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mit dem Krersblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Jllnstrirtes Sonntagsblatt.

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Vierteljährlicher Bezugspreis: bet bet ExpÄition 2 bet alle« Postämtern 2,25 M. <ejcl. Bestellgeld).

Znserttonsgebühr: die gespaltene Zeile ober Deren Raum 10 Pfg.

Reclamcn: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonnabend. 17. Juni 1905.

Erscheint wöchentlich siebe» mal.

Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckrei Marburg, Markt 2L Telephon 55.

40. Jahrg.

Neueste Telegramme.

Berlin, 15. Juni. Auf das Glückwunschtele­gramm des komntandierenden Admirals Sparr anläßlich der Hochzeit des deutschen Kronprinzen, sandte Kaiser Wilhelm folgender Antworttele- xramm: Habe Ihre Glückwünsche zur Hochzeits- feier des Kronprinzen mit Freude cntgegenge» pommen und spreche Ihnen und dem Offiziers­korps der königlich norwegischen Marine meinet! besten Dank dafür aus.

Berkin, 16. Juni. Auf Veranlassung der Neichstagsverhandlungen vom 30. Noviwber und A Dezember 1904 über die Mißbräuche im Aus. Iberkaufswesen ersuchte das Reichsamt des Innern die Einzelstaatsregierungen um Erhebungen 1. juber die hauptsächlichsten Arten der Auswüchse im Ausverkaufswesen und 2. über die allensallst- tzen Abändenings- oder Ergänzungsvorschläge zum Reichsgesetz betr. die Bekämpfung des un­lauteren Wettbewerbs vom 27. Mai 1896.

Esten (Ruhr), 15. Juni. Die deutsche Kolo­nialgesellschaft hat als Ort der nächsten Tagung Königsberg i. Pr. gewählt.

Windsor, 15. Juni. Heute Nachmittag fand in der St. E.orgskatzelle die Trauung des Prin- gen Gustav Adolf von Schweden und Norwegen mit der Prinzessin Margarete von Cormaught in feierlicher Weise statt. Der Erzbischof von Can- terbury, unterstützt von dem Bischof von Oxford, vollzog die Trauung. In seiner Ansprache wies der Erzbischof auf die Bande hin, welche England mit Schweden vereinigen

Stockholm, 15. Juni. Der König ernannte den König von England zum Ehrenadmiral der schwedischen Flotte und den Prinzen von Wales und den Prinzen Arthur von Coniraught zu Rittern, des Seraphinenordens.

Sofia, 15. Juni. Der Abschluß dec deutsch- Lulgarischen Handelsvertragsverhandlungen in Berlin ist Ende dieses Monats zu erwarten, doch rechnet man in unterrichteten Kreisen auch mit einer Fortdauer der Verhandlungen bis in den Juli.

Washington, 15. Juni. Präsident Roosevelt wmpfing heute die von der Deutschen Turnerschaft !8i:m Besuche des nordamerikaixischen Bundesturn- ffestes entsandten Turner, die später, ebenso wie ihre österreichischen Turner, einen Kranz am Grabe Washingtons in Mount Vernon niederlegten.

Konservative und Zentrum.

DieKölnische Volkszeitung" scheint nach jeder Richtung gegen die Konservativen mobil machen zu wollen. Nachdem sie wiederholt ein Mitglied des Reichstages vorgeschickt hat, um eine .hochkonservative Fronde", eine Art von konser­vativem Komplott zur Herbeiführung eines Kon- sflrkts zu konstruieren, läßt sie sich jetzt in sanf- steren Tönen von einem Gewährsmann aus Pommern Mordsgeschichtett über die Konservati­ven schreiben. Der Gewährsmanit meint zwar, -mit den verschrieenen Junkern könne inan im ^allgemeinen sehr gut auskoiumens aber er schreibt

weiter, die Konservafiven suchten jetzt den Kampf gegen die Sozialdemokrafie in den Vordergrund zu schieben, unter diesem Kampfe verständen sie aber etwas ganz anders als das Zentrum:

Um es gerade heraus zu sagen so schreibt der Herr aus Pommern weiter: sie sind direkt arbeiterfeindlich und sogar noch in höherem Grade als die Nationalliberalen. Unter sich machen die Konservativen zwischen Arbeitern und Sozialdemokraten überhaupt keinen Unterschied, sie erklären sich nicht nur gegen jedes weitere Zugeständnis an die Arbeiter, sondern sinnen auch iiodj darauf, ihnen etwas abzuknöpfen. Einen Landedelmann hörte ich sagen:Wir Konservati­ven haben einen feinen politischen Instinkt unb sind keine Gemütsmenschen. Wenn sich ein Tiger zum Sprunge duckt, so warteit wir nicht, bis er uns an die Gurgel kommt, sondern legen an und schießen die Bestie zusammen." Mit dem Tiger war die Sozialdemokratie gemeint, und der Vec- gleich sollte dazu dienen, die Ablehnung jeglicher Sozialreform zu begründen. In diesem Licht.' getninnt auch der Widerstand gegen die Berg­gesetznovelle eine ernstere Bedeutung. Sie be­reiten sich augenscheinlich zu einer großen Aktion vor, die offiziell gegen die Sozialdemokratie geht, tatsächlich aber den gangen Arbeiterstand trifft, denn eine Hauptrolle spielt dabei die Einschrän­kung der Freizügigkeit. Man sagt Einschrän- kung, meint aber Aufhebung, denn für die Ar­beiter soll die Freizügigkeit aufgehoben werden."

Hieran knüpft der Verfasser noch den für jeden Kundigen ganz selbstverständlichen" Schluß, daß bei Maßnahmeit, die sich gegen den Arbeiterstand richten, auch das Reichstagswahl- recht nicht länger bestehe- könne. Das aber wolle das Zentrum ebenso wie die Freizügigkeit er- halten wissen. Und nun kommt die Kriegser­klärung: Zeit seines Lebens sei der Verfasser ein Freund der Konservativen gewesen, aber jetzt stehe das Zentrum Wohl am Scheidewege, es gebe linkswärts, während die Konservativen rcchts- wärts gehen.

Auf den ersten Blick, erklärt hierzu die partei- offiziöseKons. Korr.", fallen die falschen Vor­aussetzungen des seltsamenFreundes" der Kott- servativen in die Augen. Einmal ist es eine durchaus unrichtige Behauptung, daß unsere Par­tei beute den Kampf gegen die Sozialdemokratie schärfer betone als in früheren Zeiten. Die Konservafiven sind stets unversöhnliche Feinde der Uinstürzler gewesen und haben den Kampf gegen sie stets als ihre Hauptaufgabe angesehen. Auch die Grundsätze, die bei der Stellungnahme gegen einzelne Bestimmungen der Berggesetz­novelle maßgebend waren, sind bei den Konser­vativen von jeher befolgt worden.

Der Vorwurf, daß unsere Partei arbeiter­feindlich fei, ist ein vollkommen unbe­gründete r. Er wird deshalb nicht richtiger, weil er von den Sozialreformern derSozialen Praxis" mit gleicher Dreisfigkeit wie von der Sozialdemokratie unablässig wiederholt wird. Die Konservativen find immer bereit gewesen und sind beute noch dazu breit den Arbeitern mög­lichst weit entgegenzukommen, soweit sich dies

42 '9?ndibruti verboten.)

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. C o r o n y.

(storlsetzung.)

' In diesem Augenblick kam ein junger Mann ches Weges daher, starrte'erst den Baron, hieraus das Fenster an, zog den Hut und ging zögernd weiter, wiederholt zurückblickend.

Wer toar denn das?" fragte Herr von Dunois.

Der Oekonom Stupp, Herr Baron."

Ja, ja, jetzt erinnere ick mick! Ein wider­licher Mensch mit seinem frechen Gesichtsaus­druck."

Ich sehe ihn auch ungern. Er läuft meiner Suse auf Schritt und Tritt nach."

Für solchen Burschen ist Ihre Nichte doch zr: schade."

Rasch rollte der Wagen vorwärts.

Am nächsten Vormittag, kurz nach 11 Uhr ikam Josef Vanten nach Wal.ork und brachte ein (herrliches, sorgfältig in Watte und Seidenpapier «verpacktes Bouquet, nebst einem zierlichen, mit idem freiherrlichen Wappen gesiegelten Briefchen. Herrje, was ist denn das?" rief Grete Klar, iDas schönste, was in den Treibhäusern des -Schlosses aufzutreiben war." erwiderte er mit dem iselbstgefälligen Stolz eines Dieners, der sich im !Laufe der Zeit daran gewohnt hat, des Herrn .Sache zu seiner eigenen zu macken.

Ah!" staunte sie.Das schickt der gnädige (Herr unserem Fräulein?"

Na ja, er schickt ihr's, wie Du siebst."

Ist die aber zu beneiden! Unsereins kann ckck um diese Jahreszeit kaum einen miserablen -Blumentopf kaufen."

Josef klopfte sie gutmütig lackend auf die ;tofige Wange.Für Dich hab' ich auch etwas -rnitgebracht. .Schau nur Herl" - -

Josef zog ein niedliches, ebenfalls sorgfältig eingewickeltes Sttäußchen aus der umfangreichen Rocktasche.Kamelien unb Veilchen," sagte er wichtig tuend.

Herr Jesus, das hast Du wohl rar ge­mopst ?"

Was Dir nicht einfällt!" erwiderte er ge- kränkt.Lieber töt ich verhungern, als meinem gnädigen Herrn auch nur für eines Pfennigs Wert veruntreuen. Nein, nein! Von dem Gärtner habe ich die Paar Blumen gekauft, or- deutlich und ehrlich gekauft: denn was er von. Ableger groß zieht, das gehört ihm. Aber stehlen? Nee! nee!"

Na für mich"

Auch für Dich nicht!"

So? Das klingt nicht fehr liebevoll."

Könntest Du mich denn lieb haben, loenn ich so 'n Schuft wäre?"

Ich verlange ja gar nicht, daß Du was ffiehlst. Aber reden könnten wir doch über so mancherlei mit einander."

Heber was denn?"

Nun tvas so im Schlosse passiert"

Das geht bloß beit Herrn Baron an."

Sei dock kein Murrkater! Wenn zwei mit- einander stehen, wie wir, dann brauchen sie sich auch nichts zu verschweigen. Herr von Dunois ist wohl gar verliebt in unser Fräulein?"

Weiß nicht."

Warum schickt et ihr sonst die prachtvollen Blumen?"

lieber den Grund hat er mich nicht auf­geklärt."

Ein hübsches Mädchen ist sie scho t! Uno Augen hat sie im Kopf, die einen Mann verrückt machen können! Was meinst Du?"

Das weiß ich nicht."

Geht'S noch lange in dem Ton fort, Du Brummbär? Tann nimm Deine Blumen wieder timt und laß' mich zufrieden^" _

mit dem Gemeinwohle verträgt. Aber sie haben stets den alten Bismarckfchen Satz ver­treten, daß man die Sozialdemokratie nicht ver­söhnen könne, sondern durch staatliche Macht- mittel niederhalten müsse, daß der Kampf gegen die Sozialdemokrafie eine glatte Macht- frage fei.

Die Konservafiven find aus diesem Grunde zuerst am Platze gewesen, als es gatt, unsere Sozialreform vorzunehmen, ihr Programm war das erste, das enfiprechende Forderungen enthielt. Das Zentrum ist in diesm Punkte an­fänglich zaudernd borgegangen, aber dann mit einer wahren Vehemenz einseifig immer Wetter fortgeschritten. Derartige sozialpolitische Extra- vaganzen können natürlich die Konservativen, die immer auch die Interessen der übrigen Volksteile wahrnehmen, nicht mitmachen. .Daß es aber arbeiterfeindlich sei, wenn man die Politik nicht lediglich vom Gesichtspunkte der reinen Ar­beiterinteressen gestaltet, ist eine so widersinnige Behauptung, daß verniinffige Männer sie nicht aussprechen sollten. Ist dock in den Augen der wahren" Arbeiterpartei, der Sozialdemokratie, auch das Zentrum arbeiterfeindlich.

Tie Verdächtigungen der Konservativen, als gingen sie daraus aus, die Aushebung der Frei­zügigkeit und des Reichstagswahlrechts herbeizu­führen, verdienen keine Widerlegung. Sie sind offenbar nur deshalb ausgesprochen, um die von dem Herrn aus Pommern betonte Linksschwen­kung des Zentrums zu motivieren. Diese Links­schwenkung hat aber ganz andere Mofive: sie ist das Ergebnis der immer stärker werdenden Herr- schäft der demokratischen Elemente in der Zen­trumspartei.

Der russisch-japanische Krieg.

Tie Frirdensvrrmittkluilgrn.

- Der Sekretär des Präsidenten Roosevelt er­läßt folgende Mitteilung: Als die Regierungen von Rußland und Japan zu erkennen gaben, daß sie nicht in der Lage feien, sich mit der Wahl von Tschifu oder Paris als Ort für die Zusammenkunft der beiderseitigen Bevollmäch­tigten einverstanden zu erklären, brachte Prä­sident Roosevelt den Haag in Vorschlag. Beide Regierungen machten jedoch- abermals Einwen­dungen, und sprachen das Ersuchen Ws.. daß. die Zusammenkunft in Washington statt- finden möge. Demgemäß machte der Präsident beiden Regierungen die Mitteilung, daß Washington ihrem Wunsche entsprechend als Treffpunkt für die Bevollmächtigten beider Länder gewählt fei.

Newhork, 15. Juni. Tie Friedensbevoll­mächtigten werden in Washington zusammen- trete.i, um dann in Newport oder einem sonstigen Strandort die Beratungen fortzusetzen. Die Mächte suchen Japan zu beeinfluffen, mäßige Friedensbedingungen zu stellen, namentlich be­treffs der Indemnität.

Aber Grete! Schau hör' doch auf, mich auszufragen! Ein braver Diener muß alles hören und sehen, darf aber nichts ciusvlauderu._ lieber die Angelegenheiten meines Herrn sage ich nun einmal fein Wort und wenn mich einer gleich tot- schlüge! Wie ist's denn? Krieg' ich einen Kuß für das Sträußchen?"

Totschlägen tue ich Dich nickt, ober auf den Kuß kannst Du auch lange warten."

Weshalb denn?"

Wenn mich jemand immer so kurz und un­freundlich abspeist, mag er fick meinethalben seiner Wege trollen!"

Gretel!" ' 11

Laß' mich in Rnb! Wenn mir einer nicht ant­worten will, so ist's ja auch nicht nötig, daß ich mit ihm spreche. Adieu!" , .

So bleib' doch mir!" 1

Sollen die Blumen erft welk werden, ehe ich sie dem Fräulein hineintrage?"

Du kommst aber wieder?"

Das weiß ich nicht."

Ein Viertelstündchen wirst Du wohl für mich übrig haben?"

DaS weiß ich noch nicht."

Hast Du mich denn überhaupt gern?"

Je nun das weiß ich auch nicht."

Zornig griff Joses nach seinem Hut und lief fort.

Lachend sah ihm das Zöschen nach und mur­melte :Heute Abend ist er doch wieder da."

Dann überbrachte sie die Senduna und wurde von der freudig errötenden Nickte des Guts­pächters mit einem blanken Silberstück beschenkt.

Der Baron hielt sein Versprechen. Er kam wieder, kam sogar immer häufiger und endlich fast täglich.

Die Sache begann aufzufallen. Josef wan­derte oft mit Blumenspenden nach Gut Waldorf und Paul Heller ging so stolz uni) aufgeblasen

Zu dem Stand der Friedensfrage hat etitt diplomatische Persönlichkeit in Washington, d« mit den japanischen Anschauungen vertraut ist, sich folgendermaßen ausgesprochen:

Um sich ein Bild von den Forderungen zu machen, zu denen Japan sich berechtigt hält, muß man sich immer wieder die Beweggründe gegen­wärtig halten, die das Jnselreich in den Kampf drängten. Nicht Eroberungslust leitete eS, son­dern es hat lediglich um seine Existenz als selbst­ständiger Staat gerungen, in der es sich durch das Vorgehen Rußlands in der Mandschurei be­droht fühlte. Nur die Ueberzeugung, daß es sich um eine Lebensfrage handele, hat die Nation yt den Taten begeistern können, die ihrem Heer« und ihrer Flotte bisher den Sieg gesichert haben. So wird denn auch Japan beim Abschluß bei Friedens zum Ausgangspunkt des Kampfes, d. h. zu der Forderung zurückkehren, daß die Mand­schurei Rußland genommen wird und auch in Zu­kunft vor seinen Aspirationen geschützt bleibt Wenn übrigens immer betont wird," so fuhr der Diplomat fort,Japan könne Rußland niemals vtn Frieden zwingen, da es außerstande sei, den Russen über die Mandschurei hinaus nach Si­birien zu folgen, so verstehe ich nicht, womit man eine solche Ansicht stützen will. Die Sibirische Bahn fährt nicht blos von Westen nach Osten; sie geht genau ebenso von Osten nack Westen, und von der mandschurischen Grenze lassen sich nach Sibirien hinein ebensogut Truppen beför­dern, wie die Russen von Sibirien her sie an die mandschurische Grenze gebracht haben. Und war die Flotte betrifft, fo glaube ich, daß Togo eine javanische Flotte ebensogut nack den baltische« Gewässern fahren kann, wie der russische Admiral seine Panzer von der Osffee zum japanische« Meer gebracht bat.. Dabei ist der Unterschied nuc der: In den japanischen Gewässern erwartete eine sieggewohnte Flotte die aus der Ostsee gekomme­nen feindlichen Schiffe. Wer aber wird im Bal­tischen Meere den aus Japan gekommenen Pan­zern entgegentreten? Theoretisch stimmt also die Rechnung ganz und gar nicht, mit dem in der Mandschurei siegreich bestandenen Feldzug müsse die Sache für Japan unter allen Umständen zu Ende fein. Sie braucht es keineswegs zu fein, doch wird man hoffen dürfen, daß Japan der Pflicht überhoben fein wird, durch die Praxis die Richtigkeit feiner Theorie zu beweisen."

Die Auflösung der schwedisch­norwegischen Union.

In sozialdemokratischen Versammlungen in Stockholm werden, wie dieFrkf. Ztg.' von dort berichtet, massenhafte Proklamationen verbreitet, worin gegen angebliche Krieasabsickten Schwe­dens gegen Norwegen protestiert und das Militär zur Gehorsamsverweigerung aufgefordert ivirb. Die Behauptung entbehrt aber feder Voraus­setzung und beabsichtigt nur, der Negierung Schwierigkeit-.! zu bereiten. Eine partielle Mo­bilisierung steht bevor, doch ohne aggressiven Zweck. Man dürste sich nur aeaen Ueberraschun-

umher, als hätte man ihn in den Adelsstand et< hoben.

Es war dem Freiherrn zum Bedürfnis ge. worden, mit dem Mädchen zu plaudern, sich von ihm umschmeicheln und gelegentlich auch tüchtig necken zu lassen. Ihr lautes Lachen, Ihre ge­räuschvolle Fröhlichkeit, ihr etwas herausfordern­des, ungeniertes Wesen hatten einen eigentüm­lichen Reiz für ihn, um so mehr, als sie trotz' einer scheinbaren Leichtfertigkeit doch keine dreiste Annäherung duldete.

Auf Gut Waldorf wurde er wie ein König empfangen; er durfte sich gehen Taffen, wie es ihm beliebte, und Susanne setzte ihren Ehrgeiz darin, ihn stets nur in gdterfter Stimmung zu entlassen.

Anfänglich war der Baron zu Fuß und nur in der Dämmerstunde zu Hellers gegangen. Jetzt scheute er sich nicht mehr, bimu reiten oder hinzu- sahren und sogar am helllichten Tag.

Hatte er früher so und so oft nach Victoria geschickt, fo durfte diese nun ungestört bei bat leidenden Großmutter weilen. Er forderte sie nicht mehr auf, ihm Gesellschaft zu leisten.

Am Geburtstage der verstorbenen Baronin von Dunois begab sich die Baronesse in doS Treibhaus, wo sie den Gärtner damit beschäftigt fand, die herrlichsten und kostbarsten Blumen ab- zuschneiden. Es tat ihrem Herzen wohl.

Das wird ein wundervoller Kranz!" rief sie ons.Bitte machen Sie ihn fo bald als möglich fertig. Hier ist die Schleife dazu! Nehmen Sie kein anderes Band, denn ich habe die Widmung selbst gestickt. Das soll zugleich eine lieber- raschung für Papa werden."

Gnädiges Fräulein," ftammelte der Gärtner verlegen,für einen Kranz sind die Blumen ja gar nicht bestimmt. Die sollen hier hinein!"

Er wies auf ent großes, vergoldetes Füllhorn« Wie ein eisiger Schauer riefelte es Victori» plötzlich zum Herze». fSortfemina folat.)