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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.

J2151

Vierteljährlicher Bezugspreis: bei der Expedition 2 Mk, bei allen Postämlern 2,25 Mk. ;ejcl. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile vder deren Raum 10 Pfg.

Reclamen: die Zeile 25 Pfg.

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Marburg

Freitag, 30. Juni 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag' Ioh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Bestellungen für das dritte Quartal auf die .Oberhefsifche Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch­hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegengenommen.

Neueste Telegramme.

Berlin, 28. Juni. Von angeblich gut unterrichteter Seite wird demB. T." mitge­teilt, die Verlobung des Prinzen Eitel Friedrich, des zweiten Sohnes des deutschen Kaiserpaares, mit der Prinzessin Alexandra zu Schaumburg- Lippe stehe unmittelbar bevor. (?)

Berlin, 29. Juni. Das deutsch - spanische Handelsabkommen vom 12. Februar 1899 wurde vom deutschen Botschafter in Madrid für den 1. Juli 1906 gekündigt.

Eisenach, 29. Juni. Hier fand gestern eine Sitzung des Finanzausschusses der deutschen Eisenbahnkonferenz statt. Die Organisation eines Gemeinschaftsamtes dürfte nun gesichert sein. Auch in den Fragen der Betriebsmittel­gemeinschaft soll in den Hauptpunkten finanzieller Natur eine Einigung erzielt sein.

Kikl, 28. Juni. Der Kaiser ernannte Admiral von Köster, Chef der aktiven Schlacht­flotte und General-Inspekteur der Marine, zum Großadmiral.

Wien» 28. Juni. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute die erste Lesung des Handels­vertrages mit Deutschland. Die Vorlage wurde dem Zolluusschuß überwiesen.

Wien, 29. Juni. Im Wehrausschuß gab der Kriegsminister Schönaich auf eine Anfrage die Erklärung ab, daß die Kriegsverwaltung trotz der Vorgänge in Ungarn dafür gesorgt habe, daß die Bündnisfähigkeit und die Wehr­kraft des Reiches ungeschwächt aufrecht erhalten bleiben.

Madrid, 29. Juni. Der Besuch des Königs Alfons von Spanien in Berlin und Wien soll, wie der Madrider Berichterstatter derDaily Mail" wissen will, im September stattfinden. Der Kaiser habe den König Alfons einzeladen, den Herbstmanövern bei Hamburg beizuwohnen.

Petersburg, 28. Juni. Das Sonderab- kommen, das in Ausführung des Artikels 12 des Staatsvertrages zwischen Deutschland und Rußland wegen Herstellung einer Eisenbahn­verbindung zwischen der preußischen Staats­bahn bei Herby und der Herby - Czenstochauer Eisenbahn am 16. März in Kattowitz abge­schlossen tvorden ist, wurde hier am 24. d. Mts. ratifiziert.

53 (Nachdruck verboten.)

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. C o r o n Y.

tFoitsetzung.)

Viktoria bleibt auf Schloß Horbell! Sie hat das Alter noch nicht erreicht, wo man selbst­ständig über sich verfügen darf, wird also bis auf weiteres auch ferner hier verweilen und es mei­ner Braut gegenüber an Achtung und Zuvor­kommenheit nicht fehlen lassen. Was Ihre Ab­reise betrifft, gnädige Frau, fo steht derselben natürlich nichts im Wege."

Davon kann also nicht mehr die Rede sein. Von meiner Enkelin trenne ich mich nicht. Nie­mals!" , .

Tas sieht in Ihrem Belieben. Haben Sie mir wnsi noch etmas zu sagen?"

Ich habe Sie zu warnen vor einem Schritt, der Ihnen Ihr Kind gänzlich entfremden muß."

Tie Liebe meines Kindes war mir längst ge- nommen! Viktoria übt keinen Einfluß mehr auf meine Entschlüsse aus, wohl aber hat sie sich ihnen zu fügen. Und ich möchte es niemandem raten, das Mädchen zum Widerstand und Ungehorsam .fernerhin aufzureizen! Weitere Worte über die Angelegenheit sind wohl unnötig, gnädige Frau. Mein Vorsatz ist unerschütterlich."

So war es auch. Alle die dringenden Bitten und Vorstellungen der Baronesse vermochten nichts über Dunois, der ganz unter dem Banne einer jäh erwachten Leidenschaft stand.

Vergebens erklärte Viktoria:Ich werde mich nie darein finden, diese Fremde an Stelle meiner Mutter walten zu sehen!" Vergebens flehte sie: Mache diese unselige Verlobung, die bis jetzt nur i,n engsten Familienkreise bekannt ist, rück­gängig und müßte unser ganzes Vermögen da- für geopfert werdens" ... , . . ;

England und die deutsche Flotte.

Im Anschluß an einen Artikel über die eng­lische Deutschenhetze, den wir Ende voriger Woche brachten, geht uns nachstehende Betrachtung aus unserem Marburger Leserkreis zu, , die zeigt, welche Gegenströmungen das feindliche Verhal- ten der englischen Presse hervorzurufen im Stande ist:

Täglich können wir heute in der Presse des Auslandes die Federn jener englischen Liga er­kennen, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, Deutschland zu verhetzen. Die unglaublichsten Lügengerüchte werden von jenen Ligisten in die Welt gesandt, um die deutsche Politik, den deut­schen Kaiser, den deutschen Kaufmann, kurz ganz Deutschland lächerlich und verhaßt zu macken.

Was aber ergibt sich für uns Deutsche dar­aus, daß diese Deutfchenhetze jetzt zu einem Sy- stem Englands geworden ist? Die Beantwortung dieser Frage erfordert erst die Beantwortung einer zweiten Frage: Was ist der Grund dieser Deutfchenhetze? Die einfachste Antwort auf diese zweite Frage dürfte lauten: Ohnmächtige Wut! Das Volk, das sich im Laufe der Jahr- Hunderte durch intriguante Politik ein Viertel der Welt zusammengeschachert hat, sieht eine Bruder­nation im ehrlichen Wettbewerb mit Niesenfort­schritten sich über die Welt ausbreiten, sieht, wie ihm durch den nicht so blasierten, sondern äußerst strebsamen Deutschen Handel und Verkehr all­mählich abgerungen wird. Mögen wir Hinsehen nach Ostasien, Aegypten, Marokko, Südamerika oder zur Türkei, überall sehen wir den englischen Kaufmann langs...n, aber stetig, durch , den deutschen verdrängt werden. Kein Geheimnis ist es ja mehr, daß die englischen überseeischen Per­sonendampfer trotz der enormen Unterstützungen, deren sie vom englischen Staate teilhaftig wer­den, sich bald kaum noch halten können, während die deutschen Dampferlinien seit längerem Mo­nate lang vorher bis auf den letzten Platz bereits belegt sind, so daß die deutschen Dampfer oft kaum den Andrang zu bewältigen vermögen, i>er besonders von Amerika ans stattfindet. Nicht ganz unerwähnt wollen wir auch lassen, daß die Zahl der Unglücksfälle bei der Bedienung der Geschütze auf englischen Kriegsschiffen unter Fachmännern ein Kopfschütteln erregt, das nur wenig danach anssieht, als ob man mit dieser englischen Warenart sehr zufrieden sei. Mag man nun sagen, was man will, das einst weit- beherrschende Albion ist nicht mehr den Aufgaben gewachsen, welche die Neuzeit stellt. Die traurige Einsickt dessen und die ohnmächtige Wut, dem auf dem Weltmarkt vordringenden deutschen Volke keinen ebenbürtigen Eifer, kein ebenbür­tiges Können entgegenstellen zu können, treibt die Engländer dazu, ihre alten politischen Waffen auch gegen dieses unbequeme deutsche Volk her­vorzusuchen.

Was also ist und muß daher nur unsere Auf­gabe fei»? Dem Schreckgespenst Flotte einen ebenbürtigen Gegner in der Form einer gleich­wertigen Flotte entgegen zu setzen. Der Ein­wurf:wir haben kein Geld dazu" darf nicht aufkommen: denn er ist unwahr. Wir haben

Zornig befahl ihr der Freiherr, zu fchweigen, er weigerte sich auch entschieden, sie mit der Groß­mutter fortziehen zu lassen:denn das," sagte er, würde Susanne bitter verletzen und von ihr mit Recht als Beleidigung empfunden werden."

Willige doch in unsere Abreise. Ein Vor­wand ist leicht gefunden," preßte Viktoria, sich mühsam beherrschend, hervor.Erspare es Deiner Brant, mir gegenüber zu stehen. Wir vertragen uns so wenig, wie Feuer und Wasser. Wo meine edle, unglückliche Mutter wandelte, da mag ich einer Susanne Heller nicht begegnen, und geschähe es dennoch, so würbe ich vielleicht nicht umhin können, ihr schonungslose Wahrheiten zu jagen. Denn nichts verabscheue ich mehr, als Eigennutz und Gemeinheit."

.Schweige, herrschte der Baron sie an.Du sprichst von der künftigen Schloßherrin, der Du eine ehrfurchtsvolle und ergebene Tochter zu sein hast!"

Die Herrin von Horbell und Deine Gemahlm wird sie ja wohl werden, dagegen vermag ich nichts, wie mir jetzt leider klar wird' Aber kein? Macht der Welt soll und kann mich zwingen, Ge­fühle zu heucheln, von denen meine Seele nichts weiß. Vor Fremden werde ich ihr aus Rücksicht auf meinen Vater mit Achtung begegnen: aber nie möge sie es wagen, mich unter vier Augen herauSzufordern, denn dann könnten Dinge zur Sprache kommen, die ihr die Schamröte ins Ant­litz treiben müßten."

Unterstehe Dich nur, Deine Stiefmutter zu bekchimpsen! Dann sollst Du erfahren, wer hier Herr im Hause ist!" brauste Dunois auf.

Ohne ein Wort der Erwiderung ging Viktoria hinaus, aber ein wilder Aufruhr tobte in ihrem Innern.

Es trieb sie fort aus dem Schlosse.

Silbern glänzte der hart gefrorene Boden, über welchen sie schritt, silbern schimmerten die

das Geld dazu, oder sollen und wollen uns von den Japanern beschämen lassen, die in 10 Jahren ein Heer und eine Flotte aufgebracht haben, vor denen Rußland mit seiner dreifachen Ueberzahl an Menschen erzittern muß? Jahr für Jahr opfern wir Millionen und aber Millionen für soziale Aufgaben, Denkmäler, Luxusbauten, jeder einzelne legt sich eine Steuer auf in Form von Tabak- und Alkoholgenuß, und da wollen wir sagen, daß wir kein Geld für eine nichtige Flotte hätten?! Hören wir nur einmal wieder auf, soziale Einrichtungen, die erst noch durch lang­jährige Erfahrung ihre Existenzberechttgung, ihre Prosperität beweisen müssen, toie Pilze aus der Erde schießen zu lassen, überlassen wir nun ein­mal wieder, nachdem wir hierin einen gewaltigen Vorsprung allen Völkern gegenüber gewonnen haben, neue soziale Einrichtungen, zu schaffen privater Fürsorge, und kehren wir wieder zu der wichtigeren der nationalen Fürs arge zurück! Der Staat ist in Gefahr! Aus diesem Spiel mit Feuer in Englands Hand kann über­raschend schnell ein Fenerbrand in unserem Staatsgebände entstehen, und was dann, wenn wir unvorbereitet, ungerüstet sind. Hören wir nur, mit welchem Fiebereifer Roosevelt für den Ausbau einer gewaltigen amerikanichen Flotte eintritt, sehen wir, wie alle Völker bemüht sind, mit gewaltigen Kosten sich Flotten zu schaffen, und da sollten wir zurückbleiben, wir, die wir die zweite Stelle im Welthandel einnehmen? Es darf nicht sein, wir müssen Schiffe bauen, wir müssen von der Volksvertretung fordern eine Pe­tition an den Reichstag einzubringen und sie auch durchzubringen, daß so schnell wie möglich die Mittel bereit gestellt werden für einen größeren und ' bnelleren Ausbau unserer mari­timen Kräfte, als der augenblickliche ist. Wir stehen, wie 1862 vor einem Militärkonflikt, bald vor einem Flottenkonflikt. Seien wir weise, und bauen wir vor! Daß der Kampf gegen England allmählich unvermeidlich wird, sieht jeder ein, der einsehen will, und nur gefühlsduseliae Nolitiker, wie wir sie allerdings in unserer Presse noch öfter hören können, streiten ihn ab und meinen, wir sollten einen Pakt mit denVettern" jenseits des deutschen Meeres abschließen: das aber sind nur solche Herren, deren eigene Zeitungen von Lüge und Jntrigue strotzen. Glefch und gleich gesellt sich gern! Wir aber, die wir nicht eine sinnlose, sondern eine zielbewusste nationale Politik betreiben wollen, treten wir dafür ein, daß die soziale Tätigkeit von Staatswegen einmal wieder eingeschränkt, das Hauptaugenmerk wieder auf die nationale Tätigkeit, die Wehrbarmachung unseres Volkes durch eine starke Flotte, gelegt werde, denn die Zeit ist zu knapp, um noch viel verlieren zu können. Armeen könnte man in einigen Monaten durch Werbung zusammen- bringen, eine Flotte bedarf vieler Jahre, ehe sie vom Kiel bis zum letzten Knopf des Seesoldaten fchlagfertig ist.ch

Die Unruhen in Rußland.

lieber die Sage in Russisch-Polen wird dem L.-A." aus Warschau vom 28. Juni berichtst:

Zweige über ihrem Haupte. Einsam und still war es ringsumher!

Plötzlich befand sie sich vor dem Häuschen des Fabrikdirektors Walter. Die alten Leute weilten gewiß daheim. Ach, welch' wohltuender Friede mochte da drinnen herrschen! Freilich, Kummer und Leid waren Wällers auch nicht erspart ge­blieben, als Liesbeth dahinzuwelken begann, wie eine vom Rauh reif getroffene Rose. Wie cs der armen Kleinen wohl gehen mochte? Wie wußte es die Eltern kränken, daß nie jemand vom Schlosse nach ihrem Liebling gefragt! Die Haus­tür war nur angelernt. Unwillkürlich drückte die Baronesse sie ganz auf. Aus dem schmalen halb- dimklen Flur strömte ihr wie Heimatlust ent­gegen und zwang sie, noch einige Schritte vor­wärts zu gehen, bis zu d^m schmalen Türchen, das in ein kleines Entree und von da in die ge­mütliche Wohnstube führte und mit einemmal sie wußte selbst nicht, wie es kam batte Viktoria dieses ihr so wohlbekannte traute Zim­mer betreten und blieb verwirrt auf der Schwelle stehen. Herr und Frau Walter waren nicht allein. Neben dem Vater auf dem schwarzen Ledersofa saß Kurt, der jetzt überrascht aussprang: und Elisabeth sah die so unerwartet Kommende halb verlegen, halb erfreut an, lief ihr dann mit lochendem Gesicht entgegen und rief:Gnädiges Fräulein, wie schön, daß icb, kaum zu den Eltern zurückgekehrt, Sie begrüßen darf!"

Ich wollte mich nach Ihrem Befinden crkun- digen, Fräulein Lieschen. Sie waren recht krank."

O ja, recht recht krank. Aber nun bin ich wieder gesund und finde das Leben doppelt schön, weil es mir neu geschenkt wurde."

So wohltätig hat der Aufenthalt in dem ein­samen Pfarrhaufe auf Sie gewirkt?"

Er gab mir die volle Gesundheit wieder. Aber gar zu einsam war es dort nicht. Kurt kam

Der heutige Tag ist als erster für die Truppe» Mobilisation den hiesigen Bahnen avisiert toott den. Als Antwort des Volkes auf die Mobili fation wird für Sonnabend der Generalpreik i« Rußland proklamiert. Um 10 Uhr mcrgens ver­ließen alle Arbeiter die Gruben und Fabriken il Dombrowa, Sosnowice und Strzernieschitz, inde» sie den Generalstreik proklamierten. In Lod» verkündete heuteer Oberkommando. < der Trupc pen, Generalleutnant Schuttleworth, einen Er­laß, wonach während des Kriegszustandes jedi Versammlung auf den Straßen und Plätzen da Stadt strengstens verboten wird. Am Begräb­nis sollen nur Verwandte der Verstorbenen teiL nehmen und die Zahl der Begleiter polizeilich festgesetzt werden. Die Hausbesorger,müssen von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends die Haustor« bewachen. Personen, die nicht zu der ständige» Bevölkerung gehören, müssen die Stadt verlasse» wenn sie innerhalb drei Tage keine Beschäftigung finden können. Ankommende und abreisend« Personen sollen innerhalb drei Stunden gemeldet werden. Teehäuser dürfen nur von 6 Uhr mor­gens bis 8 Uhr abends geöffnet fein, Restaurants ersten Ranges bis Mitternacht. Alle, die Waffe» besitzen, sollen diese freiwillig auf der Polizei niederlegen. Wer später im Besitz von Waffe» betroffen wird, soll kriegsmäßig bestraft werde» Wenn jemand aus dem Innern der Häuser auf Militärpatrouillen oder die Polizei geschossen ha^ so sollen alle Einwohner ans dem Haus getriebe» werden und der Besitzer oder Verwalter vor dal Kriegsgericht gestellt werden.

Warschau, 28. Juni. Heute wurde in sämtz lichen Gruben und Fabriken des Dombrowaeh Bezirks die Arbeit eingestellt. Zur Zeit ist i» Warschau alles ruhig. Vor der Markthalle tötest ein Unbekannter einen Polizeiwachtmeister durch einen Revolverschuß.

Aus Kattowitz wird derFrkf. Ztg." vor gestern telegraphiert: Auf allen Werken unfc Gruben des Sosnovicer Jndustriebezirks fh-i heute die Arbeiter in den Generalstreik getreten, Auf den Werken werden rote Fahnen gehißt. Di, Bewegung trägt revolutionären Charakter, groß, Demonstrationsumzüge sind in Vorbereitung Die Beamten und Meister flüchten in große» Zahl nach Oberschlesien. ,

In einem auf rotfarbigen Flugblättern ge­druckten offenen Briefe an die deuftchen Arbeite»: im Königreich Polen fordert August Bebel, Ivie dieKattowitzer Zeitung" aus Sosnowice meldet, zur Solidarität mit den russischen Arbeitern im Kampfe gegen den Zarismus auf.

Meuterei auf einem russischen Kriegsschiff.

Odessa, 28. Juni. Als auf dem Panzerschiffe Polemkin" ein Matrose sich beim Kommandon- ten über schlechte Nahrung beklagte, zog der Kommandant den Säbel und zerschmetterte dem Matrosen den Kopf. Darauf wurde die ganz« Besatzung aufrührerisch. Der Kapitän und viele Marineoffiziere wurden getötet. DerPotemkin" schwimmt jetzt auf dem Schwarzen Meere. Di« meuterische Besatzung droht mit der Bombardie­rung Odessas, wenn ibr nicht Straflosikeit nach der Landung zugesiche.-t wird.

oft und auch Vetter Erich, der auf dem nahen Rittergute weilte. "

Bei den letzten Worten erglühten ElifabethS Wangen wie zwei Rosen.

Viktoria erinnerte sich des schlanken Siudentep mit den träumerischen Augen sehr wohl. El hatte also das unschuldige Herz feiner Kousin- - die aufhörte, zu lieben, wo sie nicht mehr achten konnte doch noch gewonnen. Wie selig könnt» das süße, artmutige Mädchen nun in die Zukunft schauen!

Die Baronesse mußte Platz nehmen und alt sie so zwischen den treuen, bewährten Fre: ider faß, war es ihr, als habe lange eine Eisrind, um ihre Seele gelegen und beginne nun ziz schmelzen. Fräulein von Dunois, die so stolz und verschlossen war, sprach offen aus, mit welch' Bit­terer Sorge, mit welch' unüberwindlichem Wider» willen sie der Gedanke an die beabsichtigte Ver­mählung ihres Vaters mit Susanne erfülle. i

Auch ich fürchte, daß nimmermehr Erfreu, liches aus dieser Verbindung hervorgeht," sagt« Kurt.Zwischen zwei eisenharten Charakteren muß es früher oder später zu Reibungen und Unfrieden kommen."

Aber auch hier können Nachsicht, Geduld unij versöhnende Liebe viel Gutes stiften," wandt« Hans Walter ein.Verhindern läßt sich de« Freiherr, wie ich ibn kenne, an einem Vorsatz nicht. Susanne hat Fehler: sie ist leidenschöstlich, eigenwillig, heftig, zuweilen sogar .boshaft: doöf glaube ich, daß es möglich wäre, einen,erziehen, fchen Einfluß auf sie auSznnben. _ Würde daß nicht eine schöne Aufgabe für Sie sein, gnädige? Fräulein?" , I

Eine schone Aufgabe, gewiß," erwiderte sie, iij.it zum Abschied die Hand reichend,aber keine, der ich gewachsen bin. Sie dürfen mich nicht überschätzen, bester Herr Direktor. Zu .einer, fi felbstverlengnenden Seelenaröße vermag ich mich