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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Jfä 201

Vierteljährlicher Bezugspreis, der der Expchitio« 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcl. Bestellgeld).

JnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

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Marburg

Sonntag, 27. August 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Joh. Auz. Koch, UmverfitätS-Buchdruckere! 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

für den Monat September auf die

^Oberheffifche Zeitung" nebst ihren Leilagen werden von unserer Expedition 'Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch - ßain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern

entaeaenaenommen.

Der Begriff der Weltpolitik toar unteren SBntern imbekannt: nur wenige hochbegabte Geister der früheren Zeit vermochten ihre Ve- denNmg in undeutlichen Umrissen zu erkennen. Die Weltpolitik ist das Ergebnis der wettwirt- sckmftlichen Entwicklung, in die uns die Gegen­wart mit ihren vielverschlungenen internationalen Beziehungen hineingeführt hat. Was ist Welt-, wirtschaft? Die beste Antwort auf diese Frage finden wir in einer ebcnjo fesselnd wie belehrend geschriebenen Broschüre von Paul DehnKom­mende Weltwirtschaftspolitik" (Berlin, Trowttsch u. Sohn), in der es heißt:

Weltwirtschaft ist ein Zustand, der auf einer gewissen Solidarität der Staaten und Völker be­ruht. Diese Solidarität erweitert und vertieft sich noch fortwährend. Kulturell: An allen Kulturfortschritten der Gegenwart sind alle Völker beteiligt. Sozial: Alle Kämpfe, Sorgen und Gefahren sind ihnen gemeinsam. Politisch: Fällt irgendwo ein Schutz, so erregt es allerwärtS Alarm. Wirtschaftlich: Wenn es an der Börse von Kalkutta kracht, kracht es auch an den Börsen von London und Berlin. Eine Hungersnot in Indien oder China wird selbst in den entlegen- Jlcn Jndilstriebezirken Europas, auch in Deutsch, 'land, wenngleich nur mittelbar als eine Vermin- dernng der allgemeinen Kaufkraft, empfunden."

An dieser weltwirtschaftlichen und weltpoliti­schen Gemeinschaft der Kulturvölker hat auch das Deutsche Reich seinen gebührenden Anteil. Ko­lonien und Interessengebiete in allen Erdteilen nennen wir unser eigen. Viele Tausende deutscher Staatsbürger wirken als Pioniere deutschen Ge- werbefleitzes und Unternehmungsgeistes im AuS- lande und mehren durch ihre Tätigkeit den Ruhm des deutschen Namens und den deutschen Wohl- stund. Eine Handelsflotte, toctdj-e die zlneitgrötzte der Welt ist, erobert dem deutschen Handel ein Absatzgebiet nach dem anderen. Wem kann es da noch zweifelhaft sein, daß to i r $ß e (t b o I i tik treiben müssen, im Untere ff e der Erhaltung unseres National­vermögens, unserer Volks kraft lknd unseres Ansehens unter den Völkern und Staaten der Erde?

4- 'Nachdruck verboten.)

Wen» ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete . . . . .

Noma« vo« Erich Friese«.

tFortjehung.)

Und wirklich kaum hat Bninhilde am Bett Platz genommen, schon geht der Atem ruhiger. Das unruhige Tasten der Hände auf der Bettdecke hört auf.

Und setzt öffnen sich auch die matten, vergiß- memnichtblauen Augen.

,. - Wie gut Sie zu mir sind," flüstern die blei- wen Lippen.Wie kommen Sie nur dazu? Ich dm Ihnen doch eine Fremde!"

.... l'^bo Sie, weil Sie krank und hülfsbe- dürftig sind, liebe Miß Harrison "

or "^^ürdig!" Die Kranke denkt einige au3enWicfe nach. Dann fragt sie unvermittelt:

haben ^hren Vetter lieb, nicht wahr?" Leichtes Rot steigt in Brun Hildes Wangen.

. -Ja, sehr lieb," erwidert sie fest. Er ist mir jein teurer Bruder. Ich habe in dem Hause sei­ner Eltern eine Heimat gesunden."

"Ach ich verstehe. Möchten Sie mir nicht ,nva§r von dieser Hemmt erzählen, die ich leider mir so fluchtig kennen gelernt habe? Ich höre obre stimme so gern. Sie beruhigt mich "

Und Brnnhilde erzählt von den täglichen ffftlichten inWaldruhe", von dem Baumschlag wid den Kornfeldern, von den Tulpen und Veilchenbeeten, welche unter ihrer Obhut so trächtig emporblühen, von der Hiihnerzuclst und am frischen Duft des Kuhstalls von all den 'leinen Freuden und Leiden des Landlebens . . .

Und ruhiger und ruhiger wird der Atem der »ranken. Ihre Hände falte«' sich über der Bett­decke.

Keine Weltpoliftk ist aber denkbar ohne S e e w e h r. Handel und Unternehmungsgeist eines Volkes können noch so glänzend, noch so voll von eigener Rüstkraft sein, sie werden auf die Dauer doch immer nur da sich festsetzen, wo­hin der bewaffnete Arm ihres Staates zu reichen und ihren friedlichen Wettbewerb zu schützen vermag. Darauf beruht das Erfahrungsgesetz, daß dem Handel der Flotte folgt. Eine starke, eindrucksvolle, aktionsbereite Flotte ist daher geradezu als der Bahnbrecher der weltpolitischen Entwicklung eines Staates zu beinerten und für die Forderungen, welche die Gegenwart nach dieser Richtung stellt, so unentbehrlich. daß ihr Mangel mit der Herabdrückung einer Nation auf die Stellung einer Macht zweiten Ranges für gleichbedeutend erklärt werden mutz.

Unsere öffentliche Meinung über die Gründe, welche die Schaffung einer starken Seemacht zu einer Lebensfrage für das Deutsche Reich machen, aufgeklärt und der Marine nebst den überseeischen Verhältnissen und Interessen zu einer wahrhaften Volkstümlichkeit verhalfen! zu haben, ist ein! Verdienst Kaiser Wilhelms II. Mit scharfem Blick hat der Schirmherr des Reiches früh er- kamst, daßuns eine starke deutsche Flotte bitter not ist". Eine Riesenarbeit gehörte dazu, um das deutsche Volk, das doch eigentlich fast ganz aus geborenenLandratten" besteht, zu einer see­männisch-politischen Auffassung zu erziehen! Und doch ist die Lösung dieser Aufgabe, die zuerst an tausend und abertausend Ketten zu hängen schien, m verhältnismäßig kurzer Zeit und mit über­raschender Wirkung geglückt, dank der zielbe­wußten Anregung des .Kaisers.

Zum Kampfe gegen die Trunksucht.

In feinem Lande ist der Kampf gegen die Trunksucht so entschieden und mit so viel Erfolg zum Heil des Volkes ausgenommen worden wie in Norwegen. Nachdem ein Gesetz aus dein Jahre 1816 jedem Einwohner die Herstellung von Alkohol aus Erzeugnissen seines eigenen Grund und Bodens in unbeschränktem Maße ge­stattet hatte, nahm der Genuß von geistigen Getränken rapide zu. Eine allgemeineAl- koholpesi" mit all' ihrem Elend brach über das Land herein In den Jahr-en 1830 bis 1840 wurden Pro Kopf der Bevölkerung jährlich fast 9 Liter reinen Alkohols verbraucht.

Diesem Jammerzustande wurde int' Jahre 1840 durch ein Gesetz ein Ende bereitet. Von da ab uw es nur noch staatlich organisierten Fa­briken gestattet, Alkohl herzuftellen. Der Ver­kauf von geistigen Getränken wurde zu einem Vorrecht, das niemand ohne Genehmigung der Gerneindeverlvalfttng und ohne Verzicht auf jeden Handel anderer Art erhalten konnte. Auch wurde der Alkoholverschank so hoch mit Steuern belegt, daß fast fein Privatmann sich mit einem derartigen Geschäft abgeben wollte. Bald wurde der Verkauf fast nur noch von den Gemeinden ausgeübt. Alle aus dem Verkaufe erzielten Ueberschiisse wurden, und werden noch heute, zu gemeinnützigen Zwecken verwandt.

sorgsam hebt Brnnhilde den müden Kopf, dessen rotleuchtende Haarfülle seit einigen Tagen silberne Fäden durchziehen, empor. Dann schüt­telt sie das Kopfkissen auf.

Ein Zettel fällt zur Erde.

Lebhafte Unruhe bemächtigt sich der Kranken. Hastig greift sie nach dem Zettel.

Bninhilde ahnt sofort, daß dieses Stückchen Papier der Grund zu der Verschlimmerung in Miß Harrisons Befinden ist.

Von Bernardo Rosso?" fragt sie eindringlich, der Kranken den Zettel zurückgäend.

Miß Harrison nickt.

Darf ich lesen?"

Heftiges Kopsschütteln.

Eine Weile schweigt Brunbilde. Dam: sagt sie innig:

Wollen Sie mir nicht vertrauen, liebe Miß Harrison? Ich sehe doch, daß Sie etwas be­drückt!"

Miß Harrison öffnet ihre schweren Augen­lider wett und blickt das gute Mädchen traurig an.

Und plötzlich bricht sie in heftiges Weinen aus.

Muß ich muß ich so bald schon ster­ben?" schluchzt sie..

Wie kommen Sie darauf?"

Weil weil weil Bernardo Rosso sagte, ich ich solle mein mein Testament machen!"

In Brnnhilde wallt der Zorn auf, ehrlicher, gerechter Zorn gegen den Schurken, der dies arme schwache Geschöpf zu Tode quält.

-Und ihm Ihr Vermögen hinterlasten, nicht wahr?" ruft sie empört.

/.-Woher wissen Sie--Ja, mein Kind,

es ist so. Aber sagen Sie ihm nicht, daß ich mit Ihnen davon gesprochen habe. Er ist so schreck­lich oh. Sie wissen nicht"

Sanft ergreift Brnnhilde Miß Harrisons kalte Hände. Zärtlich, wie einem Kinde, streicht

Die Gemeinden können also in ihrem Wir- kungsbereiche den Alkoholverbranch regeln und durch Verweigerung der Schank-Erlaubnis an Privatleute noch mehr einschränken. Durch ein Gesetz vom 27. Juli 1894 wurde es außerdem den einzelnen Bezirken anheimgestellt, den Al­kohol in ihrem Kreise gänzlich zu verbieten, in- dem es bestimmte, daß alle fünf Jahre sämtliche Einwohner männlichen wie weiblichen Geschlechts, die das 25. Lebensjahr überschritten hatten, in öffentlicher Wahl ihrJa" oderNein" über diesen Fall abzugeben hätten. Stimmenmehrheit war entscheidend. So kommt es, daß man zumal im Norden in vielen Orten überhaupt keinen konzentrierten Alkohol mehr bekommen kann. Auch wurde es verboten, an Sonn- und Feier- tagen und an den ihnen vorangehenden Tagen von mittags 12 Uhr ab Alkohol zu verschönten, ebenso wie ein ungesetzmäßiger Verkauf und ein solcher an unmündige Kinder mit strenger Strafe bedroht wurde.

Infolge der Schwierigkeiten und Unkosten, die mit dem Verkauf von Mkohol verbunden waren, nahmen die Verkaufsstellen von Jahr zu Jahr ab. In den Jahren 1847 bis 1857 ging ihre Zahl von 1101 auf 640 zurück. Seit 1871 ist sie in den Städten von 501 sogar aus 130 ge­fallen, so daß auf 4000 Einwohner nur noch eine Verkaufsstelle kommt. Rechnet man die Landbevölkerung mit, so haben je 16 000 Ein­wohner nur einen Alkoholausschank. Der Ver­brauch ist demgemäß von 2,8 Liter Pro Kops in den Jahren 18711875 auf 1,2 Liter in denen von 18961898 zurückgegangen. Ebenso ver­hält es sich mit dem Bier- und Weinkonsum. In gleichem Schritt mit dem Alkohol hat die Zahl der Vergehen und Verbrechen abgenommen, die auf übermäßigen Genuß geistiger Getränke zurück- zufiihren sind. In den Jahren 18911894 wurden von zehntausend strafbaren Handlungen nur 10,5 als in der Trunkenheit begangen fest- gestellt gegen 33 in den Jahren 1856-60. Die Aifti-Alkoholbewegung hat in Norwegen haupt­sächlich in den niederen Volksschichten viele An­hänger, die sich zum großen Teile in Vereine zusammengeschlossen haben.

Es wäre zu wünschen, daß das Beispiel Nor- wegens in Deutschland beherzigt würde. Dem bekannten Sozialpolittker Gras Douglas gebührt das Verdienst, in unserem Vaterlande die Be­kämpfung der Trunksucht in die Wege geleitet zu haben.

limWn.

Religion und Politik.

Eine geheime Verfügung über die Mariani- scheu Kongregationen hat, wie derDziennik Poznanski" meldet, der Regierungspräsident in Posen an die Landräte seines Bezirks erlassen. Sie hat nach dem Polenblatt folgenden Wort­laut: Bei Gelegenheit des ersten Generalkon­gresses der polnischen Marianischen Kongrega­tionen, welcher Ende September v. I. in Sem» berg stattgefunden hat, ergab es sich, daß man diese nicht lediglich für rein religiöse und kirch- liche oder humanen Zwecken dienende Gesell-

fie ihr die widerspenstigen Löckchen aus der feuch­ten Stirn.

Beruhigen Sie sich, liebste, beste Miß Har» rison! Er wird Ihnen nichts tun. Ich wache über Sie!"

Ganz still liegt die Kranke da. Ein heftiger Kampf spiegelt sich in ihren eingefallenen Zügen.

Brnnhilde" flüstert sie endlich matt. Ich darf Sie doch so nennen, nicht wahr? . . . . Ich möchte Ihnen etwas mitteileu. Sie sind so gut, so stark. Sie werden mich nicht verachten, nicht wahr?"

Lächelnd schüttelt Brnnhilde den Kopf.

Gewiß nicht, liebste Freundin . . . Sprechen Sie!"

Und Miß Harrison erzählt erst zögernd, stockend . . dann fließender, eifriger . . zuletzt in höchster Erregung, an allen Gliedern zitternd weshalb das Leben ihr zur Oual wurde, weshalb Bernardo Rosso sie ganz in seine Gewalt bekom­men hat.

Und Brnnhilde, die bebende Hand der Kran- Ten fest in der ihren haltend, hört schweigend zu voll tiefsten Mitleidens, voll hellster Em­pörung . . .

Ich bin die einzige Tochter eines reichen cngfidien Oberst, der in Indien schwer der- wundct wurde, seitdem gehirnleidend blieb und bald den Dienst quittieren mußte" berichtet die Kranke.Als treue Pflegerin stand ich ihm viele Jahre lang zur Seite. Jede Annäherung von Seiten irgend eines Mannes wies ich stets zurück ans Liebe zu dem Vater. Ich reifte mit ihm in der Welt herum, da er es nirgends lange aushielt.

So kamen wir auch vor etwa zehn Jahren nach Rom und mieteten uns in einer Familien­pension ein. Der Besitzer hatte für mich von Anfang an etwas Unheimliches: aber seine Fran war lieb und sanft, und die Lage der Pension, in

schäften halten kann, sondern vielmehr für solche, deren die Polen hn außergewöhnlichen Maße ju nationalen Zwecken sich bedienen. Unter den religiösen Mantel sollen sie dazu dienen, dak ganze polnische Volk in allen drei Kaiserreiche, unter einer Fahne und zwar der heil. Maria der gekrönten Königin und Patronin Polens zu vereinigen und zur Wiedergeburt des ehe maligen polnischen Reiches vorzubereiten. Unter anderem wurde der nachstehende wichtige Beschluf gefaßt: Der polnisch Marianische Kongreß stell die lobenswerte Tätigkeit der Marianischen Kon­gregationen in den höheren Gesellschaftskreisen fest und hält es für unbedingt notwendig, ine Kongregationen zwecks Förderung der katholi- scheu Sache in den Lehrer- und Schülerkreise» zu gründen, zu erhalten und zu entwickeln. Ich halte es für notwendig, den polnischen Mariani­schen Kongregationen und ihrer weiteren Ent« Wickelung fortan mehr Beachtung zu schenke» und ersuche Ew. Hochwohlgeboren, demgemäß gr handeln und mir binnen zwei Monaten die Zahl der im dortigen Kreise vorhandenen Kongrega tionen und über ihre bisherige Tätigkeit zu 6e richten.

Weiter soll, einem Posener Blatte zufolge, der Oberpräsident von Waldow nachstehende Ver, fügung erlassen haben: Der Missionar Lubienski hat sich anläßlich einer Mission, welche in Groß- Strzelce im Kreise Gostyn stattgefunden hat, in einer Predigt der nationalpolnischen Agitation schuldig gemacht. Euer Hochwohlgeboren ersuch« ich, künftige Missionen, namentlich solche, welch« Ausländer, insbesondere aus Galizien, beton« statten würden, durch polnisch sprechende Per« fönen überwachen zu lassen und den Grafen Lu« bieuski, wenn er in die Provinz Posen kommt, als lässigen Ausländer auszuwsisen. Von der erfolgten Verweisung ist mir Bericht zu er« statten. Diese beiden Fälle ihre Richtigkeit vorausgesetzt geben eine interessante Illustra­tion zur Gnesener Kaiserrede, besonders zu bet Mahnung an dieHerren vom (Dom)Kapitel",

lltbtr de» Bankerott der Marx'sche» Theorie«

schreibt derZimmerer", das Berbandsorgaa einer der stärksten und zielbewußtesten Gewerk» schäften, folgendes:

.Es ist eine offenkundige Tatsache, die sozial, demokratische Partei (wir können, ohne Widerspruch in den Kreisen unserer Kameraden zu finden, auch dreist sagen: unsere Partei) befindet sich seit lang« Zeit in einer unangenehmen Situation, die in bei nächsten Zeit noch schlimmer zu werden droht. Ihre wichtigsten theoretischen Lehrsätze haben sich als unhaltbar bezw. zweifelhaft herausgestellt. Die .Verelendungstheorie" bat aufgegeben werden muffen, die .Zusammenbruchs' tbeoiie' kann nichi erhalten werden, die .Krisentheorie' ist sehr zweifelhaft geworden und so steht es auch mit der Auffassung der chronischen Ueberproduktion und anderen Lehrsätzen. Jedenfalls findet alles das in der wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahrzehnte keine ausreichende Stütze. In den Arbeiter- massen ist zwar roch ein verhältnismäßig stark« Glaube an diese Lehrsätze vorhanden, aber in den Kreisen der Parteiführer nicht und jedenfalls nicht in der politischen Arbeiterpresse Dadurch schon kommt

nächster Nähe des Monte Pincio, ließ nichts zu wünschen übrig.

So blieben wir den dort trotz meines ge­heimen Widerwillens. Zu meinem Unglück. Nach ein paar Monaten schon verschlimmerte sich der Zustand meines armen Vaters derart, daß er das Bett nicht mehr verlassen konnte. Mau kündigte uns. Einen Totkranken könne man in der Pension nicht gebrauchen.

Ich bat, ich flehte, ich beschwor den harther­zigen Menschen, meinen sterbenden Vater nid# auf die Straße zu sehen. Nachdem ich notariell eine bedeutende Summe auf Bernardo Rossos Namen denn er war Pensionsinhaber hatte festsetzen lassen, zahlbar nach meines Vater- Tode hatte er die Gnade, uns in seinen Rau. men zu behalten.

Mein Vater litt furchtbar und quälte mich oft und viel. Aber ich ertrug alles geduldig; denn ich liebte meinen armen Vater. Wiederholt fragte mich der unheimliche Bernardo Rosso, ob ich dies Leben nicht bald satt hätte, ob ich mich nicht freuen würde, von der aufreibenden Pflege befreit zu sein.

Voll Entrüstung wies ich derartige Bemerkuw- gen zurück. Ich ließ niemand zu meinem ster- benden Vater. Allein pflegte ich ihn Tag und Nacht.

Da, eines Abends ich hatte ihm gerade feine gewöhnliche Medizin gegeben werde ich von Frau Rosso aus dem Zimmer gerufen. Sie wollte etwas mit mir besprechen. Als ich wieder das Krankenzimmer betrat, fand ich meinen Vater tot.

Mein Schmerz war grenzenlos. Ich hatte nur Sorge und Mühe mit dem Kranken gehabt aber er war doch mein Vater, das einzige, tüa-5 ich auf der Welt besaß.

Als ich weinend neben der Leiche kniete, be­rührte mich jemand an der Schulter. Ich sollte