mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
________________ Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.
Marburg Erscheint wöchentlich sieben mal.
örrtMMAfcaMS O mne Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univerfitätt-Buchdruckerek 40. 5^lbra.
Sonnabend, 2. September 1905. Murg, Mt 21. - Teicpho» 55.
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Neueste Telegramme.
f Berlin, 31. August. Der „Neichsanzeiger" veröffentlicht die kaiserliche Bergverordnung für Deutsch-Südwestafrika vom 8. August 1905, ferner die Verordnung vom 14. Juli 1905, be- treffend die Zwangs- und Strafbefugnisse der Verwaltungsbehörden in den Schutzgebieten Afrikas und der Südsee.
Berlin, 31. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Schwarzen Adlerordens an den Prinzen Friedrich s^opold, den Sohn des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen.
Norderney, 1, Sept. Reichskanzler Fürst Bulow verläßt heute Norderney, um noch einen mehrwöchigen Aufenthalt in Baden-Baden zu vehiuen.
; Swinrmiinde, 31. August. (W. B.) Trotz des starken Seeganges, der nur unmerklich nach, ließ, begannen die englischen Torpedoboote und Kohlen schiffe in den Vormittagsstunden beit H?scn in langsamer Folge zu verlassen, um sich Mit den auf hoher See verankerten Schlacht- schiffen zu vereinigen. Um 2 Uhr ging die unter -deut Befehl des Admirals Winsloe stehende Tor- hedobootszerstörerflottille mit dem Admiralschiff, Kreuzer „Saphir", und zwei Kohlen schiffen nach Flensburg in See. Kurz nach 3 Uhr lichtete auch die gesamte übrige Flotte die Anker und dampfte nach Neufahrwasser ab. Die Abfahrt vollzog sich bei schönstem Wetter, wenn auch JMjent. Seegang.
Brnnsbiittelkoog, 31. August. Die aktive Schlachtflotte und die Torpedobootsflottille Pas- fierten nach glatt verlaufener Fahrt den Kanal und gingen ttach Helgoland weiter.
Snrlftnb, 31. August. Die schwedischen De- ‘ , legierten für die Verhandlungen betreffend die
L ^Unionslösung sind heute Vormittag hier einge- Iroffeu.
Konstantinopel, 31. August. (Wien. Korr.- Bur.) Die Pforte antwortete gestern abermals ablehnend den Botschaftern in Bezug auf die internationale Finanzkontrolle in Mazedonien. I Sn ihrer Antwort weist die Pforte darauf hin, > daß der durch die Ottomanbank besorgte Finanz- I dienst regelmäßig funktioniere, ferner, daß das I \ Mürzsieger Programm mit dem Vorbehalte an- I
V genommen tvurde, daß hierdurch die Souveräni- I
tätsrechte der Türkei nicht berührt würden, was I bei der Cinstihrung der Finanzkontrolle der Fall I - wäre. I
_ (Nachdruck verboten.)
[ 5 S ed a n.
Nuhmestag der deutschen Fahnen, Sedan, wann vergaß ich Dein? Ewig sollst Du mich gemahnen. Deutsch und nichts als deutsch zu sein! Einigkeit und Recht und Freiheit, Die der Väter Sehnen ivar, . Diese heilig-einige Dreiheit 's Gabst Du uns für immerdar!
Denkt Ihr noch der stolzen Kundt Von der heißen Sedanschlacht, Die in einer großen Stunde Unfern Feind zu Fall gebracht?
Denkt Ihr noch, wie frohen Schallev Es da drang zum Sternenzelt:
| , „Deutschland, Deutschland über alle-, Heber alles in der Welt!"
Denkt Ihr noch der toten Brüder, Die der Freiheit Himmelsgut Dort auf Frankreichs Fluren wieder Uns erkämpft mit ihrent Blut?
Nimmer soll den Tag man höhnen. Da ihr Tod' Dir schaffte Ruh, Deutschland, alles Heiligschönen Segensreiche Heimat Du!
r ........Fritz Bley.
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Großstadterweiterungen.
I Eine soeben erschienene bemerkenswerte I Schrift des Regierungsbaumeisters Ludwig Her- I cher in Bonn über „Großstadterweiterungen" I beschäftigt sich eingehend mit der Frage, ob die I Großstädte den ungeheuren an sie herantreten- I den Ansprüchen in ihrer bisherigen Form ent* I sprechen. Im Stadtinnern ist vor allem die [ schwindelnde Steigerung der Bodenpreise ein I Hemmschuh der Entwicklung und des Fort- I schritts. An der derzeitigen Anlage der Groß- I ftadt-Vororte wird bemängelt, daß sie nur dem I einseitigen Bedürfnisse des Wohnens, nicht aber I einer Ausbreitung des Verkehrs und G e - I schäftslebens Rechnung trägt. Dem Uebel- I stände, daß die Hauptverkehrsstraßen int Stadt- I ittnern wie in den Außenbezirken zur Bewältig- I ung des heutigen Verkehrs häufig nicht genügen I sucht ntan in einigen neuen Stadterweiterungen I abzuhelfen durch eine den späteren Anfordenin- I gen genügende Ausbildung von Hauptstraßen I als Verkehrsstraßen gegenüber einer bescheidene- I ren Anlage der dazwischen verbleibenden Wohn- I straßen. Sehr wichtig sodann sind die auf De- I zentralisation der Großstädte durch Hinaus- I verlegen der Industrie gerichteten Be- I strebungen, für deren Ziel K. v. Mangold die I Bezeichnung „Stadtverjüngung" angewandt hat. I Noch weiter geht eine Bewegung, die sich für I gänzliche Neugründung von Städten ausspricht I und in der Deutschen Gartenstadtgesellschaft eine I Fürsprecherin gefunden hat, während in Eng- I land bereits praktische Versuche dieser Art im I Gange sind. Andere Bestrebungen endlich rich- I ten sich auf Schaffung einer guten Bau- I ordnung als notwendiger Ergänzung guter I Bebauungspläne. Ein noch umstrittenes Gebiet I ist die Frage der Baulandumlegung, gegen die I Bedenken erhoben werden, tuest die Verlegung I altüberlieferter Eigentumsgrenzen einen Eingriff in verbriefte Rechte darstelle. Immerhin haben wir bereits ein Analogon hierfür in dem ländlichen Umlegungsverfahren, das durch die Generalkommission zu allseitiger Zufriedenheit ge- handhabt wird. Da nun aber im bisher üblichen Umlegungsverfahren trotz allseitiger Verbesse- rung der Grundstücke ein einziger Widerstehender einen ganzen Umlegungsplan zu Nichte machen kann, gehen andere Bestrebungen dahin, den Städten das Recht der zwang smäßi- 0 e n Zusammenlegung zu verleihen, tote es sich in Preußen bis jetzt Frankfurt a. M. durch die lex Adickes erftrittert hat, ober toie es anders Bundesstaaten, z. B. Baden und auch Sachsen, eingeführt haben. Damit gelangt man zu der B o d e n f r a g e , die viel- fach als die grundlegende auf dem Gebiete des sozialen Städtebaues wie auf sozialem Gebiete überhaupt angesehen wird. Der Bund dettt- scher Bodenreformer, dem über 100 000 Mitglie- der angehören, erstrebt bekanntlich, die Zu- Wachsrente des Grund und Bodens möglichst dem Volksganzen nutzbar zu machen, und zwar soll dies durch die Umsatzsteuer, die Steuer nach dem gemeinen Werte, die Zn wachs st euer und durch die allgemeine Einführung des Erbbaurechtes geschehen. Um eine itn- ।
4? lNaLdruck verboten.)
Wemt ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete .....
Roman von Erich Fries»«.
(Fortsetzung.) I
„Das Kompliment kann ich Dir nicht zurück- I geben", erwiderte diese, iitdes ohne ihren Willen I ein leises Lächeln ihre Lippen umspielte. „Ich I würde Dich — niemals heiraten!" I
„Das glaub' ich gern", lachte Dolores heiter. I ,,^ch weiß gar nicht, was die Männer an mir I ftnben, baß sie immer hinter mir her sind. Ich I finde mich einfach gräulich." I
.Wieder muß Brunhilde lächeln über die I toaive Offenheit dieses eigenartigen Geschöpfes | und der Friede zwischen den beiden so gründ- I verschiedenen Mädchen ist wieder einmal herge- I stellt. — I
Inzwischen durchlebte Bernardo Rosso die |
schrecklichste Stunde seines Lebens. I
Er begreift selbst nicht, wie Rechtsanwalt I
Ladriola ihn, den sonst so vorsichtigen, pfiffigen I alten Fuchs, zu jenem kompromittierenden. Ge- I ständnis gebracht hat. Wie konnte er sich nur I derart übertölpeln lassen! I
Finster blickt er sich um in dem eleganten I Herrenzimmer. Wer wird die hohe Miete bc- I Zahlen, jetzt, da er fein Anrecht mehr auf Miß I Harrisons Geldbeutel hat? Wer seine Garde- | rofce und die eleganten Kostüme seiner Töchter? | Wer die teuren Stunden seines Sohnes?"
Nur noch ein Ausweg bleibt ihm — der Marchese Antonelli. .
Als er bald darnach die Treppe zur Junggesellenwohnung des Marchese emporsteigt, trifft .ex dessen Diener. j
natürliche spekulative Wertsteigerung des Grund 1 und Bodens hintanzuhalten, ist ferner die Aus- 1 dehnung des Bebauungsplanes auf möglichst I weite Flächen und der intensive Ausbau guter I Verkehrsmittel, insbesondere der Bau von loka- I len Schnellbahnen anzustreben. Die praktischen I Vorschläge des Verfassers selbst gehen dahin, große Wohnviertel durch Verkehrs- und Geschäftsstraßen netzartig zu durchdringen und umgekehrt Geschästsstadtteile durch zahlreiche große Wohnbezirke zu durchsetzen. Die Vorteile ländlich-weiträumigen, gesunden, ruhigen Wohnens sollen sich so verbinden mit denen dec unmittel- baren Nähe der Arbeitsstätten und der Kaufgelegenheiten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß durch die hier vorgeschlagene Arbeitsteilung zwischen Verkehr und Wohnen die ganze städtische Lebensweise an Schönheit und Zweckmäßigkeit ungemein gewinnen, und daß der jetzt zufällige und provisorisck)e Charakter unserer Großstädt- erweiterungen in einen Praktisch und ästhetisch haltbaren und befriedigenden Zustand überge- leitet würde. Jedenfalls gibt die Schrift mancherlei auch für Marburg wertvolle Winke, wie die großen Gefahren, die der wahren Kul- tur durch das rapide Anwachsen der Großstädte drohen, vermindert und verhütet werden können, tveungleich Marburg noch nicht zu den Groß- städten zu rechnen ist.
Zum Fricdcnsschluß.
Ter Frirdtnsvrrlrag.
Wie aus Portsmouth gemeldet wird, stellten der Rechtsbeistand der japanischen Friedenskommission, Denison, und Professor v. Martens den Wortlaut der Einleitung und dreier Artikel des Friedensvertrages fest; sie arbeiten jetzt an dem Artikel über die Zession der ostchinesischen Bahn. Es ist möglich, daß der Abschluß deS Waffenstillstandes noch um einen oder zwei Tage verzögert wird, da zuvor die Generäle in der Mandschurei zu instruieren find. Die Bedingungen, unter denen Japan als Besitzer der ostchinesischen Bahn anerkannt wird, besagen, daß Rußland an China 75 Millionen Dollars für Chinas Interesse an der Bohn zahlt, und daß die Frage, wer schließlich Besitzer der Bahn sein soll, zwischen Japan und China geregelt werden soll. Dem Vernehmen nach sollen, wenn China die Bahnlinie behalten will, die 75 Millionen an Japan gezahlt werden, neben der Rückzahlung der von den japanischen Eisen- bahnbehvrdeu für den Wiederaufbau der Linie aufgewandten Summe. Die Eisenbahn zwischen Charbtn und der sibirischen Grenze und von Charbin südlich bis zur Station Kuenschentse bleibt in Händen der Ruffen. Rußland wie Japan erhalten die Erlaubnis, Wachmannschaften längs der in ihren Händen befindlichen Eisenbahnlinien zu unterhalten und Truppen im Falle ernster Unruhen zu entsenden. Die Zahl der Truppen soll aber nicht größer sein, als zur Wiederherstellung der Ordnung not- i wendig ist, und die Truppen muffen zurückge-
„Herr Marchese schon auf?"
„Ja. Gerade bei der Toilette. Gestern Abend fit fein Herr Onkel gestorben. Hinterläßt riesige Erbschaft!"
I Urn einen Schatten bleicher schreitet Bernardo Rosso die Treppe vollends hinauf.
Doch der Marchese nimmt kaum Notiz von dem Besucher.
„Aeh, hm — muß sofort nach Neapel, um Erbschastsangelegenheiten zu regulieren. Sie entschuldigen mich!"
„Und meine Nichte?" preßte Bernardo Rosso zwischen den Zähnen hervor.
„Ah — Fräulein Arevallo! Es geht ihr doch gut?"
Bernardo Rosso kochte vor Grimm.
„Denken Sie nicht mehr an unseren Pakt, Herr Marchese? Sie brauchen Millionen, ich ein Haar Hunderttausende —"
...."Das war einmal", winkte der Marchese kalt lächelnd ab. „Ich brauche Fräulein Arevallos Millionen nicht mehr. Auch glaube ich, daß unsere Charaktere nicht zusammen passen. Der Altersunterschied —"
„Ich verstehe", zischte Bernardo Rosso.
„Empfehl' mich Ihnen, Herr Marchese!"
Erdfahl, im Gesicht begibt Bernardo Rosso sich nach seiner Wohnung zurück — diesmal zu Fuß. Er will den Wagen sparen.
Als er sich der „Villa Remus" nähert, sieht er schon von weitem Marietta auf ihn zustürzen.
' „Papa, zwei Carabinieri sind im Hause und erwarten Dich. Sie sagten etwas von — bcr- haften."
Bernardo Rosso erzitterte. j
. „Geh allein, zurück, Marietta! Aber rasch, rasch! Packe die nötigsten Sachen und komme mit Beppino sofort auf den Bahnhof, wo ich §uch erwarte. Nimm alles Wertvolle mit! 1
zogen werden, wenn ihre Aufgabe erfüllt ist. Die Uebertragung der Pachtverträge in Port Arthur und dem übrigen Teil der Halbinsel Liautung wird von der Eiwilligung China» abhängig gemacht.
Portsmouth, 31. Aug. (W.B.) Prof, v. Martens entwarf heute den ganzen Friedensvertrag nach der russischen Erklärung des Abkommens zwischen den Delegierten. Seine Erörterungen mit Denison bezogen sich hauptsächlich auf die Auslegung gewisser Worte in de« in französischer Sprache zu gebenden Texte.
Tokio, 31. Aug. (Reuter.) Das Publikum kennt die Einzelheiten des Friedensvertrages noch nicht, aber vielfach ist man überzeugt, daß Japan wesentliche Zugeständniffe gemacht hat. Schon werden tadelnde Stimmen laut. Di» Radikalen meinen, ein Kabinettswechsel werd«
I unvermeidlich. Das Publikum empfindet natür- I lich Erleichterung, aber keine eigentliche Freud» I über den Friedensschluß.
I Glückwunschtelegramme. ।
I Osterbay, 31. August. (Reuter.) De» I Kaiser von Rußland richtete an den Präsidenten
Roosevelt nachstehendes Telegramm: „Empfangen Sie meinen Glückwunsch und aufrichtigen Dank dafür, daß Sie die Friedensverhandlungen infolge, Ihrer persönlichen energischen Bemühungen zu einem glücklichen Abschlüsse brachten. Mein Land wird dankbar den großen Anteil, den Sie
I an der Friedenskonferenz in Portsmouth nahmen, anerkennen."
Paris, 31. August. Präsident Loubet richtete an den Zaren folgendes Telegramm: „Ich richte an Euere Majestät meine lebhaften Glückwünsche zu dem großen Ereignis, das Ihre hohe Weisheit hat vollziehen lassen. Das mit Rußland verbündete Frankreich ist glücklich, durch einen ehrenvollen Frieden den Krieg beendet zu sehen, der durch so viele heldenhafte Taten ausgezeichnet ist." — An den Kaiser von Japan richtete Loubet nachstehendes Telegramm: „Ich beglückwünsche Euere Majestät zu dem großen Akt der Weisheit und Menschlichkeit, den Si« soeben vollzogen haben."
Paris, 31. August. Der Kaiser von Rußland sandte Loubet folgendes Telegramm: „Sehe angenehm berührt von den in Ihrem gestrigen Telegramm ausgesprochenen Gefühlen spreche M Ihnen meinen besten Dank aus." — Auch del Kaiser von Japan sandte ein ähnliches Tel» gramm. — Dem Präsidenten Loubet ging folgend- Antwort des Präsidenten Roosevelt zu: „Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Telegramm Jtnb bin dankbar für die Haltung, welche Frankreich stets im Hinblick auf den Frieden eingenommen hat."
Aus der Mandschurei. !
Tokio, 31. August. (Reuter.) Das japanische Hauptgnartier in der Mandschurei berichtet über eine Reihe von kleinen Gefechten, die am 27. ds. in der 'Gegend von Tsingehing statt- fanden. Die russischen Angriffe auf Nanschan- chenta und Rntschantsa wurden zurückgewiesen. Arn Vormittag des 27. ds. schlugen japanische Truppen eine Abteilung berittene russische In-
Frage nichts! Tue, was ich Dir befehle! Und sorge, daß die Carabineri Euch nicht fortschlei- che sehen. Wenn Ninella mitfommen will, kann sie es tun. Wenn nicht — auch gut!"
Rasch dreht er sich auf dem Absatz herum rind veerschwindet im Menschengewühl.
Und Marietta tut, wie ihr geheißen. Mit einem kleinen Handkoffer, in den sie allez Wertvolle, dessen sie habhaft werden konnte, hineinwarf, trifft sie bereits nach einer Stund« auf dem Bahnhof ein, gefolgt von Beppino.
Ninella ist zurückgeblieben. J !
-* * i
Ist meine Kousine immer noch nicht da, liebe Schwester Angelica?"
„Nein, Signore. Aber es ist auch noch nich zehn Uhr."
„Wie spat ist es denn?"
„Dreiviertel zehn."
„Erst dreiviertel!"
Und mit einem Seufzer legt sich der Patient in die Kissen zurück.
Aus dem Schattenreich wirrster Fieberphantasien, dicht vorbei on tiefen Abgründen des Todes, in welche er mehr denn einmal hinab- zustürzen drohte, ist Günther Horst wieder im Sonnenland langsam fortschreitender Genesung angelangt.
Jtob h-'ute soll er Brunhilde sehen — Brun- h"de, feine beste, treueste Freundin! Soll et durch _ sie hören von den Eltern, von den Schwestern und — von feiner Braut!
Besonders der Gedanke an Dolores macht» ihn unruhig. Zwar weiß, er sie in der Obhut feiner Eltern. Aber — wie lange mag das her fein, daß er sie nach „Waldruhe" brachte? Wie lange hat er in bewußtlosem Zustande da gelegen? Wir lange ist er schon hier im Krankenhaus? ..