Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblsrtt für die Kreise Marburg und Kirchham.

Sonntagsbeilage: IAustrirtes Sonntagsblatt. --------------

fr1

:

M 165

Vierteljährlicher Bezugspreis; bet vcr ExpÄition 2 Mk» bei allen Postämtern 2,25 Mk. (epi. Bestellgeld).

JnsertlonSgebühr: die gespaltene Zeile oder beren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Somtag. 16. Juli 1905.

Ma

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck «nd Verlag' Ioh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

40. Jahrg.

Erstes Blatt

4287

256

318

Ausfuhr

1583

1745

2984

8343

186

227

Einfuhr 2085

Bernardo Rosso ist allein.

. Vorsichtig betupft er das Kuvert mit Wasser, streicht ein paar Mal darüber hin und öffnet es xann^ langsam. Augenscheinlich ist ihm diese «Prozedur nichts neues.

> Wahrend er die wenigen Zeilen überfliegt, verändert sich sein Gesichtsausdruck aufs merk.

62,9 Prozent auf die Meistbegünstigungsstaate» und 4,3 Prozent auf die übrigen Länder. u» gefähr ein Drittel unseres gesamten Außenhandels entfällt demnach auf den Verkehr mit den Tarss- Vertragsstaaten. Unter den Meistbegünstigungs- staaten sind England und die Vereinigten -tas­ten bei weitem die wichtigsten. Beide waren in letzten Jahre mit zusammen 1905 Millionen Mark an der Einfuhr nach Deutschland beteiligt; es folgten Frankreich mit 424, Argentinien mit 337, Britisch-Jndien mit 295, Holland mit 221 Millionen Mark. Die Ausfuhr nach England und den Vereinigten Staaten zusammen betrug 1390, nach Holland 420, Frankreich 274 Millionen Mark. In der Gruppe der «übrigen Länder', nämlich derjenigen, die keine Meistbegünstioung in Deutschland haben, sind besonders Brasilien, China, Portugal, Kanada, Kuba, Peru, Venezuela zu erwähnen.

kann ich die Erbin, Fräulein Dolores Arevallo. sprechen?" '

Bernardo Rosso spielte mit seiner Uhrkette, wahrend seine Augen den Blicken des Advokaten ausweichen.

Das wird sobald nicht gehen, Herr Rechts­anwalt.' . .

Warum nicht?' ' i

Meine Nichte ist krankt fÄk-"

So werde ich sie in ihrer Wohnung auf, suchen. ,,

Sie ist gar nicht in Rom.' Wo denn?"

Ausland.

Großbritannien. Für den englische« Außenhandel im ersten Halbjahr J905 liegen nunmehr die Ergebnisse vor. Der Juni hat Mn aufs neue bestätigt, daß das englische Wirtschaftsleben die ernste und nachhaltige Krise, die, wie überall, um die Jahrhundertwende setzte, in England aber noch durch den südafrika­nischen Krieg und seine Nachwirkunaen verschärft wurde, bereits überwunden hat und die alte Rührigkeit und Energie loiederaewinnt. Die Einfuhr stieg im Juni um 360 600 Pfund oder 0,83 Prozent, und zwar steht einer geringeren Einfuhr, von Genußmitteln, Getränken und Labak eine Mehreinfuhr an Rohbaumwolle in Höhe von 1755 000 Pfund gegenüber. Du darin sich kennzeichnende steigernde Beschäftigung der Industrie wftd durch die weftere Tatsache zmn Ausdruck gebracht, daß auch der Bezug cm Fabrikaten, besonders Stahlschienen, Lertil- waren usw., geringer war. Für das erste Halb­jahr 1905 betrug die Einfuhr 273 132 000 Pfd. gegen 271 954 000 Pfund im ersten Halbjahr 1904 unb gegen 260 530 000 Pfund in der glei­chen Zeit 1903. Die Steigerung betrag? somit 1,18 bezw. 12,6 Millionen Pfund. Erheblich stärker war die Steigerung der Ausfuhr. B« einem Gesamtwerte von 195 760 000 Pfund im ersten Halbjahr des, laufenden Jahres oetrug daz Mehr gegen die gleichen Perioden in beiden Vor­jahren 14,6 bezw. 17,2 Millionen Pfund. Der Juni allein hat eine Steigerung von rund 2,66 Millionen Pfund oder über 9 Prozent gebracht. Bezeichnenderweise rührt diese bedeutende Zu, nähme der Ausftihr in der Hauptsache von (er­wehrten Exporten an baumwollenen und wolleneu Fabrikaten, für die besonders China sich ans« nahmekräftigec als sonst zeigte, ferner von ge­steigerten Exporten an Eisen- und Stahlfabrika­ten her. Von der Gesamtausfuhr der ersten sechs Monate des laufenden JahreS' kommen 155,7 Millionen Pfund auf die Ausfuhr des Mutter­landes und 40 Millionen auf die Ausfuhr der Kolonien. Gegen das Jahr 1904 ist die Aus­fuhr des Mutterlandes um 11,6 Millionen Pfund oder 8,04 Prozent, gegen das Jast. 1903 um 13,2 Millionen gestiegen. Die Hebung der AuS-

ordentlichen Ausgaben für die Universitäten wer. den ganz überwiegend durch Neubauten bezw. Um- und Erweiterungsbauten sowie durch ein­malige größere Einrichtungen und Ausrüstungen der Jnstftute und Sammlungen verursacht. Die Bauten selbst verteilen sich sowohl auf die eigent­lichen Univerfitätsgebäude wie auch auf die Ge­bäude. für Institute und Sammlungen; selbstver- ständlich entfällt der größere Teil der Ausgaben auf die letzteren. Im Charakter der einmaligen außerordenllichen Ausgaben liegt es, daß sie sich weder auf die einzelnen Universitäten gleichmäßig verteilen, noch auf die einzelnen Jahre. Im Laufe der hier betrachteten 35*4 Jahre sind für die Universitäten 86 104 636 Mk. (mit Einschluß von 713 400 Mk., die sich auf die einzelnen Universi- täten nicht verteilen lassen) einmalig und außer­ordentlich aufgewendet werden; das ergibt im Durchschnitte jährlich 2 442 685 Mk. Den ein­zelnen Universitäten sind in dem ganzen Zeit­räume außerordentlich zugewendet worden: Berlin 24 956 450 Mk., Bonn 7 190124 Mk., Breslau 9 679 480 Mk., Göttingen 7 988 564 Mark, Greifswald 3 858 266 Mk., Halle 9 911 333 Mk., Kiel 7 639 573 Mk., Königsberg 6 850 451 Mk., Marburg 5 786 313 Mk., Münster 1 502 874 Mk., Lyceum Hosianum zu Braunsberg 27 808 Mk.

In England. Das heißt, sie befindet sich jetzt auf der Rückreise nach Hause."

So, so hm! . . . Und woher haben Sie Kenntnis von dem Tode ihres Onkels in Rio de Janeiro, mein Herr?"

»Ich öffnete den an sie gerichteten Brief, da das Kind völlig meiner Obhut anvertraut ift*

Ah!" v

Dr. Labriola blättert in seinen Akten herum, um dann langsam und mit Nachdruck forhii- fahren:

»Ich bedauere sehr, mein Herr, daß ich mit Ihnen m dieser Sache absolut nicht verhandeln kann. Fräulein Arevallo ist minderjährig, und das Testament-des verstorbenen Paolo lautet klar und bündig,, daß ihr Vertreter in Rio de Janeiro m Gemeinschaft mit mir daß wir beide ein- 313 und allein den Wünschen der jungen Erbin Rechnung tragen sollen."

Mit Mühe bezwingt Bernardo Rosso die in ihm aufsteigende Wut.

Welch eine Beleidigung!" knirscht er.Da» Mädchen hat mich seit Jahren ein schönes Stück ®eu> gekostet, und jetzt soll ich beiseite geworfen werden, wie ein lästiges Stück Möbel?"

^orficliusu* faTrtO', p

lieferten Materialien notwendigen Summe aus- bezahlt. Die vollen Jahreszinsen und eine ent­sprechende Provision kommen bei der ersten Ra­tenzahlung noch in Abzug. Auf diese Weise er- nm . hält der Kapitalist, welcher sein Geld nur raten-

Moderne Bauhandwerker. weise gibt, das ganze Kapital im Voraus tier- tj sroov ... , - I zinst. Dabei müssen ihm, um jedes Risiko auszu-

v- ® h 1 f??1 ^n5.cn un,; ^agm nach Ge- I schließen, regelmäßig die Lohnlisten, Lieferscheine & ÄnlÄJntiom Ä. usw. vorgelegt werden, so daß der Bauh^rr ledig. : .1 hoiI lich die Vermittelung der Gelder an die Emp-

sinn lick Gemein- I fangsberechtigten besorgt, wofür ihm ein gewöhn-

kicher Taglohn zuteil wird. So geht es weiter einem Gang durch ine Straßen unserer Stadle I mT wr Ferttostelluno d-a g>pfv.itPa hör einnTedulien5 bto f öoIbenen "oben be und ermöglichen ihm seine sonsftaen Verhältnisse, smnr1;J . I die Zeittermine pünktlich zu erfüllen, dann mag

Kkt überall mftrnfo ^en r^u| I die Sache noch gehen und der Unternehmer sich

^fsen Da/d !?llüÄ Ä» keines neuen Standes alsvier- ober mehr-

unsrer Kindheit räumen den Schövbrna^^ma" stockiger Hausbesitzer" freuen. Wenn aber die Wtfjm wS«di. SÄ6«

mer das Leua -um 61rn6iinf^n»6mo^ r* I halten, der Kapitalist ist an seinem Ziel ange- i JS in der Art und W-üs^mr> die" BfS langt. Die Frucht seiner Spekulation ist reif und > ÄS werden^niÄ ÄfttÄ

bei gutem Glück 'an der forcierten Gaulle mit I fahren .wird eingeleuet. Der Kapi. list uber-

einigem Vorteil parftzipieren. Der solide Meister I uTTb.cn Betrag feiner ^foflEjef I : Der deutsche Außenhandel,

nicht der engherzige und beschränkte, wie man Fm^n^S Ser k erschienene Statistische Jahrbuch für

gerne publizieren mochte, muß ohne jedes Mittel beginnt mutta wieder echm ande?m Neuba^ 6oS Deutsche Reich für 1905 enthält verschiedene

ober oöne jebe Abwehr zusehem wie eine skrupel- JJeiteSgÄt handelsstatisttsche Zusammenstellungen , die im

Spekulanten, Borseniobbern usw. Qer Mer unb Witernelmer u aewinnen ° Hinblick auf das zum 1. März l. I. ^vorstehende

die Arbeiten an die auf ihre Leimrute gekroche- ° w r E aetmnnen. .. Inkrafttreten der neuen Tarifverträge von be-

nen Gimpel verteilt. I ®uf diese Weise entstehen ganze Straßenzuge I scnderem Interesse sind Unter Kandel mft den

r- N"anzkamplvtte bringen große Ge- I ln^ "Aw dem reellen Handwerker- I Tarifvertragsstaaten (Rußland mit Finland,

bestachen an sich, parzellieren dieselben zu I *um ^rgenowelchen Vorteil zu gewahren. I Oesterreich-Ungarn, Belgien, Italien, «Schweiz

VauPIatzeii und dann beginnt die Schafschur. I-...... = i ,-aa I Rumänien, Griechenland und «Serbien) ist von

Der .Ka^werksmeister. gewöhnlich ein junger, 3668 Mllionen Mark im Jahre 1900 auf 4005

Antanger, laßt sich von den scheinbar günstigen | IllNlchM. I Millionen Mark im Jahre 1904, d. L um 9.2

Tedingungen kirreil und übernimmt einen der « f Prozent gestiegen. Der Handel mit den Meist-

aiigebotenen Bauplatze. Baugelb ist Nebensache, Aufwendungen fitr die Unrv erst. begünstigungsstaaten stieg in derselben Zeft von

ebenso die Hohe des Kaufpreises, denn bezahlt taten in Preuße» seit 18 6 3. 6686 auf 7630 Millionen Mark, also um 14,1

Der Verkäufer läßt sich den Die ordentlichen Ausgaben für die preußischen Prozent und der Handel mit den übrigm Kaufschilling von dem Baugrund hypothekarisch Universitäten haben sich von 3 935 449 Mk. im I Landern von 442 auf 545 Mllionen Mark, also

sicherste.len. Tie Arbeiten können nun begonnen Jahre 1868 auf 14 782 317 Mk. im Jahre ! um 23,3 Prozent. Die Bilanz unseres Handels

r Uunn E'^r Bauherr die notigen Bar- 1902/03, d. i. um 276 v. H. gesteigert. Die I unt jeber der drei Ländergruppen gestaftete sich

mittel batte. Doch auch aus dieser Verlegenheit größten Aufwendungen sind für die Institute und wie folgt (Mllionen Mark):

«5

slifark. j^te ilie;öhafsung der restierenden 30 000 I ^inpitn ö«ter I Meistbegünstigungsstaaten 1900 8 7o|

T äsBLä Weefiinbn a

Mkä Ä Ä SÄS K$«k y»*** M' *-.<* '»krn«ir, iff im W* mit d°,< Satlftie*«» Gnthaben begnügen und ben Rest ^ EirfbÄ .den uvngen staa en unfere Ausfuhr relativ stärker als unsere

stehen lassen nur daß ihnen"die Arbeit^nichi m't' ^-ne^beträchtliche ,ui- Einfuhr, im Verkehr mit den Meistbegünftigungs-

Peht Nicht so vertrauenstelia ist hP, I wenigsten bei dem für Konviktarien, I staaten und den übrigen Ländern dagegen die

DUMM« SSSääSSa

8 Nachdruck berbolen.) I würdigste. Die buschigen Brauen schieben sich in I Im ersten Stockwerk, ior einer hohen Tur

Wmn ich mit Wen-- und mit ÄÄ S»* HLiSlÄX » Engelszilngen redete , 4 . , . I 2toetmot ~ brcmmI k'est er den Brief. rückt er sich noch den leuchtend Weißen

Romau ho» r-t- I .Dann steckt er ihn in die Brusttasche seines Schlips zurecht, fährt sich dirrch das dunkle, erst

0K 'W I nicht ganz sauberen .Hausrockes. Sein Entschluß snit wenig weißen Fäden durchzogene, an den

(Fortsetzung.) I ist gefaßt. I Schläfen bereits etwas gelichtete Haar und tritt

= Schweigend öffnet Bernardo Rosso k-ine I »Marietta! Ninella!" ruft er mit gänzlich ohne zu klopfen, ein.

Briefe. Schweigend faltet er sie wieder''zu- I peranberter Stimme in den dunklen Gang hinein, »-'4 Wunsche Herrn Dr. Labriola zu sprechen."

fammen. Seine Laune bessert sich nicht . welchem seine beiden Töchter vor kurzem der- I »^n welcher Angelegenheit?"

Da fällt sein Blick auf den noch uneröffneten I Awunden waren.Ihr könnt wiederkomi .n. I »am Angelegenheiten des Fräulein Dolores

-Brief, der die Adresse seiner Nichte trägt §.lcr ^r fünf Sire. Kaust Euch etwas da- Arevallo."

iWas? Ein Geschäftsbrief?" knurrt er das I - °öcr aeht ms Theater . . .. oder v.acht . Der alte Bureauvorsteher verschwindet hinter

tzroße Kuvert von allen Seiten betrachtend 'ßnt !me Spazierfahrt auf den Monte Pincio! Ich einer Portwre, um gleich darauf mit der Weistmg eigentümlich! Dolores erhiell doch sonst niemals I verreise heute Nachmittag auf ein paar Tage." zuruckzukehren: .

Äriefe!" IWohin, Papa?" IHerr Dr. Labriola läßt bitten."

_ Ein unheimliches Licht zuckt in feinen lief. E Dich nichts an." ..Bei Bernard Rosso's Eintritt hebt ein alt-

Kiegenden Augen auf. Unwillkürlich schliesten 94 I "vielleicht hangt bte Reise mit dem Brief an I *wer Herr den grauen Kopf vom Pult. For- i feine knochigen Finger über dem Briefs als woll- I Flores zusammen," wirft Ninella in gemacht I fHend ruht der Blick der klugen Augen auf den

len sie ihn nicht wieder loslassen ' . I gleichgültigem Tone hin, während ein rascher I «Werfen Zugen des Einttetenden.

rNinella! Marietta! Laßt mich mal ein I S ...-!!.n,te1r..^en. hsilbgesenkten Lidern hervor den I _. '-sie kommen in Angelegenheiten des Frau-

Paar Minuten allein! Hab' über was nachzu- I ^uhitucksttich 1 steift, wo vorhin der Brief lag. I Ietn Dolores Arevallo, mein Herr," beginnt er,

«benfen! Vorwärts!" I »Leise Röte stieg in die gelblich bleiche Sttrn ^"b>i Stuhl deutend.Mit wem habe ich

Eilfertig packt Marietta ihre Häkelarbeit zu- I des Mannes. "ie Ehre?

ja Hinten und verschwindet sofort; man sieht, wieKümmere Dich um Deine eigenen Sachen, ,nr s =m^ ^^^rnardo Rosso. Ich bin

«ngenehm es ihr ist, aus dem Zimmer zu kom- Du Naseweis!" schnauzt er daher. Uebrigens Snkel des« Franlem Arevallo ihr Onkel

men. Ninella hingegen wirst ehren raschen b ick daß Ihr mir Dolores gut behandelt, wenn sie und ihr Beichntzer

vuf bte gespannten Züge des Vaters, wobei cs zurückkommt! Nicht immer spotten und Hetzen cximJ0»? vml Und Sie wünschen vorails-

zpottisch um ihre etwas herabgezogenen Mund- | und auslachen, wie früher. Verstanden?" I P"! Elunft über bte Erbschaft des Frau- dann folgt sie schweigend ihrer Marietta nickt eifrig, während Ninella ein %»

' - SÄT® !S Ergebens versucht Bernardo Rosso, seiner Er-

031» al, der Haupstrraße Roms, empor. 1 des verstorbenen Herrn Paolo Arevallo. Wann