mu dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkain
Sonntagsbeilage: Alluftrktes Sonntagsblatt. ”
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Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UnwerjltätS-Buchdruckerci 40 Marburg, Martt 21. — Telephon 55. H
Marburg
MittwoL. 19. Juli 1905. TT II IW
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'Rackbrnck verboten.)
1)
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4)
ein Hon den Arbeitgebern ziemlich anerkanntes Bedürfnis;
ein etwa gleichartiges Bildungsniveau irnd gleichartige Bildungsziele;
die Möglichkeit, einen geregelten Schulbo- such zu erzielen;
durch den erziehlichen und praktischen Wert der zu berücksichtigenden Unterrichts'ächer auch solche volksschrilenklasser.e Mädchen daran teilnehmen zu lassen, die vorerst nur eine tüchtige Borbildung für das Leben lvünschen.
Eilt Frühlingsabend im Golf von Neapel.
Spiegelglatt die blauschimmernde Flut. Neapel mit seinem Häusermeer, seinem Hasten und Schreien, seinem unermüdlichen Auf- und Abwogen — es bleibt weit, weit zurück. Und auch der Hafen mit seinen Hunderten von großen und kleinen Schissen . . . Trüben der Vesuv mit seiner anmutig geschwungenen Villenlinie erglänzt in herrlichster Farbenpracht.
Vorn im kleinen Boot, dicht nebeneinander, sodaß ihre Kniee sich fast berühren, sitzen Günther und Dolores.. in lebhaftestem Gespräch. Aus Günthers kräftiger Stimme klingt es wie bet*
sind uns von Seiten der Krankenkasse als augenblicklich angemeldet 22 weibliche Hond- lungSlehrlinge namhaft gemacht worden.
Die Hiesigen haben die Bürgerschule besucht, die Auswärtigen doch fast durchweg eine mehr- klassige Volksschule. Ach hier am Orte durch, lausen nur etwa 50% die Bürgerschule bis zur vollendeten Oberstufe. Es dürfte sich so ziemlich bei Allen Unsicherheit in der Orthographie und im Rechnen, mangelnde Fähigkeit, gut und gebildet vorzulesen, einen einfachen Tatbestand oder Gedankmgang richtig wiederzugeben, ein ein- faches^ im gewöhnlichen Leben vorkommendes Schiriflstück (Brief, Stellengesuch ufto.) vbzu- fassen, Herausstellen. Die für den speziellen Beruf als Handelsgehülfinuen erwünschten Facher sind für alle dieselben.
. Gin geregelter Schulbesuch läßt sich nicht er- fielen, wenn er nicht obligatorisch gemacht wird.
Aus diesen ethischen und praktischen Gründen, die hier nur im Auszug gestreift iverden, komm, dm Denkschrift zu dem logischen Resultat ihrer Forderung, daß die Mädchen fortbildungSschule Erziehungs. und Berufsschule zugleich sein muß. Sie hat eine ideale und praktische Aufgabe, um den besonderen Lebensbedingungen der weiblichen Jugend Rechnung zu tragen. Die ideale Aufgabe ist die geistig sittliche Weiterbildung, die Haupt- fdcolid) erhielt wirb bitrd) ben beutfdfyen Unter* E. Der deutsche Unterricht sollte recht eizent- lim zum Lebensunterricht ausgestaltet werden, und das ist für Mädchen noch unendlich viel wick^ tiger als „für Knaben, da Leben und Verkehr letztere später in ganz anderer Weise bilden. So iebr auch die berufliche Tätigkeit betont werden muß, die bloße Nützlichkeit darf — wie besonders betont wird — die Art des deutschen Unterrichts nicht bestimmen.
Die praktische Auchabe gliedert sich nach den Ausführungen der Denkschrift nach zwei Seiten:
a) Ausbildung für das Haus,
b) Ausbildung für das Erwerbsleben.
Die Abteilung Marburg des Vereins Frauen- bildung — Franenstudium hat einen vvllständi- gen Plan in seinen Grundzügen ausgeari eitet und wie erwähnt, dem Magistrat sowie allen, die sich dafür interessieren mit der Bitte um wohlwollende Prüfung und Förderung unterbreitet. Es wird darin gesagt: Wir fassen zunächst einen bestimmten Kreis von Mädchen ins Auge, den der weiblichen Handlungslehrlinge. Dadurch werden wir auf einen festen Boden gestell, denn .wir finden hier:
Mädchen.
Tie Abteilung Marburg des Vereins Frauen- bildung — Frauenstudium hat sich mit einer Tenklchnft über die Ausdehnung des Fortbil- dungszwangs auf Mädchen an den Magistrat ge- wandt, wie bereits Ende voriger Woche in der „Oberhess. Ztg." kurz gemeldet worden ist. Die Don dem auf dem Gebiete der Frauenwohlfahrt eifrig tätigen Vereine angeregte Frage, der andere Städte schon praktisch näher getreten sind, 'st sehr wohl geeignet, die besondere Aufmerksam- kert aller derer auf sich zu lenken, die den Schall- und Unterrichtsfragen an sich nahe stehen und auch anderer, welche die Bewegung zur Hebung der Frauenbildung u. sozialen Besserstellung der
weiblichen Arbeiskräste imGewerbsleben mit wohlwollender Sympathie verfolgen. Die Denkschrift der Marburger Abteilung des Vereins Frauenbil- düng — Frauenstudium weist auf eine tatsächliche vorhandene Lücke — nicht im Gesetz, aber in seiner Ausführung hin, deren Beseitigung ebenso berechtigt als notwendig erscheint und auch durchaus entsprechend begründet verlangt wird.
Die Notwendigkeit einer Fortbildung der Jugend über die Volksschule hinaus, wird ein- gangs der Denkschrift gesagt, bedarf heute kaum noch eines Beweises. Von Jahr zu Jahr mehren sich die Anstalten, in den Städten und auch auf dem Lande, die dazu bestimmt sind, eine gute Lebmsvarbildung und berufliche Tüchtigkeit ver- schiebenster Art der deutschen Fugend zu vermitteln. Der Bestand dieser Anstalten wird durch die Gesetzgebung gesichert, indeni § 120 der R. G. O. die Möglichkeit des Schulzwangs für sie gewährt. Jedoch hat man bis jetzt fast ausschließlich für die mänliche Jugend davon Gebrauch gemacht, obgleich das Mädchen, das mit 14 Jahren die Volksschule verläßt, ebensowenig wie der Knabe das leisten kann, was das Leben von ihm verlangt. Die Faktoren, welche früher für die Fortbildung und Weitererziehung des Mädchens in Betracht kamen, Unterweisung in der eigenen Familie oder durch eine Dienstherrschaft. können unter den heutigen veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen nur noch in höchst abgeschwächter Weise wirken; jedenfalls fehlt ihnen dasjenige Element, das man seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts für die männliche Jugend neben der praktische» Unterweisung als unentbehrlich erkannt hat: die rationelle, plan- mäßige, theoretische Belehrung, durch di- allein eine Einsicht in den Zusammenhang der Dinge und damit ein sicheres Wisien gewonnen werden kann. Und doch sind die Aufgaben, die das Leben dem Mädchen stellt, komplizierter als die des Knaben. Die Frau soll für das Erwerbsleben geschult fein unö ebenso sehr für die Hauswirtschaft ; sie soll die Erzieherin und Bildnerin der Kinder werden.
Kein Mädchen sollte in das Leben hinausge- schickt werden, ohne daß es Gelegenheit gehabt hätte, einfaches Kochen, die Anfertigung einfacher Kleidungs- und Wäschestücke zu erlernen, ohne die Grundbegriffe der Erziehungslehre und Gesundheitspflege inne zu haben, vor allem nicht ohne die so dringend nötige rechnerische Ausbildung, die es befähigt, Einnahme und Ausgabe in Ein- klang zu bringen.
Neben dieser Aufgabe aber steht eine andere: die Vorbildung für einen Beruf. Es ist ein - nicht genug zu betonende Notwendigkeit, daß jedes Mädchen sich in einem Fache des Hauswirtschaft- lichen oder des gewerblichen Lebens soweit ausbilde, daß es darauf seine Existenz zu gründen vermag. Denn die berufsmäßig ausgebildeten Mädchen stehen vollständig anders da,' als die ungelernten Arbeiterinnen. Sicheres Gefühl ihres, eigenen Wertes und ökonomische Unab- I hängigkeit werden am ersten im Stande fein, sie gegen Versuchungen aller Art zu festigen.
Den ganzen Abend über läßt Dorlores sich nicht blicken.
Günther fühlt sich unendlich einsam und verlassen.
Und wieder reift der Entschluß "in.ihm, abzureifen, dies schöne, launenhafte Ksi ■' zu fliehen, es seinem Schicksal zu überlassen. Was würde seine gute bioere Mutter sagen, wenn sie seine Schwäche wüßte? WaS der brave Vater? Was — hm, was Brunhilde?
Bei dem Gedanken an Brunhilde steigt ihm das Blut zu Kopf. Er glaubt, ihre großen, ernstem Augen auf sich gerichtet zu sehen; glaubt ihren festen, fast männlichen kräftigen Händedruck zu füllten; glaubt, ihre tiefe Stimme zu hören, mit der sie ihm sagte:
„Verliebe Dich! Tüchtig, leidenschaftlich, bis über die Ohren! Dann wird Deine Seele aufwachen!"
Ist die Stunde gekommen? Hat er sich ver- liefct — verliebt so, wie Brunhilde es meinte? Ist feine Seele aufgewachi? . . .
Unruhig wälzt Günther sich auf seinem Lager hin und her. Die Gedanken, die bei Dolor-s weilten, springen zu Brunhilde hinüber. Ab- wechselnd taucht vor feinem Geiste ein entzücken- i des tiefbrünettes Lockenköpfchen und ein ernstes, blondes Mädchenantlitz ans, schauen ihn zwei Augenpaare an — das eine schwarzfunkelnd, bald feurig aufflammend, bald verschämt verschleiert — das andere hell, klar, tief, wie der Spiegel einer I reinen keuschen Seele. — I
. 2lm nächsten Morgen ganz früh schon bringt I ihm das Zimmermädchen ein nach Tuberosen duf- | fen&e» Billet. Die Adresse ist mit ziemlich fläch- tiger Hand geschrieben.
Günther ahnt, von wem es kommt. Am liechren möchte er das zierliche Eouvert aufteißen und den duftenden Morgengruß an seine Lippen drucken . . . Doch das Zimmermädchen blickt mit solch neugierigen Augen auf ihn, daß er, Un-
Neueste Telegramme.
. J?- 3ul?. Der „Reichsanzeiger"
veröffentlicht das tn Paris am 18. Mar 1904 ^geschloffene Abkommen zwischen dem deutschen Reiche und andern Staaten über die VerwaltungS» maßregeln zur Gewährung eines wirksamen Schutzes gegen den Mädchenhandel, nebst einer Bekanntmachung des Reichskanzlers, welche mit« te"t, daß das Abkommen am 18. Juli 1905 in Kraft tritt.
. Fürth, 17. Juli. Bei der heutigen Land- tagswahl wollte laut „Frkf. Ztg.-, der sozialdemokratische Abgeordnete Segitz dem Führer £er. Bauernbündler, Scharrer, die sämtlichen rJP^kate des Wahlkreises übertragen, falls sich, die Bauernbündler am Donnerstag bei der RnchstagswahlderAbstimmung enthaltenwürden. Scharrer hat das Anerbieten rundweg abgelehnt.
c 181 „Echo de Paris" meldet Gleichzeitig mit dem Minister' Pinten Montero Rios ist auch der fran- zösuche Botschafter in San Sebastian eingetroffen. Die Reise steht in Zusammenhang mit der internationalen Marokkokonferenz, welche voraussichtlich in Spanien zusammentreten wird. Der Ort der Konferenz ist zwar noch nicht fest- gesetzt, wird aber allem Anscheine nach San Sebastian fein.
. KaNklt, 17. Juli. Die Erhebung auf Kreta mmmt immer mehr zu. 300 Mann Infanterie "brden demnächst, wie man aus Rom telegraphisch mftteilt, Italien verlaffen und nach gehe $U1" 5Ber^ät^ut10 der dortigen Truppen Kouftantiuvpel, 17. Juli. (Wiener Telear. Korr.-Bureau.) Es verlautet, daß ein Jräde dre Neuanschaffung von zwei Panzerschiffen, vier Kreuzern, sechs Torpedobootskreuzern und zwölf Hochseetorpedobooten anordnet, damit die türkische Flotte der russischen Schwarzmeer-Flotte gewachsen sei.
haltener Jubel, und weit hinaus über die Wassel schallt Dolores perlendes Silberlachen . . .
Etwas mehr nach hinten kauert die klein« Miß Smith. Sie ist keine Freundin vom Boob- fahren. Aber auf Günthers lebhafte Bitten uni auch aus Freude darüber, daß Dolores ihre feindselige Haltung aufgegeben hat, willigte sie ein, die „Dritte int Bunde" zu fein. Mit krampfhaft verschlungenen Händen, den Kopf vornüber gebeugt, so fitzt sie auf der Bank — ein wahres Opferlamm. Beständig schluckt sie, als ob irgend' etwas ihr die Kehle bereuffteiae. Kein Blick trifft daS junge Paar, welches, eines in das andere versunken, sich völlig seiner füllen Glück, seligkeit hingiebt.
Stunde um Stunde verrinnt . . . Hinter de» Gebirgskämmen Ischias geht die Sonne heimwärts. In Flammen steht das Meer. Soweit der Blick sich in den Horizont bohrt — wogende Feuersglut....
Günther und Dolores sprechen nicht mehr. Nur in die Augen blicken sie einander und lächeln. . .
Miß Smith hat bereits mehrere Mal zm> Heimfochrt gemahnt; man werde sie in der Pem fion zum Abendessen erwarten.
Dolores jedoch schüttelte nur stumm deq Kopf, und Günthers abwehrende Handbewegung zeigte der armen Dame, daß sie diesmal in dem jungen Mann keinen Verbündeten findet.
Nach und nach färben sich die Berge violeft, erbleicht am westlichen Himmel die letzte Tages-, helle. Meeresdämmerung breitet sich aus. f>U Umriffe der Höhen verschwimmen in der Hera?« sinkenden Nacht. . .
Die Köpfe der beiden jungen Menschenkindes dort nn leise dahingleitenden Boot neigen suh mehr zu einander. Leise stiehlt sich eine Aemß wanne Hand in die aus der Bootlehne ruhend« kräftige des Manne».
................. .. ' .(Fortsetzung folgt)', i
Wenn ich mit Menschen-- und mit Engelszungen redete.....
Roman von Erich Friese«.
{iyo-:i"ch,ung.)
»Aber das geht doch nicht, liebes Fräulein." „Warum nickt? Wir sind doch keine Kinder!" „Eben deshalb. Man tuschelt sowieso schon in der Pension über unser häufiges Zusammen- sein. Ich darf nicht zugeben, daß auch nur der Schatten eines Vorwurfes auf Sie falle, Kraulern Dolores!"
. Günther ist aufgestanden. In seiner ganzen zugendfrischen Kraft, das offene Gesicht gerötet bor Eifer — so steht er vor dem geliebten Mädchen.
Toch Dolores scheint seine edlen Empfindun- gen gar nicht zu verstehen.
„Ich mache mir gar nichts daraus, was die dumineir Menschen denken," ruft sie ärgerlich. ^Jch will mit Ihnen Boot fahren — basta!" ■ . -Und ich sage Ihnen — ich tue es nicht. Wenn Sie Miß Smith mitnehmen — bar.: ist es erwas anderes."
Günthers Ton klingt auffallend ernst und be- fhmmt.
Einen Augenblick sieht Dolores den jungen Mann verwundert an. Dann sagt sie faP-
„Adieu, Herr Horst!"
Und, ohne Günther die Hand zu reichen oder ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, schreitet | fte, bett dunklen Kopf in den Nacken geworfen, über die Teraffe, ins Zimmer hinein.
Zuerst will Günther ihr folgen. Sein ^erz jtrampft sich zusammen bei dem Gedanken, daß er Dolores erzürnt bat. Aber im Bewußtsein, recht I
m-311 bezwingt er sein Verlangen I Znd bleibt auj der Terrasse. I
Hler bietet sich die Möglichkeit, auf Grund bei §§ 120 142 und 150 der R. G. O. in de: Fas. jung der Bekannttnachung vom 26. Juli 1906 ein Ortsstatut zu erlassen, das den Schn! Wans auf Handclsaugestcllte weiblichen Geschlechts btt k;um Ablauf des 18. Lebensjahres ausdehnt Für Marburg würde es sich nicht empfehlen, gerade in diesem Alter einen gemeinsamen Unterricht der Geschlechter einzufiihren. Die weiblich« Abteilung bedürfte durchaus eines getrennter Unterrichts, weiblicher Lehrkräfte (neben männlichen) und eines eigenen Kuratoriums, bestehend aus Männern und Frauen des Handelsstandes, der an der Schule unterrichtenden Lehrerin und solchen, die in der sozialen Arbeit stehen.
Die Paragraphen des Orisstatuts betreffend die Kaufmännische Fortbildungsschule des kauf- männischen Vereins in Marburg würden entsprechend umzuändern fein.
In den meisten Ortsstatuten besindet sich ein Paragraph, der unter gewissen Bedingungen eint freiwillige Teilnahme am Unterricht zuläßt, .''en- artige freiwillige Schüler und Schülerinnen füll in jeder Beziehung den gleichen Pflichten unterworfen, wie die dem Schulzwang unteritehenden
Die Anpassung an das lokale Bedürfnis, von der wir oben gesprochen haben, verlangt die E'n- führurtg eines derartigen Paragraphen in di« Schulordnug, und zwar aus folgenden Gründen! Es besteht hier am Orte keinerlei Gelegenheit, durch die sich Mädchen, die die Volksschule durch laufen haben, in irgend welcher zufammenhän- genben Weise wissenschaftlich fördern können. Und doch sind manche Eltern in der Lage, etttxd für ihre Töchter aufwenden zu können und $11 wollen, wie ja auch oft sich darauf beziehende Anfragen an die auf der Oberstufe unterrichtend« Lehrerin ergehen. Wir glauben, daß eine geregelte Teilnahme an den eigentlichen kaufmännischen Fächern, die ja der erziehlichen Moment« durchaus nicht entbehren, eine vortrefflickeLebens- vorbildung gewährt. Rechnen und Buchführung lehrt die künftige Hausfrau nicht nur ihr ' 3irb schaftsgelb ordentlich verwalten, es gibt ihr auch eine größere Klarheit über die wichtigsten finanziellen Vorkoinmnisfe des täglichen Lebens: Ein. nähme unb Ausgabe, Vermögensverwaltung, Kapitalanlage, Zinsberechnung und bergt. Tack sinb Kenntnisse von hohem Werte gerade für di« Frau. Neben der Schärfung des Verstaube! kann auch eine Befestigung in zuverlässiger, .elfer Gesinnung durch sie erzielt werden, Achtung vor dem Gesetz unb den Rechten Anderer, G- wissenhastigkeit . gegenüber fremden Eigentum. Der Unterricht in kausmänniüT Korrespondeift würde, ohne die oben ausgeführte Grundlage des deutlichen Unterrichts, den Handelsangestelltäl nichts als eine mechanische Fertigkeit venckaflenj er ist daher am beffxn von dem deutschen Unterricht zu trennen unb vielleicht erst im 2. Jahr zp erteilen. Für die freiwilligen Schülerinnen könntt er fakultativ sein.
Wer bas beste der Mäbchen will, muß mindestens 6 Wochensttinden ansetzen. Sechs 'Gtun- den wöchentlich (ä. Mk. 2.50) und das Jahr zu 40 Wochen gerechnet würbe, wenn bie Stadt
befangenbeit heuchelnb, bas Billet auf den Tisch fegt, als ob bas Lesen desselben für ihn gar keine Eile habe.
Mit um fo größerer Hast liest er gleich darauf, als er sich allein sieht, folgende Zeilen:
„Lieber Horst! Es tut mir leid, daß ich gestern ungezogen war. Sie wissen, ick bin ; tn einmal ein solches verdrehtes Ding imd müssen Geduld mit mir haben. Ich will auch Ihren Wunsch erfüllen unb bie Mß Smits wieder in Gnaden annehmen — notabene, wenn sie auf- zufinden ist. Dafür müssen sie aber heute Nachmittag mit mir Boot fahren. Ein Schiffer kann dabei sein — unb auch bie dumme Miß Smith, wenn sie wollen.
Ihre
Dolores Arevallo.
PS. Wenn Sie durchaus nicht mit mir Boo! whren wollen, bin ich auch nicht böse. Dann machen wir etpas anderes."
In übersprudelnber Freude über Dolores' ungewohnte Sanftmut schreibt er sofort zurück:
„Alles, was Sie wünschen, soll geschehen. Das Boot wird um vier Uhr bereit sein. Ebenso Miß Smith."