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mit -em Kreis-Latt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage:JUustrirtes Sonntagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis; bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postänitern 2,25 Mk. zexcl. Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Dienstag, 20. Juni 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag! Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei 40.

Marburg, Markt 2L Telephon 55.

Neueste Telegramme.

, Berkin, 17. Juni. DasReutersche Bureau^ Dringt aus Kapstadt die Nachricht, daß die Hotten- »otten Warmbad eingenommen hätten. Nach Er- stmdigung desWolffschen Telegraphenbureaus" »st jedoch an hiesiger amtlicher Stelle über einen »olchen Vorgang nichts bekannt.

Berlin,^7^ Juni. Für die Errichtung eines Kirchow-Dekmmls, dessen Kosten auf 80 000 Mk. veranschlagt werden, hat der Magistrat einen Matz in der Nähe der Charit^ hergegeben. Ein Öffentlicher Wettbewerb zur Erlangung geeigneter entwürfe soll ausgeschrieben Werken.

Berlin, 19. Juni. Wie dieD. Ztg." berichtet, hat da§ Kultusministerium trotz der gemeldeten Protests der Technischen Hochschulen die An- (icllung eines Regierungssyndikus an der Hoch- chule zu Hannover für 1906 angeordnet. Die gleiche Maßregel soll für alle übrigen preußischen Hochschulen bevorstehen.

Berlin, 19. Juni. Musierialdirektor Althoff hat eine hiesige Lokalkorrespondenz zu der Er­klärung ermächtigt, daß die Gerüchte, die ihn iels Nachfolger des Herrn von Lucanus bezeich. üeten, völlig aus der Lust gegriffen sind. Wirklich ernst genommen hat das Gerücht wohl ohnehin stiemand.

Wilhelmshaven, 17. Juni. Das Fischereitor. k'edobootS 21" ertappte zivei englische Fisch- jdampfer,Esk" undGreda", beim unerlaubten Fischen und brachte sie heute morgen in den hie- stgen Hafen.

Wien, 17. Juni. Der Schah von Persien ist heute nachmittag hier cingetroffen und vom Kai­ser, den Erzherzogen und zahlreichen Würden­trägern am Bahnhof empfangen worden. Die Heiden Monarchen fuhren nach herzlicher Be- tzrüßung in die Hofburg.

Wien, 17. Juni. Der Kaiser empfing heute Vormittag las Offizierkorps des königl. preuß. L. Hannoverschen Ulanenregiments Nr. 14, das fiurn Begräbnis des Erzherzogs Josef, des ver- ftorbenen Chefs des Regiments, nach Budapest keist.

Fiume, 17. Juni. Heute morgen wurde dir Leiche des Erzherzogs Josef in Gegenwart der erzherzoglichen Familie und des Erzherzogs Karl Stefan als Vertreter des Kaisers eingesegnet, und sodann in feierlichem Zuge nach dem Bahnhof ge­bracht, von wo die Ueberführung nach Budapest erfolgt.

Haag, 18. Juni. Obwohl, wie schon gemeldet, <53 Regierungskondidaten und nur 17 Oppositio­nelle gewählt wurden, ist ein endgültiger Sieg des Ministerpräsidenten Kuyper bei den 40 Stich­wahlen keineswegs gesichert, da ine Oppositions­parteien bei der Nachwahl eng geschlossen in den Istampf ziehen werden.

Athen, 17. Juni. In Gegenwart der könig» kichen Familie und des diplomafischen Korps und Unter überaus großer Beteiligung aller Klassen Per Bevölkerung hat heute die Beisetzung der Leiche .des ermordeten Mnsterpräsisidenten Delyannis stattgefunden. Auf dem Kirchhofe ge- Dachten mehrere Redner in wärmster Weise der Verdienste des Verstorbenen.

U 'wackwruck verboten.

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Corony.

(Fortsetzung.)

:Walters sind vornehm denkende Menschen. Dasselbe läßt sich von Deinen neuen Freunden sticht sagen."

Was weißt Du davon?"

Ich traue mir in dieser Hinsicht einen sscharfen Blick zu, Papa. Susanne tut nichts ohne Berechnung. Hinter ihrer scheinbaren Offenher­zigkeit lauern Eigennutz, Selbstsucht und"

Du bist sehr schnell fertig mit Deinem Ur- teil, mein Kind," unterbrach sie der Freiherr fchroif.

llnd ich fürchte, daß man die Klarheit des Deinigen mit Erfolg zu trüben suchte. Du ver­kehrst doch erst in neuerer Zeit so viel auf Gut Waldorf."

Ganz reckt."

Noch im Sommer wurde der Gutspächter kurz abgewiesen, wenn er Dich zu sprechen wünschte."

Allerdings."

Jetzt fährst Du nicht nur häufig bei ihm vor, sondern schickst auch seiner Nichte prächtige Blumenspenden."

Ich tue, was mir beliebt, mein Kindl"

Dieses Recht bestreite ich Dir nicht, nur die Ursache Deiner Sinnesänderung möchte ich er­fahre'!."

Die Antwort auf diese Frage kannst Du Dir selbst geben, meine Liebe. Der Einsamkeit Merd rüstig geworben, rief ich Dich zu mir, in ier feüen Erwartung, Du würdest Deinem Vater k.n angenehmes Heim schaffen. Du jedoch ließest M Dir angelegen sein, mich vollständig zu ent- Kuschen. Feindliche Elemente hatten sich »tot-

Der msstsch-japamsHe Krieg.

Die Friedensuntrrhandlungen zwilchen den beteiligten Mächten nehmen den Meldungen aus Washington nach zu schließen, im Allgemeinen einen bestiedigenden Verlauf. Zwar wird aus London gemeldet, nach einem Berichte derTimes" aus Petersburg wäre die Frage des Ortes der Verhandlungen neuerdings wieder zweifelhaft geworden. Weder die Regie­rung noch die amerikanische Botschaft wolle die Wahl Washingtons bestäfigen, man begünstige vielmehr wieder den Haag. Andererseits bezeich­net man jedoch nach einem Bericht derTimes" in Washington diesen Punkt als endgültig er- lebigt. Man sieht dort der Ernennung der Ver­treter entgegen und erwartet das Zusammen, treffen in der ersten oder zweiten A u g u st w o ch e. Auf Seite Japans glaube man einer Frist von 14 Tagen zu bedürfen, um nach Feststellung der Liste die nötigen Schriftstücke und Depeschen für die Verhandlungen herbeizuschaffen und auszuarbeiten, dann müsse man einen wei­teren Monat für die Reise der Bevollmächtigten nach Washington anrechnen. Daß Rußland so rcv'ch vorgehen werde, gelte als zweifelhaft, aber in Tokio zweifle man nicht mehr, daß die Konferenz zustande komme.

Petersburg, 18. Juni. (Petersb. Tel.- Agentur.) Der Minsiter des Aeußern Graf Lamsdorff hat den hiesigen amerikanischen Bot­schafter davon in Kenntnis gesetzt, daß Rußland vollkommen zustimme, daß die Zusammenkunft der russischen und japanischen Bevollmächttgten in Washington stattfinde.

W a s h i n g t o n, 18. Juni. (Reuter.) Der hiesigen russischen Botschaft wurde gestern Obend offiziell mitgeteitt, daß Washington als Konferenz- ort für Rußland annehmbar sei und bleibe.

Tokio, 17. Juni. Die japanischen Zeitungen drücken ihre Dankbarkeit für die Beteiligung des deutschen Kaisers bei der Arbeit für den Frieden aus.

Aus der Mandschurei.

Petersburg, 18. Juni. General Boffa- now, Kommandant der dritten mandschurischen Armee, äußerte sich zum Korrespondenten des Ruß" äußerst opfimistisch über die Lage der rus­sischen Armee. Er glaube, daß, falls die Japaner nicht den gegenwärtigen Moment zum Friedens­schluß benutzen, bei Fortsetzung des Kriegs sie im Laufe des Winters aus der Mandschurei ver­drängt werden. Eine Belagerung Wladiwostoks werde nur von kurzer Dauer sein. Die russische Armee sei durch ausgebildete Mannschaften koin- plettiert, während die javanische Armee durch die letzten Kämpfe sehr geschwächt worden sei. Der Seekrieg sei zwar verloren, aber der Landkrieg fange erst an. Dies wisse Japan und wünsche selbst den Frieden.

Zwischen den Regierungen in Tokio und Pe­tersburg ist ein Meinungsaustausch im Gange, der über Washington geführt wird und ein Zu­sammentreffen des Generals Lenewitsch und des Marschalls Oyama im fernen Osten zum Gegen­stand hat. Der Zweck dieser Zusammenkunft soll

schen uns gedrängt und waren nicht zu bannen. Ich warb vergebens um Deine Liebe und Dein Verstauen. Da suchte ich auswärts, was mir im eigenen Hause vorenthalten blieb: Erheiterung und Frohsinn und fand beides auf Gut Waldorf. Daß ich mich dann allmählich dorthin gewöhnte, ist Deine Schuld nicht die meine!"

Ich sehe es ein, Papa. Es hat mich so vieles Deinem Herzen entfremdet. Aber das soll nun alles anders werden. Ich werde immer bei Dir weilen und fortan meines Kindespflicht gern er. füllen. Doch bitte, brick den Verkehr mit Hellers wieder ab."

Dunois lachte sarkastisch.Bildest Du Dir ein, mich wie eine Marionette lenken zu können? Nein, mein Kind, da irrst Du denn doch! Der Verkehr mit Hellers wird nicht abgebrochen, denn er ist mir unentbehrlich geworden. Ich gedmke vielmehr, Heller und seine Nichte demnächst hier zu empfangen."

Wenn ich Dich bitten dürfte, Papa, tue- es nickt."

Warum nicht?"

Weil mir das Mädchen mißfällt."

So? Und der Grund dieser Antipathie?"

Ich weiß ihn nicht zu nennen. Susannes ganzes Wesen stößt mich ab."

Das tut mir leid, aber Deiner Vorurteile und Launen wegen ändere ich nichts an meinen Gewohnheiten. Machen wir dieser zwecklosen Unterredung ein Ende. Ich will annehmen, daß Tn mir nicht absichtlich trotztest, sondern Dich wirklich in einem Irrtum befandest. Jetzt laß mich allein! Ich will noch fort."

Victoria entfernte sich. j*??'

Bald darauf ritt der Baron aus.

Victoria öffnete das Fenster und neigte sich weil über die Brüsümg. Also wirklich! Der Reiter schlug die Richttmg nach Gut Waldorf ein.

der Abschluß eines Waffen still st an- des sein, der der Friedenskonferenz den Weg ebnen soll. Anfänglich dachte man daran, daß ein vorläufiges Protokoll in Washington unter- zeichnet werde, mau glaubt aber jetzt, daß der Abschluß eines Waffenstillstandes am besten bei­den Befehlshabern anzuvertrauen sei. Die Dauer des Waffenstillstandes ist noch nicht besttmmt, doch soll sie verhältnismäßig kurz fein, sodaß der Fortgang der Friedensbesprechungen nach Mög­lichkeit beschleunigt wird.

Petersburg, 18. Juni. DerPetersb. Telegr.-Agenttir" wird aus Godsiädan vom 17. Juni gemeldet: Gestern bestand eine der russischen Abteilungen einen Kampf von 2 Uhr nachts bis 8 Uhr morgens. Die russischen Truppen erwar­teten den Vormarsch des Gegners, der mit starker Infanterie und 2 Batterien auf Liaojanwaping vorrückte, drei Kilometer vom Dorfe entfernt. Die russische Artillerie zwang die Japaner, sich um 6 Uhr morgens auf der ganzen Linie zurück- zuziehen. Gleichzeitig zeigte es sich, daß ein Bataillon, drei Schwadronen und eine Batterie der Japaner die russische linke Flanke bei Dun- ljahe umgangen hatte. Die Batterie eröffnete ihr Feuer direkt gegen die Flanke der russischen Stellung; sie wurde von der russffchen Artillerie bald zum Schweigen gebracht. Um 8 Uhr mor­gens wurde eine Umgebung des rechten russffchen Flügels durch ein Regiment Infanterie, 20 Schwadronen und Artillerie bemerkt. Der rechte Flügel der russischen Abteilung mußte sich von Liaojanwaping ans seinen Stellungen zurück- ziehen, um einen Reiterangriff vorzubereiten. Während eine russische Abteilung kurze Rast aus den Höhen nordwestlich von Liaojanwaping hielt, beobachtete ihr Führer das Anrücken einer starken Infanteriekolonne auf diese Ortschaft. Die ruf- sischen Verluste belaufen sich nur auf sechs Ver­wundete.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juni.

Seine Majestät der Kaiser traf, wie schon kurz telegraphisch gemeldet, vorgestern Samstag Morgen 6V2 Uhr von Sigmaringen kommend in Hannover ein. Das Wetter war vortrefflich. Auf dem Bahnsteig, der reich deko­riert ivar, waren Oberstallmeister Graf Wedel und der Polizeipräsident von Hannover, Graf von Berg anwesend. Der Kaiser fuhr durch die fest- sich geschmückten Straßen, in denen er trotz der frühen Morgenstunde von einer großen Menschen- menge begrüßt wurde, nach dem Schloß, wo das Frühstück eingenommen wurde. Bald nach dem Eintreffen des Kaisers wurden die Fahnen der Garnison in das Schloß gebracht. Gegen 8 Uhr begab sich der Kaiser nach der Babrenwalder Heide zur Besichtigung des Königs-Ulanen-Re- girnents. Vor dem Frühstück im Kasino des Regi­ments nahm der Kaiser die Meldung des Herzogs Robert von Württemberg entgegen. Um 12^4 Uhr trat der Kaiser nebst Gefolge in drei Auto- mobilen die Fahrt durch die Lünebur­ger Heide nach Hamburg an. Um 3 Uhr traf der Kaiser zu kurzem Aufenthalt in Lüne-

Heute am Geburtstage feiner Gemahlin! Vielleicht gerade heute, weil er das nagende Ge­wissen betäuben will," stüsterte ihr eine höhnende Stimme in ihrem Innern zu.

Tief aufschluchzend trat Fräulein von Dunois ins Zimmer zurück. Da hörte sie ihren Namen rufen, schwach und zitternd. Das kam wohl aus dem Gemache der Großmutter? Sie sprang auf und eilte hinein.

Die alte Gräfin hatte sich halb aufgerichtet und sagte vorwurfsvoll:

Wie kannst Du mich nur heute, wo die ganze Fülle meiner Schmerzen auf mich emftürmt, so lange allein lassen?"

Wie eine Leiche, die sich gespenstisch im Sarge erhebt, war sie anzusehen mit ihrer zum Skelett abgemagerten Gestalt und dem farblosen Gesicht, aus welchem die tief eingesunkenen Augen finster blickten.

Ich brachte der Mutter einen Kranz und betete an ihrer Gruft," erwiderte Victoria.

Und hieltest Dich dort bis jetzt auf?"

Ich sprach noch mit dem Vater."

Du trafst ibn wohl in der Grabkapelle?"

Fräulein von Dunois wollte bejahen, aber die Lüge erstarb auf ihren Lippen und so antwortete sie:Nein, dort traf ich ihn nicht. Er wird wohl schon früher dort gewesen fein."

In Frau von Clairvilles Aügen fchien das düstere Feuer unversöhnlichen Hasses zu lodern. Dieser Blick allein belebte das leichenhafte Antlitz.

Victoria war ans Fenster getreten und blickte zum Himmel empor. Der aber war grau und finster und in dem großen Zimmer mit den schma- len niederen Fenstern lagerten überall tiefe Schatten. Das flackende Feuer int Kamin warf dunkelrote Reflexe auf den Fußboden. Kein freundlicher Lichtstrahl unterbrach die selbst jetzt zur Mittagszeit herrschende Dämmerung. .

bürg ein, wo er durch den Regierungspräsiden­ten und Oberbürgermeister empfangen wurde. Der Kaiser besichttgte das Rathaus und nahm einen Erfrischungstrunk entgegen. Um 4 Uhr wurde unter dem Jubel der Einwohnerschaft die Reise fortgesetzt, lieber Harburg ging dann di« Automobilfahrt nach Hamburg weiter, wo bee Kaiser um 5)4 Uhr an der St. Pauli-Landungs- brücke eintraf und lebhaft begrüßt wurde. Seine Majestät begab sich sofort an Bord der Nacht Hohenzollern". Der KreuzerBerlin" feuerte beim Eintreffen den Kaisersalut. Abends nahm der Kaiser nebst Gefolge an einem Diner retri| preußischen Gesandten v. Tschirschky und Bogem- dorff teil.

Gestern Sonntag Vormttttag 10 Uhr hielt befl Kaiser an Bord derHohenzollern" Gottesmenst ab. Die Predigt handelte über Psalm 46 Vers 8 Gott mit uns". Am Gottesdienst nahmen auch teil die Offiziere und Deputationen der Mann« schäften des KreuzersBerlin" und des Depeschen« bootesSleipner", ferner die Bürgermeister D^ Mönckeberg und Dr. Burchard sowie der Gesandt« v. Tschirschkh-Boegendorff. Nachmittags fuhr de« Kaffer in einem Schimmelviererzua beim Genercn« direktor Ballin vor und stattete diesem einen drei- viertelstündigen Besuch ab. Von hier iuhr de« Kaiser mit dem Flügeladjutanten Mawr GrM Schmettow zum Rennen in H01-1, wo er kurz nach drei Uhr eintraf und von den Vorstandsmitglie­dern des Hamburger Rennklubs empfangen itiui zur Kaiserloge geleitet wurde, während die Ka­pelle der Wandsbecker Husaren dieNationalhynm« spielte. Gegen 4V2 Uhr verließ der Kaiser untel den Hurrahrufen der Menge und unter den Klän­gen der Musikkapelle, welcheDeutschland, Deuffchland über alles" spielte, die Rennbahn und fuhr unter abermaligen herzlichen Ovationen bet spalier-bildenden Publikums nach dem Hasen, wo er sich an Bord derHohenzollern begab. UM 514 Uhr ging die Nacht unter brausenden Hnrrah. rufen der dichten Menschenmenge, welche das llfel und die Anhöhen besetzt hielt, bealeitet von dem kleinen KreuzerBerlin" und dem Depeschenboot Sleipner,, nach Helgoland in See.

Der Kronprinz nahm derPost" W folge dieser Tage Gelegenheit, sich darüber ans zulassen, wie sich und seiner Gemahlin künftiges, Leben gestatten dürste.Ich hoffe," so tagte, bet Thronfolger,daß mir der liebe Gott, meine« Vater noch recht, recht lange erhält. Meine Fccal und ich, wir beide haben uns zum Ziel aesteckß uns auf dem weiten Gebiete der VolkswohltätiA feit ,der Krankenpflege, der Religion und del Unterrichts und der schönen Wissenschaft um Kunst zu betätigen. Wir wollen lernen und itit seren Wissenskreis wetten, damit wir später eim mal befähigt sind, zu urteilen und Anregunge» zu geben. Wir sind jedem ^dankbar, der uns hilft das Ziel zu erreichen." i

Ger Gesamtzuwachs der Besiedlun» d e r O st mark int Jahre 1904 betrug nach amfc lieben Angaben 1450 Familien mit rund 500( Köpfen. Im ganzen sind bis jetzt 10 000 Fami­lien mit rund 60 000 Köpfen in 290 selbständiger Dörfern in der Ostmark angesiedelt., In _ be> 19 Jahren ihres Wirkens erbaute die Ansiede»

Fräulein von Dunois schien es plötzlich, als vermöge sie kaum zu atmen in der überhitzte» Lust.

Großmutter, hier ist eine erstickende Lust, stammelte sie, mit dem Taschentuch sich .Kühlung zufächelnd.Findest Du nicht auch? Soll ich die Türe zu dem nächsten Zimmer offnen?" _

Nein, ich friere," erwiderte die Gräfin, Fühle meine Hand an sie ist ganz falt!"

Ja, das war sie! Victoria meinte bie eisige» Fmger einer Toten in ihren brennenden zu hal­ten. Fing sie auch schon an nervös zu tverden? Der Nebel, der sich immer dichter herabsenkte und' die ganze Gegend verhüllte, der trübselige An­blick des großen, unheimlichen Zimmers und, dec schon mit einem Fuß im Grabe stehenden Greisin, das blutrote Aufzucken der ersterbenden Flamme alles wirkte auf sie, wie die bangen Vorzeichen eines nahenden Unglücks.---

Wenige Wochen waren seitdem verstrichen. Der Schnee bedeckte Wall und Haide und flim­merte im Schein der kalten Wintersonne. Spitz« Eiszapfen hingen an den Dächern, an den Zwei­gen und am Brunnenrand, in allen Regenbogen­farben schillernd. Da hielt ein eleganter, von zwei mit Federbüschen geschmückten Rappen ge­zogener Schlitten vor dem Tor des Schlosses. Eine junge Dame und ein älterer Mann, mit knochigem, von schwarzem, graumeliertem Voll- bart umrahmten Gesicht saßen in dem zierlichen Gefährt.

Wie von einer Natter gestochen fuhr Victoria, die am Fenster stand, zurück, denn sie hatte den Gutspächter Heller und besten Nichte erkannt. Nein, nein, nur nicht mit diesen ihr so widerlichen Menschen zu jammentreffen.

Hastig riß sie Hut und Mantel, aus dein Schrank und wollte eben über die Hintertreppe ins- Freie flüchten, als geklopft wurde und Josef eintrat. .(Fortsetzung le'-gi.)