nm dem Kressblatt sur die Kresse Marburg und Kirchhain, x
Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt. ■ "—
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Marburg
Mittwoch, 21. Juni 1905. CTssawMgriww» vtatMK ar i wäre
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Dmck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Zweites Blatt.
Zur Bekämpfung der Süuglings- Steiblichkeit
.erhalten wir nachstehenden Aufsatz, den wir im Hinblick auf die kürzlich in unserem Blatte aus- ffiihrlich behandelte Neueinrichtung der Marbur. gtr Milchküche und des Säuglingsheims durch Krosessor Dr. Ludolf Brauer gleichfalls des all- geiueinen Interesses für wert halten, wenngleich einzelne Punkte, wie aus den Schlutzbemerkungen gu ersehen ist, zur Kritik Anlaß geben:.
In allen Teilen Deutschlands, sowie auch in sonderen Kulturländern herrscht z. Z. eine hoch- erfreuliche Bewegung auf einem Gebiet, das iat- ssächlich die größten Mißstände aufweist und auf sdem mit verhältnismäßig geringen Anstrengungen und Aufw ndungen viel Segen gestiftet werden kann, nämlich inbezug auf dieFürsorge für die ijüngsten Weltbiirger, deren Eltern nicht günstig genug situiert sind, um den notwendigen Anforderungen gerecht zu werden. Man hat endlich Hn den weiteren Schichten der Bevölkerung erkannt, wie verheerend die Säuglingssterblichkeit auftritt, wie von 1000 Kindern im ersten Lebensjahr 300, 400 und mehr dahinsterben, wie dadurch viel Kummer und Leid entstehen und große Nationalvermögen verloren gehen. In Nationen, in denen die Depopillation eine gr- ifahrdrohende Gestalt annimmt, ist ein energisches Einschreiten in dieser Beziehung geradezu ein Gebot der Selbsterhaltung. Aber auch da, wo die .Bevölkerungszunahme eine günstige ist, sollte man bedenken, daß es kaum eine wichtigere Aufgabe giebt, als das Gedeihen der jüngsten Generation zu fördern.
Mit Recht sieht man als die Hauptursache der «roßen Sterblichkeit und der unbefriodioendjen Entwicklung dec Neugeborenen die Ernährung an. Man ist überall bemüht, die Mutter ßur natürlichen Ernährung anzuhalt n, was unstreitig immer das Beste ist und man sucht für die vielen Fälle, wo leider die Mutterbrust dem 8iinde nicht gegeben werden kann, die künstliche Ernährung zu verbessern und die ärmeren Klassen in dieser Beziehung zu unterstützen. Wohl- tätigkeitsvereine schaffen in dieser Hinsicht ungemein viel gutes und in dankenswertc-ster Weise haben Stadtverwaltungen in der neuesten Zeit begonnen, durchAufwendung nicht unbeträchtlicher Mittel ebenfalls hier einzugreifen. Leider sind es aber zwei llebelstände, die den Erfolg noch imnier stark beeinträchtigen. Der eine ist, daß es an notwendigen Organisationen fehlt, um die wirklich Bedürftigen zu ermitteln und ihnen eine geeignete Kindernahrung zugänglich, zu machen, auf welchem Gebiet jedoch bald soviel Erfahrungen gesammelt sein dürften, daß hier eine Besserung zu erwarten ist. Schwieriger dürfte dir Bekämpfung des zweiten Uebelstandes sein, eine geeignete künstliche Nahrung zu finden. Die Empfehlungen von Aerzten und philantropischen Vereinen, eine gute Milch der bedürftigen Mutter zu mäßigen Preisen zu verschaffen und ihr dann die Zubereitung und Verabreichung cw. den Säugling zu überlassen, klingen sehr schön. W«: aber, wie ich, seit 20 Fahren aufmerksam die Milchwirtschaft verfolgt und in dieser Beziehung Erfahrung erlangt hat, wird zugeben müssen, wie schwierig es ist, eine für die Säuglingsernäbrunq wirklich einwandsfreie Milch zu erhalten Vielfach unterscheidet sich die sogenanute Kinder- cder Sanitätsmilch überhaupt nicht von der g.- wöhnlichen Milch, und diejenigen Landwirte und Molkereibesitzer, welche mit großem Kosten- aufwand und besonderer Mühewaltung wirklich ein gutes Produkt liefern, haben am meisten über die Konkurrenz, zu klagen,, die selbst bei viel geringeren Preisen, welche für den guten Milchwirt ruinös sind, immer noch ein besseres Eesckiäft macht, als er. Wenn man gar die Ansprüche der modernen Hygiene auf die Milchwirt- schäft anwenden wollte und wenn der Arzt, der sich durch die Beteuerung, daß die Milch gut sei, beruhigt glaubt, näher die Milchtiere, ihre Stallungen, die Fütterung, die Gewinnung und Behandlung der Milch verfolgen würde, wenn na- mentlich eingehende bakteriologische Untersuchungen hier angestellt würden, so würde man die Mißstände, sicher allgemein mehr anerkennen. Wenn schließlich die bedürftige Mutter für ihr Kind mit öffentlicher Unterstützung eige einigermaßen gute Milch erhält, so ist es gerade in den ärmeren Klassen von der größten Schwierigkeit, -die Milch im Hause entsprechend zu mischen, zu- 'zichereiten und zu sterilisieren und dem Kinde zu verabreichen. Kurz ich behaupte, daß ein großer Teil der Mittel, di« heute in dieser Beziehung aufgewendet werden, weggeworfen sind, daß e8 aber andrerseits möglich ist, mit den gleichen Mit- teln wirklich etwas brauchbares zu leisten. Und zwar ist dies der Fall durch Verwendung von trinkfertiger Säuglingsnahrung für die ärmeren Klaffen. 7 '' •'
Vor 10 Jahren habe ich zuerst auf die Be- deutmrg einer fabrikweisen Herstellung trinkferti- ger Kindermilch hingewiesen. Meine Vorschläge waren die, daß man anstatt der kostspieligen Hausvcvarbeitung des einzelnen Liters Milch, bei der man doch nicht eine rationelle Zusammensetzung der Kindernahrung erreichen kann, in besonderen Anstalten im Großen eine sorgfältig gewonnene, gut kontrollierte Kuhmilch,in der Zu- sammensetzuno verändert, sodaß möglichst der Gehalt der Muttermilch erreicht wird, daß man ^sodann diese Kindermilch in "kleine Portionsflaschen füllt, sie sterilisiert und sie dann in das Haus des Kunden bringt, wo alsdann weiter nichts zu geschehen braucht, als zu jeder Mahlzeit das Fläschchen anzuwännen, mit Sauger zu versehen und dem Kinde zu reichen. Natürlich ist die richtige Wabl der Sorte und entsprechend sonstige Pflege des Säuglings eine notwendige Ergün- zung und es wird hier .namentlich die Anordnung des Arztes immer von der größten Bedeutung fein. Daß meine Vorschläge richtig und zeitge- maß waren, lehrt der Umstand, daß in kurzer Zeit über 50 Molkereien, in den verschiedensten Gegenden nach diesen Gesichtspunkten arbeiteten, daß heute weit über 100 000 Säuglinge mit einer so zubcreiteten Milch ernährt werden und im allgemeinen hierüber nach eingehenden klinischen Beobachtungen gute Erfolge erzielt wurden. Ohne Zweifel wird noch ein weiterer Fortschritt möglich sein. Es wird noch immer mehr die Zusammensetzung der Frauenmilch angestrebt werden müs- seu und ich empfehle auch in dec neueren Zeit, auf Wunsch des Arztes anstatt der sterilisierten eine ascptisck gewonnene und veränderte Kinder- milch anzubieten, um die bei einzelnen Säuglingen auftretenden Nachteile der Sterilisation zu vermeiden. Allerdings lassen sich derartige wert- gehende Ansprüche nicht mit einem billigen Preis der Milch vereinigen und für die ärmeren Klas- sen ist daher ein derartiges Präparat im Allgemeinen unmöglich, obwohl die Kostet vielfach nicht größer find, als die Zubereitung im Hause und erfahrungsgemäß auch weniger bemittelte Kreise sehr wohl für ihre Lieblinge diese Kosten aufbringen können. Indessen ist mit dem Ein- greifen einer öffentlichen Unterstützung sofort eine trinkfertige Nahrung auch den ärmeren, Volksschichten zugänglich zu machen. Gerade hier, wo keine Amme geboten iverden kann und eine sorgfältige Zubereitung im Hause nicht möglich ist, dürfte es nichts richtigeres und besseres als die Anwendung eines derartigen Präparates geben.
Uh habe den nach meinen Vorschlägen arbeitenden Anstalten empfohlen, für die ärmere Bevölkerung die Kindermilch mit 25 Prozent Preisermäßigung, das ift meist unter Selbstkostenpreis, anzubieten. 25 Prozent müssen die Konsumenten selbst bezahlen. Es hat sich nicht bewährt, die Milch gratis zu verabreichen. Wenn dann dir übrigen 50 Prozent durch Wohltätigkeit oder öffentliche Unterstützung aufgebracht iverden, so ist mit verhältnismäßigg geringen Mitteln doch hier ein ungemein großer Erfolg zu erzielen.
Zum guten Gelingeii des Werkes ist sodann eine zweckentsprechende Organisation notwendig. In Krefeld ist durch den vaterländischeii Frauen- verein und' den Wöchneriunen-Unterstützungs- Verein die Einrichtung getroffen worden, daß man die Stadt in 4 Bezirke teilte und in jedem derselben 2 Bezirksvorstcher einstellte. Diese wiederum haben ihre Bezirke in Quartiere eingeteilt und für jedes 2 Damen zur Verfügung, welche Bedürftige ermitteln und für Lieferung von Säuglingsnahrung durch die Bögelmannsche .Kindermilchanstalt Sorge tragen. Ein Arzt be- stimmt die Milchsorteii. Tie Mllch tvird zu ermäßigtem Preise geliefert. Einen kleinen Teil zahlt der Empfänger und den Rest bringen die genannten Vereine auf. Der Erfolg ist ein sehr zufriedenstellender. In Magdebura bat sich die dortige Molkerei gegenüber der Arinenverwal- ti'.ug verpftichtet. die Flasche Backhausmilch zum Preise von 8 Pfg. zu liefern. Die Armenverwaltung kauft nach Bedarf bet der Molkerei Marken und verkauft oder verschenkt sie an Be- dürftigte, welche dann die Kindermilch dafiir bei der Molkerei einlöfen. Die Armenärzte sind durch besondere Schreiben von der Armenverwaltung angewiesen, von dieser Einrichtung recht ausgiebigen Gebrauch zu machen. Auch aus an- ’ deren Orten liegen Beispiele ähnlicher Einrichtungen vor. Eine großartige Organisation lernte ich in dem L’oeuvre philanthropique du Lait in Paris kennen, einer Gründung von Dr. Henry de Rothschlld. Aus der Millionenstadt wenden sich bedürftigte Mittec schriftlich an daS Bureau der Unternehmung. Es wird sofort durch einen vorzüglich organisierten Auskunftsdienst genauer recherchiert und nach dem Ausfall durch den Setter des Bureaus bestimmt, wieviel Milch, welche Sorte und auf WÄche Zeit hinaus, entweder zur Hälfte des Preises oder ganz umsonst gewährt werden. Es werden der bedürftigen Mutter dementspreckend Bons gesandt Und dieselbe kann nun in dem ihr nächstliegenden Depot sich täglich die gewährte Kindermilch abholen. Wohltätern steht jederzeit die Unterstützung deH UntexnchmenS offen. -----" ’
Jedenfalls ist es nötig, daß die Verteilung von Milch durch eine Zentralstelle genau kontrolliert wird. Da wo Stadtverwaltungen sich dieses Zweige?, dec öftentlichen Wohlfahrtspflege annehmen, würde am besten auf einem Bureau int Rathause die Anmeldung und Prüfung, sowie die definitive Bestimmung durchgesührt. Aber auch durch Vereine, insbesondere Frauenvereine läßt sich die Organisation ermöglichen, zumal die lokale Aufsicht ungemein wichtig ist. Den bedürftigen Müttern muffen Marken oder Anweisungen ausgestellt werden, gegen welche sie dis notwendige Kindermilch zu % des Preises von der Anstalt abholen, rett’, sich ms Haus bringen lassen. Die Anstalt darf gegen Rückgabe der Marken oder Anweisung dann ,bie Hälfte des Preises von der Zentralstelle einziehen. Letztere müßte in erster Linie die freiwillige Wohltätigkeit anrufen. Wie mancher Wohlsituierte und namentlich wie viele reiche Eltern würden sich freuen, einen einmaligen oder fortlaufenden Beitrag zu leisten, um Leben und Gesundheit armer kleiner Mitbürger erhalten zu können, zumal, wenn sie wissen, daß durch eine vorzügliche Organisation die Mittel am rechten, Fleck verwendet werden. Wenn, freiwillige Beiträge nicht ausreichen, so müssen die öffentlichen Mittel ein« springen. — Selbstverständlich darf sich die Ein- richtung nur auf wirklich Bedürftige erstrecken und es ist namentlich zu tadeln, wenn auf Kosten der Steuerzahler neuerdings kommunale Milchkuranstalten eingerichtet werden, die meistens doch nicht so rationell arbeiten, als der Privat- betrieb und nicht nur an Arme, sondern auch an Bessersituierte die Milch abgeben.
Um welche Aufgabe es sich handelt, geht daraus hervor, daß z. Z. von 1000 Kindern der ärmeren Bevölkerung im ersten Lebensjahre 400 sterben. Durch Darreichung einer rationellen Säuglingsnahrung kann, wie ein großes statistisches Belveismaterial zeigt, die Sterblichkeit sofort auf die Hälfte und noch weiter herabgedrückt werden. Wenn man bann noch weiter erwägt, wie durch tatkräsftges Eingreifen nach dieser Richtung anstatt schwächlicher, rachitischer Kinder -sich kräftige, muntere, aufgeweckte Knaben und Mädchen entwickeln können, so durfte es wohl kaum eine schönere Aufgabe als die vorgenannte zur möglichst intensiven Bearbeitung geben.
Professor Dr. Backhaus (Berlin).
Die vorstehenden Ausführungen von Prof. Backhaus sind, wie wir von zuständiger Seite erfahren, in mehrfacher Beziehung sehr beachtenswert. Dieselben weisen erneut darauf hin, daß es eine ernste soziale Pflicht der Gemeinden und der Wohlfahrtsvereiur ist, der großen Säuglings- srerblichkeit entgegenzuarbeiten; sie erinnern ferner daran, daß die Ursachen dieser hohen Sterb- lichkeit im wesentlichen in Ernährungsstörungen zu suchen sind, die ihrerseits auf die Schwierigkeit zurückgeführt werden müssen, regelmäßig eine zuverlässige gute, zur Säuglingsnahrung geeignete Milch zu beschaffen. Die harte Kritik, welche der Autor an die sog. Kinder- ober Sam- tätsmilch legt, ift nur zu häufig berechtigt. Auch erscheint die Mahnung durchaus beherzigenswert, für die Beschaffung trinkfertiger Säuglingsnahrung zu sorgen.
In einem wesentlichen Punkte muß aber den Ausführungen Prof. Backhaus widersprochen ^werden; denn dieselben bringe« — vielfach bewährte «euere Bestrebungen auf dem Gebiete der Milch- Hygiene übergehend — die einseitige Empfehlung eines ganz speziellen fabrikmäßig hergrstellten Milchpräparates.
Die Fruchtlosigkeit halbe rMaßnahmen wie jene, auf welche Prof. Backhaus sich bezieht, ist den auf dem Gebiete der Milchhygiene arbeitenden Aerzten seit längerem bekannt. Man hat sich aber erfolgreich bemüht, diese llebelstände zu bekämpfen und an verschiedenen Orten ist man hierbei zu einem ähnlichen Vorgehen gelangt, wie wir es jetzt in Marburg in dem Betriebe der Milchküche durchgeführt sehen. Ein« kleine un Buchhandel erhältliche Broschüre, welche kürzlich über diesen Betrieb erschien, orientiert, hierüber etwas ausführlicher. Kurz gesagt, liegt der Schwerpunkt aller dieser neueren Einrichtungen darin, daß die Kontrolle, und Bewachung der Milchgewinnung und Milchverarbeitung eine durchaus einheitliche, ist und au keinem, Punkte eine Unterbrechung erleidet, sowie, daß die Milch sofort in geeigneter, dem Einzelfall anzupas- fenber Weise zu trink fertigen Portionen verarbeitet wird und in dieser Form zur Ablieferung gelangt. Eine nur teilweise Kon- trolle der Milchproduktion ist, von geringem Nutzen, hierüber kann sachverständigerseits wohl nur eine Meinung herrschen. ,
Diese neuen Einrichtungen bieten sonnt nicht nur die Gewähr rationeller Versorgung dec Familie mit Säuglings milch, sondern sie gestatten auch die größte Abwechslung und JiMviduali- sierung. Sie ermöglichen es, nach den Vorschriften des ArzteS jede Fron bet Säuglingsnahrung zu beschaffen. Die Mittel, welche für diese moder- neu Einrichtungen aufgewendet werden, können r.Äht als „weg geworfen" bezeichnet werden. Ko
Geschäftliche Mitteilung.
Die bekannte Firma Wilh. Rudolph, Piano« und Harmonttlmhandlung in Gießen und Marburg erhielt den Auftrag, für Se. Königs. Hohen den Großherzog von Hessen einen Flügel zu ta- fern. Ein schöner „Bechstein" gelangte am 15. d. M. im Jagdschloß Wolfsgarten zur W« stellung und dem Lieferanten wurde die nxyf« Zufriedenheit des kunstsinnigen Fürsten und sei« ner jungen Gemahlin zum Ausdruck gebracht. '
Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. Doerkes-Boppard in Marburg, i
lange es an derartigen Einrichtungen fehlte konnte es allerdings notwendig erscheinen, sich eines der verschiedenen Milchpräparate zu bebis neu, welche in den letzten Jahren zur Ausarbei tung und Empfehlung kamen. Diesen Präpar» ten ist auch die nach Vorschrift von Prof. Bach baus hergestellte Mlch zuzurechnen; sie hat xrtif allen ähnlichen Präparaten den Vortest, in trink fertiger Form und in sterilisiertem Zustande er- hältlich zu fein. Es unterliegt keinem Zweifel daß alle diese Präparate häufig mit größter» Nutzen angewendet werden. Inwiefern die ein» zelnen Präparate, die alle eine ziemlich beträcht. lich veränderte Mich darstellen, dem Ideale einet Säuglingsnahrung nahe kommen, darüber b» stehen recht verschiedene Ansichten. Daher fani auch zunächst die einseitige Empfehlung eines ein» zelnen dieser Präparate kaum auf allgemein» Zustimmung rechnen. Dazu kommt, daß biefe „künstlichen Muttermilch"-Arten zumeist relattzl sehr teuer sind und somit schon aus diesem Gruntz eine entscheidende soziale Bedeutung kaum j» werden erlangen können.
Das Bestehen, auch ärmeren Kreisen die Wohltat der modernen Milchversorgung zugänglich zu machen, hat hier in Marburg bit Stadtverwaltung veranlaßt, dem Mich- küchenbetrieb eine gewisse Unterstützung M- kommen zu lassen und es steht zu hoffen, baf diese Unterstützung in den kommenden Jahre, eine noch größere sein wird. Die Preise der te der Milchküche erhältlichen Säuglingsmilch sink für Begüterte so gestellt, daß ein rationelle, Nutzen dem Milchprobuzenten ermöglicht ist. Aermeren Leuten wird nach Lage des Falls ganj beträchtliche Preisermäßigung gewährt. Es wär« nur zu wünschen, daß ans Ärbeitrrkreisen von diesen Vergünstigungen in noch reicherem Maß« als es bis jetzt schon geschieht, Gebrauch gemacht würde.
Vermischtes.
'Hamburg, 16. Juni. Eine tragikomisch» Szene trug sich am Mühlenkamp zu. Aus bet Brücke zankte sich ein älteres Ehepaar. Plötzlich schrie der Mann: „Ich halte es nicht länger mehr aus!" unb stürzte sich über das Brückengeländer in den Kanal. Kaum war er ins Wasser ge» plumst, da schrie er auch schon gellend um Hülfe, was ein allgemeines Gelächter hervorrief. , Ei konnte nicht schnell genug, das Ufer, erreichen. Mehrere Männer waren ihm dabei behülflichh Am Ufer fielen sich Frau und Mann lachend vor lauter Freude über die gelungene Rettung uw den Hals unb trotteten baöon.
Lübeck, 17. Juni. Bei einem ®etoittei am Freitag wurden in der näheren unb weitere« Umgegend infolge Blitzschlags über 30 Gebäudt eingeäschert. Auf dem Felde bei Bockhorst wurden zwei Kinder vom Blitz erschlagen.
Kiel, 15. Juni. Das Hamburger Beispiel betr. die Entsendung von fleißigen Schülern der Volksschulen in die Schweiz u. a. O. auf j« zehn bis vierzehn Tage hat bereits Nachahmung gefunden. Ein hiesiger wohltätiger Bürger stellte 5000 Mark zur Verfügung, wofür dieser Tage einige Lehrer unb 30 Volksschüler auf zehn Tage in die Schweiz geschickt wurden. Die Eifenbahndirektionen stellten der kleine» Schar die Benutzung von Schnellzügen zu ev mäßigten Preisen frei.
Emden, 17. Juni. Herr Flöge! in Remscheid hat die hiesige Lootsenstation aufgefordert, nach seinem am 12. Juni mit dem Ingenieur Volmer-Remscheid in einem Luftschiffe nach Holland abgetriebenen Sohn mit allen Mittel» zu suchen.
Altenbeken, 17. Juni. Zwischen Bud unb Altenbeken ist ein Wolkenbruch mit Hagel» schlag niedergegangen, der großen Schaden a» Gärten und Aeckern anrichtete. DaS Hochwaffe» drang in die Parterrefenster ein, verschieden!» lich ist Vieh ertrunken. Der Gutsbesitzer Ever« wurde vom Blitzschlag getötet. Der Bahnhof steht unter Waffer, sodaß die Züge Verspätung haben.
Dresden, 17.Juni. Das Ehepaar Jösch» hat dem Sächsischen Pestalozziverein SOOOOMk. zu einer Stiftung zum Besten bedürftiger Lehrer» töchter zum Geschenk gemacht.