mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.
M 188
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Marburg
Sonnabend, 12. August 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Ioh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchbruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
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'Mackidruck verboten.^
Die Friedensverhandlungen.
Netvyork, 10. August. Herr von Witte, von oem Wunsche beseelt, zu beweisen, baß Rußland oie Arbeiten der Friedenskonferenz zu erleichtern gewillt sei, ersuchte Baron Komura, ihm eine Kopie dec Beglaubigungsschreiben, welche zu der ersten Sitzung nicht mitgebracht worden waren, nach seiner Wohnung zu senden. Heute wird es sich Herausstellen, ob die Konferenz wegen un- ubei-w,üblicher Meinungsverschiedenheiten abgebrochen werden muß oder ob eine Fortsetzung mit Aussicht auf Erfolg möglich ist.
Portsmouth (New - Hampshire), 9. August. Sie Japaner überreichten den Russen die Friedensbedingungen schriftlich.
Portsmouth, 10. August. Die Russen tver- den über bis Friedensbedingungen der Japaner beraten und sobald wie möglich Antwort erteilen. Die Konferenz wurde infolgedessen vertagt.
Newyork, 10. August. Witte versprach auf I die heute Morgen überreichten Friedensbeding- nngen eine schriftliche Antwort. — Professor Ta, kasugi von der Universität in Tokio, der gegenwärtig hier weilt, äußerte nach einer Unterredung mit Sato, Japan werde wahrscheinlich die Räumung der Mandschurei, die Abtretung Sachalins und Wladiwostoks, sowie etwa eine Milliarde Barentschädigung fordern.
Paris, 10. August. Der Matin meldet: Dem Portsmouther Korrespondenten des Blattes er- klärte der japanische Depufterte Matsumoto, Ver- traumsmann von Komura, daß letzterer nicht weniger als 2y2 Milliarden Kriegskosten fordern werde: ohnehin habe Komura heftig gegen die öffentliche Meinung in Japan anzukämpfen, welche das Doppelte verlange; sollten die 2y2 Milliarden nicht^e- willigt und die bedingslose Abtre- tung der Insel Sachalin verweis gert werden, so würde die Konfe« renz als beendigt anzusehen sei« und Marschall Oyama aufs neue die Offensive beginnen. — Die japanische» Delegierten verweigerten gestern die Zulassung des russischen Rechtsgelehrten Prof. v. Martens zu den offiziellen Sitzungen, weil es vorher ver- einbart worden fei, daß nur zwei Russen und zwei Japaner als Sekretäre an den Sitzungen teilnehmen sollen.
Portsmouth, 10. August. Im Verlaufe bet, schiedener Privatgespräche hat Witte geäußert, daß er der Zahlung einer Kriegsentschädigung energischen Widerstand entgegensetze. Berichte aus japanischen Kreisen besagen aber, daß auch die mildesten Bedingungen eine Entschädigung für die ungefähren Kriegskosten Japans enthal- ten, welche auf 600, bis 800 Millionen Dollar geschätzt werden. Dies zeigt den weiten, wen» auch nicht unüberbrückbaren Unterschied zwischen den Parteien., Es ist jedoch möglich, daß Ruß- land sich, zu einer Kompensation verstehen würde, zum Beispiel daftir, daß die Japaner auf den Besitz von Sachalin verzichten würden, dessen Be- sitz ihnen die Herrschaft über die gesamte sibirische Küste sichern würde.
Auch in dec russisch • orthodoxe» Kirche ist noch nicht alles tot. Ist das Leben in ihr auch seit Jahrhunderten fast erstickt, von oben und von unten her, es regt sich doch noch. Das läßt Gutes hoffen für die Zukunft. Die 20 Thesen, die neulich von der Geistlichkeit verschiedener Hauptstädte ausgearbeitet wurden, I lassen einen Blick in das Leben dieser Kirche, be- I sonders der Geistlichkeit, tun, aber auch in das
I Sehnen und Ringen nach Besserung. Es wird nur,leider noch lange Zeit dauern, bis die in dm Thesen vorgeschlagenen Reformen zur Ausführung kommen.
Speziell die Verhältnisse der russischen Geistlichkeit sind außerordentlich reformbedürftig. Man denke sich, daß alle Popensöhne in besonderen geistlichen Schulen erzogen werden müssen, in die nur 2 Prozent Schüler aus dem Laienstand ausgenommen werden dürfen — daß bei solcher | klösterlicher Erziehung nichts Rechtes heraus- kommt, läßt sich wohl denken. Und doch wird der Zweck dieser Internate, einen theologischen Nachwuchs zu erzielen, nicht einmal erreicht: die meisten kehren dem' theologischen Beruf den Rücken und zugleich auch allem religiösen Leben. Da ist es nur zu begrüßen, daß die Geistlichen nun ihre Kinder in denselben Schulen mit anderen Kindern erzogen wissen wollen. Wie es mit der Bildung der niederen Geistlichkeit, der Diakonen, bestellt ist, ersieht man aus der For- derung, daß nur solche ausgenommen werden dürften, die lesen können. Besonders aber wird eine Reform der Lehrbücher verlangt, die voll Hebel, Unsinn und Widerspruch seien. Auch müßten die Amtsblätter, die in jeder Bischofs- diözese alle Monate erscheinen, an Stelle ihrer trockenen monotonen Berichte lebendigeren Stoff zulassen: Aufsätze und Kritiken über Theologie, Gtfjif, Philosophie, damit sie auch den geistigen Interessen des Klerus dienen könnten.
Sehr bezeichnend ist das Bestreben dec Geistlichkeit, mit dem Volke mehr in Fühlung zu kommen. Die Laien sollten das Recht haben, ihre Geistlichen zu wählen, wie sie auch zu den kirchlichen Konferenzen zugelassen werden sollten. Die Geistlichen müßten sich klar machen, daß nicht die Gemeinden um der Geistlichen willen, sondern die Geistlichen um der Gemeinden willen da seien. Es soll ihnen erlaubt fein, nicht nur Schablonenpredigten zu halten, fondern dem I Volke zu sagen, auch den Lastern gegenüber was I das Volk nötig habe, zu hören. Nur so gewinne I man Einfluß auf das Volk. Vielleicht hoffen die Geistlichen, dann in den Gemeinden einen I Rückhalt zu finden gegenüber dem groben und | gewalttätigen Benehmen der Bischöfe, gegen I beren Urteil es für die Geistlichen bis jetzt keine I Appelation gibt.
Wie wichtig ihnen die Reform der Vesoldungs- I Verhältnisse erscheint, ersieht man daraus, daß gleich die 1. These sich mit diesem Gegenstand be- I phoftigt. Es handelt sich dabei nicht etwa um I Gehaltsaufbesserung, vielmehr um Beseitigung von Mißständen, die die Geistlichkeit in den I
Rußland.
So lange ein Körper noch gegen Kcankheits- frone reagiert, so lange ist er noch am Leben. Eni toter Körper wehrt sich nicht mehr. Dieses Gesetz, das auch für die Völker gilt, läßt deshalb für Rußland noch hoffen. Je heftiger es gärt, um io klarer wirds, daß Lebenskräfte noch genug da sind — allerdings auch zersetzende, wie eben bei einem Gärungsprozeß.
Augen des Volkes heruntersetzen müssen. Die Popen r nb nämlich ganz und gar auf Gebühren, „Trinkgelder" für Amtshandlungen angewiesen, aber damit auch der Verachtung des Volkes aus- gesetzt. — Auch die geistlichen Gerichte, deren Bestechlichkeit bereits sprichwörtlich geworden sei, müßten gründlich reformiert werden. Gerichtsverfahren und Urteile in Disziplinarverfahren gegen Popen sind bisher nicht öffentlich — 3um Schaden des geistlichen Standes. End- sich ist Abschaffung des Verbots der Heirat bezw. der Wiederverheiratung verwitweter Popen, Abschaffung des Belohnungssristems mit Titulaturen, Orden, Ehrenmützen usw., Abschaffung beS Uebertrfttsverbots zu anderen Kirchen oder der Zwangsmaßregeln für Uebertretende verlangt. Solche Reformen würden das Ansehen der Kirche nicht schädigen, sondern innerlich kräfftgen, so daß sie dann als eine Kirche dastehen könne, die innerlich wahr ist und das Vertrairen des Volkes verdient.
Man sieht, es regt sich auch bei der Geistlichkeit frisches Leben, nicht weil es Mode ist, Re- volution zu machen, sondern weil man die Schä- den der Kirche mit nüchternem Blick erkannt hat und ebenso nüchtern und offen auf Abhilfe sinnt. Besonders erfreulich ist auch der Ton dieser ganzen Reformvorschläge, aus denen man wahrhaft Hge treue Menschen reden hört, Menschen, denen das Wohl ihrer Kirche wie ihres Volkes gleich sehr am Herzen liegt.
. Wir möchten unserm Nachbarvolk im Osten, mit dem uns doch manche Interessen verbinden, von Herzen wünschen, daß es nach einiger Zeit wohlverdienter Demütigung den Weg zu einer gründlickien. Wiedergeburt von innen heraus findet. Wir hegen auch die Hoffnung, daß es j — wenn es auch höchste Zeit zu fein scheint — noch nicht zu spät ist, da wir Männer an der Arbeit sehen, die für moderne Bedürfnisse Der- ständnis haben und ihr Volk Heben. N.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. August.
. T, ^ine Majestät der Kaiser weilt feit gestern, wie schon gemeldet, im Kreise seiner Familie auf Schloß W-lhelmsbvhe, um dort den alljährlichen Soinchkraufenthalt zu verbringen. Im Laufe der nächsten Woche wird das Kaiserpaar auf der Wart- bürg erwartet. Der Kaiser ernannte sich zum Chef des Regiments Jäger zu Pferde, das nunmehr feinen 'Namenszug führen wird.
— Die Rede des Kaisers, die Ee. Majestät in Gnesen als Antwort auf die Ansprache deS dortigen ersten Bürgermeisters gehalten hat, geben wir nachstehend nochmals im vollem Wortlaut wieder:
»Indem ich Ihnen für die namens der Stadt Enesen soeben gesprochenen Worte meinen Dank sage, drängt es mich, auch der Stadt hier auf offenem Marltmcine tiefe Dankbarkeit auszusprechen für be»
Nenefte Telegramme.
Berlin, 10. 8(ug. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht eine königliche Verordnung betreffend Abänderung und Ergänzung der Bestimmungen über die Tagegelder und Reisekosten der Staatseisenbahnbeamten.
Haag, 10. Aug. Von der gegen den aufständischen Fürsten von Boni in Süd-CelebeS ausgesandten Expedition wird berichtet, daß die Bevölkerung an ihre Wohnsitze zurückgekehrt ist und daß sich von sieben einflußreichen Häuptlingen fünf unterworfen haben.
Paris, 11. Aug. Wie zu erwarten, findet die Nachricht von einer Anleihe des Sultans von Marokko bei deutschen Banken eine wenig freundliche Aufnahme in Frankreich. Die Presse kritisiert diesen neuen, bereits als unzweifelhaft hingenommenen Erfolg unseres Gesandten Tat- tenbach in schärfstem Tone.
. London, 10. Aug. Achtzig Offiziere des tn Portsmouth liegenden französischen Geschwaders besuchten heute London, dessen Straßen festlich geschmückt waren. In der Guildhall wurde den Offizieren ein Frühstück gegeben. — Im Arsenal von Portsmouth hatte der Bürger- meister der Stadt gegen tausend britische und französische Deck-Offiziere zu einem Male geladen. Auf einen Trinkspruch des Bürger- Melst.ers auf die französische Flotte erwiderte Admiral Caillard, indem er seinen Dank für den Empfang aussprach und darauf hinwies, daß der Kanal Frankreich und England nicht trennen, sondern die beiden Länder verbinden müsse.
Washington, 10. Aug. Nach einem Telegramm des amerikanischen Generalkonsuls in Schanghai erklärte die Handelskammer in Schanghai sich für machtlos, den amerikanischen Bohkott aufzuhalten und daß die anderen Fremden die Befürchtung hegen, daß diese Bewegung sich auf sie erstrecken werde.
Tanger, IO. Aug. Drei holländische Kreuzer werden in Kürze hier erwartet, um zu demonstrieren, daß Holland erhebliche Interessen in Marokko habe und folglich auf der Konferenz I vertreten müsse. j
I „Das ist denn doch zu viel!" ruft sie mit vor Zorn zitternder Stimme. „Sie lassen sich in meiner Wohnung nieder und bestellen Tee, als seien sie der Herr im Hause! Unerhört!"
„Ereifern Sie sich nicht, liebste Miß!" höhnt Bernardo Rosso, ohne sich vom Sopha zu erheben. „Das schadet Ihrer Schönheit. Sie haben sowieso in den letzten Tagen um Jahrzehnte gealtert!"
Doch die kleine Bosheit verfehlt die beabsich- ngte Wirkung. Mit einer verächtlichen Bewegung i wehrt Miß Harrison ab.
„Gleichviel!" höhnt der Mann. Wo ist übrigens Dolores? Ich habe meine teure Nichte beute noch nicht gesehen, und der Marchese An- tonelli sagte mir vorhin, er habe sie in Beglei- tung eines jungen Deiitsckien auf der Straße ae- troffen. Wie kommt das?"
Miß Harrison zuckt schweigend die Achseln.
„Wo ist Dolores?" fragt Bernardo Rosso scharf, vor die Engländerin hintretend.
„Ich weiß es nicht."
„Sie wissen es nicht? Sie? Deren Obhut bas Mädchen anvertraut ist?"
„Nein, ich weiß es nicht. Während ich vor« mitags schlief, ist sie ausgegangen."
„Allein?"
„Ich weiß es nicht."
.„Hol' Sie der Kuckuck mit Ihrem — „Ich ioeiü es nicht!" Mit Herrn Horst ist sie ausgegangen. Der Marchese Antonelli hat beide gesehen. Ich werde Rechtsanwalt Labriola veranlassen, daß er sie Ihrer Stellung enthebt. Miß Harrison!"
Doch auch diese in drohendem Tone gcsproche- I nen Worte verfehlen ihren beabsichtigten Eindruck.
„Das wäre mir nur lieb, Herr Rosso," lautet die kühle Entgegnung. „Ich möchte wieder zuruck nach England."
„Und Dolores, die Ihrer Obhut anvertraut i|t?"
„O, die wird bald unter anderem Schutze liehen!"
„Wie meinen Sie das? Sprechen Sie vom Marchese Antonelli? Oder vom Conte Calinari? Oder —"
„Ich spreche von Günther Horst — dem jungen Deutschen."
„Miß Harrison!" Bernardo Rosso ist aufge- sprungen und pflanzt sich in drohender Haltung vor der Engländerin auf. „Ich warne Sie, Miß Harrison. Sie werden nicht so töricht sein, diese Laune des Mädchens noch zu ermutigen. Ein- für allemal —, ich wünsch, diese Verbindung nicht. Wenn Sie sich nicht nach diesem meinem Wunsch richten, bringen Sie sich selbst in Gefahr. Haben Sie mich verstanden?"
Miß Harrison hatte schweigend Zugehört, wahrend die Farbe ans ihren Wangen rasch weck- feite.
„Ich glaube wohl," erwidert sie jetzt mit er- Zwungener Ruhe. „Aber" — lief atmet sie auf — „ich fürchte mich nicht mehr vor Ihnen. Ich weiß überhaupt gar nicht, weshalb ich mir all bies gefallen lasse. Ich bin meine eigene Herri» — und habe keine Lust, mich fernerhin von Ihnen ausvlündern zu lassen. Ich verachte Sie, Herr Rosso!"
Noch dichter tritt er vor sie hin. Zornig funkeln seine Augen sie an.
~ „So —!" höhnt er. „Und Ihr Gedächtnis? Soll ich dem eiwas nachhelfen? Entsinnen Si« sich nicht mehr einer gewissen Szene? Ein der- dunkeltes Zimmer .... ein Krankenlager . . .
öfter, schwacher Greis .... ein kleines Fläschchen —"
?fße Farbe ist aus Miß Harrisons. Gesicht gewichen. Mit entsetzten Augen starrt sie den tin- barmherzigen an. Dam, sinkt sie lautlos auf den Teppich nieder.
Ein zufriedenes Lächeln umspielt Bernardo Rosfo's Lippen. Ruhig, als sei nichts vorgefallen, druckte er auf den elektrischen Knopf. 1
"Wre Herrin ist ohnmächtig geworden. Brin- geu sie fie^zu Bett!" befiehlt er der eintretende» Zofe. „Miß Harrisons Nerven sind etwas alte, nrt. Adieu k" (Fortsetzung folgt.)
I , „Hier, mein Herz — und noch einen — so I viel Du willst. ... Aber nun höre, was ich I mir ausgedacht habe! Soll ich Dich in mein
Vaterhaus bringen? Zu meinen Eltern und I Geschwistern?"
I „Ja — ach ja!"
I „Und wirst Du niemals bereuen, was Du letzt tust?"
Energisch schüttelt sie den Kopf.
„Gut. Heute mit dem Nachtzuge reisen wir.
Soll ich alles vorbereiten?"
Sie nickt.
Dann schließt sie die Arme um seinen Hals, b'rgt das müde Köpfchen an seiner Brust und schläft bald tief und fest.
Wie fühlt sie sich geborgen. 1
. Als am selben Nachmittage Bernardo Noffo in der „Villa Romulus" einen Besuch abstat- tet, findet er weder seine Nichte, noch Miß Harrison zu Hause.
bestelltsich, bei dem Diener eine Tasse Tee, lajjt sich häuslich im Speisezimmer nieder und beschließt die Rückkehr der Damen abzuwarten. , Bernardo Rosso ist bei schlechter Laune. Seine älteste Tochter ärgert ihn. Heute früh erst hat sie ihm erklärt, sie wolle nicht mehr auf Kosten der Miß Harrison leben. Sie habe wohl bemerkt, daß der Vater ein Geheimnis ausnutze, um die schwache Miß vollsländig in seine Gewalt zu bekommen. Tas sei grausam, herzlos. ..... Das alberne Ding! Wovon will sie denn leben? Von her Luft? Oder vom Sonnenschein? I
Mißmutig schlürft er feinen Tee, mit Unruhe Miß Harrisons Rückkehr erwartend. Er hat geftem Spielschulden gemacht und braucht Geld.
Endlich das Vorfahren eines Wagens. Gleich darauf im Vestibül leichte Schritte. Eine kurze Zwiesprache zwischen Miß Harrison nnd dem Diener.
Dann öffnet sich die Tür.
Miß Harrison scheint erregt. Ihr sonst so Lartes Antlitz ist dunkelrot. _ _
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete . . . . .
Roman von Erich Friesen.
(Fortsetzung.)
Günther ist einige Augenblicke fassungslos bann fallt ihm Miß Harrisons Besuch ein und ihr dringendes Bitten, Dolores bald zu seinem Weibe zu machen.
Und Wallhoff? Der kluge, weltkundige Pro- fessor Wallhoff? Hatte selbst er Miß Harrison nicht Recht gegeben? ...»
Einen schweren Kampf kämpfte Günther mit fiai. Soll er Dolores wieder znrückstoßen in die ’K Schichte Umgebung — gegen ihren Wunsch unö Willen — um sie dann vielleicht für immer 31t verlieren? . . . Oder soll er sie fortnehmen, fie reden — zu ihrem eigenen Heil und zu dem leinen c ... .
Aber wohin mit ihr? Wohin? O
Und Plötzlich fällt es ihm wie Schuppen von Sen Augen.
In seine Heimat will er sie bringen — nach dem lullen „Waldruhe", zu seinen braven Eltern zu den harmlosen Schwestern, zu — Brun- Hilde! ।
Ja, Brunhilde! ' v
' Tie gute, energische, seelenstarke Cousine — sie allein ist im Stande, auf dies unerfahrene schwankende Geschöpf veredelnd einzuwirken' Sie ganz allein!
„Liebe Dolores —" beginnt er nach einer Weile, indem er sich bemüht, seiner vor Erregung 1 bebenden Stimme Festigkeit zu geben — „liebe I -Delores — willst Du mich ruhig anhören?" I
„O bitte, bitte! Schilt nicht wieder!" schluchzt I sie auf. I
»Nein, nein, mein Liebling! Gewiß nicht!" I . »^ann lege Deinen Arm nm mich nnd gieb | mir einen Kuß!" t . .... . „ * 1