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mit -em Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonrttagsbettage: Alluftrirtes Sonntagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis; btt der Expedition 2 3JIL, bet allen Postämtern 2,25 Mk. <exct. Bestellgeld).

Insertton-gebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Psg.

Marburg

Mittwoch, 30. August 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Universttäts-Buchbruckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Neueste Telegramme.

'' Triest, 28. August. Im Laufe des Tages stattete Hauptmann v. Schlichting, der Führer des Expeditionskorps für Denffch-Ostafrika, meh­reren offiziellen Persönlichkeiten seinen Besuch üb, den diese an Bord desKörber" erwiderten. Am Abend konzertierte eine Musikkapelle otr der Mole vor deut zur Abfahrt bereit liegenden Dampfer. Hut 8y2 Uhr lichtete derKörber" die Anker unter lebhaften Ovationen des zahl­reich verfainmelten Publikums, unter dem auch die reichsdeutsche Kolonie vertreten war.

Genf, 29. August. Gestern wurde hier der dritte internationale Kongreß für die Forschung 'des freien Christeiitums eröffnet. Ungefähr 500 Teilnehmer aus Europa, Amerika und Indien find erschienen. Die deutschsprechenden Staaten find zahlreich vertreten, Deutschland durch Dr. Schreiber und Dr. Websky-Berlin, Pfarrer Gerold-Straßburg, Clara Thierbach-Königsberg, Dr. Fischer, Professor Harnack, Dr. I. Pcrkins und Professor Pfleiderer aus Berlin, Oberlehrer Th. Schneider Wiesbaden.

, Brussel, 28. Aitgust. In der ersten Sitzung der interparlamentarischen Friedenskon­ferenz im Kanunergebäude hielt der Vorsitzende Brcrnaert eine Begrüssungsansprache, in welcher er^ den Friedensgedanken verherrlichte. Gobat '(Schweiz), entwickelte den Antrag auf Einbe­rufung eiiicr neuen Konferenz in .Haag, der Belgier Colfs bemängelte die militaristische Poli­tik und die Rüstungeu neutraler Länder, Bayer (Dänemark) befürwortete die Bildung einer in­ternationalen Friedensakademie, Bartholp (Ver­einigte Staaten) beantragte die Bildung eines internationalen Parlamentes behufs Ausarbei­tung eines Gesetzbuches betreffend die Rechte der Völker.

London, 28. August. DieDaily Netvs" konstatieren mit Genugtuung die vorzügliche Stim- umng, des deutschen Volkes und de§ Kaisers gegenüber der englischen Flotte. Eifersüchteleien und Hnannehmlichkeiten seien nicht zu befürchten. Der Besuch werde dazu beitragen den von hitzigen Journalisten beider Länder geschaffenen Arg­wohn zu zerstreuen. In England sei die Teuto- phobie im Sckstvinden. (?)

Tientsin, 28. August. Zum Kriegsministcr von China ist, wie derFrkf. Ztg." telegraphiert wird, Thieliang ernannt worden. Derselbe ge­hörte bisher deni Militärreform-Amt an. Die antideutsche Bewegung in Schantung, die von Japan geschürt wird, ist vorläufig nicht ernst zu nehmen.

Zur angeblichenFleischnot."

Ein Frankfurter Leser unserer Zeitung schreibt uns zu der angeblichen Fleischnot wie folgt:

Einige Frankfurter Blätter bringen jetzt fast täglich Artikel über und gegen die Fleisch-

4"* 'lRachdnuk verboten.)

Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete . . . . .

Roma« vo« Erich Friese«.

tForlsehnng.)'

Sie errötete tief. Soll sie dem Marchese sagen, dass sie verlobt ist? Dass sie sich im Hause der Eltern ihres Bräutigams befindet?

Aber wozu? Wanim gleich wieder die un­freundliche Situation ans Licht ziehen, in die sie sich begeben? Nur, um vielleicht Spott in den Augen deS Marchese aufblitzen zu sehen? . , .

So schweigt sie und läck>elt nur jenes ent- Zückende Grübchenlächeln, welches einst Günther Horst wie mit Zaubergewalt zu dem schönen Mädchen hinzog.

Auch in dem alternden Herzen des Marchese Antonelli regt sich unter der Einwirkung dieses Lackicln etwas wie ein Johannistrieb. Selbstge­fällig wirbelt er seinen gewichsten Schnurrbart.

Aeh hm t Signorina ahnen gewiss nicht, nut wem ich hier bin?"

Sie schüttelt den Kopf. Fragend blicken ihre groyen schwarzen Augen ihn an.

Mit Ihrem Onkel."

. r ,.AH! Mit Onkel Bernardos"

Merkwürdig. Die Erinnerung an den Onkel die ihr noch bis vor kurzem der schrecklichste der Schrecken erschien heute ist sie ihr durchaus nicht unangenehm. .

Im Gegenteil.

Wo wo ist der Onkel?" fragt sie mit an- gehaltenem Atem.

In Langenheim im HotelZum roten Ochsen". Scheussliches Nest, dieses Langenheim."

Dolores nickt. Ihr erscheint hier allesscheuß- »ich" Langenheim, seine Umgebung und auch die Menschen.

Warum warum ist der Onkel hjerher ge­kommen? Und auch Sie, Signor Marchese?" fragt sie mit reizender Befangenheit.

not, sie schreiben und eifern je nach ihrem Standpunkte über einen Zustand, von dein man als Frankfurter int täglichen Leben tatsäch­lich kaum etwas verspürt noch erfährt, anders als durch die Zeitungen. Leider glauben nach und nach auch solche hiesige Zeitungen in dieses Horn der Fleischnot mit einstimmen zu müssen von denen man es eigentlich nicht erwartete, we­nigstens unter den obwaltenden Umständen nicht. Nun, sie glauben wohl, die Sache wenig­stens auch etwas mitmachen zu müssen. Die Aus­führungen einiger Blätter sind vielfach derart, dass, toenn man sie lieft und dabei die taffäch- liehen Verhältnisse an Ort und Stelle nicht kennt, eine durchaus falsche Vorstellung über die Sachlage enffteht. Man könnte aus den täglichen Ausführungen dieser Blätter fast den Eindruck gewinnen, als wenn eine Teuerung int Lande iväre, wie es in früheren Zeitläufen voickam, wo die Menschen darben mussten und bittere Not litten. Gott sei Dank, diese Zeiteir sind vorüber. Wie steht nun eigentlich die Sache mit derFleischnot" hier?

Unter Fleischnot ist doch wohl zu verstehen, dass es an dem notwendigen Fleisch ganz oder zum Teil fehlt, dass ein Notstand in Bezug auf die Beschaffungsmöglichkeit besteht, dem mit den gewöhnlichen gegebenen Mitteln nicht abgeholfen werden kann. Eine Fleischnot bedeutet ferner, dass die Bevölkerung die zum Lebensunterhalt mit erforderUche Fleischnahrung in ausreichender Menge nicht mehr erhalten kann, sodaß die Er­nährung des Volkes Not leidet.

Bei ruhiger, vorurteilsfreier und eingehen­der Betrachtung der Sachlage liegen die vorbe­zeichneten Merkmale einer Fletschnot durchaus nicht vor. Das erforderliche Fleisch ist auch jetzt in der gewünschten Menge und Güte jederzeit zu haben, mit dem alleinigen Unterschied gegen sonst, daß das Schweinefleisch im Preise etwa 15 Pfg. das Pfund gestiegen ist. Der Auftrieb von Fettvieh auf den wöchentlichen Märkten des hiesigen Viehhofes ist nach den bekannt gewor­denen amtlichen Ermittelungen ein normaler, und durchschnittlich kaum schwächer wie in der gleichen Zeit des Vorjahres oder der Vorjahre. Von einem Mangel an Fettvieh einschließlich, der Schweine kann also keine Nedo sein. Fleisch und Fleischwaren jeder Art kann man auch überall in der Stadt in beliebiger Menge er- halten und sogar, wie immer, in die Wohnung gebracht erhalten. Nach wie vor ist jedermann, der da?> Bedürfnis dazu hat, in der Lage, sich an Fleisch und Wurst oder Fleischwaren aller Art, vollauf Genüge zu tun.

Wo bleibt also die immer wieder behauptete Fleischnot? Lediglich eine Preissteigerung, ein Anziehen des Preises für Mastvieh und in der Hauptsache eigentlich nur der Schweine, ist ein­getreten. Eine Erscheinung, die ebensogut ein­mal eintreten kann, wie ein oft zu verzeichnen gewesenes Sinken der Fettviehpreise, je nach dem Gedeihen der Futtermittel im vorhergc-

Dichter tritt der Marchese an das Mädchen heran.

Warum?" wiederholt er lebhaft, indem er ihr dreist in die Augen blickt.Weil nun weil ich Sie liebe, Signorina. Weil ich Sie heiraten will!"

Silberhell lacht Dolores auf. Sie ist nicht unangenehm berührt von dem Antrag. Er macht ihr sogar Spaß. Wie lange schon bat sie nicht solche Worte - vernommen schmeichlerische Re­densarten, die ihrem leichtlebigen Herzen früher wie das tägliche Brot erschienen!

Mit Befnedigung bemerkt der Marchese das wechselnde Minenspiel in den reizenden Zügen des Mädchens. Jetzt gilt es, den Hauptschlag zu sichren.

Ich weiß, warum Sie Nom verlassen haben," flüstert er, sich tief zu ihr herabneigend.Ganz Rom weiss es. Sie sind mit einem gewissen Gün­ther Horst durchgebrannt!"

Ein leiser Schrei entfährt Dolores Lippen. Ihr ganzes Gesicht ist wie mit Purpur über­gossen.

Ja- ganz Rom weiss es," wiederholt der edle Marchese pathetisch,aber ich sehe bariiber hin­weg. Ich will Sie trotzdem heiraten trotz­dem! . . , Aeh, hm was haben Sie, Sig- nora? . , . Sie weinen? Ah, das wollte ich nicht auf Ehre, nein!"

Langsam hebt Dolores die Lider. Dicke Tränen sieben in den großen, schwarzen Augen.

Liebe Dolores sucht der Mann einzu­lenken, indem er den Ar in um ihre Taille legt und versucht, die zierlich^ Gestalt zu sich heran- zuziehen.

Mi einer ungeduldigen Bewegung macht Dolores sich los.

Lassen Sie mich"

Eine Staubwolke wirbelt von der nahen Land­strasse her auf.

Soeben rollt ein Bucku vorüber mit dem alten Horst und seiner Tochter Tnidi.

Jählings erbleicht Dolores. Hastig rafft sie Hut, Blumen und Schirm zusammen. j ._j

gangenen Jahre. Dieser, in erster Linie also von der Witterung abhängende Umstand- das Gedeihen der Futtermittel läßt sich aber bis jetzt nicht beeinflussest, auch nicht von den Frankfurter Zeitungen, die täglich über eine nicht vorhandene Fleischnot schreiben und sich er­eifern ohne Not. Gewiss ist es für den Ver­braucher unangenehm, wenn die erforderlichen Lebensmittel und Bedürfnisse, oder einzelne da­von, im Preise steigen: jeder der für eine Fa­milie zu sorgen hat, wird von niedrigeren Prei­sen angenehmer berührt werden als von hohen. Doch sind Preisschwankungen nun einmal nicht zu vermeiden, auch nicht bei solchen Bedürfnissen, die nicht vom Wetter abhängig sind. Die hier in Rede stehenden Preisschwankungen aber Iner­ten durch Umstände hervorgerufen, die nicht oder doch nur wenig zu beeinflussen sind. Eine Preisschwankung und eine Preissteigerung bildet aber noch lange keinen Notstand, namentlich dann nicht, wenn die Steigerung nur einen Prozentsatz erreicht, wie es jetzt hier bezüglich des Schweinefleisches der Fall ist, also etwa höchstens 15 bis 20 Prozent. Ist doch gerade während der letzten 18 Jahre hier der Preis des Schweine­fleisches im Ausschnitt niemals unter 80 Pfg. das Pfund heruntergegangc», auch toenn der Einkaufspreis toie es oft und längere Zeit hindurch der Fall war- fast nur die Hälfte von 80 Pfg. und sogar toeniger betrug. In diesen Zeiten hätte sehr Wohl und mit vollem Rechte von einer ungerechten Fleischvertenerung die Rede sein können.

Merkwürdig ist bei der ganzen Fleischnot- schreiberei einzelner Blätter auch die Hetze gegen die Agrarier Landwirte, deutsche Landwirte, kennt ein Teil der so viel schreibenden Blätter anscheinend gar nicht obgleich durch amtliche Veröffentlichungen nachgetoiesen worden ist, daß gerade die Schweinemast vorzngsiveise von den mittleren und kleineren Grundbesitzern, vom so- genannten kleinen Mann, betrieben wird. An 75 Prozent der ganzen Erzielung an Mast- schweinen werden von dem kleinen Landwirt ge­liefert und nur 25 Prozent liefert der Groß- gnindbefitz. Weshalb daher hierbei, bei diesem Anlaß, die Hetze gegen den Großgrundbesitz, dem übrigens hier durchaus nicht das Wort ge­redet werden soll? Hier kommt lediglich die beutfebe Landwirtschaft und ihr vorzüglicher, ge- sundheitlich au allererster Stelle stehender Vieh­stand in Frage, der, nachdem er durch langen Kampf gegen die verschiedenen Seuchen, heute hoch steht und ohne zwingendr Not nicht wieder von Neuem gefährdet werden darf. Eine solche Not (eine Fleischnot) liegt aber zur Zeit nicht vor imb'ift auch gar nicht zu befürchten. Bei der aus Norddeuffchland gemeldeten vorzüglichen Aussicht für eine überreiche Kartoffelernte- der Zentner kostet jetzt schon nur 1,20 Mark wird bald ein starkes Angebot an Mastschweinen eintreten.

Addio, Signor Marchese! Ich muß jetzt nach Hause."

Und Ihr Onkel? Was soll ich ihm sagen?" Er mag mich heute Abend bei Sonnenunter, gong hier erwarten an dieser Stelle."

Gut. An dieser Stelle. Aus Wiedersehen Signorina Dolores!"

Er wagt nicht, sie noch einmal zu berühren. Tief zieht er den Hut und schreitet dann mit dem ihm eigenen, etwas schleppenden Gang zurück durch die wogenden Kornfelder.

Auch Dolores wendet sich. Langsam, nachdenk, sich begibt sie sich aus den Heimweg.

Als sie das Haus betritt, bringen vom Wohn­zimmer her heftige Stimmen an ihr Ohr.

Klopfenden Herzens öffnet sie die Tür.

Am Fenster, in seinem Lehnstuhl, sitzt der alte Horst und redet ärgerlich auf Trudi ein, die mit verweinten Augen neben ihm steht.

Ah. da ist das Fräulein ja!" ruft er bei Dolores Anblick. Trete sie nur näher. Hab' mit ihr zu reden."

Dolores wirst einen ängstlichen Blick auf das finstere Gesicht des Alten, daun auf Trudi, welche stumm bittend die Hände zum Vater emporhebt.

Ihr wird seltsam beklommen ums Herz.

Ist ist Nachricht von von Günther ge- kommen?" stammelt sie.

Nein. Aber ich will über etwas anderes mit dem Fräulein reden . . , Laß mich, Trudi! Dein stummes Bitten hilft nichts! . - - Mein Sohn, mein armer Junge, der totfronf. drunten im fremden Land liegt, der vielleicht in dieser Minute nicht mehr unter den Lebenden weilt, hat das Fräulein in unseren Schutz gegeben. Um seinetwillen haben wir das Fräulein oufgenom- men und hier behalten, als ob sie zu uns ge­hörte, als ob sie unseres Gleichen tonte!"

Was?" sollt Dolores empört ein.Sie tun ja, als stände ich unter Ihnen, als hätten Sie mich zu sich emporgehoben!"

»Vater! Pater!" steht Trudi.

Die Friedensderhandlungeu.

Bei einem Interview bestätigte Witte, daß Takahira um eine Vertagung der Konferenz nachgesucht habe, weil keine neuen Instruktionen von Tokio eingetroffen seien. Witte habe bereit- willigst zugefiimmt. Takahira sagte in einem Interview, da Roosevelt den Zusammentritt der Friedenskonferenz veranlasst habe, fühlten fte sich aus Achtung vor Roosevelt verpflichtet, in der Frage des AbfchluffeS der Arbeiten nicht vorschnell zu sein. Takahira fügte hinzu, die Lage sei nicht hoffnungslos, aber doch beinahe hoffnungslos. Wie verlautet, haben sich die Delegierten dahin geeinigt, daß keine Sitzung stattfinden solle, bis Japan» Antwort auf die Erklärung, die als Rußlands Ultimatum be­trachtet werden kann, eingegangen ist. Die Konferenz wird also möglicherweise nicht vor Mittwoch oder Donnerstag wieder zusammen­treten. DaS Gerücht, Roosevelt habe neuer­dings nochmals auf den Kaiser von Japan ein- zuwirken gesucht, erhält sich hartnäckig. Die New-Park Tribüne" versichert bestimmt, daß der Präsident dies wirklich getan habe.

Tokio, 28. Aug. Der außerordentliche Kabinettsrat der Minister und älteren Staats­männer, der heute früh zusammentrat, hob um 2 Uhr Nachmittags die Sitzung auf und die Teilnehmer begaben sich nach dem Palast, wo unter dem Vorsitz des Kaisers die Konferenz fortgesetzt wurde. Man glaubt, daß hier die Entscheidung über die Fortsetzung deS Kriege» oder über den Friedensschluß fallen wird. Die Hauptstadt verhält sich nach wie vor sehr ruhig.

New York, 28. Aug. Nach einem Tele­gramm derAssociated Preß" auS Portsmouth wird auS zuverlässiger Quelle versichert, Präsi­dent Roosevelt fei schon vor einigen Tagen von Seiten Japans ermächtigt worden, alle An­sprüche in Bezug auf eine Entschädi­gung oder eine Rückerstattung der Kriegskosten fallen zu lassen und die nördliche Hälfte Sachalins an Russ­land zurückzugeben sowie den Rückkaufs­preis dem Schiedsgericht einer gemischten Kom­mission zu überlassen. Dies wäre dem Kaiser von Rußland durch den amerikanischen Bot­schafter in Petersburg mitgeteilt worden. ES wird weiter behauptet, die Antwort des Kaiser» sei teilweise günstig ausgefallen. Man hält e» nicht für wahrscheinlich, daß Japan die Frage über das Rückkaufsgeld für Sachalin in ähn­licher Weife regeln will, wie Rußland die Doggerbank-Angelegenheit. E» heisst, Witte hätte diesen Gesichtspunkt angenommen und seine Ansicht dahin geäußert, daß Rußland

Sei still! Unterbrich mich nicht! Ich muss dem Fräulein einmal gründlich die Meinung sagen," ereifert sich ber brave Alte mehr und mehr.Wir alle trauern und sorgen uns um den guten Jungen, der mit dem Tode ringt die kranke Mutter, die Schwestern und ich selbst. Aber dos Fräulein? Sorgt sich das Fräulein um das Leben ihres Bräutigams? Denkt nicht dran! Was schert sie der Bräutigam! Wir einfachen Landleute hier oben im Norden, wir sind offen, bieder, wahr ober mir scheint, das Fräulein kennt von all dem nichts. Sie hat ein hübsches Lärvchen und einen Batzen Geld da§ ist alles. Und deshalb dünkt sie sich tounber was. Aber Herz und Gemüt und Gefühl für Anstand davon besitzt sie auch keinen Schimmer . . . . Und nun frage ich als Hausherr und als Vater meines fernen Sohnes: Wer lvar der Mann, von dem das Fräulein sich soeben draußen zwischen den Kornfeldern umarmen liess? Das Fräulein ist bis jetzt noch die Braut meines Sohnes. Ich verlange also eine Antwort und zivar sofort!"

Dolores ist bis in die Lippen hinein erblaßt. Wäre der Ton des alten Mannes liebevoller ge­wesen sie hätte ihm gerührt feine Hand er­griffen und um Verzeihung gebeten.

Die übergrosse Strenge bewirkte gerade da» Gegenteil.

Zu ihrer ganzen Höhe richtet sie ihr zierliches Figürchen empor. Ihre Augen funkeln wie die einer Katze.

Wenn Günther diese Frage an mich stellte, würde ich ihm antworten. Ihnen habe ich keine Rechensthaft über mein Tun abzulegen!" Und dunkelrot vor Zorn will sie das Zimmer ver­lassen.

Ta wird die Tür heftig aufgerissen. Mit glühenden Wangen stürmt Ilse herein.

Hurrah! Ein Telegramm! Von Brunhilde und an mich adressiert! Günther ist außer Ge­fahr. O, Dolores, bist Du nicht glücklich? Bist Du nicht überüber, überglücklich?"

Sie stockt und läßt die erhobene Hand mit dem Telegramm sinken. (Fortsetzung folgt.)