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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonntagsbeilage: Illnsteirtes Sonntagsblatt.

Vierteljährlicher Bezugspreis^ btt der Expchitio« 2 Mk, Tkß> 1QQ 6tt allen Postämtern 2I5 Mk. <e$cL Bestellgeld).

wie. Avv ZnsertronSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

Reklamen: die Zeile 25 Pfg.

Zweites Blatt.

Marburg

Donnerstag, 8. Juni 1905.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck itttb Verlag- Joh. Aug. Koch, Univerfitätr-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

40. Jahrs.

Wie der amerikanische Arbeiter lebt, r In der Ende des Monats zur Ausgabe ge­langenden illustrierten WochenschriftDas Be­teil" veröffentlicht der bekannte Breslauer Na­tionalökonom Prof. Werner Sombart mit vor­stehender Ueberschrift einen Artikel, dem eigene Beobachtungen des Verfassers zu Grunde liegen, i,Wer je auch nur wenigs Tage," heißt es da, 'Ne Arbeiter in den Vereinigten Staaten be­obachtet hat, kann sich dem Eindruck nicht ent­ließen, daß die breiten Massen drüben ganz er­heblich besser leben als bei uns. d. 6. als in Deutschland oder gar in Ost- oder Südeuropa, Über doch auch besser als sÄbst in Frankreich und England. Hier wird ihm die geräumige Woh- tuing, in der selbst das Badezimmer nicht fehlt, in die Augenspringen; dort wird er sich über das reichliche Mahl wundern, das der Arbeiter als Lunch in der Fabrik verzehrt; überall aber wird ihm das schmucke Aussehen der Arbeiter, inson­derheit der Arbeiterinnen auffallen, schon wäh- rend er sie bei dec Arbeit beobachtet, aber noch mehr, wenn sie die Tore der Fabrik verlassen. Es fragt sich: sind diese Eindrücke, die der Tourist sammelt, richtig, den Tatsachen entsprechend und sind es die Eindrücke typischer Zustände oder zu­fälliger Einzelerscheinungen?"

Auf diese Frage vermag eine zuverlässige Antwort nur die Statistik zu geben, das heißt die methodische Massenbeobachtung. Eine solche Statistik der Lebenshaltung ganzer Nationen, -die noch dazu vergleichbare Resultate lieferte, fehlt nun freilich. Aber immerhin besitzen wir doch eine Reihe von gründlichen Untersuchungen. Speziell, die Vereinigten Staaten sind reich an vortrefflichen Enqueten über die Laae der ar­beitenden Klassen und gerade jetzt ist wieder eine derartige Enquete vom arbeitsstatistischen Amt in Washington publiziert werden, die-ge- neue Angaben über die Lebenshaltung Ein­nahme und Ausgabe von 25 440 wesentlich der Arbeiterschaft angehörigen Familien macht. Au den Ergebnissen dieser im 18. Jahresbericht des genannten Amtes publizierten Untersuchung, sowie an einer Reihe anderer zuverlässiger Zif- fern läßt sich mit einiger Sicherheit nachprüfen, vb die eingangs geschilderten Eindrücke allgemein giltige sind. Sombart meint, sie seien es. Er begründet dies, indem er in erster Linie feststellt, der amerikanische Arbeiter wohne zweifellos besser, als der deutsche. Es heißt in dem Ar- ftikel:Um mit dem Wichtigsten anzufangen: der kmerikanische Arbeiter wohnt zweifellos besser, dls der deutsche. Die Familien unserer Enquete hatten Wohnungen inne von durchschnittlich fast 5 Zimmern. Das mögen etwas übernormal günstige Wohnungsverhältnisse sein; aber sicher liegt der Durchschnitt der Zimmerzahl, über die die amerikanische Arbeiterfamilie verfügt, nicht weit unter vier, während man in Deutschland einen Durchschnitt von höchstens zwei wird an- nehmen, dürfen. Für die so viel ausgiebigere Befriedigung des Wohnbedürfnisses zahlt nun aber der amerikanische Arbeiter kaum absolut mehr, wie der deutsche für seine soviel kleinere Wohnung, sicher aber einen viel geringeren Teil seines Lohnes. Das macht: die Mietpreise sind in Amerika verhältnismäßig niedriger, selbst wenn man nur den Geldausdruck ins Auge faßt; die Geldlöhne aber sind zwei- bis drei Mal so

Der Kaiser auf ter Mittelmeerfahrt.

; Professor Dr. Theodor Schiemann, der als .ffnen der Gäste des Kaisers an der Fahrt ins Ustittelmeer teilgenommen hat, schildert int Juni­best derDeutschen Monatsschrift" die fesseln­den Eindrücke. Die Hauptsache laste sich in drei Worten sagen: Sie lag darin, daß von der Per­son des Kaisers eine Atmosphäre fröhlichen Be­hagens ansging. Er stellte durchaus die freien Beziehungen vom Menschen zum Menschen in den Vordergrund. Es gab keinerlei Zwang der Etikette., Schon die gleiche einfache Kleidung .brachte eine Art demokratischer Gleichheit, die bei >dcr Dienerschaft darin Ausdruck fand, daß sie je­dermann Erzellenz nannte. Bei den Mahl- -Zeiten gab es keinerlei , feste Plätze. Nur >oer rechts und links vom Kaiser und aeaenüber neben dem Grasen Eulenlurg sitzen sollte, wurde aus- driicklich bestimmt, und diese Ehre ist fast allen zuteil geworden. Am meisten Reiz boten die Un­terhaltungen nach Tisch. Selbst em glänzender Erzähler, der gern aus dem Schatz persönlicher Erinnerungen mitteilte oder eine Wissenschaft- ließe, philosophische oder politische Frage zur Er- örterung stellte, liebte es der Kaiser, auch sich er- .zähle» zu lassen und zu debattieren, wobei auch der Widersprich sein Recht fand. Man hatte die Empfindung, frei aussprechen zu können, was «nd wie man dachte. Nm 8 Uhr morgens »fanden die gemeinsamen Freiübungen statt, da­

hoch, wie bei uns. Jene fünfzimmerige Woh- nung kostet den amerikanischen Arbeiter 500 Warf; jedes Zimmer käme also ibn auf 100 Mark zu stehen. Da nun aber unsere 25 450 Familien ein Durchschnittseinkommen von 749,50 Doll., d. h. von 8248 Mark bezogen, so machte die Ausgabe für eine Wohnung von fünf Zim­mern nur 15,8 Prozent ihres Einkommens aus, während man in Deutschland mindestens ebenso- viel bei einer halb so großen Wohnung rechnen muß. Und in der Wohnung sellw schaut es wohnlicher aus. Die ersten Anschaffungen sind reichlicher, Ergänzung und Erneuerung des Mo- bilars findet häufiger statt. Nach einem Bericht, den wir über die Lage der Kohlenarbeiter Penw sylvaniens besitzen, beträgt dort der Preis einer Wohnungsausstattung 100 bis 150 Dollars, also 400 bis 600 Mark. Beträchtlich größer ab°r als in deutschen Arbeiterfamilien sind auch die Sum­men, die jährlich auf Anschaffungen verwendet werden. Die Familien unserer großen Enquete verausgabten dafür im Durchschnitt pro Jahr 31,13 Dollar, also etwa 125 Mark. Dagegen bezifferten sich die Ausgaben der 44 Nürnberger Arbeiterfamilien für Erneuerung und Reparatur ihrer Wohnungseinrichtung auf durchschnittlich 18 bis 19 Mark."

Die Nutzanwendung, die vom deutschen Standpunkte unseres Erachtens aus dieser Dar­legung Sombarts zu ziehen ist, kann keine an­dere sein, als die, auf die Bestrebungen unaus­gesetzt den größten Wert zu legen, welche auf eine Reform des Wohnungswesens überhaupt ab­zielen.

Die Frage der Wohnungsreform scheint uns sogar die zur Zeit wichtigste auf dem Gebiet der Sozialpolitik zu fein; neben der Verbesserung des Arbeiterversicherungswesens, soivie der Ausge­staltung des Arbeitsvermittlungswesens.

Hessen-Nassau imb Nachbargebiete.

Volkmarsen, 5. Juni. Heute früh um 5 Uhr ist im hiesigen katholischen Krankenhause ein aus Dortmund vor wenigen Tagen erst zugereister Arbeiter an Genickstarre gestorben.

Niederlistingen, 6. Juni. Gestern Abend ent­lud sich hier ein starkes Gewitter, welches von Escheberg nach der Dieme zog. Auf dem Rittergut Dedinghausen wurde eine Kub vom Blitz er­schlagen.

Neukirchen (Kr. Hünfeld), 6. Juni. Mit dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit machen sich auch die Kreuzottern in unseren Wäldern wieder be­merkbar. Der Prediger der Baptistengemeinde in Hersseld, Winbold, fand dieser Tage im Walde nahe bei dem Torfe Bodes zwei der gefährlichen Tiere und machte sie unschädlich.

Nausis bei Spangenberg, 6. Juni. Gestern Abend verletzte der hiesige Einwohner I. Knoche seine Frau iurch Beilhiebe so schwer, daß ihr Leben in ernster Gefahr schwebt. K. wurde noch an demselben Abend verhaftet und in das Unter­suchungsgefängnis nach Spangenberg abgeführt. Eheliche Zwistigkeiten, veranlaßt durch einen anonymen Brief an den Mann, in welchem die Frau der Untreue bezichtigt wurde, sind der Grund dieser Bluttat. Knoche zeigt sich sehr reu­mütig und gebrochen; vier kleine Kinder hat er zu versorgen. (Hess.Mgztg.)

Göttingen, 6. Juni. In der Familie des Eisenbahnarbeiters Schwarze sind die Pocken ausgebrochen. Die Sanitätsbehörde traf um­fassende Maßregeln. , .

nach turnte ein Teil der Herren in der mechani­schen Turnanstalt. Durch drahtlose Telegraphie blieb man bis 200 Meilen hinter Scheveningen in steter Verbindung mit der Heimat. Um 9 Uhr setzte man sich zum ersten, um 1 Uhr zum zweiten Frühstück und um 8 Uhr zum Mittag­essen. Zwischen 11 und 12 Uhr nachts wurde es still.

Einen ernsten Ton brachten die Sonntage durch die Dom, Kaiser geleiteten Gottesdienste. Da über sie törichte Vorurteile im Umlauf sind, erzählt Prof. Schiemann etwas mehr davon. Es war so sagt er ein Hauptgottesdienst, wie ich ihn als Kind so häufig auf-dem Gute eines älteren Verwandten mitgemachj hatte. Das Ganze war überaus würdig und eindrucksvoll. Der Kaiser las die Predigt eine von Goens, die andere von Dryander. ohne jedes Pathos, aber mit Nachdruck. Unvergeßlich war ein Ge­spräch nach der Predigt am letzten Sonntag. Man kam auf Babel und Bibel: der Kaiser hielt einen halbstündigen Vortrag, der den historischen Zusammenhang der altassyrischen und biblischen Ueberlieferung betraf; die Hörer waren erfreut nicht nur durch dis Sicherheit und dis Klarheit der Ausführung, sondern, namentlich durch die große und freie, historisch' lucids Auffassung des Problems. Geradezu erstaunlich ist das Ge­dächtnis dM Kaisers.. Und wie reich sind seins Erinnerung^-. Einmal SLzählts ef die Geschichte lewer Kämpfe um di? Begründung der deutschen

Hochschulnachrichten.

Gießen, 4. Juni. Die Frequenz 8er Landes- Universität. Nach vorläufiger Feststellung be­trägt die Zahl der an der Landesuniversität Gie­ßen in dem Sommersemester 1905 immatriku­lierten Studierenden 1077.

Göttingen, 4. Juni. DieUniversitttt Göttingen zählt, wie dieGött. Ztg." meldet, nach der vor­läufigen Feststellung in diesem Semester 1780 Studierende. Dazu kommen 43 Hörer und 71 Hörerinnen, so daß sich die Gesamtfrequenz auf 1894 beläuft. !

Vermischtes.

Remscheid, 5. Juni. Der hiesige Aerzte- tierein hat beschlossen, vom 1. Juli ab für feine Mitglieder die Sonntagsruhe einzuführen. Es werden keine Sprechstunden abgehalten und nur dringende Fälle behandelt. Die hiesigen Apo­theker haben die Sonntagsruhe schon seit dem 1. April und zwar ist hier die Sackte In der Weise geordnet, daß von den 5 Apotheken 3 mit Ein- tritt des Ladenschlusses für die übrigen Ge- schäfte ( 1 Uhr) schließen, die anderen 2 ober bis abends 9 Uhr im Turnus offenhalten. ®rin­gen! e Fälle werden natürlich auch hier durch die Neuordnung nicht berührt.

Elberfeld, 4. Juni. Drei Sicherheits­beamte standen vor der Sftaffammer, es waren die städtischen Nachtwächter Adolf Heckmann, Peter Weingarten und Andreas Kron von hier. Allen dreien war der Vorwurf der Bestechlichkeit, Heckmann außerdem noch derjenige gemacht wor- den, versucht zu haben, einen Zeugen zum Mein­eide zu verleiten. Die drei stehen schon längere Zeit int Dienste der Stadt und kamen bei Aus­übung ihrer nächllichen Funktionen oft mit her- umziehenden Dirnen und deren Sippe in Berüh­rung. Sie duldeten deren Treiben und erhielten dafür Trinkgelder und anderen Lohn. Die Dirnen, denen das Ausbeutungssystem zu stark wurde, plauderten aus der Schule. Natürlich flogen die Musterbeamten sofort. Geckmann ver­suchte einen Zeugen durch ein kleines Geschenk zu bewegen, reinen Mund zu halten. Heckmann wurde zu 1 Jahr 1 Woche Zuchthaus. Weingarten zu 1 Jahx und Kron zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Allen wurde die Fähigkeit zur Beklei­dung öffentlicher erntet auf die Dauer von 10 Jahren aberkannt.

Barmen, 5. Juni. Heute entbrannte zwi­schen zwei italienischen Erdarbeitern aus gering­fügiger Ursache ein erbitterter Kampf. Im Ver­laufe dessen zog der kleinere ein Messer und bohrte es seinem Gegner mit solcher Wucht in die Brust, daß derselbe niedersank und kurze Zett darauf verschied. Der Mörder wurde verhasttt.

Essen, 5. Juni. In der Menage des Schachtes IV der Zeche Rheinpreußen bei Moers gerieten die Bergleute Sontag und H. Wüst­mann in Streitigkeiten,, die aber von Arbeits­kameraden geschlichtet wurden. Als Wüstmann sich dann am Abend zur Ruhe begeben hatte, schlich sich Sontag in das Zimmer des Schlafenden und erschlug ihn, indem er ihm durch Axt» bezw. Beilhiebe den Schädel zertrümmerte. Dann zwängte er die Leiche mit dem Kopfe nach unten in einen Kleiderschrank, in welchem sie gestern erst aufgefuuden wurde. Sontag, der einem Arbeitskollegen in der Grube gegenüber ver­dächtige Reden geführt hatte, machte nach Auf­findung der Leiche einen Fluchtversuch. Nach

Kriegsmarine, die Geheimqesckichte, die hinter den Kulissen svielte und von der selbst die an- wesenden Admirale nur einen Teil kennen ge­lernt hatten. Natürlich wurde der Kaiser auch viel durch Geschäfte in Ansprach genommen. Abends machte er meist auf dem Promenadendeck in lebhaftem Gespräch mit einem oder mehreren der Herren seinen Spaziergang. Bei jeder Lan­dung trat für den Kaiser und sein Gefolge die Etikette in ihr Recht.

Den Besuch in Tauget schildert Prof. Schie­mann mit manchen originellen Einzelheiten. Der Sultan hatte feinen Soldaten, dem Tage zu Ehren, neue schwarze Strümpfe und gelbe Pan­toffeln verliehen; es waren lauter kräftige braune, zum Teil auch schwarze Gestalten, mit Flinten ältester Konstruktion bewaffnet. Sie schossen unaufhörlich, und danach warf Wohl der eine oder der andere seine Flinte in die Lust, um die int Wirbel Zurückfallende geschickt wieder .einzufangen. Die Kavallerie ritt in prächtigen - Kleidern und Waffen einher, zum Teil auf ' Pferden von wunderbarer Schönheit. Der Jubel . des Volkes war schier unglaublich. Deutsche, ' englisch, spanische Zurufe. Auf roten Zetteln, die man warf, standen in spanischer Sprache die Sähe:Es lebe Kaiser Wilhelm, es lebe die Un­abhängigkeit Marokkos, es lebe Spanien!" Am Balkon eines Hauses sah Schiemann eine etwas theatralische Szene: Eine französische Familie .hatte ihren hübschen Jungen auf die Ballustrade

seiner Verhaftung legte er ein volles Ge ständnis ab.

St. Johann-Saar, 3. Juni. Der Zahnarzt Brandenstein, gegen den die Staats­anwaltschaft ein Verfahren wegen unsittlicher Attentate auf narkotisierte Patientinnen einge­leitet hat, machte gestern in seiner Wohnung einen Vergiftungsversuch. Die Aerzie hoffen ihn am Leben zu erhaften.

Dortmund, 3. Juni. Bei dem Gruben­unglück am Dienstag auf der ZecheHeinrich Gustav" wurde ein Maschinenwärter lebendig be­graben. Heute konnte man ihm nach viertägiger ununterbrochener Arbeit durch einen kleinen Luftschacht Nahrung reichen. Heute Abend wird er wahrscheinlich befreit werden können.

Vier heim, 5. Juni. Eine blutige Familien- tragöine, deren Folgen noch nicht abzusehen sind, ereignete sich im nahen Dossenheim. Dort geriet nämlich der 49jährige Gastwirt Peter Wey mann wegen der beabsichtigten Einführung des Bier­oktrois dermaßen in Alteration, daß er nicht allein das gesamte Wirtschaftsinventar auf dis Straße zu schleudern sich anschickte, sondern auch seine Familie mit einem langen Schlachtmesser verfolgte. In der äußersten Notwehr streckte der etwa 23 Jahre alte Sohn im Augenblicke höchster Gefahr feinen rasenden Vater mit einem Revolverschujse nieder. Ter Zustand des schwer« verletzten Mannes gibt zu ernsten Bedenken Der« anlassung.

Heidelberg, 5. Juni. In Hirschhorn schlugen gestern Mitglieder des KriegervereinS PeterSthal, der nach Hirschhorn einen Ausflug machte, dem 76 Jahre alten Bürgermeister Zipp von Hirschhorn, als er den sich ungebührlich benehmenden Leuten Ruhe gebot, mit einem Bleiknüppel die Schädeldecke entzwei. Vier der Tapfer» wurden verhaftet. An dem Aufkommen des Bürgermeisters wird gezweifelt.

Gotha, 5. Juni. , Hier will man eine Musikautomatensteuer einführen. Zu diesem Zwecke wird jetzt von der Schutzmannschast ein Verzeichnis sämtlicher in den Restaurants befind­lichen Musikautomaten (Grammophons, elek­trischen Klaviere usw.) aufgestellt.

Kiel, 5. Juni. Als Gäste des Flotten­vereins trafen 150 Schüler aus Ostpreußen zur Besichtigung der Marineanlagen und der Flotts hier ein.

Skutari, 5. Juni. Der durch da? Erd­beben angerichtete Schaden ist noch nicht zu übersehen. Kein Haus ist unbeschädigt ge­blieben, sodaß gegenwärtig alles im Freien unter Zelten oder Notbaracken nächtigen muß. Bisher sind etwa 170 Tote unter den Trümmern hervor­gehoben worden, davon 10 Katholiken und mehr als 150 Mohammedaner. Die Zahl der Ver­wundeten wird auf 400 bis 500 geschätzt. Die Panik hält noch immer an. Der große Bazar bleibt geschloffen. An das Militärkommando in Zara erging die Bitte um rasche Absendung von 30 großen Zelten, die den in Skutari stationierten Beamten OesterreichUngarr's und deren Angehörigen bis zur Wiederherstellung der Wohnhäuser Unterkunft bieten sollen.

Aalesund, 6. Juni. Für die durch eine Brandkatastrophe betroffenen Einwohner der württembergischen Städte Ilsfeld und Amsdorf hat der Magistrat von Aalesund 1000 Mark ge­spendet.

Cetinje, 5. Juni. Heute Nacht wurden in Skutari wieder zehn Erdstöße verspürt, von denen drei stark und von Getöse begleitet waren.

des Balkons gestellt, so daß man ihn nicht über­sehen konnte. Er trug ein großes Plakat mit der InschriftFraternität" Wir haben sagt der Gelehrte nach Tanger noch vieles erlebt und gesehen; die märchenhafte Beleuchtung Gibraltars und der prächtigen englischen Kriegs­flotte, den Hafen von Mahon und eniblid) Kap Misenum, Ischia, Capri und die unvergleichliche Einfahrt in den Hafen von Neapel. Aber Tanger war der Höhepunkt.

Auf derHamburg" gab es noch eine Reihe herrlicher Tage. Aus Anordnung des Kaisers fuhr man stets so nahe wie möglich die Küsten entlang, so daß die wechselnden Landschaftspano­ramen voll genossen werden konnten. Auch für einen Photographen an Bord war gesorgt, dessen Aufnahmen die Erinnerung lebendig halten werden. Einmal lud der Kaiser z: einer kinemato- graphischen Aufführung ein, die prächtig gelang. Dann aber kam das Ende. Bei der letzten Mit­tagstafel trank der Kaiser auf das Wohl seiner Gäste: auf das Zentrum, den rechten und den linken Flügel. Das letzte Mein zirkulierte zur Sammlung von Unterschriften. Auch der Kaiser gab über 40 Mal feinen Namenszug her. Der letzte Abend ging noch bis spät in die Nacht in fröhlichem Beisammensein hin; der Kaiser blieb mitten unter feinen Gästen. Prof. Schiemann sagt am Schluffe: Ich glaube nicht, daß es je ein anderer Monarch so sehr anderen zur Freude verstanden hat zu reisen, wie Kaiser Wilhelm.