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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain, «r
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Jts. 171
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Marburg
Sonntag, 23. Juli 1905.
Erscheint wöchentüch fieben uxck.
Druck und Verlag' Joh. Slug. Koch, NnwerfitStt-Lilchdrnckmi
Mmckurg, Markt 21. — Telephon SS.
40. Jahrg.
Zweltes Blatt.
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Neueste Telegramme.
Berlin, 21. Juli. Rach einem von Pap heute eingegangenen telegraphischen Bericht des Landeshauptmanns in Jaluit (Marschallinseln) hat dort, wie gemeldet, am 30. Juni ein Orkan gewütet. Fast sämtliche Gebäude in Jaluit Wurden zerstört. Während sämtliche Weiße gerettet wurden, war die Zahl der ums Leben gekommenen Eingeborenen bis zum 4. d. M. auf 80 ermittelt worden.
Kopenhagen, 21. Juli. Heute vormittag traf daS deutsche Geschwader, bestehend aus den Schiffen „Kaiser Wilhelm IL", „Wittelsbach*, „Zähringen', „Mecklenburg", „Wettin", „Kaiser Wilhelm der Große" und Aviso „Blitz" auf der hiesigen Reede ein. Die im Hafen liegenden dänischen Schiffe feuerten Salut. Der deutsche Gesandte begab sich auf die bereits gestern hier eingetroffenen Küstenpanzer „Aegir" und „Fritjof", worauf er dem dänischen Geschwaderchef Prinzen Waldemar einen Besuch abstattete. Um 11 Uhr begab sich der deutsche Gesandte an Bord des deutschen Flaggschiffs „Kaiser Wilhelm II." Eine große Menschenmenge erwartete die Ankunft der Schiffe. — König Christian empfing um 2V2 Uhr im Schlosse Bernstorff den Großadmiral Köster mit dem Stabe des Geschwaders. Sodann fuhren die Herren ins Schloß Charlottenlund, wo sie vom Kronprinzen empfangen wurden.
Kanea, 21. Juli. Der Aufstand auf Kreta dehnt sich weiter aus.
Petersburg, 21. Juli. Wie verkantet, werde der Zar morgen das Schloß Peterhvf verlassen und sich an Bord der Jacht „Polarstern" begeben, um eine mehrtägige Kreuzfahrt flu unternehmen. Es heißt, der Zweck der Fahrt fei der, mit dem deutschen Kaiser in den schwedischen Gewäffern zusammenzutreffen. Die Abwesenheit des Zaren werde jedoch nur 4 Tage dauern. (?)
Tientsin, 21. Juli. Der (bereits vor einiger Zeit angekündigte) Boykott gegen amerikanische Waren hat in Südchina kräftig eingesetzt, im Norden wird er jedoch durch den Generalgouverneur Youanschikai unterdrückt. Die chinesischen Zeitungen von ganz China sind in der Sache einig und fühlen sich zum ersten Mal als eine einheitliche Nation. Darin liegt die große Bedeutung des Boykotts.
Mittelstand und LiMibemle.
Die neugebildete Mittelstands-Vereinigung ist dielen Leuten reckt unbequem. Sie will zwar keine politische Partei sein und keine einseitige Partei-Politik treiben, dennoch furchten me linksli^boralen, freisinnigen Parteien sie sehr. Und das ist begreiflich. Bi-'her ließen sich die Wähler so hübsch mit allgemeinen Schlagworten einfanaen. und an wirkliche praktische Fragen brauchte man nicht heranzutreten. „Man versprach „Freiheit", „Fortschritt", „Entwicklung,,, „Sicherung" der bürgerlichen Unabhängigkeit" und äbnlickes mehr — Jeder konnte sick dabei denken, was er wollte. Jeder dachte sich meist auch etwas recht Schönes dabei, was aber leider nie in Erfüllung ging. Bei dieser freisinnigen Schlagwort. und Phrasen-Politik ist aber gerade der rechtschaffene Mittelstand am schlechtesten gefahren t er kam überall zu kurz. Fortschritt und Entwicklung war wohl vorhanden für die Grotz- kapitalisten und ihre Großgesckäffe. auch für den Arbeiter wurde zur Genüge gesorgt, aber der selbständige Mittelstand ging feer aus. Er war ein williges Werkzeug, aber er bekam schließlich für bie Sünden der Anderen die Prügel. Die frei» Ji n nigen Leute, Lie ihn ruinieren halfen, sel
ten ihm noch höhnisch ins Efesicht: er müsse sich das ruhig gefallen lassen, denn er hätte feine Existenzberechtigung mehr.
Mit solcher politischen Weisheit ist nun aber der Mittelstand auf die Dauer doch nicht mehr zufrieden. Er, der überall ein Träger gut nationaler und monarchischer Ge- s i n n u n g ist, er. der immer bereit war, sein Sonder-Interesse gegenüber dem Gemeindewohl zurückzusetzen, er, der ein Hüter guter Zucht und Ordnung zu sein sich bemühte, glaubte doch einen anderen Dank verdient zu haben, als diesen. Wer bat nun daS frivole Wort erfunden, daß der Mittelstand keineDaseinsberecktigung mehr labe? Tas heißt doch mit anderen Worten, das; feder rechtschaffene Erwerb aus selbständigem Betriebe, jeder mäßige Besitz, der seinen Mann durch redliche Arbeit bescheiden ernährt, fein Existenz-Recht mehr habe. Soll es denn nur noch Millionäre und besitzlose Proletarier geben? Denn schließ- lich gehört doch zum Mittelstände Alles, was zwischen diesen beiden Extremen steht — auch der Angestellte, der Beamte, der Arzt, der Richter, der Geistliche, der Lehrer, der Techniker, der Ge- lehrte, der Handwerker. der Bauer. — Sie alle sind Leute des Mittelstandes: und ihre Kinder werden wahrscheinlick wieder dem Mittelstände angehören. Glaubt man wirklich, daß ein Staat, eine vernünftig geordnete Gesellschaft ohne alle diese Stände bestehen kann? Ja. bilden nicht diese Mittelstände gerade das eigentlicke feste Ge- rippe in Staat und Gesellschaft? Man kann wohl die Frage aufwerfen: Muß es unbedingt Millio. näre und Milliardäre geben? — und die anb’re Frage: Muß es unbedingt besitzlose Proletarier geben? Und man kann beide Fragen mtt gutem Recht verneinen. Aber ein Staat ohne Mittelstand, ohne Gesellschaft, die nur aus über- mäßig Reichen und aus völlig Verarmten besteht, kann auf die Dauer nicht existieren. Es muß dielmehr als ein Ideal eines vernünftig geordneten Staates erscheinen, daß es darin möglichst viel Mittelstand gibt, d. h. möglichst viel zufriedene, fleißige Leute von mäßigem Wohlstand. Dabei wird Volk und Staat am besten gedeihen. Und doch plappern heute Tausende die gedankenlose Redensart nach: der Mittelstand müffe, untergeben. Uns scheint, das können- nur diejenigen wünschen, die Staat und Volk selber ruinieren wollen.
Es gehört zu den eigentümlichen Sinnesver- wirruugeu unserer Zeit, zu den modernen demo- kratischen Perversitäten, daß gerade das Wichtige und Notwendige für überflüssig und entb hrlich angesehen wird. Man macht ähnliche Beobachtungen auf anderen Gebieten. Unter dem Einflüsse blenlenber Phrasen ist nur einem Teile des Volkes das gesunde Urteil abhanden gekommen. Die linksstehenden Parteien, namentlich die freisinnige (nationale-soziale) Vereinigung haben durch ihre Schlagworte in den Köpfen verwirrend gewirkt. Wenn nun eine starke Vereinigung alle gefunden Mittelstands- Gruppen zusammenzusassen trachtet und p r a f - tische Jntereffen vertreten will, anstatt die Massen mit Schlagworten abzuspeisen, so können alle ehrlichen Volksfreunde das nur freudig begrüßen. Die Anfeindung gegen die Mittelstands- Vereinigung wäre daher gar nicht reckt zu ver- stehen, wenn man nicht wüßte, aus welcher Quelle sie fließt: Die Demokraten sind bange um ihre Pbrasen-Herrschaft. Es wird's aber Mancher noch schwer bereuen, sich als ein Gegner der Mittelstandsbestrebungen eittpuppt zu haben. Tenn diese starke, gesunde Bewegung wird ihren Gang weiter gehen und sie wird sich ihre Gegner sehr genau merken. Es wird dann Mancher mit der Zeit gewahr werden, daß er mit feiner Mittelstands-Feindlichkeit sich in die Nesteln setzte. —r.
Ter russisch-japanische Krieg.
Dom Kriegsschauplätze.
Petersburg, 21. Juli. Lenewitsch telegraphiert unter dem 20. Juli: Die Front der Armeen ist unverändert. Ein japanisches Geschwader ist am 17. Juli an der Küste von Korea, von der Mündung des Tumenfluffes bis Cap Linden, erschienen. Ich habe die Meldung empfangen, daß die Mündung des Tumenfluffes von japanischen Kriegsschiffen beschossen worden ist. Zwei japanische Torpedoboote liefen in die Haschkewitsch-Bucht ein, eröffneten Feuer auf das Dorf Onghi und versuchten das Biwak einer unserer Abteilungen zu beschießen. Unsere Vorposten an der Onghibucht eröffneten Feuer auf die Torpedoboote, welche begannen, unsere Vorposten aus Geschützen zu beschießen und dann die hohe See gewannen. Zur selben Zeit liefen vier Torpedoboote die Kornilowbucht an und landeten 20 japanische Matrosen, welche unsere Telegraphenlinie beschädigten. Südlich von Onghi beschossen 4 japanische Kreuzer unseren Posten in der Nähe der Annabucht. Um 4 Uhr nachmittags vereinigten 84 die
japanischen Schiffe und fuhren aus die hohe See hinaus.
Petersburg, 21. Juli. Vom Kriegsschauplatz wird der „Nowoje Wremja" gemeldet, daß der Vormarsch der Japaner von Korea aus nunmehr bestimmteren Charakter annimmt und sich auf der Linie Mufsa-Nangan bewegt.
Petersburg, 21. Juli. Der Korrespondent der „Nowoje Wremja" in Gundschulin meldet, daß alle Telegramme über eine angebliche Umzingelung der russischen Armee falsch seien. Im Gegenteil sei die russische Armee damit beschäftigt, den äußersten linken Flügel der Japaner zu umgehen. Die Japaner befestigten ihre Stellung im Zentrum, wo sie neue Schanzwerke aufwerfen und Belagerungsgeschütze konzentrieren.
Tokio, 21. Juli. In der Mandschurei hat die Regenperiode begonnen. Täglich gehen ununterbrochene Regengüsse nieder. , Daher find die Operationen der ganzen japanischen Mandschurei-Armee vorläufig eingestellt. Die naffe Jahreszeit schließt aber die Gefahr von Seuchen aus; der Gesundheitszustand im Heere ist ausgezeichnet. Die Beriberi-Krankheits die im vorigen Jahre den Sanitätsbehörden viel Sorge machte, tritt in diesem Jahr gar nicht aus.
Die Friedensverhandlungen.
Der „Voss. Ztg'" wird von hier gemeldet: Ob Witte mit dem Präsidenten Loubet über Politik verhandeln wird, entzieht sich noch der Kenntnis Außenstehender, dagegen ist es sicher, daß Witte mit Rouvier die Frage der Beschaffung der Geldmittel erörtern will, deren Rußland zum Friedensschluß und nachher bedürfen wird. Rouvier glaubt nicht, daß er berechtigt ist, Rußland für seine innere Politik Ratschläge zu erreilen oder in deren Entwickelung einzugreifen. Wittes Erkundigungen nach den Aussichten neuer großer Ruffenanleihen auf dem französischen Geldmärkte ermöglichen es ihm jedoch, nicht in Form eines Rates, sondern in Form einer einfachen Auskunft dem russischen Friedensunterhändler zu sagen, daß für ein autokratisches Rußland in Paris schwerlich Geld zu finden sein werde,, wohl aber für ein umgestaltetes Rußland mit einer Volksvertretung.
Deutsches Reich.
1 T?’1 v' *'■' Berlin, 22. Juli.
— Seine Majestät der Kaiser hält sich mit der „Hobenzollern" noch vor Nyland auf, von wo Ausflüge in die Umgegend gemacht werden. Das Wetter ist besser geworden.
■— Großherzog Adolf Friedrich von Meck- lenburg-Strelitz vollendet heute sein 57. Lebensjahr.
— Der „Norddeutschen Allg. Ztg." zufolge ist die Nachricht uüzutresfend, bie Regierung habe den Plan, dem Landtage im Spätherbst den Ent- Wurf eines V o l k s s ch n l u n t e r h a ltn n g s- g e s e h e s vorzulegen, aufgeaeben. Die Regierung hält noch immer an der Absicht fest, den Landtag im Spätherbst hierzu einzuberufen.
— Bei der gestrigen Landtagsersah'- w a h l im Wahlbezirk 5 Gumbinnen wurde Guts, besitzer Reiner-Ruhden (kons.) mit allen 213 abgegebenen Stimmen gewählt.
— Zum Hochschul st reit lieat eine Kund- gebung der amtlichen. Nordd. Allg. Ztg. vor, die sich mit einem Erlaß des Kultusministers beir. bie neugebildeten Ausschüsse der Studentenschaft beschäftigt und folgendes enthält:
„In Anbetracht der widerspruchsvollen Zeitungsnachrichten über den Inhalt einer Verfügung, bie ber Kultusminister an bie Technischen Hochschulen in Sachen ber studentischen Ausschüsse und Verbände gerichtet hat, sind wir in bie Lage versetzt, ben Wortlaut des nach Danzig gerichtet, n und Öen übrigen Technischen Hochschulen mitge- Erlasfes nachstehend zu veröffentlichen:
Nach mir vorliegenden Berichten Bat sich an ber dortigen Hochschule neuerdings ein studenti- cher Verband auf nichtkonfessioneller Grundlage gebildet. ®<gen derartige Vereinsbildungen Von Aussichtswegen einzuschreiten, liegt zwar hn allgemeinen kein Anlaß vor, es muß,aber voraus, gesetzt werden, daß dabei feder Schein vermieden bleibt, als ob es sich gleichwie bei den Studentenausschüssen um eine organisierte Vertretung ber Studentenschaft handle. Dieser Gesichtspunkt ist in dem von dem Senat der Technischen Hoch, schule genehmigten Satzungen des dortigen Verbandes insofern nicht festgehalten, als dem Vorstand des Verbandes die irrefiihrende Bezeichn mtng „Ausschuß beigefegt wurde. Es befinden sich aber auch sonst noch in den Satzungen verschiedene Bennenungen und Wendungen, welche . mit ber vorbezeichneten und auch von der jteu- lichen finalerem be.r Rektoren der Technischer.
Hochschule geteilten Auffassung nicht int Eimlanz stehen. Demnach erscheirtt eine Revision der Satzungen erforderlich, die indes mit Rücksicht auf den unmittelbar bevorstehenden Schluß des Sommersemesters bis zu dem nächsten hinter* femefter zu vertagen sein wird."
Aussand.
Oesterreich-N«gar«. Die ungarische Krise tritt in ihre letzte Phase. Nicht mehr va-h Recht und Gesetz soll der Konflikt zwilchen de' Krone und der Parlamentsmehrheit entschiedet, nicht durch eine Verständigung soll der Friedt wiederhergestellt werden, sondern die Gewalt ist's, an die die Opposition nunmehr appelliert durch offene Auflehnung gegen Verfassung und Gesetz will die Opposition sich die Erfüllung ihrer Forderungen sichern. Da die meisten Stadt- und KomitatSverwaltungen auf die Aulforderung der Opposition den Beschluß gefaßt hatten, weder Steuern anzunehmen, noch bei der Rekrutenaushebung mitzuwirken, so hat der Ministerpräsident Baron Fejervary einen Erlaß herausgegeben, in dem er, übrigens in äußerst schonender Form, aus daS Gesetzwidrige dieser Beschlüffe aufmerksam macht, ihre Annullierung ankündigt und vor ihrer Wiederholung warnt. Der Erlaß hatte im Lande nicht die von der Regierung erwartete Wirkung. Die autonome» Derwaltungskörper beschloffen ungeniert im Sinne der Opposition weiter. Nur unter den Beamten der autonomen Behörden mochte« Aengstliche gewesen sein, die befürchteten, daß die Regierung eventuell die Gehälter aller Beamten sperren könnte, die an der Steuer- und der Rekrutenverweigerung mitwirken würden.' Da beantwortete nun die Opposition den Erlaß der Regierung mit einer geradezu revolutionären Kundgebung. Der Antrag des Abgeordneten Polonhi, eine „Nebenregierung" einzusetzen, wurde zwar abzelehnt, in der Sache selbst führte man ihn aber sofort aus, indem man eine Art Manifest erließ, das die gegenwärtig« Regierung als ungesetzlich bezeichnet, die Rekruten und Steuerverweigerung den autonomen Behörden zur Pflicht macht und endlich de« städtischen und Komitatsbeamten den Schutz des Parlaments gegen etwaige disziplinäre Maßregeln der Regierung verheißt. Mit diesem Eingriff in die Verwaltung hat das Exekutiv- tomitee der Opposition sich zu einer revolutionären Gegenregierung aufgeworfen, die bei legalen Regierung nur mehr die Wahl läßt, z« kapitulieren oder aber mit eiserner Faust, d. h. mit Gewalt, die Verfassung zu verteidigen und die Beobachtung der geltenden Gesetze zu erzwingen. Die Lage hat dadurch eine wesentlich« Verschärfung erfahren, und man ist gespannt, welche Maßregeln nunmehr Baron Fejervary ergreifen wird. Eine rasche Entscheidung ist dringend notwendig, da es auch bereits in de« magyarischen Mannschaften der gemeinsame» Armee zu gären beginnt.
Türkei. Bei dem trotz aller gegenteiligen Versicherungen bedenklichen Zustand des Sultans Abdul-Hamid tritt die Thronfolgefrage in den Vordergrund. Die Thronfolge geht nicht auf den ältesten Sohn des Regierenden, sondern auf den ältesten Prinzen deS kaiserlichen Hauses über. Dieser ist der etwa sechzigjährige jüngere Halbbruder des Sultans, der Prinz Mehemmed Reschad Effeudi, der feit mehreren Jahren sei« Palais nicht mehr verlassen darf. Diese Gefangenschaft hat der Prinz der Opposition zu verdanken, die er dem Sultan vielfach gemacht hat. Reschad Effendi ist freisinnig, aber sehr heftig und aufbrausend. Er haßt das System Abdul- Hamids und hat oft erklärt, daß er „mit der Bande, mit der fein Bruder sich zu umgeben beliebt', dermaleinst ordentlich aufräumen wird. Deshalb fürchten die heutigen Günstlinge im Yildiz-Kiosk den Thronfolger und werden kein Mittel unversucht lassen, um seine Thronbesteigung zu hintertreiben. Ihr Kandidat ist der älteste Sohn des Sultans, Prinz Dousfouf Jzzedin Effendi. ber auf dem freundschaftlichsten Fuß mit dem jetzigen Sultan steht und sich der relativ größten Freiheit erfreut. Unter den vielen — einigen zwanzig — Prinzen, die Anrecht auf den Thron haben, folgt Douflouf Jzzedin Effendi unmittelbar auf Reschad Effendi. Der Dritte in der Thronfolgereihe ist ein jüngerer Halbbruder Abdul - Hamids, Prinz Suleiman Effendi, der bereits im reiferen Mannesalter steht. Im großen und ganzen sind die kaiserlichen Prinzen nicht populär. Ausnahmen machen nur Reschad Effendi und ein jüngerer Sohn des Sultans Prinz Abdul