mit Vern Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: JUustrirtes Sonntagsblatt.
J« 139
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Marburg
Freitag, IS. Juni 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag- Jo h. Aug. Koch, UmversttLtS-Buchdrnckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 65.
40. Jahrg.
lutrltg tu Berlin weilende» Gouverneur von Kiautschou, Konlreaimirol Trnmi-s Itttl fnttin
Kiautschou, Konlreaimiral Truppel,
um seine
il
^Vackdruck verboten.^
r Da mehrfach gemeldet worden ist, Japan ?r.cr~..ltn*cr fe*nen Friedensbedinguitgcn auch ©te Rückgabe von Kiautschou an Cbina fordern LÄ.E Dertretcr. der „Prenß. Korr." den gegen.'
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Eorouh.
(Fortsetzung.)
•ereilt liebes Fräulein, ich komme, um =—•* V" „Weshalb Sie auch 'kommen mären Herr tcaron, ich freue mich unendlich und bitte Sie nochmals, einstweilen mit meiner bescheidenen Ge. sellschaft vorlieb zu nehmen."
*■„ . „Wenn ich Sie nicht belästige, mein Fräu- lein —*
Wie ihn die schwarzen Augen anstmkclten, wie »er rote, üppige Mund lachte!
--Mich belästigen? Wäre nicht ein so freund, »icher Zug in Ihrem Gesicht, Herr von Dunois, 1° tourte ich glauben, Sie spotten meiner." L „Wieso beim?"
L.. "dlch' tat mir immer so weh, daß Sie so «aufig bei Walters vorsprachen und nie den Fuß irrer unsere Schwelle setzten."
. „Woher wissen Sie, daß ich den Fabrikdirektor früher öfters besuchte?"
! „Weil ich selbst manchmal dort zugegen war " . - Wie kommt es aber, daß ich Sie niemals sah <■
■ „Ich entfernte mich stets, so bald Sie er- schienen, Herr Baron."
-,So? Flößte ich Ihnen etwa auch Furcht und Vbneigin'.g ein?"
i _ Furcht? Vielleicht. Aber Abneigung gewiß Bucht! Darf ich nochmals bitten?"
„Wer könnte einer so liebenswürdigen Ein- ladung wioerstehon? Ach, wie gemütlich ist das ihiert" rief er unwillkürlich aus, in das Zimmer i tretend, dessen Türe sie öffnete.
„Im Schlosse wird es freilich schöner und eie« Muter sein," bemerkte das Mädchen.
\ »Eleganter Wohl, schöner oder auch nur halb jso schon keineswegs! Die Gemütlichkeit, das Be-
i NerreAe Telegramme.
V Brrsla«, 1b Juni Der Verband der -vangeltschen Arb-ftervereiue Deutschlands legte Uut „Frkf. Ztg." Protest gegen die durch die Mersonentarifreform. geplante Sercuemn^ bei L^btsens ein, welche die Arbeiter bejö'U.rung am schwersten belaste und im sozialen Serine erbit» lternd und schädigend wirke.
L Dresdeir-il 5. Juni. Im Ausstellungspalaft ffmdet der Kongreß deutscher- Strafanstalts-Dirck, »oren statt. Der Kongreß behandelt wichtig« »vagen der Reform Les Strastallzugs. Es wurde geschlossen, cm Strafprozeß eine inettere Jndivi- Duatisierung der Gefangenen nach Maßgabe ihrer Straftat zu erstreben, aber ohne ihnen darauf imen Rechtsanspruch M gewähren. Der sächsische Duinster des ^nnern d Metzsch betonte in seiner Wegrußungsansprüche, eS müsse ein Strafprozeß äeL' dem Geiste der Humanität Brno des Rechts ^gleichzeitig aber auch den For- ^bvungen der öffentlichen Sicherheit gerellst werd».
Athen, 14. Juni. Der König betraute mit »er Leitung des 'Ministerium^ Les Innern ten Ftnanzminiswe Gonnarakis. — Die Pscrbiffimö Delyannis,^ der reif Staatskosten bestattet wird, ffmdet Freitag statt. Ueber den Barnang bei xer, Ermordung wird noch gemeldet. st'H Gera- karis den Minister, als er aus dem Wogen stieg, stim tn die Kammer einzutreten, rm.st-.rach, grüßte Je « fcie /t1.10 küßte, dann zog e* plötzlich sein Messer und stieß es Delyannis in bar Ilnstr- »eib.
. Petersburg, 14. Juni. Der Entwurf Buly- S-ns betr.. die Schaffung einer Volksvertretung, schließt, wie die „Nowosti" zuverlässig erfährt, die Israeliten von je ter Beteiligung an der Volks. Vertretung aus weil es nicht folgerichtig sein Wurde, sie bet dem Bestehen der die Rechte te- beschränkenden Gesetze zur Ausübung Oes Wahlrechts ober gar zur Mitarbeit an der ft-off Vertretung zuzulassen,
15. Jun:. König Oskar von Schweden ist, ilaut amtliche! Bekanntmachung, Ehrmadmiral der britischen Flotte ernannt rootben.
_ Windsor, 14. Jun» Hier sind zahlreiche Daste zu der morgen stattsindenden Vermählnua -eS Prinzen Gustav Adolf von Schweden und Ler Prinzessin Margarethe eingeiroffen. Der Siönig und die Königin gaben heute nachmittag Pet herrlichem Wetter im Schlosse ein Garten- ffest, an dem 6000 Gäste teilnahmen.
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8apans Sieg und die Zukunft von
' Kiautschou.
Ansicht gefragt. Der Admirat hat sich darauf folgendermaßen geäußert:
„Unter Len verantwortlichen Staatsmännern und anderen politisch reifen Männern Japans be- steht meines Wissens nicht die geringste Neigung, die kriegerischen Erfolge Japans zu einer uferlosen Abenteurerpolitik auszunutzen. Kein ver- : nihtftigei Mensch in Japan denkt daran, das ! Land in kostspielige und gefährliche Konflikte mit ' Deutschland oder anderen Mächte», welche in ß China Besitzungen haben, zu stürzen. Derartige L Phantastische Ambitionen mögen vielleicht in den Köpfe» überspannter Chauvinisten Platz finden, tote sie in jetem Lande, auch dem politisch reif- fteir, ihr Unwesen treiben. Wir haben es ja auch hier in Deutschland nach 1871 erlebt, daß siegestrunkene, deutsche Ueberpatrioten öffentlich verlangten, Deutschland dürfe es nicht bei dem Siege über Frankreich genug sein lassen, sondern dürfe nicht eher ruhen, als bi? es ganz Europa unter seinen Willen gezwungen habe. Nach j hundert Jahren wird Japan vielleicht wieder I einen Krieg gegen eine ihm unbequeme Macht führen, um die japanische Einflußsphäre zu ver- größer» und andere Mächte tar<.us fern zu Hal. le»; aber kein japanischer Staatsmann, der seine fünf Sinne beieinander hat, denkt auch nur im zitier Rieften daran, in absehbarer Zeit sei» Land in einen neuen Krieg zu stürzen. Auf Jahr- iahnte hinaus wird Japan vollauf zu tun haben, um sich von den unermeßlichen Opfer», die seine Siege über Rußland es gekostet haben, zu er- holen.
Vor einiger Zeit sind in einer Versammlung der deutsch-asiatischen Gesellschaft in Berlin Redner anfgestanden, welche erklärten, ein Krieg zwischen Deutschland und Japan über den Besitz von Kiautschou fei nur eine Frage der nahm Zukunft. Sie verlangten darum ein deutsches Port Arthur in Tsingtau: denn Japan habe schon begonnen, die chinesische Armee und Ma. rine zu reorganisieren, und die „gelbe Gefahr" rücke uns immer dichter auf bett Leib. Es waren dies dieselben Herren, die »och vor einigen Iah. ren den Fehler begingen, 'die Tiichtiqk.st und die Stärke Japans zu verkleinern und zu unterschätze». Jetzt schreiben sie benfelben Japanern geradezu übermenschliche Fähiakeite» und die mtSfdjtoeifenbfteit Weltmachtpläne zu. Die wirk- liche Bedeutung bet japanischen Siege für China liegt darin, baß die Chinesen jetzt schneller — wenn auch zögernd — zu der Erkenntnis kommen, welche» ungeheuren Wert die europäische Zivilisation für den Fortschritt des fernen Ostens hat.
Aber immer deutlicher wird es den Chinesen klar, daß die japanische Ueberlegenheit ihren hauptsächlichen Ursprung in der geschickten An- Passung und Ausnutzung europäischer Kultur hat. Durch eifriges, Studium dieser Kultur haben die Japaner, die noch vor wenigen Jahren von den Chinesen als minderwertige Vertreter der gelben Rasse verachtet wurden, sich im Rat der Völker einen Platz in der ersten Reihe erobert. Es kann nicht ausbleibetr, daß China aus diesem,Beispiel die Lehre zieht, und sich gleichfalls eingehender mit den Einrichtungen und
Hagen fehlen dort und sind, wie ich meine, hier z» finden, Fräulein Susanne."
„Wie glücklich mich diese Worte machen i" rief fie. Dann stellte sie zwei Stühle »eben dem Kamin und ein zierliches Tischchen dazwischen, nahm hierauf dem Baron trotz seiner Weigerung den feuchten Ueberrock ab und duldete lächelnd und errötend, daß er ihr dafür die Hand küßte.
„Gleich darauf erschien Grete, welcher die Nichte des, Gutspächters heimlich einen raschen Befehl erteilt hatte. Sie brachte einen kalten Imbiß aus der reich versorgten Speisekammer, nebst Rot- und Weißwein."
„Aber, mein Fräulein, was machen Sie für Umstande mit mir, der Ihnen so iiitocrmutct ins Haus fällt!", rief Dunois.
„Verschmähen Sie meine bescheidene Etast- freundschast?", fragte Susanne und ihre dunklen Augen sahen ihn halb bittenb, halb schelmisch an. ... „Durchaus nicht! Ich bin vielmehr entzückt über die>es allerliebste „Tischlein deck' Dich," das, wie von einer gütigen Fee hervorgezaubert. Plötzlich da,steht. Wer hätte mir gesaqt, daß ich heule noch einer, so reizenden, liebenswürdigen Wirtin gegenubersitzen würde? Und wie unrecht taten Lte, sich bisher vor mir zu verstecken! Jugend, ^fiuttdhett, Frohsinn und LebenLlttsi sind Herr- .täte. Gaben, und diese alle sehe ich in Ihnen vereint." -
„So, lustig bin ich, ©oft sei Dank, und gesund auch.
Sie lachte, daß ihre weiße» Zahne blitzten und beugte sich vor, um die lodernde» Holzscheite naher aneinander zu schieben. Im Wiederschein des Feuers sah Susannes Haar tote schimmern-
- c °”3 uud auch bei» jungen frischen dichte stand diese Beleuchtung gut.
Wahrend sie den Baron mit Sveist und Trank versorgte, scherzte und vmnteew Snw-ne fortwährend. J ...
Errungenschaften des Westens befaßt. Damit wird aber eine engere Berührung zwischen Europa und China hergestellt werden, vor welcher die „gelbe Gefahr" immer mehr in den Wintergrün b treten wirb. Der nächste Krieg im fernen Osten wird ein friedlicher Krieg sein, ein Wettstreit der Geschicklichkeit und Intelligenz."
Was den ersten Teil der Ausführungen des Gouverneurs betrifft, so mögen sie im allgemeinen be» Verhältnissen und den Wünschen für die Zukunft entsprechen. Die am Schlüsse geäußerten Ansichten scheinen doch etwas optimistisch.
Ter rrMK-japamsche Krieg.
Tie FriedenSvermiltlungen
stehen, da die Meldungen aus ter Mandschurei so unbedeutend wie nur möglich sind, allein im Vordergründe des Interesses. Ein Petersburger Staatsmann äußerte sich dahin, die Friedensaktion des Präsidenten Roosevelt werde ein „Ende mit Schrecken" nehmen. „Man hat den Zaren zwar durch seine nächsten Ratgeber davon überzeugt, Japan wäre mit seinen Mitteln so ziemlich am Ende angelangt und wünsche sch», süchtig den Frieden. Daraufhin wird der Zar sich mit Japans Friedensbedingungen bekannt machen, die ihrem Umfange nach jedoch eine böse Enttäuschung erwecken dürste». Der Zar wird sich niemals dazu verstehen, die Festungswerke von Wladiwostok zu schleifen, und auch nicht in die angeblichen Bedingungen, die die Mandschurei betreffen, blindlings einwilligen. Das bedeutete ja, Rußlands Kolonialpolitik im fernen Osten aufgeben. Kurz: zu direkten Friedens- unterhandlimgen dürfte es vor der Hand nicht kommen." So die Ansicht des Staatsmannes, der ja sonst die schöne Vermittlungsrolle Roosevelts anerkennt.
Petersburg, 14. Juni. Nach einer Meldung aus Washington, die von Kreisen ausgeht, die der russischen Botschaft nahestcben, Hal der Haag die größte Aussicht, der Begegnungsorl der russischen und japanischen Bevollmächtigten zu werten, da die Stadt ter Sitz des internationalen Schiedsgerichtshofes und nicht die Hauptstadt einer Großmacht ist, sodaß sie mehr als andere Städte, von diplomatische» Einflüssen frei ist.
Tokio, ,14. Juni. Heute ist hier der Bericht des japanischen Gesandten in Washington, Taka- hira, eingegangen, in welchem dieser davon Mit- teilung macht, daß die russische Negierung ihren Botschafter in Paris Nelidow, zum Bevollmäch- tigten für die Einleitung von Frietensverhand- lungen ernannt habe und als Zusammenkunsts- ort für die beiderseitigen Bevollmächtigten Paris in Vorschlag brachte. Die japanische Regierung wird ihre Zustimmung nicht dazu geben, daß die Bevollmächtigte» in Varis zusainmentreffen, einerseits weil Paris die Hauptstadt eines ritt Rußland verbündeten Reiches ist, andererseits wegen der großen Entfernung und der damit verbundenen Verzögerung. Man erwartet, daß Japan einen Ort in der Näh- des Kriegsschau- Platzes vorgeschlagen wird. Der japanisch« Be- vollmächtiate ist noch nicht bestimmt.
Ihre drolligen Einfälle, ihre ungenierte Art und Weise wirkten erheiternd auf Dunois. Er fand das Mädchen außerordentlich pikant und reizend.
Die Zeit, welche ihm sonst wie an Krücken dahin schlich, zog jetzt leichten Fluges vorüber. Fast zwei Stunden toaren verflossen, als der Gutspächter, in die Stube tretend, den uner- toartefen Gast ebenso erstaunt als verlegen begrüßte.
„Ja, ja, mein Bester, Sie wunder» sich, daß ich, mich hier gewissermaßen häuslich niedergelassen habe," rief der Freiherr gut gelaunt. „Machen Sie Ihr Fräulein Nichte dafür verantwortlich. Einer so entzückenden Dame legt sich selbst ein alter Jsegrimm, wie ich, gern zu Füßen. Wie beneide ich Sie um Ihr Heim, too so viel Anmut und Frohsinn das Szepter führen!"
„Herr, Baron — die Ehre — wenn ich das gewußt hätte," — stammelte Heller. „Bedaure sehr, nicht zu Hause gewesen zu fein —"
„Bedauern Sie gar nichts, Verehrtester! Habe mich köstlich amüsiert und seit Monaten zum erstenmal wieder gelacht. Nun ist es aber auch Zeit, daß ich gebe. Ist es wirklich schon so spät?"
„Der Herr Baron wollen schon fort?" fragte Susanne bedauernd.
„Schon? Ich bin bereits länger als zwei Stunden hier. Aber wenn Sie gestatten, spreche ich wieder einmal vor."
„Das wäre uns wirklich eine große Ehre und Freude, aber ich wage kaum darauf zu hoffen."
„Und dabei lese ich aus diesem schelmischen Blick heraus, daß Fräulein Susanne meines Wiederkommens ganz gewiß ist!" erwiderte ec, einen vertraulichen To» anschlagend. „Wo solche unwiderstehliche Anziehungskraft herrscht, dorthin kehrt man schon zurück. — A propos, lieber Heller, ich vergaß ganz und gar, den Zweck meines Besuches zu erwähnen. Sie schrieben mehr- > Jüls a» mich wegen der Mchlperlängerung." >
I Washington, 14. Juni. In amtlichen Krei, fen werten Zweifel laut, ob die Antwort Rußlands Japan genügen werde. Präsident Roosevelt stellt die Note dem Grafen Lamsdorff unä dem japanischen Gesandten Takahira zu, welche« ! sie »ach Tokio übermittelte. Roosevelt erwartet I stündlich die Antwort Japans.
Washington, 14. Juni. Präsident RooseveA stellt heute Nachmittag in Abrede, daß irgend! welche Anzeichen für die Stockung in den auf bett Frieden abzielenden Verhandlungen vorhandeq feien. ?
Petersburg, 14. Juni. General LinewitsH und die sämtlichen an leitender Stelle stehenden Generale haben einen Protest gegen etwaig« Friedensverhandlungen an den Zaren telegra* phiert, in dem es zum Schlüsse heißt: Die Stell« ungen, die unsere Truppen besetzt halten, sind vorzüglich befestigt. Das Regentoetler hat mich bisher daran verhindert, zur Offensive überzu« gehen, aber jetzt, nachdem unsere Verluste voi» Mulden einigermaßen ersetzt und nachdem unser«! Armeen durch neue Korps aus Europa verstärkt worden sind, fühle ich mich in der Lage, miefi dem Feinde gegenüber erfolgreich zu Halle». Ich hoffe, im Verlaufe dieses Monats in der Saget zu sein, die Offensive zu ergreifen, durch bi« die ganze Sachlage geändert werten toirb."-
Die FortettlNM Japan?.
Ei» früheres Mitglied der Londoner japanischen Gesandtschaft erklärte in einem Interview über die Friedensbedingungen folaendeS. Die japanisch» Regierung verlangt Räumung der Mandschurei, Wa8 ja der Zweck des Krieges gewesen sei, und weil Japan sich ohne diese Räumung nicht gegen zukünftige russische Ränke gesichert fühle. Was Korea anbetrifft, so werde dieses jedenfalls unter Protektion Japans gestellt. Niemand denke Wohl daran, Japan Port Arthur streitig zu machen, weil es diese Festung zweimal erobert habe. Was Wladiwostok an« betreffe, so werbe es, falls der Krieg noch fortgesetzt werde, auch wohl in die Hände der Japaner fallen; wahrscheinlich werde es dann geschleift werden. Auch die Besitznahme Sachalins stehe fest, da dieses früher Japan gehörte. Uebrigens wollen die Japaner bett Reichtum dieser Insel besser als die Russen au8» beuten. Die Mandschurei dürfte von ben Japanern in derselben Weise verwaltet werden, wie Aegypten von England. Auch dürfte eine permanente japanische Armee als Puffer zwischen Japan und China in der Mandschurei garni» saniert werden. Was die KriegsentschS- digung betrifft, so sei eine solche unvermeidlich. Jedenfalls werde Japan dis Rückzahlung aller Kriegskosten verlangen. Die Frage der Kriegsentschädigung werde in letzter Linie bei den Friedensverhandlungen zwischen Japan und Rußland beraten werden, da sie von dem Ergebnis der Verhandlungen über die andern Punkte abhängt.
„Der Vertrag läuft bald ab, Herr Boron."
„Ganz recht! Allerlei widrige Zufälle verhinderten mich bisher. Ihnen zu anttoorteiu Nun wollen wir die Sache für's erste gleich mündlich abmachen. Ich verlängere ben Kontrakt aus fünf Jahre unter den bisherigen Bedingungen, Die notarielle Feststellung kann nächste Woche erfolgen." _ _
Tas knochige Gesicht des GistsPächiLlH tourte ganz rot vor Vergnügen. Die Pacht war seht' einträglich und er würde nur höchst 1ttigert einem anderen gewichen fern.
.'' „Unb nün gute Nacht!"
„Noch eine Gunst hätte ich zu erbitten.*
; : „Welche denn, mein Lieber?" 1 - ,
„Das Welter ist abscheulich geworden. Wenn ich ben Herrn Baron in meinem Einspänner nach bem Schlosse fahren dürfte —"
„Besten Dank! Das ist aber wirklich unnötig/
„Nein, nein, Onkel hat Recht!" rief Susanne- „Der Sturm beult ja, als wäre die ganze Höll; losgelassen! Hören Sie nur, wie ter mit Schneeflocken gemischte, eilige Regen an die Fensterscheiben schlägt! Eine wappengeschmückte Equipage besitzen wir freilich nickt, aber —" 1
„Wenn Sie meine Ablehnun' so auffaffeit, Fräulein Susanne, so erkläre ich mich ohne weiteres bereit, das freundliche Anerbieten anzunehmen. Also auf baldiges Wiedersehen!"
„Aber Wort halten, Herr Baronk*
„Diese Ermahnung ist überflüssig, da es mit hier ganz ausgezeichnet gefallt."
Noch einmal küßte er ihre wohlgepflegte Hand', die weiß und weich war, da die Nichte Hellers jede häusliche Arbeit den Mägden überließ.
Als die beibeit Herren eingestiegen waren, wurden die Vorhänge eines- Fensters zurückgezogen. Vom Lampenlicht hell beleuchtet, ftanS Susanne hinter ten großen, spiegelblanke» Scheiben und tocfjte ten: Taschentuch. J
kForlsetzung folgt.)' ।