill, sowie außerhalb Europas: die englischen Kolo» nien rund 10 Mill., und die Missionskirchen mit etwa 4 Millionen Protestanten. Die Gesamt« zahl der letzteren auf der ganzen Erde ist danach rund 180 Millionen. Nach den Hauptrichtunge« innerhalb des Protestantismus verteilt sich dies« Summe folgendermaßen: 1. Lutheraner inSger samt 56 Millionen, wovon 32 Millionen auf Deutschland fallen: 2. anglikanische Kirche etwa 29 Millionen; 3. Reformierte, d. h. die mit dem Calvinismus in Verbindung zu bringenden Kirchen -und Sekten, in Europa 3233 Mill., in Amerika etwa 57 Millionen, anderswo etwa 10 Millionen, insgesamt rund 100 Millionen. Diesen Protestanten stehen nach den neuestes

Weiß schon, Onkelchen, hab' aber die Be< stellung nicht angenommen! Der Offizier glaubte, Tante wäre hier! So ist's recht?"

Ja, Kind, dann mach' schnell eine Semmel mit Schweizerkäse zurecht."

Na, Vater Teichmann, wer doch auch solche Nichte hätte, das glaube ich! Und mir nichts da­von zu sagen" der Angeredete drehte sich um Leutnant von Stetten-Warburg stand hinter ihm.Möchten Sie mich, bitte, Ihrem Fräu­lein Nichte vorstellen? Ich hatte mich vorhin so unzeremoniell genähert ach, meine Mayon­naise hat Zeit expedieren Sie nur erst bte Semmel!"

Teichmann besorgte die Vorstellung und begab sich dann zurück ins Gastzimmer. Warburg legte seine Arme ungeniert in das offene Fensterchen, und seine grauen Augen lachten Gertru.d au. Un­willkürlich sah diese auf seine Hände, die merk­würdig klein und weiß waren ein paar echte Künstlerhände.

So, mein gnädiges Fräulein, nun wissen Sie, wer ich bin, und ich hoffe, daß wir noch recht bekannt miteinander werden?"

Das bezweifle ich doch, Herr von Warburg, dazu fehlt mir die Zeit; ich habe immer zu tun> auch jetzt," versetzte sie zurückhaltend.

DaS glaube ich gern! Ein paar Minuten werden Sie doch aber für mich übrig haben 1"

Wozu, Herr Leutnant? Es hat wirklich keinen Zweck: ich hab' ja meine Pflicht zu er-, füllen, und die Tante würde ungehalten werden, wenn ich meine Zeit müßig verplauderte."

Wenn 's denn nicht reden wollen, bann lassen's mich Ihnen wenigstens zuschau'n," Jagte er in bittendem Tone und bediente sich dabei bei süddeutschen Dialektes. Gin? Dame hatte ihm einmal gesagt:Wenn Sie so reden und einen' dabei so ansehen, kann man Ihnen wirklich nichts