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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und

M 157

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

Bierteljährlicher Bezugspreise bet bei Expchition 2 Ml* bet allen Postämtern 2,25 Mk. <ejcl. Bestellgeld).

Znserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder Deren Raum 10 Pfg, Reelamen: die Zeile S5 Pfg.

Marburg

Freitag. 7. Juli 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck intb Verlag' Job. Aug. Koch, UntversitätS-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Osakas.

40. Jahrg.

Zweites Blatt

Aus der Geschichte des Aerztestandes

Städten

die Ortsgruppen des Dcutschnationalen

ein Land demo-

Grotzbritannien. teeS der britischen Friedenskomitee in gipfelt, gemeinsam

Ausland.

Zu dem Schreiben des Komi- Gesellschaft der Freunde an das Deutschland, das in der Bitte

amt des Innern durch Anhörung trauenswürdiaer Mittelungen über stellen. Infolge

kanten, die mit auf dem Podium saßen, ein lustiges Stücklein. Der Quacksalber erschien in türkischer Tracht, phantastisch aufgcputzt und von einem grotesk daherspringenden Bajazzo begleitet. Die Musik spielt einen Tusch; da > beginnt der Heilkünstler mit gellender Stimme zu erzählen, was er schon alles geheilt, wen er vom Tode gerettet. Er weist seine Tränklein vor und zeigt an Schlangen oder Kröten, welche wundersame Wirkung sie tun. Der Harlekin aber schleppt unterdessen seinem Herrn Kunden zu, an denen dann unter Musikbegleitung, während die Menge gafft und der Hanstvurst zotige Witze reißt, die heilkräftigen Prozeduren vorgenommcn werden. Am längsten haben sich die Augenärzte als wan­dernde . Heilkünstler einen Ruf bewahrt, doch wenn auch einige von ihnen, wie Jung-Schilling oder Baron von Wenzel Rettung und Hilfe brachten, wo sie einkehrten, so trieben andere, wie der Engländer John Taylor, eine schamlose und raffinierte Reklame, die dem Reklamewesen modernster Virtuosen nichts nachgab.

dahin zu streben, daß die Kräfte werden, die darauf ausgehen,

* RechtHlkchiing. Ist das häufige Zu- spätkommen ein wichtiger Grund zur sofortigen Entlassung? Es kommt in Dienstverträgen zwischen Prinzipalen und Hand­

hat die Bundesregierungen ersucht der Handelskammern und ver- Vertretungen von Angestellten Er­den Umfang des Unwesens anzu- deffen sind in einer Reihe von

Marburg und Umgegend»

s Nach druck aller Originalartikel lst gemäß § 18 der Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Oberhesi. Zig." gestattet.)

Marburg, 6. Juli.

I wie eS oft geschieht, darauf berufen, daß er I vorzugsweise als Reisender engagiert sei, und I von ihm deshalb nicht wie von einem Bnreau- I ongestellten die strenge Einhaltung der Bureau- I stunden verlangt werden könne, selbst wenn er I verpflichtet sei, sich an dem Tage, wo er sich I nicht auf Reisen befinde, auf dem Bureau zu beschäftigen. In diesem Sinne hat auch das

I Kölner Kaufmannsgericht in folgendem Falle entschieden: Ein Kommis, der in einem Ge­schäfte mit der Bedingung engagiert war, daß er nach Wahl seines Prinzipals entweder au dem Bureau oder auf Reisen beschäftigt werden könnte, wurde ohne sofortige Kündigung auS seinem Dienstverhältnis entlassen, weil er trotz wiederholter Verwarnung öfters zu spät nu: dem Bureau erschien. Der Handlungsgehilfe hält jedoch seine sofortige Entlassung nicht für gerechtfertigt, weil er vorzugsweise als Reisen­der engagiert gewesen sei, und sein Prinzipal deshalb nicht verlangen könnte, daß er so pünkt­lich wie ein Bureauangestellter sein müße. Er klagte deshalb gegen seinen Prinzipal auf Zah­lung des Gehalts bis zum Ablauf der Kün­digungsfrist. Das Kaufmannsgericht wies jedoch die Klage ab. Es erachtet das öftere Zuspätkommen des Klägers trotz wiederholter Warnung als einen wichtigen Grund zu dessen sofortiger Entlassung. Da sein Prinzipal nach dem Dienstvertrags dis Wahl hatte, ihn auf dem Bureau oder auf Reifen zu beschäftigen, so galt der Kläger, falls sein Prinzipal sich entschloß, ihn auf dem Bureau zu beschäftigen, in diesem Falle als Bureauangestellter, und war er deshalb auch verpflichtet, die Bureau­stunden einzuhalten.

* Warnung vor kalten Getränken. Wie ge­fährlich es ist, in erhitztem Zustande kalte Ge­tränke zu sich zu nehmen, ist schon ost betont worden. In M.-Gladbach starb der Wirt G., der, von einer Radtour zurückkehrend, kaltes Bier -trank, plötzlich an einem Herzschlaae. Es gibt aber noch viele Menschen, die zwischen einem wohl­tuenden kühlen und einem gefährlichen kalten Ge­tränk keinen Unterschied machen können. Ein Wirt sollte dies eigentlich ganz genau wissen.

* Bestechung von Angestellten. Vom Deutsch- nationalen HandlungSgehilfen-Verband wird uns ge­schrieben: Eine durchaus nicht gerechtfertigte Beun­ruhigung der Oeffentlichkeit schafft der Eifer, mit dem jetzt in der Tagespreise die Bestechung von An­gestellten erörtert wird. Die Frage, von den Handels­kammern von Soran und Ludwigsburg aufgeworfen, ist bereits im Reichstage in Form von Anträgen der Abgeordneten Müller (Meiningen), Gröber und Trimborn zur Verhandlung gekommen. Tas Reichs-

Handlungsgehilfen-Verbandes zur Abgabe von Gut­achten aufgefordert worden, und die Verwaltung des Verbandes hat zur Beschaffung brauchbarer Unter­lagen eine Umfrage unter ihren Mitgliedern veran­staltet. Den Behörden bietet das aus dem Kreise von weit Über 60 000 Handlungsgehilfen gewonnene Ma­terial eine um so willkommenere Unterlage, als sich die 800 Ortsgruppen des Deutschnationalen Handlungs- gehilfen-Verbandes Über das ganze Reich bis in die kleinsten Orte verteilen. Diese gründliche Unter« suchung ergibt, daß in den meisten Orten von einer Bestechung überhaupt nichts bekannt geworden ist. Wo aus größeren Plätzen Fälle gemeldet werden, be­treffen sie zunächst nur ganz bestimmte Geschäfts­zweige und vor allem die Großbetriebe, in denen der Prinzipal dem Angestellten durch dessen Urteil einen Einfluß auf die Lieferungsgeschäfte od-r deren Er­ledigung überlassen muß. Von einer Gefahr drohen­der Unsitte, welche neue Gesetze erfordert, kann aber nach dem Ergebnis' der Erhebungen nicht gesprochen werden. Das ist nicht nur die Ansicht der deutsch- nationalen Ortsgruppen, sondern auch einer Reihe von Handelskammern. Der Handelskammer zu Nürnberg genügt das ihr bekannte Material nicht zur Forderung neuer Gesetze. Die Kammer zu Rottweil will keine neuen Gesetze für den Handel, sondern ver­weist solche Fälle in das Strafgesetzbuch. Sehr ver­nünftig nimmt die Handels- and Gewerbekammer zu Augsburg dagegen Stellung, daß man. bevor von ir­gend welchem Versuch der Selbsthilfe seitens der etwa betroffenen Interessenten gehört worden sei, Miß­stände des gewerblichen Lebens durch Festlegung von Strafnormen zu bekämpfen suche. Die Kammer zu Duisburg lehnt neue Sondergesetze gleichfalls ab und die zu Mühlheim a. Rh. weist auf die großen Schwie- digkeiten hin, mit gesetzlichen Strafen einzelnen lleüelständen zu Leibe zu gehen. Die Erhebungen der Würzburger Kammer ergaben, daß keine Vorliebe für immer neue Gesetze dieser Art, die oft zu Schikanen führten, besteht. Die meisten Firmen versprächen sich mehr von der Selbsthilfe. Und ebenso die Handels­kammern zu Mainz, die Mißstände nicht in dein Maße bemerkt hat, daß besondere gesetzliche Gegen­maßregeln notwendig wären. Es käme vor. daß die Angestellten von den Lieferanten hier und da kleine Gelegenheitsgefchenke erhielten, von denen aber in der Regel der Prinzipal Kenntnis habe und sie auch dulde. Es müsse davor gewarnt werden, das ge­schäftliche Lei n noch weiter von so detaillierten Ver­botsbestimmungen wie im Gesetz über den unlauteren Wettbewerb abhängig zu machen.

unschädlich gemacht Unfrieden zwischen England und Deutschland zu säen, macht dieNordd. Allg. Zig." folgende Bemerkungen:Bei früheren Anlässen haben wir wiederholt betont, daß alle ähnlichen Be­mühungen, die zwischen den beiden Nationen ent­standenen Mißverständnisse zu zerstreuen, in Deutsch­land mit aufrichtiger Sympathie begrüßt werden. Wir glauben indessen, daß von deutscher Seite alles geschehen ist, um dieses Ziel zu erreichen. Insbeson­dere haben auch sämtliche politisch ernst zu nehmen­den deutschen Preßorgane verschiedenster Stellung und Parteirichtung in diesem Sinne zu wirken ge­sucht. Wie obiges Schreiben zu erkennen gibt, ist der gewünschte Erfolg jenseits des Kanals ausgeblieben. So wäre daraus nur zu schließen, daß die öffentliche Meinung in England den Einflüssen gewisser ver­bissener Hetzer sich immer noch in einer Weise zu­gänglich erweist, die nicht möglich sein würde, wenn sie sich bemühte, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind, nicht aber, wie sie ihr borgespiegelt werden." Das ist sehr treffend bemerkt. Verbissene Hetzer sitzen^in den Redaktionen der bedeutendsten Blätter. So hält es derDaily Graphic" neuerdings für an­gebracht, dem Deutschen Reiche Diktatorgelüste anzu­dichten, weil es in Marokko sein Recht verlangt. Deutschlands Ziel," schreibt das Blatt,war, die englisch-französische Konvention in Bezug auf Ma­rokko umzustoßen und an deren Stelle eine Inter­nationalisierung der ganzen Frage einzuführen. Dies rst ihm vollständig gelungen, denn die von Frankreich gestellten Bedingungen stellen in keiner Weiss die durch das englisch-französische Abkommen vorgesehene Lage wieder her. Wir haben immer gesagt, daß unser Land sich mit dem zufrieden erklären wird, was in oen Augen der französischen Regierung gut erscheint. Trotzdem können wir uns nicht den Ansmein geben, als wenn wir uns über das Erreichte freuten. Deutschland wird dadurch in Marokko eine Stellung eingeräumt, zu der es durch nichts berechtigt ist. Tie dazu angetan, jeden wirklichen Fort­schritt in dem Lande ans unbestimmte Zeit hinaus zu berschieoen, und das neue Abkommen ist schließlich eine Konzession gegenüber deutscher Unverschämtheit. Europa wird, wie wir befürchten, dafür teuer zu zahlen haben. Nichts ist mehr für ein Land demo­ralisierend, als die Entdeckung, daß es lediglich über je&e Kleinigkeit großsprecherisch von Krieg zu reden braucht, um seinen Willen zu haben. In dieser Kri­sis hat Deutschlands durch Drohungen zweierlei durch- geseht, was man ihm nicht hätte erlauben dürfen.

, Hot eine fremde Macht gezwungen, einen ihrer rrr ®u entlassen, und es hat ferner die-

felbc Maass dazu genötigt, einen Vertrag aufzu- flebcn, der Deutschland moralisch gar nichts anging und in den einzumischen es nur in sehr teckmischem Sinne berechtig twar. Dies kommt der Diktatorschaft, vcm der der Kaiser, wie es oft heißt, träumt, gefähr­lich nahe. Wenn dies Verfahren auch in anderen fragen zur Anwendung gelangt, so ist der Frieden Europas in keinem Augenblick auch nur einen Pfennig inert. Man braucht nur an die Fmcboda-Aftäre .77,*> I.... gvy.utu ^Utiiyuiivcrt erlangte I ?;L?nJen' u2? Unsinnige dieser Ausführungen

chge profane medizinische Hochschule zu Salerno hohes I sm;rr" ctL <. ivar es England, das seinen

iAnseheil und allmählich zogen sich die Gr ist licken | un° 3fo« (mtberS tote jetzt) wirklich durch

3>un mindesten von der Wundarznei völlig zurück. I m gegenüber Frankreich durchsetzte. Aber

'Da? Feld aber behauptete der fahrende Heilgefelle, I r Ä , ? 111 b geziemt, geziemt Deutsch- I der Quacksalber, den das deutsche Volkslied als ®r. I f « Fr, $ * das ist so britische Aus, l Eisenbart besang und der das Ansehen des deutschen I I

Aerztestandes so herunterbrachte, daß noch im 18. Jahrhundert der Wundarzt offiziell alsBarbier- ckubjekt" bezeichnet wird. Solch wandernder Arzt 'stellte sich neben Gauklern, Taschenspielern und Akro­baten gewöhnlich bei Jahrmärkten oder Volksfesten ein und mußte wie jeder andere Händler ein Stand- Seld von 83 Pfg. bis 1,70 Mark zahlen. Auch hatte der Magi,trat jeglicher Stadt Gewalt, ihn in Strafe Su ncbmei- menn seine Kuren unglücklich ausfielen. Doch hatte der Jünger des Aesknlap sich gewöhnlich schon aus dem staube gemacht, bevor noch das furcht­bare Ergeonis seiner Operationen und Tränklein an de-' Tag gekommen war. Der Quacksalber ließ auf , uuu <yu!tv=

5 WÄÄK °°b d.v d.m Prinzipal

Das Gerüst Ivar mit farbigen Tüchern ausgeschlagen I , ^tn kingeraumt wird, Nach seiner

'em den Ecken erhoben sich hohe bunt bewimpelte' I freien Wahl den Handlungsgkhülfen entweder Masten. Auf einem Tisch sah man dicke Folianten, I als Reisenden oder auf dem Bureau zu be» TeaenOfnr^.®«er,nfrtmIeP Arztes Zimgms ab- schästigen. Macht der Prinzipal pon diesem

DvirttuZ standen da Mißgeburten, abgeschnittene I et den Hanolungsgehulfen auf dem Bureau Mi me, und Beine. Ausgestopfte Tiere und sonstige I beschäftigt, so ist dieser auch verpflichtet, die «luriofa soiinic man bewimdern, dMU spielten Musi- I Bureaustunden einzuhalten, und kann sich nicht,

Zur Geschichte des Aerztestandes gibt der Bres­lauer Professor H. MagnuS in einem soeben erschie­nenen BucheSechs Jahrtausende im Dienste des Aesknlap" interessante Beiträge. In den Urzeiten 'Und in den ersten drei bis vier Jahrtausenden des Kulturlebens waren ja Priester und Arzt in einer Person verschmolzen. Da die Krankheit als von einem Gott erregt angesehen wurde, so konnte allein der Priester den Dämon aus dem Körper vertreiben. Kiur das Geschäft der Geburtshilfe und die Pflege bei einigen Frauenkrankheiten war schon sehr früh Weiblichen Medizinalpersonen überlassen. Der Prie­ster hatte nach bestimmten Vorschriften der heiligen Tempelbücher und unter Innehaltung fest borge# chriebener Zeremonien die Heilung zu unternehmen; Ür diesen Berus wurde er in den Priesterschulen >urch lange Jahre hin vorbereitet. So genoß er als Vertreter des Gottes hohes, fast überirdisches An­sehen beim Volke, und auch die Kranken befanden sich nicht übel bei der Behandlung durch die Priester, denn einmal hatten diese eine reiche Erfahrung ge­sammelt, die ihnen trotz vielfachen Aberglaubens doch auch wohl erprobte Mittel an die Hand gab, dann aber wurde vor allem jedem Kurpfuschertum vor- fiebeugt, denn jedes unbefugte Ausüben des Aerzte- perufes wäre als Gottesverletzung erschienen. In Griechenland scheint zuerst eine Trennung von Prie­ster und Arzt berbeigeführt worden zu sein. Die ^mische Naturphilosophie ging schon aus eine genauere Erforschung der Natur aus und man erkannte all- fnählich die Krankheit als einen rein irdischen Vor- stking, mit dem die metaphysischen Dinge der Religion wenig zu tun hatten. Neben den ärztlichen Tempel­schulen entwickelten sich nun auch Profanschulen, von denen die bedeutendste sich auf der kleinen Insel Kos. besaiid. Hier empfing der erste Arzt, dessen Persönlichkeit uns näher bekannt ist, und der die wissenschaftliche Medizin begründete, HippokrateS, seine Ausbildung. Noch eine große Anzahl anderer wisienschastlich gebildeter Aerzte ging ans diesen so- genannten Asklepiadenschulen hervor. Sie mußten «in eidliches Gelöbnis ablegen, das in schöner Weise die idealen Ausgaben der Heilkunst und des Aerzte- verufes darstellte. Trotzdem sank nun, da er den Priestern entrissen und ins profane Leben übertragen worden war, der Aerztestand sittlich und sozial herab. Eharlatane und Schwindler zogen in Menge in ganz Griechenland herum, da die Staaten sich eine Rege- hing dieser Verhältnisse nicht angelegen fein ließen. Iran trat zuerst der wandernde Quacksalber auf, der bon Ort zu Ort zog, alle Krankheiten behandelte und vielleicht bisweilen gute Kenntnisse in der Heilkunde pesaß, meistens aber eine verlodderte Existenz war, die sich nun auf diese Weife durchzuschwindeln suchte. Teit Aristophanes und Martial wird nun der Arzt eine mit bitterem Spott verfolgte komische Figur, die. in unzähligen lustigen Spielen des Mittelalters auftritt, noch von Maliers verspottet wird und in den j Bildern der Holländer mit lächerlicher Gravität ihr furchtbares Amt verrichtet. Im römischen Reiche war dgr Arzt ein Betrüger und Gaukler, der sich Wohl auch wie Apollonius von Tyana, der als ein zweiter Messias auftrat, sich mit einem mystischen Nimbus umgab und unter diesem seine Kuren vornahm. So kam einst zu diesem neuenHeiland" ein Bäuerlein Und bat den Gottesmann, seiner Frau zu helfen, die in Kindesnöten mit dem Tode kämpfte. Apollonius gab seinen ärztlichen Rat dahin ab, daß der Bauer euien lebenden Hafen in seinen Arm nehmen und Würdevoll um die Frau herumwandeln solle; dann I Mo er den Hasen laufen lassen; mit ihm werde I alles die Geburt Hemmende verschwinden. Erst in I der römischen Kaiserzeit richtete man medizinische I jSchulen ein, stellte den geprüften Aerzten ein Divlom I MS, gründete besondere Aerzteverbände und richtete I auf die Hebung des Standes ein sorgsames Augen- I jnerk. Dennoch gelang es den ernsthafteren Elemen- I .teil, nur selten, gegen die Kurpfuscher und Quacksalber I Miszukommen, und diese? Resultat ist auch während I wes ganzen Mittelalters bis in die Neuzeit hinein zu I konstatieren. Zwar suchte die Kirche sich eine zeitlang I >oaS Monopol der Arzneikunde zu sichern, und wirk- I '«ich haben auch heilkundige Mönche viel Segen ge- I .bracht; doch schon im zehnten Jahrhundert erlangte I

Es spricht aus diesen sachverständigen Gutachten der alte deutsche HandelsgrLndsatz von Treu und Glauben, der uns trotz vorübergehender Krankheits- erscheinungen die Gewißheit von der gesunden Kraft unseres Rechtempfindens gibt. Einmütig sind die vom Deutschnationalen Handlungsgehtlsen-Verband gesammelten Gutachten in der Entrüstung darüber, daß durch die mangelhaft begründeten Erörterungen der Angelegenheit der Anschein erweckt wird, als seien bestechliche Subjekte gerade im Handel zu suchen. Wo Bestechungen Vorkommen, muß eine Verleitung des Angestellten borliegen, denn wenn er den Anreiz geben wollte, würde die geringste Andeutung darüber ihn die Existenz kosten. Die bestehenden Gesetze ge­nügen zur Ahndung und zur Steuer des gewiß be­klagenswerten Unwesens. § 72 Abs. 1 des H.-G.-B. und § 133 c Abs. 2 der G.-O. gestatten sofortige Ent­lassung ungetreuer Angestellter; § 826 des B.-G.-B. spricht die Haftpflicht für den angerichtetcn Schaden aus und 8 266 des Strafgesetzbuches bedroht mit Ge­fängnis, Verlust der Ehrenrechte und Geldstrafe bis zu 3000 Mark denjenigen, welcher zum Nachteile seines Auftraggebers verfügt, um sich ober Anderen einen Vermögensvorteil zu verschaffen. Den Ver­führer aber bestrafe man nicht nur gerichtlich, son­dern am wirksamsten durch Brandmarkung in der Fachpresse. Uebereinftimmung der Gutachten herrscht auch darüber, daß anständige Behandlung und Hebung des Ehrgefühls durch menschenwürdige Behandlung besser wirken, wie neue Strafgesetze. Der Deutsch- nationale Handlungsgehilfen-Verband hat das Er-, gebnis seiner Erhebungen in einem ausführlichen Gutachten zusammengefaßt und dem Herrn Reichs­kanzler sowie anderen Behörden auf deren Wunsch eingereicht.

Hessell-Nasjau und Nachbargebiete.

Medebach, 4. Juli. Bei dem letzten Ge­witter wurde dem Gutsbesitzer Seidt zu Glindfeld eine Knh vom Blitze erschlagen.

Bischoffen, 4. Juli. Ein schreckliches und be­dauernswertes Unglück hat sich am gestrigen Tage lautHerb. Tagebl." in unserem Orte ereignet Die achtjährige Tochter des Carl Sckmidt'schen Ehepaares benutzte, als das Feuer nicht gleich brennen wollte, die Petroleumkanne. Plötzlich stand das unglückliche Kind über und über bren- nend in der Stube. Der Vater, welcher in der Scheune beschäftigt war und als erster auf die Schreckensrufe herbeigeeilt war, um seinem Kinde zu helfen, erlitt so schwere Brandwunden an den Händen, daß er 4 bis 6 Wochen arbeitsunfähig sein wird. Gestern Nacht noch erlöste der Tod das unglückliche Kind von seinen surchtbo-en Leiden.

Glesien, 5. Juli. Unteroffizier Milke von der 4. Kompagnie unseres Regiments, ein sehr guter und sicherer Schwimmer, wurde gestern, als er einen Schwimmschüler vom Tode des Ertrinkens retten wollte, von diesem umfaßt und in die Tiefe gezogen. Einem dritten den beiden nachspringenden Soldaten gelang es, den Schwimmschüler zu retten, während Milke, der wahrscheinlich von einem Krampf befallen wurde, ertrank.

Münster i. W., 4. Juli. Der Reichskanzlei; Fürst v. Bülow empfing, tote jetzt bekannt wird, am 30. Juni eine Deputation, ivelche die Wünsch- der Provinz Westfalen und der Stadt Münsteq hinsichtlich der Ergänzung der philosophischen Fakultät der Universität Münsier durch einigf naturwissenschaftliche Fächer vortrug. Es besteh', in Westfalen der lebhafte Wunsch, durch diese Aus-, gestaltung des Lehrplanes die vollkommener, philosophischen Studien und die Ablegung deq medizinischen Vorprüfung in Münster zu ermög, lichen. Der Reichskanzler nahm die Darlegung der Herren freundlich entgegen und sagte ihnen tatkräftige Förderung ihrer Wünsche zu. :

Vermischtes.

Ein merkwürdiger NeberfaS. In Alt-Rognitz bei Trautenau in Böhmen ereignete sich bei der Fronleichnamkprozession ein merkwürdiger Zwischenfall. Mehrere aufgescheuchte Bienen­schwärme fielen über die Prozession her und stachen wie toll auf die armen Leute ein, so daß ihrer sieben, über und über mit Wunden bedeckt, ohnmächtig zusammenbrachen. Ein Geist­licher flüchtete vor den rasenden Tieren inS Wasser, die übrigen hatten sich weithin auf die Felder zerstreut. Die Bienen stürzten sich dann auf einen Bauernhof, wo sie unter den Hühnern und dem Rindvieh furchtbar hausten. Schließ«' lich wurden sie durch einen Imker beruhigt.

Amerikanischer Humor. Ein in der Ecke eines Abteils erster Klasse sitzender Amerikaner zündete ich eine Zigarette an, obwohl es ein Abteil für Nichtraucher war. Ein ihm gegenübersihendek Engländer erhob Einsprache, aber umsonst. Bei der nächsten Haltestelle rief er den Schaffner, um den rauchenden $ an fee an die Lust setzen zu laffen. Aber dieser kam ihm zuvor. Schaffner*, sagte er nachlässig,sehen Sie sich die Fahrkarte des Herrn an; sie ist für die dritte Klaffe." So war es auch, und der Eng­länder mußte hinaus. Ein Zuschauer fragte