mit dem Kreis-Latt für die Kreise Mar-mg und Kirchhain.
Sonntagsbeilage: Jlluftrktes Sonntagsblatt.
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Vierteljährlicher Bezugspreis; bei btt ExpLition 2 Mk^ bei allen Postänttern 2,25 Mk. <ejcU Bestellgeld).
Jnscrtionsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg, Reclamen: die Zeile 25 Pfg.
Marburg
Donnerstag, 15. Juni 1905.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerei 40. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Neueste Telegramme.
Berlin, 14. Juni. Eine Wehrsteuer soll, wie setzt verlautet, unter bie Steuervläne des Reichs- schatzsekretärs für die kommende Reichsfinanzre- form-Borlage ausgenommen sein. Amtlich bestätigt ist die Nachricht aber noch nicht.
Essen (Ruhr), 13. Juni. Gemäß einem früheren Beschluß und dec vor zwei Wochen erfolgten Kündigung entließen heute die dem Arbettgeber- bund für das Baugewerbe in den rheinisch-west. fülifchen Industriegebieten angehörigen Geschäfte ine sämtlichen organisierten Arbeiter, etwa 30 000 an der Zahl.
Danzig, 13. Juni. Heute Vormittag' 9 Uhr wurde der 15. deutsche Geographentag eröffnet. Professor v. Neumayer begrüßte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zentralausschusses die aus allen Teilen des Reiches erschienenen Gelehrten.
Budapest, 14. Juni. Dem „Magvar Hirlap" zufolge ist die Ernennung des Kabinetts Fejer- vollzogene Tatsache. Die amtliche Der- ossentlichung der Ernennung sei bestimmt am 15. L. erwarten. Fejervarv wird außer dem .Nrnlsterprasidium auch das Jinanzvortefeuille übernehmen.
Madrid, 13. Juni. Der König ist heute Vor- Mlttag hier wieder eingetroffen und von der Be- volkerung stürmisch begrüßt worden.
Bukarest, 12. Juni. Der König und die Kö- I)entfe 3UÄ Teilnahme an der Beisetzung des Fürsten Leopold von Hohenzollern nach Sig. obgereist. Dorthin begibt sich auch DlMitresco der im Namen des Regimem te,. Dambovitza, dessen Chef Fürst Leopold ge- Wesen ist, einen Kranz an der Bahre niederlegen Tie rumänischen Blätter widmen dem Fürsten warmgehaltene Nachrufe. in denen sie £b%-?,e-6ear rtan3e "and die Trauer
des Königshauses teile.
In dem Angenblick, als Ministerpräsident Delpannis in die Kammer ein- Oat, brachte em Individuum namens Gerakaris, Spieler von Profesiion, ihm einen Dolchstich bei Die Wunde ist sehr schwer. Der Attentäter, den die Menge lpnchen wollte, wurde verhaftet Hier l^rscht große Aufregung. — Nach einer'spätes flc?toK Ung tf ^lvannis um 7 Uhr abends (~„)'®vft)nnni§, 1826 geboren, trat 1843 als Supernumerar m das Ministerium des Innern em und war 24 mal Minister, deS Aenßeren Präsident)"^" Unb beS Kultus sowie Minister-' .. Petersburg, 12. Juni. Der Entwurf bett
L^ertretung sollte nach einer Erörterung r "^"terrate vor eine besondere Kommission gebrackst werden, an welcher gewählte Vertreter ie> <-emsi.vos und der Städte teilnehmen sollten W^en der vielfach erhobenen Forderungen, die . 1 ^~’öeHre‘er fo. schnell als möglich einzuberufen wuroe diese Absicht setzt aufgeaeben. Der Entwurf wird nach feiner Erörterung im Minister- rate und _ nach seiner Genehmigung durch den Kaiser am dem Wege des Manifestes oder eines f,n «enat gerichteten Ukases veröffentlicht
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■ iNibruck berfcfen.)
Schatten der Vergangenheit.
Roman von B. Coronh.
(Fortsetzung.)
^ „Unsinn ! Aber/zum Esel, wie es Dir eben beliebte, lasse ich mich nicht stempeln! Wenn ich tue, was m meinen Kräften sieht, und ss^hvnn dickst nach Deinem Wunsche aus, so darfst Du mir nicht fonuneit, wie vorhin — sonst toerie , uh auch fuchsteufelswild. Verstanden? ' s V ~Är b?ch die einfältige Geschichte endlich aus dem Kopf! Willst wohl alt und grau toer- ben dem Herrn Assessor zu Liebe, der sich ein- oildet. er Ware zu gut für Dich?"
-.Und dem ich also nicht gut genug bin? Nein Onkel, da kennst Du mich schlecht. Kiirt ist jetzt für mich abgetan." 1 ”
„Also?"
: „Aber dessen, was er mir antat. werde ich Sedenken! Und noch mehr dessen, was mir von dem Fraulein un schlosse angetan wurde! Die hat ein G'.ithaben an mich und das bleibe ich ihr Nicht ia.suldig! Sei versichert, das zahle ick ab — truher oder später!"
„Ja, ia, schon reckst! Ist der Mensch aufge- regt, so schwatzt er Albernheiten. Das geht vor- über.
-.stch schwatze keine Albernheiten, und ivas ich mir in dieser Stunde vornehme, geht auch nicht so ohne weiteres vorüber. Das wird mir vielmehr zum Lebenszweck. Die Baroneste hat künftighin eine Todfeindin an mir."
„Aber eine, die ihr nicht schaden kann."
„Meinst Du?"
„Ich wüßte wenigstens nicht, inwiefern. Mit was für wahnsinnigen Plänen gehst Du um, Mädel?"
„Pläne? Vorläufig habe ich noch gar keine"
werden, sodaß die Wahlen im Sommer stattstn- ben werden und die Reichsduma nn Herbste einberufen wird. Sie soll dann gleichzeitig mit den Sitzungen des Staatsrates tagen.
Neu-Orleans, 13. Juni. Die Universität des Staates Mississippi Hai die angebotene Schenkung von 25 Millionen Dollars seitens des Milliardärs Carnegie zur Errichtung einer Bibliothek abgelehnt. Der Gouverneur und ein Mitglied der Universität erklärten, die Universstät brauche dieses Geld nicht, an dem das Blut und der Schweiß der Arbeiter hafte.
Besichtigungsreise hessischer «nd walveckischer Landwirte nach dem Anfiedelnngsgebiet in Posen.
Aus Cassel wird uns berichtet: Im stetigen Aufbliihen befindet sich die Kulturarbeit, welche der Staat seit geraumer Zeit im fernen Osten verrichtet. Das Ansiedelungswerk, begonnen von unserem unvergeßlichen Reichskanzler Fürst Ms- ma rck zu dem Zwecke, die Ostmark unseres Reiches deutsch zu erhalten, hat bereits reiche Friichte gezeitigt, Tausende haben sich dort eine neue zufriedenstellende Existenz geschaffen und in rapider Weise steigt die Nachfrage der Ansiedelungs- lnstigen. Auch in unserer Provinz Hessen-Nassau und dem benachbarten Waldeck gewinnt das Ansiedelungswerk immer mehr an Interesse, und der Gedanke, eine Besichtigungsreise nach Posen zu unternehmen, um sich an Ort und Stelle vom Stand des Ansiedelungswerkes zu überzeugen, fand rasche Verbreitung. Auf Veranlassung des hiesigen Vertrauensmannes der Königlichen An- siedelungskommissioii, Herrn W. Schaumburg- Cassel, begaben sich, wie schon nach der Abreise kurz gemeldet wurde, 33 Landwirte, von denen 11 — also ein volles Drittel — aus Waldeck stammten, am 29. Mai nach dem Ansiedelungsgebiet. Der Schnellzug, welcher vormittags 11,20 Uhr von Cassel abfährt, führte die Reiseteil, nehmer im raschen Fluge dem Ziele zu, und abends 11,41 Uhr traf man schon in Posen ein. Per Wagen ging es dann nach der Ansiedler- Herberge Solacz, dicht bei der Provinzialhaupt- stadt Posen gelegen, wo das erste Nachtgiiartier genommen wurde. Sehr frühe waren die Reisegenossen am anderen Morgen auf den Beinen, und nachdem das erste Frühstück eingenommen, wurde das Gut Solacz, sowie da? Nachbargut Golenczin, beide der Königlichen Aniiedelungs- kommission gehörend, einer eingehenden Besich- tigung unterzogen. Es erfolgte das zweite Frühstück, und nachdem im Namen der Reiseteilnehmer ■$err Weiershäuser-Wehrda der Gutsverwaltung für die freundliche Aufnahme gedankt, die Weiter- fahrt. Die Gutswagen brachten die Reisegesell- fchaft zunächst wieder nach dem Zentralbahnhof Posen, von wo aus lie Fahrt per Dampfroß nach der Station Exin — nahe bei Brom berg — ging. Eine dreistündige Fahrtunterbrechung in ©liefen wurde dazu benutzt, um das Mittagsmahl einzmiehmen, und die alte Bischossstadt in Augen- schein zu nehmen. Nachmittags 5 Uhr gelangte man auf dem Bahnhof Exin art. Wagen standen bereit, mit welchen die Fahrt nach dem nächsten
„Nun, dann wird Deine Feindschaft dem Fräulein von Dunois wohl auch nickt gefährlich sein. Die kümmert sich vermutlich ben Kuckuck darum, ob Du sie liebst oder hassest."
„Mag sie! Gute Nacht, Onkel. Genug für heute! Vielleicht nehmen wir unser Gespräch in Wochen oder Monaten wieder auf."
14. Kapitel.
Der Nauchreif glitzerte auf allen Zweigen und graue Nebel hüllten die ganze Gegend in fast undurchdringliche Schleier, durch welche die Sonne selbst zur Mittagszeit nur wie eine purpurne Scheibe glühte. In den großen, unfreundlichen Gemächern des Schlosses wurde es schon zu früher Stunde finiter und die Gaskronen wußten an« gezündet werden.
Gräfin Clairville lag krank zu Bett. Sie hatte sich eine heftige Erkältung zugezogen, die in ihren Jahren nicht ungefährlich mar.
Herr von Dunois sah seine Tochter jetzt nur höchst selten. Sie, verließ die Leidende fast nie. ...Der Baron beschloß auf einige Monate in Köln Aufenthalt zu nehmen, wünschte aber, daß Victoria ihn begleite und verschob daher die Ab- rei’e von Tag zu Tag.
, möchte Großmama in so leidendem Zustand nicht allem lassen," erwiderte die Baronesse stets.
. "Es soll ihr nicht an Pflege und Aufsicht fehlen, entgegnete Dunois übel gelaunt.
, lie kann mich nicht entbehren. Es gibt hunderterlei kleine Dienste, die ich ihr er« toenen darf, und sie will fast niemand in ihrer unmittelbaren Nähe dulden."
„Das ist nur Eigensinn!"
. . "Rem! Großmama hat sich so an mich ge- teügnt, daß meine Anwesenheit wirklich zum Be« Lurims für sie geworden ist. Bitw. reife ohne wich, Papa."
Reiseziel, dem Ansiedelungsgute Sartschin ange- treten wurde. Unterwegs passierte man zahlreiche Ansiedelungen, die wegen ihrer schmucken Bauart und dem guten Stand der Saaten den günstigsten Eindruck erweckten. Vielfach wurde Halt gemadjt und die Ansiedler nach ihren Verhältnissen befragt. Es waren Brandenburger, Mecklenburger und Hannoveraner, die hier teils längere, teils kürzere Zeit ansässig waren, und sich sehr befriedigt aussprachen. Abends 7 Uhr erreichte man das Gut Sartschin, freundlich bewillkommnet von der Gutsverwaltung. In dem herrlichen Parke, welcher das Herrenhaus umgibt, hatte die Guts« Verwaltung ein warmes Abendbrot — Schweinebraten, Salat, Kartoffeln — serviert, welches allen Reisegenossen prächtig ntunbefe. Auch für die Löschung des Durstes war in hinreichendem Maße gesorgt. Schäumender Gerstensaft wurde von zarter .<5cmd kredenzt und erquickte die durstigen Kehlen. Nach dem Essen wurden Zigarren verabreicht und eine ans polnischen Gutsarbeitern bestehende Kapelle, in einer Stärke von etwa vier bis fünf Mann, spielte ihre eigenartigen Weisen und sorgte so für die musikalischen Genüsse. In der Frühe des anderen Tages wurden nach eingenommenem Frühstück die Wagen wieder bestiegen und die etwa 3003 Morgen große Feldmark des Gutes Sartschin besichtigt. Allgemein herrschte eine äußerst günstige Meinung über den Stand der Felder. Weizen, Roggen und Hafer standen prächtig: auch die Wiesen konnten als sehr ertragsfähig bezeichnet werden. Sartschin ist bis jetzt noch nicht besiedelt, sondern die Pläne sind noch in Vorbereitung. Anders war es mit dem Nachbargute Krolikowo, welches schon etwa zur Hälfte mit Ansiedlern besetzt ist. Auch hier ge- Wannen die Reiseteilnehiuer den günstigsten Eindruck. Auf Krolikowo wurde das Mittagsbrot eingenommen und dann die Weiterfahrt nach Schrnarsikowo angetreten. Von hier ging es nach Cienspowo und schließlich nach dem bereits vollständig besiedelten Birkenfelde. In zahllosen An- fiedclungen wurde Einkehr gehaltc'n die Bauart der Häuser besichtigt, bie Ansiedler nach ihren Verhältnissen, Ernteerträgnissen und Auskommen befragt. Einstimmig herrschte die Ansicht vor, daß die Verhältnisse im Osten bedeutend günstiger seien, als man erwartet hatst. Ein aus Waldeck siammeuder Reisegenosse fragte nach den Steuer- Verhältnissen und erfuhr von dem betreffenden Ansiedler, daß dieser als Besitzer von 65 Morgen pro Jahr nur 10 Mark Steuern zahle, während der Fragende in Waldeck als Besitzer von 20 Morgen rund 100 Mark Steuern zahlt. Von Sartschin, wo wieder übernachtet wurde, fuhr das Gros der Reisetellnebmer am anderen Morgen wieder nach Posen zurück, während die Uebrigen noch das im Kreise Bromberg gelegene Gut Adl. Kruschin besichsigten. Einst! sichren nach dem Kreise Hohensalza, wo sehr viel Hessen ange- siedelt sind, während andere die günstige Ge- legenheit wahrnahmen, bereit? angesiedelte Landsleute zu besuchen. Die Rtickveife wurde von den Meisten auf Station Guben unterbrochen und von dort aus ein Abstecher nach der Reichs- Hauptstadt Berlin gemacht. Alles in Allem hat bie erste Besichsigunasreise hessischer Lanbwirte nach Posen alle Reifeteilnehmer in hohem Maße
„So weit geht meine Opferwilligkeit nicht. Das Kind gehört zu bem Vater! Alles, was ich tun kann — damit gebe ich wahrscheinlich den größten Beweis des Entgegenkommens — ist, daß ich mich bereit erkläre, unsere Abreise noch um vierzehn Tage zu verschieben. Dann ober kommst Du ohne Widerede mit!"
Victoria neigte schweigend den Kopf.
Der Abend war angebrochen. Dunois fand es imheimlicher denn je in ben büftern Räumen. Die Wände schienen einander näher zu nieten, die Decke schien sich Herabzufenken, die Luft unerträglich schwül zu werden. Ein Gefühl der Beang- ftigung trieb ihn ins Freie. Früher hatte er, wenn eine solche Stimmung über ihn kam, feine Schritte gewöhnlich nach dem trauten Heim des Fabrikdirektors gelenkt, heute ging er mit bitterbösem Blick daran vorüber. Walters waren schließlich auch nicht unschuldig an der Durchkreuzung seiner Wünsche.
Eisig blies der Wind, rüttelte an den Bäumen und warf dem Wanderer vereinzelte Schneeflocken ins Gesicht, die wie kleine, spitze Stecknadeln stachen. Auch für dieses Ungemach hätte er bie ganze Welt verantwortlich machen mögen.
Der Sturm riß ihm den Hut Dom Kopfe. Ein Bauernjunge lief hinter dem Flüchtling her und erhaschte ihn, blieb aber furchtsam zögernd stehen, trotz des wiederholten Befehls, näher zu kommen.
Als er cs dann dennoch wagt«', erhielt er einen Taler, wurde aber zugleich heftig an den weißblonden Haaren gezaust.
„Ich werde Dich lehren, mich warten zu lassen!" schrie der Baron den Knaben an. „Tust Tu es noch einmal, dann geht die Sache nicht so gelinde ab. Das merke Dir!"
Mit scheuem Blick und mit ben braunen Händen seinen schmerzenden Kopf reibend, lief der Junge davon.
befriedigt, und ben. Erfolg gezeitigt daß sich von den 33 Teilnehmern etwa 20 ansiedeln werden. Das ist jedenfalls der beste Beweis bafür, daß das Ansiedelungswerk in gutem Gange ifi. Alle diejenigen, welche in der alten Heimat nichl mchr ihr gutes Fortkommen finden, brauchen nicht mehr über das große Wasser nach Amerika zu gehen, sondern finden im deutschen Vaterlands bie Scholle, welche ihnen und ihren Kinbern eink auskömmliche Existenz gewährt. W. Sch.
Der russisch-japanische Krieg.
In der Mandschure!
dauern trotz der Friebensvermitttungen die Zm semmenstöße zwischen ben beibett feindlichen An meen fort. Sehr wahrscheinlich ist es auch, baß bie Japaner versuchen werden, noch einen Siez über Linewitsch's Armee zu erringen, um so ihr, Stellung bei bett Verhanblungen zu verstärken.
Petersburg, 13. Juni. General Linewttsch berichtet in einem Telegramm an den Kaiser vom 12. Juni: Truppen der japanischen Vorhut gingen am 9. ds. zum Angriff vor. Eine K» tonne, bestehend aus Infanterie und Kavallerie, rückte mit Gebirgsartillerie und Revolverkanoneq auf der Mandariiteustraße heran: eine andere Kolonne, aus Infanterie und Artillerie bestehens, ging im Tale östlich der Mandarinenstraße vo, und besetzte einen Hügel auf dem rechten Ufei des Kuohe, im Norden der Dörfer Liauchintsche» und Hanbaohe.
Tokio, 13. Juni. Eine aus gemischten Streik« haften bestehende russische Truppenabteilung machte am Sonntag in den Gegenden von Bingo- scheitg, Erhschihliao uni Schufangtai Angriffe ouJ die Japaner, wurde aber überall zurückgeschlagen. Die entstandenen Verluste sind noch nicht festgs- stellt.
Tokio, 12. Juni. Eine amtliche Depesche meldet: Die Japaner haben am 10. Juni die Russen auS vier Stellungen in der Mandschurs verdrängt.
Die Friedensvermittlungen
nehmen ihren Fortgang, nachdem beide Mächt« sich gegen Roosevelts guten Dienste nicht ablehnend verhalten haben. Wie aus Washington gemeldet wird, berichtest der russische Botschafter Graf Cassini nach der zweiten Konferenz mit dem Präsidenten Roosevelt nach Rußland über Ja- pans Ansichten betr. den Ort der Zusammenkunft und die Anzahl der Bevollmächtigten. Wie man hört, hat Rußland bereits inosfiziell augedeutesi, daß der von Japan gewählte Ort wahrscheinlich Kaiser Nikolaus genehm fein werde. Der niederländische Gesandte be MareeS van Swinberen hatte gestern auf der russischen Botschaft eine Be. sprechung mit Cassini. Man schließt daraus, daß Rußland den Haag als Ort für bie Verhandlungen in Aussicht nehme. Dem Vernehmen nach hat Graf Cassini zuerst Paris, der japanische Gesandte Takahira Tschifu als Verhandlungsort vorgeschlagen. Man glaubt, Marquis Ito werbe der Führer der japanischen, Botschafter Nelidow der russischen Vertreter sein.
„Elendes Gesindel! Den Taler hat er trotz' seiner Angst nicht mitzunehmen vergessen," murmelte Herr von Dunois. „Man kann solches Gelichter wirklich nicht schlecht ennng behandelst, Prügeln und treten dürfte man sie, wenn man nur immer ein silbernes oder goldenes Pflaster in Bereitschaft hält."
Gar zu gern hätte er gerade heute jemandem eine recht empfindliche Kränkung zugefügt, doch fehlte die Gelegenheit dazu. Da siel bem Baron plötzlich ein, daß Paul Heller, dessen Pachtvertrag zu Neujahr ablief, um Verlägnerung gebeten, aber noch keinen Bescheid bekommen hatte
Wie, wenn Dunois die Antwort jetzt nuinb- lich gab? Natürlich eine verneinende! Ja, wahr- hastig, das war ein famoser Einfall, den wollte er nicht ungenützt lassen.
Eine Viertelstunde später betrat der Baron ben Hofraum bes Gutes Walborf. Als er vernahm, der Herr sei abwesend, wollte er sich in übelster Laune wieder entfernen, da stand plötzlich ein lunges, blühendes Wesen mit rotbraunem Haar und heißen, schwarz n Augen vor ihm uni sagte:
„Der Onkel kann gar nicht mehr lange auS. bleiben. Bitte, treten Sie doch einstweilen em, Herr von Dunois. Der Onkel würde gewiss seht böse auf mich werden, wenn es mir nicht gelängt Sie ein halbes Stündchen hier zurück gu,beiten/
„Fräulein Susanne, wenn ich nicht irre?*
„Ja. Bitte, bitte, bereiten Sie mir keinen Verdruß." .
„Nun, nun —• das möchte ick ia wirklich nicht."
„Wir haben die hohe Ehre, welche uns, heut- so unverhofft zu teil wird, bisher leider immetJ vergebens ersehnt." i
(Fortsetzung folgt.)