mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
_______ Sonntagsbeilage: Illustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Sonntag, 3. September 1905.
Erstes Blatt
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Macndruck verbalen.)
Es drückt
fertig wurde — können über Nacht wiederkehrea. Also gilt das Wort des großen Friedrich: T<ra- jours en vedette heute ebensogut wie zu seiner Zeit. Und kein ernsthaft Denkender im Volke wird glauben, daß wir die Macht und unsere Stellung zu halten vermöchten, wenn der Nach, wuchs unsere!s Offizierstandes versagte. . ."
selbe leisten wie früher/ womöglich mehr, da ja die Kriegskunst ebensowenig stillsteht wie andere Künste, wie alle menschlichen Fertigkeiten und Wissenschaften. So muß also der Lehrmeister mit verdoppelten Kräften eintreten, was bei vielen nichts anderes heißt, als sich aufreiben. Die Vorgesetzten, die ihrerseits getrieben werden, treiben in immer steigendem Maße, und das Schlußergebnis ist eine dem gesamten Militär- Wesen ausgeprägte Nervosität, die zwar das Aeußerste erreicht, aber niemand innerlich beglückt und viele Existenzen vernichtet. Auf der anderen Seite bleibt der Offizier der niemals rastenden Kontrolle der Sozialdemokratie so gut wie schutzlos preisgegeben. Diese selbst liefert freilich nicht bloß schlechtes Soldatenmatcrial. Vielmehr gehört ein Teil des sozialdemokratisch angcsteckten Nachwuchses zu den brauchbarsten Leuten der Truppe, ganz dem „System" ent- sprechend, das für den Tag des großen Kladderadatsches militärisch geschulte Kräfte zur Verfügung haben will. Aber es kann keinem Zveifel unterliegen, daß die schlimmsten, den Lehrer zur Verzweiflung treibenden Rekruten ebenfalls Handlanger der staatsfeindlichen Sekte sind, darauf eingeschworen, durch Trotz, Ungeschick oder erheuchelte Stupidität das Ausbil- dungspersonal 31t reizen und herauszufordern. Beide Kategorien haben zugleich die Verpflich- tung, jede Ausschreitung oder Uebereilung, wenn nötig, vergröbert und verzerrt, den be- kannten Führern anzuzeigen und so „Mißhand- langen" , konstruieren zu helfen. Daß auch der j -Unteroffizier und der Leutnant junge Menschen von heißem Blute sind, daß die Leute, wie täg- liche Zeitungsberichte beweisen, unter sich im Zivilverhältnis viel schlimmere Rohheiten begehen, als der ungeschickteste oder widerhaarigste Rekrut jemals von seinen Vorgesetzten erfährt, usird dann nicht als mildernder Umstand aner- I kannt. Wer die geringste Anlage zum „Solda- I tenschinder" verrät, hat den Rock Seiner Mast- j stät auszuziehen. Welche Natur aber soll eS I auf die Länge vertragen, beständig zwischen ztvei I Feuern zu stehen? Und am letzten Ende wird I der Offizier noch von den Bilse, Beyerlin, Bau- I dissin nut Schmutz beworfen, von dem Simpli- I zissimus, diesem Inbegriff witzloser Rohheit, I nicht zu reden. Wen kann cs nach alledem I wundernehmen, daß unsere jungen Offiziere in I zunehmender Zahl ihrem Beruf untreu werden? I Rur völlig uneigennützige Begeisterung kann sie I darin festhalten, oder die schmerzliche Ueberzeug- I ung, daß es für einen Wechsel zu spät ist. Und I nicht minder begreiflich ist die Schwierigkeit des I Ersatzes, eines geeigneten Ersatzes nämlich. I Schon werden die alten beivährten Ueberliefe- I rungen vielfach durchbrochen, nur um die Cadres I Zu füllen, was Wießlich' doch nicht gelingt. I Denn ein Leutnant braucht „Kinderstube" — I heben manchem anderen natürlich, wa? bei einem I sonst tüchtigen und ehrenwerten jungen Mann I selbstverständlich ist. . . . Feinde oder halbe I Foinde ringsum! Die Zeiten des großen Fried- I rich, der mit ganz Europa um seine Existenz zu I langen batte — freilich auch mit ganz Europa I
Nur das eine Wort ruft Günther. Es l-MM die ganze Liebe aus, die sein Herz für das ichone, Geschöpf empfindet.
Leichten, tänzelnden Schritts eilt Dolores auf aas Krankenlager zu.
„Ich wäre schon lauge gekommen, Günther. Iloer Brunhilde wollte es mir nicht erlauben."
das meiste Interesse ertvcckendeir naturwissenschaftlichen Fächer sollte auch für die übrigen vorbildlich sein, die schulmäßig gebundene Unterrichtsweise müßte teilweise zu einer freieren, vortragsähnlichen übergehen.
3. Der Primaunterricht muß zu einer genaueren Kenntnis der Verhältnisse des Prakti- scheu Lebens führen. Die Primaner sind von entsprechend vorgebildeten Lehrern nicht nur in dir. Grundzüge des deutschen Staatsrechts, der nationalen Wirtschastslchre und der außerdeut- sche:n WirtschaftZverhältnisse einzriführenj, sondern sollen auch Gelegenheit erhalten, das hier theoretisch zum Verständnis Gebrachte durch unmittelbare Anschauung praktischer Einrichtungen zu vertiefen. Hierher gehört nicht nur der Besuch von toten wissenschaftlichen Sammlungen und Museen,, sondern von in lebendigem Betriebe befindlichen Fabriken, Kaufhäusern, der Parlamente, der Börse, des Hamburger Hafens usw. Den Oberlehrern, welchen diese Vorträge und Führungen übertragen werden, muß durch bereitwilligst gewährten llrlaub und llntcrstiitz- ungen gründlich Gelegenheit zu eigener Äus- bildnug gewährt werden.
4. Den Abiturienten muß eine gewisse Wahl- fveiheit der Fächer gestattet sein. Mindestens sind die Anforderungen je nach der Begabung oder Neigung in dem einen Fache zu erhöhen und in dem anderen entsprechend nachzulassen."
Maiicher Schulmann wird gegen die vorstehenden Leitsätze im einzelnen mehr oder weniger gewichtige und wohl auch begründete Ein- Wendungen zu machen haben, aber im allgemeinen wird man zugcben müssen, daß die dorge- schlagencn Reformen sehr beachtenswert sind und daß sie verdienen, praktisch verwertet zu werden, soweit cs angängig ist.
llmiitsmi.
Tic 3 » ku 11 ft unseres Offiziers- st a n d e s
betitelt sich ein Aufsatz in dem „Grenzboten", dem folgende Stellen 'entnommen sind:
„Das; der Leutnant, wie er sein soll und der großen Mehrzahl nach ist, die Blüte der deutsckicn Jugend darstellt, muß noch einmal ausgesprochen werden, trotz der auf der demokratischen Seite zu erwartenden Grimasse. Leib- lich, das versteht sich von selbst, da er sonst gar nicht zu seiner Stellung gelangt wäre. Aber auch geistig bleibt er. zumal nach den erhöbten Anforderungen der Gegenwart, hinter dem blo- ßen Wissenschaftsjünger nicht zurück: in Bezug ouf alle?, was Ausbildung der edlen Lebensform und zugleich des sittlichen Charakter angebt, übertrifft er ihn in der Regel, dank dec unvergleichlichen Erziehung durch das Regiment. Und wahrend er so eine volle Persönlichkeit ein- feüt, hat er die goldene Freiheit des akademi- jchen Bürgers niemals kennen lernen. . . . Seit Einführung der zweijährigen Dienstzeit aber, dieses Molochs der militärischen Jugend, ist das ganz anders geworden. Der Soldat soll daS-
schlccht — nur ein ganz klein bischen schlecht — ich würde es mit Dir versuchen. Aber so? .... Nein. Ich kann nicht! Kann nicht!! Kann nicht!!! Ich würde uns beide ins Unglück stürzen."
Geisterbleich, mit bebenden Lippen, die Hände flehend emporgehoben — so steht das leidenschaftlich erregte Mädchen vor ihm. In ihren schwarzen Augen zuckt es auf wie tätliche Angst.
Eine Sekunde ist Günther fassungslos.
Tann sagt er mit seltsam rauher Stimme: „Bitte, Hilde, laß uns allein!"
Und Brunhilde geht. Leise schließt sic die Tür hinter sich.
Auf einer Bank im Gang nimmt sie Platz, die Tür im Auge behaltend, damit niemand die Unterredung da drinnen störe.
Fünf Minuten vergehen . . . zehn Minuten . * . Eine Viertelstunde vergeht . . , , Ta öffnet sich wieder die Tür.
Bleich, mit geröteten Augen, aber einem entschlossenen Ausdruck in den ernsten Zügen« kommt Dolores langsam auf Brunhilde zu und reicht ihr schweigend die Hand.
„Nun?" fragt diese mit ungehaltenem Atem.
„Vorbei! Alles vor—bei!" Wie ein .Hauch kommt es über Dolores Lippen. „Es war eilt schweres Stück Arbeit! Aber — es ist das beftr so . . . Einmal im Leben bin auch ich „gut* gewesen — beute. Er will es noch nicht glau, den; aber mit der Zeit wird er es einsehen!*
Gedankenvoll streicht sie sich über die Stir» und blickt mit bei ihr ganz fremdem Ernst inf Weite.
Doch nur wenige Augenblicke. Dann sähch sie, in ihren gewohnten leichten Ton verfallend, heiter fort:
„Und jetzt, da alles in schönster Ordnung tf — jetzt komm, Brunhilde! Wir wollen Hein,' fahren zu Miß Harrison!"
-1. _ (Fortsetzung folgt.) '
I Gin Urteil englischer Arbeiter
I über Deutschland.
I Vor kurzem statteten drei Arbeiter aus Bir- I mingham der deutschen Reichshauptstadt einen I Besuch ab. Einer der drei ist Herr Davis, der I Sekretär der „Amalgamierten Messingarbeiterge- I Werkschaft", ein in englischen Gewerkschaftskreisen I wohlbekannter Mann. Davis und seine beiden I Gefährten haben jetzt in einem Büchlein über I die Beobachtungen berichtet, die sie über die Le- I bensbedinguiigen der Berliner Arbeiter, haupt- I sächlich der Messingindustrie, gemacht haben. Die I „Franks. Ztg." gibt nach einem Auszüge deS „Daily Chronicle" einiges daraus wieder.
Die drei Birminghamer waren zunächst sehr überrascht durch die Ordnung und Sauberkeit, die in Berlin herrschen, durch die Aufgewecktheit der Arbeiter, die trefflichen Schulen, die fröhlichen, gut gekleideten Kinder. Sie vergleichen eine Berliner Gemeindeschule in einem anderen Bezirk mit einer Birminghamer in einem Ar- j beiterviertel und entschieden sich durchaus zu Gunsten Deutschlands.
Wir sahen keinen Fall von unterernährten, ärmlich gekleideten oder unsauberen Kindern, weder in den Straßen noch in den Schulen. Die Kinder bedürfsiger Eltern bekommen von den städtischen Armenpfkegern und von Gesellschaften Kleider und Schuhe.
In Birmingham mit einer Bevölkerung von 525 000 Menschen gibt es nur einen städtischen Schularzt und 'eine Aerztin: in Berlin mit 1 955 000 Einwohnern sind 36 Schulärzte angestellt, von denen jeder etwa sieben Schulen zu beaufsichtigen hat.
Die drei Engländer finden den deutschen Arbeiter frischer und regsamer als den englischen und neigen zu der Ansicht, daß wohl die allgemeine Heevespflicht mit die Ursache fein könne. Jedenfalls habe . das Dienen wohltätige physische Folgen. Kein Arbeiter sehe unordentlich aus. Tie Berichterstatter sagen:
Tatsächlich ist der junge Bursche in Berlin von Kindheit an in besserer Obhut und Erzieh- ung, in der Schule, in der Werkstatt und in der Armee. Folglich ist er als Mann fähig, feine Freiheit zu erhalten, die der Birminghamer junge Mann vielleicht von Kindesbeinen an bloß mißbraucht hat.
Auch das deutsche Familienleben hat den Reisenden imponiert. Sie sprachen von der Ehrerbietung der Kinder gegen die Eltern, von der Stärke der verwandschaftsichen Bande und von dec Tatsache, daß der Arbeiter immer seins Frau mitnimmt, wenn er ausgeht. Die deutsche Fran könne gut kochen; daraus erkläre es sich vielleicht, daß der Arbeiter, obgleich manche
I Ein inniger Händedruck — und die Lichtge- I fiolt ift aus dem Krankenzimmer entichwunden.
Von jetzt an besucht Brunhilde täglich für einige Minuten ihren kranken Kousin. Nur wenige Worte werden gewechselt, und doch beginnt Gunther, den ganzen Tag und oft.auch die halbe Nacht, sich nach diesen paar Minuten I -ZU sehnen wie nach einem wärmenden Sonnen« blick.
. Auch Professor Wallhoff erscheint öfters bei fernem kranken Freunde.
Nur sie nicht, — sie, nach der Günthers Herz mit all seinen Fasern verlangt.
Wiederholt wollte er Brunhilde bitten, seine Brant ihm zuzuführen: aber eine geheime Scheu schloß ihm stets den Mund.
Wenn sie nicht von selbst kommt — — „Auch heute wieder sitzt Brunhilde still an GrmtherS Lager. Sie hat ihm einen kleinen ^eilchensiranß auf die Decke gelegt, dessen süßen Duft er begierig einsangt.
Plötzlich hebt der Kranke lauschend den Kopf. Em Freudenschimmer überfliegt sein bleiches Gesicht.
Auch Brunhilde wird aufmerksam.
Draußen leise debattierende Ssimmon:
„Nein, ich lasse mich nicht abweisen." j „Aber ich darf doch nicht —"
„Ah bah! Darf nicht. Lassen Sie mich sofort eintreten!"
. . Ein Rascheln seidener Kleider, ein Trippeln I fpitzhackigor Stiefeletten, das Zuklappen eines I Fachers und Dolores lächelndes Gesichtchen I lugt zur Türspalte herein. |
Schule und Leben.
Weitgehende Wünsche nach Aendcrung dec Lehrmethode unserer Mittelschulen entwickelt Direktor Dr. Knorke im „Tag". Er fragt: „Wie kann, die Durchbildung der Abitmüenten vertieft, womit kann ihre Lernfreudigkeit gehoben, wie kann ihr Blick für die praktischen Verhältnisse erweitert werden?" Und er antwortet:
„1. Der bisherige Wissensstoff der Lehr- plane ist zu beschränken. Diese Beschränkung ist natürlich nicht gleichbedeutend mit der Streichung lluuzer Lehrfächer. Dem alten Gymnasium sotten die alten Sprachen erhalten bleiben, dem Real- ghmnasinm das Latein, das neue Gymnasium, hte Oberrealschule soll ihre Eigenart in der Ausgestaltung der modernen Lehrfächer suchen, ’öeitöem alle drei Schularten im wesentlichen dmelven Berechtigungen erhalten haben, kann sich icdcr Vater auswählen, welchem Ideal der Bildung er feinen Sohn zuführen will. Auf leden rzall aber ist der Umfang des Wissens in reu meisten Lehrfächern enger zu begrenzen. Fast überall liegt der Memorierstoff wie ein Alp auf der unter feiner Last gebeugten Schülerseele, veioiiders in den alten und neueren Sprachen in der Religionslehre, Geschichte und selbst in ter Mathematik. Es hat nicht den geringsten wlsf/inchaftlichen und ctischen Wert, wenn der Nbltnrrent int Examen mit zahlreichen Kirchen- .Jteöern, Lprüchcn und Psalmen Paradiert, wenn er unendliche Zahlenreihen, besonders aus der altep.cn und alten Geschichte herunterhaspelt, wem- er dreißig Horazische Oden auswendig j rennt trenn er das Hildebrandslied und „Sein
Nichtsein" in der Ursprache ohne einen An- "k'tt oeklamieren kann, wenn er mit zcikenlangen, algebranchen . und trigonometrischen Formen jongliert. Die auf diese Dinge verwandte im- ermcßliche Zeit wäre viel besser angelegt worden, wenn 6er Abiturient sie dazu benutzt hätte, nm tiefer in den Zusammenhang der von ihm I bevorzugten Wissenschaft einzudringen. I
2. Tie Unterrichtsmethode muß verbessert I Jeroen, mit das Interesse der Schüler zu heben. I a$u den Fremdsprachen wird das grammatisch- I fornmle Bildungsmoment viel zu sehr in den I gestellt, der lebendige Geist der I Schriftsteller wird zurückgedrängt durch eine I grammatisierende, mehr die äußere Form als I oett inneren Gebälk des Gelesenen berücksichti- geuoe Methode. Die schriftlichen Arbeiten haben I MI)er, rewtiders, in den alten Sprachen, noch I rru'()-v5 bisher in den Hintergrund 31t treten. Auch die klastifchen Erzeugnisse der deutschen Sprache muffen den Primanern zu unmittef. barem Genüsse gebracht werden. Für die neueren Sprachen ist die Praktische Beherrschung noch I weit mehr zu betonen, keine höhere Schule sollte I ui Zukunft eines oder zweier ausländischer I Lehrerentraten. Die Anschauungsmethode der
Weim ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete . . . . .
Rom»« von Erich Friese«.
lForiuhung.)
gernd^' ^toeiseiL Dann fragt Günther zö- „Warum bist Du nachRom gekommen, Hildes
Tie weite, weite Reise —"
»Ich wollte in Deiner Nähe fein, Dich pflegen, wenn, es nötig wäre!"
! Dankbar drückt er ihre Sand.
-rp05 öoft ®« für mich getan, Tn Liebe, Gute! . . . Taufend Dank!"
;• Kleine Pause.
Plötzlich öffnet der Kranke die Lippen als wieder rrmj6‘1' schließt sie aber sofort
. Doch Brunhilde versteht die stumme uni da- üet fo beredte Sprache der blauen Augen
„>w, Gunther. Dolors ist ebenfalls in j Rom.
Brust'" Se“f3er ber Erleichkerilng hebt Günthers
„Geht — geht es ihr gut?
„Ja."
V darf ich sie sehen?"
mi ^was kräftiger bist. Jetzt noch | wicht. , ' I
„Sefet noch nicht!" wiederholt er wehmütig. I „^nzwifchen, Hilde — bringe ihr meine inniw I ften Grnye und Küsse!" I
„Ich werde es ihr ausrichten."
., ®’e dies so ernst, ja feierlich, daß Günther betroffen aufblickt.
Doch Brunhilde hat sich bereits zimi Gehen lectiggemacht.
„Leb wohl für heute, Günther! Morgen komme ich wieder. Leb wohl!"
| „Dolores!!"
I ~ Wieder nichts weiter. Aber die stumme I Sprache seiner Augen ist so beredt — ach so I beredt!
Brunhilde hat sich erhoben, um das Zimmer I ZU verlassen. Doch Dolores hindert sie daran.
„Geh nicht fort!" ruft sie angstvoll, Brun- Hilde am Arm festhaltend. „Bleib hier! Du mußt mir helfen! . . . Sieh, Günther — lieber, bester Günther — ich habe Dich ja sehr gern! Aber —" sie zögert, schluckt ein paar Mal und wirst, einen fdjeuen Blick auf das fast regungslose bleiche Gesicht — „aber heiraten
I — nein, heiraten kann ich Dich nicht!"
„Dolores!!!"
Abermals nur dies eine Wort. Aber diesmal klingt es wie der Aufschrei eines zu Tode ver- wundeten Herzens.
DoloreS finkt neben dem Krankenlager in die Kme und bricht in Tränen aus.
Dieser Schmerzensausbbruch des geliebten Mädchens gibt Günlher seine volle Selbstbeherrschung wieder.
„Steh auf, mein Herz, und sieh mir in die Augen!" sagte er weich, das gesenkte Lockenköpf, chen emporhebend. „Und nun sprich! -Weshalb kannst T11 inich — nicht heiraten?"
Gehorsam erhebt sich Dolores. Erst jetzt be- merkt sie so recht die furchtbare Veränderung, die mit ihrem Bräutigam vor sich gegangen.
Elitseetzt starren die großen schwarzen Augen ihn an.
„Warum kannst Du mich nicht heiraten?" wiederholt er eindringlich, ihre Hand an seine Lippen Pressend. !
„Weil — iveil —" sie stockt und blickt zu Boden — „weil — Du zu mit für mich bist!"
Er lächelt.
„Ich? . . . Zn gut für Dich? .... Du scherzest?"
.-Nein, nein!" ruft sie eifrig. „Ich scherze mcht. „Wärst Du nicht so gut — wärst Du