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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllustrirtes Sonntagsblatt.

JS 143

Vierteljährlicher Bezugspreis; btt der ExpÄition 2 Mk, btt alle« Postämtern 2,25 Mk. <e$cl. Bestellgeld).

2«ktrtto«Sgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Ptz.

Reclamen: die Zelle 25 Psg.

Marburg

Mittwoch, 21. Juni 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Joh. Aug. Koch, UmversitätS-Buchbrucktrei 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Die gegkWärligt politifdjt Lage macht es für jeden, der mit der Kenntnis der Tages» ereignisse auf dem Laufenden bleiben will, zur Not» Wendigkeit, sich eine täglich erscheinende, alle Bedürf- niffe des Lesers befriedigende Zeitung zu halten. Auch im kommenden Sommer, wo in vielen Kreisen das Lesebedürfnis geringer wird, ist eine gut bediente reichhaltige Zeitung nicht $u entbehren, denn nach wie vor beanspruchen zahlreiche und wichtige politische Fragen die allgemeine Aufmerksamkeit des Lese» Publikums. Die ganze

Oberhesfische

Bevölkerung kennt unsere Zeitung seit nunmehr vierzig Jahren nndweih, dahin ihr neben denErfordernisien eineS guten Nachrichtendienstes stets dieJnteressen aller Stände die weitgehendsteBerücksichtigung und Förderung erfahren haben. DieOberhesfische

Zeitung W** darf mit Befriedigung auf eine fortgesetzt sich ver» größernde Auflage Hinweisen und die viel­fachen Aeußerungen treuer Anhänglich - teit aus dem Leserkreis sind unS ein schöner und erfreulicher Beweis dafür, tn wie hohem Matze unserer Zeitung Vertrauen und Interesse entgegen­gebracht wird, und zwar nicht nur

in Marburg

selbst, sondern auch aus den Kreisen der ländlichen Bevölkerung. Zu unserer lebhaften Genugtuung hat dieses Vertrauen namentlich in dem

Mittelstände

aller Kreise und Berufszweige, diesem Kern unterer ganzen Volkskrast, feste Wurzel gefatzt, und dies ist uns, wie wir auch schon in unserem Rückblick zu Beginn des vierzigsten Jahrganges betont haben, «in neuer Ansporn in dem unablässigen Bestreben, die .Oberhessische Zeitung' zum besten Blatt für den Bürger und Bauer, zu einem treuen Berater und Helfer für den kleinen Mann in dieser für ihn so schweren Zeit zu machen»

Die .Oberhesfische Zeitung' vertritt einen durchaus nationalen Standpunkt und nimmt zu allen Politischen und wirtschaftlichen Fragen freimütig Stellung im Sinne der alten bewährten konservativen Politik Bismarcks, die auch heute noch für unsere politische Entwicklung , maßgebend sein soll.

Die.Oberhessische Zeitung' bietet neben den verschiedensten Artikeln und Aussätzen populär­wissenschaftlichen Inhalts eine rasche und genaue, durch einen vorzügliche« Depkfchevdieuft vermittelte Berichterstattung über sämtliche wichtige und interessante Vor­gänge im In- und AuSlande, eine umfassende Chronik aus der Provinz und den .Nachbargebieten, interessante Berichte aus Stadt und Umgebung, aus dem VereinSleben- gut gewählten Unterhaltungsstoff, Mittei, jungen aus den verschiedensten Gebieten der Land­wirtschaft, Kun st- und Wissenschaft, Hochschuinachrichten, dienstliche Personalien, Handelsnachrichten, tägliche Wetterberichte u. a. m DieOberhefstsche Zeitung" hat nach- weislich die größte Auflage am Platze und ist das weitverbreitetste und besteingcführte Blatt in Marburg

> 45 "Nachdruck berbcicrt.);

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Corony.

(Fortsetzung.)

Ter Herr Baron sendet mich, gnädiges Fräulein," ineldete er.Es ist eben Besuch ein» getroffen."

Sagen Sie meinem Vater, ich ließe ihn bit­ten, mich zu entschuldigen, da ich an anderer Stelle erwartet werde," antwortete sie.

Der Diener eilte fort, kam aber sofort wieder und richtete aus:

Der Herr Baron lassen das gnädige Fräu­lein ausdrücklich ersuchen, in den Salon zu kom­men. Wäre es nötig, so könnte ich sofort den Herrschaften, welche das gnädige Fräulein er- toarten, eine Absage brinaen."

Nein, nein, das ioäre überflüssig," erwiderte Victoria.Tagen Sie dem Papa, ich käme so­gleich."

Sehr wohl!"

Die Baronesse riß "das Hütchen von den schwarzen, üppigen Flechten und streifte den Mantel ab. Ihre schlanke Gestalt zitterte, ihre ei blaßten L ippen zückten vor Aufregung. Ge­horchen mußte sie, das zing nicht anders, aber daß es nur widerwillig geschah, würde sie den Betreffenden keineswegs verbergen.

In Miene und Haltung, Stolz und Ablehnung, trat sie in den Empfangssalon des Barons und begrüßte die Anwesenden zwar höflich, aber mit eisiger Kälte.

Der Eutspächter verneigte sich linkisch, Su- tonne aber schien die hoffährtige Art des Emp­fanges gar nicht zu bemerken. Unbefangen lächelnd überreichte sie der Baronesse einige wuu- , dervolle, weiße Kamelien und plauderte ganz un»

und den angrenzenden Kreisen. Jnfolgedefien ist die Oberhesfische Zeit«««" als ein Jusertionsorgan erste« Ranges

bekannt und geschätzt.

A»z eigen haben nachweislich dengrötzten und sicherstenErfolg. Die Staats» u. städtischen Behörden, in Marburg und in der Provinz, so» wie zahlreiche auswärtige Behörden, die Bürger­meister» und die Forstämter, Notare und Gerichts- Vollzieher, Garnisonsverwaltungen, Bankinstitute rc. benutzen ständig fast ausschließlich die ,D berhessis ehe Zeitung' für ihre Bekanntmachungen, Verpach­tungen rc. ec., ein Beweis wie sehr allseitig die .Oberhesfische Zeitung' als gutes Jnserationsorgan ge» schätzt wird.

Damit in der regelmäßigen Zustellung der Oberhesfische« Zeitung" keine Unterbrechung eintritt, ist es rätlich, dieselbe so­fort zu bestellen. Denjenigen unserer Abonnenten, die unsere Zeitung nicht durch die Post erhalten, wird dieselbe, sofern fie nicht abbestellt wird, auch fernerhin ohne weiteres zugehen. Die ,O berhessis che Zeitung' mit dem .Amtlichen Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain dem .Illustrierten Sonntagsblatt' und den Ziehungslisten der Preußischen Klassen- jotterie' kostet nach wie vor pro Quartal 2,25 Mk. Einesteils, um den Inserenten und andererseits, um den ländlichen Lesern entgeaenzukommen, ist die Ein­richtung getroffen, daß für die Landorte unsere Zeitung am Sonnabend in zwei Ausgaben und zwar morgens und nachmittags expediert wird.

Wir bitten unsere zahlreichen Freunde und Leser, für die weitere Verbreitung unserer Zeitung zum neuen Quartal eiftigst tätig zu sein.

Prvbeblätter werden gern unentgeltlich zur Ver­fügung gestellt.

Verlag und Leitung derOberhesstfcheu Zeitung".

Der russisch-japanische Krieg.

Aas der Mandschurei.

Es gewinnt immer mehr bei Anschein, als ob die Japaner versuchen, noch vor Einleitung der Friedensverhandlungen einen entscheidenden Schlag gegen die russische Mandschurei-Armee zu führen. Amtlich wird über die letzten Zu­sammenstöße aus Tokio von gestern gemeldet: Eine Abteilung des japanischen Zentrums schlug am 16. d. MtS. die russischen Vorposten bet Lenchiaupeng, sechzehn Meilen nordöstlich von Hangping, zurück und verfolgte sie. Die Ab­teilung griff sodann die russische Stellung bei Liaoyangwopin an und nahm sie nach heftigem Gefechte ein. Die russische Kavallerie, die sich nach Norden zurückzog, wurde von dem linken Flügel der japanischen Abteilung heftig be­schossen. Schließlich wurde der Feind mit schweren Verlusten und in großer Verwirrung zurückgeworfen. Nach Aussagen von Gefangenen war Liaoyangwopin von 5000 Mann russischer Kavallerie und zwanzig Geschützen, einem Teile des Heeres General MischtschenkoS besetzt ge­wesen. Die Russen, die anschemend von einer Panik ergriffen wurden, ließen Vorräte und Kleidungsstücke im Stich. Die japanischen Ver-

geniert. Ein nach dec neuesten Mode, in einem der ersten Geschäfte Kölns angefertigtes Kostüm aus dunkelblauem Sammet umschloß ihre üppige, aber schlanke Gestalt; es stand gut zu dem reichen, kupferroten Haar, zu der tveißen Hautfarbe und zu den schwarzen, feurigen Augen.

Ich danke Ihnen, mein Fräulein," sagte Victoria kühl und legte die Blumen auf ein ver­goldetes Tiichchen.

Unter Susannes langen, schwarzen Wimpern schoß ein jäher Blitz hervor, er ging fast unbe­merkt vorüber. Im nächsten Moment hatte ihr Gesicht schon wieder den früheren, freundlichen Ausdruck und sie fuhr fort, lustig von diesem oder jenem zu sprechen.

Fräulein von Dunois hingegen wurde immer Vtoeigfanter und umgab sich mit einem förm­lichen Eispanzer. Sie bemerkte wohl, daß der Vater die Stirn furchte, überhörte auch nicht seine halblaut bingeworfenen Worte:

Beteilige Dich doch an dem Gespräch!" fühlte aber dennoch die Unmöglichkeit, diesem Gebote zu gehorchen. Sie konnte dem Mädchen, welches da vor ihr saß, nichts freundliches sagen und ver­mochte auch mit dem besten Willen ihre Abnei­gung nicht zu überwinden.

Die Nichte des Gutspächters schien dafür taub und blind zu sein oder es absichtlich zu ig­norieren. Sie überhäufte die Baronesse mit Zu- Vorkommenheiten und sagte, sich erhebend:

Dürfen Onkel und ich um die hohe Ehre bitten, das gnädige Fräulein auch auf Gut Waldorf zu sehen?"

Die Frage wurde zögernd und bescheiden ge­äußert, aber Victoria glaubte dennoch aus dieser zur Schau getragenen Unterwürfigkeit eine schlecht verborgene Arroganz herauszufühlen und erwiderte daher mit abweisendem Tos;

lüfte betragen 30 Tote und 135 Verwundete, die der Ruffen find nicht bekannt, scheinen jedoch groß zu fein.

Petersburg, 19. Juni. Aus Korea wird unter dem 15. d. M. gemeldet, daß die Japaner auf Kongschen und Musan vorrücken. Unter dem 18. d. Mts. telegraphiert General L.'newitsch, daß nichts Neues zu melden ist.

Die Friedensunterhandluuge« geben der amerikanischen Preffe bereits Gelegen­heit, sich im stolzen Gefühle des arbiter mundi, in allerlei, natürlich ganz unmaßgeblichen Friedensvorschlägen zu üben.

New York, 19. Juni. Die Ostchinefische Eisenbahn soll angeblich als Unterpfand für die Kriegsentschädigung dienen. China fordert, nach einer Meldung des Herald, daß die japani­schen Truppen nach Friedensschluß auS der Mandschurei zurückgezogen würden. Japan be­stehe nicht darauf, das strategisch überschätzte Port Arthur in Besitz zu nehmen, vorausgesetzt, daß keine andere Macht sich darin festsetze.

Hier wurde bekannt gegeben, der Vize­präsident der Bank von Japan Takahashi sei nach Japan zurückgerufen worden, um an Be­ratungen darüber teilzunehmen, ob eS ratsam sei, im Falle eines Friedens eine große Anleihe in Amerika oder England aufzubringen oder eine innere Anleihe zu emittieren. Auf die Fondsbörse übte die Nachricht keine Wirkung auS.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juni.

Seine Majestät der Kaiser, der am Sonntag Abend in Cuxhav:« eingetroffe« ist, hat wegen drS ungünstigen Wetters die Fahrt nach Helgoland auf­gegeben. Gestern Montag vormittag besuchte bet Kaiser die Jachten »Meteor', .Iduna,Hamburg und die StationsjachtAlice Roosevelt.' Zur Früh- stückstafel an Bord der .Hohenzollern' waren zahl­reiche Einladungen ergangen. Die Stadt Cuxhaven ist beflaggt; die Schiffe im Hafen haben Flaggen­parade angelegt. Neben der .Hohenzollern' liegt der Blücher' von der Hamburg Amerika»Linie. Das Wetter ist jetzt ziemlich schön, aus Helgoland wird jedoch starker Nebel gemeldet.

Die Berggesetz-Kommission des Herrenhauses begann gestern ihre Beratungen mit der Novelle über die Arbeiterverhältnisse. Referent für diese Vorlage ist Herr v. Burgsdorff, Referent für den Gesetzentwurf betreffend den Zwangsbetrieb von Bergwerken lStilleaungsgesetz) und für den be­treffend das zeitweilige Verbot der Mutungen (Antrag Gamp-König) der Geheime Qberbergrat Dr. Wachler. Minister Möller und mehrere Regierungskommiffare waren erschienen, um die Vorlagen zu vertrete«. Anstelle des Oberbürgermeisters Zweigert-Esten ist Oberbürgermeister Becker-Köln in die Kommission eiu- getreten, der der Reoierungsvorlage freundlicher gegen» übersteht. Beschlüsse wurden bisher noch nicht gefaßt.

Die offiziöseNordd. Allg. Ztg.' ist wieder einmal genötigt, englische Unverschämt­heiten gegen unseren Kaiser öffentlich zurückzuwecsen, indem fie schreibt: Am Schluffe eines vielfache Unrichtigkeiten enthaltenden Artikels über das Vermögen und den Haushalt des deutschen Kaisers stelltDaily Expreß' die Behauptung auf, der Kaiser sei zur Deckung der auf ihm lastenden Ausgaben genötigt gewesen, von einigen seiner reiche»

Bedaure sehr! Großmamas leidender Zustand hält mich hier zurück."

Du bist zu ängstlich, mein Kindl" fiel ter Freiherr gereizt ein.Die Gräfin ist Gott fei Dank nicht so schwer krank, daß Du Dich scheuen müßtest, das Schloß auf kurze Zeft zu verlaffen. Meine Tochter wird Ihren liebenswürdigen Be­such demnächst erwidern," fügte er zu Fräulein Heller gewendet, hinzu.

Das würde eine große Freude für mich sein," sagte sie, sich empfehlend, wahrend der Gutspächter mit ungeschickter Verbeugung, links und rechts an die zierlichen Möbel stoßend, Ab­schied nahm.

Als Paul Heller und dessen Iftchte daheim an­langten, erfuhr ersterer, daß der Oekonom Stupp schon lange auf ihn warte.

Man hätte ihn abweisen sollen!" murrte er.

Er war nicht 'raus zu kriegen," entschuldigte sich Grete.Ich habe ihm gesagt:Die Herr­schaft ist Weg und kommt vielleicht erst später nach Hause": aber er sagte immer wieder: Na, da warte ich eben! Meine Zeit erlaubt mitS schon."

So? Aber meine Zeft erlaubt mir's nicht, daß ich jetzt wieder zu sckjwatzen anfange.. Habe mit dem Inspektor zu reden. DaS ist wichtiger und leidet keinen Auffihub. Weißt Du was, Susanne?" wandte er sich an seine Nichte,fer­tige Du den Menschen ab. Du hast so was Was energisches"

Ja, ich pflege nicht viel Umstände zu machen. Wer mir nicht paßt, der merkt bald, daß er seiner Wege zu gehen hat." . . .. i

Ohne erst die Toilette zu wechseln, trat sie in das Empfangszimmer.

Stupp, der in einer Ecke gesessen hafte, sprang auf und trat dem Mädchen entgegen. So hübsch war Susanne ihm noch nie erschienen.

Untertanen Gelb zu leihen; er habe niemals do« preußischen Adelige« Geld geliehen, aber von große« Magnaten des Kausmannsstandes und Industrie- Millionären. Diese Erzählung trägt den Stempel boshafter, frecher Erfindung deutlich zur Schau. Wik find aber auch zur ausdrücklichen Feststellung e» mächtigt, daß der Kaiser niemals auch nur eine« Pfennig geborgt hat.

Die Xll. Generalversammlung des Preußi­schen Vereins der Lehrer und Lehrer­innen an Mittelschulen und höhere« Mädchenschulen fand tn diesem Jahre am zweite» und dritten Pfingsttage in Berlin statt. Während am ersten Verhandlungstage die innern Angelegenheiten des Vereins auf der Tagesordnung standen, bv« schäftigte fich die Versammlung am zweiten Tage mit der Frage derBedeutung und Notwendigkeit der Mittelschulen als Bildungsfattor für den Mittel stand'. Referent war Mittelschullehrer Kunze-Schöne­berg, Korreferent Mittelschnllehrer Maseborg-Lüne- bürg. An die Referate knüpfte sich eine sehr lebhaft» Debatte. Die Versammlung stellte sechs Leitsätze auf. In diesen wurde zunächst die Notwendigkett bet Mittelschule neben der Realschule und der höhere» Mädchenschule einerseits wie der Vollsschule ander­seits begründet. Ferner wurde der Ausbau de» Mittelschulen zu neunstufigen Anstalten, der in viele« Städten schon stattgefundm hat, allgemein gefordert und im Anschluß daran der Wunsch nach einet» neunstufigen Normalplan erneut ausgesprochen. End­lich brachten die Thesen noch die wichtige Forderung, daß den neunstufigen Anstalten Berechtigungen ver­liehen werden sollen. In zahlreichen Einzelfälle« b» handelten staatliche Behörde« die Mfttelschüler i» gleicher Weise wie die mit dem Einjährigenschein ver­sehenen Zöglinge höherer Lehranstalten. Aber ein» allgemeine Regelung dieser Frage hat noch nicht statt» gefunden, namentlich ist es den Mittelschülern immer noch nicht gestattet, fich unmittelbar nach Ablauf ihrer neun Schuljahre der Prüfung für Einjährig» Freiwillige zu unterziehen. Die jungen Leute muffe» vorher die Vollendung des 17. Lebensjahres ab­warten, sodaß zwischen dem Abgang von der Schul» und der Prüfung ein Zeitraum von 1 bis 2 Jahre« liegt Letter der Verhandlungen war der 1. Vor­sitzende deS Vereins, Rektor Amelungk-Caffel. Di» nächste Generalversammlung soll Pfingsten 1907 i» Halle a. S. stattfinden.

Deutsche Kolonien.

Südwestafrika. Die neuesten Meldungen aus Südwestafrika zeigen, daß die Zerstreuung und Vernichtung der umherstreifenden Trupps von Aufständischen stark fortschreitet, und daß jetzt größere Truppenmengen gegen sie ver­wendet werden können, nachdem die große» Banden auS ihren Schlupfwinkeln vertrieben und ihre Anführer über die Grenze gedrängt sind. Bemerkenswert ist, daß der HererwKapftän Andreas versucht hat, nach Walfischbai zu ent­kommen, offenbar war eS ausgeschlossen, daß er die Grenzen im Osten oder im Süden erreiche» konnte. Nach langer Pause wird Hendrik Witboi wieder erwähnt. Wahrscheinlich hält er sich noch am Nosob auf, wo ihm die nah« englische Grenze gegebenenfalls schnell eine Zu­flucht gewährt Der Aufstand liegt nach alle» Anzeichen in seinen letzten Zügen. Davon ist man jetzt auch sogar im Kaplande überzeugt Die Säuberung des Landes von den Räuber­banden wird sreilich noch längere Zeit in An­spruch nehmen.

Sie wünschen den Onkel zu sprechen, aber der hat keine Minute übrig," begann sie, indem sie sich auf die Lehne eines altdeutschen StnhleS stützte, damit cmdeutend, daß die Unterredung bald zu Ende sein müsse.

N ch lieber ist es mir, daß ich mchi gleich an Sie selbst wenden kann, Fräulein," sagte da junge Oekonom, sie mft verzehrenden Blicken anstarrend.

Nun also? Es wäre mir angenehm, wenn Sie sich rasch aussprechen würden," erwiderte sie, einen der schwedischen Handschuhe abstreisend.

Ich habe eine Erbschaft gemacht. Mein älterer Bruder, der ein sehr einträgliches Ge­schäft in Ostpreußen hafte, ist gestorben. Er war unverheiratet und so fällt mir feine ganze Hinterlassenschaft zu."

Da muß ich Sie ja zu gleicher Zeft b» dauern und beglückwünschen," sagte Susann» gleichgllftg.War das alles, was Sie dem Onkel melden wollte:

Ja und nein! Ich beabsichtigte an dies« Mitteilung eine Bitte zu knüpfen."

Welche denn?"

Je nun mein Oekonomiehof genügt mir nicht mehr. Durch Vermittlung könnte ich ihn verkaufen und Gut Reinek erwerben. Ein» schöne Besitzung, nichts wahr?"

O ja," stimmte sie leicht gähnend bei.$et# mntlich wünschten Sie Onkels Meinung über bw Sache zu hören? Er kann sie Ihnen ja ge­legentlich sagen. Heute ist er su beschäftigt. Wir haben uns ziemlich lange nn Schlosse auf« gehalten"

Die letzten Worte sprach fie absichllich mit Sei sonderem Nachdruck. i ij

-uuzsss 8 Fortsetzung fotzt.), !.