mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Aüustrirtes Sonntagsblatt.
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Marburg
Sonnabend, 19. August 1905,
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UmvcrsMts-Buchdrucktrei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon o5.
Neueste Telegramme.
Berlin, 17. Aug. Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht die Ernennung Defreggers zum Ritter des Ordens pour le mSrite für Wissenschaften und Künste.
Hamburg, 17. Aug. Mit dem Dampfer .Alexander Woermann' trafen aus Swakopmund teils als entlassen, teils als Rekonvaleszenten ein Hauptmann v. Rappard und Hauptmann Arnold, die Oberleutnants Frhr. v. Grote und Hildebrand, Leutnant Frhr. v. Reibnitz, Ober- veterinär Scholz, Stabsveterinär Eberts, sowie 80 Feldwebel, Unteroffiziere und Gemeine.
Lübeck, 17. Aug. Im heutigen Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht der Senat das neue Wahlgesetz über die Ergänzung der Bürgerschaft, durch welches daS Zweiklassensystem mit einer Steuergrenze von 2000 M. eingeführt und die Wahlmündigkeit auf 25 Jahre festgesetzt wird.
Wien, 18. Aug. Den Ausführungen der Londoner „Morning Post', die der Zusammenkunft zwischen König Eduard und Kaiser Franz Josef eine gegen Deutschland gerichtete Spitze zu geben suchte, wird von hier offiziös sehr deutlich abgewinkt und erklärt: .Der Dreibund habe fich bisher so gut bewährt, daß Oesterreich- Ungarn gar keinen Anlaß habe, in eine neue Allianz einzutreten."
Amsterdam, 17. Aug. Einem Telegramm des „Aigemeen Handelsblad' aus Batavia zufolge haben Atschinesen ein holländisches Biwak bei Rambong (Atschin) angegriffen. Ein Leutnant, 1 Sergeant und 22 Soldaten wurden getötet, 6 Soldaten verwundet.
Madrid, 17. Aug. Die Regierung wies die Behörden in der Provinz Andalufien an, in den von der Hungersnot am meisten betroffenen Städten und Dörfern Volksküchen einzurichten. Das Ackerbauministerium ersuchte die Eisenbahngesellschaften, Streckenarbeiten vornehmen zu lassen, damit möglichst viele Arbeiter Beschäftigung fänden.
Christiana, 17. Aug. (W. B.) Die Volks- abstimmung in der Unionangelegenheit hat folgendes Ergebnis: 368,200 Stimmen lauteten für; 184 Stimmen gegen die Trennung. Bei der letzten Storthingwahl wurden 236,641 Stimmen abgegeben.
Newyork, 17. Aug. Das „Journal of Eommerce" erklärt, der Panamadurchstich fei undurchführbar, weswegen der Kongreß wieder die Nicaraguaroute beraten werde.
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35 lMchdruck verboten.)
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete . . . . .
Roma« von Erich Friese«.
l Fortsetzung.)
Obgleich die Engländerin sich in allem den einfachen Gewohnheiten der Gutsbesitzersfamilie nupaßt, so hat die lebhafte Südländerin doch die Empfindung, als ob mit Miß Harrison ein Stückchen ihres früheren Lebens in das tägliche Einerlei auf „Waldruhe vingezogen sei. Sie kann mit ihr über römisches Leben und Treiben plaudern: sie setzt die lusfige Trudi in Erftau- neu durch ihre kleinen boshaften Bemerkungen über die vornehme Gesellschaft Roms und läßt die sanfte Ilse verlegen erröten bei spaßigen Anekdoten, die für italienische Ohren durchaus micht zweideutig klingen, für die strengerzogenen Nordländerinnen indes überaus gewagt erscheinen. *
Und über allem schwebt wie ein guter Geist Brunhilde, die jede kleine Wortplänkelei, jede Meinungsverschiedenheit, jedes Mißverständnis durch ihren Takt und ihre Ruhe wieder aus- gleicht^
So gestaltet sich das Zusammensein in >Waldruhe" anscheinend überaus harmonisch. Die alten Horft's gewöhnten sich an den Gedanken, nicht das blonde, hochgewachsene, ihren Herzen so nahestehende nordische Mädchen, son- dern die graziöse, schwarzlockige, dunkeläugige Südländerin als zukünftige Schwiegertochter an- Ansehen.
Und wenn bei FrauMarianne ja noch einmal Wn BedauOs« auftaucht — ein Blick in das überglückliche Gesicht des Sohnes genügt, «m dies Empfinden sofort wieder zu verwischen. Günther hatte ehuüt ausführlichen Bericht an Dolores Rechtsanwalt in Rom. den Dr. Labriola geschrieben, worin er seine Verhältnisse und seine Absichten auf DoloreH vollkommen klar leM,
Japan.
Einem Aufsatze au8 der Feder deS Grafen Okuma, eines früheren japanischen Ministers des Aeußeren, den dieser der „Wiener Zeit' eingesandt hat, entnehmen wir folgende Stellen:
Was den gegenwärtigen Krieg betrifft, so liegt eS außer allem Zweifel, daß er seinen Ursprung eher in politischen als in ökonomischen Gründen fand. In erster Linie zogen wir unser Schwert,, um unsere Unabhängigkeit und die Autonomie des kaiserlichen Gebietes zu bewahren — wir kämpften nur für die Existenz unseres Vaterlandes! Das soll aber nicht heißen, daß wichtige ökonomische Gründe nicht mit hineingezogen wurden. Nach offiziellen Berichten haben wir bereits mehr als die enorme Summe von 300 Millionen Dollar für Kriegszwecke ausgegeben. In Wirklichkeit ist diese Summe aber doch noch viel zu niedrig gegriffen, der Krieg kostet unS mehr. Die vielen Hunderttausende von jungen Leuten, die das Mark und und der Kern der produktiven Kraft einer Nation sind, haben für viele Tage und Monate ihre Pflüge stehen lassen müssen und haben zu den Waffen gegriffen. Diele von ihnen haben ihr Leben auf den Schlachtfeldern lassen müssen. Die dadurch entstandene Not ist groß. Meiner Meinung nach hat das ökonomische Japan durch indirekte Ursachen weit mehr als durch daS direkte Ausgeben von Geld verloren.
Nehmen wir an, daß wir durch das Ergreifen der Waffe und durch eine ununterbrochene Serie von Siegen zu Wasser und zu Lande unsere politischen Ziele in Korea und in der Mandschurei durch Ausrottung der russischen Macht in jenen Ländern erreicht haben. Aber die Frage bleibt offen, wie wir all die ökonomischen Verluste, die wir dadurch erlitten haben, wieder gutmachen können.
Die Bevölkerung Japans ist mit ungewohnter Schnelligkeit gewachsen sei, sie hat heute bereits die Zahl von fünfzig Millionen überstiegen. Dieses rapide Anwachsen der Bevölkerung hat einen jähen Wechsel in den ökonomischen Bedingungen des Landes mit sich gebracht. In früheren Zeiten, ehe Japan noch dem internationalen Verkehr offen stand, produzierte es, abgesehen von ganz ausnahmsweise schlechten Ernten, weit mehr Getreide, als es konsumieren konnte; eS exportierte sogar Korn. Wenn wir nun den chinesisch-japanischen Krieg als Ausgangspunkt nehmen, so sehen wir eine plötzliche Wendung der Sachlage eintreten, mit jedem Jahre wuchs der Mangel an der eigenen Getreideproduktion, und Japan mußte fich zum Import entschließen.
Die Folge davon war eine überaus günstig lautende Antwort. Rechtsanwalt Labriola wolle dem Glück des jungen Paares absolut nichts in den Weg legen, besonders, da der verstorbene Paolo Arevallo in seinem Testament ausdrücklich bemerkt habe, seiner Nichte solle in allem ihr Wille gelassen werden, falls es nichts Unver- Künftiges oder gar Schlechtes sei. Doch wäre es wohl das Einfachste, Günther käme so bald wie möglich selbst nach Rom, um über die sinanp zielten Arrangements mit Dr. Labriola persgn- lich zu verhandeln..
Der Vorschlag findet allgemeine Zustimmung.
Günther ist doppelt glücklich darüber. Nicht nur, daß er dadurch der Vereinigung mit dem geliebten Mädchen bedeutend näher rückt — wie mit Allgewalt zieht es ihn auch wieder nach Rom; hin nach dar „ewigen Stadt", die schm: in einen Kinderträumen eine so große Rolle spielte: hin nach jenem Ort. wo er sich dem ersehnten Ziel, ein tüchtiger Maler zu werden, bereits um ein Stückchen näher fühlt.
Dieser selbgewählte Künstlerberuf ist der einzige Wunde Punkt in dem friedlichen Zusammenleben auf „Waldruhe".
Die alten Horsts können und wollen den Ge t danken nicht aufgeben, ihren Sohn dereinst auf ihrem Gute herumwirtschaften zu sehen.
Und Dolores?
Für sie bedeutet die Kunst überhaupt nichts. Mit einem spöttischen Wort oder einem verächtlichen Achsenzucken geht sie jeder Erörterung aus dem Wege. „Pah — Maler! Maler!"
Auch Miß Harrison begreift nicht, wie je- maipd dir ruhige Eristenz eines Großgrundbesitzers gegen den unsicheren Künstlerberuf austauschen kann. Und Ilse und Trudi stehen naturgemäß auf Seiten der Eltern.
Nur eine tapfare Fürsprecherin hat Günther, und sie wiegt alle auf Brunhilde.
Das sonst so ruhige, gelassene Mädchen gerät in einen wahret) Feuereifer, sobald das Ge- svräch aus dieses Thema kommt. Mit einer Begeisterung, einer BeredtjMGit verteidigt sie die
Ebenso wie mit der Aarikultur geschah e8 auch bald mit der Industrie und mit dem Handel; sie standen zurück und wir merkten, daß nicht nur in einem schlechten Jahre, sondern auch in den drei darauffolgenden guten Jahren die Eigenproduktion keineswegs auSreichte, die Bedürfnisse des Landes zu decken.
So geschah es denn in diesen unglücklichen Jahren, daß sich die Nation, ihrer ernsten Aufgabe wohl bewußt, daranmachte, eine Lösung für dieses hochbedeutende Problem zu finden. Die Schlußfolgerungen lagen nicht fern: Da die Produkte des japanischen Bodens nicht genügten, um die immer mehr arwachfende Zahl der Bevölkerung zu ernähren, mußten wir eine Rettung in der Erweiterung des Handels und der Industrie suchen. Und da wäre es denn wirklich schwer gewesen, ein geeigneteres Feld für diese Zwecke als Korea und die Mandschurei zu finden. Zwischen ihnen und unserem Lande befindet sich nur ein schmaler Kanal von Wasser, auch die historischen Beziehungen zwischen ihnen und uns sind mannigfache, und heute läßt die Macht und daS Prestige unseres siegreichen Landes tiefe Furchen auf ihrem Gebiet zurück. Dort also liegt ein goldener Boden für die Pläne einer Expansion unseres Handels und unserer Industrie. . .
Es gibt nun viele Leute unter uns, die glauben, daß nur ein Territorialerwerb für uns wirklichen Vorteil bringen könnte; dem ist aber nicht so, wenn wir bedenken, welchen enormen prädominierenden Einfluß Japan jetzt in Korea und in der Mandschurei gewonnen hat. Das kommerzielle und das industrielle Japan macht auf alle Fälle einen Riesenschritt von seinem Jnselreich auf den Kontinent und faßt dort festen Fuß. Wir stehen vor dem schicksalsschweren Tage einer noch nie dagewesenen Expansion auf ein hochwichtiges Versuchsfeld.
Die Frie-ensverhan-lungeo.
Portsmouth (New HampHire), 17. Aug. (Reuter.) Minister Witte äußerte gestern Abend gegenüber den Berichterstattern: Ich tue, alles, was ich nur kann zur Erlangung des Friedens. Von den 8 Artikeln, die bereits erwogen wurden, habe ich inbezug auf sieben nachgegeben. Kein anderer russischer Staatsmann würde gewagt haben, auf seine eigene Verantwortung hin so weit zu gehen, wie ich es getan habe. Artikel 9, der von der Kriegsentschädigung handelt, soll heute erörtert werden. Man erwartet, daß der Meinungsaustausch über die restierenden Artikel morgen oder Samstag beendet sein wird, damit inzwischen die Delegierten ihre Regierungen be
fragen können. Rußland gibt jede Anwartschaft auf die Mandschurei auf. Seine einzige Hoffnung, einen Teil seiner ungemein großen Ausgabe« für die Eisenbahn vergütet zu erhalten, wäre eia Abkommen mit China. Japan soll sich mit feine« Ansprüchen für die nach dem Durchmarsch der russischen Armee notwendig gewordene Wieder« Herstellung der EisenbcHn an die chinesische Negierung wenden.
Gestern Abend waren Gerüchte int Umlauf, nach denen verschiedene Mächte sich bemühe« sollten, Japan zu veranlassen, auf eine Kriegsentschädigung zu verzichten und statt dessen sich eine möglichst weitgehende anderweitige Kompensation zu sichern, aber nur für den Fall, daß Rußland schließlich in die Abtretung von Sachalin einwilligt. Japan besteht beharrlich auf bet Uebergabe der internierten Kriegsschiffe. Ma« glaubt, daß diese Beharrlichkeit auf das dringende Anraten Englands zurückzuführen ist. Eine etwaige Entschädigung soll nicht zur Vergrößerung der japanischen Flotte verwendet werden, da die internierten Schiffe, falls Japan sie erhall und die gehobenen Schiffe Neubauten von Kriegsschiffen überflüssig machen. Die Kriegsentschä« diguna soll vielmehr dazu benutzt werden, be« durch den Krieg entstandenen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, für Pensionen zu sorgen unb das Erziehmrgssystem in Japan z« verbessern.
Portsmouth (New Hampshire), 17. Aug, In der heufigcn Vormittagssietzung wurde Art. 9 der Friedensbedingungen, welche sich mit der Rückerstattung der Kriegskosten beschäftigt, besprochen. Dem Vernehmen nach wird Rußlani den Forderungen Japans, die Fischereigerechtsame in den sibirischen Küstengewässern betreffend, nachgeben.
Portsmouth (New Hampshire), 17. Aug. (W. B.) Die Friedenskommission hatte bat ganzen Vormittag über Punkt neun, der die Zahlung einer KriegSentschädiguirg an Japan betrifft, beraten. Keine Partei wollte auch nur im geringsten nachgeben, sodaß ein Einvernehme« nicht erzielt und der Punkt zurückgestellt wurde. Nach Erörterung des zehnten Punktes trat um 1% Uhr die Frühstückspause ein.
London, 17. August. Eine Meldung des „Daily Telegraph" aus Portsmouth wiederholt nochmals, falls Japan nicht nachgebe, werde bet Krieg fortgesetzt; indes erklärt der Berichterstattet desselben Blattes in Tokio, seine Auskünfte deuteten auf eine Besserung der Friedensaussichten! hin. Wie wenig im Grunde die Berichterstattet in Portsmoutsh über den möglichen Ausgang bet Verhandlungen wissen, zeigt ihre Verzweiflung, die sich darin kund gibt, daß sie aus dein Umstande, daß die Japaner Pergamentpapier itt Washington bestellt haben, auf Frieden, und daß Witte die Ablieferung seiner Wäsche für Freitag angeordnet, hat, auf Abbruch der Verhandlungen hingen schließen. Die Hauptschwierigkeit scheint Sachalin zu bieten, hinsichtlich dessen beide Sei-
behre Kunst, daß Günther oft voll Bewunderung in die strahlenden grauen Augensterne blickt.
Aber auch voll tiefsten Mitleidens.
. Ein Mädchen mit einer solchen Feuerseele, mit solch flammender Begeisterung für alles Schöne, soll hier verkommen zwischen den Kühen und Hühnern, dem Butterzubereiten unb Früchte- Emlegen — in dem ganzen langweiligen Einerlei der Landwirtschaft?
Dann pflegte er wohl innig zu sagen, indem er dix schlanke, wohlgeformte Hand feiner Kusine herzlich drückte:
„Wenn ich erst mit Dolores verheiratet bin, dann kommst Tu zu uns nach Rom, Hilde! Dann sollst Du alles das sehen, wonach unbewußt Dein Herz schon jetzt verlangt!"
Gewöhnlich schwieg sie auf solche Worte. Nur einmal hatte sie mit etwas schmerzlichem Lächeln geantwortet:
„Vielleicht--wer weiß!"
Der Abschied zwischen Günther und Dolores war kein allzu tränenreicher.
Der junge Mann weiß seine Braut gut auf- gehoben int Hanse feiner Eltern. Und Dolores kann, trotz der stets gleich bleibenden, bei jeder Gelegenheit bewiesenen große Liebe ibres Bräu- tigams zu ihr das Gefühl nicht los werden, daß eine wenn auch nur ganz kleine Entfremdung sich zwischen sie geschlichen hat.
„Vielleicht, w»eil alle in „Waldruhe" ihn besser verstehen, als feine Braut.
Am besten Brunhilde.
Nicht, daß auch nur ein Fünkchen von Eifer- sucht in dem Herzen der kleinen Kreolin auf. zuckt. Nein. Für sie steht das ruhige, große Mädchen mit der Walkürengestalt und der stolzen Gelassenheit so hoch, sie erscheint ihr so gereift, gewissermaßen trotz ihrer Jugend so alt — daß sie gar nicht auf den Gedanken kommt, Günther könne seine Kitsine lieben.
Aber ob Brunhilde am Klavier sitzt und singt, ob sie vorliest, ob sie über Kunst oder über die
Haferpreise redet, ob sie in flammende Begeiste- Irung gerät oder ruhig bespricht und ausrechnet — stets drückt dies seltene Mädchen ihrer ganzen Umgebung das geistige Gepräge auf, dem sich selbst die alten Horsts willig unterordnen.
lind Dolores mit ihrer Unstetheit, ihrem zerfahrenen Wesen und ihrem Mangel an jedem tieferen Empfinden, sitzt dabei, spielt gelangweilt mit der Uhrkette, dreht die kostbaren, diamanten- gefchmückten Armbänder hin und her oder blickt , aus ihre rosigen Fingernägel, mit Mühe eia
1 Gähnen unterdrückend. —
Bereits vier Tage sind vergangen feit Günthers Abreise nach Rom. Zwei Ansichtspostkarten von unterwegs sind eingelaufen, die eine cm Dolores, die andere an Brunhilde.
Von Rom aus noch kein Lebenszeichen, obgleich er sofort nach seiner Ankunft telegraphieren wollte.
Dolores ist in schlechtester Stimmung. Wohl zwanzig Mal am Tage fragt sie:
„War der Telegraphenbote noch immer nicht da?"
Und nach jedem „Nein" wird ihr Gesicht finsterer, ihre Laune unerträglicher.
Brunhilde hat Mitleid mit der armen Braut. Als wieder einmal der gewohnte kurze Dialog: „Telegramm da?".....Nein" — stattgefun
den, geht sie auf Dolores zu unb streichelt ihr sanft die Wange.
„Aengstige Dich nicht, liebe Dolores!"
„Aber ich ängsfige mich ja gar nicht —* lautet die unwirsche Entgegnung — „ich ärgere mich bloß, weil er fest versprochen hatte, zu telegraphieren." i
„Dolores!" ' ;
Brunhildes große Augen blicken vonvurfS» voll das vor Zorn ganz rot gewordene Gesichtchen der erzürnten Braut an. Dann lugen fN verstohlen hinüber nach den alten Eltern. i
(Fortsetzung folgt.)
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