mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Allnstrirtes Sonntagsblatt. - ■ ■ wwriTi- r^aiK— -
J» 158
Erscheint wöchentlich sieben mal.
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Marburg
Sonnabend, 8. Juli 1905
hältnisse der Arbeiter durch das Steigen der bensmittelpreise, insbesondere von Fleisch, müse und Kartoffeln — eine Steigerung, bekanntlich auch in diesem Jahre angehalten 1— verschlechtert haben. Ebenso wie über Steigerung der Lebensmittel wird in einigen richten, so besonders im Bezirk Breslau, über Steigerung der Mieten Klage geführt.
Le- Ge. die hat die Be- die
Der bessere Geschäftsgang auf der einen Seite und das Bestreben, die niedriger gewordenen Verkaufspreise durch billigere Verstellung aüszu- gleichen, auf der anderen Seite haben vielfach zur vermehrten Einstellung weiblicher und jugend- sicher Arbeitskräfte geführt. Auch die Zahl der in den Betrieben beschäfftgten Kinder ist gestie. gen und zwar von 2003 auf 2430. Das Kinder- schuhgesetz, welches am 1. Januar 1904 in Kraft getreten war, hat in dieser ersten Zeit seiner Wirksamkeit diese noch nicht voll ausüben können. Der Bericht für den Bezirk Oppeln teilt mit, daß es sich mit erschreckender Deutlichkeit herausgestellt habe, in welchem Umfang die Kinder zur gewerblichen Arbeit herangezogen würden. In einem einzigen Schulaufsichtsbezirk sind außer den formalen Verstößen 307 Uebertrctungen des Gesches zur Kenntnis gelangt. Was schon be dem Inkrafttreten des Gesetzes betont wuchs, nämlich die Notwendigkeit des Zusammengehens der Gewerbeaufsicht mit der Schule, das wird uach in dem Bericht als dringliche Forderung hervorgehoben.
, Trotz der verstärkten industriellen Tätigkei wich in vielen Berichten das Bestreben einer Ab» kürzung der Arbeitszeit verzeichnet. Insbesondere wird in mchreren Berichten eine stärkere Sym- pathie für den Zehnstundentag festgestellt. Einige Gewerberäte, so der für Berlin, berichten auch, daß in einzelnen Gewerbezweigen die Bewilligung eines kürzeren Urlaubs unter Fortzahlung des Lohnes eingeführt zu werden beginnt. Ueber- haupt ist auf dem Gebiet der Arbeiterwohlfahrt eine rege und aufopferungsvolle Tätigkeit festzustellen, die sich insbesondere auf die Beschaffung hesserer Wohngelegenheiten richtet.
, Dagegen werden leider noch tmmer recht zahlreiche Zuwiderhandlungen gegen die Arbeiter, schutzbesftmmungen verzeichnet, die allerdings überwiegend formaler Natur sind. Ebenso ist leider festgestellt worden, daß die Zahl der Be- triebsunfälle in fast allen Bezirken zugenommcn hat, was allerdings zum Teil darauf zurükzu- führen ist, daß immer mehr auch die kl ft r st m Unfälle gemeldet werden. Wenn einerseits feit- gestellt wird, daß die Arbeitgeber besonders in kleineren und mittleren Betrieben der Unfallverhütung und den hygienischen Maßnahmen nicht die hinreichende Sorgfalt angedeihen lassen, so wird in dieser Beziehung noch weit schärfe- über das mangelnde Interesse, über dw Unachtsamkeit und Leichtferftgkeit seitens der Arbeiter geklagt.
- . Nein, eine Vergnügungsfahrt ist es diesmal nicht, die Fahrt des „Barbarossa" hinunter nach idem Mfttelmeer.
■ Ab Bremen stand die Fröhlichkeit noch hoch im Kurs. !
klagt. Trotzdem sind die Löhne alles in allem nicht gesftegen. In einzelnen Bezirken wird z.var eine Lohnaufbesserung festgestellt, abe. überwiegend sind Aenderungen nicht zu verzeichnen ge- wesen; vereinzelt ist sogar in einigen Jrrdustris- zweigerr ein Rückgang der Löhne wahrgenom- men worden. Dazu kam, daß sich die Lebensver-
Eingemummt bis an die Nasenspitzen, äthe- risch blickend, als wollten sie den Himmel um Erbarmen anstehen, liegen die holden Damen an Deck in ihren Korbstühlen, während die Herren, die Hände in den Taschen, im Sturmschritt das Deck auf Und ab marschieren, um an Bewegung die zumeist in den dumpfen Kabinen zu- gebrachten Tage schnell noch nachzuholen, eh: es hinunter geht in den reichvergoldeten Speisesaal.
. Zum ersten Mal sind die Tafeln alle besetzt. Die Seekrankheit hatte bisher stets die. meisten ferngehalten.
_ Heute froheste, animiertest« Laune. Strahlend blickt man sich um, nickt freundliche Grüße, lächelt, kokettiert. . j .
Man ist vollzählig. ' - .....'
Doch nein — dort hinten an dem einen Tisch neben einem hochgewachsenen jungen Mann mit sympathischen Zügen bleiben zwei Sitze leer.
Und etwas weiter am rechten großen Mittel- tisch — richtig, da fehlt noch jemand. Der Schiffs- arzt. — _
Was bedeutet das? Hm, hm! '
Umvillkürlich senken sich leichte Wolken auf dte soeben noch so heiteren Stirnen in der nächsten Nachbarschaft der leeren Stühle.
y krank? . -. . . Sehr krank vielleicht? Etwa gar--•*-
kid^bhafte Neugierde erwacht. Teilnahme, W-
■ »Prosit, Landsmann! Was kostet die Welt?" . Kaum aber, daß die englische Küste da hinten :ttn blauen Gedämmer verschwindet; kaum daß der gewaltige Schiffskoloß weiter hinausdampst wS Reich der Wogen — da macht das große Wasser den Passagieren Plausibel, was es heißt, Mi Februarsturm auf ihm herumzugondÄn.
.Heulen des Windes im Takelwerk. Hochgepeitschte Flut. Rings um den »Barbarossa" alles SPetß vom Wellenschaum....
Und so mit unermüdlicher Ausdauer weiter: Morgens — triefender Himmel; tagsüber — To- 4cn und Rollen; die Nächte — schwarzes Graulen ....
prächtige Kapitän mit feiner Pyilosophischen Ruhe schreibt ins Schiffsjournal- wilde See Heftige Regenböen, arbeitet schwer. Nimmt mächtige Spritz- wellen an Bord."
t. . wüte diesen Schauerfatz gleich für die fol- llenöen Tage hektographieren können.
Und erst im Biscayischen Meerbusen, jener -Achteten Gegend, wo die Stürme wüten, als o sie dort ihre Winterresidenz bezogen hätten!
durch diese famose Gegend
^ertzt es im SchiftsberlM^ftlrz und bündig: »Orkan. —
Die industrielle Lage in Preußen.
Die soeben erschienenen „Jahresberichte der königlich preußischen Regierungs- und Gewerbe- räte und Bergbehörden für 1904* geben em alles in allem erfreuliches Bild der industriellen Cnttvicklung im vergangenen Jahre. Die meisten Berichte betonen, daß die Besserung in der Geschäftslage, wo sie schon im Jahre 1903 nach der Überwindung der schweren Wirtschaftskrisis ein- getreten war, angehalten habe und daß sie dort, wo sie noch nicht zu verzeichnen war, im ver- gangenen Jahre festgestellt werden konnte. Die 'wesentlichste Ausnahme von dieser Regel bildet Ire Provinz Ostpreußen, wo dem Bericht zufolge poch auf fast allen Gebieten der Industrie Ge- schäftZstille herrscht.. Es fehlt der Medaille auch । onst die Kehrseite nicht, denn der verstärkten Beschäftigung der Industrie steht im Zusammenhang mit der verschärften Konkurrenz auf vielen Gebieten ein starker Preisdruck gegenüber. So kennzeichnet der Bericht für den Bezirk Liegnitz 'diese Sachlage mit dem Schlagworte „reichliche Aufträge, schlechte Preise".
f Infolge der verschärften Beschäftigung in den meisten Zweigen der Industrie ist von dem im Jahre 1903 noch mehrfach beklagten Arbeits- ümngel im vergangenen Jahre erfreulicherweise snicht mehr die Rede gewesen und die Arbeitsge- stegenheit gestaltete sich durchweg günstig. Ja, ^mehrfach wurde sogar über Arbeftermangel ge-
Neueste Telegramme.
Berlin, 6. Juli. Der Profeffor der Staats» pnssenschaften an der hiesigen Universität, Geh. Rat Dr. Adolf Wagner ist von der amerikanischen Universität Madison (Wisconsin) zum Ehren» boktor ernannt worden.
Dresla«, 6. Juli. Eine von sechshundert Akademikern besuchte Studentenveriammlung faßte mit großer Mehrheit eine Resolution des Inhalts, daß die freie Studentenschaft von föreslau es «blehne, sich in den Kampf gegen die konfessionellen Verbindungen einzumischen.
Wien, 7. Juli. DaS Abgeordnetenhaus jnahm in der Nachtsitzung den deutschen Handelsvertrag an.
•'t Stockholm, 6. Juli. Wie verlautet, werden |itti Herbst schwedische und deutsche Sachverständige zur Vorbesprechung zwecks Abschlusses feines Handelsvertrages Zusammentreffen.
NeMjvrk, 6. Juli. Nach einem Kabel- telegramm der „Frkf. Ztg.* ist Elihu Root zum Staatssekretär ernannt worden. Die Blätter aller Schattierungen erklären die Auswahl für glücklich. Die .Evening Post' hofft, Root werde sich als Korrektiv gegen die etwas bnjiete, Roosevelt'sche Politik erweisen. Root gibt seine Rechtspraxis auf, die ihm mehrere hunderttausend Dollars jährlich bringt, um den Posten anzunehmen, zweifellos in der Hoffnung, «unmehr der logische Nachfolger des Präsidenten zu sein.
11 lNackdruck verboten.) I Die Passagiere, Männlein und Weiblein —
qt» . v- , I — ach, überschlagen wir lieber dies trübe Ka-
Wenn ich mit Menschen- und mit piwli....
(StrrtpTfotttWtl I ,..,Vnb ein Morgen zieht herauf, da
L-uyClygUHyen ItOctc » ♦ ♦ ♦ ♦ I glätten sich die Wogen. Hell und warm leuchtet
Roma« Don Erich Friese«. I gutgelaunte Sonne aus klarem Himmelsblau,
j r. !•-— I Der rasende Sturm verwandelt sich zum linden
Zephir, weich urrb schmeichelnd die fahlen Wangen der Passagiere umkosend.
Die Unruhen in Rußland.
Die Meuterei in der Marine.
Ueber das meuternde Panzerschiff „Potemkin", das sich immer noch als Freibeuter auf dem Schwarzen Meere umhertreibt, liegen folgende Meldungen vor:
Feodosia, 5. Juli. Von dem „Potemkin" dazu aufgefordert, begaben sich heute die Vertreter der Stadtverwaltung an Bord dieses Schiffes, wo sie in der Admiralskabine von dem das Schiff befehligenden Ausschuffe empfangen wurden. Dieser forderte, daß binnen 24 Stunden 500 Tonnen Kohlen, Fleisch, Fett, Vieh, Mineraloel, Tabak, Zündhölzer usw. an Bord gebracht würden. Während dieser Zeit werde die Mannschaft auf dem Schiffe bleiben. Wenn dem Wunsche nicht stattgegeben werde, werde die Aufforderung an die Bewohner ergehen, die Stadt zu verlassen, und diese dann beschossen werden. Der Ausschuß forderte sodann den Bürgermeister auf, au die Einwohnerschaft einen Aufruf mitzuteilen, in welchem die Beendigung des Krieges mit Japan, die Einberufung der Semstwos verlangt und das Volk aufgefordert wird, bett Revolutionären sich anzuschließen. Die Einwohnerschaft ist beunruhigt und verläßt die Stadt. Die Arbeiterbevölkerung ist erregt und fordert zur Erfüllung des von dem „Potemkin' gestellten Verlangens auf. Der Eemeinderat beschloß in einer außerordentlichen Sitzung, dem Schiffe Lebensmittel zu liefern, aber keine Kohlen, da die Stadt keine Kohlen habe.
Feodosia, 6. Juli. Auf Anordnung der Behörden verließen die Einwohner die Stadt. Nur die Truppen und die Beamtenschaft blieben -zurück. Man erwartet, daß der „Potemkin' am Abend auf die Stadt feuern wird.
Petersburg, 6. Juli. AdmiralTschuknin eitet1 te dem Schwarzmeer - Geschwader Befehl, die Schiffe neu zu bemannen und auch eine Anzahl neuer Offiziere an Bord zu nehmen. Vier Torpedojäger sind entsandt worden, um den „Knjäs Potemkin' zum Sinken zu bringen. Der Zar ist, wie verlautet, empört über die Handlungsweise des Admirals Krieger, der das Geschwader untätig in Sebastopol liegen ließ.
Feodosia, 6. Juft. Heute Morgen gegen 9 Uhr näherte sich ein Boot des „Potemkin" der Küste. Es wurde durch Infanterie-Feuer emp- fangen. Zwei Mann wurden getötet, sieben Mann warfen sich ins Meer, wurden ober gerettet. Das Torpedoboot, das den „Potemkin" begleitet, feuerte einen Schuß auf die Stadt. Der Panzer entfernt sich um Mittag von dem Hafen und setzte in einiger Entfernung die Kreuzfahrten fort. Der von dem Torpedo abgegebene Schuß sst über die Stadt hinweggestogen. Die Stadt wurde in den Kriegszustand erklärt.
London, 6. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Odessa: Der Agent der russischen
Auch der blonde junge Deutsche neben den beiden leeren Stühlen schaut ein wenig mißmutig drein. Er hatte angenehme Reisegesellschaft erhofft für die Fahrt bis Neapel, wo er dm Dampfer verläßt. Melleicht einen flotten jungen Engländer, mit dem er plaudern kann über das Land, dem er sich zuwendet.... ober einen lebenskundigen Weltenbummler, der ihn einweiht in die Mysterien der Lebensphilosophie .... ober eine anmutige Weiblichkeit, etwa eine stolz blickende goldblonde Mß ober ein schüchternes, liebliches deutsches Gretchen . , .
Und nun anstatt dessen zwei leere Stühle! Wirklich Pech!
Jetzt betritt mit großen Schritten der Schiffs- arzt den Speisesaal. Mit leichter Verbeugung nach links und rechts setzt er sich schweigmd auf feinen Platz.
Sein Gesicht ist sehr ernst. Die verschiedm- stm an ihn gerichteten Fragen beantwortet er zuerst nur durch Achselzucken, dann mit einigen kurzen Bemerkungen.---
Ja, es sei jemand krank .... Ob bedenklich das könne man noch nicht toiffen ... . Nein, es sei fein Herr. Eine Tome, die bereits in Southampton leidend an Bord gekommm wäre und durch den anhaltmden Sturm und die damft verbundmm Unannehmlichkeitm einen Rückfall erlitten hätte. ~
Dann hüllte er sich wieder in tiefes Schweigen. Und bei der Erledigung des mit künstlerischer Vollendung komponiertm Diners vergißt man gar bald die beiden leeren Stühle und die unbekannte Krank« dort unten in ihrer kleinen Kabine.
Nur der Ronde junge Deutsche bleibt einsilbig.
Da die übrigen Tischgef ährten — ein paar ältliche Damen und zwei geschniegelte Gigerln, Jbie unabläfsU Limonade die GurgÄ Hinuntergis-
Handelsschiffahrts-Gesellschaft erhielt die Nachricht, daß der „Potemkin" ben der Gesellschaft gehörenden Dampfer „Großfürst Alerius" gestern aufgebracht habe. Der „Alexius" brachte Mch von Feodosia nach Sewastopol. Als er in d-p Nähe von Feodos«» vom „Knjäs Potemkin" ange- batten wurde, wurde ihm das Meh, LebensmittÄ und Geld abgmommen.
Der „Knjäs Potemkin" wird befehligt bog einer aus sieben Personen bestehenden, gewählt« Kommission, an deren Spitze der Lotse der Reserve der Kriegsmarine Alexejew ftefjt. Di- Namm der anderen sind unbekannt. Die Wach« werden ganz regelmäßig besetzt. Die Kanon« befinden sich in aus^enüchnetem Zustand; Munition ist vollzählig vorhanden, selbst die Uebunqt- Munition. Die gesamte Besatzung besteht auf 750, die des Torpedoboots aus 15 Mann. Offiziere sind nicht an Bord. Es geht daS Gerücht, datz unter den Matrosen mehrere beS Dienstgrades mtkleibete Fähnriche in einem Verhältnis, wie Arretierte, sich befinden.
Sofia, 6. Juli. Wien. Korr.-Bur.) DaS bulgarische Schulschiff „Nadeschda", das gestern in Varna eingetroffen sst, begegnete 30 Meile« südlich von Sewastopol dem „Knjäs Potemkmk* und wechselte mit ihm Salutschüsse. Laut Aufsagen der Mannschaft des „Nadeschda" befind« sich an Bord des „Potemkin" außer den Meuterern noch ungefähr zweihundert Zivilperson«^ darunter auch Frauen.
London, 6. Just. Das Reutersche Burean meldet aus Odessa von Mitternacht: „ES verlautet, daß der „Potemkin" in der Nahe von Fe»« dosia in btt Luft gesprengt worden ist. (?)
Die revolutionäre AuSstandsbeweguns hat durch die Vorgänge in Odessa und die M»- trosenrevotten neue Nahrung erhalten. Aus N i« kolajew wird gemeldet: Auf der Regierungs- Werft wie auf der Privatwerst wurde der Generalstreik proklamiert. Zwischm den Arbeitern . nd dem herangezogenen Militär kam es zu heftigen Zusammenstößen, wobei es Tote sowie Verwundete gab. Durch die Explosion einer Bombe fanden vier Männer und zwei Frauen ihren Tod. Der Attentäter, ein Arbeiter ist verhaftet. Infolge des Generalstreiks ist jeder Handel und Verkehr eingestellt worden. Patrouillen durchziehen die Straßen. Größere Unruhen werden erwartet. t
Aus Jekaterina slaw wird öom 6. Ju8 gemeldet: In der Umgegend herrscht vielfach voller Aufruhr. Vor allem revoltierten die Arbeiter in dem Gruben- und Fabrikzeittimm „Kri- wojrog" des jekaterinoslawschen Gouvernements^ im alerandrowschen Bezirk. Die Arbeiter zerstörten in den Kohlengruben und Eisenwerken^ so auch auf dem größten, dem Brjansker Etaölisse- ment, viele Maschineneinrichtungen und zündeten die Gebäude an. Da daS hiesige Mttitär nach Odessa abberufen war, hatten die Arbeiter freie Hand. , Das Simferopolsche Infanterie-Regiment sowie ein halbes Regiment Dragoner wurden aus Odessa eilends zurückgerufen. — Die Einwohner des alerandro-vschen Bezirks, aus dem ein großer Teil der Matrosen des „Potemkin" stammt, schei
ßen und dazwischen im nachlässigsten Englisch herumnäseln — sein Interesse absolut nicht in Anspruch nehmen, so wandern seine Gedanke« zurück nach der Heimat, die er vor wenig Tagen verlassen...»
Günter Horst ist der einzige Sohn eine; wohlhabenden Gutsbesitzers in Hinterpommern. Nachdem er die landwirtschaftliche Schule absolviert hatte, sollte er seinem Vater bei Bestellung des umfangreichen Gutes „Waldruhe" helfen, um dasselbe spater ganz zu übernehmen.
Doch der junge Mann fand kein Vergnügen an bem ausgezwungenen Beruf. Hinaus drängte es ihn aus dem väterlichen Hause, hinein ins Getose ber Wett, hinauf zu hohen Idealen, die noch unfertig in seinem Kopf herumspukten und seine Feirerseele mit Sehnsucht und Begessterung erfüllten.
Und seine braven Eltern, welche ihren einigen Sohn mit schwärmerischer Innigkeit liebten, beratschlagten abends hinter dem matten Schein der verhängten Lampe, was sie mit ihrem Jun- gen anfangen sollten.
„Laß ihn die Welt ein bischen angucken, Bruno!" meinte die Mutter eindringlich, indem sie die Stricknadeln mit dem anaefangmen Strumpf in ben Schoß sinken ließ, währenb ihr« guten blauen Augen voll auf den freundlichen Zügen chres Mannes ruhten. „Schick ihn fort auf ein paar Monate nach ber Schweiz — ober nach Italien — ober nach Egypten — was weiß ich . , . . Aber fort von der heimatlichen Schöllet Er verkommt uns hier."
Der alte Horst biß ein Weilchen an feinet Holzpfeife herum, nahm sie dann au8 bem Mund, guckte seine Frau bewundernd an uni knurrte:
„Kannst recht haben. Alte! Wenn ber Junge aber bann nach Hause kommt nach ein Paar Mo- naten -—noch unentschlossener ■—"■ .