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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.

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Weiter wird aus Warschau von vor» gestern Sonntag, 24. Juni gemeldet:

Wie demKurher WarSzawSki" aus Lodz über die dortigen Straßenkämpfe ge­meldet wird, begann der Kampf, nachdem in allen Fabriken der Ausstand ausgebrochen war. An zwanzig Stellen der Stadt, wo Barrikaden errichtet waren, die die Höhe von zweistöckigen Häusern erreichten, kämpften gegen 60000 bewaffnete Arbeiter gegen vier Regimenter Infanterie, ein Kosaken- und ein Dragoner- Regiment, die General Exten befehligte. Die Barrikaden wurden von den Truppen mit Hilfe von Sappeuren gestürmt. Eine Infanterie- und eine Kavalleriedivision stnd zur Verstärkung der Garnison in Lodz eingerückt.

Lodz, 24. Juni. (W. B.) Die Gärung in der Stadt hält an. Es kam auch heute an verschiedenen Stellen zu blutigen Zusammen­stößen. Durch eine gegen eine Truppenabteilung geschleuderte Bombe wurden 4 Kosaken getötet und 16 verwundet. Von der Einwohnerschaft kamen heute acht Personen um, 12 wurden verletzt.

Lodz, 24. Juni. (W. B.) Auch während der Nacht kamen blutige Szenen vor. Fast ununterbrochen hörte man Gewehrsalven; es ereigneten sich schreckliche Vorfälle. Die Zahl der Opfer wird auf 2000 Tote und Ver­wundete angegeben; viele Militärpersonen sind gefallen. Zwei Bomben wurden geworfen; aller Betrieb stockt.

Die Stadt-Ambulanz wurde 240mal zur Hilfe aufgefordet, konnte aber nur die Hälfte leisten. Die Verletzten wurden meistens sterbend in die Spitäler gebracht und in Höfen und Korridoren auf den Boden uiedergelegt. tttn 2 Uhr nachts wurde aus einem Hause der Konstantinowskagasse auf Kasaken geschossen. Die Soldaten demolierten darauf das ganze Haus und töteten alle,Bewohner. Sechs Stadt­wagen fuhren beständig Leichen zum Friedhöfe. Die Zahl der Getöteten und Verletzten ist un­möglich definitiv sestzustellen. Der heutige Vor­mittag ist ruhiger verlaufen, für den Abend wird das schlimmste erwartet. Bisher nahmen an den Straßenkämpfen vier Infanterie-Re­gimenter, ein halbes Regiment Dragoner und ein Regiment Kosaken unter Befehl des Generals Exten teil. Heute trifft das Dragoner-Regiment Wloclawek und die sechste Division ein. Es wird eiligst Quartier in Lodz vorbereitet für 8000 Mann.

Korr." über die Auffassung der Lage in Berli» hinsichtlich obiger Frage folgendes:

Diese Frage kann erfreulicherweise von vorn­herein verneint werden. Es ist zwar nicht zu verleugnen, daß sich die G e gensätz ^ zwi­schen Berlin und Paris durch die französische Antwortnote von neue m'v erschürft habe« und zwar in einem Maße, das die Erregung in Paris, wenigstens in einem gewissen Sinne, recht fertigt. AnKriegist aberntchtzuden; f en, und es wird auch in absehbarer Zeit nicht daran zu denken sein, da weder das deutsche ao<J das französische Volk eine blutige Auseinander setzung wegen Marokkos wünschen, und du deutsche Regierung sich wohl bewußt ist, daß sn sich moralisch ins Unrecht setzen würde, wenn fi< ihren Forderungen gegenüber Frankreich durch das Schwert Nachdruck verleihen wollte. Ebenso sind alle G e r ü ch t e, die von gänzlich unbeteilig­ter und unbefugter Seite über französisch« Mobilisationen in Umlauf gesetzt werde», frei erfunden und verfolgen die unzweideu­tige Absicht, den französisch-deutschen Konflikt in eigensüchtigem Interesse auszubeuten. Am Quai d'Orsay wie in der Wilhelmstraße erhält sich die Hoffnung daß eine friedliche Lösuna bet Spannung möglich ist und daß Presse und Publi­kum durch ein. möglichst 'leidenschaftslose, sachliche Behandlung des Konflikts das Uebrige dazu bei, tragen können, um die schwierige, und peinlich, Arbeit der Diplomatie zu unterstützen. Diesem Zwecke kann es zwar nur dienen, wenn der Oef« fentlichkeit der Ernst der Situation nicht verheim- licht wird; zugleich aber kann nicht eindringlich genug betont werden, daß ein Grund 3«* Beunruhigung nicht vorliegt um daß, selbst für den Fall,, daß die Versuche einn deutsch-französischen Verständigung endgültig fchei- tern sollten, der Diplomatie noch Mittel uni Wege zur Verfügung stehen, um dieUltimi ratio" zu vermeiden.

NmM Telegramme.

' Berlin, 24. Juni. Die Nachricht eines eng­lischen Blattes auS Tokio, Deutschland beabsich­tige seine Besatzungstruppen von China, ausge­nommen die Cstirnison von Kiautschcm zurückzu- tziehen, ist, wn dieKöln. Ztg." erfährt, völlig 'unzutreffend. Die Regierung hat In letzter Zeit feine Veranlassung, der Frage nahezutreten, wie Tange die deutsche Besatzungsbrigade in China !bleibt. Selfwerstäudlich ist nur ein zeitweiliger ^Aufenthalt in Aussicht genommen. Da aber die Angelegenheit der Besatzungstruppen von den 'Mächten in gemeinsamer Abmachung geregelt iwurde, könnte die Zurückziehung ebenfalls nur .nach gemeinsamer Uebereinkunft stattfinden.

l Hamburg, 24. Juni. Zu der Meldung der >Frankf. Ztg." von einer bevorstehenden Erhe­bung der Eingeborenen im Bismarck-Archipel kann derHamb. Korr." nach Erkundigungen bei Firmen, die Niederlassungen draußen haben, fest- ftellen, daß, wenn auch, wie bekannt, in be- flchränktem Umfange Unruhen der Eingeborenen dort in Permanenz sind, in letzter Zeit keine Mit- cheilungen hierher gelangt sind, die zur Beun­ruhigung Veranlassung geben könnten.

Nenftadt a. H., 25. Juni. Ter heute Hier tagende Verbandstag der kaufmännischen Vereins Badens und der Pfalz nahm einstimmig eine Resolution für die rerchsgesetzliche Ein­führung des Acht-Uhr-Ladenschluffes an.

Vierteljährlicher Bezugspreise bet oei Expedition 2 Mk» bei allen Postämtern 2,25 Ml. <e$cl. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 16 Psg.

Ncclamen: die Zeile 25 Psg.

Eine halbe Stunde ist verstrichen. Robert fall den Goldfuchs und Diana satteln. Halt! Erst gehe zu dem gnädigen Fräulein hinüber und frage ob sie bereit ist."

Als Vanten wiederkam, meldete er:

Das gnädige Fräulein lassen um Entschul- digung bitten, sie könne jedoch die Frau Gräfin gegenwärtig unmöglich verlassen."

Also Trotz! Wirklich und wahrhaftig Trotz!" schrie der Freiherr, die Gegenwart des Dieners gänzlich vergessend.Es wäre das erstemal, daß man ihn mir ungestraft zu bieten wagt."

Er stürmte hinüber. Josef wollte ihm folgen, machte aber dann eine verzweifelte Bewegung, die seine ganze Ratlosigkeit ausdrückte, und blieb stehen.

Bitte, Herr Baron, die Gnädige schlummert," flüsterte die Kammerfrau Leonore, als Dunois in das erste Zimmer trat.

Meine Tochter soll augenblicklich hierher­kommen," rief er, ohne die Stimme zu dämpfen. Augenblicklich! Verstanden? Andernfalls hole ich sie selbst!"

Gleich, gleich!"

Die erschrockene Französin schlüpfte in das nächste Gemach.

Unmittelbar darauf erschien Viktoria.

Habe ich Dir nicht besohlen, in einer halben Stunde zum Ausreiten fertig zu sein?" brauste er auf, während die roten Flecken aii den Schlä­fen immer dunkler wurden, _

Verzeihe, Papa, wenn ich noch einmal bitten muß, mich davon zu dispensieren," erwiderte sie. Großmama will mich nicht fort lassen."

Was hat Frau von Clairville ztl wollen? Hier gebiete ich!"

Du wirst aber doch wohl Rücksicht auf eine Schwerleidende und deren Wünsche nehmen."

Ich dächte, das jetzt bereits zur Genüge ge­tan zu habeit. Den Gehorsam darf mir mein

Die Unruhe» la RMch-Polen.

Heber die bereits gemeldeten Straßen­kämpfe in Lodz werden demL.-A." noch folgende ausführliche Einzelheiten tele­graphiert :

In Lodz herrscht seit Donnerstag, abend der Aufruhr. Der jüdischeBund" und die polnische Sozialistenpartei hatten sich bis dahin, solange das Militär sich verhältnismäßig ruhig ver­halten hatte, noch nicht unmittelbar zur Ver­teidigung organisiert. Als aber die Soldaten offensiv vorgingen, bewaffnete sich ein großer Teil der jüdischen Arbeiter mit Revolvern. Sie feuerten auf Kosaken-Patrouillen und töteten sieben Mann und einige Offiziere; ein Offizier wurde von einem Backfisch erschossen. In den späten Abendstunden des Donnerstags wurden dann in dem jüdischen Stadtteil Poludniowa in mehreren Straßen, hohe Barrikaden erbaut, gegen die die Truppen alsbald vor­gingen. Die ganze Nacht hindurch dauerten die Salven der Infanterie und die An­griffe der Kosaken an, die Arbeiter er­widerten das Feuer, wobei u. a. der Chef der Gendarmerie Oberst Andrejew schwer verletzt wurde. Auf beiden Seiten gab es viele Tote und Verwundete. Am Freitag morgen wurde in vielen Fabriken zunächst die Arbeit aufgenommen, um 10 Uhr begannen jedoch Arbeiterdelegierte, als solche durch gleichartige rote Kravatten kenntlich, die staatlichen Brannt­weinläden kalten Blutes zu zertrümmern und anzuzünden. Zu gleicher Zeit waren Tausende von Arbeitern damit beschädigt, gewaltige Barrikaden, fast 30 an der Zahl zu er­richten. Um die Mittagszeit wurde in allen Fabriken die Arbeit eingestellt, unb, in Massen strömten nun die Arbeiter auf die Straßen. Jetzt rückten Infanterie, Dragoner und Kosaken heran und räumten die Straßen. Die Arbeiter verbargen sich in den Häusern und schossen aus Fenstern und Türen auf das Militär. Dieses antwortete mit Hunderten von Salven auf Häuser und Passanten. Binnen kurzem bedeckten zahllose Tote und Ver­wundete dieses Schlachtfeld. Man schätzt die Gesamtverluste nach Tausenden. Von den Verletzten blieben die meisten stundenlang ohne ärztliche Hilfs auf den Straßen liegen, so «fcafj viele ihren Wunden bald erlogen. Alsbald wurde das Kriegsrecht proklamiert. Die Verteidigung der Arbeiter war geradezu verzweifelt: mit Steinen, Trottoirplatten, Ziegeln und Revolvern, mit Waffen, die den getöteten Soldaten abgenommen wurden, setzten sie sich zur Wehr. An mehreren Stellen wurden Bomben gegen die Kasernen geschleudert, eins ganze Anzahl Infanterie- und Kosaken­offiziere wurde getötet oder verwundet. Jeder Verkehr in der Stadt hat aufgehört. Alle CufÄ. Restaurants und Hotels wurden geschlossen.

Marburg

Dienstag, 27. Juni 1905

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. E o r o n t>.

(F-ris-yung.)

Tief erbleichend trat Viktoria zurück.

Daß Dir Susanne Heller so steht, wußte ich allerdings nicht!"

! Wien, 25. Juni. Aus Konstantinopel -gemeldet, der Sultan sei seit einigen Tag 'niib erteile keine Audienzen. Die Art

Krankheit ist nicht bekannt.

Warschau, 25. Juni. , Heute Sonntag morgen steht die Proklamation des Belager­ungszustandes über Warschau bevor. Die Bahnen WarschauBerlin, WarschauWien und der Weichselbahnen sind mit Betriebseinstellung be­droht. Militärwachen sollen die Bahnlinien entlang ausgestellt werden.

Konstantinopel, 25. Juni. Im Namen der sechs Botschafer überreichte der österreichisch- ungarische Botschafter heute der Pforte eine Note, in der auf die Annahme der bezüglich der mazedonischen Finanzreform gemachten Vor- schläae gekrängt wird.

London, 24. Juni. Das Reutersche Bureau meldet aus Fe,; vom 20. d. Mts.: Die Offiziere der deutschen Militarmissiou !;ab'en heute Morgen die Rückreise angetreten.

Ottawa, 24. Juni. D-e kanadische Regierung hat mit der Nordatlantisch«, Seefahrts-Gesell­schaft in Amsterdam einen Kontrakt auf zehn Jahre, abgeschlossen behufs Erzielung einer star- fett Einwanderung a::3 Holland, Dänemark, Nor­wegen, Schweden, Rußland, Finnland, Teutsch- kand, ,Oesterreich-llngarn, Luxemburg untd der Schweiz. Die Regierung wird der Gesellschaft eine Vergütung von einem Pfund Sterling für ^lle aus den genannten Ländern ankommenden Männer, Frauen und Kinder aus 'de. Klasse der Landarbeiter sowie für feden häuslichen Dienst­boten über 18 Jahre zahlen.

testens einer halben Stunde Toilette haft."

Papa, sei mir nicht böse, aber

Genug, keine Widerrede mehr!

Dich!"

Er ging in sein Rauchzimmer, warf

Umschau.

Besteht eine Kriegsgefahr?,

Aus Anlaß der in den letzten Tagen verbreite­ten Kriegsgerüchte, die von einem scharf zuge- spitzten deutsch-französischen Konflikt zu melden wußten, schreibt die gut unterrichtetePreuß. i~ ...... > S

einziges Kind nicht vertveigern. Du folgst mir auf der Stelle."

Ich lag au Großm. las Bette auf den Knieen und flehte sie an, mich um des häuslichen Friedens willen nicht zurück zu hätten. Sie aber antwortet immer:Du versündigst Dich an Dei­ner Mutter, wenn Du die Schwelle des Gutes Waldorf überschreitest". Vater, es ist unmöglich! Zwinge mich nicht, Dir ungehorsam zu sein."

'Nein; aber wenn es nötig ist, zwinge ich Dich, mir zu gehorchen! Zögere nicht länger Du wirst es bereuen! Ich gebe nicht nach nun und nimmermehr!"

Ehe Viktoria antworten konnte, öffnete sich die nächste Türe und Dunois prallte erschrocken zurück, denn eine wandelnde Leiche schien auf der Schwelle zu stehen. Als schleppe sie ein Bahr­tuch hinter sich her, war die Gräfin in ihrem langen, schwarzen Hauskleide, das lose um die abgezehrte Gestalt hing, anzusehen.

Meine Enkelin bleibt jenem Mädchen fern!" sagte sie mit heiserer, klangloser Stimme.

-Wer hat hier zu entscheiden?" entgegnete er zornig.Und was für Gründe veranlassen Sie, meine Tochter von dem beabsichtigten Besuch ab­zuhätten?"

Gründe, die Sie billigen müllen und wer­den! Laß uns allein!"

Viktoria solgte dem Befehl.

Nun also, bitte!" sagte der Freiherr, unge- duldig auf- und abschreitend, sodaß seine ftlber- neu Sporen aneinander klirrten.Was haben Sie gegen Fräulein Heller einznwenden, gnädige Fran?"

Tie Gräfin war totmüde in einen Lehnstuhl gesunken und murmelte: .

Ich dulde nicht, daß das reine, stolze Kind meiner Tochter mit der Nichte des Gutspächters in Berührung kommt. Das Mädchen ist durch Ihre häufigen Besuche und Mumenspeudeu kow-

Erscheint wöchentlich sieben ataL

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, Umvcrfttätr-Buchdruckerei 40.

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Junü

Seine Majestät der Kaiser besuchte am vor gestrigen Samstag, wie aus Kiel berichtet wird, du JachtViktoria Luise', die Jacht .Lensahn des Groß. Herzogs von Oldenburg. Sodann besichtigte der Kaiser die aktive Schlachtflotte, betrat die Flaggschiffe Kars« Wilhelm II., Wittels öach, Kaiser Friedrich HL unt besuchte den Flottenchef, die beiden Geschwaderchess, sowie den Staatssekretär v. Tirpitz auf dem Panzer kreuzer Prinz Adalbert. Um 11 Uhr empfing bei Kaiser an Bord der .Hohenzollern' bett General, direktor Ballin, Geh. Rat Schlutow unb ben Direkt« unb Baurat Zimmermann von ber Werst .Vulkan. Hierauf nahm er bie Preisverteilung für bte Regattt Dover-Helgolanb vor. Gestern Sonntag Vormittaj 9 Uhr hielt ber Kaiser Gottesdienst an Borb bei Hohenzollern' ab. Unter an beten nahmen barai teil ber amerikanische Botschafter Charlemagne Tower ber Gesanbte von Schön unb Graf Tschirschly. Rach dem Gottesdienst begab sich ber Kaiser an Bord bei .Meteor', um an ber Regatta teilzunehmen.

Die Jahresberichte ber preußischen Reaierungs. unb Gewerberäte und Bergbehörden für 1934 sind soeben im Verlage von G. Schenck (R. v. Deckerl, Berlin, erschienen. Der stattliche, über 700 Druckseiten starke, mit einem sehr promittiert und hätte diese nicht anney.-ien dürfen!" , ,

Daß in diesem Klatschnest hier doch alle, gleich zum Verbrechen aufgebauscht wird! Eben, weil ich die Lästerzungen zum Schweigen brnr- gen will, sollViktoria mit mir nachWaldorf reüen.

Dagegen erhebe ich Einsvrucki! Es geziemt der Baronesse von Dunois nicht, sich, Personen zu nähern, deren Ruf kein tadelloser iit.

Man verleumdet Fräulein Heller."

Ich hosfe cs. Aber so lange häßliche Ge­rüchte im Umlauf sind, dulde ich nicht, daß meine Enkelin denFuß über dieSchwelle des Hauses jetzt.

Sie dulden nicht Sie verbieten" preßte der Freiherr, sich mühsam beherrschend, hervor. Verzeihung, meine Gnädige, aber welche Rechte habe ich denn eigentlich Ihrer Ansicht nach?

Das Recht, im dürren Sinn des Wortes, steht natürlich auf Ihrer Seite, doch meine ich. daß Sie Kavalier genug sind, einer alten, kranken Frau gegenüber keinen Gebrauch davon zu ^Ein' spöttisches, boshaftes Lächeln spielte um seine Lippen, als er erwiderte: r

Ja, wenn Sie an meine Rltterlichkeit avpe^ Tieren, Frau Gräfin, muß ich felbstverstandlich uachgeben. Ich habe noch keiner Dame die schul- dige^Achttmg oder erbetene Hilfe versagt. Viktoria mag also daheim bleiben. Ich werde es mir an- gelegen sein lassen, Fräulein Susanne Heller auf ändere Art zu entschädigen. Das hätte ich für meine unabweisliche Pflicht, da ich leider vergaß, daß wir uns hier in einem Krähwinkel schlimm­ster Sorte befinden. Sie,, meine Gnädige, mit bCiPitnbprung^tDÜtbigcn SnftQcfübi, len mir den einzig richtigen Weg. Ich, werd« denselben gehen. Darf ich Sie vielleicht m Ißt Zimmer zurück geleiten?"

Wankend stützte sie sich auf seinen Arm- j-, H lFortsetzuua folgt.)

Nun. so weißt Du es jetzt! Du magst Dich danach richten! Ja) erwarte, daß Du in spä-

deu Divan und steckte eine Zigarre an. Viktorias Widerspruch hatte ihn aufgeregt, lleberhaupt wuchs in letzterer Zeit seine Reizbarkeit beständig. Nur Susanne hatte noch Gewalt über ihn.

Auf ein Klingelzeichen erschien Josef. Äbsynth!" befahl Dunois.

Ter Diener brachte das Verlangte, streifte aber seinen Herrn mit entern scheuem Blick. Diese roten Flecken in der Schläfengegend kannte er schon, die bedeuteteu nich.L Gutes. Schüchtern und stockend hob er an:

Der gnädige Herr sollten vielleicht lieber eine Flasche Selterswasser"

Tas letzte Wort kam nicht mehr über seine Lippen. Der Baron hatte sich jäh aufgerichtet und donnerte:

WaS unterstehst Du Dich? Habe ich etwa Dei-ien Rat verlangt? Tue, was Dir befohlen wird!"

Stumm verneigte sich Jofef. Dunois leerte .lasch hintereinander mehrere Gläschen, blickte auf die llhr und sagte: