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Sonntagsbeilage: Jlluftrirtes Sonntagsblatt.

1 Jll 136

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Jnserttonsgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Baum 10 Pfg.

Neclamen: die Zeile 25 Pfg.

Marburg

Sonntag, 11. Juni 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Buchdruckerek 40. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

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Neueste Telegramme.

f Polen, 10. Juni. Zum Rektor der hiesigen Akademie wurde gestern an Stelle Kühnemcmns Professor Wernicke gewählt.

9. Juni. Lothringische und fran.

tzösische Blätter berichten von einem Grenz- tzwischenfall bei - Amanweiler. Danach sollen zwei 'deutsche Soldaten, welche die Grenze überschrit­ten haben, von einem französischen Gendarmen zu rückgebracht worden sein, wobei es zu Tätlich­keiten gekommen sei. Wie die Blätter ferner netben, sollen die Soldaten später wieder zur Grenze zurnckgekehrt sein, wo neue Tätlichkeiten stattgesunden hätten. Die deutschen und die fran­zösischen Behörden wären mit der Untersuchung Des Zwischenfalls beschäftigt.

Paris, 9. Juni. Der Herzog von Chartres, ter sich zurzeit im Schlosse Saint-Firmin auf- hält, erhielt Kenntnis davon, daß die proviso­rische Regierung von Norwegen gesonnen ist, die 'Krone feinem Schwiegersöhne, dem Prinzen Waldemar von Dänemark, anznbieten.

Bukarest, 9. Juni. Die Nachricht von dem Tode des Fürsten Leopold von Hohenzollern rief im ganzen Lande große Trauer hervor und gab git BeileidSkundgebungen gegenüber dem Könige Anlaß. In der Hauptstadt wurde mit Trauer- fah-ien geflaggt. Die Deputiertenkammer und der Senat hoben ihre Sitzungen zum Zeichen der Tranerauf.

Tiflis, 9. Juni. Die blutigen Kämpfe zwi­schen Armeniern und Tartaren in Eriwatt dauer- ten am 6. und 7. Juni noch fort. Die Zahl dec Opftr ist nicht bekannt, doch sind es mehrere hundert. Die Tartaren ersuchten den persischen Konsul um Intervention. Zu Mittag am 7. Juni schritt endlich die bewaffnete Macht ein und die Stadt beruhigte sich. Die Hingebung der Stadt ist von den Kurden verwüstet und die Tar- tarcn erklärten denheiligen Krieg" gegen die Armenier.

Petersburg, 9. Juni. (Frkf. Ztg.) Die De- putation des Scmstwo-Kongresses, die ans MoS- kau hier eintraf, ist bereits nach Zarskose-Sselo ^(fahren, wo sie ohne Vermittlung des Ministers des Jnne-n einen Empfang beim Kaiser berbei- znführen beabsichtigt, um die Adresse des Kon­gresses zu überreichen. Unter den Abgeordneten Gesinden sich die Fürsten Dolgorukow, Lwow und Schgchowskoi, Graf Heyden und Herr Schipow. iSDie Verständigung aller politischen Parteien er» Meint als ein Ereignis von größter Tragweite. Man erwartet, daß der Zar die Deputation emp­fangen werde.

Manchester, 9. Juni. Der internationale Dauinwollkongreß beschloß, die nächste Tagung in Deutschland abzuhalten. In der Schlußsitzung

wurdenResolutionen gefaßt, welche an die Natio­nen Europas das dringende Ersuchen stellen, ihr Aeußerstes zur Förderung des Baumwollbaues in ihren Kolonialbesitzungen zit tun. >

Deutsche PfiuZsterr.

Man schreibt uns: Gleich dem Jul und Ostern ist zweifellos auch Pfingsten ein ursprüng- lich germamfches Fest. Wenn das Weihnachtsfest als Feier der Wintersonnenwende die immer grüne Verkörperung leuchtenden Menschheits- und Gottesglaubens darstellte, Ostern als das F.st der jubelnden Hoffnung erschien, so war Pfingsten die Feier des fröhlichen Dankes für die Verwirk- lichung des Frühlingstraumes. Das ist es auch geblieben durch die ganze Geschichte unseres Vol­kes hindurch.Seht, das hat der liebe Mai ge­tan!" sang Reinmar der Fiedler; und die gleiche Empfindung beseelt noch heute die Tausende, die an dein fröhlichen Frühlingsfeste ihrer Freude Ausdruck geben über all das Blühen und all das junge Liebesglück. Die christliche Kirche hot die­sen Empfindungen die Krone aufgesetzt, als sie Pfingsten zum Feste der Ausgießung des heiligen Geistes erhob. Auch in dieser Verbindung christ- lichen und germanischen Wesens liegt ein gar selten schöner Einklang, den man recht versteh m sollte; denn der rechte Geist allen deutschen Vol- kes ist immer frohgemut gewesen. Alle rechte deutsche Wissenschaft war immer eine fröhliche Wissenschaft, alle rechten deutschen Kämpfe für die Wahrheit waren immer von beglückendem Froh­sinn; Kopfhängerei, Verzagen am Leben und gar Verzagen am eigenen Volke: das sind gallige Tropfen fremder Art in deutschem Blute. Dessen soll man sich doppelt bewußt sein an dem Hoch- zcitsfeste des Jahres.

Fort mit unerhörten Zumutung, die den Wert des Lebens verneint, fort mit der schlaffen Griesgrämigkeit junger Greife, die uns weis machen wollen, unser ganzes Volk sei im Altern und Verfallen. Die so denken, stammen wahr­lich nicht aus gesundem deutschen Mittterboden, sondern sind Fremdlinge oder Sumpsa wüchse der Großstadt. In Wahrheit ist unser Volk jung und lebenskräftig. Und wie könnte denn das auch anders sein, da es ja kaum einige Jahrhunderte alt ist. Die Verschmelzuttg aus Nord- und West- germancn, die wir heute deutsch nennen, reicht doch nicht weiter zurück als auf die Kreuzzüge, wo im Gegensätze zu den Romanen die deutschen Kreuzfahrer ihre Bluts- und Wesenseinheit er- standen und das Wort diutisk, das seitens der Welschen auf sie angewandt wurde, in der .Hei­mat aber bisher nur int Gegensätze zu gelehrtem Wesen die Art des niederen Volkes, der dict, be­zeichnet hatte, zum gemeinsamen Volksnamen er- hoben. Und wollte man selbst, was kaum berech­tigt wäre, den Eintritt der Germanen in die Weltgeschichte als Beginn unseres Volkes bezeich­

nen: was bedeuten denn zwei Jahrtausende tut Leben eines Volkes, das so unerschöpfliche Wider­standskraft bewiesen hat wie die Germanen in der Völkerwanderungszeit und wie die Deutschen nach allen ihren verwüstenden Kriegen.

Nun, unser Vaterland steht heute in einer wahren Pfingstblüte, und gerade die letzten Tage haben uns triftige Ursachen gegeben, besten uns zu freuen. Ein Berichterstatter desEcho de Paris" hat dieser Tage aus Anlaß der Kron- Prinzenhochzeit eine Unterredung mtt dem Ober­hofprediger D. Dryander über den Kronprinzen gehabt. Mit Fug und Recht hat dieser Würdig- Geistliche darauf hingewiesen, ein wie prächttger, jugendfrifcher, unverdorbener Mensch unser Kron- Prinz sei, er fei die Ehre unseres Kaiserhauses an Reinheit der Sitten, Unbefangenheit der Auf­fassung und Klarheit des Gemüts. Kein Hof in Europa dürfe sich rühmen, inbezug auf die Rein­heit des Familienlebens mit dem aeutschen Kaiser- Hanse wetteifern zu können.

Nun sind die Sitten eines Fürstengeschlechts aber zu aller Zeit nur das Spiegelbild ihres Vol­kes gewesen. Wobl uns, daß Gott uns diesen Spiegel heute so rein und ungetrübt bewahrt bat. sorgen wir dafür, daß der geringste unseres Volkes, der da hineinschaut, sich nicht mit Scham und Ekel vor sich selbst wegwenden muß, sorgen wir aber auch vor allem dafür, daß die berechtigte Freude an deutscher Art unserem Volke nicht ver­loren gehe, daß wir Gott mit Fröhlichkeit dienen und daß wir in Herzensheiterkeit an den großen, sittlichen, wissenschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Aufgaben unseres Volkes arbeiten. Noch ist die Sommersonnenwende noch lange nicht erreicht und die schönste Zeit des Jahres liegt noch vor uns, mögen auch Gewitterschauer und Regen dazwischen fallen, so auch im Volksleben, das sich in den Jahreszeiten wiederspiegelt.

F. B.

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Umschau.

Juristendeutsch. " / "

Gerichtsassessor Dr. Riedingcr schreibt in der neuesten Nummer derDeutschen Juristen-Zei- tung": 1. Im Deutschen bezeichnet bei den aus zwei Hauptwörtern zusammengesetzten Haupt­wörtern das zweite beit weiteren Begriff, aus dem durch das erste ein Teil herausgehoben wird: Ein Regenmantel ist ein Mantel, und zwar unter den verschiedenen Arten von Mänteln einer, des­sen Eigenart itt seiner Beziehung zum Regen liegt. Daher darf es nicht, wie man jetzt oft lieft,Gewerbsunzucht" heißen, sondern nur Un­zuchtsgewerbe. Denn es handelt sich um ein Gewerbe, und zwar um das Gewerbe, das sich auf die Unzucht bezieht. Gewerbsun,zücht aber wäre die Unzucht, die sich auf das Gewerbe be­zieht, ebenso wie die Gewerbepolizei diejenige ist, die sich auf das Gewerbe bezieht.

Derselbe Fehler findet sich in dem auch itt den ReichsjuMgesehen vorkommenden Ausdruck Wertgegenstand" im Sinne vonWert des Streitgegenstandes". Wertgegenstände sind gol­dene Uhrett usw., nämlich Gegenstände, bereu Besonderheit in ihrem (hohen) Wert liegt. Da- gegen ist der Wert des Streitgegenstandes der­jenige Wert, den der in Rede stehende Gegen­stand hat, also derGegenstandswert", nicht der ^Wertgegenstand".

Hierher gehört auch der neuerdings auftau-, chende AusdruckUrschriftSladung" stattLa­dungsurschrift". Diejenige unter den verschie­denen Urschriften, die die Urschrift einer Ladung ist, ist die Ladungsurschrift, eine Urschriftsladung wäre eine Unterart der Ladung.

2. Zwar nicht zu dem zu 1 erwähnten Sprach- gesetze, aber doch zum mindesten dem Svrachge- gebrauch widersprechend und mißverständlich ist K, wenn man eine von Amts wegen vorzuneh-. mende Prüfung eineAmtsprüfung" nennt und' den sogenannten richterlichen Eid (§ 475 Z.-Pc.«. O.) alsRichtereid" bezeichnet. Unter der Asisi- sorprüfung versteht man die Prüfung zum Asses­sor und nicht die von einem Assessor vorgenom­mene; demgemäß wäre die Amtsprüfung dis Prüfung zu einem Antte. Und ein Parteieid, ent Zeugeneid, ist ein Eid, den eine Partei, ein Zeuge leistet, ein Richtereid also ein vom Richter ge­leisteter.

3. Atten- und Papierdeutsch schlimmster Sorte sinddas Ergebnis der stattgehabten Beweis­aufnahme" und der Antrag, die einge egte B> rnfuirg Zurückzuweifen". Eine Beweisaufnahme, die nicht stattgehabt hat '(einestattgehabte" gibt es sprachlich überhaupt nicht), kann kein Ergeb­nis haben, und eine Berufung, die nicht einge­legt ist, kann nicht zurückgewiesen werden. Es ist also vollständig überflüssig und schwerfällig, dies besonders hervorzuheben.

4. Falsch ist auch die leider in 5 201 Str.« P.-O. gesetzlich festgelegte Ausdrucksweise, wonach der Angeschuldigte einer strafbaren Handlung hinreichend verdächtig erscheint". Wer als Täter erscheint" oder der Täter zu seinscheint", der. ist verdächtig, er scheint es nicht nur zu fein.- Gegen den, der nur verdächtig erscheint, ohne cS zu sein, kann kein Hauptverfahren eröffnet wer­den. Vielleicht, daß hier die Strafprozeßreform auch in sprachlicher Hinsicht Abhilfe schafft. Jeden­falls liegt aber schon jetzt kein Grund vor, dir sprachwidrige Ausdrucksweife über den Fall des § 201 St.-P.-O. hinaus auszudehnen und auch die Untersuchungshast gegen einen Angeschnldig« ten zu verhängen, weil er der Tatdringend verdächtig erscheint": Nach §112 Str.-P.-O. darf nur der in Untersuchungshaft genommen werden, der der Tat dringend verdächtig ist.

Das Worterscheint" ist überhaupt, vielleicht iw Anschlüsse an diesen Sprachgebrauch, im Be­griff, im Juristendeutsch den Sinn vonist" an­zunehmen; so wird z. B. häufig gesagt:es er«

Zu PfinMen.

In der Herrgotts-Frühe Zwischen Tau und Tag, Webt so tiefer Frieden Ueter Wald und Hag. Aller Glanz der Erde. '

, Alle Farbenglut,

- In dein Dämmerscheine, Sanft behütet ruht.... Wandre hinaus in der Frühe Der Frühlingszeit ein, einmal nur. Lausche dem leisen Erwachen Still noch schlummernder Flur, Und es zieht Gottes Frieden Daun ins Herz Dir hinein. Harrst so dem mächt'gen

Es werde" leuchtendem Sonnettstr sii!

Siehe, nun wogt cs dort drüben . Golden am Himmelsrand,

Schlinget hernieder zur Erde Lichtverheißendes Band . . . Töne wie traumhaftes Singen Schweben im dämmernden Raum, Schwellen in Liedern und dringen Hin zum leuchtenden Saum! . . .

Leichte Nebel sie rinnen In Frühwindsweckendem Hauch, Wallen, wehen und perlen An Halmen, am dornigen Strauch! Näher auf flammenden Wogen Nahet fo herrlich und hehr Strahlenoer Tag und entsteiget Frührols schimmerndem Meer!

Sprache in feurigen Zungen Der ewigen Liebe und Macht. Tont aus des Tages Erwachen, Dringt durch die dunkelste Nacht. Rauscht wie die' Schwingen des Geistes, Der einst die Jünger erfüllt. Um deine Seele, und lichtet Was ihr durch Nebel verhüllt!

Jeannette Bram er«

88 'Nachdruck verboten.^

Schatten der Vergangenheit.

Roman von B. Corony.

k Fortsetzung.)

: "'Hielten wir nicht als Kinder schon gute Ka­meradschaft?" antwortete der junge Mann.

Allerdings. Eine Ihnen oder jemand von den Ihrigen zugefügte Beleidigung, würde auch mich empfindlich verletzen."

Und niemand auf der Welt dürfte es wagen, in meiner Gegenwart anders als mit Hochachtung von Susanne Heller zu sprechen."

Ich kann es nicht verschmerzen, daß man im Schlosse den Hochmut und. die Willkür so weit treibt, Ihren weit und breit verehrten Vater so plötzlich ohne Grund und Ursache beiseite zu schie­ben. Das muß dem alten Mann weh tun."

Es tut ihm auch weh, aber gedemütigt, wie Sie zu glauben scheinen, fühlt er sich nicht. Da­vor bewahrt ihn das Bewußtsein, stets nur das Beste gewollt zu haben."

Ja, ja, das giebt ihm freilich ein unbestritte­nes Reckt, stolz über jede unbefugte Anmaßung hinweg zu sehen. Ich wäre einer solchen Seelen­größe nicht fähig.. Mich würde gerade das un­verdiente am meisten wurmen und was konnte Ihr ehrwürdiger Vater dafür, wenn Gras Henry unferem lieben Lieschen nachstellte?"

Wie? Er hätte meiner Schwester nachge­stellt? Können Sie diese Beschuldigung verant­worten?"

Seine Finger umspannten plötzlich wie eiserne Klammern ihr Handgelenk.

. --Ja, das kann ich!" erwiderte Susanne.Die bcrden trafen sich fast täglich; aber ebenso gewiß ttetfj ich, daß 'es sich, was Lieschen betrifft, nur um einen ganz unschuldigen Liebestraum han- dctte, und daß alles zu Ende war. sobald Ihre Schwester von der im Schlosse projektierten Ver­lobung erftchr."

Eme Mitteilung, die wir Ihnen verdankten, wein Fraulein."

Ja, ich glaubte unter solchen Umständen über Dinge, die mir durch Zufall bekannt gewor­den waren, nicht schweigen zu dürfen: darum hielt ich eine Warnung für wohl angebracht."

Empfangen Sie nachträglich meinen Dank." Vom Schlosse ist uns allen noch nichts Gutes gekommen. Ich rechne darauf, daß Sie gegen Lieschen über das schweigen, was ich Ihnen jetzt anvertraut habe. Die Herzenswunde der armen Kleinen blutet immer noch; eine unsanfte Be­rührung würde die Heilung nur verhindern. Ich meine es,ja so gut ich möchte Glück und Frie­den in dieses Haus bringen!"

Davon bin ich überzeugt, Fräulein Susanne. Meine Mutter hat recht, wenn sie sagt:Mit Suscheu scheint immer ein heller, erwärmender Sonnenstrahl in die Stube zu schlüpfen und die Dunkelheit aus allen Winkeln zu verjagen."

Sagt sie das? Ich bin ihr auch ergeben, wie die treueste Tochter. Meine Hände mochte ich ihr unter die Füße legen, jeden Wunsch, den sie hegt, erfüllen, ehe er noch ausgesprochen wird. Mir ist ja leider das Glück nicht gegönnt, noch Eltern zu besitzen."

Aber Ihr Onkel ersetzt Ihnen doch den Vater."

.Er hat sich im Lanf der Jahre an mich ge­wohnt, aber tch fühle mich doch vereinsamt an sei­ner Seite. Er hat ja eigentlich nur Sinn für geschäftliche Interessen."

>,Die er eben seiner Pflegetochter wegen so eifrig verfolgt"

Allerdings, da er feine anderen Erben be­sitzt. Ich bin aber nicht habsüchtig. lieber Assessor. Der Reichtum könnte mir nur dann Freude machen, wenn ich ihn zuni Wohle derer, die mei­nem Herzen nahe stehen, anwenden dürfte."

Das ist schon und groß gedacht!" tagte Kurt. , Tie Zukunft wird Ihnen das erfebnt? Glück sicher nicht vorenthalten." f ».Meinen Sie?" sL- '" rIch bin dessen gewiß!"

, Ihre kirschroten, üppigen Lippen killen sich einem froher» Lächeln und ans den schwarzen .Augen brach es wie versengende Glut.

Sie neigte sich so nabe zu Kurt Walter, daß der heiße Hauch ihres Mundes seine Wange streifte, und flüsterte mit von unterdrückter Lei­denschaft bebender Stimme:

Ich will Ihnen glauben will glauben, daß Sie kein falscher Prophet sind, sondern der Erlöser, dessen ich harre."

Fräulein Susanne, wir wüsten uns ganz b'tflebert und offen aussprechen. Diese Not­wendigkeit sehe ich jetzt ein!" entgegnete Kurt bett offen.

Hellers Nichte aber wandte sich rasch ab.

Da fährt der Onkel vor," erwiderte sie.Ich keniitze beiD Wagen gleich zur Rückfahrt. Heute giebt es viel zu tun daheim. Bitte halten Sie mich nicht auf!"

In der nächsten Minute stano sie neben dem Wagen des Gutspächters und flüsterte hastig:

Ich fahre nach Waldorf. Kurt wird bei Dir um meine Hand anhalten. Wagt er es nicht, so mache ibm Mit. Ich rechne fest darauf, daß Du mir heute noch eine beglückende Botschaft bringst."

Na, meinetwegen! Wenn Du Dir die Dummheit 'mal in den Kopf gesetzt hast," brummte Heller achselzuckend.

Fräulein Susanne," rief der Assessor rasch herantretend,können Sie uns nicht doch noch ein Stündchen schenken?"

Nein, nein, es ist ganz unmöglich! Aber vielleicht darf ich Sie bald auf Waldorf be­grüßen?"

^Demnächst, gnädiges Fräulein!"

Er half ihr einsteigen. Sekundenlang klopfte ihr Herz wild erregt an "dem feinigen. Dann legte sie sich noch einmal ans dem Wagen und toarf dem Assessor eine Rose zu mit den Worten: Für Lieschen! Auf Wiedersehen!"

Er fing das duftende Wurfgeschoß auf und hielt es noch in der Hand, als Paul Heller seinen Arm nahm und ihn mit sich fortzog.

Zn Hanse angelangt, hatte Susanne de» Wagen wieder zurückgeschickt und die Lichter rechts und links vor dem großen Spiegel ange­zündet