mit dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jllrrstrirtes Sonntagsblatt.
M 141
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Marburg
Sonntag, 18. Juni 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei 40.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Die deutschen Post- und Trlegraphm- Assistenten
fctlten in den Tagen vom 14. bis Iß. September in Berlin ihren 15. Verbandstaa ab. Die Beratungen tverden sich dieses Jahr in der Haupt- ssache, mit" Anträgen betr. Standesfragen beschäftigen. Von diesen wiederum stehen „Per- 1 onalordnung" und „Gehaltsver- bältnisse" obenan. Aus den vielen eingc- ibrachten Anträgen ist kurz zu entnehmen: Als am 1. Januar 1900 das goldumränderte Amts- knall des Reichspostamts die von dem Post- und Lelegraphenassistentenverbande schon seit 10 Iah- reu geforderte Besserung ihrer Verhältnisse durch die von Herrn v. Podbielski verfügte Personal- reform ankündigte, war unter diesen Beamten Wohl allgemein Jubel und Freude. Nach 10 langen schweren Kampfcsjahren sollte endlich der Assistentenklasse, auf deren Schultern der ganze schwere, verantwortungsreiche, unregelmäßige und sehr aufreibende Betriebsdienst lastet, eine Ent- schädigung werden durch Aufrücken in bessere Stellen und durch Erhöhung ihres Gehaltes um ein Paar hundert Mark. Heute nach Ablauf von kaum 5 Jahren sieht sich das ■ Neujahrsgeschenk des Herrn von Podbielski an seine Assistenten r.ber in einem anderen Lichte an. Weitersehende Köpfe sagten schon damals, daß die Reform nur zu bald ihre Schattenseiten zeigen iriirbc, und sie weissagten richtig. Wie die Dinge heute Uz- gen, muß gesagt werden, daß die Personalreform der großen Mehrzahl der Assistenten nicht nur keinen Vorteil gebracht, sondern noch Nachteil zugefügt hat. Es haben z. B. von den etwa 15 000 älteren Beamten, welche sich bis 1903 zur Sekre- tärprüfunfl melden mußten, nur etwa 1'000 sich gemeldet und nur die Hälfte bestanden. So kommt es mm, daß die seht in die Sekretärstellen einrückenden jüngeren Assistenten — es sind ja auch deren nur wenige — ihre älteren und zum Teil schon ergrauten Kollegen aus ihren besseren und teils leichteren Stellen verdrängen, was selbstverständlich Unzufriedenheit in den betroife- ‘«eit Kreisen erzeugt. Die Personalrcform krankt vor allen Dingen daran, daß nur ein kleiner Prozentsatz der Assistenten in Sekretärstellen gelangen können, weil cs eben bei der eingeführten Reform an genügenden Sekretärstellen fehlt. Es werden jetzt schon Stellen, die seither von Assistenten gewiß zur vollsten Zufriedenheit verwaltet wurden, mit Sekretären besetzt, um nur die paar hundert „Geprüfte" unterzubringen. Anders sind .'die preußischen Steuer- und Eisenbaknverwalwm- gen Verfahren, indem sie einzelnen ihrer Benm- lenklassen, die nach ihrer Herkunft, Vorbildung und dem Werte ihrer Leistungen mit den Post- und Telegraphenassistenten auf gleicher oder annähernd gleicher Stufe standen, ohne Prüfung unter entsprechender Rangerhöhung 'namhafte ^Gehaltsaufbesserungen bewilligten, so daß die
Deutsche Samariter in Ostasien.
Die Bestimmungen der Genfer Konvention fordern von den Staaten, die an einem Krieg Zwischen zwei oder mehr Mächten nicht beteiligt sind, daß sie das Werk des Roten Kreuzes der kriegführenden Nationen unterstützen. Die Art .der Unterstützung steht ihnen frei. Deutschland hot im russisch-japanischen Kriege sich entschlossen, statt Geld und Gut ein eigenes, vollständig ausgerüstetes, mit deutschen Aerzten und Kranken- Pflegern reich versehenes Lazarett auf den Kriegsschauplatz zu schicken. Es hat damit das Beste gegeben, was ihm gehört: die eigene Arbeit, die eS in den Dienst des gefährdeten Nachbarn stellte. : Indem das deutsche Volk sein eigenstes gibt, tritt es dem, der von ihm empfängt, auch am nächsten. Gewiß zeigten unsere westlichen Nachbarn hohen :©hui, wenn sie ihre Franken und Pfunde der Zcntralvcttvaltung des russischen Roten Kreuzes itzufließcn ließen, aber der Retter, der selbst den !Kahn in die Brandung lenkt — der ist „der brave . Mann" unseres Dichters, und solch ein selbstloses Eilen an den Ort der Gefahr ist die Stiftung des 'deutschen Lazaretts an der Grenze der Man- ■ dschnrei.
Sucht man die Sache des Roten Kreuzes von einem höheren Standpunkt zu würdigen und von .einem weiteren Gesichtspunkt zu betrachten als -dem eines Spendenvilegers, so ist es die hohe moralische Bedeutung der Annäherung d„r Völker . gerade dann, wenn sie für die ihnen entgegen- "getragene Liebe und Teilnahme besonders emp- ' sanglich sind, in der Zeit der Not, der Krankheit sund der blutenden Wunden. Die Arme, die aus dem Feuer den Gefährdeten tragen, sind eines .Engels Fittiche! Trost und Heilung zu bringen, ist des Menschenfreundes schönste Aufgabe, durch *bic er um die Nächstenliebe wirbt und das Ver- 'tiauen derer erwirbt, denen er die helfende Hand reicht. Tie dienende Liebe an dem Kranken ist
Postassistenten einen Vergleich mit denselben nicht mehr aushalten. Ebenso läßt die badische Eisenbahnbehörde ihre Assistenten gleichmäßig in Se. kretärstellcn und in die damit verbundenen An- -nehmlichkeiten einrücken, zur Zufriedenheit ihrer ganzen Assistentenklasse. Was aber preußische und andere Behörden können, soll der Reichs- Po st Verwaltung unmöglich sein? Abge- sehen davon, daß der größte Teil ihrer Beamten in Anbetracht dieser Kontraste noch unzufriedener und mißmutiger wird, als sie es vor 1900 waren. Auch die Preußischen Gemeindebehörden, ebenso die badischen Städteverwaltungen bezahlen ihre Beamten und Lehrer bedeuten^, besser, als die Reichsposwerwaltung. Und die Post- und Telegraphenassistenten sind zu 4/„ in Städten beschäftigt. Niemand wird auch behaupten wollen, daß der vielseitige und hauptsächlich zur Nachtzeit zu verrichtende Betriebsdienst, der auch pekuniäre Ansprüche an die Betreffenden stellt, weniger anstrengend sei als die sich Tag für Tag gleichbleibenden regelmäßigen Bureaustunden an- derer Behörden. Nicht umsonst suchen die Post- assistcnten in die leider nur spärlich vorhandenen Bureaustellen ihrerAemter zu gelangen, um sich der den Geist und Leib frühzeitig ruinierenden Nackst- und Spätdiensten zu entziehen. Umsomehr muß i : Reichsposwerwaltung darauf bedacht sein, ihre Beamten mit den Beamten anderer Behörden wenigstens in Gehalt gleich zu stellen. Hoffen wir daher, daß der Verband Deutscher Post- und Telegraphenassistenten mit seinen über 30 000 Mitgliedern bei seinen diesjährigen Beratungen Mittel und Wege findet, um die immer mehr zu. nehmende Verstimmung der Assistenten in richti- ger Weise dem Herrn Staatssekretär des Reichspostamtes mit Aussicht auf Erfolg vorzutragen.
Ihnfdmn.
Der Allgemeine Deutsche Sprach, herein,
der jetzt in 277 Zweigvereinen 25 500 Mitglieder aus allen Gauen des Deutschen Reiches und ans Oesterreich- umfaßt, hielt in diesen Pfingsttagen unter dein Vorsitze des Geh. Oberbaurats Sarrazin aus dem preußischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten seine 14. Hauptversammlung in Duisburg ab. Der Duisburger Zweigverein hat eine Festschrift herausgegeben, die besonders die Aufgabe zu lösen gesucht hat, einen einzelnen Ort, hier Duisburg, nach seiner sprachlichen Entwick- lung und nach feinem jetzigen sprachlichen Standpunkte darzustellen. Der Jahresbericht stellt eine erfreuliche öffentliche Teilnahme und Mitarbeit und ein Erstarken des Vereins fest. Im Laufe des letzten Geschäftsjahres sind 4 Zweigvereine erloschen und 20 neu gegründet. Bemerkenswert ist das Anwachsen der ausländischen Vereine. Die Verdeutschungsbücher des Sprachvereins erfreuen sich einer lebhaften Nachfrage. Nach dem Muster der „Deutschen Tanzkarte" ist auch von dem Wer- deutschungSbuch „Deutsche Speisekarte" ein kur-
das Mittel, durch das das Rote Kreuz die Verbrüderung der Völker fördert. Sie aber muß gesehen werden und vor die Augen derer, denen sie gewidmet ist, treten. . Wer die deutsche Arbeit wertschätzen und lieben lernen soll, muß sie an sich erfahren und erprobt haben.
Dieser großen Sache dient — so führt der berühmte Berliner Chirurg Prof. E. v. Bergmann in der heute erschienenen Nummer der „Woche" aus, der wir diese hochaktuellen Betrachtungen im Auszuge entnehmen — das deutsche Lazarett des Roten Kreuzes in Charbin. Was eS schon in der kurzen Zeit hierin erwirkt, bezeugt einstimmig die sonst so vielfach gespaltene russische Presse. Der russische Chef der freiwilligen Krankenpflege im Kriege hat jüngst die an der sibirischen und, so weit sie noch im Besitz Rußlands ist, mandschurischen Eisenbahn gelegenen Kriegshospitäler gemustert. Das schönste, am zweckmäßigsten eingerichtete und verwaltete ist nach seinem offiziellen Bericht das deutsche in Charbin. Vor einiger Zeit führte mich die Aufforderung zu einer Operation nach Rjasksk, dem Ausgangspunkt der sibirischen Eisenbahn im europäischen Ruß- land und gab mir Gelegenheit, die Urteile heimkehrender Offiziere und Äerzle zu hören. Eine Oase in der Wüste nannte einer von ihnen unser Rates-Kreuzhospital.
Ein Schrecken war es für die Deutschen, in Rußland, als die russischen Zeitungen von einer beabsichtigten Auflösung des nur für ein halbes Jahr gestifteten Lazaretts schrieben. Nach fotdter Anerkennung ein gänzliches und plötzliches Ver- schwinden von der Bühne, die so viel wohlwollende, ja entzückte Augen auf sich gerichtet hat, das soll und wird das deutsche Volk nicht zulassen!
Mehr als ein Merkstein in der Geschichte des Roten Kreuzes trägt den deutschen Namen. Vor allen ist es der erste Deutsche Kaiser gewesen, der als erster unter den Souberänen der Welt die
zer Auszug hergestellt worden, der die gebräuchlichsten Fremdwörter der Küchen- und Gasthofsprache mit ihren Verdeutschungen enthält, lieber die neue deutsche Rechtschreibung wird mitgeteilt, daß die Mehrzahl der deutschen Bundesstaaten über die in dem reichsamtlichen Wörterbuch noch unentschieden gelassenen Doppelschreibungen Beschluß gefaßt haben und zwar in völlig überein« stimmendem Sinne. Dieser Entscheidung hat sich das Deutsche Reich für seine sämtlichen Behörden angeschlossen; auch ist die ganze deutsche Presse der neuen Schreibung gefolgt. Die nächste Hauptversammlung soll erst 1907 stattfinden. Vom Zweigverein Troppau wurde der Wunsch ausgesprochen, eine der nächsten Hauptversammlungen im fernen Osten, dort wo der erbitterte Kampf gegen das Slaventum geführt wird, abzu- halten. — Au die geschäftlichen Verhandlungen schloß sich in der Aula des Realgymnasiums die öffentliche Festsitzung, die vom Geh. Oberbaurat Sarrazin mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet wurde. Regierungsrat Bammel-Düsseldorf versicherte die Versammlung der lebhaftesten Anteilnahme der Regierung an den Bestrebungen des Vereins. Besonders nahe liege diese den Be« Hörden, die sich um die Verwaltung des Schill- wesens und um die Interessen der breiten Volksschichten zu kümmern hätten. Insbesondere dachte Redner hierbei neben der Volksschule an die Fortbildungsschule und den Wert der Volks- büchereien. Namens der Stadt Duisburg hieß Oberbürgermeister Lehr die Festteilnchmer willkommen.
Im Zeichen des Verkehrs.
Eine neue Kabelverbindung zwischen Deutschland und dem Orient stellt, wie bereits mitgeteilt, das Kabel zwischen dem rumänischen Hafen Konstantza und Konstantinopel dar. Die „Köln. Ztg." spricht sich über den Wert dieses Kabels folgendermaßen aus: Das neue Kabel, das von den Norddeutschen Seekabelwerken in Norderham feickiggestellt worden ist, gewährt uns die Möglichkeit, unabhängige, reindcutsche Telegraphenlinien von Deutschland aus in wenigen Jahren bis an den Persischen Golf und ans Rote Meer und vielleicht noch darüber hinaus vorzutreiben.
Die rumänische Regierung verpflichtete sich, jährlich 40 000 Mark für den Betrieb des Kabels Konstantza-Konsiantinopel beizusteuern, denn sie brachte den deutschen Plänen von vornherein die größte Geneigtheit entgegen, und ließ ihnen jede Unterstützung angedeihen. Trägt man sich doch in Bukarest mit dem hochfliegenden Gedanken, Konstantza zu einer Art von Nebenbuhler Brindisis, einem großen Seehafen und Brennpunkt des Weltverkehrs, zu machen und allmählich den ganzen großen Verkehr Westeuropas nach Egypten und späterhin (nach Eröffnung der deutschen Vaadadbahn) vielleicht auch nach Indien und Ostasien au sich reißen zu können, wozu aller- dinas die Aussichten äußerst günstig sind.
Aber der unmittelbare Telegraphenverkehr zwischen Deutschland und der türkischen Hauptstadt auf deutschen Linien ist nicht das letzte Ziel des neuen deutschen Kabels. Schon schreiten wei-
Genfer Konvention annahm und sie in seinen Kriegen von 1866 und 1870/71 zu gesegneter Wirksamkeit entfaltete. . Eine bessere Pflegerin als die unvergeßliche Kaiserin Augusta hat das Rote Kreuz nicht finden können.
Wieder bietet sich, und zwar nun dem deut- scheu Volk, die Gelegenheit, einen wichtigen Fortschritt auf dem Arbeitsgebiet des Roten Kreuzes zu inaugurieren: den Erfolg der Tätig, feit eines eigenen nationalen Krankenhauses auf dem Kriegsschauplatz des fremden Volkes. So glänzend der Anfang gewesen ist, so segensreich sei auch die Fortsetzung! Dieser Aufgabe gerecht zu werden, kann das deutsche Volk nicht zögern.
Von der Tätigkeit und aus den Erfahrungen eines Feldhospitals wie des unserigen inmitten der Evukationsstraße einer großen und unter den schwierigsten Umstünden operierenden Armee vermag das Rote Kreuz viel zu lernen. Insbesondere gilt dies von der Einreihung der freiwilligen Hilfe im Krieg in den Rahmen der allgemeinen Sanitätsordnung des kämpfenden Heeres. Gerade über ihre Unvollkommenheit wird in den russischen Zeitungen viel geklagt. Neben Hospitälern, denen alles fehlt, fänden sich reich ausgestat- tete Depots, aus denen aber jene keine Recht haben, ein Bett oder etwa eine Binde zu beziehe» Gut ausgestattete Lazarette ständen leer, während nicht weit davon andere und ärmliche so überfüllt seien, daß kein Strohbündel m:br als Lager für einen Verwundeten Raum fände. Wie hier aus- zugleichen und zu bessern fei. darüber können nur jene Erfahrungen sammeln, die mitten in der betreffenden Arbeit stehen, uni das sind unsere Samariter im fernen Osten. Nicht ungenutzt soll ihr Arbeiten und Aufzeichnen für die Organisa- tion unseres Roten Kreuzes im fernen Osten bleiben. So arbeiten unsere Delegierten jenseits des Amur auch für uns. Was sie in ihrer.Stellung gelernt, wird für uns zur Lebre, zu einem Er- werb auch für die dcutsche Kriegschirurgie.
tere deutsche Telegraphenli.iien parallel der Bagdadbahn quer durch Kleinasien und Mesopotamien der Vollendung entgegen, die in wenige« Jahren bevorstehen dürfte. Damit erhält bi| deutsche Telegraphenli.üe Berlin-Konstantinopel eine Fortsetzung über Skutari, Angora, Diarbekr Mossul und Bagdad bis Bassora und Fao int Persischen Golf, wo die indisch-europäischen Kaba der indischen Regierung einen Endpunkt finden« Es wird somit ein neuer Weg für den großes Tepeschenverkehr nach Indien und Ostasien g« schaffen, der sich bisher ausschließlich durch di« englischen Seekabel oder durch die alte Landlini- der Jndo-Eurovean-Telegraph-Company auf dem Wege von London über Emden, Berlin, Thorn, Warschau, Odessa, Kertsch, Tiflis, Teheran, Bm schir Kuratschi vollzog, also nahezu völlig in eng, lischen Händen lag.
Somit wird künftig Deutschland an dem eim träglichen indischen Telegrammverkehr einen am gemessenen Anteil für sich in Anspruch nehmen können, zumal die neue Linie den schnellsten unj obendrein billigsten Depeschenverkehr mit Jndinj ermöglichen wird.
Verstößt ein Vertrag, im Verst e i g c r u n g s t e r m i n nicht höher z« bieten, gegen die guten Sitten? ;■
Diese Frage hat das Reichsgericht durch Um teil vom 11. Juni 1904 bejaht. Es hält die Ent- scheidung für fo wichtig, daß es sie mit ausführ« lichen Gründen versieht, und wir glauben sie um so mehr veröffentlichen zu sollen, als durch sie einem armen Handwerker, der Arbeiten für einen Hausbau geliefert hatte, feine Forderung gerettet wurde. Seiner Hypothek von 1562 Mark ging m fünf andere mit etwa 84 000 Mark vor, hinter ihr war eine sechste in Höbe von 4000 Mark für einen gewissen V. eingetragen. Der Beklagte betrieb in dem Grundstück ein Fuhrwerksgeschäft und hatte großes Interesse dasselbe zu erwerben. B. hatte bestimmt erklärt, daß er bieten werde, bis er gedeckt sei und er war auch in der Lage, ernstlich zu steigern. Er hätte soviel bieten müssen, daß auch der Kläger gedeckt war. Um das Grundstück aber billiger zu erstehen, bot der Angeklagte ihm 3500 Mark dafür, daß er nicht biete. V. ging darauf ein und das Grundstück wurde dem Beklagten zu einem so niedrigen Preis zuge- schlagen, daß der Kläger leer ausging. Er forderte in Höhe seiner Forderung Schadenersatz. Das Landgericht verurteilte: das Benifungsge- richi wies die Klage ab; das Reichsgericht erblickte in der Vereinbarung zwischen V. und dem Beklagten, nicht zu bieten, einen Verstoß gegen die guten Sitten und hob das Urteil auf. Allerdings ist eine Bestrafung derartiger Verträge bei der Beratung des Strafgesetzbuchs abgelehnt worden. Allein das beweist noch nicht, daß der Gesetzgeber solche Handlungen auch als nicht gegen die guten Sitten verstoßend erachtet. Auch ob D. ein Vor- Wurf trifft, darauf kommt es nicht an. Der Beklagte war sich bewußt, daß er das Grundstück nur erstehen könne, wenn er so viel biete daß alle, auch die Hypothek des Klägers aedeckt werde. Er wußte ferner, daß der Kläger nicht in der
An erster Stelle kommt das Können des erfahrenen Chirurgen, den das Rote Kreuz nach China gesandt hat, und das seiner vortrefflich geschulten Assistenten den Verwundeten im. Lazarett zugute. Weiter ist es aber auch für die kriegs- chirurgische Wissenschaft gerade in diesem Kriege wichtig, die deutschen Anschauungen über die Wirkung der kleinkalibrigen Geschosse und über die Behandlung der von ihnen gemachten Wunden zu Prüfen. Die japanische Armee ist mit dem kleinsten Kaliber (5,5 Millimeters bewaffnet, das eine Anfangsgeschwindigkeit von mehr - als 800 Meter in der Sekunde besitzt. Die Eigentümlichkeiten der von ihnen hervorgerufenen Wunden, sowohl im Nah- als Fernschuß, sind noch nicht sichergestellt. Es wäre für die deutschen. Chirurgen ein großer Gewinn, wenn sie hierüber Erfahrungen sammeln könnten. Nock wichtiger ist die Prüfung der Behaiidstrnasweiie. Es handelt sich darum, testzustellen, ob die Schußwunden mit kleinen Ein- und Aiisgangsöffnungen des Geschosses auch bann unter- einfachen Verbänden beiten, wenn die mitgetroffenen Knochen zersplit- tert waren. Ebenso ist festzustellen. ob es richtig ist, daß bei den furchtbaren, geradezu erplosivep Wirkungen des Nacbschnsses regelmäßig die fo« fertige Absetzung des zerschmetterten Gliedes not« wendig ist. Es leuchtet ohne weiteres ein, wü> wichtig solche Entscheidungen sind, ebenso aber’ auch, daß diese sich nur in einer nach den modernen wissenschaftlichen Grundsätzen ausgerüstete« Arbeitsstätte gewinnen lassen. Eine solche if# da? deutsche .Hoivital in Charbin.
Es sind nicht geringe Hosfuungen, die. Hfl Kriegschirurgie auf die Beobachtungen. Leistungen und Ergebnisse dieses Hospitals setzt und mit) Spannung erwartet. Jeder Krieg ist ein ernster Lehrmeister für den folgenden. Scheuen wir doch nicht die Opfer, uns feine Lehren im Cbarvin- hospital zu sichern k