mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustvirtes Sonntagsblatt.
. J2 155
Vierteljährlicher Bezugspreis, bet oet Expedition 2 Mk., bet allen Postäntlcrn 2,25 Mk. Ke$ci. Bestellgeld).
Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder seren Raum 10 Pfg.
Reclamcn: die Zeile 25 Psg.
Marburg
Mittwoch. 5. Juli 1905.
BOBB9EI
Erscheint wöchentlich fttbett mal.
Druck ttttb Verlag- Joh. Aug. Koch, UnwersttätS-Buchdruckerek 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon aö.
Witts Blatt.
Italien.
! Vor etiva zwei Dezennien noch stand Italien In der Reihe der Seemächte an dritter Stelle und Deute ist es von Deutschland, den Vereinigten Staaten und Japan überholt; auch Rußland (der innere Wert einer Flotte ist schwer abzuschätzen) würde ohne den Krieg mit Japan vor Italien stehen. Es geht mit den Flotten eben rasch bergab, wenn nicht für fortwährenden Zuwachs an Schiffen gesorgt wird. Und genau im glei- 'chen Schrittmaß geht es bergab mit der Seezel- tung, mit der politischen Bedeutung eines Landes Überhaupt. Das haben die Italiener an der frechen Sprache der Pekinger Mandarinen er. fahren, als sie Ende des 19. Jahrhunderts gleich puderen europäischen Mächten auf chinesischem Boden Fuß fassen wollten. Das haben sie auch in ihren eigenen Gewässern, irrt Mittelmeer erlebt, wo andere Mächte anfingen, sie sanft bei .Seite zu schieben.
Den zur Zeit leitenden Männern, insbesondere deut Ministerpräsidenten Fortis und dem Flotten- minister Mirabello, gebührt das Verdienst, daß sie den Bann gebrochen haben. Anfang Mai legte Admiral Marabcllo der Kammer einen Entwurf vor, in dem vermehrte Ausgaben für die Flotte verlangt werden. Der begründende Bericht schließt mit den Worten: „Ich bin überzeugt, daß das um diesen Teil unserer Wehrkraft (Flotte), auf den es große Hoffnungen setzt, stets besorgte Parlament die Mittel für eine Vorlage nickt ver- weigern wird, die auf eine Verstärkung unserer Streitkräfte zur See gerichtet ist."
Diese Worte gingen, zum Teil auch infolge des moralischen Druckes, den die Erfahrungen des russisch-fapanisechn Krieges ausübtcn. glatt in Erfüllung. Mil Aufnahme der Sozialisten und eines Teils der äußersten Linken findet die Flottenvorlage bei allen politischen Gruppen gute Aufnahme: am 21. Juni ds. Js. wurde sie (wie schon damals gemeldet) mit 190 gegen 48 Stimmen von der Depntiertenkammer genehmigt.
Tie Vorlage saßt einen Zeitraum von 13 Jahren ins Auge, und zwar die Rechnungsjahre von 1904/65 bis einschließlich 1916/17. In Summa ist eine Mehrausgabe von 150 Millionen gestattet, die ausschließlich zu Schiffsbauzwecken bestimmt sind.
Sehr vernünftigerweise sagte man ück, daß der neue Flottenbauplan für eine solche Reihe von Jahren in Einzelheiten nicht festzustellen su und so beschränkte man sich hinsichtlich dieser auf die nächsten vier Jahre, während welcher besch'leun'gt ' gearbeitet werden soll, so daß am 1. Juli 1909 fertig sind:
4 Schlachtschiffe 1. Klasse vom Typ „Vittorio . Emmanuele", 4 Panzerkreuzer vom Typ „San Giorgio", 14 Torpedobootzerstörer, 42 Torpedoboote und 12 Unterseeboote.
Gelangt der Plan zur Ausführung — und es liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, so hat
VI "Vackidruck verboten.)
Schatten der Vergangenheit.
Asm an von B. Coro nh.
(Fortsetzung.)
Wohl wäre sie energisch genug gewesen, den Eintritt zu erzwingen, aber es lag ihr wenig daran, Zeugin dieser heftigen Nervenkrisen zu sein. Ter Mann da drinnen, obgleich ihr Gatte und der Vater ihres Kindes, war ihr innerlich fremd geblieben. Ja, wenn Kurt Walter hinter dieser abgesperrten Türe geweilt hätte! Tag und Nacht würde sie dann auf der Schwelle gekniet und mit iT.ren schwachen Fingern an dsm Schloß gearbeitet haben, bis es aufgesprungen wäre. Aber so — ach Gott!
Auch zu den zärtlichen Müttern gehörte Su- saune nicht. -sie hielt sich nur wenig bei dem kleinen Günther auf, der jedesmal laut zu kreischen anfing, wenn sie an sein Bettchen trat. Er fürchtete sich vor ihren,gewaltsamen Liebkosungen. Dann verließ sie mißgestimmt die Kinderstube und langweilte sich in den prächtigen Räumen zum Sterben. Es regte sich so viel überschäuntende Lebenskraft und Lebenslust in ihr und diese sollte zwischen den Mauern des finsteren Schlosses begraben werden?
Dunois begann sich, wie nach jedem heftigen Unfall, wieder zu erholen, aber er sah um Jahre gealtert aus. Tiefe Schatten lagen um seine ein- gesunkenen Augen, die wie glühende Kohlen aus dem bleichen Gesicht sahen. Seine Gestalt war gebeugt, sein schritt schwer und schleppend. Alle Besuche wurden abgewicsen. Zu bestimmten .Tagesstunden mußte die Amme den kleinen -Guiither bringen, ,an welchem der Baron mit abgöttischer Liebe hing und der ihm auffallend «lich. Situs das Wetter günstig toot; so machte
Italien seine Kriegsflotte bis zum 1. Juli 1909 annähernd verdoppelt. Es besitzt dann:
15 moderne Panzerschiffe, 1 gepanzertes Blockadeschiff, 12 ältere Panzerschiffe. 14 geschützte Kreuzer älterer Art, 6 leichte, gleichfalls ältere Kreuzer, 2 kleine Kreuzer, 28 Torpedobootjäger, 42 Hochseetorpedoboote, 7 Torpedoboote 1. Klasse, 40 Torpedoboote 2. Klasse, 13 Unterseeboote.
Ans diese ziemlich energisch zu nennende Weise holt Italien einigermaßen nach, was es im letzten Jahrzehnt versäumt hat. Der ganze, mit größter Erbitterung geführte Verleumdungsseldzug der Sozialisten wider die Flotte und FlottenvcNval- tung hat nichts gefruchtet. Und als im Laufe der Kammerverhandlungen ein Sozialist die naive Frage an den Kammerpräsidenten richtete, was mit der Verstärkung der Flotte eigentlich bezweckt werde, antwortete dieser ebenso schlagfertig wie treffend: „die Erhaltung des Friedens!"
Die Unruhen in Mchlaud.
Die meuternden Kriegsschiffe.
Die fast unglaubliche Nachricht, daß der kommandierende Admiral des aus Sebastopol nach Odessa gefahrenen Geschwaders es infolge der Unzuverlässigkeit der Schiffsbesatzungen nicht gewagt hat, das meuternde Kriegsschiff „Potemkin" gcivaltsam zur Pflicht zurüzuführen, wird durch die letzten Nachrichten bestätigt. Die Flotte ist Sebastopol zurückgekehrt und der „Potemkin" ist, wie bereits gestern gemeldet, unbehelligt nach der rumänischen Küste gefahren. Der gestern wieder- gegbene ausführliche Bericht über die Uebergabe des „Potemkins" hat sich als unwahr herausgestellt und rührt tuahrscheinlich von einer Seite her, die zur Beruhigung der Bevölkerung im Auftrag diese Meldung gemacht hat.
B u k a r e st, 3. Juli. Die Mannschaft des Kreuzers „Potemkin" ist aufgefordert worden, sich zu übergeben oder sofort den Hafen zu verlassen. Die Stellungnahme der rumänischen Rs- gierung ist noch nicht bestimmt. Ein Auslieferungsvertrag besteht nicht. Der Kommandant von Constanza hat den Auftrag erhalten, keinerlei Verproviantierung zu gestatten und den Re- volutionären zu erklären, daß die Landung in Constanza nur dann unbehelligt möglich wäre, wenn sie sich vollständig entwaffnen ließen und die Schiffe übergeben. Falls sie dies ablehnen, soll die rumänische Flotte ihre zwangsweise Entfernung aus dem Hafen vornehmen. Ein russisches Torpedoboot versuchte in den Hasen einzu- fahren. Nachdem der rumänische Kreuzer „Eli- sabetha" einige Schüsse, ohne zu treffen, abgefeuert hatte, sah sich das Torpedoboot gezwungen, sich wieder zurückzuziehen. An Bord des „Potemkin" befindet sich kein intelligenter Soldat. Die Unentschlossenheit der Mannschaft geht aus ihrer ganzen Haltung hervor. Falls das russische Geschwader versuchen sollte, den „Potemkin" im rumänischen Hafen einzufanaen, müßte Rumänien die russischen Matrosen unter seinen Schuh stellen, da diese nur als Deserteure betrachtet werden können.
man einen Spaziergang im Park. Nichts unterbrach diese selbstgesckafsene Einsamkeit.
Susanne langweilte sich entsetzlich. Sie konnte ein stets wachsendes Gefühl geheimen Grauens kaum verbergen. Es rieselte ihr oft kalt durch die Adern, wenn die stechenden Blicke des Gatten wie eine Brandfackel in ihre Seele hinein zu leuchten schienen. Dieses stete Alleinsein zu zweien, bei denen man kaum noch einige gereizt klingende Worte wechselte, begann ihr immer - unerträglicher zu werden.
„Sieh mich nicht beständig so an!" fuhr sie eines Tages gereizt auf.
"Du fürchtest wohl, daß ich Dich durchschaue?" fragte er mit heiserem Lachen. „Das tue ich auch! Du hast keinen Funken Liebe für mich und das Kind! Dir ist nichts auf der Welt wert, als Deine eigene Person."
„Und wenn dem so wäre, dürfte mir dann ein eingefleischter Egoist, wie Du es bist, und von jeher warst, Vorwürfe machen? Du versprachst mir ein Leben des Glanzes."
„Hielt ich etwa nicht Wort? Wer treibt wohl größeren Luxus? Wessen Tafel und Keller sin- besser versorgt, wessen Zimmer prunkvoller eingerichtet? Wer hat kostbarere Gewänder, blitzen- dere Juwelen?"
„Das klingt ja gerade, als wolltest Du meiner spotten! Was soll mir die ganze Pracht, wenn ich hier wie in ein Gefängnis eingesperrt bin?"
„Mackie Dich nur selbst dafür verantwortlich, meine Liebe. Dein burschikoses Benehmen und Deine offen zur.Schau getragene Koketterie, bertragen sich, wie ich schon einmal bemerkte, schlecht mit dem Titel einer Freifrau von Dunois. Ich habe Dich mehrmals gewarnt, aber leider vergebens. Nun mache ich mein Recht geltend. Wir ziehen uns, meiner schwer erschütterten Gesundheit wegey zurück." -
Odessa, 3. Juli. Das hier noch im Hafen liegende Schlachtschiff „Georgi Pobjedonoszew" hat sich ergeben, will jedoch militärische Besetzung nicht gestatten. Die Mannschaft erklärt sich für schuldlos, weil sie von dem „Potemkin" bedroht gewesen sei. Die Lage ist nach wie vor kritisch. Beunruhigende Nachrichten kommen aus dem Innern, wo die Bauern im Auf stände sind. Tausende flüchten, derLevantedarnPfer „Pera" nimmt auf Veranlafsung des deutschen Konsulats, das vom Auswärtigen Amt dazu ermächtigt wurde, deutsche Reichsangehörige an Bord. (L.-A.) _
Odessa, 3. Juli. Der Stadthauptmann benachrichtigte die Einwohner durch Maueran» schläge, daß die durch die Anwesenheit der Panzer drohende Gefahr vorüber sei; er fordere sie auf, ihre täglichen Beschäftigungen wieder aufzunehmen.
Bukarest, 3. Juli. Aus Constanza wird gemeldet: Der Matrose Grigori Rohsten befer- fierte vorn „Potemkin". Er erklärte, seit drei Tagen habe die Mannschaft nicht gegessen. Kohle und Schmiennaterial fehle vollständig. An Bord berrsche Anarchie. Acht entwaffnete Offiziere führen alle Befehle der Meuterer unter Drohung mit dem Revolver aus. Fünfhundert von den siebenhundert Matrosen wollen sich ausschiffen. Der Rest besteht auf der Rückkehr nach Rntzlan!-. Die Lage ist ernst.
Ans Constanza wird von gestern Mittag IVa Uhr gemeldet: Der „Knjäs Potemkin" verließ die rumänischen Gewässer. Die Meuterer hinterließen Briefe an die Konsuln, in denen sie erklären, sie wollten keine Sckisfe angreifen, sondern abdampfen, um mit Rußland Krieg zu führe«. Die Meuterer haben Kohlen für einen Tag, Zwieback und 2000 Geschosse an Bord.
Während des Aufenthalts des „Knjäs Potemkin benachrichtigten die Matrosen die Be- Hörden Kiistendsches, daß viele von der Besatzung geneigt seien, sich zu ergeben . und beschlossen hatten, sobald das Schiff das offene Meer erreicht hätte, es zu verlassen und ans Ufer zu schwimmen. Daraufbin ist das von den Behörden vorbereitete Rettungswerk, dadurch, daß die gesamte Bemannung mit dem Panzer weiter- dampfte, unnötig geworden. Die Haftung der Mannschaft war während des Aufenthalts des Schiffes in den rumänischen Gewässern eine völlig ruhige. Die Anwesenheit deS „Knjäs Potemkin" gab Dank der tatkräftigen, aber humanen Halttmg der rumänischen Regierung keinen Anlaß zu einem Zwischenfall.
Petersburg, 3. Juli. Den „Nowosti" zufolge ist Graf Jgnafiew mit außerordentlichen Vollmachten nach Odessa beordert worden.
Odessa, 3. Juli. Hellte wurde in mehreren großen Fabriken die Arbeit wieder ausgenommen. Der Generalgouverneur gestattete in allen Stadtteilen, guSgenominen auf dem Niko- lajew-Borlsevard, den freien Verkehr. Zwanzigtausend Arbeitslosen wird durch die Auf- räurniingsarbeiten am Hafen Arbeit gegeben. Von den Behörden wird demnächst die Zahl der Verwundeten und Getöteten bekannt gegeben. Der Torpedobootszerstörer „Smetliwiy" erhielt
„Und wenn ich Dir erkläre, daß ich die Einsamkeit nicht ertrage?"
„Ist es einsam, wo Du den Gatten und den Sohn hast? Lebe doch für uns beide."
„Ich vermag es nicht, wenn Du mich wie eine Gefangene hältst. Noch nie habe ich mir etwas abtrotzen lassen! Frage Onkel Paul, ob ich es jemals tat."
„Was kümmert es mich, wenn er Dich nicht zu lenken verstand? Meinem Willen wirst Du gehorchen, denn der ist kein schwaches Rohr, das zarte Frauenhände biegen können, wie sie wollen."
„Und warum zwingst Du mir diesen eisernen Willen auf?" .
„Das hörtest Du bereits."
„Diese Gründe lasse ich nicht gelten. Du wußtest, daß ich mich nie als zierliche Dame be» nahm. Und gerade das gefiel Dir."
„So lange Du Paul Hellers Nichte und noch nicht meine Gemahlin warst."
In diesem Augenblicke klopfte es und Joses brachte einen Brief, den Susanne öffnete.
„Nächsten Sonnabend Souper und Ball keim Rittergutsbesitzer von Romberg!" rief fie. „Da nehmen wir an!"
„Nein, mir lehnen ab."
„Aber Georg, wenn ich Dich bittet
„Wir lehnen ab!"
„Rombergs sind doch Deine besten Bekannten."
„Einerlei! Wir bleiben zu Hause."
„Gut! Wie Du befiehlst!" preßte sie mit zorn- bebender Stimme hervor. „Ich werde heute noch absagen."
Es wurde nichts mehr über die Sache gespro- chen. Einige Tage später klagte die Baronin über Unwohlsein und erklärte am Sonnabend, nicht ausstehen zu können, da sie sich sehr leidend fühlte. Man holte Doktor Brann, welcher keine
Befehl, den „Knjäs Potemkin" aufzusuche«, und ihn durch Torpedos zum Sinke« zu bringe«.
Die Aufstandsbewegung Z
nimmt immer mehr bedrohliche Formen an, besonders in den Hafenstädten und unter den Matrosen der Kriegsmarine, über welche die Borge« fetzten anscheinend jede Gewalt verloren haben.
Kronstadt, 3. Juli. (W. B.) An Bor« des Kreuzers „Minin" sind ernste Unruhe» aus- gebrochen. Die Mattosen beschlossen, das Jnfee- gehen des Kreuzers mit den anderen Schissen des Uebungsgeschwaders mit allen Mitteln zu verhindern. Die Besatzung wies auf das Alter und den schlechten Zustand des Kreuzers hin, der nicht nur unfähig sei, an den Schießübungen, sonder« sogar an der einfachen Fahrt teilzunehmen. ES sind Maßregeln gegen die aufwieglerische Bewegung ergriffen worden. Der „Minin" wurde durch Schleppdampfer bis zum brüten Fort von Kronstadt in See geführt, wo er verblieb. I« der Stadt herrscht Ruhe. Die stteikenden Arbeiter nahmen die Arbeit wieder auf.
Petersburg, 3. Juli. HafenarBoit«! aller Art im Petersburger Seehafen sind heute ausständig. Jeglicher Geschäftsverkehr stockte. Aus Kronstadt verlautet: Heute Nacht sei ei» Linienschiff ohne Offiziere in See gegangen. Einzelheiten fehlen. Im Hafen liegen nur bet alte Panzer „Imperator Alexander II." und bet ganz neue Panzer „Slawa".
Petersburg, 2. Juli. Die Meuterei i» Libau ist vollständig niedergeschlagen. Die meuternden Matrosen, welche die Kasernen demolierten und Offiziere mißhandelten, sind geflüchtet.
Libau, 2. Juli. Während des Zusammenstoßes mit den Matrosen wurde ein Schifssfähn- rich verwundet, zwei Matrosen getötet und brä verwundet. Die Meuterei der Matrosen ist infolge der schlechten Kost veranlaßt. Es geht ba3 Gerücht, daß eine große Anzahl Matrosen sich verborgen halten, nachdem sie sich der Feuerwaffen des Zeughauses bemächtigt haben. Die Kosaken sind ausgeschickt worden, sie aufzusuchen.
Petersburg, 3. JE. Die Brandftif- htngen nehmen, wie der „V. Z." nnterm 3. JE gemeldet wird, in erschreckendem Maße zu. Heute sind drei Brandstiftungen vorgekommen, barunter in der großen Parkettfabrik von Bellajew, wo seit 7 Uhr früh zehn Dampfspritzen in Tätigkeit sind. Der Schaden beträgt eine halbe Million Rubel. ' !
Petersburg, 3. JE. Ausständige Ar. beiter, Weiber und Strolche lagern auf be« Plätzen und Straßen von Kronstadt. Auf dem Linienschiffe „Imperator Alexander TL" hatte» am Sonnabend Nachmittag grobe Auflehnungen seitens der Besatzung gegen die Offiziere ftatfge- funben. Durch sofortiges energisches Einschreiten, gegen die Besatzung wurde bew'r'kt. daß der Vorfall keine weiteren ernste Folgen hatte. Si&auet; Nachrichten zufolge gab es bei der dortigen Matrofeurebolte über 200 Tote.
=......s-TE-S
Symptome einer ernstlichen Erkrankung zu entdecken vermochte und nur Ruhe empfahl.
„Ich bitte Dich, laß mich allein, Georg," sagte Susanne, als er Miene machte, bei ihr zn bleiben. „Ich will- schlafen. Lege Dich auch zn Bett."
„Hoffentlich geht es Dir morgen wieder besser."
„Ja, ja, gewiß! Gute Nacht!" Sie wandt« den Kopf gegen die Wand. Ich bin todmüde."
„Nun, dann träume süß."
Dieser Wunsch klang ziemlich ironisch, aber dergleichen war man ja an Dunois gewöhnt. „Gute Nacht!" wiederholte er. „Mir geht c3 wie Dir. Ich könnte stehend einschlasen. Ta? muß wohl in der Lust liegen."
20. Kapitel.
Susanne richtete sich von dem Lao lauschte. Sie hörte die schweren, üw. i Schritte ihres Satten auf dem Korridor vev hallen. Eine Türe wurde geräuschvoll geschlossen. Noch über eine halbe Stunde wartete bi« Baronin, bann wurde leise geklopft und Annette, die ttanzösische Kammerjungfer, erschien auf bet Schwelle und flüsterte: „bet gnädige Herr schläft berests. Man vernimmt keinen Laut."
„Ach Gott, Annette, ob ich es nicht doch Heben laste? Mir oeben die Glieder. Wenn e-' käme — es wäre entsetzlich!" 1
»Nur keine Angst, gnädige Frau! Ich hobst bis jetzt angeftrenut gehorcht, aber nichts gehört« Nur schnell! Ehe der Morgen anbricht, rn» Frau Baronin wieder zurück. Ich bleibe natürlich wach und öffne die Gartentüre Nr. 6."
Du sollst reichlich für Deine verlorene Nacht« ruhe entschädigt werden." I
Susanne riß hastig den Kamm aus ihreutz kupferroten Haar. Gewandt ordnete die Fran-