34
lNochdruck verboten.)
Enthaltsamkeit und Zuverlässigkeit.
Wie ans Kottbus amtlich gemeldet wird, hat der als Schuldiger an dem Gsenbahnungliick in Spremberg verhaftete Stationsbeamte Stuljuß am Sonnabend vor deni Untersuchungsrichter eilt Geständnis dahin abgelegt, daß er in- solge einer kollegialen Zusammenkunft am Tage
Marburg
Freitag, 18. August 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Jo h. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckers 40. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon ob.
Neueste Telegramme.
Berlin, 17. August. Der Präsident des Abgeordnetenhauses v. Kröcher ist zum Wirkt. Geh. Rat mit dem Titel Exzellenz ernannt worden.
, Koblenz, 17. August. Wie die „Köln. Ztg." rnitteilt, ist der Kanimerherr Frhr. v. Schorlemer- Lieser zum Oberpräsidenten der Rhcinprovinz auSerschen. Frhr. v. Schorlemer, der somit an die . Stelle des bisherigen Oberpräsidenten Nasse treten soll, ist der zweitälteste Sohn des bekannten früheren Zentrumsführers Freiherrn v. Schorlenter-Alst. Er wurde am 29. September 1856 geboren, ging nach Absolvierung des juristischen Studiums zur Regie- tnuigslaufbahn über und war 1888 bis 1897 Kaudrat in Neuß, dann Oberpräsidialrat in Breslau. 1900 schied er aus dem Staatsdienst aus, um sich der Verwaltung seiner Besitzungen in der Rheinprovinz zu widmen. 1899 wurde kr Vorsitzender der Landwirtschastskammer für die Rheinprobinz. Im Jahre 1901 wurde er Mitglied des Herrenhauses.
Eisenach, 17. August. Der Kaiser und die Kaiserin treffen bestimmt am 26. August in Eisenach zum Besuche des Großherzogs ein. Auf der Wartburg ist eine Besichtigung der restau. rierten Elisabethenkemnate und der acht neuen Wandgemälde des Professors Oetkcn-Berlin vorgesehen.
Madrid, 16. August. Wie das „Wolff. Bureau" von zuverlässiger Seite hört, wird Ko- nrg Alphons von Spanien seinen Besuch am Berliner Hof nicht während der diesjährigen Kaisermanöver, sondern erst im November machen.
Petersburg, 16. August. Die Veröffentlichung des kaiserlichen Manifestes und der Reichsdmna- ordnung wird voraussichtlich am 19. August erfolgen. Von den dem Kaiser vorgelegten acht Entwürfen des Manifestes soll der von Pobjedo- noszew verfaßte den Vorzug erhalten.
Peking, 16. August. Auf die Kaiserin von China erfolgte ein Attentat auf dem Weg zum Sommerpalast außerhalb des Nordwest, tores. Der Täter war als Soldat verkleidet. Er wi»-de von einem regulären Soldaten mit dem Bc,,onett erstochen. Die Kaiserin, die sich in einer Sänfte befand, blieb unverletzt.
Tientsin, 16. August. In Taiyuenfu ist ein Aufstand ausgebrochen. Ein Maildarin wurde getötet. 2000 reguläre Soldaten sind angeblich zu den Aufständischen übergegangen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt. —.
»Ich weiß, ich weiß, Dolores. Offen gestanden — ich komme auch weniger Ihretwegen, aö um meiner selbst willen. Ich ängstigte mich in der großen „Villa Romulus", ganz allein, ohne Sie — nur immer mit Ihrem Onkel auf meine» Fersen."
Dolores nickt.
„Ja ja. Und da sind Sie hierher gekommen! Na gut! Mir soll's recht sein. Hoffentlich krie- gen Sie's nicht bald satt!"
Miß Harrison blickte verwundert auf. Mit Befremden bemerkt sie Dolores gerötete Augen* lider, den etwas schmerzlichen Zug in den schölten Zügen.
«Satt kriegen?" wiederholt sie unglaubia. „Ach, wenn man mich nur eine Zeitlang hier behielte! Was wollte ich drum geben!"
Wieder irrt jenes eigene Lächeln um Dolores Lippen.
„Darum keine Sorget Bleiben Sie nur recht lange schwach und krank! Dann werden Sie von dem ganzen Hause gepflegt und verhätschelt. Die Horst's sind ja alle so gut! So entsetzlich gut! Ach, es ist zum verzweifeln!"
Miß Harrison findet keine Zeit zum Ant- Worten. Denn soeben treten die Zwillings- schwestern ein. Trudi mit einer Tasse Schokolade, selbstgebackenem Brot und der herrlichste« goldgelben "Butter — Ilse mit einem Strauß taufrischer Feldblumen. —
Während der nächsten Tage dünkt Miß Harrison sich wie im Himmel. Sie hat sehr schnell mit Frau Horst Freundschaft geschlossen.
„Ich bin zwar nur eine einfache Landfrau —sagte Frau Marianne bescheiden — „und Sie sind eine vornehme Weltdame; aber Sie ge- fallen mir."
„Und Sie mir auch, Frau Horst!" lächelte Miß Harrison, die gebotene Hand herzlich schüttelnd.
Damit war der Freundschaftsbund geschlossen.
Auch Dolores scheint sich etwas behaglicher z» fühlen seit Miß Harrisons Anwesenheit. , .(Fortsetzung folgt.)' j,
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete . . . . .
Xoxa» von Erich Friese».
(Fortsetzung.)
Dann wieder taucht ein weißbärtiges, gefurchtes Gesicht vor ihrem geistigeit Auge auf und eine gelähmte Greisengestalt — ihr Vater. . . Und ein Krankenlager, auf dem der arme Alte sich vor Schmerzen wand . . . Und sie sieht sich als seine treue Pflegerin, Tag und Nacht . . . Uich dann — und dann--dann war dieses
Gesicht plötzlich kalt, starr, erdfahl, mit eilige» sunkenen Augen. . , Tot---
Große Schweißtropfen perlen noch jetzt in «er Erinnerung von der Stirn der geängstigten Frau. 9?ein, nicht weiter denken — nicht weiter! Nicht mehr denken an die nun folgende Stunde! Nicht mehr an Bernardo Rosso! An nichts mehr! . . . Nur fort, fort bon ihrem bösen Geist der sie zur Verbrecherin stempeln will!
Todesmüde kommt sie endlich in Langenheim on. Ihre Schläfe hämmern; ihr Herz pocht rasch und unregelmäßig. Wie wird man sie emp- fangen in „Waldruhe"? Gestern hatte sie von München aus eine Depesche an Dolores abgeschickt, die ihre Ankunst meldet. Wird man sie dort für einige Zeit aufnehmen — um Dolores willen? Oder soll sie wieder hinausgestoßeu werden in die kalte, rauhe Welt, in der ein schwaches, energieloses Weib, wie sie, sich so ganz und gar nicht zurechtfindet?
Nun steht sie spät abends, die Reisetasche in der Hand, inutterfealenallein auf dem kleinen Langenheimer Bahnsteig.
„He, guter Mann —" rede! sie den verschlafen sich die Augen reibenden Portier in gebrochenem Deutsch au — „gicbts keinen Wagen nach »Waldruhe"?"
„Nee."
„Wie weit ist es?"
Der rusfisch-Iapanische Krieg.
Dom Kriegsschauplätze.
General Lenewitsch telegraphiert vom 14. August: Am 13. August beschossen japanische Torpedoboote Lazarewo. Die Versuche Truppen zu landen wurden zurückgewiesen. — Nach Be- richten aus Korea ging am 5. August eine japanische Abteilung von Kopungsan aus gegen eine bei Tschakeri stehende russische Abteilung vor, wurde aber durch Gewehrfeuer zurückge- warfen. Die Offensive des Feinde« wurde am 6. und 7. August erneuert, jedoch zurückge- wiesen. Gleichzeitig gingen die Japaner gegen eine andere russische Abteilung vor, wurden aber auch dort zurückgeworfen. Die Japaner flohen und ließen eine Anzahl Tote und weggeworfene Munition zurück. Am 10. August kam eS zu einem Kampf bei Onghi. Eine russische Abteilung ging zum Angriff über, trieb die Japan« in südlicher Richtung zurück und erbeutete Waffe» und Munition. In einem zweiten Telegramm meldet General Lenewitsch: Nach Berichten au« Korea besetzten die Russen nach einem Kamp! das Dorf Kopungsan. Das Gewehrfeuer 6a Lazarewo hörte auf. Am Morgen des 13. Aug. entfernten sich die Torpedoboote.
Tokio, 16. Aug. (Amtlich.) Die Ruffen machten am 14. August zwei Vorstöße in der Nähe von Tschantu und Peihnanpunen, wurden jedoch zurückgeschlagen. Die Japaner hatten einen Toten, die Russen 45 Tote.
Die Friedensverhandlungen.
Portsmouth (NewHampshire), 16.Aug. Die Lage läßt, sich inoffiziell folgendermaßen beschreiben: Die japanischen Friedensunterhändler werden mit den Verhandlungen fortfahren, soweit dieS möglich ist, ohne jedoch in
——i^————w»
tote Maschinen überhaupt. Der Elektrotechniken, der Feinmechaniker bedarf in gleichem Maße bq Ruhe und Sicherheit in Hand und Auge. Bo» den Berufen der Feder sind es vor allem bü Rechnungsbeamten, Buchhalter, Expedienten, dann die gleichzeitig auch geistig schr angestrengt arbeitenden Stenographen, bei denen schon leichw Ermüdungserscheinungen infolge Genusses alkoholischer Getränke sich schnell bemerkbar machen. Der Umstand, daß auch die Folgen eines maß- vollen Bier-, Wein- und Schnapsgenusses während der abendlichen Muße selbst sich noch am folgenden Tage zeigen, erhöht die Bedeutung der Enthaltsamkeit für diese Berufe. Für alle aber, die vorwärts in der Welt zu kommen wünschen, ist die Frage der Enthaltsamkeit, mindestens aber die Selbstzucht zur äußersten Mäßigkeit von ganz besonderer Bedeutung. B—
Vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ExpHition 2 Ml» l&o 1ÜQ bet allen Postämtern 2,25 Mk. ^trcl. Bestellgeld).
v«— -IvO JnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.
des Zusammenstoßes in der Angetrunkenheit den 1 Dienstes ganz zu untersagen, auch die Bahn- Befchl zur Einfahrt des Berliner Zuges gegeben I Hofswirte vorkommenden Falls hiervon zu ver- habe. Im Hinblick auf diesen leider schon wieder- I ständigen, bleibt den Inspektionen überlassen, holt vorgekommenen Fall geht uns aus tmserem I Trunkenheit hn Dienst und durch Trunk der- Leserkreise die nachstehende Betrachtung zu, der I ursachte Dienstuufähigkest wird unnachsichtlich wir im Interesse der darin betonten Gesichts- I und strenge, nötigenfalls mit Dienstentlassung punkte gern Raum gegeben haben. I bestraft. Bei der Uebernahme in das Beamten-
Die Frage der Enthaltsamkeit in Bezug auf Verhältnis und bei der Beförderung in höhere den Genuß geistiger Getränke wird für Land Stellen ist ledesmal zu prüfen, ob die tn Frage und Leute immer wichtiger, fie bietet ein äußerst I kommenden Bediensteten etwa zu übermäßigem bedeutsames Kapitel in unserer Zeit; niemand Genuß alkoholischer Getränke neigen; derartige sollte ihr eine besondere Aufmerksamkeit ver- Bedienstete sind von der Anstellung und Befor- sagen. Man mag sich zur Forderung der Ent- Gerung unbedingt auszuschlichen Wegen der haltsamkeit stellen, wie man will, zugeben wird Beschaffung ausretchender Gelegenheit zum Ge- jeder müssen, daß enthaltsame Personen von vorn Eoholfreior Getränke, insbesondere von herein in vielfacher Hinsicht eine weit größere gutem Trmktoasser, Kaffee, Mineralwasser und Gewähr für zuverlässige Pflichterfüllung bieten dergleichen sind besondere ausführliche Anord- als Leute, deren Trinkgewohnheit man gar I uungen getroffen.
nicht kennt. Das letztere ist aber in unsereni I Eine Verpflichtung, sich starker Getränke heutigen Arbeitsverhältnis das Gewöhnliche, das I gänzlich zu enthalten, wird aber bei uns bis Normale. Wohl kann man nicht in allen Ein- I jetzt noch nirgends verlangt, höchstens von Ange- zelfällen einen bestimmten Unterschied in den I stellten in Trinkerheilanstalten. Bei uns schlägt Leistungen der Mäßigen und der Enthaltsamen I die Anerkennung des Vorteils der Enthaltsam-
feststellen, aber die Annahme ist doch sicher wohl- I feit fürs Erwerbsleben den umgekehrten Weg
berechtigt, daß in einer ganzen Reihe von Be- I ein wie in Amerika. Aus eigener Veranlassung
rufen der Enthaltsame stetiger, genauer, um- I der Arbeitenden heraus bilden sich enthaltsame
sichtiger und ausdauernder arbeiten wird als I Berufsvereine. Wir haben zum Beispiel Vereine selbst der Mäßige. Das wissen auch die Arbeit- I abstinenter Kaufleute, Stenographen, Eisenbah- geber in Nordamerika sehr genau, deshalb I ner, Arbeiter, Lehrer, Geistlicher, Aerzte usw. schreiben viele Eisenbahnverwaltungen dieses I Gewiß soll hiermit nicht gesagt sein, daß die Landes ihren Angestellten im Arbeits- oder I Mitglieder dieser Vereine sich unter den Ge- Anstellungsvertrag völlige Enthaltsamkeit vor in I sichtspuukten des Erwerbsinteresses zusmnmenge- der Erkenntnis, daß diese Maßnahme sowohl für I fünften haben; sie versagen sich die Trinkfreuden die Eisenbahnverwallnng, wie auch für das rei- I vielmehr zur Erreichung ideeller, ethischer Ziele, sende Publikum und nicht in letzter Linie für I Unwillkürlich werden sie aber auch bald den Ge- die Eifenbahnbediensteten selbst von großem I toittn verspüren, der ihnen im Berufsleben aus Segen ist. Diesem Beispiel folgen dort immer I ihrer nüchterner Lebensweise erwächst; von einer mehr Arbeitgeber auch in anderen Berufs- und I erhöhten Berufsfreudigkeit, die aus dem Gefühl Erwerbszweigen, und diesem Umstande ist vor- I erwächst, jederzeit „auf dem Posten zu fein", zugsivetse die gerade riesenhaft anschwellende I ganz zu geschweigen. Private wie öffentliche Ar- Zahl der Enthaltsamen in der freien Union zu I Zeitgeber werden wohl auch in Deutschland bald danken. I zu der Einsicht kommen, daß fie mit den Enthalt-
In unserem Vaterlande fangen feit neuester I fernen im allgemeinen weniger leicht unliebsame Zeit mich die Eisen bahn ver Waltungen I Erfahrungen machen als mit Biertrinkern ober an, den großen Berufswert der Enthaltsamkeit I Trinkern überhaupt. Gerade in Unternehmer- zu würdigen, und suchen daher den Afloholgenuß I kreisen haben die Kräpelinschen Versuche über ben ihrer Leute burdj allerhand Maßnahmen ent- I Einfluß des mäßigen Alkoholgenusses auf die gegenzuwirken. Alle Preußischen Eifenbahnbirek- I geistigen und körperlichen Leistungen Aufmerkttonen haben vor nicht langer Zeit fast gleich- I f am feit erregt. Das Eigeninteresse macht immer lautende Schnapsverbote erlassen, indem sie durch | scharfsichtig. So wird es ben Enthaltsamen sicher eine besondere Verfügung das Mitbringen von I nicht nur leichter fallen, Stellungen dauernd zu Schnaps und schnapsähnlichen Getränken in den I behaupten, denn bei Entlassungen wegen flauen Dienst und zur Arbeit bei Strafe verboten ha- I Geschäftsganges wird der Unternehmer Zweifel- ben. Sofern es für bestimmte Fälle aus beson- I los den Enthaltsamen behalten, beit Trinker aber bereit Grünben angezeigt erscheine, eine Aus- I fallen lassen. Ganz besonders in Stellungen die nähme von diesem Verbot zuzülassen, haben die I weniger Dispositionsgabe als gespannte Auf- Inspektoren darüber zu berichten. Es wird vor- I nterksamkeit, Ausdauer in der Geistesschärfe, und erst noch davon abgesehen, jeder Art von Alkohol- I auch solchen, die eine unbedingt ruhige Hand Der« genuß während des Dienstes und der Arbeit all- I langen, wird sich der Nutzen der Enthaltsamkeit gemein zu verbieten. , Einzelnen Beamten und I leicht Anerkennung und Verdienst verschaffen. Im Arbeitern, die sich wiederholt des übermäßigen I Eisenbahndienst hat er fie wohl schon gefunden Alkoholgenusses schuldig gemacht haben, den Ge- I ebenso wichtig sind diese Eigenschaften aber bei uuß von alkoholischen Getränken während des I der Führung aller Arten von Kraftmaschinen
„Zu gehn zwei tüchtige Stunden." I „Sie ist unsere Freundin, Mutter! Sie
..Mein Gott! Ich kann nicht mehr!" I wünscht Dolores und mein Glück-"
Mitleidig blickt der Mann auf die elegant I Damit war die Sache entschieden, und alles gekleidete Dame, die fast umsinkt vor Schwäch?. I was Haus und Hof zu bieten vermochte, stand Dann guckt er hinaus in die Dunkelheit. I bereit zum Empfang des neuen Gastes.
„Halt, Madamchen —" meint er behäbig | Doch als der Bucky vor der Haustür hält,
tröstend — „ich höre was wie Räder. Vielleicht I als die ganze Familie zum Willkommen bereit n Wagen von „Waldruhe". Warten Sie nur I steht, als Günther die Hand ausstreckt, um Miß noch 'n bischen!" I Harrison beim Aussteigen behilflich zu feilt —
Gehorsam setzt Miß Harrison sich auf die I da findet man den neuen Gast von einer tiefen
harte Holzbank und wartet ... I Ohnmacht umfangen.
Nach wenigen Minuten schon kommt außer I Nichts Günstigeres hätte Miß Harrison Pas-
Atem und rot vor Freude der dicke Portier wie- I fieren können. Sofort flogen ihr die Sympathien
ter angewatschelt. I sämtlicher Horsts zu. Man wetteifert förmlich
„Madamchen! 's Fräulein von „Waldruhe" I in Fürsorge um fie.
i§ ba mit'n Wagen. Sie können gleich auf- I Die Nacht verbringt Miß Harrison in halb
steigen!" ..... I bewußtlosem Zustand. Das einzige, woran sie
Em Goldstück gleitet tn die Hand des ver- I sich erinnert, ist eine hohe schlanke sich von Zeit blufften Mannes. I zu Zeit über ihr Bett beugende Mädchengestalt,
Gleich darauf fitzt Miß 'Harrison wohlgebor- I ist em Paar klarier ruhigblickender grauer Äugen, gen in dem kleinen zweirädrigen Bucky neben I ist eine tiefe, wohltönende Stimme, die nach Trudi Horst, die es ihr so bequem wie möglich I den Wünschen der Leidenden fragt.
Hindit, toäbrenb der Kutscher die derben Füchse I Unb Miß Harrison schüttelt nur immer still SU raschem .trabe anpeitscht. I lächelnd den Kops. Sie fühlt sich auf einmal fo
Zuerst will Trudi eine Unterhaltung begin- I geborgen, so zufrieden .... Die Ruhe, welche neu. Da sie ,edoch sieht, daß die Arme neben I Brunhilde überall um sich her verbreitet, über- ihr vor Schwäche kauin antoorten kann, schweigt I trägt sich auch bereits auf dieses gequälte Men- auch) sie. Sorgsam schlingt fie den Arm um die I schenherz . . .
bin und her schwankende Gestalt, um sie zu I Am nächsten Morgen — die Sonne steht schon llutzen. I hoch am Himmel — lugt Dolores Lockenköpfchen
Miß Harnion schließt die Augen. Ihr Kopf I durch die Türspalte.
sinkt seitwärts auf Trudis Schulter. Sie schläft. I Gleich darauf folgt die ganze zierliche Ge-
>?n „Waldruhe", trotz der nahenden Mitter- I statt, unb Miß Harrison fühlt einen wirklich nacht, ist noch alles Leben und Beivegung in Er- I herzlichen Kuß auf ihrer Wange.
Wartung des seltsamen Besuches. I „Wunderliche alte Edith!" lachte das Mäd-
Zwar hatte die brave Frau Horst zuerst be- I chen hell auf. „Warum find Sie eigentlich her- dcnklich den Kopf geschüttelt beim Eintreffen des I gekommen? Soviel Mühe für nichts! Erstens A.^ramms; sie trägt kein Verlangen, neue I bin ichs gar nicht wert und zweftens bin ich ja Gäste von da draußen aus der weiten Welt in I gut aufgehoben bei Günthers Eltern!" ihrem stillen Heini aufzunehmen; sie hat mit der I Miß Harrison bemerkt nicht das etwas spöt- einen -spezies gerade genug. Aber Dolores sprach I tische Lächeln, welches bei den letzten Worten so lie^voll von ihrer Gesellschafterin; sie bat und I das hübsche Gesicht überfliegt. Sie hat die Hei- ichmeichefte, und Günther pflichtete ihr bei, in- I nen Hände ihrer Schutzbefohlenen ergriffen und dem er sagte: - | drückt sie krampfhaft. ..... .