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Eine Anzahl einflußreicher Nonveaer, welche

London leben, richtet an dieDaily News" fine Zuschrift, in der vorgeschlagen wird, den englischen Prinzen Arthnr von Con. «mght, Mester Sohn des .Herzogs von Con- naught und Neffen des Königs Eduard, zum König von Norwegen zu wählen.

Ob diese Meldung nicht als eine Art Versuchs­ballon, den dieDaily News" aufsteigen lassen, zu betrachten ist?

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Juni.

Seine Majestät der Kaiser begab sich gestern Donnerstag früh mit Automobil von Berlin nach Döberitz auf den Truppenübungs­platz, wo die Ankunft 8X» Uhr erfolgte. Der Kaiser bestchtigte das Garüekürasfierregiment und das 2. Gardeulanenregiment, worauf eine @k- fechtsübung folgte unter Hinzuziehung anderer Truppenteile. Der Hebung wohnten dieselben fremdländischen Herren tote vorgestern bei. Mittags ritt der Kaiser in das Barackenlager ein, neben ihm im lebhaften Gespräche der französische General de Lacroix und die anderen Herren der französischen Miss m. In dem Kasino des Lagers fonb ein Früstück statt, worauf die Rückfahrt nach Berlin angetreten wurde.

Das Königliche und Fürstliche Haus Hohen- zallern ist durch das bereits telegraphisch gemel­dete Ableben des Fürsten Leopold von Hohenzollern in tiefe Trauer versetzt worden. Der verstorbene Fürst Leopold, das Haupt der nicht regierenden fürstlichen Linie des Hauses Hohenzollern und Bruder des Königs Carol von Rumänien, war am 22. September 1835 geboren als Sohn des Fürsten Anton, der un Jahre 1849 sein Land dem König von Preu­ßen abgetreten hatte, in der lUberzeugung, damit em Opfer für die fiinftige Einheit Deutschlands ?u bringen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der 1858 bis 1862 Präsident des preußischen Staats- mmsteriums war, ist der Verstorbene nur einmal, ^ Erbprinz, politisch hervorgetreten, und zwar dadurch, daß seine sPanischeThronkandi- datur im Jahre 1870 der Vorwand zur ftan- -osischm Kriegserklärung wurde. Fünfzehn Jahre jpater folgte er seinem Vater als Fürst. Er war eniliches Mitglied des Herrenhauses und preußi­scher Generaloberst. Sein Atelier Sohn, der petzwe Fürst Wilhelm, steht im 42. Lebensjahre. Dieser verzichtete bekanntlich auf ine Thron- folge m Rumänien, die infolgedessen auf seinen jüngeren Bruder Ferdinand durch Ernennung Mn Prinzen von Rumänien am 18. März 1889 Eging. Der Verstorbene war vermählt mit antonta Tochter Königs Ferdinands II. von Portugal, aus welcher Ehe, außer dem jetzigen Fürsten Wilhelm als ältestem, noch der borge- nannte Prinz Ferdinand sowie Prinz Karl ent­stammen. Fürst Wilhelm ist vermählt mit Maria Theresia, Tochter des Grafen Ludwig von Trani aus dem bourbonisch.n Königshause von Neapel. Ter Ehe sind mehrere Kinder entsprossen.

Bei der Reichstagsstichwahl im Hannoverschen Wahlkreise Hameln-Linden er­hielt Hausmann (natlb.) 14 361, Brey (Soz.) 10167 Stimmen. Hausmann wurde also ge­wählt. Dank dem einmütigen Zusammengehen der rechtsstehenden Parteien in der Stichwahl hat die Sozialdemokratie abermals eine empfindliche Wahlniederlage erlittten.

77 Auch in Bayern ist ein Regierungserlaß die Angestellten bei staatlichen Verkehrsanstalten ergangen, daß ihre Zugehörigkeit zur sozial, demokratischen Partei bezw. ihre Mitglied, schäft del einem sozialdemokratischen Vereine mit den Dienstvorschriften der Post-, Telegraphen- und Eisen- »ahnverwaltung und dem geleisteten Diensteide un- vereinbar ist. Der Sozialdemokratie ist angesichts der bayerischen Landtagswahlen dieser Erlaß sehr «bequem. Deshalb schimpft auch die von Vollmar- fche .Münchener Post' aus Leibeskräften und stellt «ne parlamentarische Aktion in Aussicht, um festzu- stellen, ob die Regierung auch die Stimmenabgabe sm: sozialdemokratische Kandidaten durch Beamte als Mit Dienstpflichten und Diensteid unvereinbar ansehe, und ob sie überhaupt das Recht habe, sich in die politischen Angelegenheiten der Beamten einzumischen. Daß die Beamten einer Monarchie Dienst­pflicht und Diensteid verletzen, wenn sie Anhänger einer Partei zu einem Mandat verhelfen, Jne als Ziel die Abschaffung der Monarchie verfolgt, ist ohne weiteres klar, und daß die Regierung nicht wir das Recht, sondern auch die Pflicht hat, die Be­amten in diesem Sinne zu instruieren, kann gar nicht bestritten werden. Wenn die Sozialdemokratie sich Grüber beschwert, so ist das einfach widersinnig. Eie selbst würde, wenn sie an die Gewalt gelangte, «ch ganz anders mit der Beamtenschaft verfahren. Schon jetzt werden .Genosten', die sich in irgend einer Werse an patriotischen Veranstaltungen beteiligen, auS «r Organisation ausgeschlosten.

Deutsche Kolonie».

Südweftafrika. In Berlin ist gestern, 1- Juni, folgendes amtliche Telegramm einge­gangen: Cornelius von Bethanien, der am 22. Mai durch Hauptmann von Kopph unweit -nachab (80 Kilometer südwestlich von Keet- manshoop) gestellt und am 27. Mai aus einer starken Stellung bei Geious geworfen wurde, ist längs des großen Fischfluffes nach der englischen Grenze geflohen. Verschiedene deutscheTruppen- »bteilungen treiben die Banden Morengas vor M her und dem Oranjefluß zu. Sie haben zugleich den Auftrag, die Rückkehr der bereits auf englischem Gebiete befindlichen Bande Morris in die Gegend von Warmbad zu verhindern. Der Herero Andreas wird im Kuisebtal weiter von verschiedenen Seiten verfolgt. So schlug

27. Mai Hauptmann Blume im Vormarsche von Jakalswater nach Süden bei Goagas eine ISO Köpfe starke, anscheinend zn Andreas ge- hckcige Hererobande und verfolgte sie in süd- W^icher Richtung. Der Feind verlor 8 Tow. Generalleutnant von Trotha ist am 3. Juni fa Keetmanshoop eingetroffen.

Marbrms vud Nuigegeud.

(Nachdruck aller Crtflmalartitel Ist gemäß § 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marsiura, 9. Juni.

Historische Kommission für Hessen und Wal­deck. Nach dem 8. Jahresbericht ist der gegen­wärtige Stand ter wissenschaftlichen Unterneh­mungen der historischen Kommission folgender: Der Druck des ersten Bandes desFuldaer Ur­kundenbuches" konnte auch im verflossenen Be­richtsjahre nicht wieder aufaenommen werden, weil Professor Dr. Tangl durch Arbeiten und Reisen für dieMonumenta Germaniae historica" zu sehr in Anspruch genommen war. Er gedenkt den Druck nach Vollendung .es ersten Bandes der Karolingerurkunden im Lause des Sommers fortzusetzen. Der Bearbeiter derLandtags­akten", Professor Dr. G l a g a u bot die Bear­beitung zahlreicher Nachträge aus den Akten des Darmstädter und des Marburger Staatsarchives sowie aus Kanunger Archivalien in Angriff ge­nommen. Er hofft im Laufe des Jahres den Druck des zweiten Bandes beginnen zu können. lieber dieChroniken von Hessen und Wal­deck" wird berichtet, daß Pros. Dr. D i e m a r, zum Teil durch eine schwere Krankheit behindert, den Druck der Chroniken von Gerstenberg nur langsam fördern konnte: er gedenkt indessen, ihn im Laufe des nächsten Berichtsjahres zu Ende zu führen. Dr. Jürges hat ebenfalls infolge per­sönlicher Verhältnisse die Bearbeitung der Klüv- pelschen Chronik noch nicht abschließen können, jedoch steht zu erwarten, daß im Herbst dieses Jahres mit dem Druck wird begonnen werden können. Von denLandgrafenregesten" hat Dr. Grotefenddie Sammlung des Materials in Marburg bis 1308 beendet und die aus Darm­stadt, München und Wolfhagen übersandten Ur­kunden bearbeitet. lieber dasUrkundenbuch der Wetterauer Reichsstädte" wird berichtet, daß der erste Band des Friedberger Urkundenbuches im Geschäftsjahre erschienen ist. Für den zweiten Band hat Prof. Dr. von derRopp einige Vorarbeiten erledigt, doch muß die Weiterführung des Werkes einstweilen unterbleiben. Dafür ist die Bearbeitung des Wetzlarer Urkundenbuches durch Dr. Wiese- Marburg fuchsig gefördert worden. VomMünzwerk" wird mifgeteitt, daß Dr. Buchenau die Bearbeitung des Münzfundes bei Seega im Drucke noch nicht abschließen konnte, well der Umfang des Stoffes während der Arbeit noch anwuchs. Die Tafeln sind indessen im Licht­druck fertiggestellt und der Satz des Textes soweit vorgeschritten, daß das Werk in wenigen Wochen wird erscheinen können. Die von General­major z. D. Eisentraut im Auftrage des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde in Cassel gleitete Herstellung von Grundkarten ist auch im verflossenen Jahre rüstig gefördert worden und als drittes Blatt der Seksion Ziegenhain-Fritzlar erschienen. lieber das WerkQuellen zur Geschichte der Landschaft an der Werra" wird be­richtet, daß Dr. Huyskens die Regesten des A>- chives der Wilhelmiten in Witzenhaufen nahezu "fertig gestellt hat und er nunmehr au die Bear­beitung der Klosterarchive von Eickwege und Germerode herantreten wird, die Regesten der Klosterarchive sollen den ersten Band der Publi- kasion bilden. DieQuellen zur Geschichte des geissigen und kirchlichen Lebens in Hessen und Waldeck" werden bearbeitet von Professor Dr. Wiegand- Marburg und Pros. Dr. Köhler- Gießen. Nach einem neuen Modus der Arbeits­teilung übernimmt Prof Dr. Köhler die Samm­lung und Bearbeitung des Materials aus der Zeit Landgraf Philipps, während Pros. Dr. Wiegand die Zeit nach Philipp als Arbeitsfeld verbleibt. Die bisherigen Arbeiten lassen bereits ersehen, daß die Kenntnis der hessischen Kirchenaeschichfe durch diese Publikation eine recht erhebliche Be­reicherung erfahren wird.

* Sen der Marburger Kreisbahn. Wie uns mitgeteilt wird, fahre» aus Anlaß des zehn­jährigen Stiftungsfestes des Ebsdorfer Gesang­vereins, das am 2. Pfingstfeiertage mit einem um 2 Uhr uachm. beginnenden Festzuge eröffnet wird, auf der Kreisbahn folgende Sonderzüge: Vormitt., ab Marburg 11,50, ab Cappel 11,56, ab Ronhausen 12,04, ab Bortshausen 12,10, an Ebsdorf 12,18. Ab Ebsdorf 12,28, ab Bortshaufen 12,37, ab Ronhausen 12,43, ab Cappel 12,50, an Marburg 12,56. Auch für diejenigen, die des Nachmittags nach den Lahn­bergen Ausflüge unternehmen wollen, wird von der Bahnverwaltung die Einlegung eines Sonder­zugs beabsichtigt, der nach folgendem Fahrplan verkehren soll: Nachmittags Marburg ab 3,40, Cappel ab 3,46, Ronhausen ab 3,55, Borts­hausen ab 4,01, Ebsdorf an 4,09. Ebsdorf ab 4,20, ab Bortshaufen 4,29, ab Ronhausen 4,35, ab Cappel 4,43, an Marburg 4,48. Ferner wird beabsichtigt, sofern nicht schlechtes Psingst- wetter der Bahnverwaltung einen Strich durch die Rechnung macht, diesen letzteren Sonderzug (3,40 uachm.) auch am 1. und 3. Feiertag ver­kehren zu lassen. Entsprechende Bekannt­machungen werden in der morgigen Sonntags­nummer erfolgen, auf die wir im Voraus auf­merksam machen.

* Adressierung der Feldpostseuduugeu nach Deutsch-Südwestaftika. Nach den Wahrnehmun­gen der beteiligten Postanstalteu werden die Postsendungen an die mobilen Truppen in Deutsch-SüÄvestaftika vielfach mit unrichtiger oder ungenauer Aufschrift versehen. Dies hat zur Folge, daß die Feldpossiendungen häusig mit erheblicher Verzögerung in die Hände der Empfänger gelangen, weil wegen der mangel­haften Aufschriften die Empfänger beim Post­amt in Windhuk erst durch das zeitraubende Nach- Wagen in den Listen der Schutztruppen-Ange- hörigen ermittelt werden müssen. Solche Ver­zögerungen machen sich bei der ohnehin langen Beförderungszeit besonders fühlbar. Das Publi- ftnn wird daher erneut daraus aufmerksam ge­macht, daß bei den Feldpostsendungen auf eine wnoufgc&attene Beförderung nur dann gerechnet werden kann, wenn die Sendunaen mit genauer und richtiger Aufschrift, wozu die Angabe des Truppenteils und der Kompagnie, Batterie uito.

gehört, versehen werden. Die alleinige Angabe Schutztruppe Südwestafrika" genügt keinesfalls.

* Die Wertschätzung der Leibesübungen für die Gesundheit mehrt sich. So plant die toürt- tembergische Regierung für alle höheren Knabe w und Mädchenschulen die Einführung eines beson­deren Spieliiachmittags, an welchem sich sämtliche Schüler und Schülerinnen beteiligen müssen. Die dortige Schulbehörde geht sogar, wie Oberstudien- rat Hauber in einer Lehrerversammlung aus- führte, fo weit, daß sie andere Stunden dafür Wegfällen und die Hausaufgaben für Meten Nach- mittag erlassen will, denn die körperlichen Hebun­gen müßten mehr gepflegt werden als seither, damit die Schüler eine wirkliche Erholung von der geistigen Tätigkeit fänden. Sollte dies nicht auch ein Fingerzeig für andere Personen sein, deren Geist tagsüber durch den Beruf in Anspruch genommen ist, wie sie ihren Körper vor den schädlichen Folgen geistiger Anstrengung durch Pflege der Leibesübungen bewahren können?

* P-kußis^ Klaffen-Lotterie. Die Erneuerung der Lose erster Klasse der 213 Lotterie ist jetzt bei allen Lotterie Einnehmern im Gange. Die Auszahlung der kleinen Gewinne (Einsätze) er­folgt sofort. Die höheren Gewinne werden einige Tage später aus^ezahlt.

* Alters«, Invalide«. u. Kraukeureutem. Für den Kreis Frankenbsrg stellen sich die Ergebnifle der Bewilligung von Alters-, Invaliden- und Krankenrenten in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende März 1905 wie folgt: Die eingeganzenen Anträge aus Altersrente betruoen 197. Davon sind erledigt durch Renten» betoiUigung 149, durch Ablehnung 44, durch Tod b Antragsteller ic. 4. Der Gesamt-Jahresbctrag der be­willigten Renten belief sich aus 18355.2(1 Mk Jon den Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt in '--t Landwirtschaft 91, in der Industrie 14, im Handel und Verkehr 0, durch Lohnarbeit wechselnder Art 18, im Staatsdienst 23 und im Gesindedienst 3. Nach Abgang durch Tod ic. bleiben noch zu zahlen 42 Kosten im Be­trage von 5165.^0 Mk. Die eingegangenen Anträge auf Invalidenrente betrugen 383. Davon find erledigt durch Rentenbewilligung 292, durch Ablehnung 36, durch Tod der Antragsteller ic. 18. Der Gesamtbetrag der bewilligten Renten belief sich auf 39290.40 Mk. Von den Rentenempfängern sind bezw. waren beschäfsigt in der Landwirtschaft 174, in der Industrie 57, im Handel und Verkehr 7, durch Lohnarbeit wechselnder Art 15, im Staatsdienst 21, im Gesinde­dienst 18. Nach Abgang durch Tod re. bleiben noch zu zahlen 173 Posten im Betrage von 23444.60 Mark. Die eingegangenen Anträge aus Krankenrenten betrugen 14. Davon find erledigt durch Renten­bewilligung 14. Der Gesamt-Jahresbet rag der be­willigten Renten belief sich auf 2031.60 Pik. Von den Rentenempfängern find bezw. waren beschäftigt: in der Landwirtschaft 8, in der Industrie 0, durch Lohnarbeit wechselnder Art 4, im Staatsdienst 0, im Gefindedienst 2. Nach Abgang durch Tod bleiben noch zu zahlen 7 Posten im Betrage von 1065. Mark. Der Gesamt - Jahresbetrag der bewilligten Renten betrug überhaupt 59 677JO Mk. Von der Landes- Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, deren Bezirk die Regierungsbezirke Cassel und Wiesbaden, sowie daS Fürstentum Waldeck umfaßt, sind feit dem 1. Januar 1891 überhaupt bewilligt: 9 ICO Altersrenten im Ge- sammt-Jahresbetrage von 1252 850.80 Mk., 27946 In- Validenrenten im Gesamt - Jahresbetrage von 3941726.80 Mk., 1768 Krankenrenten im Gesamt- Jahresbetrage von 273432.90 Mk., im Ganzen 38814 Renten mit einem Gesamt - Jahresbetrage von 5 468 010.50 Mk. Hiervon sind nach Berücksichtigung der durch Tod re. erfolgten Abgänge Ende März 1905 noch zu zahlen 2957 Altersrenten int Gesamt- Jahresbetrage von 435129.40 Mk., 15674 Invaliden­renten im Gesamt-Jahresbelrage von 2295404.90 Mk. 808 Krankenrenten un Gesamt - Jahresbetrage von 127122.20 Mk., im Ganzen 19439 Renten mit einer Gesamt - Jahresbetrage von 2857656.50 Mk. Der vom Reiche zu leistende Zuschuß beträgt 971950 Mk. Mithin bleiben Ende März 1905 aus Mitteln der Landes-Versicherungsanstalt Heflen-Nasiau an Renten zu zahlen jährlich 1885706.50 Mk.

* Erledigte Schulstellen. An der evangel. Volksschule zu Langenselbold ist zum 1. Oktober d. Js. eine Lehrerftelle neu zu besetzen. Die 2. Schulstelle zu Walburg ist zu besetzen. Die 2. Schulstelle zu Fürstenhagen ist neu zu besetzen. Die Schulstelle in Willingshain ist frei. Die evang. 2. Lehrerstelle zu Germerode soll anderweit besetzt werden. Die 2. Lehrer­stelle an der evang. Volksschule in Ernsthausen soll alsbald anderweit besetzt werden. Bei den Stadtschulen in Eschtoege ist eine Lehrer­stelle alsbald zu besetzen. Die erledigte Schul- und Küsterstelle in Gerterode soll wieder besetzt werden.

* DerGoldregen", ein beliebter Zierstrauch unserer Gärten, entfaltet z. Zt. seine prächtigen, goldgelben Blütentrauben. Doch über all feiner Schönheit vergesse man nicht, daß alle Teile dieses Strauches stark giftig find, und daß nicht nur die Samenkörner und die jungen Hülsen, sondern auch die Rinde, die Blüten und Blätter zum Erbrechen reizen und daß fie, von Kindern spielend in den Mund genommen oder gar ge­gessen, schwere Schädigungen, selbst den Tod herbeiführen können. Alle Eltern werden gut tun, gerade in dieser Zeit die Kinder besonders hieraus warnend hinzuweiscn.

* Viehseuche. Im Regierungsbezirk find zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Hersfeld: Kruspis. Kreis Kirchhain: Schweineseuche (Schweinepest): Stadtkreis Cassel: Cassel (Stadt.) Landkreis Cassel: Dörnhagen, Waldau, Heckershausen, Ihrings­hausen, Wahlershausen, Bettenhausen, Nieder­zwehren. Kreis Eschtoege: Dom. Fürstenstein, Schafhof. Kreis Fritzlar: Besse, Gudensberg, Kirchberg, Lohne, Gleichen, Werkel, Haddamar. Kreis Fulda: Ellers, Dom. Weihershof, Hofbieber (Verdacht). Kreis Gelnhausen: Unterreichenbach, Wirtheim, Untersotzbach. Kreis Hofgeismar: Langenthal, Dom. Trendelburg, Veckerhagen, Gottsbüren. Kreis Melsungen: Heinebach, Metzebach. Kreis Rotenburg: Hergeshausen, Hübenthal, Hornel. Kreis Wolfhagen: Dom. Rangen, Niederelsungen, Eimarshausen. B l ä 8 - chenauSschlag der Pferde: Kreis Fritzlars: Betzigerode, Kleinenglis. Geflügelcholera: Kreis Rinteln: Dankersen. Influenza der Pferde (Brufiseuche): Kreis Hofgeismar: Kressenbrunnev-

* Gegen dir Lehrlingszächierer. Die A» nähme von Lehrlingen betrifft eine Verfügung des Herrn Ministers fl'ir Handel und Gewerb» vom 15. Mai er., worin der Minister bemerkt, daß auf Grund der §§ 128, 139 1 der Gewerbe« ordnung die unteren Verwaltungsbehörden gegen ein Mißverhältnis der Zahl der Lehrling- zu der Art und dem Umfange des G toerbebetrie« bes einschreiten können. Daoei kann die Ent* Icffung eines entsprechenden Teiles der Lehrlings auferlegt und die Annahme von Lehrlingen über eine bestimmte Zahl hinaus untersagt werden. Zum Zwecke der Ausarbeitung einer Uebersicht, inwieweit die unteren Verwaltungsbehörden bis­her und mit Hilfe dieser Vorschriften bereits er«/ folgreich eingeschritten find, erfitckt der Herr Mi­nister festzussellen und dis zu einer angegebenen Frist anzi'wiaen, in wieviel Fälle. und für welche Art von Betrieben in den einzelnen Bezirken die" Herabminderung einer übe-mäßigen Zahl ' ;tt Lehrlinaen auf Grund der §§ 128, 139 1 der Ge­werbeordnung herbei geführt worden sst.

* Literarisches. Die Nummer H des »Hellen-, land' bat wißenden Inhalt: .Bald wird es Nacht',j .Am Erie» See' (Gedichte aus dem Nachlaß Richard' Jordans). .Henriette Keller-Jordan' lzum 70. Ge­burtstag mit Bildnis: von Dr. W Schoos. .Pfinglt» nacht', Gedicht von H ^ertelmann. .Zur Geschichte der Easieler Rathäuser' (Schluß» von C. Neuber. .Zum Bonifat us-Jubiläum in Fulda', Gedicht von R. v. Boxberaer. .Die neuere Burgenkunde' vor» Ernst Hapvel. .Der Schillerkultus in Heffen'(Schluß) von Dr. W. Schoos. .Karriere', Novellette von H. Keller. Jordan. Aus alter und neuer Zeit. Au» Heimat und Fremde. Personalien.

* Der Deutsche Zimmermetstertag wird, wie mnmehr feflsteht, vom 29.31. Juli in Cassel stattsinden.

§ Schöffengericht. Zu dem gestrigen Bericht, daß ein hiesiger Student ein in Begleitung eines Oberjägers befindliches Fräulein von dem Bürgersteig berunterzestoßen habe und wegen Beleidigung zu 150 Mk. Geldstrafe verurteilt wurde, werden wir gebeten zu ergänzen, daß das Rencontre auf dem Gehwege fich nur zwischen dem Oberjäger und dem Studenten abspielte und daß die Verurteilung, gegen die Berufung eingelegt wurde, nur wegen beleidigender Be» mertunaen erfolgt ist.

§ Strafkammer. Ein umfangreicher Seiet» leidigungsprozeß aus der Stadt Franken- b er g, bei dem eine Menge Zeugen zu vernehmen waren, beschäftigte heute die Strafkammer. Al» Angeklagte erschienen der Kaufmann und Gast­wirt Robert Pohlmann und der Schreinermeister! Hermann Rohleder, beide aus Frankenberg. Die Anklagesache ist deshalb von weiterem Interesse, weil es sich gewissermaßen um die Kritisierung von Gemeiltdeangelegenheiten bezw. Mißbrauch der Amtsbefugnisse einiger städtischen Beamten handelte. So wurde beiden zur Last gelegt, im November v. Js. in Beziehung auf den Stadt- . baumeister Schwaner geäußert zu haben, daß letzterer, als er vor einigen Jahren das Bade» gelt» für ein Familienmitglied dem Vater Roh« leders, des Besitzers der Badeanstalt, bezahlte!, dabei gesagt hätte,dies hätte fich auch anders teglen können", mit anderen WortenRobleder! hätte den Betrag aus einer städtischen Rechnung unterbringen können", ferner hätte der Stadt­baumeister während der Abwesenheit des Bürger­meisters im städtischen Walde für feinen Bedarf Moos geholt, trotzdem dies für andere Leute vec- boteu war. Daun habe er einen der Stadt ge­hörigen Obstbaum umhauen lassen und den be­deutend wertvolleren Stamm für 20 Psg. gekauft. Vier weitere Fälle betrafen Vorwürfe gegen den Stadtbaumeister, daß städtische Arbeiter und deren Frauen ihm Privatarbeiten machen müßten, während die Stadt den Lagelohn bezahle. Dem Rohleder allein wurde noch zur Last gelegt, int Oktober 1904 dem Regierungspräsidenten in Cassel eine Beschwerdeschrift über den Burger-" meister geschickt zu haben, die falsche Anschul­digungen enthielt. Unter anderem wurde in die­ser Beschwerdeschrift behauptet, der Bürgermeister habe ihn (Robleder), weil er feinen Garten nicht für weniges Geld der Stadt verkauft, mit aller­hand Drohungen bedacht und diese zum Teil awfj ausgeführt. So habe der Bürgermeister gesagt, er kriege ihn noch einmal, es finde sich schon ein Grund, um mit Strafen vorzugehen. Dies fei auch tatsächlich eingetreten, denn bezüglich der Be­seitigung der Dungstätten ginge derBiirgerrneistev parteiisch vor. Er z. B. wobne ganz verborgen in einer Nebengass und trotzdem sei er ge­zwungen worden, um die Dnngstätte eine hohe Mauer zu ziehen. An der Hauptstraße lägen aber noch Dungstätten, die bis heute noch nicht be- fertigt seien. So etwa in diesem Sinne bewegte fick die Eingabe, wegen der Robleder mit unter Anklage stand. Die Angelegenheit kam dadurch in Fluß, daß zwei Stadträte, namens Neuschäsee und Gieseler, bei Rohleder vorsprachen, um mit diesem über den Verkauf dessen Gartens beim Seminarbau zu verhandeln. Bei der Bespre­chung war auch Pohlmann dabei uni) Jo gab ein Wort das andere. Rohleder beklagte sich darüber, daß ihn der Bürgermeister mit Gewalt gezwungen habe, bei seiner Mmtätie eine Mauer aufzu- führen, ihm seien sogar, weil er nicht bezahlt, dis Schweine gepfändet worden. Ferner besprach man auch die Bade-, Moos- und Arbeitergeschichte und selbstredend machten die Stadtratsmitglieder dem Bürgermeister am anderen Tage über das Ge­hörte Vorhalt und so kam dieSache in Fluß. Bei seiner Vernehmung beklagte sich Rohleder sehr darüber, daß ihm der Bürgermeister ausgesesseck fei, weil er feinen Garten nicht so billig herge- geben. Er habe ihn mit Strafe bedroht, tote ec dies auch bei anderen Leuten schon getan. Schrü- nerarbeit für die Stadt sei ihm seit dieser Zeit nicht mehr zngetoiesen tootben. Bezüglich de« Dnngstätte würde parteiisch gehandelt, denn m» manchen Straßen blieben sie liegen, während mack ihn gezwungen habe, die Mauer zu ziehen, trotz, dem er dadurch schwer in seinem landwirtschaft- liehen Betriebe behindert sei. Pohlmann bestä­tigte im wesentlichen die Angaben seines Mrtan- geklagten, soweit der Vorfall in der Stube bet der Unterhandlung über den Garten in Betracht kam. Magistratsmitglied Neuschäfer erzählt-, wie Rohleder und Pohlmann ihm damals ihr? Selb Lwüaat batten und machte auch Mitteilungen