mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
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Jti 174
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Exprdition 2 Mk., bei allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcl. Bestellgeld).
Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder ocrcn Raum 10 Pfg. Ncclamcn: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Donnerstag, 27. Juli 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UnivcrsttätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
40. Jahrg.
Neueste Telegrumme.
Kiel, 25. Juli. Auf kaiserlichen Befehl erfährt der Stockholmer Aufenthalt unserer sieben Schlachtschiffe eine dreißigstündige Verlängerung. Das Geschwader trifft in Stockholm am 2.* August vormittags ein.
Lüttich» 26. Juli. Hier wurde gestern der zehnte internationale Preffekongreß eröffnet. Vertreten sind Deutschland, Frankreich, England, Italien, Oesterreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, Belgien, Holland, Rumänien, Portugal, die Schweiz, Egypten, Japan und die Vereinigten Staaten von Amerika.
Paris, 25. Juli. (W. B.) Der „Temps" hebt gegenüber anderslautenden Meldungen hervor, daß Witte bei seinem hiesigen Aufenthalt weder politische noch finanzielle Verhandlungen geführt, sondern sich , bei seinen Zusammenkünften mit zahlreichen politischen und finanziellen Persönlichkeiten lediglich auf Gespräche beschränkt habe. Witte reist morgen in Begleitung des hiesigen Agenten des russischen Finanzministers, Naffanowitsch, nach Cherbourg, wo er sich nach Nordamerika einschiffen wird.
Kattowitz, 25. Juli. Wie der Landwirtschaftsminister den oberschlesischen Städten durch den Regierungspräsidenten mitteilen ließ, hat er von einer Aenderung der Einfuhr des russischen Schweinekontingents vorläufig Abstand genommen, nachdem die landwirtschaftliche Viehzentrale es übernommen hat, den Bedarf an Schweinen in Oberschlesien zu decken.
New-York, 25. Juli. Baron Komura ist mit Gefolge heute vormittag in Jersey City angekommen und durch eine Abordnung japanischer Kaufleute nach New York geleitet worden.
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Dic Zwei-Kaiser-Zusammenkunft
-gibt dec ausländischen Presse, namentlich in London und Petersburg Stoff zu den gelvagtesten Vermutungen, die natürlich reine Phantasieprodukte sind. Jede Zeitung glaubt sich berufen, die nötigen Kommentare zu liefern und jede sucht die andere au tiefsinnigeren Deutungsversuchen zu übertreffen. Sehr richtig drückt sich die „Kreuzzeitung" ans, von der man ein besseres Juformiertsein erwarten kann, indem sie schreibt, die Entrevue sei längst beabsichtigt gewesen und von langer Hand vorbereitet. Im übrigen faßt die „Kreuzztg." ihr Urteil wie folgt, zusammen: „Unsere Phantasie beschcidet sich diesen Leistungen gegenüber, und alles, was wir ganz bestimmt wissen, ist dies, daß heute außer den Nächstbe- teiligteu niemand etwas Bestimmtes weiß."
Ans Petersburg wird dem „L.-A." vom 25. Juli telegraphiert: Die Mcnarchencntrevue bei Bjoerkoe wird heute in der Mehrzahl der großen Zeitungen der Residenz besprochen: einige Blätter suchen sie totznschweigen, weil ihnen das russisch-französische Bündnis durch die Kaiserbc- r.egnuug gefährdet erscheint. „Nowoje Wremja"
15 llN-iclldruck verboten.)
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete . . . . .
Roma» Don Erich Friese«.
(Forisehung.)
Dank! Dank!" ruft er in überströmender Freude. „Darf ich Dir einen Kuß als Zeichen meiner Dankbarkeit und Bruderliebe geben?"
Eine dunkle Blutwelle schießt in Brunhildes Wangen. Fast ist es, als ob über stolze, kühne Antlitz ein' Schimmer von Befangenheit husche.
„Nein, das darfst Du nicht!" erwidert sie, mit einem Versuch zu scherzen. „Der Kuß gehört nicht in unseren Pakt. „Suche Deine Dolores und küsse sie, so viel Du willst! Leb wohl für heute, lieber Günther! Und alle trüben Gedanken verbannen — hörst Du?"
„Damit reicht sie ihm die Hand, die er herzlich drückt, iinb verläßt gleich darauf das Zimmer.
6.
In einem geräumigen, überaus behaglich und luxuriös ausgestatteten Atelier im Palazzo Bar- barini in Nom sitzen zwei Männer einander gegenüber.
Der eine ist Günther Horst, der andere Professor, Wallhoff. ’
. Die erste Begrüßung ist soeben vorbei. Voll heimlicher Besorgnis ruhen die klugen Augen des Malers auf den abgespannten, bleichen Zügen i?!nes jungen Freundes.
„Du weißt, wie herzlich ich mich freue. Dich hier zu haben, mein Junge," ruft er mit seiner dröhnenden Baßstimme. „Aber — offen ge- fionden, — Du gefällst mir nickt.. Siebst aus wie 'n armer Sünder!"
bezeichnet die Friedenssrage als das Hauptthema der Erörterungen zwijck)en den beiden Herrschern, doch würden wohl auch die Marokkokonferenz sowie der schwedisch-norwegische Konflikt berührt worden sein. Die „Petersburger Zeitung" schreibt:, „Abgesehen von der auswärtigen Politik beider Länder, die voll von Aktivität ist, muß den Zaren hauptsächlich auch die innere Politik 3tnß- lands, die von, Tag zu Tag unhaltbarer wird, veranlassen,, mit einem brüderlichen Freunde, dessen Urteil größte Bedeutung zuzumessen ist, durchzusprechen. Kaiser Wilhelms Erfahrung, Unvoreingenommenheit und Wohlwollen lassen seine Meinung als überaus wertvoll erscheinen. Kaiser Wilhelms Worte haben den Wert einer erlösenden, lebendigen Tat." „Birshewija Wjedo- mosti" stellt die asiatische Frage in den Vordergrund der Entrevue: Deutschland sei an ihr ebenso lebhaft interessiert wie Rußland. Werde Deutschland Kiautschou weiter besetzen oder es angesichts , der japanischen Machtentwicklung an China zurückgeben? Der „Petersburger Herald" betrachtet die Entrevue als ein politisches Ereignis ersten Ranges, da sie unmittelbar vor dem Beginn der Friedensverhandlungen stattfand. Deutschland dürfe keinen Frieden garantieren, durch den Asien den Asiaten ausgeliefert werde. Kaiser Wilhelms Ansichten als eines weitblickenden Politikers seien von großem Werte für die Klärung der schwebenden politischen Probleme. „Wir freuen uns aufrichtig, daß die Meinungsäußerung des großen, mächtigen Freundes Rußlands noch nicht zu spät kommt."
Nach Mitteilungen von angeblich wohlinformierter Seite, die der „Daily Mail" aus Peters- bürg zugegangen sind, soll der Kaiser-Entrevue ein Austausch von Briefen intim Natur vorauf- gegangen sein, in welchen die Frage des Friedens und der allgemeinen Lage im fernen Osten im einzelnen besprochen wurde. Deutschland wolle in Anbetracht von Rußlands bedenklicher Stellung in Ostasien und der Unsicherheit seiner eigenen Besitzungen in Kiautschou Rußland bei den Friedensverhandlungen unterstützen. Als Gegenleistung hierfür werde die Entrevue die Basis einer Verständigung ober selbst eines Bündnisses zwischen Deutschland, Rußland und Frankreich bilden, dessen Zweck eine gemeinschaft- liebe Aktion in der Frage des fernen Ostens.sein werde. — Die unionistischen Blätter drücken heute bei Besprechung der Kaiserzusammenkunft meist lebhafte Sorge über die möglichen Wirkungen diese? Ereignisses aus und besprechen es in wenig sympathischer Weise. Am abfälligsten äußern sich die „Times", welche einen beabsichtigten dramatischen Effekt in der Begegnung erblicken wollen. Indem sie die verschiedenen vermuteten Gründe für die Entrevue in sarkistischer Weise bespricht, kommt sie zu dem Resultat, daß der Zar entweder dem Rate Kaiser Wilhelms folgen iverde ober auch nicht. Der konservative „Standard" gibt wenigstens zu, daß, soweit der Kaiser die Sache des Friedens förderte, er die unbeschränkten guten Wünsche Englands besitze. Deutsche Finanzen könnten vielleicht Rußland in seiner Wiederaufrichtung helfen, doch fei es so erschöpft, daß es für, lange Zeit ein fast nicht mehr fühlbarer Faktor in den diplomatischen Kombi-
Gunther steht auf und legt die Hand auf den Arm des Professors.
„Kein armer Sünder, Wallhoff. Aber —" er stockt.
„Na, was denn — aber? Quetsch Dich doch aus!" brummt der Professor.
Auch er ist anfgestanden. Um beinahe Haupteslänge überragt er die auch schon hohe Gestalt seines jungen Freundes.
„Sieh" — beginnt Günther zögernd — „ich hoffte. Tu wirst mir in einer Angelegenheit beiten, die mir sehr am Herzen liegt."
„Aber natürlich, älter Junge. BrauchstDu Geld?" .
Und schon krebsen seine Finger im Portefeuille herum.
Mit leisem Lächeln schüttelt Günther den Kopf. -,
„Nein, danke. Ich habe mehr Geld mit, als ich brauche. Aber— erhieltest Du meinen Bries, den ich vor etwa vierzehn Tagen aus Neapel an Dich schrieb?"
„Zum Kuckuck — ja!"
Der Professor atmet erleichtert auf. Er hat die flüchtige Röte, die bei dem Wort „Neapel" in Günthers Wangen stieg, bemerkt. Er tritt zum Rauchtisch, nimmt eine Schachtel feinster Havanna und reicht sie seinem jungen Freunde.
„So — bedien' Dich! Und dann setz Dich zu mir und schieß los! Es r-det sich leichter und besser von der Leber weg, wenn man ein bischen Rauch dazu in die Luft bläst."
Günther zündet sich eine Zigarre au und steckt sie '.wischen die Lippen.
„Hast Du auch nichts vor? Störe ich nicht?"
„Nein. Ich habe noch eine ganze Stunde Zeit. Für ein Uhr bin ich zum Frühstück zur Contessa Calinari geladen. Charmante alte Dame! Trifft dort stets die nettesten Leute, die
Nationen fei. Andere Blätter, wie „Daily Mail" und „Daily Graphic", sprechen die Befürchtung aus, daß die Entrevue eine Verschiebung des europäischen Gleichgewichts zu Ungunsten Englands zur Folge haben werde.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Juli.
'— Seine Majestät der Kaiser ist gestern Abend 6% Uhr an Bord dec „Hohenzollern" mit Begleitschiffen in W i s b y eingetroffen und wurde vom deutschen Konsul begrüßt.
— Das Kronprinzenpaar ist am Montag Abend auf der Jacht „Iduna" in Rönne auf Bornholm eingetroffen. Gestern Dienstag besuchten der Kronprinz und die Kronprinzessin Allinge, Hämmeren und die Hammerhusruine und kehrten nachmittags nach Rönne zurück. Die Bevölkerung und die zahlreichen Sommergäste, zumeist Deutsche, begrüßten das kronprinzliche Paar überall mit herzlicher Begeisterung.
— DaI Staatsmini st eriunt trat gestern zu einer Sitzung zusammen.
— Die aktive S chlachtflotte hat sich im Kattegat geteilt. Während die Geschwader- schiffe und Kreuzer die dänischen und schwedischen Gewässer aufsuchten, dampften 11 Hochseetorpedo, boote südwärts und trafen nachts in Kiel ein. Sie blieben hier bis zum 24. Juli, stoßen in der östlichen Ostsee wieder zur Flotte und gehen anfangs August mit dem Flottenflagschisf „Kaiser Wilhelm II.", dem zweiten Geschwader, „Kaiser Friedrich III.", „Brandenburg", „Weißenburg", „Wörth", „Elsaß", „Braunschweig,, und dem Tender „Pfeil" nach Stockholm. Sobald die Schlachtslotte am 10. August heimgekehrt rft, werden die Schiffe docken. Da Großadmiral v. Köster jetzt ständiger Oberbefehlshaber allerFormationen der heimischen Kampfflotte ist, fallen die vorbereitenden Hebungen für das Zusammenwirken der Geschwader und Flottillen fort. Die großen Herbstübungen nehmen deshalb erst in den letzten Tagen des August ihren Anfang. Nur zur Abhaltung von Flottenstabsübungen tritt am 16. August eine dritte Torpedobootsflottille aus alten Divisions- und 8-Booten zusammen. Die Flotte mit den zugeteilten Schiffen und Fahrzeugen wird die größte Formation bilden, die je an den Herbstübungen teilgenommen hat. Es treten 70 Kriegsschiffe und Kriegsfahrzeuge in Tätigkeit. Als Hospitalfchiff fft der Hamburger Dampfer „Hansa" bestimmt. Nach den soeben bekannt gegebenen Bestimmungen tritt die große He r b st- manöverflotte am 1. September zusam-. men und wird am 20. bezw. 21. September wieder aufgelöst. Es nehmen an diesem großen Flottenmanöver außer den Schiffen der aktiven Schlachtflotte: den beiden Linienschiffsgeschwadern, der Aufklärungsflottille und den beiden Torpedobootsflotillen, noch teil die beiden Küsten- Panzer „Aegir" und „Frithjof", die sich gegenwärtig auf einer wissenschaftlichen Expedition in den nordischen Gewässern befinden, die 3. Tor- pedobootsflotille und zeitweilig das Minenschul- schiff „Pelikan" sowie die Cuxhavener Minensuch- Division. Die Manöver werden in der Elbmün-
hübschesten Mädchen. Würle Dich mitnehmen; aber — Du hast jetzt nur Sinn für eine einzige."
Günther nimmt die Zigarre aus dem Mund und blickt seinen Freund verwundert an.
„Woher — weißt Du —" stottert er.
Der andere lacht.
„Na, dazu gehört nicht viel Menschenkenntnis. Dein Plötzliches Erröten, als Du von Neapel sprachst — Dein verstörtes Aussehen — Dein Kummer — Pah, Weibergeschichten I Hab's selbst durchgemacht . . . Sei sroh, daß Tu diese Krankheit früh kriegst, wo dec jugendfrische Geist sich schnell wieder erholt! Später — ja, später geht's schwerer."
Täuscht sich Günther, ober sind die kräftigen Züge des blonden Hünen da vor ihm wirklich von einer gewissen Melancholie überschattet? Zei- gen die klugen, überlegen blickenden grauen Augen nicht einen feuchten Schimmer? Gräbt sich nicht eine tiefe Furche zwischen die buschigen Brauen?
Günther fühlt sich dem älteren Freund plötzlich noch näher gerückt. Er ahnt, auch der stets satirische, robuste, hünenhafte Mann schleppt einen geheimen Kummer mit sich herum.
„Was guckst Du mich so an, Horst!" knurrt der Professor ärgerlich. „Schieß lieber los mit Deiner Lamentyge!"
Und Günther schießt los. Klar und offen, weit ausführliche., wie vor wenigen Tagen zu Brunhilde, erzählt er dem Freunde seine kurze Liebe-Sidylle.
Dieser hat schweigend zugehörk — zuerst mit einem leichten Anflug von Spott. . dann mit mehr Aufmerksamkeit . , . zuletzt mit tmverkenn- .bnrent Interesse.
„Hm, hm,—" meint er jetzt nachdenklich, in- dem er sich in feiner dicken blonden Mähne kraut. „Merkwürdige Geschichte das!" Er steht
düng unter Mitwirkung der Minensuch-T'.Vision ihren Höhepunkt erreichen, und eS wird während dieser Zeit auch der Kaiser bei der Manöverilotte weilen.
— lieber sozialdemokratischen Unfug in der Ortskrankenkassen« Praxis wird aus Berlin berichtet: Die Lichten, berger Ortskrankenkasse hatte einen bewährte« Rendanten, Kauffmann, welcher dem verderbliche» Einfluß der Sozialdemokratie zu wehren suchte. Die Genossen suchten daher Kauffmann unter haltlosen Beschuldigungen seines Amtes zu ent heben, was die Aufsichtsbehörde jedoch nicht zugab. Da Kauffmann lebenslänglich anaesteA war, und gesundheitlich unter den steten An« griffen gelitten hat, verlangte er seine Pensionierung und trat in den Ruhestand. Unter denselben haltlosen Beschuldigungen verweigerte man ihm die Auszahlung der Pension, so daß Kauffmann den Rechtsweg beschreiten mußte. Noch während der letzte Prozeß schwebte, wurden von sozial- demokratischer Seite im Reichstage dieselben Beschuldigungen gegen ihn erhoben, aber von dein Abg. Mugdan zurückgewiesen. Trotzdem Kauff« manns Ansprüche in allen Instanzen anerkannt wurden, hat die sozialdemokratische Kassenver« waltung die Angelegenheit bis vor das Kammergericht gebracht, das, wie die „Tägl. Rundschau.* berichtet, soeben zu seinen Gunsten entschieden un8 ihm eine Jahrespension von 2500 Mark 311er« kamst hat. Die nicht unbeträchtlichen Kosten dir« ses nach den vorhergegangenen verwaltungsge« richtlichen Entscheidungen völlig aussichtslosen Rechtsstreites fallen natürlich den Mitglieder» der Krankenkasse zur Last.
Deutsche Kolonien.
Samoa. Von kolonialer Seite wird geschrieben: Die Meldung aus Auckland, daß der Gouverneur von Samoa die dortige Einge- borenen-Regierung aufgelöst habe, hat vielfach überrascht. Doch konnte man nach mehrfachen Andeutungen schon auf eine solche Maßnahme gefaßt sein. In der amtlichen Ueberficht über die Ercigniffe in den Schutzgebieten, die bem Kolonialrat Ende Juni vorgelegt wurde, heißt es: „Die vor kurzem in Umlauf gesetzten Gerüchte, daß die Sicherheit der Weißen ernstlich bedroht fei, haben sich als durchaus unbegründet herausgestellt. Anlaß gab dazu die Ende Januar von mehreren Häuptlingen bewirkte Befreiung zweier samoanischer Häuptlinge, die wegen widersetzlichen und beleidigenden Verhaltens gegen den Gouverneur verhaftet waren, aus dem Ein« geborenen-Gefängnis. Die Tat war mit Wisse« und Willen der sogenannten Eingeborenen-Re« gierung ausgeführt, einer ständigen Versammlung von Häuptlingen mit Matanfa an der Spitze, die vom Gouverneur nach seinem Ermessen bei Behandlung der Eingeborenen-Ange- legenheiten zur Beratung herangezogen wird. Der Stellvertreter des in Neu-Seeland befindlichen Gouverneurs ging energisch gegen die Unbotmäßigkeit vor. Die Eingeborenenregierung
auf und holt eine türkische Wasserpfeife ans ein« Ecke feines Ateliers. „Du entschuldigst, mein Junge, wenn ich mir eine Nargueh zurechtmache. Wenn, bas Wasser so anheimelnd gluckst, wem» der Rauch so leicht emporkräuselt — bann kommen mir stets die besten Gedanken! . . . Sol Und nun eine Frage: Woher weißt Du, baß diese verflixte Kreolin, diese bezaubernde Dolores, nicht im Stillen über Dich lachte, Ijel"
„Wallhoff!"
„Nicht auffahren, alter Junge! Um eine Wunde zu untersuchen, muß man die Sonde nicht scheuen. Meinst Du, sie liebte Dich?"
„Vielleicht nicht so, wie ich sie liebe. Aber sie hat mich gern. Sie ist ein Mädchen, bas nicht mit dem Maßstabe, den man an andere legt, ge« messen werben kann — exzentrisch, extravagant sich stets in Extremen beweg enb und unglücklich dazu."
„Hm —" macht der Professor toieber, indes er eine große Wolke zwischen den gespitzte» Lippen hervorbläst — „unglücklich! Gelangweilt, blasiert — willst Du sagen, nicht?"
„Nein, im Gegenteil! Sie folgt stets ihren ersten Eingebungen."
„So, so . . . Na, wenn bas so ist, bann hattest Du fein Recht, als junger, berufsloser Mann ein unerfahrenes, dummes, junges sing zu überrumpeln und an Dich zu fesseln. Der alte Drachen von Onkel hat Recht getan, sie von Dir fortzunehmen." —- „Wallhoff!"
Günther ist aufgesprungen. Seine Augen sprühen.
„Sitzen bleiben, mein Junge!" lacht bet Professor gutmütig. „Wir reden doch nicht mit einander wie zimperliche Backfische . Uebrigenl — das Verlieben bat Dich gereift. Du gefällst mir jetzt besser als früher." '
„Das sagt Brunhilde auch.* s(Forts. folgt)'.»