mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.
A'
M 153
'mir '-■r-sac&ja
Vierteljährlicher Bezugspreise bet oct Exf^dition L Lf&, bet allen Postämtern 2,25 Mk. (epi, Bestellgeld).
Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile ovcr deren Raum 10 Pfg, Rcclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Sonntag, 2. Juli 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UniberfMS-Buchdruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites M-M.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Neueste Telegramme.
Berlin, 1. Juli. Die vom „B. T." berbrei- tete Meldung von einer bevorstehenden Verlobung des Prinzen, Eirel-Friedrich mit der Prinzessin Alexandra von Schaumburg-Lippe bestätigt sich, wie zu erwarten war, nicht. Ueberhaupt ist nach der „Staatsbürgerzeitung" eine Verlobung des Prinzen noch nicht einmal diskutiert worden.
Münster, 30. Juni. Der kommandierende General Vissing hat heute Revision gegen das Urteil des Oberkriegsgerichts gegen Bachstein eingelegt. Das Disziplinarverfahren ist unzulässig, bevor das Reichsmilitärgericht gesprochen hat.
Leipzig, 30. Juni. Von sechs in Vorschlag gebrachten deutschen Professoren wurde als einziger der bekannte Chemiker und Naturphilosoph Geheimrat Ostwald zu einem Vorlesungszyklus an die Harvard-Universität zu Cambridge berufen. Er reist Anfang Oktober dorthin ab.
Triest, 30. Juni. Der Oesterreichische Lloyd hat den Dienst nach Odessa infolge der dortigen Ereignisse bis auf weiteres eingestellt. Nach Mel- düngen aus Konstantinopel haben auch die französischen, italienischen und russischen Schiffahrtsgesellschaften die Fahrten nach Odeffa unterbrochen.
, Rom, 30. Juni. Der Senat nahm in geheimer Abstimmung mit 80 gegen 8 Stimmen die Vorlage über Vermehrung der Ausgaben für die Kriegsmarine an.
Paris, 30. Juni. Der Ministerrat ist heute Morgen int Elysee zusammengetreten. Ministerpräsident Rouvier hat dort über den Stand der Unterhandlungen in der marokkanischen Frage Aufschlusz erteilt, die in zufriedenstellender Weise ihren Fortgang nehmen.
Amsterdam, 30. Juni. Der „Telegraaf" meldet aus Batavia: Der russische Hilfskreuzer „Terek" ist abgerüstet worden, da er wegen Arbeitsverweigerung der Kulis nicht im Stande war, in Tandjong Piok die nötigen Kohlen innerhalb der vorgeschriebenen Zeit zu nehmen. Das holländische Panzerschiff „Hertog Hendrick" ist auf ein Riff aufgelaufen. Der Panzer „Zre- land" sucht ihn abzuschleppen.
Von den „National"-Sozialen.
Wir haben nie aus unserer Ueberzeugung ein Hehl gemacht, daß die Partei derer um Naumann, von Gerlach und Barth das Wörtchen „national" nur im Schilde führe, um den politischen Charakter der Partei für zahlreiche Mitläufer annehmbarer zu machen, die sich wohl hüten würden, Gefolgsdienste zu leisten, wenn die demokratischen Pläne der sog. „National"- Sozialen für jedermanns Einsicht offen zutage lägen. Diese unsere oft wiederholte und durch zahlreiche Beispiele bewiesene Behauptung ist natürlich von der gegnerischen Seite jedesmal
56 i'Noctlbruck verboten.)
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Coronh.
(Fortsetzung auS dem 1. Blatt).
Man glaubte zu bemerken, daß der Baron seltsam müde und- zusammengesunken neben ihr lehrte, daß er nur mechanisch und wie gefftesab- wesend an den Hist griff, um die Grüße der am Wege Stehenden zu erwidern. Die junge Frau Baronin dankte fast nie, sie schlug höchstens mit den Peitsche nach den Kindern, die nicht schnell genug wegliefen. Einmal tat sie daS auch, als ein Betrunkener des Wegs daher wankte und Miene machte, sich den Pferden in den Weg zu stellen.
< , „Fort da!" herrschte sie ihn an, und als er nicht gehorchte, sauste ein Peitschenhieb durch die Luft und zeichnete seine Stirne wie mit eh -m Brandmal.
„Warte nur — warte. Tu rote Hexe! Du — Tu •** Du •*>*
' Dis letztest Worte erstorben Stupp gurgelnd rn der Aehle, Das Gefährt war ja auch schon west weg. Er aber wälzte sich im Straßenstaube, biß sich in! die geballten Hände und lallte halb- erstickte Flüche, bis der Lammwirt ihn bei beiden Armen Packte, emporriß und ihn in einen Schuppen schleppte mit den Worten: „Da schlaf Deinen Rausch aus, verwünschter Trunkenbold. Kehlte weiter nichts, als daß Du inich noch mit •er Herrschaft auseinander brächtest, der ich alles ins Schloß liefere.*
mit einem großen Aufwand sittlicher Entrüstung und in Ermangelung glaubhafter Gegengründe gewöhnlich mit einigen hochtrabenden aber nichtigen Phrasen „zurückgewiesen" worden. DaS Wörtchen „national" ist eben nur eine notdürftige Bedeckung für die Blöße des Mangels monarchischer Gesinnung, den die „National"- Sozialen nicht gern vorzeitig sichtbar werden lassen wollen. Daher auch der Aeraer, wenn bei Gelegenheit die nationale Maske unfreiwillig gelüftet wurde. In letzter Zeit scheint man übrigens verschiedentlich die bisher in dieser Hinsicht geübte Zurückhaltung aufgeben zu wollen, da man wohl zur Erkenntnis gekommen ist, daß es anständiger ist, das Parteischifflein nicht mehr unter falscher Flagge segeln zu lasten, sondern offen die rote Fahne der Demokratie zu zeigen. Wenigstens haben da? die „National"- Sozialen inBaden getan. In ihrem aus Anlaß der dort im Herbste bevorstehenden Landtagswahlen erschienenen Wahlaufrufe haben sie erklärt, daß die „Nationalsozialen unbedingt Anhänger der demokratischen Fortentwicklung unserer Institutionen" sind, d. h. man bestätigt damit unsere ebenfalls oft dargelegte Behauptung, daß jene Partei eine Schwächung bet mon archischen Gewalt erstrebt, wie wir sie in den deutschen Staaten verfassungsrechtlich besitzen. Die „National"-Svzialen gehen also, wie hier erneut bewiesen wird, auf die Demokratisierung der Regierungsgewalt aus, sie wallen die Rechte der Krone beschneiden und arbeiten auf die Herbeiführung des parlamentarischen Systems hin, nach dem eine man weiß nie mit welchen Mitteln gewählte Abgeordnetenversammlung die Regierung führt und dem Monarchen die Wahl der Minister und sein politisches Handeln vorschreibt.
Derartige Grundsätze sind durchaus antimonarchisch. Für jeden, der irgend einen Diensteid geleistet hat, der ihn zu Königs- treue und Erhaltung der gegenwärtigen staatlichen Einrichtungen auf ihrer monarchischen Grundlage verpflichtet, ist dementsprechend die Zugehörigkeit zu einer solchen demokratisch-republikanisch gesinnten Partei, die sich von der Sozialdemokratie nur durch den Namen und durch die nur öffentlich zum Teil roch geübte Zurückhaltung unterscheidet, eine selbstverständliche Unmöglichkeit.
Die oft betonte W ahlverwandtschaft zwischen „National" - Sozialen und Sozialdemokraten beleuchtet eine Glanzleistung eines intimen Gesinnungsgenossen des nationalsozialen Führers Naumann, des früheren Pfarrers K o e tz s ch k e, der in der „Europa", einem Berliner sozialdemokratischen Skandalblatte, einen Angriff auf das Hohenzollernhaus ausgeführt hat, der sich dem Sudelwerk des ehemaligen „Nationale- Sozialen Maurenbrecher über die „Hoherizollernlegende" „ebenbürtig" an die Seite stellt. Der auS der „national"-sozialen Schule hervorgegangene Herr Pfarrer schreibt:
Krachend fiel die Türe des Schuppens zu. knirschend drehte sich der Schlüssel in dem rostig gewordenen Schloß, dann blieb draußen alles still, aber drinnen raste Stupp weiter, schlug mit den Fäusten an die Wände und lallte wilde Drohungen, bis er endlich erschöpft mederfiel und regungslos liegen blieb.
Noch Monate lang dauerten die Bälle und Soupers im Schlosse und die Fahrten nach Köln; es trafen immer neue Toiletten von Paris ein, die an Extravaganz und Kostspieligkeit alles übertrafen — dann begann Dunois, des beständigen Trubels überdrüssig zu werden. Seine kranken, erschütterten Nerven bedurften der Ruhe.
„Mein liebes Kind," sagte er eines Tages, „wir werden uns jetzt zurückziehen müssen. So kann es nicht fortgehen, denn ich bin ein kranker Mann, der sich nicht zu viel zumuten darf."
Susanne sah ihn erstaunt an und entgegnete:
„Ich hasse die Einsamkeit, denn ich bin jung und will meine Jugend genießen. Du wirst doch nicht verlangen, daß ich in diesem alten, melancho- lischen Schloß wie hinter Klostermauern , lebe? Bleibe doch in Deinen Gemächern, wenn Dir das besser behagt. Horbell ist ja so groß, daß Du keine Störung zu befürchten hast, wenn ick nach wie vor Gäste empfange!"
„Ich will aber nicht, daß Du es tust!" erwiderte er. „Du bist mein! Deine Blicke, Dein Lächeln sollen nur für mich da fein. Du verschwendest sie an andere mehr, als es sich mit der Würde einer Freifrau von Dunois verträgt."
„Ah — bist wohl gar eifersüchtig, mein Lieber?* j .....
„Wo wird heute in Deutschland noch irgendwo ein Denkmal errichtet und eingeweiht, das nicht der Verherrlichung der Hohenzollern dient,. das den trotzigen Bürgersinn tzum Ausdruck bringt, der im Kampfe mit Adel und Fürsten die Städte groß gemacht hat? Wir wollen es unterlassen, alle die zahllosen Beispiele aufzuzählen, die den alles beherrschenden Einfluß der Hohenzollern in Preußen-Deutschland beweisen. Wir wollen nicht lang und breit erzählen, wie schon von der untersten Stufe der Volksschule an bis zum Kriegerverein im kleinsten Dorfe nicht nur die Hohenzollern der jüngsten Zeit, sondern fast jeder einzelne ihrer Vorfahren vom Volk als Muster von Weisheit wie von bürgerlicher Ehrbarkeit gepriesen werden. Hohenzollernhymnen werden ange- stimmt, wie fast in keiner früheren Zeitperiode.
Dabei ist es eine ausgemachte Tatsache, daß die Hohenzollern wie kaum eine andere Dynastie von jeher lediglich die Jntcreffen des Junkertums vertreten und die Rechte der Städte, des Bürger- tums wie der Arbeiter vernachlässigt haben. Wenn von Wilhelm II. etwas anderes behauptet wird, so fehlt dafür vorläufig noch der Beweis.
Nun könnte man sagen, der Monarchismus ist eine Schwärmerei, weiter nichts. Das trifft indes nicht zu. Dr. Maurenbrecher, hat ganz recht, wenn er in ''er Einleitung zu seiner Hohen- zollernlegende schreibt, der scharfe Monarchismus lähmt die politische Initiative und Tatkraft beS Volkes. Wenn das deutsche Volk unpolitischer ist als irgend ein anderes, viel zu viel vom Himmel der Regierung erwartet und zu wenig seine eigene Kraft anspannt, zu wenig Hand anlegt, um sich die Freiheiten und Rechte zu verschaffen, die es braucht, so ist daran der Monarchismus schuld, der bei uns so stark ist, wie kaum in irgend einem anderen monarchischen Lande. Die Hohenzollern haben es vorzüglich verstanden, im Verein mit dem Junkertum das Bürgertum von der Macht fernzuhalten und feine politischen In- fünfte einzuschläfern. Das preußisch - deutsche Bürgertum ist noch nicht aus der Lethargie erwacht und noch nicht von dem Bewußtsein durchdrungen, daß Krone und Junkertum lediglich dazu da sein dürfen, den Willen des Bürgertums zu vollstrecken.
Wir fürchten, auch die sozialdemokratische Arbeiterschaft hat noch nicht die politische Energie, die dazu nötig ist, sich die Stellung im Staate zu verschaffen, die sie verlangen kann. Aeußerlich gebärden sich in der Sozialdemokratie viele Elemente sehr revolutionär. Wenn eI aber, einmal darauf ankommt, die Volksrechte gegen die herrschenden Klassen zu verteidigen, wie jetzt in Ham- bürg und Lübeck oder wie vielleicht einmal gegen die Krone im Deutschen Reiche, so beschleichen einen zuweilen leise Bedenken, ob die Sozial- demokrafte das nötige politische Geschick und die erforderliche revolutionäre Energie besitzt, die Re. voluiion von oben mit einem glänzenden Sieg von unten zu vernichten.*
Es fehlt jeder parlamentarische Ausdruck, um diese gehässige Verdächtigung des Hohenzollern- tums in verdienter Weise zu kennzeichnen. Dieser Angriff auf die Monarchie und ihren Vertreter ist wohl das stärkste, was bis jetzt von dieser „nationalen" Seite geliefert worden ist. Da müssen jedem die Augen geöffnet werden und für einen monarchisch und nationalgesinnten Menschen kann es keine Gemeinschaft mit derartigen Hetzaposteln geben, die mit Willen und Wissen eine Agitation betreiben, die zersetzend und auftührerisch zu
Sie lachte laut auf und streichelte ihm spöttisch mitleidig die Wange.
Er stieß ihre Hand zurück und rief hastig:
„Zu derartigen Späßen -bin ich nicht aufgelegt! Ich rede im Ernst.*
Da nahm ihr hübsches Gesicht einen häßlichen boshaften Ausdruck an und sie anttoortete unfreundlich:
„Nun, dann will ich Dir auch im vollen Ernst sagen, daß es mir gar nicht einfällt, mich solchen Launen zu fügen.*
„Du hörst doch, daß ich wieder leidend bin und Ruhe haben ivill."
„Dem steht ja nichts im Wege! Ziehe Dich nur zurück. Deshalb brauche ich an der gewohnten Lebensweise doch nichts zu ändern!"
„Sie muß aber mit der meinigen iiberein- ftimmen."
„Mit demselben Rechte könnte ich verlangen, bafj Tu Dich nach mir richtest."
„Nein, denn hier bin ich Herr! Was ich bestimme, muß auch für Dich gelten."
„Ich wüßte nicht, daß vor unserer Verheiratung von dieser Bedingung die Rede gewesen wäre. Wenn es Dir darum zu tim war, den Alleinherrscher zu spielen, so hättest Du nicht um mich werben, sondern Dir eine Wirtschafterin und Krankenpflegerin nehmen sollen. Mir fehlen Geschick und Neigung zu solchem Berufe.*
„Itnb vor allem das Herz!"
„Möglicherweise auch dieses. Habe ich mich Dir gegenüber je bester gemacht, als ich bin?"
„Du bist mir Dank schuldig!" ,
wirken bestimmt ist. Die Sozialdemokratie , ist gefährlich, weit gefährlicher und schlimmer sind aber diese Gegner, die sich als Volksfreunde und Patrioten aufspielen, dabei die einzelnen Volks- kreise unter sich verhetzen, gegen Königtum, Staat und Kirche wühlen und alles Hohe und Edle bet Nation in den Staub zu ziehen bemüht find. Gegen dieses Treiben muß auf der ganzen Linie Front gemacht werden. —s.
Die Unruhen in Rußland.
Die Meuterei in Odeffa.
Die beispiellosen Vorgänge in Odessa nehmen nach wie vor das Interesse in Anspruch, zumcck sie vermutlich mit einem schlimmen Ende abschließen werden. Ein Kampf russischer Schiffe gegen russische Schiffe steht bevor! Die neuesten Telegramme melden:
Tie Londoner „Daily Telegraph" veröffent- licht folgende aus Odessa von Mitternacht datierte Depesche: Das Schlachtschiff „Potemkin" feuert weiter auf die Stadt. Die von Ssewasto- pol erwartete Flotte ist noch nicht in Sicht.
London, 30. Juni. Wie aus Petersburg hierher berichtet wird, erklären die bärtigen Behörden, daß Odeffa sich in den Händen der Revolutionäre befindet, und daß der Pöbel die Stadt beherrscht.
London, 30. Juni. Eine Depesche aus Odessa die von heute zehn Uhr vormittags datiert ist, besagt, daß das Bombardement gestern Abend wieder begann. Das Ergebnis ist bisher nicht bedeutend. Eine Erneuerung des Feuers drohte heute Vornnt„.g.
Loudon, 30. Juni. Aus Odessa wird gemd- bet: Den Truppen ist es enblich in .später Abendstunde gelungen, die Oberhand über die aufständische Bevölkerung zu erringen. Die Stadt steht teilweise in Flammen. Die Matrosen mehrerer anderer Schiffe machen mit der Mannschaft des „Potemkin" gemeinsame Sache. Man erwartet einen schweren Kampf zwischen dem „Potemkin" und den Kriegsschiffen deS Schwarzen- mecrgeschwaders.
Odeffa, 80. Juni. Bei der Beerdigung deS getöteten Omeltschuk, die durch ungefähr zehn Kameraden erfolgte, fanden politische Kundgebungen statt. Bei der Rückkehr von der Beerdigung wurden die Matrosen verhaftet. DaS Panzerschiff „Fürst Potemkin" feuerte darauf zwei blinde Schüsse ab, dann einen scharfen Schuß, der beim Aufschlagen abprallend ein Pri- vatgebäude traf und darin Verwüstungen an- richtete. Daraufhin wurden die Matrosen wieder freigelaffen. Die Zugänge zum Hafen sind durch Truppen abgesperrt. Die Feuersbrunst im Hafen ist erloschen; einige Küstenfahrzeuge sind teilweise verbrannt. Die ausländischen Schiffe sind unversehrt. Das Zollamt ist geschloffen und bet Hafenverkehr eingestellt. Das Geschäftsleben ifl der Stadt ist vollständig gestört.
Washington, 30. Juni. Der amerikanische Konsul in Odessa meldet dem Staatsdepartement in einem Telegramm, daß das Geschtvader von Sewastopol heute Mittag in Odessa eingetroffen ist, und das Kriegsschiff „Kiijaes Potemkin" sich unmittelbar darauf, ohne einen Schuß abzugeben ergeben hat. Das Schießen in der Stadt hörte bald nach Ankunft des Geschwaders auf.
Die revolutionäre Arbeitcrbeweanug.
Kronstadt, 30. Juni. Der Ausstand ist aus- gebrochen, an dem mehrere tausend Arbeiter os-
„Wofür denn? Ich war keine Bettlerin, son- dern ein wohlhabendes und viel umworbenes Mädchen. Du gabst mir einen vomebmen Namen als Preis für meine jugendfrische, ferng-.üinbe Persönlichkeit, und verlangtest von mir nichts weiter, als daß ich den Frohsinn in Dein finsteres Haus tragen sollte. Ich habe mehr als das getan, ich machte Dich glücklich und gab Dir den in Deiner ersten Ehe vergebens ersehnten Sohn.*
„Ich opferte Dir dafür meine Tochter.*
„Ah — bläst der Wind von der Seite? Du möchtest Viktoria, die beständig auf Kriegsfuß mit Dir und mir stand, wohl gar zurückrufen?*
„Ich rufe nie jemanden zurück, der freiwillig geht. Von Dir aber verlange ich, daß Du fünf« tig für mich und Dein Kind lebst. Wage es nichtz mir zu trotzen! Noch keiner bat es ungestraft versucht. Bedenke das, Susanne!"
Er erhob drohend die Hand. Ein jaheß Grauen packte das junge, kampfbereite Weib 1 nH zwang es zu momentaner Nachgiebigkeit. Sich wagte nicht, länger zu widersprechen, denn eiH dumpfes Angstgefühl ließ sie befürchten, diese ari stokratisch geformten Hände, unter deren weiße Haut die Adem so dick und blau anschwollen müßten ihr im nächsten Augenblick die Kehle zu schnüren. Scheu und stumm schlich sie aus den Zimmer.
Wochenlang war es einsam im Schlöffe. Ts Freiherr litt wieder an unerträglichen Kopf schmerzen und duldete nur Josef in seiner Näh» Die Baronin hörte den Leidenden oft stöhnet» und wüten, aber seine Gemächer waren des schlossen. ■, - (Fortsetzung folgt.)