«""em Kreisblatt füt die Meise Marburg und Kirchbai«.
Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt. ——****" —
ES
Marburg
Mittwoch, 12. Juli 1905.
Erscheint wöchentllch sieben mal.
Druck und Verlag; Joh. Ang. Koch, UmversitätS-Duchdruckerci 40.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55. b
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lNachdrnck verboten.)'
'(Fortsetzung folgt.), j
der Einwanderung ausschlietzt und fordert, daß Hawai befestigt und zu einer starken Flotten, und Militärs tation gemacht werde, damit es nicht im Kriegsfälle von den Japanern im ersten Anlauf genommen werden kann. Bereits im nächsten Kongreß soll eine dementsprechende Vorlage ae- macht werden. Die ersten Sturmvögel sagen auf!
bewundern und über Ninella und Marietta hin- wegsehen — seitdem ist es mit dem alten Esel gar nicht mehr auszuhalten. Warum er mich und Ninella nach England mitgenommen hat auf , seine „Geschäftsreise", begreife ich jetzt noch uiM. •
Mädchen.
„Ich erlaube mir darüber kein Urteil, Frau« lein Arevallo." -
Vielleicht wollte er mit mir Staat machen. Ti» Ninella ist gar zu häßlich!"
Und als dann Günther, wieder überaus un« angenehm berührt, verwundert fragt, warum fie denn jetzt nicht in Begleitung ihres Onkels und ihrer Konsine fei, da erwiderte sie achselzuckend:
„,Weil ich in London krank wurde und der teure Onkel unbedingt ganz plötzlich nach Rom zurück mußte."
„Und da ließ er Ihnen die brave Miß Smith als Gesellschafterin zurück?"
„Ja", erwiderte Dolores mit allerliebstem Aufwerfen der etwas kurzen Oberlippe. „Er engagierte mir die brave Miß Smith. Ich hasse sie."
„Sie hassen sie? Warum? ... Sie scheint sehr gut zu Ihnen zu sein, Fräulein Arevallo?*
„Eben darum. Sie ist viel zu gut für mich. Die guten Menschen sind so langweilig, so schreck- lich langweilig ...» Ich hasse diese — guten Menschen."
Günther lachte. ■
„Und die schlechten, Fraulein Dolores? Zum Beispiel — Ihren Onkel?"
„Die schlechten — hasse ich erst recht!"
>Hm!"
Günther schweigt. Aber sein Gesicht muh wohl nicht gerade einen sehr geiswollen Ausdruck trogen,: denn plötzlich lacht Dolores hell auf.
„Sie halten mich wohl für tüchtig verdreht, wie?"
Das Blut steigt Günther zu Kopf bei dieser unerwarteten Frage. Verlegen dreht er den kleinen, blonden Schnurrbart zwischen den
sehen, überläßt die beiden völlig ihrem äugen- scheinlichen Vergnügen. Auch zeigt das Benetz, men, des jungen Mannes eine solche Ehrerbietung, so viel gute Erziehung und Ritterlichkeit, daß sie glaubt, ganz ruhig sem zu können.
Wenn die beiden jungen Geschöpfen an Deck nebeneinandersaßen, wenn ihre unberührten Herzen einander immer wahr zufliegen, wenn die strahlenden Augen eine noch weit beredtere Sprache , reden, als die lächelnden Lippen — dann scheint die helle Sonne droben am wolkenlosen Himmel zu lachen ob der Glückseligkeit zweier törichter Menschenkinder.
Und es lachen die blauen, sanft sich kräuselnden Meereswogen. Und es lacht der linde März, wmd, der mit Dolores glänzend schwarzem Haargelock tändelt. Und es lachen die silberglitzernden Sterne am dunklen Firmament und der bleiche Mond und die vorüberziehenden leuchtenden Wölkchen, die hier und da den glänzenden Himmel wie, mit einem Schleier bedecken.
toeifc Günther Horst die ganze Lebens- gejchichte seiner Gefährttn.
- ift.13011 Geburt Brasilianerin. Ihr Vater, ein Brasilianer., hatte in Rio de Janeiro eine
Q1).er bildschöne, aus Rom eingewanderte Italienerin geheiratet, war jedoch bald nach der Geburt der kleinen Dolores gestorben und hatte llfcutter und Kind in ziemlich dürftigen Verhält- »men zuruckgelassen. Ein Bruder ihres Vaters, unermeßlich reicher Plantagenbesitzer in Vra- I Iilien, flimmert sich kaum nm die beiden, da er । nut der Heirat seines jüngeren Binders nicht ein- öeritanben gewesen war. So schlug Frau Arevallo sich mit ihrem Töchterchen schlecht und recht oniben in Ifto de Janeiro durchs Leben. Ihr emsiger Wunsch war, ihr Vaterland wiedcrzu- JfeZ“ f1® herrliche Rom, die „ewige -^tadt. Als Dolores zwölf Jahre zählte, hatte
Fingern.
,,Na? Gestehen Sie es nur!8 neckte das
I päischen Kaufmann jene Gebiete als vollständig I verloren, d. h. durch die Japaner organisiert er- I scheinen zu lassen. Wessen sich die weiße Welt in der Beziehung zu versehen bat. davon bat ja die Ausweisung der europäischen und amerikanischen Kaufleute aus Port Arthur einen klaren Finger- weis gegeben. Die hohe politische Wachsamkeit und Umsicht der Japaner äußert sich namentlich aber auch bereits in der klugen und vorsichtigen Weise, in der sie China zu organisieren trachten. Sie haben dabei „mit größeren nationalen Schwie- rigfeiten zu kämpfen als dem Fernstehenden scheinen mag. Denn in Wahrheit steht der Japaner dem Chinesen recht fern. Er ist von diesem sogar bisher mit einer unverkennbaren Nichtachtung behandelt worden, wie die landläufige chinesische Bezeichnung für den Japaner „kleiner krummer Affe" kweist. Natürlich hat sich darin außerordentlich viel geändert seit die Chinesen gesehen haben, wie flink diese „kleinen krummen Affen," mit den ungeschlachten Russen fertig geworden sind und diese aus der Mandschurei vertrieben haben., Die japanische Forderung, daß die Mandschurei an China zurückgegeben werden soll, schmeichelt zudem der chinesischen Eitelkeit und ist jedenfalls ungemein klug, da tatsächlich auch in dem, eroberten Teil der Mandschurei die Japaner bereits unter Heranziehung der Chinesen eine Verwaltung organisiert haben.
Von besonderer Wichtigkeit ist in dieser Beziehung, daß China gar nicht einmal gezwungen sein wird, von Japan für sein Heer und seine Flotte Instruktoren zu beziehen, sondern daß eS diese aus den Reihen der Offiziere nehmen kann, die bei Mukden gefochten haben. Im übrigen sind tatsächlich bereits hunderte von japanischen Offizieren als Militärinstruktoren nach China berufen und ebensoviele chinesische Ofsiziersanwär- ter auf japanische Kriegsschulen geschickt. Die in Pootingfu, Wutschang und Peking neugegriindeten Militärakademien werden unter Leitung japani- scher Offiziere und Lehrer stehen und auch an der Militärvorbereitungsschule in Hanton unter- richten japanische Offiziere. Chinesische Beamte sind zum Studium der Verwaltung nach Japan I gesandt und auch die Neugestaltuna der chinesi- I Motte wird von Japan sorgfältig vorbereitet I s alles ist im Rücken des in Korea und in I der Mandschurei kämpfenden Heeres geschehen und sicherlich ein sprechender Beweis für den I weitfchauenden selbstbewußten Siegergeist der Ja- I baner. Was dies bedeutet, wird man er** er- I wessen können, wenn man bedenkt, daß China I tatsächlich Millionen von Soldaten marschieren I Taffen kann, bereit bisherige militärische Unfähig. I feit nicht sowohl in dem persönlichen Mangel I tüchtiger Eigenschaften als in der den Chinesen I mangelnden Methode und Organisation gelegen I bat. Für , solche Methode und Reorganisation I erschienen die Japaner von vornherein geeigneter I und die Zucht durch preußische Erziehung hat fit I geradezu zu Meistern darin gemacht. I
Die nächste Wirkung des Anwachsens der ;a- I Panischen Machtstellung macht sich in Amerika I geltend, wo die Warmingsrufe vor der gelben I Gefahr immer lauter werden. Insbesondere der. I langen die Weißen auf Hawai den schleunigen I Erlaß eines Gesetzes, das japanische Kulis von I
Neueste Telegramme.
Detmold, 11. Juli. Die Grösin-Mntter Zu* M gestern abend verschieden.
Wien, 10. Juli. Ministerpräsident Fejervarh traf heute früh aus Ischl hier ein. Der Mi- msterprasident berichtete dem Kaiser in Ischl Uber die Verhandlungen mit der Koalition und Uber, dre allgemeine politische Lage. Das 6t« aebnt§ war, daß bis zur Beendigung des Sommeraufenthaltes des Kaisers keine entscheidenden Schritte in der ungarischen Krise Unternommen werden.
..^klft, 10. Juli. Heute wurde hier die erste technische Hochschule Hollands eingeweiht, zu der das Delfter Technikum umgewandest worden ist.
Stockholm, 10. Juli. Der König wird am 13. Juli mit Kaiser Wilhelm in Gsfle zusammentreffen.
11. Juli. „Daily Telegraph8 *"bldet, König Eduard begibt sich am 10. Aug. nach Martenbad, wo er mit dem Schah von Persien, der Kontrexeville am 25. d. M. ver- laßt, zusammentreffen wird. Auch Graf LambS- vorff wird in Marienbad eintreffen. Es ist auch wahrscheinlich, daß zu dieser Zeit eine Zusammenkunft des Königs Eduard mit Kaiser Franz Josef von Oesterreich in die Wege ae- leitet wird.
Soitbotl, 11. Juli. Die Leitung der englischen Arbeiterpartei hat Bebel und JaurSS Mgeladen, in London ihre Dorträge über die Friedensidee zu halten.
. 10. Juli. Das aus elf Schiffen be
siegende englische Atlantische Geschwader ist ! tjeute um 1 Uhr 30 Min. auf der Reede eingetroffen. I
Wenn ich mit Menschen- und mit Engelsznngen redete . . . , . Roman von Erich Friese«.
1 Fortsetzung.)
' Dolores hatte die langbewimperten Lider schon wieder gesenkt und scheint mit balb ihm zugewandten Gesicht zu lauschen . . ,
Dem jungen Manne wird ganz wunderlich zit !:.1 unmittelbarer Nähe dieses fremdartigen Geschopjes das mit solch naiver Harmlosigkeit seine Geiellichaft in Anspruch nimmt.
Kaum weiß er, was er sagt.
Aber^ als die brave Miß Srnsth nach einer Wen ^fuiibe wieder an Deck auftaucht, um mit ängstlichen Blicken nach ihrer Schutzbefohlenen mtszuspahen da findet sie die beiden jungen Menschenkinder tn angeregtester Unterhaltung öte sogar etwas wie Farbe auf Dolores bleiche Wangen zauberte.
nc nun Qn stud die beiden unzertrennliche Gelahrten.
Zwar nimmt Dolores Arevallo nicht an den allgemeinen Mahlzeiten im Speisefaal teil — ihr reizbarer, krankhafter Zu. stand entschuldigt dies — aber sobald das Din^r vorüber ist, eilt Günther strahlenden Anllitz-s mit einem Zeller voll ausgewählter Früchte oder Ciscreme hinauf an Teck, wo die Märchenaugen bereils nach ihm auslugten. " j
r., ^nL^enn eirt leises Lächeln, ein kaum merk-
Nicken des feinen Köpfchens ihm dankt, so fuhtt Gunther sich fast im Paradiese.
8reimaWemIe5eit geschlossene
»ci^e:Futel-°rte Smith, froh, ihren vorher stets mißmutigen Schützling bei guter Laune zu
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Juli.
— Seine Majestät der Kaiser ist gestern an Bord der .Hohenzollern' um 10 Uhr morgens von Swinemimde unter dem Salut der Festung nach L-aßnitz in See gegangen, begleitet von dem Kreuzer »Berlin" und dem Depeschenboot .Sleipner.' Äm gleichen Bormittag erfolgte die Ankunft in Saßnitz, von wo die Fahrt nach Wisbh weitergeht.
— Ihre Majestät die Kaiserin ist gestern an Bord der Jacht .Iduna' in Begleitung der Prinzen Oskar und Joachim und der Prinzessin Viktoria Lulle nach Swendborg in See gegangen, wo die Ankunft am gleichen Tage erfolgte.
— Der Kronprinz und die Kronprinzessin sind gestern früh in Kiel eingetroffen, um von dort, wie schon gemeldet, eine Kreuzfahrt im Ostseegebiet anzutreten. Der Kaiser stellte bekanntlich seinen »Meteor' zur Verfügung.
— Die »Nordd. Allg. Ztg.' bemerkt zu der Kündigung des deutsch-spanischen Handelsabkommens: Nach dem Wegfall der spanisch- schweizerischen Zugeständnisse, an welchen die deutsche Einfuhr teilnahm, biete der spanische Konventionaltarif kein ausreichendes Aequivalent gegenüber unsere« künftigen Vertragstarife. Jnfolgedeffen sei die Kün- digung des bestehenden Abkommens notwendig, welche
rn Odessa ans Land gesetzt. Unter den mit knapper Not dem Tode Entronnenen befand sich de? Oberst Schulz vom Technischen Komitee der Ar- tillene-Abtellung, der auf den „Knjä- Potemkin" kommandiert war.
Der Aufruhr in Rusfisch-Polen ’■ lobt allerorts weiter und läßt schwere Befürchtungen für die Weiterentwicklung der bortigeti Verhältnisse und der Lage im allgemeinen auf* kommen.
London, 10. Juli. Nach Meldungen mil Warschau wurden eine Anzahl Offiziere des Warschauer Militärbezirks standrechtlich erschossen. Die Offiziere hatten sich getoeit stert, nach der Mandschurei zu geben und hatte» erklärt, jte würden dorthin nur mit ihren Regimentern gehen. Darauf wurden vier Offizier« und zwanzig Unteroffiziere zum Tode verurteilt- Eine Abteilung eines littauischen Regiments wurde beauftragt, sie zu erschießen. Die Abteilung w e i g e r t e s i ch, dies zu tun, worauf Kosaken mit der Exekution beauftragt wurden Nach Ausfiihrung derselben wollten die Kosaken nach ihrer Kaserne zurückkehren, wurden aber unterwegs von dem littauischen Regiment angegriffen, wobei über 200 Kosaken gefallen fein sollen.
Diese Nachricht stammt aus englischer Quelle, scheint also nicht sehr zuverlässig. Sollte sie jedoch der Wahrheft entsprechen, so ließe sie seh« bedenkliche Rückschlüsse auf den revolutionäre« Charakter der Armee zu.
Kowno, 10. Juli. Mehrere Hundert Juden veranstalteten gestern eine Kundgebung. Sie warfen die Fenster verschiedener Häuser ein, Truppen schritten em und trieben die Meng« auseinander.
Warschau, 10. Juli. Wahrend der vorgestrigen Judenexzeffe in Ztunska Wola brach eine große Feuersbrunst aus. 900 Familien sind obdachlos; bisher wurden 19 verkohlte Leichen ans- gefunden.
Die Unruhen in Rußland.
I Die Meuterei in der Marine.
I ».Zur Uebergabedes„Knjäs Potem- I k t n" wird noch berichtet:
Bukarest, 10. Juli. Die russische Flotte ist I noch nicht aus Konstanza abgedampft. Der „Po- I temkin" ist in desolatem Zustande. Der Kom- I mandierende der Flotte, Kontreadmiral Silion- I Bessarabesky erwartet die Ankunft des Restes der I Sewastopoler Flotte, namentlich den „Rostislaw" I und „Pobsedonoszew".
I Bukarest, 10. Juli. Die rumänische Regie- I rung teilt offiziell mit, daß sie unter keinen Umständen die Matrosen des „Potemkin", die sich
I ergeben haben, der russischen Regierung aus- I liefern würde. In Constanza finden Geldfamm- I Jungen zugunsten der Meuterer statt. Es heißt, I die Mehrzahl derselben werde nach Amerika aus» I wandern.
Sewastopol, 10. Juli. Heute ist 'baS Torpe- I doboot Nr. 267, das sich weigerte, sich Rumänien I zu ergeben, angekommen. Die Mannschaft, 16 I Köpfe, wurde verhaftet und auf dem Transport- I schiff „Prut" untergebracht. Auch der Dampfer I „Wecha" ist angekommen. — Torpedoboot 276 I traf die Flotte auf See und übergab sich. ES I wurde mit Offizieren nach Odessa dirigiert. I Ueber den Ausbruch der Meuterei I auf dem „Potemkin" werden jetzt nähere Um- I stände bekannt, aus denen hervorgebt, daß ur- I sprünglich eine allgemeine Marinerevolte geplant I war.
I , Der Ausbruch auf dem „Potemkin" erfolgte, I wie schon gemeldet, vorzeitig infolge des Mann- I ten Vorfalles. Die Verpflegung soll tatsächlich I eine elende gewesen sein und die Mannschaft war I durch das Vorgehen des zweiten Kavttäns Gilia- I rowski, der den in ihrem Namen sich beschwer en- I den Matrosen niederschoß, in sinnlose Wut unb I Raserei geraten. Der Matrose Mateschenko, der I spätere Leiter des Schiffes, ergriff fein Gewehr I und schoß den zweiten Kapitän nieder. Das war I das Signal für die Meuterei. Hierüber berichtet I der gewesene Geistliche des „Potemkin": I Der erste Kapitän Golikow wurde ebenfalls angeschossen, später wurde der verwundete Kommandeur und die Mehrzahl der blessierten Offi- ziere lebendig über Bord geworfen, doch blieben noch elf Offiziere übrig, die von der Besatzung aus der Kajüte auf Deck berufen worden. Diesen I wurde bedeutet, daß fie sich als Kriegsgefangene zu betrachten hätten. Darauf sprangen sechs von I ihnen über Bord, wurden jedoch, als sie l 'ebet I on die Oberfläche des Meeres kamen, von den I Matrosen erschossen. Die übrigen fünf wurden I rum Tode verurteilt, aber von dem Rebellen- I Kommandeur Fähnrich Alexejew begnadigt und I
■ die arme Witwe sich soviel zusammengespart, daß I fie mit der Kleinen auf einem nach Italien ver- I kehrenden Auswandererdampfer zurück nach ] Europa reisen konnte. I
Dolores Wangen röteten sich noch jetzt, wenn I sie von dem Entzücken ihrer armen Mutter er- I zählt, als sie von weitem die Türme der „ewigen | Stadt" aufleuchteu sah, als sie zum ersten Mal I nach vielen, vielen Jahren wieder den geweihten I Boden der Peterskirche betrat. Und ihre Auge« I füllten sich mit Tränen, als sie wehmütig hinzu- I e, daß dies Glück für die Mutter nicht von I er Dauer war, da sie schon einige Monate j nach ihrer Ankunft in Rom einer tückischen Krank- I heil erlag. I
Von dieser Zeit an lebte die arme Waise in I Rom im Hause ihres Onkels, eines Herrn Der- I nardo Rosso, dem einzigen Bruder ihrer verstör- I denen Mutter. I
Die Ausdrücke, in denen Dolores von diesem I £nfel sprach, waren wenig ehrerbietig. I
Sie scheint ihn zu hassen, diesen „ekelhaften I Menschen", diesen „Teufel in MenschengestaÜ", I mesen „Ausbund von Schlechtigkeft" — und ihre I beiden Cousinen Ninella und Marietta dazu. I
Ein erkältendes Gefühl zieht durch Günthers I Herz, wenn er die anmutigen Mädchenlippen I solch unweibliche Worte herausswßen hört. Aber I — Dolores ist ja Rekonvaleszentin, noch leicht I erregbar, vielleicht auch von Natur exzentrisch! I Dem muß man schon etwas zugute halten. I „Früher — da ging e§ noch an," pflegte Do- I lcres geringschätzig hinzuzufügen. „Aber seit ich I erwachsen bin und die Leute mich anstarren und I
Japans Fortschritte.
□ In Japan ist es erkannt, und auch in Europa wachst allmählich das Verständnis dafür, daß der russisch-japanische Krieg in der Entwick- hing der politischen Verhältnffse im Stillen Ozean nur eine Episode bedeute, der die eigentliche und wichtiger Entscheidung erst zu folgen haben wird. Die Japaner, die eS lieben, ihre Geschichte mit ber preußischen zu vergleichen, bezeichnen den gegenwärtigen Krieg als daS japanische 1866 und sehen dem japanischen 1870, nämlich der Auseinandersetzung mtt Amerika mit Entschieden- beif und, wie man zugebe« muß, mit ganz außer- ordentlicher Rührigkeit entgegen. In ihrer inchterueu ernsten Art, l-nutzen sie jeden kriegeri- chen Erfolg gegen Ru'mtnd dazu, um im Rucken brer Truppen sofort in Korea und der Mand- churei Handelsagenturen zu errichten, das Land mit einem Netze von Kommissionären zu überziehen und überhaupt die ganze Friedensorgan i- sation noch unter dem Donner der Kanonen ein- -rur-chte.ii. Es wird nicht erst der Beendigung -des Krieges bedürfen, um für den fremden enro-